Interview mit Ljubov Amirov

Ljubov Amirov ist die Pflegedienstleitung der Tagespflege „Birkenhof“ in Dannau.

Frau Amirov können Sie mal einige wichtige berufliche Stationen in Ihrem Leben nennen?
Ich bin am 05. Januar 1995 mit meiner Mutter und meiner Schwester nach Deutschland gekommen.

Wo kommen Sie her?
Aus Dushanbe, der Hauptstadt von Tadschikistan.

Wie ging es für Sie weiter?
1996 bis 1999 habe ich eine Ausbildung zur examinierten Altenpflegerin absolviert – an einer Altenpflegeschule der Arbeiterwohlfahrt in Preetz in Schleswig-Holstein.
Danach war ich neun Jahre in den verschiedensten Einrichtungen tätig, zum Beispiel im Betreuungs-und Pflegeheim „Annenhof“ in Oldenburg, Holstein.

Was haben Sie dort hauptsächlich gemacht?
Ich war als leitende Nachtkraft eingesetzt.

Und, haben Sie sich noch weiterqualifiziert?
Ja, von 2007 bis 2009 habe ich ein Fernstudium absolviert, in Berlin-Kreuzberg.

Mit welchem Ziel?
Ich wollte den Abschluß zur Pflegedienstleitung erwerben.

War das nicht anstrengend?
Ja, schon.
Es ging auch nur, weil ich als Nachtkraft tätig war und mich so tagsüber qualifizieren konnte.

Frau Amirov, haben Sie Familie?
Natürlich. Mein Sohn Max hat gerade sein Abitur gemacht und sich bei der Polizei für eine Ausbildung beworben. Und Anvar, mein Mann, arbeitet als Physiotherapeut in einem Krankenhaus.

Wo waren Sie nach Ihrer Qualifizierung zur Pflegedienstleitung?
2009 bis 2010 war ich in einem ambulanten Pflegedienst als Qualitätsmanagerin angestellt.

Und wie sind Sie auf Frau Bürger getroffen?
Sie hat mich gefragt, ob ich offen sei für neue Herausforderungen.

Waren Sie?
Im Prinzip ja. Aber ich habe mir zunächst noch eine kleine Hintertür offen gelassen, wollte sehen, wie sich das Ganze entwickelt.

Haben Sie es je bereut?
Nein, nie. Frau Bürger hatte von Anbeginn so eine herzliche Art.
Es machte mir von Anfang viel Spaß, dort zu arbeiten.
Es ging sehr sozial zu, wir haben alles zusammen angepackt.

Das war doch anfangs nicht leicht, oder?
Nein. Gut war, dass wir auf Augenhöhe miteinander kommunizieren konnten.  Doch vor einigen Jahren war es noch nicht so leicht, wie heute.

Wie meinen Sie das?
Naja, die Vorgaben fehlten – zum Beispiel wie die Pflegedokumentation für eine Tagespflege auszusehen hatte.
Das mussten wir uns mühsam erarbeiten.
Ich habe sogar ein Buch bei einem Lehrer aus der Schule in Kreuzberg bestellt,  damit wir eine konzeptionelle Linie in die Arbeit bekamen. Trotzdem, wir waren unsicher, ob wir alles richtig machen.

Also eine sehr schwierige Zeit?
Ja schon, wir mussten Angehörige und künftige Tagesgäste gewinnen, mit Ärzten reden,  Pflegediensten und anderen an der Pflege und Betreuung beteiligten Menschen und Institutionen.
Es war gut, dass mich Frau Bürger zu vielen dieser Gespräche mitnahm. So wuchs ich ja auch nach und nach da mithinein.

Frau Amirov, können Sie mal so einen typischen Tagesablauf schildern?
Also, früh werden zwei Touren gefahren. 08.00 Uhr bis 09.30 Uhr gibt es ein ausführliches Frühstück. Anschließend wird aus der Zeitung vorgelesen, zum Beispiel das Horoskop oder die Bauernregeln – alles, was die Menschen aus dieser Region interessiert. Kurz vor 10.00 Uhr machen wir zum Beispiel gymnastische Übungen im Sitzen oder es wird gekegelt.
Immer je nachdem, wie sich die Gäste fühlen.
Es gibt Aktivitäten, die mit unseren Beschäftigungstherapeuten durchgeführt werden – unter anderen Quiz, Gedächtnistraining.

Kochen Sie mittags?
Ja, jeden Tag frisch. Wir stellen den Speiseplan wöchentlich auf, je nach den individuellen Wünschen der Gäste.

Wie geht es weiter?
Nach dem Mittagessen ist Ruhezeit angesagt.
Wir haben dafür einen extra Ruheraum, in dem elektrisch zu bedienende Sessel stehen. Die Senioren können hier bequem sitzen, liegen und ruhen. Wer das nicht möchte, der bleibt mit uns im Aufenthaltsbereich. Im Sommer können sich die Gäste, die nicht schlafen wollen ja auch auf unserer sehr großzügigen Terrasse die Mittagszeit verbringen. Gegen 14.00 Uhr ist die Mittagsruhe vorbei und es gibt Kaffee und Kuchen.

Auch selbstgebacken?
Ja. Wir backen jeden Tag frisch. 14.45 Uhr fährt die 1. Tour dann wieder nach Hause. Kurz vor 16.00 Uhr fahren die Gäste der 2. Tour zurück.

Das klingt gut. Sehen die Gäste es auch so?
Ja, auf jeden Fall. Manchmal sagen einige Gäste, sie wollen nach Hause und meinen zurück in die Tagespflege.
Ein schöneres Kompliment kann es ja für uns nicht geben.

Was ist das Besondere an Ihrem Team?
Wir arbeiten hier gern zusammen. Das klappt wie von allein.

Aber doch nur, weil Sie einen gut strukturierten Tagesablauf aufgebaut haben, oder?
Ja, schon. Aber war nützt die ganze Struktur, wenn es nicht Spaß macht. Und wir arbeiten gern zusammen, machen auch so manches in der Freizeit miteinander.

Also haben Sie Ihre Berufung gefunden?
Vorher, die neun Jahre im Nachtdienst, da war ich oft sehr fertig, habe mich gefühlt wie ein „Zoombie“. Jetzt gehe ich abends nach Hause, bin zufrieden,  ja glücklich mit dem, was ich am Tag getan habe. Wir bekommen einfach die Anerkennung – von Frau Bürger, den Gästen und den Angehörigen.

Was machen Sie, wenn es mal Probleme gibt?
Dann reden wir ganz offen miteinander. Ich mag es gar nicht,  wenn hinter dem Rücken geredet wird. Ansprechen, was verändert werden soll, was stört – das ist die beste Methode.

Frau Amirov zum Abschluss: Sind Sie ein glücklicher Mensch?
Ja, der bin ich. Ich habe eine tolle Familie,  einen wunderbaren Beruf, Chefs und Mitarbeiter, die ich nicht missen möchte.

Frau Amirov, vielen Dank für das Gespräch.

 

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