Ludmila Keil im Interview

Ludmila Keil ist im Pflegedienst „Kaiserpflege“ in Wedel tätig. Sie ist eine ausgebildete Krankenschwester und Palliativpflegefachkraft.

Frau Keil, wie verlief Ihr beruflicher Werdegang?
Ich komme aus Sibirien und lebe seit 2000 in Deutschland.

Was haben Sie in Sibirien beruflich gemacht?
Ich war als Feldscher in Sibirien tätig, brachte also schon eine gewisse Berufspraxis nach Deutschland mit.

Können Sie den Begriff des Feldschers näher erläutern – wodurch unterscheidet er sich von dem einer Krankenschwester?
Ein Feldscher übernimmt eine größere Verantwortung in der medizinischen Praxis.
Sibirien ist groß. Es konnte also nicht überall ein Arzt eingesetzt werden. Zum Beispiel war es sehr schwer, in manchen Gegenden in Sibirien im Herbst oder im Frühling zu den Patienten zu gelangen. Also hatte ich die Aufgabe vor Ort, im Dorf, die Bewohner zu versorgen, ihnen Medikamente zu verabreichen, zu spritzen, Entscheidungen zu treffen, was in einer bestimmten Situation mit dem Patienten zu tun war.

Wie lange haben Sie dort als Feldscher gearbeitet?
13 Jahre insgesamt.

War das nicht ein Kulturschock für Sie, als Sie nach Deutschland kamen?
Na ja, Kulturschock in gewisser Weise. Ich war 36 Jahre alt und sprach kein Wort Deutsch. Ich habe also zunächst einmal einen Deutschkurs für ein halbes Jahr besucht.
Schließlich mussten alle Papiere beschafft werden, um in Deutschland arbeiten zu können.

Womit ging es los in der Arbeit?
Es ging mit einem Praktikum los im Krankenhaus Wedel – 9 Monate lang. Zum Abschluss erhielt ich eine Urkunde und war damit anerkannte Pflegehelferin. Danach bin ich in einen ambulanten Pflegedienst gegangen. Später war ich in einer Diakonie wiederum in der ambulanten Pflege tätig.
Schließlich habe ich bis zum Eintritt in die Kaiserpflege im Deutschen Roten Kreuz gearbeitet.

Haben Sie denn noch mal einen Abschluss zur examinierten Altenpflegerin gemacht?
Wie gesagt, ich habe ja bereits in Sibirien 13 Jahre lang als Feldscher gearbeitet. Erfahrungen hatte ich also schon reichlich sammeln können – medizinisch und pflegerisch. Und so wurde mir nach einer zusätzlichen zweimonatigen theoretischen Ausbildung und weiteren zwei Monaten Praktikum der Abschluss als examinierte Krankenschwester in Deutschland zuerkannt.
Und: 2013 habe ich noch die Weiterbildung zur Palliativfachkraft absolviert.

Wann sind Sie zur Kaiserpflege gekommen?
Im Januar 2016.

Was gefällt Ihnen besonders an der Arbeit in der „Kaiserpflege“?
Hier sind alle tüchtig und hilfsbereit. Ich bekomme immer eine Antwort, wenn ich eine Frage habe. Und das Wichtigste: Es macht Spaß, den Leuten zu helfen.

Was ist Ihnen wichtig im Umgang mit Ihren Patienten?
Die Patienten sollen sich sicher fühlen – keine Schmerzen haben, sich einfach umsorgt wissen.
Nach einer Woche in der Betreuung sagen die Patienten das, nämlich, dass sie sich geborgen fühlen. Das ist eben meine Berufung. Mein Herz hängt an dieser Art der Arbeit.

Gibt es etwas, was Sie nicht so gern tun?
Der Umgang mit dem Tod gehört mit zum Leben – das ist mir sehr bewusst. Und in unserer Arbeit sind wir natürlich noch intensiver damit befasst – allein durch unsere palliative Fürsorge für schwerstkranke Patienten.
Trotzdem, wenn es einen Sterbefall gibt, dann gehe ich nicht so gern zu den Beerdigungen. Ich habe meine Familie verloren, meine Mutter, meinen Vater, meinen Bruder. Das steckt tief in mir.

Frau Keil, sind Sie persönlich ein glücklicher Mensch?
Ja, das bin ich. Ich bin glücklich mit meinem Mann, meiner Familie. Ich habe zwei Söhne. Beide sind gut erzogen, einer wohnt noch bei uns Zuhause. Ich komme auch sehr gut mit der Verwandtschaft meines Mannes aus – das macht mich glücklich. Ansonsten habe ich im Herbst Sehnsucht nach meiner Heimat, nach Sibirien.

Warum gerade im Herbst?
Wissen Sie, da ist es dort wunderschön – die Farben in der Natur, der Bäume, Felder und Wiesen, das ist schon faszinierend. Das trage ich bei mir im Herzen. Ansonsten ist Wedel jetzt meine Heimat – meine Familie, das Team in der Kaiserpflege – beides macht mich glücklich.

Frau Keil, ich danke Ihnen für das Gespräch.

Kontakt:
Ludmila Keil
Goethestr. 66a
22880 Wedel
Telefon: 04103 1877090
Telefax: 04103 1877085
E-Mail: ppd@kaiserpflege.de
www.kaiserpflege.de