Abschied von Helmut Kohl – mein persönlicher Eindruck

Samstag, 01. Juli, 13.00 Uhr:
Die Trauerfeier in Straßburg ist gerade zu Ende gegangen, für Helmut Kohl. Sie wurde vom ZDF übertragen und ich habe die Reden verfolgt.

Der Anlass war traurig. Jedoch: Was hoffnungsvoll stimmt, das waren die Redner und wie sie sprachen – persönlich, herzlich, humorvoll, nicht engstirnig, sondern weitsichtig.

Alle waren sich darin einig: Helmut Kohl war ein wirklicher Visionär. Er glaubte fest an Europa, und er hat viel für dessen Einheit im politischen Alltag getan. Es bewahrheitet sich immer wieder: Dort wo Menschen an etwas glauben, sich mit Herzblut für eine Sache einsetzen, da passiert auch was.
Das ist wichtig, glaube ich jedenfalls, für jeden Bereich, Lebensabschnitt, für die Bewältigung von Herausforderungen jeglicher Art. Es war nicht nur traurig. Bill Clinton zum Beispiel erzählte, wie er seine Frau fragte, warum er eigentlich Helmut Kohl so mochte. „Wahrscheinlich, weil der noch lieber aß, als du es tust“, soll sie geantwortet haben. Der französische Präsident Macron fragte, ob wir Europa den Bürokraten überlassen sollten? Das wäre nicht im Sinne von Kohl gewesen. Der russische Premier Medwedjew sprach davon, wie sehr Kohl in Russland geachtet und verehrt wurde. Juncker mahnte augenzwinkernd, dass Kohl sich nun im Himmel wirklich zur Ruhe setzen könne, und nicht auf den Gedanken kommen solle, im Himmel weiterzumachen. Und zum Schluss Merkel: Sie hat an Hannelore Kohl erinnert. Sehr gut. Sie sagte, sie würde heute nicht am Rednerpult stehen, wenn Kohl sie nicht gefördert hätte. Das fand ich auch gut. Alles in allem, tragend, berührend, beeindruckend. Der Mensch Kohl wurde geehrt. Deshalb konnte man viel lachen. Das macht ja umso wehmütiger. Ich glaube, das hat Europa gut getan, so zusammenzukommen. Gemeinsam erreicht man doch mehr, als gegeneinander. Ich habe Hoffnung.

 

 

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