REICHTUM IM ALLTAG

Ich wach‘ heute Morgen auf und sage zu Klara: „Ich muss mich gestern erkältet haben, als ich auf dem Weg nach Tegel war.“
„Krümel hat dich angesteckt, ich bin auch erkältet“, sagt Klara daraufhin.
So wird es wohl sein. Wir haben Krümel und Laura am Sonntag besucht.
Es war herrlich für uns, und ich glaube auch für Krümel.
„Hast du bemerkt, wie aufmerksam Krümel hinschaut, wenn du das Handy zur Hand nimmst?“, fragte Klara mich.
Es ist erstaunlich: Die Kleinen saugen das alles mit der Muttermilch auf.
Sie werden nicht diese Probleme haben, wie wir sie kennen, wenn wir mit der Technik umgehen.
Ich habe mir gerade einen elektronischen Zugang zur Berliner Zeitung verschafft.
Es nervt mich, wenn morgens gegen 04.30 Uhr die Zeitung noch nicht da ist, oder der Zusteller mal wieder unseren Eingang nicht gefunden hat.
Aber: Allein die Zeit, die ich darauf verwenden musste, um das alles auf dem iPad hinzukriegen, die hätte ich gern für etwas anderes genutzt.
Die Kleinen saugen diese technischen Fertigkeiten sprichwörtlich „mit der Muttermilch auf“.
Besteht darin eine Gefahr? Schon, wenn man es nicht begrenzt. Das ist wie mit allen Dingen im Leben.
Doch für Krümel ist alles interessant, sie erobert sich ihre Welt, jeden Tag ein kleines Stückchen mehr.
Sie fühlt sich im größten Trubel wohl. Klara stand bei Laura auf der Leiter und hat die Gardine neu geordnet.
Krümel versuchte sich auf die erste Stufe der Leiter zu setzen und schaute auf mich, weil ich eine Kasperpuppe in der Hand hielt und mit ihr sprach.
Ihre Mama war neben ihr und schaute Klara beim Hantieren auf der Leiter zu.
Für Krümel ist die Welt in dem Moment in Ordnung. Alle sind um sie herum und sie kann alles beobachten.
Lustig wird es, wenn ich Krümel rufe und sie sich zu mir in Bewegung setzt.
Plötzlich spricht Klara sie an. Und sofort ändert Krümel ihre Meinung.
Sie schrammt kurz an meinem Bein vorbei und navigiert mit neuem Kurs auf Klara zu.
Was soll ich machen? Ich singe, ich spiele mit Puppen.
Aber wenn Laura oder Klara sie rufen, dann rutscht sie von meinen Knien herunter und steuert zielstrebig ihr neues Ziel an.
Das alles ist banal. Es ist nichts Besonderes.
Für manch einen vielleicht gar nicht erwähnenswert.
Aber für uns ist es einfach schön.