Interview mit Uwe Bendel

Uwe Bendel ist der Geschäftsführer des Pflegedienstes BENDEL – Häusliche Kranken-und Seniorenpflege. 

Herr Bendel, wie verlief Ihr beruflicher Werdegang bis zur Gründung Ihres Pflegedienstes?

Ich habe zunächst Informatik in Rostock studiert. Das war in den Wendezeiten 1989/1990. Nach zwei Jahren wechselte ich an die Freie Universität in Berlin und habe den Studiengang BWL belegt.

Informatik und BWL – das waren die beiden Studienoptionen, die mir nach dem Abitur vorschwebten.

Haben Sie das Studium beendet?

Nein. Es kam anders. Meine Mutter hat im Januar 1992 als Einzelkämpferin einen Pflegedienst gegründet. Am Anfang habe ich neben dem Studium geholfen. Mitte der 90 er Jahre bin ich dann voll eingestiegen.

Was haben Sie anfangs gemacht?

Ich war unter anderem für die Leistungsbeantragung und Leistungsabrechnung sowie die Personalabrechnung zuständig. Das war ein fließender Übergang, was die Aufgabenverteilung anbetraf. Es wurde immer mehr, was da auf mich zukam. Im Kern war ich schon immer für die kaufmännischen Fragen zuständig.

Sie wissen, Pflege hat viel mit Logistik und Organisation zu tun – wann muss wer wie versorgt werden? Das sind zentrale Fragen, die wir täglich lösen müssen. Und das war natürlich bereits damals vor 20 Jahren eine große Herausforderung, nämlich zu ergründen, wie Wünsche der Pflegebedürftigen und ihrer Angehörigen mit den nötigen Leistungsangeboten in Übereinstimmung gebracht werden können.

Wer ist denn bei Ihnen für die Pflegedienstleitung zuständig?

Meine Mutter trägt immer noch die Gesamtverantwortung als Gründerin und Mitinhaberin des Pflegedienstes. Daneben sind unsere Pflegedienstleitungen, wie zum Beispiel Ines Steinborn, für die Einteilung des Personals, die praktische Organisation und die Pflegeverträge zuständig.

Was war die Initialzündung für Sie, die berufliche Perspektive in der Pflege zu sehen?

Es wurde immer mehr Arbeit und es wurde immer mehr Personal eingestellt.

Das bedurfte der Planung, der Organisation und es musste – wie eben schon erwähnt- eine entsprechende Logistik dahinterstehen.

1997 kam Fürstenwalde hinzu.

 Wie kamen Sie auf Fürstenwalde?

Zunächst: Ich habe dort mein Abitur gemacht. Dann spielte die räumliche Nähe eine Rolle – es sind ja nur 35 km weg von Strausberg.

Und schließlich standen bei der Standortwahl die Faktoren im Vordergrund, die den Ausschlag dafür geben, ob sich so etwas rechnet: Wie viel Pflegedienste gibt es vor Ort, wie hoch ist statisch betrachtet der Pflegebedarf – in der Zeit und perspektivisch.

Was sind denn aus Ihrer Sicht die Herausforderungen in der Zukunft?

Die größten Herausforderungen haben damit zu tun, entsprechendes Personal zu finden. Es gibt genügend Überlegungen aus statistischer Sicht, die den hohen Pflegebedarf für die Zukunft aufzeigen.

Es ist einfach ein Rechenexempel, wieviel Pflegebedürftige es gibt und wieviel Pflegekräfte denen gegenüberstehen. Und da klafft eine sehr große Lücke.

Da gibt es auch inzwischen zahlreiche gute Studien darüber, was die Bevölkerungsentwicklung anbetrifft.

Letztlich hat die Kasse den Versorgungsauftrag. Mein Faible besteht darin, letztlich zu analysieren, was hier funktioniert. Dazu gehört, die aktuellen Studien mit in diese Betrachtungen einzubeziehen – zum Beispiel über die Bevölkerungsentwicklung im Land Brandenburg oder die Zahlen und Fakten des Statistischen Landesamtes in Brandenburg.

Wir haben zum Beispiel mit dem Umstand auch in unserer Region zu tun, dass die jungen Frauen weggehen. Frauen, die hochqualifiziert sind.

Das hat was mit der Tradition in ländlichen Gegenden zu tun, wo der Mann früher den Hof übernahm und die Frauen sich bewegen mussten, woanders einheirateten.

Heute ist das anders. Aber es ist eine Tatsache, dass die schlecht ausgebildeten jungen Menschen oftmals ortsverhafteter sind, als diejenigen, die besser ausgebildet sind und demzufolge auch gute Chancen in anderen Gegenden haben.

Das hat sehr negative Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Diesen Trend müssen wir umkehren. Und das passiert nur sehr langsam.

Das ist auch lange unterschätzt in der Entwicklung. Sie erinnern sich vielleicht noch, dass es in den neunziger Jahren im Land Brandenburg sogar ein Reisegeld gab für junge Leute, die hier keine berufliche Anbindung fanden. In der Hoffnung: Vielleicht kommen sie ja später mal wieder.

Heute wird alles dafür getan, dass gut ausgebildete Leute wieder zu uns ins Land zurückkommen.

Das Dilemma, was hinzukommt, ist der Geburtenrückgang. Immer weniger junge Menschen sind dann da, um künftig den wachsenden Pflegebedarf der älteren Menschen zu bewältigen.

 Herr Bendel, eine andere Frage: Was machen Sie in Ihrer Freizeit?

Meine Hobbies sind Golf und Fitness. Ich war im Leistungssport – im Turnen, im Boxen zum Beispiel. Ich habe fünf Tage die Woche trainiert.

Ich war auch im Judo – Kampfsport, im Handball und Fußball sportlich aktiv.

Welche Erfahrungen nehmen Sie aus Ihrer sehr intensiven sportlichen Phase mit in die heutige Tätigkeit?

Alles, was ich selbst tue, muss ich auch verantworten. Die Selbstverantwortung sozusagen, das ist meine wichtigste Erkenntnis, die mich auch heute noch trägt.

Was sind die Herausforderungen für Ihren Pflegedienst in der Zukunft?

Die Pflegekräfte müssen immer wieder ein Gespür dafür entwickeln, um welche Bedürfnisse es in der Pflege geht.
Dazu ist eine gute fachliche Ausbildung vonnöten.
Die Krankenbeobachtung spielt eine sehr große Rolle.
Kurzum, man muss offen bleiben für das, was die Pflegebedürftigen brauchen.

Was ist denn das, was Sie am meisten im Alltag beschäftigt?

Nun, das ist schon die Tatsache, dass es stets eine Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit gibt.
Das heißt, wir müssen in diesem Spannungsfeld agieren – die betriebswirtschaftlichen Erfordernisse im Blick haben, die Zeiten in der Pflege gut planen und einhalten und das alles zum Wohle derjenigen, für die wir das alles tun – nämlich die Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen.

Können Sie das mal näher erläutern?

Der Pflegebedürftige und deren Angehörigen – sie entscheiden darüber, was sie an Leistungen wollen, was sie einkaufen. Und da bewegen wir uns natürlich stets in einem Spannungsfeld. Nämlich: Was ist der Wunsch, was will der Pflegebedürftige und wie oft sollen wir dafür kommen? Da gibt es dann auch mal Diskrepanzen zwischen dem, was das Leistungspaket hergibt und dem, was tatsächlich gewünscht wird.

Hier kommt aber unser Gespür hinzu, die Fähigkeit, das Angebot so zu entwickeln, dass alle Seiten damit leben können und vor allem der Pflegebedürftige optimal versorgt wird.

 Und wir haben natürlich in diesem Zusammenhang mit dem Mangel an Pflegekräften zu kämpfen.
Wir können nur alle Nachfragen bedienen, wenn wir genügend ausgebildetes Pflegepersonal haben – examinierte Altenpflegekräfte und nichtexaminiertes Pflegepersonal.
Wachstum ist begrenzt durch fehlendes Personal.

Suchen Sie denn aktuell Personal?

Ja, klar. Wir suchen sowohl examinierte Pflegekräfte als auch nichtexaminierte Pflegekräfte.

Wir freuen uns über jede Anfrage und jedes Interesse, was die Arbeit in unserem Pflegedienst angeht.

Wie wichtig ist Ihnen die Kommunikation?

Ganz wichtig. Oftmals sind unsere Mitarbeiter doch die einzig verbliebenen Ansprechpartner, mit denen unsere Pflegebedürftigen verkehren.
Und da ist es wichtig, dass die Mitarbeiter auch mal ein Wort aus dem privaten Bereich miteinander wechseln.
Wir wissen aus unserer täglichen Erfahrung, wie wichtig ein guter Draht zu den Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen ist.

Wir wissen auch, dass wir es mit einer Generation zu tun haben, wo die Verhaltensweisen aus dem vorigen Jahrhundert stammen und dort geprägt wurden.

Wie meinen Sie das?

Unsere jungen Mitarbeiter kennen diesen kulturellen Hintergrund kaum.

Wer weiß schon heute noch, dass es einmal in der Woche einen Waschtag gab, warum es die Sonntagskleidung gab. All das sind Dinge, mit denen wir uns im Team auch beschäftigen. Oder die Tatsache, dass immer gespart wurde – am Wasser, am Strom. Das machte die Generation während des Krieges und nach dem Krieg aus. Deshalb ist es wichtig, dass wir uns dessen stets bewusst sind, uns darauf einstellen.
Des Weiteren: Das Bild von Mann und Frau war noch ein ganz anderes.

Werten Sie bestimmen Themen im Team aus?

Auf jeden Fall. Wir haben ja regelmäßige Dienstberatungen. Da sprechen wir all die Dinge durch. Wir dürfen diese kulturellen Unterschiede nicht vergessen.
Mitunter gibt es auch spezielle Härtefälle.

Was meinen Sie?

Also da, wo es mit der Hygiene nicht stimmt, eventuell ein Messi zu betreuen ist, Getier im Haus zu finden ist. Und trotzdem wollen wir dort unserem Pflegeauftrag nachkommen.

Was ist Ihre wichtigste Erkenntnis aus Ihrem beruflichen Werdegang?

Es geht nie um die Chancen, die wir nicht wahrgenommen haben. Es geht immer um die Chancen, die vor uns liegen.

Ein sehr guter Abschluss.

Herr Bendel, vielen Dank für das Gespräch.

Kontakt:
Pflegedienst BENDEL – Häusliche Kranken-und Seniorenpflege

1.
Wilhelmstrasse 2
15345 Petershagen/Eggersdorf
Telefon: 03341-44 204
Telefax: 03341-301553
E-Mail: info@bendel-krankenpflege.de
Internet: www.bendel-krankenpflege.de
Geschäftsführer: Uwe Bendel
2.
Schulstrasse 7
15344 Strausberg
Telefon: 03341-44204
Telefax: 03341-301553
Ansprechpartnerin: Ines Steinborn
3.
Karl-Liebknecht-Straße 21
15517 Fürstenwalde
Telefon: 03361-345999
Telefax: 03361-33450
Ansprechpartnerin: Jana Ehrt
4.
Karl-Marx-Str. 16
15517 Fürstenwalde
Telefon: 03361-345999
Telefax: 03361-33450
Ansprechpartnerin: Jana Ehrt

© Dr. Uwe Müller

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