Warum erzählen? (1)

Erzählen klingt nach Märchen.
Jemand hat Zeit und erzählt. Keiner wird bestreiten, dass es wichtig ist, als Kind Märchen zu hören, sie erzählt zu bekommen oder sie selbst Kindern zu erzählen.
Erzählen ist viel mehr: Es ist eine Form für mich, auf Probleme aufmerksam zu machen, Geschichten zu erzählen, wie Menschen mit ihren Sorgen umgehen und wie sie es schaffen, trotzdem den Tag nicht nur „grau in grau“ zu sehen.
Demenz ist eine Krankheit. Über sie ist viel berichtet worden.
Es sind wissenschaftliche Forschungsergebnisse nachzulesen, es wurden Ratgeber für den Umgang mit demenzkranken Menschen herausgegeben.
Das ist zweifellos wichtig und kann auch nicht durch das Erzählen darüber ersetzt werden.
Trotzdem: Indem ich darüber schreibe, und du darüber liest, wie Angehörige ihre eigene Geschichte sehen, was sie selbst in der Familie erleben, wird deutlich, was Demenz eigentlich bedeutet – nämlich, dass es das Leben aller daran Beteiligten umkrempelt.
Eigentlich schreibe ich gar nicht über die Krankheit Demenz an sich. Vielmehr:
Ich schreibe darüber, dass wir das Leben darüber nicht vergessen dürfen, irgendwie damit klarkommen müssen, nicht die Kraft verlieren und vor allem den Glauben nicht an das, was schön im Leben ist.
Das ist ein Balanceakt. Keiner kann hier sagen, er wisse alles.
Der Erfahrungsaustausch hierzu kann viel bringen und regt dazu an, sich auszutauschen. Das ist mein Anliegen.
Manchmal denke ich: Leg den Füllhalter weg, geh lieber laufen. Aber wenn ich laufe, dann denke ich daran, wie ich weiterschreiben kann.
© Uwe Müller

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