Ludmila Keil im Interview

Ludmila Keil ist im Pflegedienst „Kaiserpflege“ in Wedel tätig. Sie ist eine ausgebildete Krankenschwester und Palliativpflegefachkraft.

Frau Keil, wie verlief Ihr beruflicher Werdegang?
Ich komme aus Sibirien und lebe seit 2000 in Deutschland.

Was haben Sie in Sibirien beruflich gemacht?
Ich war als Feldscher in Sibirien tätig, brachte also schon eine gewisse Berufspraxis nach Deutschland mit.

Können Sie den Begriff des Feldschers näher erläutern – wodurch unterscheidet er sich von dem einer Krankenschwester?
Ein Feldscher übernimmt eine größere Verantwortung in der medizinischen Praxis.
Sibirien ist groß. Es konnte also nicht überall ein Arzt eingesetzt werden. Zum Beispiel war es sehr schwer, in manchen Gegenden in Sibirien im Herbst oder im Frühling zu den Patienten zu gelangen. Also hatte ich die Aufgabe vor Ort, im Dorf, die Bewohner zu versorgen, ihnen Medikamente zu verabreichen, zu spritzen, Entscheidungen zu treffen, was in einer bestimmten Situation mit dem Patienten zu tun war.

Wie lange haben Sie dort als Feldscher gearbeitet?
13 Jahre insgesamt.

War das nicht ein Kulturschock für Sie, als Sie nach Deutschland kamen?
Na ja, Kulturschock in gewisser Weise. Ich war 36 Jahre alt und sprach kein Wort Deutsch. Ich habe also zunächst einmal einen Deutschkurs für ein halbes Jahr besucht.
Schließlich mussten alle Papiere beschafft werden, um in Deutschland arbeiten zu können.

Womit ging es los in der Arbeit?
Es ging mit einem Praktikum los im Krankenhaus Wedel – 9 Monate lang. Zum Abschluss erhielt ich eine Urkunde und war damit anerkannte Pflegehelferin. Danach bin ich in einen ambulanten Pflegedienst gegangen. Später war ich in einer Diakonie wiederum in der ambulanten Pflege tätig.
Schließlich habe ich bis zum Eintritt in die Kaiserpflege im Deutschen Roten Kreuz gearbeitet.

Haben Sie denn noch mal einen Abschluss zur examinierten Altenpflegerin gemacht?
Wie gesagt, ich habe ja bereits in Sibirien 13 Jahre lang als Feldscher gearbeitet. Erfahrungen hatte ich also schon reichlich sammeln können – medizinisch und pflegerisch. Und so wurde mir nach einer zusätzlichen zweimonatigen theoretischen Ausbildung und weiteren zwei Monaten Praktikum der Abschluss als examinierte Krankenschwester in Deutschland zuerkannt.
Und: 2013 habe ich noch die Weiterbildung zur Palliativfachkraft absolviert.

Wann sind Sie zur Kaiserpflege gekommen?
Im Januar 2016.

Was gefällt Ihnen besonders an der Arbeit in der „Kaiserpflege“?
Hier sind alle tüchtig und hilfsbereit. Ich bekomme immer eine Antwort, wenn ich eine Frage habe. Und das Wichtigste: Es macht Spaß, den Leuten zu helfen.

Was ist Ihnen wichtig im Umgang mit Ihren Patienten?
Die Patienten sollen sich sicher fühlen – keine Schmerzen haben, sich einfach umsorgt wissen.
Nach einer Woche in der Betreuung sagen die Patienten das, nämlich, dass sie sich geborgen fühlen. Das ist eben meine Berufung. Mein Herz hängt an dieser Art der Arbeit.

Gibt es etwas, was Sie nicht so gern tun?
Der Umgang mit dem Tod gehört mit zum Leben – das ist mir sehr bewusst. Und in unserer Arbeit sind wir natürlich noch intensiver damit befasst – allein durch unsere palliative Fürsorge für schwerstkranke Patienten.
Trotzdem, wenn es einen Sterbefall gibt, dann gehe ich nicht so gern zu den Beerdigungen. Ich habe meine Familie verloren, meine Mutter, meinen Vater, meinen Bruder. Das steckt tief in mir.

Frau Keil, sind Sie persönlich ein glücklicher Mensch?
Ja, das bin ich. Ich bin glücklich mit meinem Mann, meiner Familie. Ich habe zwei Söhne. Beide sind gut erzogen, einer wohnt noch bei uns Zuhause. Ich komme auch sehr gut mit der Verwandtschaft meines Mannes aus – das macht mich glücklich. Ansonsten habe ich im Herbst Sehnsucht nach meiner Heimat, nach Sibirien.

Warum gerade im Herbst?
Wissen Sie, da ist es dort wunderschön – die Farben in der Natur, der Bäume, Felder und Wiesen, das ist schon faszinierend. Das trage ich bei mir im Herzen. Ansonsten ist Wedel jetzt meine Heimat – meine Familie, das Team in der Kaiserpflege – beides macht mich glücklich.

Frau Keil, ich danke Ihnen für das Gespräch.

Kontakt:
Ludmila Keil
Goethestr. 66a
22880 Wedel
Telefon: 04103 1877090
Telefax: 04103 1877085
E-Mail: ppd@kaiserpflege.de
www.kaiserpflege.de

Melani Parakenings im Interview

Melani Parakenings arbeitet im Team des Palliativpflegedienstes „Kaiserpflege“.  Das Interview fand im Juli 2016 statt.

Frau Parakenings, darf ich Melani zu Ihnen sagen?
Ja, gern.

Melani, können Sie etwas zu Ihrem bisherigen beruflichen Weg sagen, bevor Sie als Auszubildende im Palliativpflegedienst begonnen haben?
Ich bin froh, dass ich jetzt in der Pflege arbeiten kann. Das hätte ich gar nicht so gedacht.
Wie kam es dazu?
Meine Schwägerin erkrankte an Krebs. Mich hat in dieser Zeit beeindruckt, wie die Mitarbeiterinnen eines Pflegedienstes mit meiner Schwägerin umgingen – nicht nur fachlich kompetent, sondern eben sehr einfühlsam in jenen für uns alle nicht leichten Tagen. Zu diesen Mitarbeiterinnen gehörte  Carmen Luplow. Sie arbeitet heute ebenfalls im Palliativpflegedienst „Kaiserpflege“. Der Kontakt mit den Menschen, die sich so liebevoll um meine Schwägerin kümmerten – das war so ein Impuls zu sagen: Das will ich auch zu meinem Beruf machen.
Zu Ihrer eigentlichen Frage: Ich habe 1999 die Hauptschule abgeschlossen. Danach war ich in einer Konditoreilehre. Leider habe ich die praktische Prüfung nicht bestanden und bin also ohne Abschluss geblieben.

Warum?
Ich hatte in der Zeit einen Unfall, der mich aus dem Prüfungsprozess rausgebracht hat.
Danach wollte mich mein Chef nicht mehr weiter anstellen.
Die Fronten hatten sich da auch verhärtet, sodass ich dann selbst auch nicht bei ihm weiterarbeiten wollte.

Wie ging es weiter?
Ich wurde Verkäuferin in einem Sonderpostenmarkt in Wedel. Das war hervorragend. Die Arbeit hat mir persönlich sehr gut gefallen.

Warum?
Der Kundenkontakt, die Gespräche mit den Menschen und die Arbeitsatmosphäre – all das beflügelte mich, nachdem ich in der Konditorei anfangs ganz andere Erfahrungen, eben nicht so gute, gemacht habe.

Wie lange waren Sie in dem Sonderpostenmarkt?
Insgesamt fünf Jahre. Dann wurde ich schwanger. Meine Tochter wurde 2006 geboren. Später habe ich wieder im Verkauf begonnen – im gleichen Markt.

Und, haben Sie dort bis zu Ihrem Eintritt in den Pflegedienst gearbeitet?
Nein, ich habe noch bei einer Immobilienverwaltung angefangen zu arbeiten.  Dort, wo mein Mann noch heute tätig ist. Das war im April 2010.

Was haben Sie genau gemacht?
Ich war zunächst im Büro tätig, später habe ich auch Wohnungsübergaben gemacht oder auch solche Tätigkeiten, wie zum Beispiel die Treppenausreinigung.
Am 1. Oktober 2015 bin ich dann in den Palliativpflegedienst Kaiserpflege gewechselt.

Was macht die Ausbildung im Palliativpflegedienst besonders?
Das Besondere in der Ausbildung liegt natürlich im Tätigkeitsfeld.
Wir kümmern uns ja um Menschen, die schwer erkrankt sind und oft nur noch wenige Zeit zu leben haben. Was mich wirklich immer wieder beeindruckt, ist die Dankbarkeit, mit der uns die Patienten begegnen. Ich fahre ja bereits mit raus zu Patienten und da erlebe das ja hautnah mit. Das macht das ganz Spezifische, das Besondere an dieser Ausbildung aus.

Dürfen Sie denn schon mitarbeiten, wenn Sie mit in die häusliche Umgebung der Patienten fahren?
Auf jeden Fall. Sonst würde ich das ganze Procedere ja nicht lernen. Aber: natürlich unter Anleitung. Das sind zum Beispiel Tätigkeiten in der Grundpflege, die ich selbstständig ausführe.
Wann haben Sie denn Ihre Prüfung?
Im Oktober. Ich befinde mich faktisch in den Prüfungsvorbereitungen.

Und, schaffen Sie die Prüfung?
Aber selbstverständlich. Ich habe hier so viel Unterstützung. Da kann ich gar nicht anders, als zu bestehen.

Weil Sie von Unterstützung sprechen: Wie wichtig ist sie Ihnen in Ihrem Team?
Sehr wichtig! Ich brauche nur zu rufen. Und schon ist jemand da, der mir hilft. Ich schreibe nicht so gern. Da hilft mir zum Beispiel Carmen Luplow. Sie zeigt mir, wie ich besser und richtig formulieren kann.
Aber auch jede andere Kollegin bringt sich ein, beantwortet meine Fragen, zeigt mir, wenn ich etwas wissen möchte.

Melani, was ist Ihnen beruflich und privat besonders wichtig?
Anders gefragt, was ist für Sie Glück?
Ich bin glücklich, dass ich in so ein Team gekommen bin. Das ist ja auch etwas, was nicht jedem passiert.

Können Sie das noch besser wertschätzen, weil Sie schon in verschiedenen anderen Branchen und Unternehmen gearbeitet haben?
Ich denke ja. Das ist schon so. Die Tatsache, dass ich mit Freude zur Arbeit gehe, auf Menschen treffe, die mag und die mich so nehmen, wie ich bin – ja, das ist für mich ein großes Glück. Und natürlich: Die Familie, sie zählt ebenfalls zu meinem Glück. Ich bin verheiratet, habe eine Tochter, zwei Stiefsöhne und ein Pflegekind – und alles läuft harmonisch ab. Das ist schon ein sehr wichtiger Bestandteil meines Glücks.

Melani, ich danke Ihnen für das Gespräch.

Kontakt:
Melani Parakenings
Goethestr. 66a
22880 Wedel
Telefon: 04103 1877090
Telefax: 04103 1877085
E-Mail: ppd@kaiserpflege.de
www.kaiserpflege.de

Bärbel Nickels im Interview

Bärbel Nickels ist eine der drei Inhaberinnen im Palliativpflegedienst „Kaiserpflege“.

Frau Nickels, wie verlief Ihr beruflicher Werdegang vor der Gründung des Pflegedienstes?
Ich bin in Wedel geboren und in Holm aufgewachsen. Das ist hier meine Heimat. Ich habe zunächst Floristin gelernt und später in der Montage gearbeitet. Mir liegt das Handwerkliche.
1996 war ich in einem Unternehmen, das Schriften herstellte.
Doch dann kam immer mehr das Grafik-Design am Computer auf und ich wurde arbeitslos. In dieser Zeit bekam ich zum ersten Mal mit der Pflege in Berührung.
Mein Großvater war dement. Und meine Großmutter erlitt einen Oberschenkel-Halsbruch. Ich habe beide gepflegt.
Ich lernte zu dieser Zeit eine Krankenschwester kennen, die sah, wie ich mich um meine Großeltern kümmerte. Sie fragte mich, warum ich nicht in die Pflege ginge.
Und so begann ich wenig später als Pflegehelferin in Pinneberg.
Parallel habe ich die Ausbildung absolviert; immer abends von 19.00 bis 21.00 Uhr. Daran schloss sich ein Praktikum von vier Wochen an.
In dem Pflegedienst, indem das Praktikum stattfand, habe ich dann auch gearbeitet.

Wie lange?    
15 Jahre.

Und was passierte dann?
Die Chefin des Pflegedienstes ging in Rente. Ich fühlte mich nicht mehr wohl in dem Pflegedienst.
Danach bin ich zum DRK gegangen. Das war 2010. Dort lernte ich auch Frau Kaiser kennen. Sie war die stellvertretende Pflegedienstleiterin. Es war kurios, wie es losging.

Was meinen Sie?
Ich war am ersten Tag allein unterwegs. Und schon hatte ich einen platten Reifen am Auto. Ich erinnere mich genau. Das passierte an der Post. Die Männer standen herum und schauten zu.
Keiner bequemte sich, mir zu helfen. Ich rief meine Chefin an – Frau Kross  – und bat darum, den Hausmeister zu schicken, damit das Rad gewechselt wurde. Mir dauerte das aber alles viel zu lange.
Ich legte selbst Hand an. Einen der umstehenden Männer bat ich, das Rad anzuheben, wenn ich die Schrauben gelockert hatte. Nach einigem Zögern tat er das auch und ich konnte den Ersatzreifen aufziehen. Ich rief Frau Kross wieder an und teilte ihr mit, dass der Hausmeister nicht mehr zu kommen brauchte.
Frau Kross war so begeistert über meine Einsatzbereitschaft, dass sie mir die Probezeit erließ.
2012 habe ich die Ausbildung zur Altenpflegerin begonnen. Erst  kam das sogenannte kleine Examen – zum Ende des Jahres. Im Februar 2014 bestand ich die weiteren zwei großen Staatsexamen.
Ich habe gleich weitergemacht: Von Februar bis Mai 2014 absolvierte ich die Palliativausbildung.

Wie ging es weiter?
Im Juli 2014 hatte ich großes Pech: ein schwerer Unfall.
Ich wollte eine Patientin, die bettlägerig war, hochheben.
Sie litt unter Parkinson. Plötzlich sagte sie, sie schaffe es nicht und hängte sich mit ihrem ganzen Gewicht an mich – ein Deckenplattenbruch war die Folge.
Ich mußte zwei Monate ein Gestell tragen, konnte nicht aufstehen. Ich war völlig verzweifelt. Die Berufsgenossenschaft meinte, ich könne nicht mehr in meinem Beruf arbeiten.
Doch ich habe nicht aufgegeben – ich habe alles mitgemacht: Reha-Maßnahmen, Gymnastik und vor allem war da der eiserne Wille, es zu schaffen.
Dabei hatte ich noch großes Glück. Der Arzt, bei dem ich zunächst in Behandlung war meinte, das sei eine völlig normale Geschichte bei Pflegekräften. Erst als der Rücken immer mehr schmerzte, wurde die wahre Ursache diagnostiziert. Ich hatte wohl Glück im Unglück: ein Stückchen weiter und ich wäre im Rollstuhl gelandet.
Als ich allmählich wieder auf die Beine kam, entwickelte sich die Idee, ein eigenständiges Pflegeunternehmen zu gründen.
Ich sprach darüber sehr oft zum Beispiel mit Simone Kaiser, meiner heutigen Geschäftspartnerin.

Was war denn die eigentliche Initialzündung dafür, in die Selbstständigkeit zu gehen?    
Wie gesagt, der Unfall brachte mich dazu, darüber nachzudenken, was mir wichtig ist im Leben. Und mir war die Pflege wichtig. Aber ich wollte sie so gestalten können, wie ich es mir vorstellte.
Wir hatten  zum Beispiel einen Chef, der uns sehr viel bevormundete, obwohl er selbst gar nicht eine Pflegeausbildung hatte.

Worin bevormundete er Sie denn?
Er beanstandete zum Beispiel, wenn wir uns zu lange bei einem Patienten aufhielten, vielleicht mal ein Wort mehr mit ihm sprachen.
Dabei ist das so wichtig, sich Zeit zu nehmen für den Einzelnen.
Wir fingen also an, uns zu unterhalten, wie ein eigener Pflegedienst aussehen sollte.

Wer ist wir?
Simone Kaiser, Carmen Luplow und ich. Auf jeden Fall: Wir wollten den Pflegedienst kleinhalten. Ein kleines Team – eng miteinander verbunden, fachlich, sozial, emotional.

Was meinen Sie mit emotional?
Ich glaube, man muss sich mögen, wenn die Zusammenarbeit funktionieren soll. Und es muss auch so zugehen, dass jeder seine Meinung sagen kann, ohne dass es ihm gleich verübelt wird.
Wirklich der sein, der man ist – das ist für mich sehr wichtig.
Mir ist auch daran gelegen, dass wir nicht zu groß werden.
Im kleinen Team kann man miteinander besser umgehen, intensiver die Probleme besprechen, die Stärken aufeinander abstimmen.
Noch einmal zurück zur Initialzündung, zur zeitlichen Komponente:
Ich war bis zum 31. März 2015 in der Reha – Klinik in Bergedorf.
Am 02. April war die Eröffnung. Ich kam auf den letzten Drücker sozusagen zur Eröffnungsfeier. Aber es hat alles geklappt. Und heute bin ich froh, dass ich diesen Weg gegangen bin.

Was ist Ihnen am Anfang leicht gefallen und wo hatten Sie Schwierigkeiten, hineinzuwachsen?
Das was neu ist, braucht natürlich seine Zeit. Es gab vieles zu lernen – den Büroablauf zu organisieren, die Dokumentation richtig führen.
Da hat auch jeder seine Stärken.

Wo sind Ihre Stärken?
Ich bin ruhig und ausgeglichen. Ich habe von Haus ein Talent zu spüren, wenn im Büro etwas nicht stimmt, die Atmosphäre zu kippen droht. Da kann ich vermitteln und die Dinge im Lot halten, wie man so schön bei uns sagt.
Jeder geht ja auch anderes mit Stress um. Wichtig ist, jedem den Raum für die Entfaltung seiner Individualität zu geben – ich denke, das ist auch eine Stärke.
Meine Stärken liegen auf jeden Fall darin, zu erspüren, was Menschen wollen, sie wirklich dort abzuholen, wo sie sich aufhalten – emotional und rational. Das liegt sicher mit daran, dass ich hier aufgewachsen bin,  ich die Leute kenne und die Menschen mich kennen. Das erleichtert so manches Gespräch, besonders in den Anfangszeiten. Ich schaue auch im Haus, was den konkreten Patienten ausmacht – zum Beispiel, wenn er Eulen sammelt. Dann gehe ich natürlich darauf ein. So wächst allmählich das Vertrauen, die Leute fühlen sich verstanden und sie können sich auf uns einlassen, wissen, dass sie nicht allein sind, selbst in den schwersten Stunden ihres Lebens.

Wie gehen Sie damit um, dass Mensch vielleicht nur noch ein paar Wochen zu leben hat?
Das Wichtigste ist: Jeder, wirklich jeder Patient ist verschieden – in der Art, wie er damit umgeht, was ihn noch umtreibt, worüber er sprechen möchte.
Das ist schon eine Kunst, sich mit der nötigen Empathie dort hineinzubegeben. Das macht aber auf der anderen Seite den Reichtum unseres Tuns aus. Wir erfahren viel, können viel geben und werden quasi selbst beschenkt von diesen Menschen.

Gibt es ein Erlebnis, woran Sie sich in letzter Zeit gern erinnern?
Ja. Wir haben einen Patienten, der seinen 59. Hochzeitstag feierte.
Ich habe 59 Rosen besorgt und sie dem Ehepaar geschenkt.
Und was ganz besonders ankam: Ich habe die Blumen in Pastellfarben ausgesucht –  das ist mir intuitiv eingefallen. Die Wohnungseinrichtung war in diesem Farbton gehalten und ich hatte mir das gemerkt. „Das sind genau meine Farben“, reagierte die Ehefrau darauf und war sehr gerührt. Beiden hätte ich kein schöneres Geschenk machen können. Das ist eben das Besondere an unserer Arbeit: Du spürst sofort die Dankbarkeit, die dir entgegengebracht wird.

Ist das eine Stärke von Ihnen, aufmerksam zu sein?    
Ich glaube ja. Das ist mir sehr wichtig, und: meinen Patienten natürlich auch.

Was zeichnet Ihr Team aus?
Wir können uns aufeinander verlassen – zu 200%!
Und: Mein Team nimmt mich so – wie ich bin. Ich muss mich nicht verbiegen. Mir ist wichtig, dass wir alles besprechen können; dass wir es direkt ansprechen und nicht hinter dem Rücken. Ich denke, darauf kommt es an. Wir halten untereinander Kritik aus, diskutieren die Dinge und arbeiten weiter.
Ansonsten gibt jeder von uns alles – da, wo seine Stärken liegen.

Übrigens: Wir sitzen auch gern mal privat zusammen. Unsere Ehemänner sind dann oft ebenfalls dabei.

Was unternehmen Sie gemeinsam?
Wir feiern gern, trinken ein Glas Wein oder auch zwei, sprechen über andere Themen, als die der Arbeit. Wir waren schon im Theater und zu anderen Events. Der Zusammenhalt wird dadurch sehr gestärkt. Und: unsere Männer kennen sich dadurch untereinander sehr gut, erleben hautnah mit, wie gut wir uns verstehen.

Was verstehen Sie unter individueller Kommunikation mit Patienten?
Zunächst: Wir im Team tauschen uns sehr eng aus. Bei einer Neuaufnahme werden alle Informationen an die einzelnen Mitarbeiter weitergegeben.
Wir sind dadurch alle gleichermaßen auf der Höhe des Wissensstandes; jeder kennt den Patienten. Wir tauschen uns täglich aus – damit hier keine Informationen verloren gehen.
Das merken die Patienten auch.

Wie?
Wenn mir ein Patient etwas sagt, was ihm wichtig ist und ich habe zum Beispiel am nächsten Tag frei, dann wird das, was vereinbart wurde trotzdem für ihn umgesetzt. Und zwar von der Teamkollegin, die an dem Tag beim Patienten ist.
Wir tauschen uns wirklich immer zeitnah aus, damit nichts von dem, was wir mit dem Patienten vereinbart haben, auf der Strecke bleibt, womöglich einfach vergessen wird.
Wir finden stets Wege, miteinander zu kommunizieren; selbst wenn es mal eine kurze SMS ist, weil sich jemand im Urlaub befindet.
Mir ist wichtig, dass die Patienten in uns einen echten Ansprechpartner haben – nicht nur einen, der irgendwelche Worthülsen von sich gibt.
Das bedeutet: sich mit der Biographie des Menschen beschäftigen, herausfinden, was ihm wichtig im Gespräch ist.
Manchmal ist das Gespräch doch noch die einzige Freude, die mitunter schwerkranke Patienten haben.
Ich verstehe mich da als „Seelenklempner“ in der positiven Bedeutung dieses Wortes. Und wenn sie gar nicht mehr sprechen können, dann finden wir andere Wege, um uns zu verständigen.
Es kann ja sein, jemand verträgt keine kratzende Wolle am Körper – das müssen wir herausbekommen;
oder es gibt eine Unverträglichkeit für Milch.
Wir nutzen also alle Möglichkeiten – Informationen vom Arzt, Gespräche mit den Angehörigen oder engen Freunden.
Das Entscheidende ist: Man muss sich kümmern wollen, mit demjenigen kommunizieren wollen, dann geht das auch. Selbst ein Blick, eine Geste können wichtige Hinweise für uns sein, ob wir alles richtig machen oder ob etwas verändert werden muss.

Was ist für Sie persönliches Glück?
Ich habe 2006 meinen Mann gefunden – das ist mein größtes Glück. Er ist sehr verständnisvoll, fragt nicht, wenn ich nachts los muss – keine Eifersucht, keine Vorhaltungen.
Bin ich mal traurig, dann gibt es jemanden an meiner Seite, an den ich mich anlehnen kann. Das ist schon toll.
Wir wohnen in Heist – einem Vorort von Wedel. Ich bin sehr gern in meinem Garten – da kann ich alles vergessen und bin glücklich.
Mein Glück ist meine Tochter Julia. Sie ist verlobt, arbeitet im Einzelhandel, und sie liebt Tiere sehr. All das macht mich stolz und glücklich.
Mein Mann und ich fahren regelmäßig in die Sauna, samstagnachmittags. Ich lass mir Massagen geben – auch das ist ein Bestandteil meines kleinen Glücks.
Aber wir gehen auch gern tanzen. Wir sind sogar in einem Fan – Club  der Gruppe „Just for fun“ – reisen mit ihnen zum Teil mit.
Am Sonntag, den 05.06.2016 beginnt 03.00 Uhr in der Hamburger Auktionshalle ein Konzert – das geht dann in den Tag hinein. Darauf freuen wir uns schon.
Es sind eigentlich stets die kleinen Dinge, die einem die nachhaltigste Freude bereiten.

Zum Beispiel?
Wenn wir morgens auf der Veranda sitzen, die Sonne geht auf und wir sehen kleine Lämmchen oder Kühe auf der Wiese vor unserem Haus.
Meine Tätigkeit hat mich zur Einsicht gebracht, so zu leben, als wäre der aktuelle Tag der letzte in meinem Leben.
Das heißt, wenn es irgendwie geht, genieße ich zum Beispiel mit meinem Mann noch ein paar schöne Stunden.
Ich glaube, das ist eine Einsicht, die einen letztlich wiederum glücklich macht und mich stärkt für das, was ich meinen Patienten an positiver Energie weitergeben kann.

Frau Nickels, ich danke Ihnen für das Gespräch.

Kontakt:
Bärbel Nickels
Goethestr. 66a
22880 Wedel
Telefon: 04103 1877090
Telefax: 04103 1877085
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www.kaiserpflege.de

Simone Kaiser im Interview

Simone Kaiser ist eine der drei Inhaberinnen des Spezialisierten Ambulanten Palliativpflegedienstes in Wedel.

Frau Kaiser, wie verlief Ihr beruflicher Werdegang vor der Gründung des Pflegedienstes?
Ich habe als Krippenerzieherin begonnen und bin anschließend in die Kinderkrankenpflege gewechselt. Das war 1988 in Rostock. Dann kam die Wende. Zunächst habe ich als Arzthelferin in Rostock in der Zeit von 1990 bis 1993 gearbeitet.
Anschließend bin ich nach Elmshorn bei Hamburg gegangen und habe dort in der Nachtwache in einem Pflegeheim als Pflegehelferin gearbeitet – eine Woche Dienst, eine Woche frei, so war der Schichtplan. 1996 bin ich dann wieder zurück – nach Rostock. Ich wollte nie wieder in einem Pflegeheim arbeiten.

Warum nicht?
Ich hatte den Eindruck, dass die Bewohner im Heim nicht betreut, sondern nur „verwahrt“ wurden. Es ging um das Essen, die täglichen Routinearbeiten in der Betreuung, aber nicht um eine individuelle, eine fürsorgliche und zutiefst menschliche Zuwendung für die Pflegebedürftigen. Das hat mich enorm gestört.
Also ging ich 1997 in den ambulanten Bereich der Pflege – beim Deutschen Roten Kreuz in Rostock. 2001 bin ich nach Elmshorn gezogen und habe wiederum beim Roten Kreuz im Kreis Pinneberg gearbeitet.
Im gleichen Jahr erhielt ich übrigens auch meine staatliche Anerkennung als Pflegehelferin. Und: Ich konnte meine Ausbildung zur examinierten Krankenschwester beginnen. Das ist heute gar nicht mehr vorstellbar, dass es in der Zeit einiger Anläufe bedurfte, um einen solchen Ausbildungsplatz zu bekommen.

Was meinen Sie, woran lag das?
Ich denke, dass medizinisches und pflegerisches Personal längst nicht so nachgefragt wurde, wie heute. Zum Beispiel bekam ich 2004 bei meiner Suche nach einer Stelle vom Job-Center die Antwort: „Sie können sich auch im Ausland bewerben.“

Und, haben Sie das getan?
Nein. Ich bewarb mich wieder beim Deutschen Roten Kreuz und bekam in Wedel eine Stelle als stellvertretende Pflegedienstleiterin. Auf jeden Fall habe ich dort einige Jahre gearbeitet und mich auch zur Pflegedienstleiterin qualifiziert. Das war im Jahr 2013.

Was war denn sozusagen die Initialzündung dafür, als selbstständige Unternehmerin in die Pflege zu gehen?
Naja, ich wäre gern zur Pflegedienstleiterin aufgestiegen im ambulanten Bereich. Im DRK, dort wo ich arbeitete,  gab es aber keine Aufstiegsmöglichkeiten. Aber das war gar nicht mal der Hauptgrund.

Und welcher war das?
Mir gefiel nicht, dass ich den Pflegebedürftigen wieder nicht die Zeit widmen konnte, die mir vorschwebte, und die auch von den zu Pflegenden gefordert wurde. Es kam noch ein wichtiges Motiv dazu: Ich hatte meine ersten Qualifizierungen in der Palliativpflege hinter mich gebracht.
Und ich lernte meine späteren beiden Partnerinnen kennen – Carmen Luplow und Bärbel Nickels. Wir waren auf unterschiedliche Weise zu den gleichen Erkenntnissen gekommen: Wir wollten etwas aufbauen, bei dem die Patienten die wirklichen Gewinner sind.

Was meinen Sie damit?
Einfach den Patienten in den Mittelpunkt stellen, nicht dem Wort nach, sondern in der Tat, in der praktischen alltäglichen Pflege und Betreuung.

Was haben Sie mit diesen Überlegungen angestellt?
Wir haben am 02. April 2015 unseren eigenen Pflegedienst gegründet – im Bereich der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung.

Dann hatten Sie ja gerade Ihr einjähriges Jubiläum, oder?
Ja genau, und das haben wir auch kräftig gefeiert. Wir haben uns gut entwickelt. Inzwischen ist noch eine Mitarbeiterin bei uns – Ludmila Keil. Und Melanie Parakeings, unsere Auszubildende, hat ihre Probezeit erfolgreich überstanden.

Was ist Ihnen am Anfang leicht gefallen und wo hatten Sie Schwierigkeiten, in die Selbstständigkeit hineinzuwachsen?
Schwer gefallen ist mir am Anfang der gesamte Behördenkram. Und: die kaufmännischen, steuerlichen Aufgaben sowie die gesamte umfängliche Dokumentation, die zu leisten war.
Aber wir haben uns ja die Aufgabenfelder geteilt: Carmen Luplow kümmert sich schwerpunktmäßig um die Praxisanleitung, Bärbel Nickels um das Qualitätsmanagement. Das passt – wie man so schön sagt.
Wir sind ja auch in einem fast gleichen Alter – um die 50 Jahre. Haben also alle unsere Erfahrungen, die wir einbringen. Und das Risiko ist auch gut bei drei Geschäftspartnerinnen verteilt.

Was macht die Stärke Ihres Teams aus?
Zunächst: Die Kommunikation zwischen uns ist sehr gut. Das trifft auf das gesamte Team zu. Natürlich: Es gibt auch widerstreitende Argumente, die durch den „Raum fliegen“, wenn wir über bestimmte Themen diskutieren oder die Herangehensweise in der Betreuung eines konkreten Patienten besprechen. Doch das ist normal und gehört dazu. Sonst gibt es keine Entwicklung. Wir gehen wertschätzend miteinander um. Wenn wir schon untereinander nicht den Respekt zeigen, ja wie soll das dann erst im Umgang mit den Patienten sein?
Ich denke, es ist wichtig, den guten Kompromiss zu suchen, den Interessenausgleich zu finden, eine Lösung, in der sich die Ansichten aller wiederfinden. Oder die Situation verlangt eine bestimmte eindeutige Lösung und wir können uns nicht nur darauf einigen, sondern auch den Weg gemeinsam bestimmen, der zu gehen ist.
Das ist meines Erachtens nach die größte Stärke in einem Team.

Was macht denn die spezialisierte ambulante Palliativpflege besonders?
Die Dankbarkeit der Patienten im Moment der Versorgung. Sie haben ja während des Interviews faktisch mitgehört, wie Angehörige sich mit einer Anzeige bei uns bedanken wollen.

Ja, habe ich. Mehr muss man eigentlich gar nicht wissen.
Wie gehen Sie mit Stress um?
Ich arbeite gern, sehr gern. Aber manchmal brauche ich eine Auszeit. Da fahre ich nach Mecklenburg, freue mich am Wasser darüber, wie schön das Leben sein kann.

Kann es sein, dass Sie aufgrund Ihrer Arbeit mit Palliativpatienten das besonders zu schätzen wissen?
Auf jeden Fall. Es ist doch so, dass selbst der nahende oder feststehende Tod in der nächsten Zeit nicht heißt, dass die verbleibenden Monate, Wochen, Tage oder Stunden keine Lebenszeit sind.
Im Gegenteil: Der Wert des Lebens bekommt in diesen Momenten ganz besonders scharfe Konturen. Ich habe zum Beispiel gelernt, nicht immer zurückzuschauen, sondern mich auf den Augenblick zu konzentrieren, ihn wahrzunehmen und zu genießen.
Wir haben ja nicht nur schwerstkranke Patienten, deren Lebensende abzusehen ist. Es gibt auch Menschen, die wir in einer schwierigen Situation gepflegt und die wir dann später zufällig auf der Straße wiedergetroffen haben. Das ist ein ganz besonders beglückendes Gefühl für uns.

Sind Sie ein glücklicher Mensch?
Ja, das bin ich. Ich habe den Job, den ich liebe. Und ich habe eine glückliche Familie.
Frau Kaiser, vielen Dank für das Gespräch.

Kontakt:
Simone Kaiser
Goethestr. 66a
22880 Wedel
Telefon: 04103 1877090
Telefax: 04103 1877085
E-Mail: ppd@kaiserpflege.de
www.kaiserpflege.de

 

Interview mit Jaqueline Pfleghar

J. Pfleghar vermittelt osteuropäische Arbeitskräfte für pflege- und hilfsbedürftige Menschen in deren häuslichen Umfeld.

Frau Pfleghar, wie war Ihr bisheriger beruflicher Werdegang?
Ich bin für die Pflege der klassische Quereinsteiger.

Das ist doch nicht schlecht, denn dann haben Sie ja auch Erfahrungen in anderen Branchen sammeln können, oder?
Ja, natürlich. Da haben Sie schon Recht.
Ich habe den klassischen kaufmännischen Weg hinter mir. Nach der Schule habe ich eine Wirtschaftsschule besucht und anschließend eine kaufmännische Ausbildung absolviert.
Danach bin ich in den Personalbereich gekommen und habe dort von 1997 bis 2007 gearbeitet. Ich hatte auch Personalverantwortung.

Wie ging es weiter?
Im privaten Umfeld wurde ich mit der Tatsache konfrontiert, wie ich mich nachhaltig um eine sehr nahestehende Person kümmern kann – pflegerisch und betreuerisch.
Es tat sich für mich die Frage auf, wie ich das abdecken kann und gleichzeitig noch meinen privaten und beruflichen Verpflichtungen nachkommen konnte. Und damals war das längst nicht so gut geregelt wie heute.

Also waren das Ihre ersten Berührungspunkte mit der Pflege?
Das kann man schon so sagen, ja.

Was war die Initialzündung dafür, in die Pflege zu gehen?
Ich wollte mich zum einen beruflich verändern, stärker selbstbestimmt arbeiten, die Zeit einteilen können.
Und dann hat mich das Thema der Pflege schon interessiert.
Es war doch die Frage, wie Menschen, die zum Beispiel rund um die Uhr betreut werden müssen, eine entsprechende Pflegekraft bekommen. Ich war ja schon von meiner bisherigen Tätigkeit damit in Berührung gekommen.

Inwiefern?
Ich hatte mit Entsendungen von Arbeitskräften in andere Länder zu tun, kannte also die rechtlichen Rahmenbedingungen, die Herausforderungen, die damit verbunden waren.

Was ergab sich daraus für Sie hinsichtlich Ihrer bevorstehenden Tätigkeit in der Pflege?
Für mich war schon gleich klar, dass hier das Entsendegesetz nicht die adäquate Basis für die Beschäftigung von osteuropäischen Haushaltskräften in der Pflege war.

Sondern?
Der Haushalt selbst muss als Arbeitgeber auftreten, die Pflegekräfte aus dem Ausland einstellen.
Ich wollte genau das zu dem Zeitpunkt genauer wissen, wie es sich verhält mit dem Haushalt als legaler Arbeitgeber. Da habe ich mich dann sehr intensiv mit beschäftigt und bin auf die Weise in meine heutiges Tätigkeitsumfeld hineingewachsen.

Sind Sie übergangslos in das „kalte Wasser“ der Selbstständigkeit gesprungen?
Im Prinzip schon. Ich habe das alles zwar parallel zu meiner damaligen beruflichen Tätigkeit vorbereitet. Doch letztlich müssen Sie ja sozusagen „springen“. Und wenn Sie dann im Wasser sind, dann merken Sie erst einmal, wie „kalt“ es ist.

War es kalt für Sie?
Ich denke, für die wenigsten Menschen ist das Wasser „angewärmt“, wenn Sie sich in die Selbstständigkeit begeben.
Man schmiedet Bündnisse, trifft Absprachen, definiert Schwerpunkte. Doch die Zeit bringt hervor, worauf man sich dann letztlich konzentrieren muss.
Das war bei mir dann die Festlegung auf den Schwerpunkt der Betreuung und Begleitung von osteuropäischen Haushaltskräften im Einsatz für private Haushalte.

Wie kann man Ihre Tätigkeit in einen Satz fassen?
Das geht vielleicht nicht so. Dafür ist der Prozess zu komplex.
Ich bin für die Organisation zuständig, also alles, was getan werden muss, damit die osteuropäischen Haushaltskräfte optimal in der Pflege und Betreuung im jeweiligen Zuhause der Pflegebedürftigen eingesetzt werden können. Dazu gehört auch die Personalabrechnung, die Einhaltung der rechtlichen Rahmenbedingungen. Zur Kundenbetreuung gehört es entscheidend dazu, abzugleichen, wer zu wem passt. Wir bringen die zusammen, die zusammengehören. Letztlich entscheiden die Haushalte darüber, wen sie einstellen. Ich bin die Spezialistin für die Verträge, die Lohnabrechnungen, die komplette Betreuung.
Ich kümmere mich auch darum, dass die Frauen die nötigen Grundinformationen bekommen.

Was zum Beispiel?
Die Informationen darüber, was eine Sozialversicherungsnummer ist oder wie die Frauen ihre Sprachkenntnisse erweitern können.

Wie ist das mit der langfristigen Beschäftigung in den Haushalten?
Wir streben das an. Und in der Mehrzahl klappt das auch. Es ist ja nicht gut, wenn ständig neue Haushaltskräfte bei den zu Betreuenden anfangen. In der Regel sind die Frauen, die dort anfangen bereits in einem Alter, in dem sie nicht mehr auf ihre Kinder aufpassen müssen und sich so ganz um die Pflege und Betreuung kümmern können.

Wie erfolgt die Qualitätssicherung?
Zum einen betreue ich ja die Haushalte mit, führe Gespräche mit allen an der Pflege Beteiligten. Zum anderen gibt es vierteljährlich Kontrollen, die vom MDK oder der Pflegeversicherung organisiert werden.

Worauf wollen Sie künftig Ihre Anstrengungen richten?
Ich möchte den Kontakt zu den Familien noch vertiefen.  Das ist bisher noch zu kurz gekommen. Mir geht es darum, noch intensiver im Geschehen zu sein.

Waren Sie das bisher nicht?
Doch. Schon. Aber Sie wissen ja, wie schnell einen die bürokratischen Angelegenheiten in Beschlag nehmen.

Was wollen Sie im Personalcoaching angehen?
Ich will unter anderem mehr für die Frauen da sein, ihnen erklären, wie ein Seniorenalltag aussieht oder was die rechtlichen und inhaltlichen Grundlagen ihrer Beschäftigung im Haushalt sind.
Hinzukommt, dass ich noch stärker auf das Gesundheitsmanagement der Frauen achten möchte und ihnen mit einem online – Sprachkurs zu noch besseren Sprachkenntnissen verhelfen will.

Frau Pfleghar, was glauben Sie, wo Ihre Stärken liegen?
Das ist immer schwer, selbst einzuschätzen und darüber zu sprechen. Ich glaube, dass ich viel Erfahrung in der Personalbetreuung besitze, darin die Beschäftigung umfassend sicherzustellen. Was ich nicht gedacht hätte ist der Umstand, dass es mitunter doch zu zwischenmenschlichen Problemen kommt, die mich dann sehr belasten. Das lässt mich nicht kalt.

Aber sind Sie nicht gerade deshalb richtig für diese Art der Tätigkeit?
Im Prinzip schon. Ich musste auch lernen, dass ich es nicht schaffen werde, es allen in jedem Punkt recht zu machen.
Da muss man schon Kompromisse eingehen – auf allen Seiten.
Letztlich bin ich glücklich, wenn ich etwas für die Rechte der Frauen tun kann, die Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen mit uns zufrieden sind und wir etwas tun können, damit Menschen rund um die Uhr in ihrem eigenen Zuhause betreut werden können.

Frau Pfleghar, ich danke Ihnen für das Gespräch.

Kontakt:
JP-Personal für Ihre Pflege UG (haftungsbeschränkt)
Jacqueline Pfleghar
Lanzstr. 29
88045 Friedrichshafen
Telefon: 07541 9505048
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