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Dipl.-Ing. (FH), Dr. rer. pol.; Dozent; freiberuflicher Journalist; Coach - Themenschwerpunkt: Kommunikation

Interview mit Evelin Funke

Evelin Funke ist die Inhaberin der „Zentralen Ambulante Krankenpflege Evelin Funke GmbH“

Frau Funke, wie sind Sie zur Pflege gekommen?
Ich habe von 1979 bis 1982 ein Fachschulstudium zur examinierten Krankenschwester absolviert. Später habe ich die Rettungsstelle in der Charité in Berlin mit aufgebaut. 1984 kam mein erstes Kind.
Im Mai 1989 bin ich aus der damaligen DDR geflohen und war dann in verschiedenen medizinischen Einrichtungen in NRW tätig – zum Beispiel in einem katholischen Krankenhaus in Oberhausen oder in Mühlheim an der Ruhr.
In dieser Zeit absolvierte ich auch einen Stationslehrgang in Bonn und war ab 1991 Stationsschwester. Ich habe so Erfahrungen unter anderen in den Bereichen der Neurologie, der Kardiologie und der HNO sammeln können.
Doch ich wollte unbedingt nach Berlin zurück.

Warum?
Nun, das lag auf der Hand. Die Mauer war gefallen und ich hatte schon Sehnsucht nach meiner Heimat. Außerdem: Wir wollten ein Haus bauen und haben dann auch nach der Rückkehr ein Grundstück dafür erworben.

Wie ging es weiter?
Im Juli 1993 habe ich meinen eigenen Pflegedienst gegründet. Ich hatte sofort den Anspruch, eine gute Qualität in der Pflege und Betreuung zu bieten.
Anfangs habe ich ja ganz allein gearbeitet. Da war es schon nicht leicht, alles zu bewältigen, meinen eigenen Ansprüchen gerecht zu werden.

Was war denn Ihr zentrales Anliegen?
Ich wollte immer so andere Menschen pflegen, wie ich auch selbst gepflegt werden will.

Wie war es, Kontakte aufzubauen, Patienten zu gewinnen?
Ich hatte natürlich einen großen Vorteil: Es war naheliegend, dass ich als ausgebildete und erfahrene Krankenschwester schnell ein Netzwerk in die umliegenden Krankenhäuser aufbauen konnte, mir Patienten empfohlen wurden.
Übrigens, ich hänge noch heute sehr an meinem Beruf, als Krankenschwester zu arbeiten. Am liebsten würde ich dort wieder hin zurückkehren, wenn ich die Wahl hätte.

Wie kommt es?
Nun, der ständige Kostendruck, wachsende Bürokratie und die Verantwortung, die ja nie aufhört – für die Mitarbeiter, die Pflegebedürftigen.

Ich kann das verstehen, dass Sie so etwas sagen.
Aber: Ich bin davon überzeugt, dass Ihnen die Firma inzwischen sehr ans Herz gewachsen ist, oder?
Da haben Sie schon recht. Ich habe ein tolles Team, praktisch ein Dream-Team. Und der Pflegedienst hat sich in den vergangenen 25 Jahren schon sehr gut entwickelt. 38 Mitarbeiter sind für über 100 Patienten zuständig.

Frau Funke, man merkt Ihnen an, dass Ihnen die Tagespflege sehr am Herzen liegt, warum?
Wissen Sie, die Angst vor sozialer Vereinsamung erfasst inzwischen viele ältere Bürger.
Und da ist es mir wichtig, ihnen ein geselliges Beisammensein zu ermöglichen, wenigstens für ein paar Stunden am Tag, ihnen einfach ein zusätzliches gemütliches Zuhause zu bieten.
Hinzukommt: Wir entlasten die Angehörigen, wenn diese ihren täglichen beruflichen und privaten Verpflichtungen nachgehen wollen.
Die Tagesgäste wiederum treffen bei uns Menschen, die ihnen gleichgesinnt sind. Übrigens: Darunter sind wirklich interessante Menschen, Persönlichkeiten, die viel zu erzählen haben, gern zuhören was es an Neuigkeiten in der Welt gibt.

Aber ist es nicht so, dass viele bereits mit Demenz zu kämpfen haben?
Ja, das ist richtig. Wir dürfen aber nicht in den Fehler verfallen, nur diese Tatsache zu sehen?

Sondern?
Wirklich den ganzen Menschen sehen, ihn individuell wahrnehmen in seinen vielfältigen Bedürfnissen.

Wie gelingt Ihnen das?
Indem wir vor allem vor Beginn der Betreuung sehr intensive Anamnesegespräche führen, und zwar mit den Angehörigen und den künftigen Gästen selbst.
Erst wenn wir den Menschen wirklich kennen, wissen, was er will und was nicht, können wir Angebote unterbreiten.

Können Sie das an einem Beispiel festmachen?
Wenn jemand ein ganzes Leben lang gelesen hat, und es geht jetzt nicht mehr kann, dann wird er vielleicht gern zuhören beim Vorlesen aus einem Buch, einer Zeitung.
Andere Gäste wiederum lieben Brettspiele. Und einem anderen macht Spaß, in seinem Fotoalbum zu blättern, sich zu erinnern, sich mitzuteilen.
Was ich meine: Biografiearbeit, Ausflüge organisieren, vielfältig sein im Angebot, an den Bedürfnissen des Einzelnen ausrichten – das trifft es im Kern.

Wie würden Sie die Tagespflege beschreiben, was ist charakteristisch, was fällt auf beim ersten Eindruck?
Besser, Sie fragen denjenigen, auf den das wirkt – den Gast oder den Angehörigen. Am besten, Sie schauen selbst mal vorbei.

Werde ich tun. Was erwartet mich?
Gemütliche Räume, freundliche und zugängliche Mitarbeiter.

Wie viele Mitarbeiter sind dort tätig?
Dort arbeiten zwei Männer als Fahrer, 2 Betreuerinnen, 1 Pflegehelferin und zwei Pflegefachkräfte. Übrigens: Ich liebe es zum Beispiel, kleine Galerien zu organisieren, Vernissagen und Finnissagen.
Dort stellen auch weniger bekannte Künstler aus. Die Bilder sind nicht nur für uns schön anzusehen.
Die Tagesgäste schauen sich die Bilder ebenfalls mit Interesse an. Manch ein Tagesgast vergisst aufgrund seiner Demenz wieder, was er gesehen hat. Aber am nächsten Tag erinnert er sich, oder entdeckt das Bild eben ganz neu.

Was gibt es noch für die Tagesgäste?
Es kommt der Friseur, der Physiotherapeut oder wir besuchen mal die Straußenfarm.
Wichtig sind zwei Dinge.

Nämlich?
Das Interesse des Tagesgastes wecken, ihn aktivieren und motivieren. Und: Ihn im Herzen berühren, ihm das Gefühl geben, dass er bei uns willkommen ist.

Was bedeutet Ihnen die individuelle Pflege?
Empathie ist sehr wichtig.

Was in diesem Zusammenhang heißt?
Sich wirklich in den Pflegebedürftigen hineinversetzen – gedanklich und von den Gefühlen her. Oft liest man, dass der Patient ganzheitlich gepflegt und betreut wird.
Doch das kostet Zeit, Kraft und den Willen, dranzubleiben.

Und, tun Sie das?
Ja, das tun wir. Dazu fühlen wir uns geradezu berufen. Wir hören genau hin, was der Pflegebedürftige für Wünsche und Bedürfnisse hat, was die Angehörigen sagen.
Wir setzen das auch um, was wir versprochen haben, obwohl das aufgrund der Größe unserer Firma manchmal nicht einfach ist.

Was ist, wenn Sie die Qualität nicht liefern können?
Dann sagen wir das. Wir hatten gerade heute so einen Fall. Angehörige wollten ihre Mama versorgt wissen, die schwer dement ist.
Sie hatten bereits einen guten Eindruck von uns gewonnen, weil wir die Mutter schon in der Tagespflege betreut haben.
Doch, wir mussten ganz offen sagen, dass wir vom personellen Aufwand her nicht schaffen, zurzeit jedenfalls nicht.

Was passierte dann?
Nun, ich habe bei einem anderen Pflegedienst angefragt und die Patientin dorthin empfohlen. Das gehört für uns zur Dienstleistung dazu.
Es ist besser so, als mit aller Macht zu versuchen, den Menschen zu betreuen, obwohl es von vornherein klar ist, dass wir es nicht schaffen.
Wenn also der Mensch wirklich im Mittelpunkt stehen soll, dann müssen wir ihn auch dort lassen und das für ihn beste organisieren. Und das war in dem Fall ein anderer Pflegedienst, der über offene Kapazitäten verfügte.

Was macht die SAPV aus?
In der Spezialisierten Ambulanten Palliativ-Versorgung arbeitet ein Team von vier Palliativ-Care-Kräften.
Wir wollten schon immer in die palliative Versorgung einsteigen. Vor Jahren hat Rüdersdorf einen Pflegedienst gesucht, der in das Netzwerk miteinsteigt.
Das hat uns ja auch Geld gekostet. Zum Beispiel die Ausbildung der Fachkräfte.

Also noch eine zusätzliche Ausbildung?
Ja. Ein Jahr Sonderausbildung. Die künftige Palliativ-Care Fachkraft muss unter anderem in einer onkologischen Praxis hospitiert haben, oder zum Beispiel auch in einem Hospiz.
Das alles dient dazu, sich sehr intensiv in dieses sehr sensible Fachgebiet einzuarbeiten.

Warum haben Sie sich entschlossen, in eine Versorgung einzusteigen, die so komplex und schwierig ist?
Wir wollten schon immer Palliativ machen. Die meisten Pflegedienste haben nicht das Fachpersonal. Ich hatte diese Fachkräfte. Und: Ich habe für deren Ausbildung Geld in die Hand genommen.
Außerdem: Auf diese Weise konnte ich meiner Berufung als Krankenschwester wieder mehr nachgehen – einfach als Schwester Evelin für die Patienten da sein.
Inzwischen haben wir ein ganzes Palliativnetzwerk aufgebaut.

Was ist das Hauptmotiv für die Palliativ-Versorgung?
Wir möchten, dass der Patient zu Hause sterben kann – also da, wo er sich geborgen fühlt, im Kreise seiner Lieben.
Bei uns in der Region gibt es kein Hospiz, noch nicht. Umso mehr wollen wir für schwerstkranke Patienten und deren Angehörige Ansprechpartner sein.
Die Patienten, die wir betreuen, sind mindestens 18 Jahre alt. Sie sind austherapiert. Sie wissen, dass sie sterben werden.
Wir sind rund um die Uhr erreichbar. Und ein Doktor steht ebenfalls 24 Stunden am Tag zur Verfügung.

Was gehört zu dieser Arbeit?
Es geht darum, Medikamente zu verabreichen oder zum Beispiel die Flüssigkeitszufuhr zu regeln. Aber, das was die Arbeit ausmacht ist:
ein Gespür für den Patienten zu entwickeln – nicht nur, um eventuellen Angstattacken zu begegnen, sondern selbst in diesem Stadium für Lebensqualität zu sorgen.

Was ist das Besondere an Ihrem Führungsteam?
Wir sind in der Führung ein „Dream-Team“

Klingt abgehoben, oder?
Vielleicht klingt es so. Doch ich stehe dazu. Wir haben insgesamt ein wirklich tolles Team aus 38 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern – gut ausgebildet, sehr engagiert.
Und ich weiß, dass dies nicht mein Verdienst allein ist. Vielmehr: Das ist das Ergebnis einer wirklich guten Arbeit unseres Führungsteams.

Wer gehört dazu?
Daniela Wraske, Sandra Thiele und ich. Daniela Wraske ist jung, hat Energie, bringt frische Ideen mit.
Sie ist unsere „Konzeptdame“, also diejenige, die die Konzeptionen zur SAPV schreibt, die Verträge vorbereitet, Dienstleistungsangebote entwirft.
Sandra Thiele wiederum ist unser Ruhepol. Sie hat den Überblick über die Touren, ist der Ansprechpartner für die Mitarbeiter, achtet auf die betriebswirtschaftlichen Erfordernisse.
Für mich sind das ganz einfach wunderbare Menschen. Wir alle drei ergänzen einander, hören darauf, was der andere zu sagen hat.
Und: Wir verlieren dabei nicht das Wesentliche aus den Augen: den Patienten. Der kommt an erster Stelle, für ihn tun wir das ja alles.
Was glauben Sie zum Beispiel, wie die beiden beim Erstgespräch hinhören! Sie stellen die richtigen Fragen, sind einfach empathisch. Das ist es, was ich meine, wenn ich von einem „Dream-Team“ spreche.

Was denken Sie am Wochenanfang, montags also, wenn Sie in den Pflegedienst fahren?
Ich bin gut gelaunt, neugierig auf den Tag – es ist immer anders, spannend eben.

Frau Funke, vielen Dank für das Gespräch.

© Dr. Uwe Müller

Warum „UweMuellererzaehlt“?

Ich habe bewusst die Domain „uwemuellererzaehlt“ gewählt: Ich will aus eigener Anschauung und unter eigenem Namen schreiben und dies sofort in der persönlichen Überschrift ausdrücken.
Noch wichtiger aber ist: Ich möchte diejenigen zu Wort kommen lassen, die sich täglich um ihre Pflegebedürftigen und deren Angehörige bemühen.
Ich finde, das Bedürfnis von Menschen, über andere Menschen etwas aus der persönlichen Sicht zu erfahren, hat stark genommen.
Das ist im Pflegebereich nicht anders. Bekanntheit, Anerkennung, die Mund-zu-Mund-Propaganda entsteht nicht zuerst dadurch,
dass man von sich behauptet, „man sei der Beste“.
Das entscheiden die Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen ohnehin selbst.
Vielmehr: Leser wollen lieber etwas darüber erfahren, was die Inhaberin oder der Inhaber eines Pflegedienstes denkt,
was ihnen am Herzen liegt, wenn sie über Qualität in der Pflege und Betreuung sprechen, wie sie mit Stress und Überlastung umgehen,
was sie künftig verbessern wollen.  Nur dadurch entsteht Vertrauen, gewinnen Angehörige die Überzeugung, dass es der richtige Pflegedienst für sie ist.

Individuelle Betreuung von an Demenz erkrankten Menschen im Fokus
Die Anzahl der Pflegebedürftigen wächst, und unter ihnen die Zahl derer, die an Demenz erkrankt sind – im Anfangsstadium oder fortgeschritten. Das soll unter anderem ein Schwerpunkt werden für dieses Portal – der Umgang mit der Krankheit Demenz – durch die Betroffenen selbst und diejenigen, die sich kümmern.
Das sind zum einen die vielen Pflegekräfte, die es beruflich tun und die Angehörigen. Aus Gesprächen weiß ich und erfahre es immer wieder aufs Neue, dass der starke Wunsch besteht, sich auszutauschen, über die Probleme zu reden. Und auch: Anerkennung zu finden, für das, was tagtäglich geleistet wird.

Erreichte Erfolge stärken die Kraft, um neue Herausforderungen zu bewältigen
Es wird viel darüber geschrieben, wie dramatisch es im Pflegebereich zugeht. Dabei ist viel getan worden in den letzten Jahren. Auf der Ebene der Politik und durch die Akteure in der Pflege selbst.
Mein Eindruck ist: Manchmal wird vergessen, das Positive zu erwähnen, ohne in Schönfärberei zu verfallen.
Die Zahlen derjenigen, die der Pflege bedürfen,  steigen so rasant an, dass man die greifbare Überforderung ohnehin gar nicht ignorieren kann. Doch Herausforderungen in der Zukunft bewältigt man auch und vor allem dann, wenn man sich dessen bewusst wird, was schon geleistet wurde. Erst dadurch wird ja auch die Dimension klarer, wie es zukünftig weitergehen kann.

Uwe Müller

Interview mit Ute Grüner

Ute Grüner ist die Inhaberin des Pflegedienstes Grüner
 Das Interview wurde mit Ute Grüner im Mai vergangenen Jahres geführt. Im September 2016 ist aus dem Pflegedienst Grüner die Sozialstation Grüner GmbH geworden. Ute und Jens Grüner sind die Geschäftsführer.

Frau Grüner, wie verlief ihr beruflicher Werdegang vor der Gründung Ihres Pflegedienstes?
Von 1982 bis 1985 habe ich eine Fachschule zum Hygieneinspektor absolviert. Das entspricht in etwa dem heutigen Berufsbild des Gesundheitsüberwachers. Danach war ich als Hauswirtschafterin bei der Volkssolidarität beschäftigt. Anschließend ging es in ein Pflegeheim. Dort habe ich auch meine Ausbildung zur examinierten Altenpflegerin absolviert. Daran schloss sich eine Qualifizierung zur Pflegedienstleitung an. 2001 bin ich dann in die Selbstständigkeit gewechselt.

Was war die Initialzündung dafür, als Unternehmerin in die Pflege zu gehen?
Das Motiv war: Ich wollte einen eigenen ambulanten Pflegedienst gründen.

Warum?
Weil ich im Pflegeheim gesehen habe, wie die Bewohner zum Teil an der Tür ihr Leben abgegeben haben. Trotz alledem haben wir als Mitarbeiter alles getan, damit sich die Bewohner wohlfühlen.
Ich hätte gar nicht zufrieden nach Hause gehen können, wenn ich nicht alles in meiner Kraft stehende unternommen hätte,
um die Heimbewohner gut zu pflegen und zu betreuen.

Also war das schon ein wichtiger Antrieb für Sie mit einem eigenen Pflegedienst noch mehr für die Pflege- und Hilfsbedürftigen zu tun?
Ja, uns ging es darum, pflegebedürftigen Menschen in unserer Umgebung möglichst lange zu ermöglichen, im eigenen häuslichen Umfeld zu verbleiben.  Sie sollen ihr eigenes Leben selbstbestimmt führen, solange jedenfalls, wie das geht. Das war für mich schon ein wichtiger Antrieb. Später haben wir dann noch die Tagespflege gegründet, weil es uns wichtig war, dass Menschen am Tag die Möglichkeit hatten, betreut zu werden.

Was sind das für Gäste, die zu Ihnen in die Tagespflege kommen?
Zum einen sind das Menschen, die einfach eine neue und interessante Sicht auf den Tag bekommen wollen – durch Begegnungen mit anderen Gästen und indem sie an den Aktivitäten teilhaben können. Das sind aber auch Gäste,
die unter Demenz leiden – abends sind ja in dem Fall die Angehörigen wieder da und können sich kümmern.
Sie alle zusammen fühlen sich bei uns am Tag sehr wohl
Haben Sie das alles allein geschafft? Anfangs ja. Später, genauer 2006, ist mein Mann, Jens,  mit in die Firma eingestiegen.

Als was?
Als Mitinhaber natürlich und verantwortlich für die Technik, die Verwaltung den Fuhrpark. Heute leitet er die ambulant betreute Wohngruppe.

Was ist Ihnen am Anfang leicht gefallen und wo hatten Sie Schwierigkeiten, hineinzuwachsen?
Die Akquise von Patienten ist mir leicht gefallen. Ich kannte viele im Dorf und man kannte mich.  Ich hatte auch von Anfang an ein gutes Verhältnis zu den Ärzten. In kürzester Zeit haben wir ca. 30 Patienten betreut. Schwer ist mir die gesamte Büroarbeit gefallen. Ich bin heute noch lieber beim Patienten, als die Dokumentation zu erstellen. Aber: Das ist ja wichtig. Und so habe ich mich in vieles einarbeiten müssen – das ganze Vertragswesen, die kaufmännischen Angelegenheiten, die Planung und Organisation der Pflege und Betreuung.

Haben Sie heute noch Kontakt mit Patienten?
Auf jeden Fall, wo denken Sie hin? Ich kenne alle Patienten persönlich, spreche mit ihnen, wenn es Wünsche oder Probleme gibt. Außerdem bei Dienstübergaben oder beim Erstaufnahmegespräch – da bin ich immer dabei.

Was macht Ihrer Meinung nach ein starkes Team aus?
Ein starkes Team? Im Notfall ist jeder für den anderen da – das macht meiner Meinung nach ein wirklich starkes Team aus. Und zwar ohne große Worte. Das wissen auch die Patienten und vertrauen uns nicht zuletzt deshalb.

Welche Rolle spielt für Sie die Kommunikation mit den Pflegebedürftigen?
Die Kommunikation spielt für uns eine extrem wichtige Rolle.
Man kann bei jeder Maßnahme, zum Beispiel bei der Körperpflege, Kommunikation und Aktivität miteinander verbinden.
Also: erklären, was man gerade macht, was wichtig ist bei einer mobilisierenden Tätigkeit. Und außerdem: Auf dem Dorf wird immer gesprochen. Wir sprechen viel über Ereignisse und Menschen, die für uns interessant und wichtig sind.  Das mögen die Pflegebedürftigen sehr gern. Sie nehmen ja dadurch weiter am Leben außerhalb der häuslichen Umgebung teil.
Ich denke: Mitunter ist ein Gespräch bei einer Tasse Kaffee wichtiger, als die Pflegemaßnahme selbst. Oder anders ausgedrückt: Ich habe mich nie von der Minutenpflege drücken lassen. Das geht immer auf die Qualität. Natürlich muss ich ebenfalls auf die Zeit schauen. Aber im Fokus sind für mich die Menschen, die wir pflegen und betreuen.  Und da muss man eben auch mal eine Minute hinten dranhängen. Meine Mitarbeiter wissen ebenfalls, dass ich so denke.
Ich will gern in diesem Zusammenhang an unseren Leitspruch erinnern.

Nämlich?
Helfen ist unsere Berufung!

Frau Grüner, zum Abschluss: Was ist für Sie persönlich Glück?
Glück ist für mich ein Zustand der inneren Zufriedenheit, zum Beispiel, wenn der Tag gut war. Zu meinem Glück gehört meine Familie: Mein Mann, ohne den ich das hier gar nicht schaffen würde;
meine Tochter Annett – sie ist 25 Jahre alt und studiert Journalismus.
Frau Grüner, vielen Dank für das Gespräch.
Das Interview erfolgte am 20/05/2016.

Neuer Pflegebericht – Pflegende sollten ihn kennen

Die Bundesregierung hat zum Ende des vergangenen Jahres den neuen Pflegebericht vorgelegt. Er gibt kompakt das wieder, was in den letzten fünf Jahren in der Pflege passiert ist.
Warum erzähle, warum schreibe ich darüber? Zunächst: Wer sich einen eigenen detaillierten Überblick verschaffen will, der sollte natürlich selbst nachlesen, eigene Wertungen vornehmen. Ich stütze mich ja ebenfalls auf die im Quellenverweis angegebenen Inhalte (vgl. Fußnoten).
Ein weiterer Gedanke: Wir sind sehr schnell dabei zu sehen, was alles nicht gelingt in der Pflege, wo die Margen und Defizite sind.
Und eines ist klar: Es gibt genug davon – es fehlt Personal, die Arbeitsbelastung ist zu hoch, und zwar körperlich und psychisch,
der Stressfaktor wächst in der täglichen Pflege mitunter so an, dass häufiger Fehler passieren, etwas übersehen wird, kurzum die Qualität sinkt.

Herausforderungen annehmen heißt auch, Positives, Erreichtes zu kennen und zu schätzen
Es ist sicher, dass nicht alles auf einmal behoben, verbessert werden kann. Das führt dazu, dass wir mitunter geneigt sind, nur noch das Negative zu sehen. Ich will das auch nicht wegdiskutieren, was objektiv vorhanden ist. Pflegepraktiker und Experten sagen mir manchmal: „Wenn du jeden Tag in dieser Tretmühle wärst, du würdest schnell wieder hinter deinen Schreibtisch fliehen.“
Da ist viel Wahres dran. Doch diese Wahrheit hat ebenfalls eine zweite Seite.  Und wenn wir die nicht genauso wertschätzen, beachten, ja dann kennen wir auch nicht die Anstrengungen, die unternommen wurden,  um den jetzigen Herausforderungen gewachsen zu sein und vor allem die zukünftigen Aufgaben rechtzeitig zu erkennen und entsprechend anzugehen.
Es ist unheimlich viel passiert, schaut man sich die Entwicklung seit 1995 an. Einen noch intensiveren Eindruck bekommst du, wenn du dir die letzten fünf Jahre anschaust. Deshalb lese ich auch den Pflegebericht und empfehle es jedem ebenso.

Komplexes und Kompliziertes verlangt nach einfachen Sätzen
Was mich immer wieder beim Lesen stört: Die Schlangensätze, die Wortungetüme, als gäbe es nicht die Pflicht, für den Leser klar, einfach und übersichtlich zu schreiben.
Ich verstehe es nicht, wenn jemand sagt: „Das ist ein wissenschaftlicher Stil.“ Das ist er eben nicht. Wissenschaftlich schreiben und denken heißt auch und gerade, die komplizierten Zusammenhänge einfach darzustellen – das übrigens macht Mühe, treibt dich dazu, Formulierungen immer wieder zu wälzen. Der Bericht vermittelt viel Wissenswertes. Ich denke, man sollte ihn kennen, wenn man sich mit dem Thema Pflege beschäftigt. Eigentlich läuft der Berichtszeitraum ja über vier Jahre.
Der sechste Bericht deckt fünf Jahre ab.  Dadurch konnten schon Ergebnisse aus der Einführung der neueren Gesetzgebungen mit betrachtet werden – so zum Beispiel das Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz (PNG) und das Erste Pflegestärkungsgesetz (PSGI).

Am Anfang des Berichts stechen zwei Fakten ins Auge:
1.
2011 gab es 2,3 Millionen Leistungsempfänger und 2015 2,7 Millionen – ein Anstieg um 17 %.
2.
Im gleichen Zeitraum wachsen die Leistungsausgaben um 27 % – von 20,9 auf ca. 26,6 Mrd. Euro.
Allein diese Zahlen verdeutlichen, mit welchen Herausforderungen die Pflege umzugehen hat und dabei gleichzeitig Schritt für Schritt die Qualität in der individuellen Betreuung verbessern konnte. (2)

Quellenangaben:
(1)
Vgl.: Sechster Bericht der Bundesregierung über die Entwicklung der Pflegeversicherung und den Stand der pflegerischen Versorgung in der Bundesrepublik Deutschland; PDF –
http://www.bundesgesundheitsministerium.de/ministerium/meldungen/2016/sechster-pflegebericht.html; Download PDF-  Donnerstag, 12. Januar 2017, 10.33 Uhr)
(2)
Vgl. ebenda – PDF-Dokument, S. 3

Pflegestatistik

Die neuesten Zahlen in der Pflegestatistik sind da.
Sie beruhen auf den Erhebungen, die alle zwei Jahre durchgeführt werden, und zwar hauptsächlich von den Statistischen Ämtern des Bundes und der Länder.
Diese Zahlen gehen auf die Erhebungen aus 2015 zurück.
Dabei werden vor allem Daten gewonnen, die einen Überblick über das Angebot und die Nachfrage nach Pflege und Betreuung geben.

Eine Auswahl aus den Eckdaten: 
2015 wurden insgesamt 2, 863 Millionen Pflegebedürftige versorgt.
Davon zu Hause: 2,08 Millionen. Das sind 73 %.
In den Heimen waren es 783.000 (27%), die vollstationär versorgt wurden.
Der größte Anteil bei der Pflege und Betreuung liegt bei den Angehörigen – insgesamt 1,38 Millionen Pflegebedürftige.
629 000 Pflegebedürftige wurden zusammen mit oder aber nur durch ambulante Pflegedienste versorgt.
Dafür standen 2015 13.300 ambulante Pflegedienste mit 355 600 Beschäftigten zur Verfügung.
Im Vergleich zu 2013 stieg die Zahl der Pflegebedürftigen, die durch ambulante Dienste betreut wurden um 76000 (12,4%) .

Quelle: Pflege im Rahmen der Pflegeversicherung, Deutschlandergebnisse, Statistisches Bundesam. Herausgeber: Statistisches Bundesamt, Wiesbaden; < Erscheinungsfolge: zweijährlich; Erschienen am 16. Januar 2017; Artikelnummer: 5224001-15900-4 (PDF)

Internet: www.destatis.de (https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/Gesundheit/Pflege/PflegeDeutschlandergebnisse5224001159004.pdf?__blob=publicationFile; abgerufen: Mittwoch, 01.02.2017, 12.35 Uhr)

 

 

 

Uwe Müller erzählt

Ich erzähle über Menschen in der Pflege.
Das sind zum Beispiel Inhaberinnen und Inhaber
von Pflegeeinrichtungen, Pflegekräfte,
Pflege-und Hilfsbedürftige und deren Angehörige.
Die Form: Interviews,  Artikel, Essays,  Pressemitteilungen.

 

Über die Pflege

 

Impressum:
Dr. Uwe Müller
Freiberuflicher Journalist
Am Waldesrand 20 16348 Wandlitz/ OT Basdorf
E-Mail: dmc@dr-mueller-consulting.de
Telefon: 0175-22 50 474
www.dr-mueller-consulting.de
Umsatzsteuer- Ident.-Nr.: 99 458 710 627

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