Timo Kleinsorge im Interview

Timo Kleinsorge ist der Inhaber und Geschäftsführer des ambulanten Pflegedienstes Kleinsorge GmbH im Raum Frankfurt a. Main.

Herr Kleinsorge, wie verlief Ihr beruflicher Werdegang vor der Gründung Ihres Pflegedienstes?
Ich habe nach dem Abschluss in der Realschule den Beruf des Kaufmanns gelernt und war danach sehr viel im Außendienst tätig.
Ich habe Produkte verkauft – später unter anderem für Bofrost.
Bei der Bundeswehr lernte ich, mich unterzuordnen und zu gehorchen.

Wo haben Sie gedient?
Bei den Fallschirmjägern.

Respekt! Das kann nicht jeder von sich sagen. Wann war das?
1995.

War Gehorsam für Sie wichtig?
Natürlich mag das keiner so gern hören, gehorsam zu sein.
Jedoch: Der Wert, sich Jemandem von den Weisungen her unterzuordnen, der auch die Verantwortung für Menschen und Prozesse trägt – das halte ich schon für wichtig. Im Übrigen: Das schließt das Mitdenken, das Einbringen von kreativen Ideen nicht aus, sondern auf jeden Fall mit ein. Vieles fällt mir heute aber auch leicht, weil ich eine sehr gute Erziehung durch meine Eltern genossen habe.

Wie ging es weiter?
Schließlich war ich Sekretär in einem Pflegedienst. Das war meine erste direkte Berührung mit einer Tätigkeit im Pflegebereich.

Was war für Sie die Initialzündung als selbstständiger Unternehmer in die Pflege zu gehen?
Da spielten mehrere Dinge mit rein. Zum einen konnte ich als Kind schon gut mit älteren Leuten umgehen.
Und dann kam eine Möglichkeit, über die sogenannte „Ich – AG“ sich selbstständig zu machen und einen Zuschuss auf Darlehensbasis vom Arbeitsamt zu erhalten.
Ich habe quasi mit Null Euro angefangen. Die Familie hat mir sogar noch Geld geliehen. Wofür ich heute noch überaus dankbar bin.
Ohne diese Unterstützung hätte ich es vermutlich nie geschafft.
Wir mussten ja gleich vier Mitarbeiter einstellen, damit wir die Zulassung bekamen, und zwar in Vollzeit. Hinzu kam die Anmietung eines Büros mit Telefon – und Faxanschluss.
Das alles war finanziell nicht so leicht zu stemmen.

Was ist Ihnen anfangs leicht gefallen und wo hatten Sie Schwierigkeiten, hineinzuwachsen?
Leicht gefallen ist mir der Kundenkontakt – die Gespräche bei der Neukundenaufnahme zum Beispiel.
Auch die kaufmännische Komponente und alles, was damit im Zusammenhang stand, habe ich von Anfang an gut hinbekommen.
Viel schwieriger war es für mich, die Mitarbeiter zu führen und alles in Einklang mit dem geltenden Arbeitsrecht zu bringen.
Wir wollten ja auch alles richtig machen – die rechtlichen Rahmenbedingungen einhalten und gleichzeitig möglichst nachhaltig für unsere Pflegebedürftigen da sein.

Im Jahr 2005 hieß es in der in Frankfurt/Main erscheinenden Bild: „Das ist der etwas andere Ambulante Pflegedienst in Frankfurt…‘verrückt‘ und das im allerbesten Sinne des Wortes.“
Können Sie das etwas näher erläutern?
Wir haben damals, so wie heute, alles gemacht. Zum Beispiel: haben wir Wohnungen von Messis geräumt, uns um sie und die Familienangehörigen gekümmert.
Also das, was vielleicht nicht jeder Pflegedienst tun würde.
‚Verrückt‘ bezog sich aber auch auf unseren Fuhrpark: Wir hatten Oldtimer – Fahrräder, coole Motoräder und: Wir machten auch schon mal mit unserem „Chevi“ Ausflüge.
‚Verrückt ist für uns, sich mit kreativen Ideen um Pflege- und Hilfsbedürftige kümmern, und zwar da, wo andere von vornherein sagen, dass sie es nicht machen würden.
Wir wollen Lebensfreude im Arbeitsprozess entwickeln. Das gehört einfach dazu, wenn wir das alles schaffen wollen.

Wie sieht für Sie individuelle Pflege und Betreuung aus?
Wir arbeiten fast ausschließlich mit Vollzeitkräften. Das ist ganz wichtig, denn uns liegt die Bezugspflege sehr am Herzen. Die Kunden wissen, wer zu ihnen kommt.
Und die Mitarbeiter kennen die Wünsche ihrer Pflegebedürftigen.
Wenn morgens jemand länger schlafen will, dann fahren wir eben später dorthin. Oder wir kennen zum Beispiel ganz genau die Frühstücksgewohnheiten und beachten das natürlich. Nur so kann Pflege und Betreuung wirklich individuell sein.
Es sind oft die kleinen täglichen kleinen Dinge, die dem Kunden wichtig sind und uns deshalb auch.

Was macht Ihr Team stark?
Wir haben flache Hierarchien.
In unserem Team soll sich jeder wohlfühlen und sagen können, was er denkt. Wir unternehmen viel gemeinsam – gehen zusammen etwas essen, trinken, verbringen einfach außerhalb der Arbeitszeit ein paar schöne Stunden miteinander. Und das nicht nur zur Weihnachtsfeier oder zu einem Frühlingsfest.

Gibt es auch mal Kritik von Ihnen?
Ja, selbstverständlich. Es kommt nur darauf an, wie man kritisiert. Wenn es wertschätzend erfolgt und für den Mitarbeiter hilfreich ist, dann ist jedem geholfen. Noch wichtiger ist mir aber das eigenverantwortliche Handeln jedes Einzelnen.
Das sind die wahren Motivationsfaktoren – selbstständig agieren und die Hilfe und Unterstützung erfahren, wenn es nötig ist.

Warum entscheiden sich Pflegekräfte für Ihre Einrichtung – was macht Ihr Unternehmen attraktiv?
Wie gesagt: Wir gehen freundschaftlich miteinander um. Unsere Mitarbeiter beziehen Gehälter, die über dem sonst üblichen Schnitt liegen. Und wir geben regelmäßig Gutscheine aus, die als zusätzliche Anerkennung für gute Arbeit gedacht sind.
Das Entscheidende aber will ich gern noch einmal untermauern:
Unsere Mitarbeiter fühlen sich wohl im Team, kommen gern zur Arbeit, gehen mit Freude mit den Pflege – und Hilfsbedürftigen um. Das ist die stärkste Motivation bei uns zu arbeiten, neben einer fairen Bezahlung und weiteren materiellen Vergünstigungen.

Was ist für Sie persönlich Glück?
Das ist nicht leicht zu beantworten. Auf jeden Fall gehört die Familie dazu, die zu einem steht.  Die Freude an den Kindern, wie sie sich entwickeln. Ich denke, die Lust am Leben ist ganz wichtig.
Das strahlt auf die Arbeit aus: Wenn wir unser persönliches Glück ein Stückchen in positive Energie ummünzen – ja dann kommt dieses Glück auch wieder vermehrt zu einem persönlich zurück.

Herr Kleinsorge, ich danke Ihnen für das Gespräch.

© Uwe Müller

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