Simone Kaiser im Interview

Simone Kaiser ist eine der drei Inhaberinnen des Spezialisierten Ambulanten Palliativpflegedienstes in Wedel.

Frau Kaiser, wie verlief Ihr beruflicher Werdegang vor der Gründung des Pflegedienstes?
Ich habe als Krippenerzieherin begonnen und bin anschließend in die Kinderkrankenpflege gewechselt. Das war 1988 in Rostock. Dann kam die Wende. Zunächst habe ich als Arzthelferin in Rostock in der Zeit von 1990 bis 1993 gearbeitet.
Anschließend bin ich nach Elmshorn bei Hamburg gegangen und habe dort in der Nachtwache in einem Pflegeheim als Pflegehelferin gearbeitet – eine Woche Dienst, eine Woche frei, so war der Schichtplan. 1996 bin ich dann wieder zurück – nach Rostock. Ich wollte nie wieder in einem Pflegeheim arbeiten.

Warum nicht?
Ich hatte den Eindruck, dass die Bewohner im Heim nicht betreut, sondern nur „verwahrt“ wurden. Es ging um das Essen, die täglichen Routinearbeiten in der Betreuung, aber nicht um eine individuelle, eine fürsorgliche und zutiefst menschliche Zuwendung für die Pflegebedürftigen. Das hat mich enorm gestört.
Also ging ich 1997 in den ambulanten Bereich der Pflege – beim Deutschen Roten Kreuz in Rostock. 2001 bin ich nach Elmshorn gezogen und habe wiederum beim Roten Kreuz im Kreis Pinneberg gearbeitet.
Im gleichen Jahr erhielt ich übrigens auch meine staatliche Anerkennung als Pflegehelferin. Und: Ich konnte meine Ausbildung zur examinierten Krankenschwester beginnen. Das ist heute gar nicht mehr vorstellbar, dass es in der Zeit einiger Anläufe bedurfte, um einen solchen Ausbildungsplatz zu bekommen.

Was meinen Sie, woran lag das?
Ich denke, dass medizinisches und pflegerisches Personal längst nicht so nachgefragt wurde, wie heute. Zum Beispiel bekam ich 2004 bei meiner Suche nach einer Stelle vom Job-Center die Antwort: „Sie können sich auch im Ausland bewerben.“

Und, haben Sie das getan?
Nein. Ich bewarb mich wieder beim Deutschen Roten Kreuz und bekam in Wedel eine Stelle als stellvertretende Pflegedienstleiterin. Auf jeden Fall habe ich dort einige Jahre gearbeitet und mich auch zur Pflegedienstleiterin qualifiziert. Das war im Jahr 2013.

Was war denn sozusagen die Initialzündung dafür, als selbstständige Unternehmerin in die Pflege zu gehen?
Naja, ich wäre gern zur Pflegedienstleiterin aufgestiegen im ambulanten Bereich. Im DRK, dort wo ich arbeitete,  gab es aber keine Aufstiegsmöglichkeiten. Aber das war gar nicht mal der Hauptgrund.

Und welcher war das?
Mir gefiel nicht, dass ich den Pflegebedürftigen wieder nicht die Zeit widmen konnte, die mir vorschwebte, und die auch von den zu Pflegenden gefordert wurde. Es kam noch ein wichtiges Motiv dazu: Ich hatte meine ersten Qualifizierungen in der Palliativpflege hinter mich gebracht.
Und ich lernte meine späteren beiden Partnerinnen kennen – Carmen Luplow und Bärbel Nickels. Wir waren auf unterschiedliche Weise zu den gleichen Erkenntnissen gekommen: Wir wollten etwas aufbauen, bei dem die Patienten die wirklichen Gewinner sind.

Was meinen Sie damit?
Einfach den Patienten in den Mittelpunkt stellen, nicht dem Wort nach, sondern in der Tat, in der praktischen alltäglichen Pflege und Betreuung.

Was haben Sie mit diesen Überlegungen angestellt?
Wir haben am 02. April 2015 unseren eigenen Pflegedienst gegründet – im Bereich der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung.

Dann hatten Sie ja gerade Ihr einjähriges Jubiläum, oder?
Ja genau, und das haben wir auch kräftig gefeiert. Wir haben uns gut entwickelt. Inzwischen ist noch eine Mitarbeiterin bei uns – Ludmila Keil. Und Melanie Parakeings, unsere Auszubildende, hat ihre Probezeit erfolgreich überstanden.

Was ist Ihnen am Anfang leicht gefallen und wo hatten Sie Schwierigkeiten, in die Selbstständigkeit hineinzuwachsen?
Schwer gefallen ist mir am Anfang der gesamte Behördenkram. Und: die kaufmännischen, steuerlichen Aufgaben sowie die gesamte umfängliche Dokumentation, die zu leisten war.
Aber wir haben uns ja die Aufgabenfelder geteilt: Carmen Luplow kümmert sich schwerpunktmäßig um die Praxisanleitung, Bärbel Nickels um das Qualitätsmanagement. Das passt – wie man so schön sagt.
Wir sind ja auch in einem fast gleichen Alter – um die 50 Jahre. Haben also alle unsere Erfahrungen, die wir einbringen. Und das Risiko ist auch gut bei drei Geschäftspartnerinnen verteilt.

Was macht die Stärke Ihres Teams aus?
Zunächst: Die Kommunikation zwischen uns ist sehr gut. Das trifft auf das gesamte Team zu. Natürlich: Es gibt auch widerstreitende Argumente, die durch den „Raum fliegen“, wenn wir über bestimmte Themen diskutieren oder die Herangehensweise in der Betreuung eines konkreten Patienten besprechen. Doch das ist normal und gehört dazu. Sonst gibt es keine Entwicklung. Wir gehen wertschätzend miteinander um. Wenn wir schon untereinander nicht den Respekt zeigen, ja wie soll das dann erst im Umgang mit den Patienten sein?
Ich denke, es ist wichtig, den guten Kompromiss zu suchen, den Interessenausgleich zu finden, eine Lösung, in der sich die Ansichten aller wiederfinden. Oder die Situation verlangt eine bestimmte eindeutige Lösung und wir können uns nicht nur darauf einigen, sondern auch den Weg gemeinsam bestimmen, der zu gehen ist.
Das ist meines Erachtens nach die größte Stärke in einem Team.

Was macht denn die spezialisierte ambulante Palliativpflege besonders?
Die Dankbarkeit der Patienten im Moment der Versorgung. Sie haben ja während des Interviews faktisch mitgehört, wie Angehörige sich mit einer Anzeige bei uns bedanken wollen.

Ja, habe ich. Mehr muss man eigentlich gar nicht wissen.
Wie gehen Sie mit Stress um?
Ich arbeite gern, sehr gern. Aber manchmal brauche ich eine Auszeit. Da fahre ich nach Mecklenburg, freue mich am Wasser darüber, wie schön das Leben sein kann.

Kann es sein, dass Sie aufgrund Ihrer Arbeit mit Palliativpatienten das besonders zu schätzen wissen?
Auf jeden Fall. Es ist doch so, dass selbst der nahende oder feststehende Tod in der nächsten Zeit nicht heißt, dass die verbleibenden Monate, Wochen, Tage oder Stunden keine Lebenszeit sind.
Im Gegenteil: Der Wert des Lebens bekommt in diesen Momenten ganz besonders scharfe Konturen. Ich habe zum Beispiel gelernt, nicht immer zurückzuschauen, sondern mich auf den Augenblick zu konzentrieren, ihn wahrzunehmen und zu genießen.
Wir haben ja nicht nur schwerstkranke Patienten, deren Lebensende abzusehen ist. Es gibt auch Menschen, die wir in einer schwierigen Situation gepflegt und die wir dann später zufällig auf der Straße wiedergetroffen haben. Das ist ein ganz besonders beglückendes Gefühl für uns.

Sind Sie ein glücklicher Mensch?
Ja, das bin ich. Ich habe den Job, den ich liebe. Und ich habe eine glückliche Familie.
Frau Kaiser, vielen Dank für das Gespräch.

Kontakt:
Simone Kaiser
Goethestr. 66a
22880 Wedel
Telefon: 04103 1877090
Telefax: 04103 1877085
E-Mail: ppd@kaiserpflege.de
www.kaiserpflege.de

 

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