Interview mit Jaqueline Pfleghar

J. Pfleghar vermittelt osteuropäische Arbeitskräfte für pflege- und hilfsbedürftige Menschen in deren häuslichen Umfeld.

Frau Pfleghar, wie war Ihr bisheriger beruflicher Werdegang?
Ich bin für die Pflege der klassische Quereinsteiger.

Das ist doch nicht schlecht, denn dann haben Sie ja auch Erfahrungen in anderen Branchen sammeln können, oder?
Ja, natürlich. Da haben Sie schon Recht.
Ich habe den klassischen kaufmännischen Weg hinter mir. Nach der Schule habe ich eine Wirtschaftsschule besucht und anschließend eine kaufmännische Ausbildung absolviert.
Danach bin ich in den Personalbereich gekommen und habe dort von 1997 bis 2007 gearbeitet. Ich hatte auch Personalverantwortung.

Wie ging es weiter?
Im privaten Umfeld wurde ich mit der Tatsache konfrontiert, wie ich mich nachhaltig um eine sehr nahestehende Person kümmern kann – pflegerisch und betreuerisch.
Es tat sich für mich die Frage auf, wie ich das abdecken kann und gleichzeitig noch meinen privaten und beruflichen Verpflichtungen nachkommen konnte. Und damals war das längst nicht so gut geregelt wie heute.

Also waren das Ihre ersten Berührungspunkte mit der Pflege?
Das kann man schon so sagen, ja.

Was war die Initialzündung dafür, in die Pflege zu gehen?
Ich wollte mich zum einen beruflich verändern, stärker selbstbestimmt arbeiten, die Zeit einteilen können.
Und dann hat mich das Thema der Pflege schon interessiert.
Es war doch die Frage, wie Menschen, die zum Beispiel rund um die Uhr betreut werden müssen, eine entsprechende Pflegekraft bekommen. Ich war ja schon von meiner bisherigen Tätigkeit damit in Berührung gekommen.

Inwiefern?
Ich hatte mit Entsendungen von Arbeitskräften in andere Länder zu tun, kannte also die rechtlichen Rahmenbedingungen, die Herausforderungen, die damit verbunden waren.

Was ergab sich daraus für Sie hinsichtlich Ihrer bevorstehenden Tätigkeit in der Pflege?
Für mich war schon gleich klar, dass hier das Entsendegesetz nicht die adäquate Basis für die Beschäftigung von osteuropäischen Haushaltskräften in der Pflege war.

Sondern?
Der Haushalt selbst muss als Arbeitgeber auftreten, die Pflegekräfte aus dem Ausland einstellen.
Ich wollte genau das zu dem Zeitpunkt genauer wissen, wie es sich verhält mit dem Haushalt als legaler Arbeitgeber. Da habe ich mich dann sehr intensiv mit beschäftigt und bin auf die Weise in meine heutiges Tätigkeitsumfeld hineingewachsen.

Sind Sie übergangslos in das „kalte Wasser“ der Selbstständigkeit gesprungen?
Im Prinzip schon. Ich habe das alles zwar parallel zu meiner damaligen beruflichen Tätigkeit vorbereitet. Doch letztlich müssen Sie ja sozusagen „springen“. Und wenn Sie dann im Wasser sind, dann merken Sie erst einmal, wie „kalt“ es ist.

War es kalt für Sie?
Ich denke, für die wenigsten Menschen ist das Wasser „angewärmt“, wenn Sie sich in die Selbstständigkeit begeben.
Man schmiedet Bündnisse, trifft Absprachen, definiert Schwerpunkte. Doch die Zeit bringt hervor, worauf man sich dann letztlich konzentrieren muss.
Das war bei mir dann die Festlegung auf den Schwerpunkt der Betreuung und Begleitung von osteuropäischen Haushaltskräften im Einsatz für private Haushalte.

Wie kann man Ihre Tätigkeit in einen Satz fassen?
Das geht vielleicht nicht so. Dafür ist der Prozess zu komplex.
Ich bin für die Organisation zuständig, also alles, was getan werden muss, damit die osteuropäischen Haushaltskräfte optimal in der Pflege und Betreuung im jeweiligen Zuhause der Pflegebedürftigen eingesetzt werden können. Dazu gehört auch die Personalabrechnung, die Einhaltung der rechtlichen Rahmenbedingungen. Zur Kundenbetreuung gehört es entscheidend dazu, abzugleichen, wer zu wem passt. Wir bringen die zusammen, die zusammengehören. Letztlich entscheiden die Haushalte darüber, wen sie einstellen. Ich bin die Spezialistin für die Verträge, die Lohnabrechnungen, die komplette Betreuung.
Ich kümmere mich auch darum, dass die Frauen die nötigen Grundinformationen bekommen.

Was zum Beispiel?
Die Informationen darüber, was eine Sozialversicherungsnummer ist oder wie die Frauen ihre Sprachkenntnisse erweitern können.

Wie ist das mit der langfristigen Beschäftigung in den Haushalten?
Wir streben das an. Und in der Mehrzahl klappt das auch. Es ist ja nicht gut, wenn ständig neue Haushaltskräfte bei den zu Betreuenden anfangen. In der Regel sind die Frauen, die dort anfangen bereits in einem Alter, in dem sie nicht mehr auf ihre Kinder aufpassen müssen und sich so ganz um die Pflege und Betreuung kümmern können.

Wie erfolgt die Qualitätssicherung?
Zum einen betreue ich ja die Haushalte mit, führe Gespräche mit allen an der Pflege Beteiligten. Zum anderen gibt es vierteljährlich Kontrollen, die vom MDK oder der Pflegeversicherung organisiert werden.

Worauf wollen Sie künftig Ihre Anstrengungen richten?
Ich möchte den Kontakt zu den Familien noch vertiefen.  Das ist bisher noch zu kurz gekommen. Mir geht es darum, noch intensiver im Geschehen zu sein.

Waren Sie das bisher nicht?
Doch. Schon. Aber Sie wissen ja, wie schnell einen die bürokratischen Angelegenheiten in Beschlag nehmen.

Was wollen Sie im Personalcoaching angehen?
Ich will unter anderem mehr für die Frauen da sein, ihnen erklären, wie ein Seniorenalltag aussieht oder was die rechtlichen und inhaltlichen Grundlagen ihrer Beschäftigung im Haushalt sind.
Hinzukommt, dass ich noch stärker auf das Gesundheitsmanagement der Frauen achten möchte und ihnen mit einem online – Sprachkurs zu noch besseren Sprachkenntnissen verhelfen will.

Frau Pfleghar, was glauben Sie, wo Ihre Stärken liegen?
Das ist immer schwer, selbst einzuschätzen und darüber zu sprechen. Ich glaube, dass ich viel Erfahrung in der Personalbetreuung besitze, darin die Beschäftigung umfassend sicherzustellen. Was ich nicht gedacht hätte ist der Umstand, dass es mitunter doch zu zwischenmenschlichen Problemen kommt, die mich dann sehr belasten. Das lässt mich nicht kalt.

Aber sind Sie nicht gerade deshalb richtig für diese Art der Tätigkeit?
Im Prinzip schon. Ich musste auch lernen, dass ich es nicht schaffen werde, es allen in jedem Punkt recht zu machen.
Da muss man schon Kompromisse eingehen – auf allen Seiten.
Letztlich bin ich glücklich, wenn ich etwas für die Rechte der Frauen tun kann, die Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen mit uns zufrieden sind und wir etwas tun können, damit Menschen rund um die Uhr in ihrem eigenen Zuhause betreut werden können.

Frau Pfleghar, ich danke Ihnen für das Gespräch.

Kontakt:
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