Wer entscheidet eigentlich über mein Glück?

Können wir jemand Anderen für unser Glück verantwortlich machen? Wir können es versuchen. Und manchmal tun wir es auch. „Meine Chefin laugt mich aus“, sagt mir im Vertrauen eine Mitarbeiterin im Gespräch.
„Sie gibt mir immer mehr Patienten und ich komme kaum zum Luft holen.“
Das ist natürlich ein Problem. Und wahrscheinlich auch nicht mal ein Einzelfall.
Doch die Ausgangsfrage war: „Sind Sie im Leben ein glücklicher Mensch?“
Die Mitarbeiterin hat gar nicht überlegt:“ Solange wir so viel Überstunden machen müssen, wir so wenig Lohn erhalten, solange kann ich nicht über Glück reden!“, erwidert sie bestimmt.
Die junge Frau arbeitet in einem großen Pflegedienst.
Ich kann ihre Argumente nachvollziehen.
Trotzdem, es bleibt ein Gefühl, dass meine Gesprächspartnerin gar nicht daran interessiert ist, über ihre Wege zum eigenen Glück nachzudenken.
Es ist ganz klar: Manches können wir nicht selber ändern, denn dazu bedarf es mitunter der Veränderung von äußeren Rahmenbedingungen – flexible Arbeitszeiten, bessere Planung durch die Pflegedienstleitung, faire Entlohnung, individuelle und offene Kommunikation zu Problemen, die das Klima im Pflegedienst beeinflussen.
Es bleibt eines offen: Unser eigener Wille zu bestimmen, was unser Glück ausmacht. Natürlich: Das ist auch immer ein Stück Arbeit an uns selbst. Wir müssen überlegen, was wir wirklich wollen, wer wir wirklich sein wollen.
Entscheidend ist die Frage: Sind wir der, der wir sein wollen, und zwar in allen Lebenssituationen?
Sich dafür zu entscheiden, glücklich zu sein bedeutet, mit offenen Augen zu sehen, was Glück bringt.
Ich beobachte gern Menschen. Wenn sie morgens zur Bahn eilen. Sie hetzen mit einem Gesichtsausdruck, der sagt: “ Komm mir auf keinen Fall zu nahe, es ist Montagmorgen und ich kann gar keine gute Laune haben.“
Und die gleichen Leute abends. Sie hetzen wieder. Diesmal nach Hause.
Dort geht es weiter – die Kinder warten, das Abendessen. Und schließlich will man ja pünktlich vor dem Fernsehapparat sitzen und die Lieblingsserie schauen.
Die Umstände bleiben gleich, die Zeit vergeht genauso schnell oder langsam.
Der Spruch, „ich habe keine Zeit“, ist ein Synonym dafür zu sagen: “ Ich will nicht darüber nachdenken.“
Denkst du aber nie über das nach, was du selbst verändern kannst, dann wird sich auch nichts verändern. Es bleibt alles so, wie es ist.
Wie wird wohl die Antwort auf die Frage ausfallen:“ Sind Sie ein glücklicher Mensch?“ Du hast es selbst in der Hand.

© Dr. Uwe Müller