Vorlesen für Krümel

Vorlesen. Darüber wird viel gesprochen und geschrieben in letzter Zeit. Ich sah am vergangenen Samstag einen Bericht darüber im Fernsehen. Spontan habe ich mit Laura telefoniert.

„Ich übernehme das Vorlesen bei Krümel. Wenn sie soweit ist, dann werde ich ihr Geschichten vorlesen – Märchen, vielleicht eigene Erzählungen, Kinderbücher.“

Laura findet das gut.

Noch ist Krümel ja nicht soweit. Als ich das letzte Mal bei ihr war, da habe ich mit ihr probehalber in einem Buch geblättert, in dem verschiedene Dinge abgebildet waren – eine Tomate zum Beispiel, eine Gießkanne oder ein Sandkasten.

Krümel hat einen Augenblick mitgespielt. Dann hat sie mir kurzerhand das Buch weggenommen, es zugeklappt und stattdessen dem Schakal aus Stoff, den mit den hässlichen Ohren, zum Trinken genötigt, und zwar durch die Nasenlöcher.

Ich habe vor einigen Jahren schon einmal als Vorleser fungiert – in der örtlichen Bibliothek. Meist waren es Märchen, die von den Kindern gewünscht waren. Da ist mir noch einmal so richtig deutlich vor Augen geführt worden, wie grausam einzelne Inhalte sind: bei „Aschenputtel“ wird bei dem einen Mädchen hinten ein wenig vom Hacken weggenommen, damit der Schuh passt, ich glaube „Struwel-Peter“ verhungert, weil er zu lange Fingernägel hat.

Das Vorlesen ist noch mal eine Aufgabe, die mir viel Spaß machen wird.

Wir können nicht nur immer die Welt retten, indem wir über die großen Katastrophen reden. Das ist notwendig. Natürlich. Wir können aber auch was im Kleinen tun – Lesen ist enorm wichtig. Damit fängt alles an.

Internet, digitale Medien – da wird Krümel Laura überholen und mich sowieso. Aber das kann sie umso schneller, je besser sie lesen kann, je mehr sie weiß, je intensiver ihr Verstand geschult wird.

Ich sollte mal wieder in der Bibliothek nachfragen, ob die noch Vorleser suchen.