Archiv der Kategorie: INFORMATIVES

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Das Bewertungssystem des Pflege-TÜV hat versagt

Das System der Benotung hat sich nicht bewährt.

Das 2009 eingeführte Verfahren sollte transparent machen, wer von den Pflegediensten oder Pflegeheimen einen guten Job macht, sich um die Pflege- und Hilfsbedürftigen und deren Angehörige nachhaltig kümmert und wer weniger.

Dieser Pflege – TÜV hat aber nicht die Transparenz gebracht, die sich vor allem die wünschen, die davon unmittelbar betroffen sind, nämlich die zu Pflegenden.

Das soll nun im Mittelpunkt stehen, wenn der Pflege – TÜV reformiert wird.

Die Bertelsmann – Stiftung macht eigene Vorschläge. So soll die Zufriedenheit der Betroffenen künftig eine größere Rolle spielen. Die Reform schleppt sich dahin, vielleicht wird sie auch verschleppt. Mitarbeiter von Pflegeeinrichtungen sollten eigene Vorschläge miteinbringen, und: Sie sollten vor allem weiter engagiert in der Praxis arbeiten.

Das ist die Ethik, die keine Note umfassend widerspiegeln kann, wohl aber entscheidend ist für das, was man als gute Pflege bezeichnet.
(Vgl. dazu auch: Berliner Zeitung, Nummer 168, S. 7; Timot Szent-Ivanyi)

 

© Dr. Uwe Müller

 

Der Mindestlohn für Pflegekräfte steigt

Wann?

Ab 01. Januar 2018.

Wie viel?

Auf 10,55 Euro pro Stunde im Westen; auf 10,05 Euro pro Stunden im Osten.

Wie geht es weiter?
Bis 2020 soll der Mindestlohn weiter steigen.
Im Westen auf 11,35 Euro pro Stunde und im Osten auf 10,85 Euro pro Stunde im Osten.

Wo liegt der aktuelle Mindestlohn?
Bei 10,20 Euro pro Stunde im Westen, 9,50 Euro pro Stunde im Osten.
(Vgl. dazu: Berliner Zeitung, Nummer 167, Donnerstag, 20. Juli 2017, S.7)

Was ist das Gute an der Nachricht?
Der Mindestlohn für Pflegekräfte wächst weiter.

Reicht das aus?

Nein, ganz bestimmt nicht.

Was sollte weiter passieren?
Zum einen: das Niveau der Mindestlöhne in Ost und West weiter angleichen; Pflege ist unteilbar.

Zum anderen:

Attraktivität des Berufes weiter steigern. Da kann Politik was tun, die in der Pflege Verantwortlichen aber auch.

© Dr. Uwe Müller

Fachkräftemangel nimmt Dimension an, die beängstigt

Die Zahlen der Fachkräfteengpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit (BA) im Juni 2017 alarmieren: Die sogenannte durchschnittliche Vakanzzeit für examinierte Altenpflegekräfte beträgt 167 Tage.

Nahezu ein halbes Jahr dauert es, bis eine freie Stelle neu besetzt werden kann. Das liegt mit 67 Prozent über der durchschnittlichen Vakanzzeit, bezogen auf alle Berufe.
32 Arbeitssuchenden stehen im Pflegebereich 100 gemeldete Stellen gegenüber.
Oder in absoluten Zahlen:
Auf 10.100 freie Stellen kommen 3200 Arbeitssuchende.
Nicht gerechnet sind hier die Stellen für Zeitarbeit.
Die Zahlen schrecken auf – angesichts der Tatsache, dass bis 2030 sogar noch über 500.000 Pflegekräfte zusätzlich für den wachsenden Bedarf benötigt werden.

Quelle: 
https://statistik.arbeitsagentur.de/Statischer-Content/Arbeitsmarktberichte/Fachkraeftebedarf-Stellen/Fachkraefte/BA-FK-Engpassanalyse-2017-06.pdf, abgerufen: 14.07.2017, 05.15 Uhr

 

 

Abschied von Helmut Kohl – mein persönlicher Eindruck

Samstag, 01. Juli, 13.00 Uhr:
Die Trauerfeier in Straßburg ist gerade zu Ende gegangen, für Helmut Kohl. Sie wurde vom ZDF übertragen und ich habe die Reden verfolgt.

Der Anlass war traurig. Jedoch: Was hoffnungsvoll stimmt, das waren die Redner und wie sie sprachen – persönlich, herzlich, humorvoll, nicht engstirnig, sondern weitsichtig.

Alle waren sich darin einig: Helmut Kohl war ein wirklicher Visionär. Er glaubte fest an Europa, und er hat viel für dessen Einheit im politischen Alltag getan. Es bewahrheitet sich immer wieder: Dort wo Menschen an etwas glauben, sich mit Herzblut für eine Sache einsetzen, da passiert auch was.
Das ist wichtig, glaube ich jedenfalls, für jeden Bereich, Lebensabschnitt, für die Bewältigung von Herausforderungen jeglicher Art. Es war nicht nur traurig. Bill Clinton zum Beispiel erzählte, wie er seine Frau fragte, warum er eigentlich Helmut Kohl so mochte. „Wahrscheinlich, weil der noch lieber aß, als du es tust“, soll sie geantwortet haben. Der französische Präsident Macron fragte, ob wir Europa den Bürokraten überlassen sollten? Das wäre nicht im Sinne von Kohl gewesen. Der russische Premier Medwedjew sprach davon, wie sehr Kohl in Russland geachtet und verehrt wurde. Juncker mahnte augenzwinkernd, dass Kohl sich nun im Himmel wirklich zur Ruhe setzen könne, und nicht auf den Gedanken kommen solle, im Himmel weiterzumachen. Und zum Schluss Merkel: Sie hat an Hannelore Kohl erinnert. Sehr gut. Sie sagte, sie würde heute nicht am Rednerpult stehen, wenn Kohl sie nicht gefördert hätte. Das fand ich auch gut. Alles in allem, tragend, berührend, beeindruckend. Der Mensch Kohl wurde geehrt. Deshalb konnte man viel lachen. Das macht ja umso wehmütiger. Ich glaube, das hat Europa gut getan, so zusammenzukommen. Gemeinsam erreicht man doch mehr, als gegeneinander. Ich habe Hoffnung.

 

 

Pflegeberufsreformgesetz durch Bundestag verabschiedet

Der Deutsche Bundestag hat heute in 2./3. Lesung das „Gesetz zur Reform der Pflegeberufe“ (Pflegeberufsreformgesetz) beraten und verabschiedet.
Damit ist eine der umstrittensten Reformen jetzt eine Etappe weitergekommen.
In der heute gemeinsam herausgegebenen Pressemitteilung des Bundesministeriums für Gesundheit und der Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend wird hervorgehoben, dass mit diesem Gesetz die Pflegeberufe modernisiert und fit für den demografischen Wandel gemacht werden sollen (Katarina Barley, Familienministerin).
Und Bundesgesundheitsminister, Hermann Gröhe sagt:
„Seit mehr als zehn Jahren wird über die Pflegeausbildung diskutiert – heute haben wir einen wichtigen Schritt geschafft, um den Pflegeberuf weiter zu stärken.“
(Vgl. http://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/4_Pressemitteilungen/2017/2017_2/170622_PM_Pflegeberufereformgesetz.pdf)
Der Streit und die Diskussion werden bleiben.
Knackpunkt war die Auseinandersetzung darüber, ob es ein durchgängiges sogenanntes generalistisches Ausbildungskonzept gibt oder ob dadurch nicht die Vermittlung von Spezialwissen weniger Beachtung findet.
Aktuell liegt der Schwerpunkt auf der generalistischen Ausbildung.
Die Diskussion darüber wird weitergehen – im Bundestag und vor allem unter denen, die es unmittelbar betrifft, die Pflegekräfte.
In der kommenden Legislaturperiode wird es vor allem um die Inhalte und den Ablauf der Ausbildung gehen.

Die richtigen Worte treffen

Worte wählen und das Richtige ausdrücken, scheint leichter als es in Wahrheit ist.

Der Sprecher des Berliner Fahrgastverbandes (GEB) drückte gestern seine Empörung über die Kabelbrandanschläge auf die Bahn und S-Bahn aus, und das zurecht. Das unterstütze ich voll und ganz.

Doch was  hat er genau gesagt?
„Der Anschlag war ein ungeheuerlicher Angriff… Er traf die Falschen. Und er hat nichts mit Politik zu tun.“ (Berliner Zeitung, Dienstag, 20. Juni 2017, Nr. 141 HA-73).

Du fragst dich, wenn du das hörst:
Wie kann es bei solch einer abscheulichen Tat die Falschen geben, und wer dürfen dann die Richtigen sein?
Und sollte man etwa einen solchen Anschlag rechtfertigen, wenn er nichts mit Politik zu tun hat?

Fazit:
Sicher das Richtige gemeint, aber in falsche Worte gepackt.

© Uwe Müller