Alltag – Freund oder Feind?

Heute kehrt der Alltag zurück – Montag, der 19. November 2018.

Ich habe mir aus irgendeiner Literaturquelle gemerkt, dass am 19. November 1942 die Rote Armee vor Stalingrad zum Gegenangriff auf die Stellungen der 6. Armee unter Generalfeldmarschall Paulus überging. Vor 76 Jahren war das. Wie müssen die Leute dort gelitten haben? Auf beiden Seiten.

Ich bin froh, dass ich zehn Jahre später geboren bin.

Und dann denke ich daran, wie viele Menschen am Montag aufstehen und den Wochenbeginn verfluchen. Ich habe das auch getan und tue es manchmal heute noch. Aber kluge Leute haben mal gesagt, dass du das lieben sollst, was du nicht ändern kannst.

Und so bin ich auf den Namen gekommen, der auch über diesem Beitrag steht: „Mein Freund, der Alltag.“

Zuerst habe ich mir gesagt: „Du bist mein Feind, denn du gehst mir gewaltig auf die Nerven.“

Ich habe es noch drastischer formuliert. Aber ich hoffe, dass Krümel eines Tages meine Texte liest. Und sie soll dann nicht sagen: „Opa, das darf man doch nicht sagen oder gar schreiben!“

Also schreibe ich es nicht, ich sage es nicht, ich denke es aber.

Auf jeden Fall habe ich dann „Meinen Freund, den Alltag“ befördert und ihn zu meiner inneren kritischen Stimme gemacht.

In dieser Eigenschaft sagte mein Freund zum Beispiel zu mir: „Steh‘ doch mal auf, fahr‘ mit Klara so gegen 05.00 Uhr mit rein nach Berlin, stell‘ dich in Mitte im U-Bahnhof hin und sprich‘ einfach Leute an.“

„Und was soll ich sagen?“, habe ich ihn gefragt.

„Naja, wie toll du den beginnenden Tag findest, den Montag, morgens um 05.00 Uhr.“

„Dann begebe ich mich in Lebensgefahr, oder was glaubst du, was die Leute mit mir machen, noch dazu die Berliner?“

Solche Dialoge führe ich mit meinem Freund, dem Alltag, also mit mir. Ganz schön bekloppt.

Aber sie haben vielleicht einen Sinn. Du denkst mehr darüber nach, worüber du dich freuen kannst, anstatt die ganze Zeit herum zu stöhnen, wenn die Woche beginnt.

Dass du kreativ sein kannst, gebraucht wirst, offensichtlich gesund bist, jedenfalls einigermaßen.

Das ist irgendwie richtig leben. Und das kannst du dann am Dienstag und Mittwoch auch tun, bis die Woche eben zu Ende ist.

Ja, und dann musst du es aushalten, bis am Montag, dein bester Freund wieder auf der Matte steht. Schön, oder?