Sandra Naber im Interview

Sandra Naber ist die Inhaberin des Pflegedienstes „Schwester Andrea Berkner“ in Templin.

Schwester Sandra, wir führen heute das zweite Interview miteinander. Deshalb möchte ich sofort einsteigen, darf ich?
Ja, natürlich.

Würden Sie den Pflegedienst „Schwester Andrea Berkner“ noch einmal kaufen, vorausgesetzt, Sie bringen die Erfahrungen von heute mit?
Nein, ich würde den Schritt nicht noch einmal so gehen.

Was sind die Gründe?
Ich bin examinierte Krankenschwester und ich liebe meinen Beruf, vor allem den Umgang mit Menschen. Also will ich möglichst viel bei meinen Patienten sein und auf diese Weise ebenfalls meine Mitarbeiter unterstützen. Aber das kann ich immer weniger, weil ich im Büro so viel zu tun habe.  Die Bürokratie frisst mich auf. Und genau in solchen Momenten kommt der Gedanke, ob dieser Schritt vor über zehn Jahren richtig war.

Was sind das für Arbeiten im Büro?
Nun, die Pflegedokumentation führen, die kaufmännischen und steuerlichen Angelegenheiten im Blick haben. Hinzukommen die Personalverantwortung und die Tätigkeiten, die sich aus der Pflegedienstleitung heraus ergeben – zum Beispiel den Tourenplan erarbeiten, mit Angehörigen sprechen, auf die Einhaltung der Qualitätsstandards achten. Insgesamt ist das manchmal solch ein Berg an Arbeit, dass es Kraft kostet, dabei positiv zu bleiben.

Wo liegt aktuell der Schwerpunkt in der Pflege bei Ihnen?
Ganz eindeutig darauf, die Anforderungen aus der Grund – und Behandlungspflege zu bewältigen.

Welche Rolle spielt bei Ihnen der Umgang mit an Demenz erkrankten Patienten?
Das spielt eine sehr große Rolle. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass der Anteil derjenigen Pflegebedürftigen, die unter Demenz leiden, zugenommen hat. Für uns ist das natürlich eine zusätzliche Herausforderung – zeitlich und im täglichen Umgang.

Wie meinen Sie das?
Wenn wir jemanden haben, der bei uns zum Beispiel in der Grundpflege ist, dann müssen wir ihn sensibel ansprechen, besser mit ihm so kommunizieren, dass er versteht, was wir machen. Letztlich stellen wir uns darauf ein, indem wir für ihn bekannte Strukturen im Tagesablauf nutzen, also zur gleichen Zeit die nötigen Aktivitäten durchführen, möglichst die gleichen Mitarbeiterinnen vor Ort sind. Das klappt nicht immer, weil ja mal jemand ausfällt, weil er krank ist. Auf jeden Fall haben wir auch einen sehr engen Draht zu den Angehörigen, die uns sagen, was wir beachten sollen.

Schaffen Sie es noch, so individuell zu pflegen, wie Sie es sich vorstellen?
Die Messlatte legen wir hier selbst schon sehr hoch an. Wir ringen um eine kontinuierliche Verbesserung, weil wir das als einen Prozess sehen, bei dem die Qualität jeden Tag aufs Neue errungen werden muss. Im Klartext: Individuell pflegen ist anstrengend, und: Wir strengen uns an, Tag für Tag.

Können Sie mal ein Beispiel nennen, damit wir das besser verstehen?
Wir haben es ja überwiegend mit Menschen zu tun, die aus einer Generation kommen, in der die Vorstellungen von Hygiene mitunter noch ganz andere waren und mitunter auch noch sind. Wenn wir also heute mit jemandem sprechen, der vielleicht 85 Jahre alt ist, so kennt dieser Pflegebedürftige es schlicht nicht, dass man die Unterwäsche täglich wechselt; zumindest war das vor über 60 Jahren noch anders. Das hat er also über Jahrzehnte einmal in der Woche getan. Deshalb versuchen wir hier einzuwirken, einfühlsam natürlich, und erklären, warum es durchaus sinnvoll sein kann, die heutigen Anforderungen in der Hygiene zu beachten – im eigenen Interesse des Patienten natürlich.

Und, gelingt das?
Ja, sicher. Aber man muss dranbleiben, die Besonderheiten, die sich aus der Persönlichkeitsstruktur ergeben, beachten.
Der übergroße Teil der Pflegebedürftigen und der Angehörigen nimmt unsere Ratschläge dankbar an. Das ist einfach den gewachsenen Vertrauensverhältnis geschuldet und macht vieles leichter.

Wenn Sie mit wenigen Worten sagen sollten, warum Ihnen Ihr Team ans Herz gewachsen ist, was würde Ihnen spontan einfallen?
Die Mädels sind für mich die Besten. Wir haben ein sehr gutes Verhältnis untereinander. Das ist nicht vordergründig geprägt durch ein Angestellten- und Chefverhältnis. Vielmehr gehen wir sehr familiär miteinander um, verbringen die Freizeit auch mal miteinander.

Also ist das eine Art natürlicher Autorität, die Sie genießen?
Ja, so kann man das sagen.

Was würden Ihre Mitarbeiter über Sie sagen, wenn es darum geht zu erklären, was Ihre positiven Seiten sind?
Also, das fällt mir schwer.

Was fällt Ihnen schwer?
Über mich zu sprechen.
Darauf kann mal eine Kollegin antworten, wenn sie mag.

Oh, das ist eine gute Idee!

Darf ich Ihren Namen wissen?
Ich bin Heike Adolph.

Frau Adolph, was schätzen Sie an Schwester Sandra?
Sie hat ein Herz für uns. Sie ist sehr verständnisvoll, wenn es um die Termine im privaten Bereich geht.
Da kommt sie uns stets entgegen, wenn wir auf sie zugehen und darum bitten, dass sie unsere Interessen berücksichtigt.

Gibt es bei ihr etwas, wo Sie sich wünschen, dass es anders würde?
Na ja, es gibt immer Dinge, die verbessert werden können.
Manchmal ist es schon eine Herausforderung, alle Zeiten einzuhalten, dass jeder Patient zu seinem Recht kommt und wir ihn auch so pflegen können, wie es die Patienten von uns gewöhnt sind.
Da diskutieren wir dann im Team drüber wie wir alle Anforderungen unter einen Hut bekommen. Und da hat Schwester Sandra stets ein offenes Ohr.

Frau Adolph, danke, dass sie hier mit eingesprungen sind.
Bitte, gern.
Frau Naber, an Sie vielen Dank für das Interview.

Kontakt:
Häuslicher Pflegedienst „Schwester Andrea Berkner“
Inhaberin: Schwester Sandra Naber
Otto – Lilienthal- Strasse 9
17268 Templin
Telefonnummer: (03987) 54830
Telefaxnummer: (03987) 54830
E-Mail: pflegedienst.templin@gmx.de

© Uwe Müller

 

 

Timo Kleinsorge im Interview

Timo Kleinsorge ist der Inhaber und Geschäftsführer des ambulanten Pflegedienstes Kleinsorge GmbH im Raum Frankfurt a. Main.

Herr Kleinsorge, wie verlief Ihr beruflicher Werdegang vor der Gründung Ihres Pflegedienstes?
Ich habe nach dem Abschluss in der Realschule den Beruf des Kaufmanns gelernt und war danach sehr viel im Außendienst tätig.
Ich habe Produkte verkauft – später unter anderem für Bofrost.
Bei der Bundeswehr lernte ich, mich unterzuordnen und zu gehorchen.

Wo haben Sie gedient?
Bei den Fallschirmjägern.

Respekt! Das kann nicht jeder von sich sagen. Wann war das?
1995.

War Gehorsam für Sie wichtig?
Natürlich mag das keiner so gern hören, gehorsam zu sein.
Jedoch: Der Wert, sich Jemandem von den Weisungen her unterzuordnen, der auch die Verantwortung für Menschen und Prozesse trägt – das halte ich schon für wichtig. Im Übrigen: Das schließt das Mitdenken, das Einbringen von kreativen Ideen nicht aus, sondern auf jeden Fall mit ein. Vieles fällt mir heute aber auch leicht, weil ich eine sehr gute Erziehung durch meine Eltern genossen habe.

Wie ging es weiter?
Schließlich war ich Sekretär in einem Pflegedienst. Das war meine erste direkte Berührung mit einer Tätigkeit im Pflegebereich.

Was war für Sie die Initialzündung als selbstständiger Unternehmer in die Pflege zu gehen?
Da spielten mehrere Dinge mit rein. Zum einen konnte ich als Kind schon gut mit älteren Leuten umgehen.
Und dann kam eine Möglichkeit, über die sogenannte „Ich – AG“ sich selbstständig zu machen und einen Zuschuss auf Darlehensbasis vom Arbeitsamt zu erhalten.
Ich habe quasi mit Null Euro angefangen. Die Familie hat mir sogar noch Geld geliehen. Wofür ich heute noch überaus dankbar bin.
Ohne diese Unterstützung hätte ich es vermutlich nie geschafft.
Wir mussten ja gleich vier Mitarbeiter einstellen, damit wir die Zulassung bekamen, und zwar in Vollzeit. Hinzu kam die Anmietung eines Büros mit Telefon – und Faxanschluss.
Das alles war finanziell nicht so leicht zu stemmen.

Was ist Ihnen anfangs leicht gefallen und wo hatten Sie Schwierigkeiten, hineinzuwachsen?
Leicht gefallen ist mir der Kundenkontakt – die Gespräche bei der Neukundenaufnahme zum Beispiel.
Auch die kaufmännische Komponente und alles, was damit im Zusammenhang stand, habe ich von Anfang an gut hinbekommen.
Viel schwieriger war es für mich, die Mitarbeiter zu führen und alles in Einklang mit dem geltenden Arbeitsrecht zu bringen.
Wir wollten ja auch alles richtig machen – die rechtlichen Rahmenbedingungen einhalten und gleichzeitig möglichst nachhaltig für unsere Pflegebedürftigen da sein.

Im Jahr 2005 hieß es in der in Frankfurt/Main erscheinenden Bild: „Das ist der etwas andere Ambulante Pflegedienst in Frankfurt…‘verrückt‘ und das im allerbesten Sinne des Wortes.“
Können Sie das etwas näher erläutern?
Wir haben damals, so wie heute, alles gemacht. Zum Beispiel: haben wir Wohnungen von Messis geräumt, uns um sie und die Familienangehörigen gekümmert.
Also das, was vielleicht nicht jeder Pflegedienst tun würde.
‚Verrückt‘ bezog sich aber auch auf unseren Fuhrpark: Wir hatten Oldtimer – Fahrräder, coole Motoräder und: Wir machten auch schon mal mit unserem „Chevi“ Ausflüge.
‚Verrückt ist für uns, sich mit kreativen Ideen um Pflege- und Hilfsbedürftige kümmern, und zwar da, wo andere von vornherein sagen, dass sie es nicht machen würden.
Wir wollen Lebensfreude im Arbeitsprozess entwickeln. Das gehört einfach dazu, wenn wir das alles schaffen wollen.

Wie sieht für Sie individuelle Pflege und Betreuung aus?
Wir arbeiten fast ausschließlich mit Vollzeitkräften. Das ist ganz wichtig, denn uns liegt die Bezugspflege sehr am Herzen. Die Kunden wissen, wer zu ihnen kommt.
Und die Mitarbeiter kennen die Wünsche ihrer Pflegebedürftigen.
Wenn morgens jemand länger schlafen will, dann fahren wir eben später dorthin. Oder wir kennen zum Beispiel ganz genau die Frühstücksgewohnheiten und beachten das natürlich. Nur so kann Pflege und Betreuung wirklich individuell sein.
Es sind oft die kleinen täglichen kleinen Dinge, die dem Kunden wichtig sind und uns deshalb auch.

Was macht Ihr Team stark?
Wir haben flache Hierarchien.
In unserem Team soll sich jeder wohlfühlen und sagen können, was er denkt. Wir unternehmen viel gemeinsam – gehen zusammen etwas essen, trinken, verbringen einfach außerhalb der Arbeitszeit ein paar schöne Stunden miteinander. Und das nicht nur zur Weihnachtsfeier oder zu einem Frühlingsfest.

Gibt es auch mal Kritik von Ihnen?
Ja, selbstverständlich. Es kommt nur darauf an, wie man kritisiert. Wenn es wertschätzend erfolgt und für den Mitarbeiter hilfreich ist, dann ist jedem geholfen. Noch wichtiger ist mir aber das eigenverantwortliche Handeln jedes Einzelnen.
Das sind die wahren Motivationsfaktoren – selbstständig agieren und die Hilfe und Unterstützung erfahren, wenn es nötig ist.

Warum entscheiden sich Pflegekräfte für Ihre Einrichtung – was macht Ihr Unternehmen attraktiv?
Wie gesagt: Wir gehen freundschaftlich miteinander um. Unsere Mitarbeiter beziehen Gehälter, die über dem sonst üblichen Schnitt liegen. Und wir geben regelmäßig Gutscheine aus, die als zusätzliche Anerkennung für gute Arbeit gedacht sind.
Das Entscheidende aber will ich gern noch einmal untermauern:
Unsere Mitarbeiter fühlen sich wohl im Team, kommen gern zur Arbeit, gehen mit Freude mit den Pflege – und Hilfsbedürftigen um. Das ist die stärkste Motivation bei uns zu arbeiten, neben einer fairen Bezahlung und weiteren materiellen Vergünstigungen.

Was ist für Sie persönlich Glück?
Das ist nicht leicht zu beantworten. Auf jeden Fall gehört die Familie dazu, die zu einem steht.  Die Freude an den Kindern, wie sie sich entwickeln. Ich denke, die Lust am Leben ist ganz wichtig.
Das strahlt auf die Arbeit aus: Wenn wir unser persönliches Glück ein Stückchen in positive Energie ummünzen – ja dann kommt dieses Glück auch wieder vermehrt zu einem persönlich zurück.

Herr Kleinsorge, ich danke Ihnen für das Gespräch.

© Uwe Müller

Anna Henschel im Interview

Anna Henschel ist die Inhaberin des Pflegedienstes Herz & Hand in Duisburg

Frau Henschel, wie verlief Ihr beruflicher Werdegang?
Ich bin mit 14 Jahren von der Schule abgegangen.

Wann war das?
1970.

Was haben Sie danach gemacht?
Ich habe eine Friseurausbildung absolviert und war anschließend in verschiedenen Bereichen tätig – als Verkäuferin, zum Beispiel in einem Imbiss. Später wurde mein Mann arbeitslos. Das war eine schwere Zeit für uns. Mit 36 Jahren habe ich eine Umschulung zur Altenpflegerin begonnen.

Wie kam das?
Ich war in einer ABM-Maßnahme in einem Krankenhaus. Dort musste ich unter anderem einen älteren Herrn pflegen und betreuen. So begann ich allmählich, mich mit dem Bereich anzufreunden, Gefallen an dieser Tätigkeit zu finden.
Ich wollte also eine Umschulung zur Krankenpflegehelferin machen und später in einem Altenpflegeheim arbeiten.
Doch ich entschied mich dafür, eine dreijährige Ausbildung zur examinierten Altenpflegerin zu absolvieren.

Wie kam’s zu dem gedanklichen Umschwung?
Ich habe mich auf dem Arbeitsamt beraten lassen.
Dort meinte der Arbeitsvermittler, dass es für eine Tätigkeit in einem Altenpflegeheim besser sei, gleich eine fundierte Ausbildung anzugehen.

Und wie sah das aus?
Ich habe zwei Jahre Schule absolviert und danach ein sogenanntes Anerkennungsjahr.

Wie ging es nach der Ausbildung weiter?
Ich war ab 2004 in verschiedenen Bereichen der Altenpflege tätig – im Altenpflegeheim und in der ambulanten Pflege.
Mein Mann war in dieser Zeit drei Jahre arbeitslos. Also entschieden wir uns, gemeinsam in die Selbstständigkeit zu gehen und einen eigenen Pflegedienst zu gründen.
Mein Mann hat zu dieser Zeit noch eine Ausbildung zum Qualitätsmanager absolviert. Am 01.11.2016 entschied ich mich, die Versorgungsverträge für mich allein abzuschließen.

Wie kam es dazu?
Mein Mann konnte nicht mehr im Pflegedienst weiterarbeiten; schließlich verstarb er.

Das war ja dann für Sie eine sehr schwierige Zeit, oder?
Ja, tatsächlich. So kann man es sagen.

Was ist Ihnen in den Anfängen schwer gefallen, wenn Sie an die Gründung zurückdenken?
Wir haben ohne Kunden angefangen. Ich bin von Arzt zu Arzt gegangen, in Krankenhäuser und habe mit Sozialschwestern gesprochen. So sind wir langsam bekanntgeworden. Hinzukam, dass ich kein Büromensch war. Ich habe immer mit Menschen gearbeitet – war in Bewegung und im Kontakt mit Kunden.
Mir fiel es am Anfang schwer, die Dokumentation zu führen. Das musste ich mir alles hart erarbeiten.

Welche Rolle spielt für Sie die individuelle Pflege?
Für mich ist wichtig, dass die Leute von Anbeginn gut versorgt werden. Ich habe ja selbst die Erfahrung gemacht, wie wichtig es ist, auf die Bedürfnisse der Menschen zu achten.

Können Sie dafür mal ein Beispiel nennen?
Ja. Ich hatte mal am Anfang einen Fall, da lag ein Patient im Sterben. Ich war die ganze Nacht bei ihm. Morgens bin ich noch gegen 06. 00 Uhr in die Pflege gegangen.  Als ich wieder bei ihm vorbeischaute, war er noch am Leben und lächelte sogar. Das hat mich sehr berührt und war einer der schönsten Momente für mich.
Ich habe einem Menschen nicht mehr viel helfen können, aber ich war in seinen schwersten Stunden bei ihm. Und das hat er sehr dankbar aufgenommen.

Wie wichtig ist Ihnen die Wertschätzung gegenüber den Patienten?
Sehr wichtig. Manchmal erlebe ich, dass Mitarbeiter die Kunden duzen. Das finde ich nicht gut.

Warum?
Weil auch das eine Form ist, dem Gegenüber meinen Respekt zu erweisen. Und es ist die nötige Distanz gewahrt, die wir ebenfalls brauchen. Warmherzigkeit, Zuwendung zum Pflegebedürftigen, das kann man auch anders ausdrücken. Mir ist die Qualität in der Pflege und Versorgung wichtig, die Tatsache, dass alles getan wird für den Kunden. Wir haben übrigens auch von Anfang an darauf verzichtet, mit der „Stoppuhr zu hantieren“ und die einzelnen Schritte in der Pflege zeitlich zu messen. Sie sehen ja: Wir lagen damit nicht so falsch. Heute spricht alles von individueller Pflege. Sogar der Begriff der Pflegebedürftigkeit ist dafür neu gefasst worden.

Wie gehen Sie mit Problemen im Team um?
Ich spreche Probleme in der Teamsitzung an. Da geht es dann natürlich auch mal kontrovers zu.
Wir haben jetzt zum Beispiel ein Buch eingeführt, in das alles eingetragen wird, was wichtig ist und welche Anweisungen ich gegeben habe.

Zum Beispiel?
Die Leistungsnachweise sofort vorzunehmen und zu unterschreiben.

Was sind für Sie glücklichsten Momente?
Wenn ich mit meinem Enkel zusammen bin.

Frau Henschel, ich danke Ihnen für das Gespräch.

Kontakt:
Anna Henschel
Pflegedienst Herz&Hand
Tunnelstr. 1
47137 Duisburg-Untermeiderich
Telefon: 0203 – 578 35 72
info@herz-und-hand-du.de
http://www.herz-und-hand-du.de

© Uwe Müller

 

 

Anna kann sich nicht an das kauende Kamel erinnern

Anna ist dement (15)

„Stell dir vor, Mutti wusste heute nicht mehr, dass sie gestern Gundula und ihren Mann zu Besuch hatte!“
Klara war empört und traurig zugleich.
„Wer ist Gundula?“, fragte Peter.
„Da haben wir gerade vor einer Stunde drüber gesprochen – Gunduuulahh aus Stuttgart!“
„Ach ja, Gundula, das kauende Kamel, ich erinnere mich. Ich dachte jetzt auch schon, bei mir fängt es an mit der Vergesslichkeit.“
„Ja, nicht nur mit der Vergesslichkeit, auch mit deinen Ohren. Also sei schön still.“
„Ich sag ja gar nichts mehr“, beschwichtigte Peter.
„Aber du musst doch zugeben, wenn Gundula den Mund öffnet und lacht, dann sieht sie aus wie ein Kamel, das die Zähne bleckt“, setzte Peter nach.
Klara antwortete darauf nicht. Ein Zeichen, dass sie es irgendwie satt hatte, mit den Spötteleien. Aber Peter setzte noch einen drauf.
„Ich denke, es war sooooh schön mit dem Kaffee trinken?“
„War es bestimmt auch. Nur Mutti weiß nichts mehr.“
„Und wie kommst du darauf, dass sich Anna nicht mehr erinnert?“
„Mutti sagte am Telefon, sie verstehe nicht, warum sich Gundula nicht bei ihr meldet.“
Jetzt schwieg Peter. Es war schon traurig und ein sicheres Zeichen, dass die Krankheit bei Anna weiter fortschritt.

© Uwe Müller

Anna ist dement (14)

Klara kommt zurück aus Stralsund

Klara saß im Zug zurück nach Berlin. Sie war froh, dass sie abends wieder in ihrem Bett liegen konnte.
„Ich bin im letzten Waggon“, flötete Klara fröhlich durchs Telefon.
„Ist gut“, brummte Peter. Er war schon auf dem Weg nach Bernau zum Bahnhof. Von dort aus war es am bequemsten, mit dem Auto nach Hause zu fahren.
„Laura kommt auch. Sie ist schon unterwegs hierher“, sagte Peter noch.
„Ach, das ist ja schön“, erwiderte Klara.
„Oh Gott, haben wir denn genug eingekauft?“, fragte Klara gleich weiter.
„Du kannst alle Nachbarn am Wochenende einladen. Wir haben genug im Kühlschrank“, antwortete Peter.
„Na gut, dann bis gleich.“
Peter drückte auf den Telefonknopf im Auto und bog in die Straße zum Bahnhof ein. Er fand schnell einen Parkplatz, stieg aus und überlegte kurz, ob er einen Parkschein lösen sollte.
Er ließ es und ging das Risiko ein, dass er erwischt wurde.
Peter schlenderte auf das Bahnhofsgebäude zu. Es dauerte nicht lange und Laura begrüßte ihn freudig. Sie war für ihn wie aus dem Nichts gekommen.
Aber Peter hatte wie immer die Orientierung verloren, was die Bahnsteige anbetraf, auf denen die S-Bahnen einfuhren. Dabei gab es nur einen, der dafür vorgesehen war.
Peter konnte auch keinen Fahrschein allein lösen. Er fuhr nur mit dem Auto. Und wollte er dann mal ein Ticket selbst kaufen, dann dauerte es Klara und Laura meist zu lange, bis er begriffen hatte, wie das mit dem Fahrscheinautomaten lief. Peter stellte sich gern dumm. Es half ihm.
Aber wehe, wenn er mal allein dastand und es schnell gehen musste.
Peter wusste auch nicht, wie die Waschmaschine anging.
Ein Frevel, wie er selber fand. „Was ist nur, wenn ich krank bin“, sagte einmal Karla. „Ja, dann haben wir ein Problem mit der Waschmaschine“, antwortete Peter.
Er konnte es nicht lassen, Klara oder Laura zu ärgern oder auch beide.
„Das sollte doch eine Überraschung sein“, Papa. Laura hatte ihn aus seinen Gedanken gerissen.
„Ist es ja auch. Jetzt kann Mama sich ein wenig von dem Schrecken erholen und ist darauf eingerichtet“, scherzte Peter.
Laura und Peter stiegen fröhlich die Treppen zum Bahnsteig hinauf.
Peter schnaufte und war froh, dass er die letzte Stufe nehmen konnte. „Lass uns da hinsetzen“, sagte Laura und zeigte auf eine freie Bank, die mit ihrem silbernen Metall in der Sonne glänzte.
Sie saßen kaum, da bewegte sich ein Bettler auf sie zu. Ein Rumäne, vermutete Peter. Der Mann schlurfte an sie heran und schüttelte seinen Becher. Ein Coffee-to-Go – Becher. Wenigstens ist das jetzt ein Mehrweggefäß, dachte Peter bei sich. Der junge Mann schüttelte den Becher und schaute wie ein Hund, der um eine leckere Wurst bettelte. Aber Laura und Peter blieben hart. Irgendetwas stimmte mit dem Mann nicht.
Er zog unverrichteter Weise wieder ab und setzte sich auf die Bank, die hinter Laura und Peter befestigt war.
Peter fühlte sich unbehaglich. Zuviel hatte er schon von den Taschendiebstählen gehört. Doch dieser junge Mann schien nichts Derartiges im Schilde zu führen.
Der lümmelte sich auf die Bank, krachte die Beine mit den dreckigen Schuhen darauf und begann Musik abzuspielen. Nicht leise. Nein, er drehte die Musik auf, dass sie unter dem Hallendach stark widerhallte. Ein Gemisch aus orientalischer Tönen und anderen nicht näher zu bestimmenden Rhythmen drang zu den beiden rüber. Peter drehte sich um. Der junge Mann schaute ihn provozierend an. Na gut, dachte Peter bei sich. Er hat kein Geld bekommen. Dann soll er die Musik dudeln. Eine Ansage kam durch den Lautsprecher: „Bitte Vorsicht an den Bahnsteigen, zwei durchfahrende Züge.“ Es vergingen Sekunden und aus der einen Richtung rauschte der Zug heran. Die Güterwagen rumpelten und schepperten, als würden sie gleich aus den Schienen springen.
Da war die Musik von nebenan ein Ohrenschmaus gegen den Höllenlärm. Jetzt donnerte der Zug aus der anderen Richtung über die Schienen. Wieder hatte Peter das Gefühl, die Waggons brechen gleich durch in die untere Bahnhofshalle hinein, so einen Lärm machten sie. Endlich Stille. Leise Musik drang an Peters Ohren – es war immer noch die gleiche aus dem Player des jungen Mannes.
Endlich. Der Zug aus Stralsund lief ein. Klara stieg aus und freute sich, dass Laura auch auf dem Bahnhof war.
„Und, was sagt Anna?“ Peter schaute Klara an.
„Ach, lass uns doch erst einmal nach Hause fahren.“
Klara mochte jetzt nicht darüber reden. Peter konnte das verstehen.
Sie stiegen ins Auto und fuhren nach Hause. Alle freuten sich auf ein paar schöne Tage zu Pfingsten. Es war ja genug Zeit, über alles zu sprechen.
„Ach übrigens, Gundula und ihr Mann besuchen heute Anna.“
„Wer?“
„Na Gundula und Hans – Georg“, sagte Klara.
„Ach du meinst das kauende Kamel?“, fragte Peter.
Peter nannte Gundula so. Irgendwie waren sie mal darauf gekommen. Gundula hatte ein großes Gesicht und noch größere Zähne. „Ich finde das nicht schön, dass du so etwas sagst.“
„Du hast Recht“, antwortete Peter, denn Gundula war ein herzensguter Mensch. Nur ein wenig sparsam. Aber das konnte ja nie verkehrt sein. Schließlich waren sie Schwaben. Aber das war wieder ein anderes Feld.

© Uwe Müller

 

 

 

Sandra Naber im Interview

Sandra Naber ist die Inhaberin des Häuslichen Pflegedienstes „Schwester Andrea Berkner“.

Frau Naber, wie verlief Ihr beruflicher Werdegang vor der Gründung des Pflegedienstes?
Ich bin von 1991 bis 1994 in der Ausbildung zur Krankenschwester gewesen.  Anschließend habe ich im Krankenhaus gearbeitet – allerdings befristet.
1996 bin ich dann in einen ambulanten Pflegedienst gewechselt und habe dort zweieinhalb Jahre gearbeitet.  Danach schied ich dort aus.
Am 01. Januar 1999 wurde das Unternehmen „Schwester Andrea Berkner“ gegründet.
Im Jahr 2000 verstarb leider Frau Berkner. Ihr Ehemann hat zunächst das Unternehmen weitergeführt.
Nachdem ich 2001 eine Ausbildung zur Pflegedienstleiterin absolviert hatte, war ich dort als PDL tätig.
2007 wollte der Ehemann von Frau Berkner den Pflegedienst nicht mehr weiterführen. Das hätte aber bedeutet, dass es für die Kunden keine Versorgung mehr gegeben hätte und die Mitarbeiter wären arbeitslos geworden. Also entschloss ich mich, den Pflegedienst zu kaufen. Den Namen „Schwester Andrea Berkner“ habe ich so belassen – er war ja inzwischen sehr bekannt in und um Templin.

Was war für Sie die Initialzündung, in die Pflege zu gehen?
Das ausschlaggebende Motiv war: Ich wollte den Kunden und den Mitarbeitern eine Perspektive geben.

Was ist Ihnen am Anfang leicht gefallen und wo hatten Sie Schwierigkeiten?
Leicht ist mir der weitere Umgang mit den Kunden gefallen. Daran war ich ja gewöhnt. Schwer war es für mich, die kaufmännischen, steuerlichen Fragen in den Griff zu bekommen und überhaupt den gesamten Dokumentationsaufwand zu bewältigen.

Was macht Ihrer Meinung nach Ihr Team stark?
Wir haben eine familiäre Atmosphäre bei uns. Wir treffen uns auch privat – reden miteinander, feiern zusammen. Dann lässt es sich besser miteinander umgehen. Und wir diskutieren auch offen unsere Probleme. Ich glaube, das ist es, was uns stark macht.

Wo sehen Sie Gründe für den mitunter noch schlechten Ruf von Pflegediensten?
Pflege ist nichts anderes als eine Dienstleistung. Und da muss man sich anstrengen. Da kann man kaum reich werden. Ich denke, das unterschätzen manche, die sich in diesen Bereich begeben und damit Geld verdienen wollen.
Des Weiteren: Die Preise werden von manchen Angehörigen oder Pflegebedürftigen anfangs für bestimmte Handlungen als zu hoch angesehen. Hier hilft das Gespräch mit den Kunden und eine wirklich gute Pflege und Betreuung. Nur so kann man die Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen für sich gewinnen.

Was hat sich für Sie geändert seit der Gründung Ihres Pflegedienstes?
Ich denke, die Herausforderungen sind größer geworden – quantitativ und qualitativ.
Es ist schon schwierig, stets unter Zeitdruck zu arbeiten und trotzdem den persönlichen Bezug zum Kunden nicht zu verlieren.
Früher war das aus meiner Sicht ein wenig entspannter. Und trotzdem setzen wir alles daran, individuell zu pflegen und zu betreuen.

Was macht für Sie individuelle Pflege aus?
Wir sind ein kleines Team und haben ein relativ stetiges Personal. Die Fluktuation ist bei uns gering.
Wir erreichen die Qualität durch kontinuierliches und beharrliches Arbeiten. Der Patient hat es dadurch auch leichter, sich fallenzulassen. Denn: Er weiß, wer kommt und hat zur Pflegekraft Vertrauen aufgebaut.

Was sagen Sie zum Vorhaben der generalistischen Pflegeausbildung in der Zukunft?
Grundsätzlich finde ich es gut, wenn die Ausbildung auf breitere Füße gestellt wird. Wir haben ja selbst Auszubildende bei uns in der Firma.  Es fehlt manchmal das medizinische Grundwissen bei den Pflegekräften. Es gibt ja zum Beispiel auch jüngere Leute mit Akutkrankheitsbildern – da ist es gut, wenn hier mehr Inhalte in die Ausbildung einfließen. Ich fahre nicht zuletzt auch deshalb heute immer noch mit raus zu den Patienten, um selbst genau zu wissen, wie es den einzelnen Menschen geht.

Was ist für Sie persönlich Glück?
Ich bin dann glücklich, wenn alle gesund sind – in der Familie und im Unternehmen. Fühlen sich die Mitarbeiter wohl, dann fühle auch ich mich wohl und bin glücklich.

Frau Naber, vielen für das Gespräch.

Kontakt:
Häuslicher Pflegedienst „Schwester Andrea Berkner“
Inhaberin: Schwester Sandra Naber
Otto – Lilienthal- Strasse 9
17268 Templin
Telefonnummer: (03987) 54830
Telefaxnummer: (03987) 54830
E-Mail: pflegedienst.templin@gmx.de

© Uwe Müller

 

 

100 gute Worte für deine Kollegin, deinen Kollegen

Stress im Team, wenig ausgeprägte Bereitschaft, miteinander zu sprechen, lieber übereinander herziehen als es gemeinsam zu versuchen?

Das gibt es bei dir nicht? Wunderbar! Dann bist du ein glücklicher Mensch, zumindest, was deine Arbeitsumgebung anbetrifft.
Aber Hand aufs Herz, wer hat das nicht schon mal erlebt: Du kommst morgens zur Tür rein und triffst auf eine Kollegin oder einen Kollegen, den du jetzt gar nicht treffen wolltest.
Nennen wir die Kollegin Cornelia. Du magst Cornelia nicht. Besser: Besonders in letzter Zeit geht sie dir gehörig auf die Nerven. Warum?
„Die vergisst doch laufend, die Dokumentation rechtzeitig fertigzustellen!“, sagst du. Du nennst sie schon nicht mehr beim Namen, sondern „die“ reicht dir vollends.
„Außerdem hält sie sich nicht an die getroffenen Absprachen bei der Veränderung des Tourenplanes. Herr M. soll die Grundpflege seit gestern eine Stunde früher erhalten.“
Du magst da Recht haben mit deiner Kritik. Doch ist Cornelia frühzeitig genug eingewiesen worden. Ist die Feinabstimmung zum Tourenplan tatsächlich mit allen erfolgt?
Oder sollte nicht noch jemand Cornelia informieren?
Also, du könntest ja noch mehr anführen. Aber du willst ja keinen schlecht machen. Wirklich nicht?
Dann mach‘ die Probe aufs Exempel. Nimm‘ dir einen Zettel, möglichst weißes Papier. Darauf hältst du in 100 Worten fest, was du gut an Cornelia findest. Für so einen Quatsch hast du keine Zeit?
Dir fällt gar nicht ein, was „die“ für Stärken haben soll?
Oh doch! Wo Schatten ist, da muss doch irgendwie auch Licht sein, oder?
Du willst dich jetzt nicht damit beschäftigen? Ja, gut.
Aber warum sollte eine andere Kollegin oder ein anderer Kollege sich für dich die Zeit nehmen und herausfinden, wo deine besonderen Stärken liegen?
© Uwe Müller

Mechthild Bruchhäuser-Ebeling im Interview

Mechthild Bruchhäuser-Ebeling ist Inhaberin und Geschäftsführerin des ambulanten Pflegedienstes Pro Cura Pflegedienst Rietberg GmbH.

Frau Bruchhäuser – Ebeling, was haben Sie beruflich gemacht, bevor Sie in die Pflege eingestiegen sind?
Nach dem Abitur habe ich Industriekauffrau gelernt und vier Jahre in dem Beruf gearbeitet. Danach studierte ich Wirtschaftswissenschaften.
In dieser Zeit bekam ich auch meine Kinder.
Nach dem Studium stand ich vor der Herausforderung, Beruf und Kindererziehung unter einen Hut zu bekommen.
Es gab in der Zeit noch nicht genügend Kita- Plätze. So konnte ich also nicht arbeiten, wie ich es eigentlich vorhatte.
Ich entschloss mich, aus der Not eine Tugend zu machen. Gemeinsam mit einer Mutter haben wir eine Spielgruppe gegründet. Dort waren meine Kinder gut aufgehoben und andere Mütter konnten ihre Kinder dort auch hinbringen.
Überhaupt war ich damals sozial und gesellschaftlich sehr aktiv. Immer wenn meine Kinder nicht die Möglichkeiten vorfanden, die sie brauchten, ließ ich mir etwas einfallen.
So habe ich zum Beispiel eine Schwimmgruppe initiiert  oder auch eine Ferienzeit geleitet. Nachdem die Kinder in den Kindergarten gingen, begann ich wieder zu arbeiten.
In dieser Zeit erfuhr ich über eine Freundin, dass es die Möglichkeit gab, in eine Pflegefirma einzusteigen.
Ich sah die Chance, die Firma so zu führen, wie es meinen Ideen und beruflichen Erfahrungen entsprach sowie ethischen und moralischen Grundsätzen genügte.
Also habe ich 2008 diese Firma gemeinsam mit meiner Freundin gekauft. Seit 2015 leite ich die Firma allein.

Welche Berufserfahrungen bringen Sie aus anderen Branchen mit, die in der Pflege nützlich sind?
Oh, das ist schwer, über sich selbst zu sprechen. Ich denke da an folgende Dinge: die kaufmännische Gründlichkeit, strukturiert zu denken und zu handeln, Prioritäten zu setzen, Dinge einfach anzupacken und einsatzbereit zu sein, aber auch zuhören zu können.

Was haben Sie anderes gemacht, nachdem Sie die Firma übernommen haben?
Ich wollte von Anfang an, dass es den Mitarbeitern besser geht. Sie sollten zum Beispiel weniger Doppelschichten leisten.
Also haben wir zusätzliche Pflegekräfte eingestellt.
Des Weiteren: Ich habe die kaufmännischen Belange geprüft, neue Vergütungsvereinbarungen geschlossen – alles mit dem Ziel, die Firma auf gesunde Beine zu stellen.  Außerdem: Mir ging es darum, schnell ein stabiles Leitungsteam zu schaffen.
Deshalb habe ich die Pflegedienstleitungen gewechselt.
Am 01.11.2010 begann Frau Degener neu als Pflegedienstleitung. Sie war zu dem Zeitpunkt schon über 8 Jahre im Unternehmen und hat sich dann qualifiziert. Frau Morgenstern kam am 15.10.2012 als eine weitere Pflegedienstleitung hinzu.

Stand Ihr Team von Anfang an hinter Ihnen?
Als ich anfing, bestimmten zwei Faktoren die Situation:
Zum einen kannten die Mitarbeiter mich nicht. Sie wussten nicht, was auf sie zukommt.
Zum anderen waren natürlich auch Hoffnungen damit verknüpft, dass es besser wird – vor allem im kaufmännischen Bereich.
Also habe ich erst einmal im wahrsten Sinne des Wortes die Ärmel hochgekrempelt und mich von unten in die Materie hineingearbeitet. So sind wir ja dann eben zusammengewachsen. Ich habe viel gefragt, mir die Dinge erklären lassen. Und so ging es vorwärts. Vor allem: Wir wurden ein Team, indem sich der eine auf den anderen verlassen konnte.

Was glauben Sie, sagen Ihre Mitarbeiter heute über Sie?
Das ist natürlich nicht leicht zu beantworten.
Ich glaube, die Mitarbeiter schätzen, dass ich sie die Prozesse in der Firma mitgestalten lasse. Wichtig ist mir in diesem Zusammenhang folgendes: Als ich in der Firma anfing, habe ich überlegt, wie ich von meinem Arbeitgeber behandelt werden wollte. Und genau das versuche ich bis heute zu beherzigen – mich einfach in die Mitarbeiter hineinzuversetzen und sie  entsprechend zu führen und zu motivieren.  Nach all den Jahren großer Anstrengungen –  der strukturellen Anpassung, des ständigen Wachstums, der Erweiterung der Tagespflege und der Schaffung neuer Veranstaltungsräume möchte ich dieses Jahr mehr für die Mitarbeiter tun.

Was meinen Sie konkret?
Zu den Verbesserungen für die Mitarbeiter zählen: eine transparente Gehaltsstruktur, die Erweiterung der betrieblichen Altersversorgung und der Gesundheitsvorsorge.
Und: Ich kümmere mich um weitere soziale Belange der Mitarbeiter.
Ich stelle gerade Räumlichkeiten zur Verfügung, dass Mütter ihre Kinder dort bei Tagesmüttern lassen können.

Stammt die Idee aus der Zeit, als Sie selbst keinen Kita- Platz für Ihre Kinder hatten?
Ja, genauso ist es.

Was macht für Sie individuelle Pflege aus?
Die Leistungen müssen abgestimmt sein auf die Bedürfnisse und Wünsche der Patienten. Ein Beispiel: Ein ehemaliger Bäcker ist es gewohnt, früh aufzustehen. Also findet auch der Besuch bei ihm früh statt.  Haben wir jemanden, der länger schlafen möchte, dann kommen wir später. Der Ablauf der Pflege verläuft nach den Wünschen der Kunden. Wir befinden uns ja auch in seinen privaten Räumen.
Die Empathie ist in der Pflege ganz wichtig. Sich hineinfühlen in den anderen Menschen. Unser Motto lautet: Pflege ist Vertrauenssache.

Frau Bruchhäuser- Ebeling, ich danke Ihnen für das Gespräch.

Kontakt:
Am Bahnhof 19 33397 Rietberg
Telefon / Fax
Ambulanter Pflegedienst , Verwaltung: 05244 – 1463
Tagespflege: 05244 – 904431
Fax: 05244 – 928790
E-Mail: info@pro-cura.com

 

 

 

Was ist faszinierend am Alltag?

Es ist ein Tag nach Pfingstmontag. Nichts Ungewöhnliches. Vielleicht, dass der Alltag wieder eingezogen ist. Mir fällt es schwer, mich wieder aufzuraffen und an die Arbeit zu gehen. Obwohl: Ich habe gestern noch zu einer Pressemitteilung gearbeitet. Und trotzdem, Feiertag ist Feiertag, und du gehst an alles viel entspannter ran. Aber wie viele Menschen würden sich wünschen, wieder an eben diesem Alltag teilzuhaben, in das „Grau“ des sich Abmühens einzutauchen?
Ich ertappe mich oft mich oft dabei, dass ich denke: „Wenn du erst in Rente bist, ja dann kannst du durchatmen“ Aber werde ich mich nicht zurücksehnen nach alledem, wozu ich jetzt herzlich wenig Lust habe?
Schreiben, mit Klienten reden, Rechnungen nachjagen, Termine abarbeiten?
Manchmal denke ich: Der eigentliche Luxus, der wirkliche Charme des Lebens liegt genau darin. Vielleicht muss ich diesen Gedanken nur zulassen.
© Uwe Müller