Anna Henschel im Interview

Anna Henschel ist die Inhaberin des Pflegedienstes Herz & Hand in Duisburg

Frau Henschel, wie verlief Ihr beruflicher Werdegang?
Ich bin mit 14 Jahren von der Schule abgegangen.

Wann war das?
1970.

Was haben Sie danach gemacht?
Ich habe eine Friseurausbildung absolviert und war anschließend in verschiedenen Bereichen tätig – als Verkäuferin, zum Beispiel in einem Imbiss. Später wurde mein Mann arbeitslos. Das war eine schwere Zeit für uns. Mit 36 Jahren habe ich eine Umschulung zur Altenpflegerin begonnen.

Wie kam das?
Ich war in einer ABM-Maßnahme in einem Krankenhaus. Dort musste ich unter anderem einen älteren Herrn pflegen und betreuen. So begann ich allmählich, mich mit dem Bereich anzufreunden, Gefallen an dieser Tätigkeit zu finden.
Ich wollte also eine Umschulung zur Krankenpflegehelferin machen und später in einem Altenpflegeheim arbeiten.
Doch ich entschied mich dafür, eine dreijährige Ausbildung zur examinierten Altenpflegerin zu absolvieren.

Wie kam’s zu dem gedanklichen Umschwung?
Ich habe mich auf dem Arbeitsamt beraten lassen.
Dort meinte der Arbeitsvermittler, dass es für eine Tätigkeit in einem Altenpflegeheim besser sei, gleich eine fundierte Ausbildung anzugehen.

Und wie sah das aus?
Ich habe zwei Jahre Schule absolviert und danach ein sogenanntes Anerkennungsjahr.

Wie ging es nach der Ausbildung weiter?
Ich war ab 2004 in verschiedenen Bereichen der Altenpflege tätig – im Altenpflegeheim und in der ambulanten Pflege.
Mein Mann war in dieser Zeit drei Jahre arbeitslos. Also entschieden wir uns, gemeinsam in die Selbstständigkeit zu gehen und einen eigenen Pflegedienst zu gründen.
Mein Mann hat zu dieser Zeit noch eine Ausbildung zum Qualitätsmanager absolviert. Am 01.11.2016 entschied ich mich, die Versorgungsverträge für mich allein abzuschließen.

Wie kam es dazu?
Mein Mann konnte nicht mehr im Pflegedienst weiterarbeiten; schließlich verstarb er.

Das war ja dann für Sie eine sehr schwierige Zeit, oder?
Ja, tatsächlich. So kann man es sagen.

Was ist Ihnen in den Anfängen schwer gefallen, wenn Sie an die Gründung zurückdenken?
Wir haben ohne Kunden angefangen. Ich bin von Arzt zu Arzt gegangen, in Krankenhäuser und habe mit Sozialschwestern gesprochen. So sind wir langsam bekanntgeworden. Hinzukam, dass ich kein Büromensch war. Ich habe immer mit Menschen gearbeitet – war in Bewegung und im Kontakt mit Kunden.
Mir fiel es am Anfang schwer, die Dokumentation zu führen. Das musste ich mir alles hart erarbeiten.

Welche Rolle spielt für Sie die individuelle Pflege?
Für mich ist wichtig, dass die Leute von Anbeginn gut versorgt werden. Ich habe ja selbst die Erfahrung gemacht, wie wichtig es ist, auf die Bedürfnisse der Menschen zu achten.

Können Sie dafür mal ein Beispiel nennen?
Ja. Ich hatte mal am Anfang einen Fall, da lag ein Patient im Sterben. Ich war die ganze Nacht bei ihm. Morgens bin ich noch gegen 06. 00 Uhr in die Pflege gegangen.  Als ich wieder bei ihm vorbeischaute, war er noch am Leben und lächelte sogar. Das hat mich sehr berührt und war einer der schönsten Momente für mich.
Ich habe einem Menschen nicht mehr viel helfen können, aber ich war in seinen schwersten Stunden bei ihm. Und das hat er sehr dankbar aufgenommen.

Wie wichtig ist Ihnen die Wertschätzung gegenüber den Patienten?
Sehr wichtig. Manchmal erlebe ich, dass Mitarbeiter die Kunden duzen. Das finde ich nicht gut.

Warum?
Weil auch das eine Form ist, dem Gegenüber meinen Respekt zu erweisen. Und es ist die nötige Distanz gewahrt, die wir ebenfalls brauchen. Warmherzigkeit, Zuwendung zum Pflegebedürftigen, das kann man auch anders ausdrücken. Mir ist die Qualität in der Pflege und Versorgung wichtig, die Tatsache, dass alles getan wird für den Kunden. Wir haben übrigens auch von Anfang an darauf verzichtet, mit der „Stoppuhr zu hantieren“ und die einzelnen Schritte in der Pflege zeitlich zu messen. Sie sehen ja: Wir lagen damit nicht so falsch. Heute spricht alles von individueller Pflege. Sogar der Begriff der Pflegebedürftigkeit ist dafür neu gefasst worden.

Wie gehen Sie mit Problemen im Team um?
Ich spreche Probleme in der Teamsitzung an. Da geht es dann natürlich auch mal kontrovers zu.
Wir haben jetzt zum Beispiel ein Buch eingeführt, in das alles eingetragen wird, was wichtig ist und welche Anweisungen ich gegeben habe.

Zum Beispiel?
Die Leistungsnachweise sofort vorzunehmen und zu unterschreiben.

Was sind für Sie glücklichsten Momente?
Wenn ich mit meinem Enkel zusammen bin.

Frau Henschel, ich danke Ihnen für das Gespräch.

Kontakt:
Anna Henschel
Pflegedienst Herz&Hand
Tunnelstr. 1
47137 Duisburg-Untermeiderich
Telefon: 0203 – 578 35 72
info@herz-und-hand-du.de
http://www.herz-und-hand-du.de

© Uwe Müller

 

 

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