MEIN FREUND, DER ALLTAG (13)

WEIHNACHTEN IST AUCH SCHON WIEDER GESCHICHTE

Die Fortsetzung darüber, wie ich Krümel von der Kita hole, sollte längst fertig sein. Nun ist Weihnachten schon wieder vorbei.

Und der Stress, den ich beim ersten Abholen von Krümel aus der Kita hatte, der ist fast schon wieder vergessen. Ich habe die richtige Kita von Krümel gefunden. Zuerst habe ich Krümel die Sachen angezogen, die dem Nachbarkind gehörten. Gott sei Dank, ich bemerkte es rechtzeitig.

Was tun?
Die fremden Sachen wieder ausziehen und die richtigen danach an. Zwischendrin hat Krümel ein Stück Kuchen gegessen. Krümel krümelte dabei mächtig.

Ich suchte einen Papierkorb, fand aber keinen. Also habe ich die Kuchenreste in meine Hosentasche gestopft und sie dort vergessen. Das fiel mir auf die Füße, im wörtlichen Sinne. Nämlich, als ich abends die Hose umgekehrt auf den Bügel hängte. Später musste ich noch den richtigen Kinderwagen finden.

Habe ich auch. Aber erst einmal habe ich mir den falschen Wagen gegriffen und bin damit losgefahren. Zu meiner Ehrenrettung: Ich hatte den neuen Kinderwagen noch nicht so oft gesehen.

Klara kam mir entgegen und danach sind wir noch einmal zur Kita zurück. Der Erzieherin am Eingang habe ich gesagt, dass wir nun den richtigen Kinderwagen gegen den falschen austauschen müssten. Ich glaube, die wissen jetzt, wer Krümels Opa ist.

Wie ging es weiter vor Weihnachten?
Wir waren in einer Ferienwohnung in Sassnitz. Herrlich, mit Blick auf den Hafen und die Ostsee. Krümel lief in der Wohnung fröhlich umher und ich habe ihr den Hafen gezeigt: „Hier, Krümel, du siehst auf etwas, was dich immer glücklich machen wird, nämlich der Blick auf das Wasser.“

Krümel hat ihre Wange kurz an meine gelehnt. Dann wollte sie wieder schnell runter vom Arm und um den Tisch sausen, bis sie die Fernbedienung vom Fernsehapparat entdeckte. Heiligabend sind wir zurückgefahren.

Ich habe in Mukran noch kurz gehalten, bin an den Strand gelaufen, habe über das Wasser geschaut und dann ging es zurück nach Brandenburg. Die Autobahnen waren leer. Krümel schlief zuerst, dann Laura, dann Klara. Ich traute mich nicht einmal meine übliche „Pinkelpause“ zu machen.
Naja, musste eben ohne gehen.

Bescherung.
Viel zu viel Geschenke für Krümel. Am nächsten Tag fuhr sie auf dem kleinen Rad aus Holz, stieg ab, holte im Vorbeilaufen ein paar Videos aus dem Schrank, die nach unten fielen und drückte dann auf den Knopf der neuen Holzeisenbahn.

Die tutete und schnaubte wie ein Zug, der im verschneiten Sibirien unterwegs war. Nebenher lief der Märchenfilm „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“. Klara war in der Küche. Es duftete herrlich. Laura war bei ihr.

Ich saß im Sessel und versuchte im Chaos den Überblick zu wahren. „Du kannst Mama ruhig helfen, Papa“, rief Laura. „Würd‘ ich gern. Aber ich muss Krümel im Blick behalten.“

Krümel sauste auf mich zu, wollte auf den Arm genommen werden und rutschte gleich wieder runter. Jetzt ist Weihnachten vorbei. Krümel und Laura sind wieder zuhause. Klara ist arbeiten. Ich habe meine Ruhe. Ich sitz‘ am Schreibtisch, kann was schaffen. Doch ich krieg‘ Entzugserscheinungen. Chaos ist besser.

GESPRÄCHE MIT EINER PRIMA BALLERINA (8)

AUFSTEHEN, KINDER
Alltag in der Ballettschule.

Maja Iwanowna schnaufte den Flur entlang. Sie war die Nanny und für alles verantwortlich, was den Tagesablauf der Internatskinder betraf. Faktisch war sie die Ersatzmutter für die meisten der heranwachsenden Ballettschülerinnen und Ballettschüler in Donezk.
„Guten Morgen Kinder, es ist soweit, aufstehen.“
Die Stimme der Nanny ließ keinen Zweifel daran: Die Nacht war vorbei.
Iana zog sich die Decke über den Kopf, drehte sich auf die andere Seite und kniff die Augen zusammen, damit sie nicht dem grellen Licht ausgesetzt war.

„Iana, du brauchst dich gar nicht noch einmal einzukuscheln. Es geht gleich zum Frühstück.“ Iana antwortete nicht darauf, was die Nanny sagte, sondern setzte sich im Bett hin und hielt die Augen immer noch geschlossen.

Sie ließ sich langsam vom Bett rutschen, wandte sich ihrem Schrank zu und holte ein frisches Handtuch heraus. Dann schlurfte sie langsam in Richtung Waschbecken und blieb stehen. Obwohl sie nur wenige Mädchen waren, drängten sich dort morgens alle und so musste Iana warten. Schließlich drehte sie den Wasserhahn auf, betupfte das Gesicht, die Arme und den Oberkörper.

„Pass auf, dass du nicht zu viel Wasser abbekommst“, sagte Maja Iwanowna. Iana hatte gar nicht bemerkt, dass die Nanny noch im Zimmer war.
Sprechen wollte sie zu dieser frühen Zeit noch nicht, also ließ sie spöttische Bemerkung der Nanny unbeantwortet.

„Kinder, jetzt beeilt euch doch ein bisschen. Wer fertig ist, geht bitte zum Frühstück.“

Im Speisesaal saßen schon ein paar Jungs und hatten bereits mit dem Frühstück begonnen. Es gab Tee, Brot, Kascha, Marmelade. Wer wollte, konnte ein Spiegelei bekommen. Iana brach ein wenig vom Brot ab und strich Marmelade drauf. Sie kaute langsam, war aber trotzdem meistens als erste mit dem Essen fertig. Manchmal brachte sie den Jungs ihren Teller rüber. Die freuten sich über eine zusätzliche Ration zu ihrem Frühstück.

„So, in zehn Minuten beginnt die Schule. Also beeilt euch“, rief Maja Iwanowna. Auf dem Stundenplan stand für die erste Stunde Englisch.
„What‘s your dream, Iana?“, fragte die Lehrerin.
Iana träumte gern. Doch dafür war es an dem Tag einfach noch zu früh.

GET UP, CHILDREN

Maya Ivanovna struggled down the hall. She was the nanny and responsible for everything that affected the daily routine of the school children.
In fact, she was the surrogate mother to most of the growing ballet students in Donetsk.
„Good morning, children, it’s time to get up.“
The voice of the nanny left no doubt about it: the night was over. Iana pulled the blanket over her head, turned to the other side, and squeezed her eyes so she would not be exposed to the bright light.

„Iana, you don’t need to snuggle up again. It’s almost time for breakfast.“
Iana did not answer to what the nanny said, but sat up in bed and kept her eyes closed. She slides herself off the bed, turned to her closet, and pulled out a fresh towel.
Then she shuffled slowly towards the sink and stopped. Although they were only a few girls, everyone was crowded in the morning and so Iana had to wait.
Finally, she turned on the tap, dabbed her face, arms, and torso.

„Take care that you do not get too much water, “ said Maja Ivanovna.
Iana had not noticed that the nanny was still in the room. She didn’t want to speak at this early time, so she let the nanny’s mocking comment unanswered.

„Kids, hurry up a bit. If you’re done, please go to breakfast.“

In the dining room sat a few guys and had already started the breakfast.There was tea, bread, kasha, jam.
Anyone who wanted could get a fried egg.
Iana broke off a little bit of bread and ate with jam on it. She chewed slowly, but most of the time she was the first to finish eating.
Sometimes she brought the plates over to the boys. They were happy about an additional ration to their breakfast.

„So, in ten minutes the school starts. So hurry up, “ Maya Ivanovna called out. English was on the timetable for the first hour.
„What’s your dream, Iana?“ the teacher asked. Iana liked to dream. But it was just too early that day.

 

MEIN FREUND, DER ALLTAG (14)

MARIAN IST KAMMERTÄNZER

Kammertänzer ist eine Auszeichnung, die Künstlern für ihre herausragenden tänzerischen Leistungen verliehen wird.

Der Berliner Senat vergibt diesen Titel wohl eher selten. Im vergangenen Jahr war es Michael Banzhaf, der ihn für sein künstlerisches Schaffen erhielt.

Vladimir Malakov erhielt ihn 2014.

Loyalität, Bescheidenheit und Hingabe an  die Kunst, diese Worte kamen gestern in der Laudatio vor.

Wir haben gestern zunächst einmal die Aufführung von „La Bayadère“ in derStaatsoper genossen- mit Marian Walter in der Hauptrolle.

Natürlich: Es gibt Bessere, die deine künstlerischen Leistungen einschätzen können, lieber Marian.

Und trotzdem, wenn ich es in der Hand gehabt hätte, jemanden für diese Ehrung vorzuschlagen, du wärst mir als erster eingefallen.

Warum?

Weil du – und zwar obwohl du über solche herausragenden tänzerischen Fähigkeiten verfügst – ein ganz bescheidener, sensibler Mensch bist, der zuhören kann und mit dem es im Alltag Spaß macht, humorvoll umzugehen.

Ich gönne deiner Mutter und deiner Tante diese Auszeichnung ebenfalls von Herzen.  Sie haben gestern beide gleichermaßen  mitgefiebert  und wohl kaum jemand hat sich im Saal so gefreut wie diese beiden Menschen, die dich lieben.

Iana ist dein großes Vorbild. Das weiß ich. Sie hat gestern mit dir mitgelitten.

„Schatz, ich liebe dich“, von der Bühne aus deinem Munde zu hören, was kann es für sie noch Schöneres  geben?

Der Titel ist fantastisch. Die Auszeichnung tut dir gut.

Vor allem: Sie bietet dir die Möglichkeit kurz innezuhalten, darüber nachzudenken, von welchem Reichtum du wirklich umgeben bist.

Herzlichen Glückwunsch, lieber Marian.

GESPRÄCHE MIT EINER PRIMA BALLERINA (7)

DER ERSTE KUSS

Der erste Tag ging in Donezk zu Ende. Iana lag in ihrem neuen Bett, in dem Zimmer, in dem sie nun viele Monate wohnen würde.

„Schlaft gut, Kinder“, rief die Nanny undschaltete das Licht aus. Iana konnte nicht einschlafen. Sie dachte an ihren Vater,  der sie und Jaroslaw hierher begleitet hatte.

Nur, dieses Mal fuhr er allein zurück.

„Machen Sie sich keine Sorgen. Es wird alles gut“, sagte die Nanny zu Anatoli.

Der nickte stumm und schluckte. Er hatte Mühe, seine Tränen zurückzuhalten. So sehr er es sich wünschte, dass seine Yanochka ihren Traum leben konnte, so sehr kämpfte er mit den Tränen.

Iana wälzte sich im Bett hin und her. Sie war glücklich und traurig zugleich.

 Sie kuschelte sich in ihre Decke. Plötzlich tauchteAlexander in ihren Gedanken auf.

Alexander – Ianas Jugendliebe

Ihre Jugendliebe. Sie war 13 und er 14 Jahre alt.

Sie sahen sich das erste Mal in der Kiewer Ballettakademie. Alexander schaute oft zu ihr herüber. Er stand mit seiner Clique in der Pause auf dem Schulhof. Ab und an kreuzten sich ihre Blicke, wie zufällig eben.

Es war elektrisierend. Wie von Geisterhand stand von beiden Seiten im Raum: „Ich mag dich. Und ich mag dich auch.“

Alexander war ein hübscher Junge. Seine dunkelschwarzen Augenbrauen und die blauen Augen hatten es Iana angetan. SeineHaare waren blond gefärbt. Er sah für Iana aus, wie Leonardo DiCaprio, seinKörper muskulös und männlich.

Alexander redete nicht viel, wirkte cool, wenn er im Kreise seiner Freunde war.

Iana saß im Mathematikunterricht. Plötzlich drehte sich auf der Schulbank vor ihr der Junge um und schob ihr einen Zettel zu.

Iana blickte auf und schaute direkt in das Gesicht von Alexander, der ganz vorn in der Schulreihe saß. Er hatte den Zettel geschrieben und ihn ganz nach hinten zu Iana durchreichen lassen.

„Willst du mit mir gehen?“, stand auf dem Zettel, den Iana auseinanderfaltete. Behutsam, so dass es die Lehrerin nicht sah.

Iana kam nach Hause, schmiss sich aufs Bett und starrte an die Decke.

„Ich bin verliebt“, dachte sie und war glücklich.

Aber es passierte trotzdem nicht viel.

Und wieder schrieb Alexander ihr einen Zettel, auf dem die gleichen Worte standen: „Willst du mit mir gehen?“

Iana antwortete darauf nicht. Doch in ihren Augenkonnte Alexander  ablesen: „Ja, ich will.“

Der flüchtige Kuss in der Kiewer Oper

Es war wieder ein Monat vergangen.

„Willst du nicht mit meinen Freunden auf den obersten Rang gehen? Wir schauen uns von dort aus die Vorstellung an.“

„Ja“, antwortete Iana gleich. Sie fühlte sich dabeisicher, denn sie war immer mehr mit Jungs zusammen, als mit Mädchen. Schon allein, weil sie mit vier Brüdern aufgewachsen war.

Jeden Tag hatten sich Alexander und Iana in der Oper gesehen.

Aber noch nie war es dazugekommen, dass sich beide berührt hatten.

Im Rang oben, in einer dunklen Ecke saßen die Jungs und Iana. Neben ihr war Alexander. Vorsichtig legte er den Arm um Ianas Schulter.

Mit eindeutigen Blicken gab er seinen Freunden zu verstehen, dass sie sich aus dem Staub machen sollten. Wortlos und leise verließen diese die Ecke.

Alexander beugte sich nach vorn und berührte Ianas Wange. Er suchte ihre Lippen. Sie berührten sich.

Und sie küssten sich. Ein wohliges und kribbliges Gefühl kam in Iana hoch.

„Das sollte nie aufhören“, dachte Iana.

Aber es sollte sich nicht wiederholen. Noch immer litt sie darunter, dass ein junger Student versucht hatte, sie in einem Fahrstuhl zu missbrauchen.

Also küsste Iana Alexander zurück, aber sie öffnete nicht den Mund für seine Zunge.

„Ich will dich nach Hause bringen. Ich will nicht, dass du alleine gehst“, sagte Alexander danach.

Er war bis über beide Ohren verliebt.

 „Wir können gute Freunde sein, aber nicht mehr“, sagte Iana zu ihm.

Trotzdem ließ sich Alexander den Namen von seinerLiebe auf den Arm schreiben. Er trank und fing an zu rauchen. So verzweifelt war er, dass Iana ihn nicht gänzlich erhörte.

Iana drehte sich in Donezk im Bett auf die andereSeite.

„Es war schön mit ihm“, war ihr letzter Gedanke, bevor sie sanft einschlief.

THE FIRST KISS

The first day came to an end in Donetsk. Iana was in her new bed, in the room where she would live now for many months.

“Sleep well, children”, the Nanny said and switchedoff the lights. Iana could not sleep.  Thinking of her father, who hadaccompanied her and Jaroslaw here.Only,this time he went back alone.

“Don’t worry. Everything will be alright, ” the nanny said to Anatoli.

He nodded silently and swallowed. He was fighting keeping back his tears. As much as he wished that his Yanochka could live her dream, so much he had to fight with tears.

Iana rolled back and forth in her bed. She was happy and sad at the same time.

She snuggled into her blanket. Suddenly, Alexanderappeared in her thoughts.

Alexander – Iana’s childhood love

Her childhood love. She was 13 and he was 14 years old.

They met for the first time in the Kiev BalletAcademy. Alexander often looked over at her. He stood with his clique in thebreak on the schoolyard. From time to time their eyes crossed, just unexpectedly.

It was electrifying. As if by magic. Like both sides said into the room,

„I like you. And I like you too.“

Alexander was a handsome boy. His dark black eyebrows and blue eyes made Iana crazy. His hair was dyed blond. He looked for Iana like Leonardo DiCaprio, his body muscular and manly.

Alexander did not talk much, seemed cool when hewas in the company of his friends.

Iana was in mathematics class. Suddenly, the boy turned around on the school bench in front of her and gave her a note.

Iana looked up and looked straight into the face of Alexander, who was sitting in the front row of the school. He had written the note and let it pass all the way back to Iana.

„Do you want to go with me?“

Was written on the note that Iana unfolded, careful so that the teacher did not see it.

Iana came home, threw herself on the bed and stared at the ceiling.

 She thought, „I’m in love, “ and washappy.

But it did not happen much.

And again Alexander wrote her a note with the same words:

„Will you go with me?“

Iana did not answer. But in her eyes Alexandercould read: „Yes, I want.“

The fleeting kiss in the Kiev Opera

Another month had been passed.

„Don’t you want to go to the top balcony withmy friends? We’ll watch the show from there.“

„Yes,“ Iana answered immediately. Shefelt safe, because she was more with boys than with girls. Specially becauseshe grew up with four brothers.

Every day Alexander and Iana had seen each other at the opera.

But it never had been happened that both would touched each other.

Up in the rank, in a dark corner sat the boys and Iana. Next to her was Alexander. Carefully, he put his arm around Iana’s shoulder.

With clear eyes he made his friends understand that they should make themselves disappear. Silently and quietly they left the corner.

Alexander leaned forward and touched Iana’s cheek.He searched her lips. They touched each other.

And they kissed. A pleasant and tense feeling came up in Iana.

„That should never stop, ” thought Iana.

But it would not be repeated. She was still suffering from a young student trying to abuse her in an elevator.

So Iana kissed Alexander back, but she didn’t let it get to a french kiss.

„I want to bring you home. I do not want youto go alone, ” Alexander said afterwards.

He was in love up to his ears.

 „We can be good friends, but not more, ”Iana told him.

Nevertheless, Alexander cut the name of his love Iana into his arm. He drank and started smoking. He was so desperate that Iana did not hear him completely.

Iana turned in bed in Donetsk on the other side.

„It was nice with him, ”  was her last thought,before she fell asleep gently.

 

MEIN FREUND, DER ALLTAG (11)

ALDEHEID ALDINGER – EIN BESONDERER MENSCH

Adelheid Aldinger schrieb mir vor einiger Zeit in einer persönlichen Botschaft: „Komm doch mal vorbei, wir haben am 15. Dezember unsere Weihnachtsfeier“. So erinnere ich mich jedenfalls.

In den vergangenen Jahren hatte ich immer wieder abgesagt. Ausgerechnet dieses Jahr ist an diesem Tag eine Galaveranstaltung in der Staatsoper. Gute Freunde haben mich eingeladen.
Ich konnte also wieder nicht nach Altlandsberg kommen.
Adelheid blieb trotzdem dran und lud mich gestern zum Weihnachtskaffee ein. Sie hatte den Tisch gedeckt. Es war Kaffee da, Lebkuchen und Topfkuchen.

„Wir haben uns bestimmt zwei Jahre nicht gesehen“, sage ich zu ihr.
„Vier Jahre sind das her“, korrigiert sie mich.
Ich kann es gar nicht glauben. Sollte das schon wieder so lange her sein?
Damals hatte ich einen kleinen Beitrag über den Verein geschrieben.

„Wie geht es dir?“, frage ich sie. Sie sieht gut aus, strahlt über das Gesicht und ist fröhlich.
„Ich habe eine Medaille bekommen.“

„Was für eine?“
Ich wusste schon ein wenig, weil sie es angedeutet hatte. Dann holt sie die Dokumente raus.
Auf dem Tisch liegt die Urkunde, unterzeichnet von der Präsidentin des Landtages Brandenburg, Britta Stark.
„Donnerwetter“, sage ich und staune.

Dann lese ich: „…für besondere Verdienste als Gründungsmitglied und für …herausragendes Engagement im Verein ‚Helfen hilft‘ e.V.“

Daneben liegt die Medaille des Landtages Brandenburg „…zur Anerkennung von Verdiensten für das Gemeinwesen am 20. April 2018…“
„Das ist eine hohe Auszeichnung. Die kriegst nicht mal eben so“, sage ich daraufhin zu ihr.

Sie schaut mich an: „Meint der das ehrlich?“, scheint sie sich zu fragen.
Und wie ehrlich ich es meine. Es gibt wenige, denen ich es von Herzen gönne, und die es auch kraft eigener Leistungen verdient haben.

Im Anschluss lese ich die Laudatio von der Landtagsabgeordneten Jutta Lieske. Sie ist wunderbar geschrieben, geht ans Herz. Ich lese sie laut, um meine Aufregung zu verbergen.

Es ist gut, dass es mal so eine positive Aufregung gibt.
Adelheid, die würde für sich persönlich so etwas nie erwarten.
Adelheid erzählt mir, während ich schon wieder ein zweites Stück Kuchen herunternehme, wie sie sich ärgert, weil es so langsam vorwärts geht, in einem Jobcenter.
Die meisten denken an dieser Stelle: „Klar, das regt doch jeden auf, wenn es ihn betrifft.“

Aber es betrifft nicht Adelheid Aldinger. Nein. Sie setzt sich mal gerade wieder für andere Menschen ein, dafür, dass es rechtzeitig klappt mit der Bewilligung von Geldern.

„Stell‘ dir mal vor, was wir schon alles unternommen haben.“
Ich kann mir das vorstellen. Adelheid hat die Auszeichnung schon wieder beiseitegelegt und denkt daran, was sie noch alles vor Weihnachten bewegen muss – für andere Menschen, die sie um Hilfe ansprechen.

„Was glaubst du, wie ich mich gefreut habe“, dass die bulgarische Familie sich hier so gut eingelebt hat und wir ein wenig mit Rat und Tat zur Seite stehen konnten?“

So richtig kannst du dir das nicht vorstellen. Wie viel Energie das kostet, wieviel Leidenschaft, ja sogar Kampfesmut – und alles für andere Menschen.
Ich bekomme immer mehr ein schlechtes Gewissen. Warum? Weil ich doch die meiste Zeit an mich denke. Wie ich mit dem Schreiben klar komme, was noch zu tun ist.

Ja aber, das macht ja Adelheid auch noch, das eigene Leben bewältigen. Nebenbei, denn die meiste Zeit sorgt sie sich ja um die anderen Menschen.
Adelheid hatte keine leichte Kindheit. Andere wären daran zerbrochen. Sie aber hat negative Erfahrungen in positiven Lebensmut umgemünzt.

Ich rutsche auf dem Stuhl hin – und her. Ich muss in die Kita nach Berlin. Meine Enkelin abholen. Aber ich kriege es nicht fertig aufzustehen und zu gehen, ohne zu fragen, was ich tun könnte.

„Wenn du mal eine Lesung machst mit deinen kleinen Geschichten, die du schreibst, ja das wäre schön.“
„Meinst du wirklich, dass das jemand interessiert?“, versuche ich mich schon wieder herauszudrehen.

„Ja, wir könnten das im März nächsten Jahres machen, zum Frauentag zum Beispiel.“
Ich sage zu. Selbst wenn es nicht so humorvoll wird, wie es sich vielleicht Adelheid Aldinger erhofft, ich tue auf jeden Fall was für die Gemeinschaft.
Ich habe schon viele Menschen kennengelernt. Menschen. Das bleibt ja nicht aus. Besonders dann nicht, wenn du für sie wirklich interessierst.
Adelheid Aldinger gehört zu denen, die ich wirklich schätze.

Deshalb möchte ich dir an dieser Stelle sagen, liebe Adelheid:
„Danke für die Einladung gestern, deine herzliche Gastfreundschaft, dein Vertrauen. Und: dafür, dass ich sagen darf, dass du zu meinem Freundeskreis zählst!“
„Helfen hilft“ – der Name eines Vereins. Ein kleiner Verein. Groß und großartig in dem, was er tut. Ich habe nicht oft einen Hut auf. Trotzdem ziehe ich ihn jetzt, symbolisch eben.

MEIN FREUND, DER ALLTAG (12)

WIE ICH KRÜMEL DAS ERSTE MAL VOM KINDERGARTEN ABHOLTE

Sonst war Krümel schon in der Wohnung, wenn ich sie betreut habe. Aber vorgestern, da sollte ich sie vom Kindergarten abholen.

„Weißt du, wie du da hinkommst, Papa?“, fragte mich Laura.

„Ja“, sag mir nur wie der Name der Kita ist.

„Pusteblume.“

Und weiter: „Du gehst direkt unten bei uns am Spielplatz vorbei.“

„Warum kann ich mit dem Auto nicht dort direkt hinfahren?“

„Kannst du auch. Aber laufen tut dir doch auch mal gut, oder? Außerdem kannst du dann Krümel ein bisschen den Kinderwagen auf dem Rückweg schieben lassen.“

„Ja, ist gut. Da ist was dran.“

„Jetzt, Papa, pass gut auf, damit du nichts vergisst!“

„Sind wir hier in der Schule? Und wer ist hier eigentlich der Schüler und wer die Lehrerin?“

„Papa, in der Reihenfolge. Du hast die Frage gerade selbst beantwortet.“

„Gut, dann sag‘ mal an. Aber warte mal. Ich mach‘ gleich mal mein iPhone auf. Da schreibe ich alles rein.“

„Hoffentlich findest du das auch wieder.“

„Denkst du, du kannst nur digital?“

„Ich bin da auch fit.“

Schweigen. Laura antwortet nicht.

„Und wieso hast du mich denn angerufen, als du wieder mal dein Passwort nicht gefunden hast?“, fragt sie.

„Das war etwas völlig anderes. Lass uns anfangen“, sage ich.

„Ach so, bevor ich es vergesse“, werfe ich noch ein: Wie war noch der Name der Kita?“

„Pusteblume! Papa.“

„Warum klingst du so genervt. Man wird doch noch mal fragen dürfen.“

„Ja, aber nicht fünfmal!“

„Warum eigentlich nicht?“

„Papa. Du sagst mir immer, ich soll mich konzentrieren, alles aufschreiben. Schreiben strukturiert das Denken.“

„Das soll ich gesagt haben?“

„‘Jahaa‘ Können wir jetzt anfangen?“

„Ich bin bereit.“

„Du gehst am Spielplatz vorbei, dann die Straße runter, überquerst sie, hältst dich links.“

„Ach, das weiß ich doch“, sage ich.

„Gut, Papa, dann jetzt zu den Sachen.“

„Ja, bitte.“

Laura spricht von einem roten Schal, einer Brotbüchse, einer Wickeltasche, von Schuhen, einem Rucksack, blau-rot.

„Nicht so schnell. Ich schreibe zwar mit 10 Fingern auf der Tastatur. Aber nicht auf dem Telefon. Da passt immer nur einer meiner Wurstfinger drauf. Meist reicht der Daumen auch noch bis zum Nachbarbuchstaben.“

Endlich hatte ich alles aufgeschrieben. Ich fühlte mich gut vorbereitet.

 

Nächster Tag. Der Tag der Wahrheit

Ich habe das Auto abgestellt und bin auf dem Weg zur Kita, am Spielplatz vorbei, die Straße runter.

Wie sollte ich mich dann halten? Links oder rechts?

Mir lief der Schweiß, weil ich schnell gegangen war. Es war aber kalt und es wehte ein ziemlich starker Wind.

Den Mantel hatte ich zu Hause vergessen. Ich war zu aufgeregt.

Ich schaute mich. Eine junge Frau kam mir entgegen.

Die muss das wissen. Die ist bestimmt auch Mutter, dachte ich.

„Bitte entschuldigen Sie, können Sie mir vielleicht sagen, wo es hier zum Kindergarten geht?“

„Welchen meinen Sie?“

„Gibt’s hier mehrere?“

„Ja, natürlich.“

„Mohnblume.“

„Mohnblume?“

„Die Kita gibt‘ s hier nicht.“

„Nein?“

„Nein!“

„Vielen Dank trotzdem.“

Warum hatte ich mir das nicht aufgeschrieben?

Ich schaute auf die Uhr. Panik kam in mir auf.

 

 

 

 

 

 

GESPRÄCHE MIT EINER PRIMA BALLERINA (6)

DER ERSTE TAG IN DER BALLETTSCHULE VON DONEZK

Die Diensthabende am Schuleingang erwartete bereits Iana, zusammen mit ihrem Bruder Jaroslav und ihrem Vater Anatoli.

„Herzlich willkommen. Unsere Schulleiterin ist informiert, dass Sie heute kommen. Bitte hier entlang.“

Die Direktorin war jung, hübsch und lächelte alle drei an.

„Bitte kommen Sie, ich zeige Ihnen alles“, sagte sie nach der Begrüßung.

Iana sah zum ersten Mal ihr Zimmer, in dem sie für viele Wochen und Monate wohnen sollte.

Jede Zimmerbewohnerin hatte eine kleine Ecke, die sie für private Zwecke nutzen konnte. Ein kleiner schwarzer Schrank musste für die persönlichen Sachen und die Garderobe reichen.

„Müssen wir in der Schule Ukrainisch sprechen, so wie es 1996 vom Staat verordnet wurde?“, fragte Iana die Schulleiterin.

„Du meinst, weil es seit vorigem Jahr  die offizielle Landessprache in der Ukraine ist?“

„Ja.“

„Nein, der Schulunterricht wird in Russisch abgehalten.“

Iana atmete auf. Sie war mit der russischen Sprache aufgewachsen. Ihre Eltern sprachen russisch, ihre Oma, ihre Brüder, ihre Freunde.

Später gingen alle drei über den Hof auf die andere Straßenseite, in das Gebäude, indem Vadim Pisarev residierte und die Ballett-Company leitete.

Dazu gehörte die Ballettschule, der Ort also, in dem Iana künftig viel Zeit verbringen würde.

 Iriana Pisareva – die Seele der Ballettschule

„Mein Name ist Irina Pisareva und ich leite die Ballettschule.“

Und bevor noch jemand etwas sagen konnte, fuhr sie fort:

„Vadim ist mein Bruder. Er kümmert sich um die künstlerische Leitung der Company. Ich nehme ihm die Arbeit hier ab, bin für alle Fragen in der Ballettschule zuständig.“

Sie blickte alle drei freundlich an, hatte zudem eine rundliche Figur und sie machte nicht den Eindruck einer durchtrainierten Tänzerin.“

Iana gefiel das. Es nahm ihr irgendwie den inneren Druck, den sie während des Vorstellungsgespräches verspürte.

„Möchte noch jemand ein Stück Kuchen?“, schaute Irina Pisareva in die Runde.

„Ja, mir können Sie noch eins geben und Tee bitte auch!“, meldete sich Jaroslaw.

Für ihn war die Sache gelaufen. Er würde hier schon seinen Weg gehen.

Und so blieb er vor allem ruhig. Nur einmal, als die Schulleiterin bei der Besichtigung der Unterkünfte ankündigte, dass jeder eine Nanny bekommen würde, die auf sie aufpassen sollte und die Verantwortung für die Kinder trug, da meldete er sich zu Wort: „Wozu eine Nanny? Für meine Schwester, gut. Aber ich? Ich bin schon erwachsen, kann für mich allein aufpassen.“

Anatoli beugte sich in dem Moment zu seinem Sohn vor und flüsterte ihm ins Ohr: „Du bist 15 Jahre alt und machst, was dir hier gesagt wird. Hast du das verstanden?“

Jaroslaw nickte stumm.

 Grand – Pas de deux

„So, wir möchten jetzt gern sehen, wie ihr beide tanzt, du und dein Bruder“, sagte unvermittelt Irina Pisareva.

Iana wirkte wie elektrisiert: „Ich bin doch gar nicht aufgewärmt. Ich kann das nicht.“

„Das schaffst du schon“, beruhigte Irina Pisareva sie.

„Bitte zieht euch um und Iana, vergiss die Spitzenschuhe nicht.“

Jaroslaw tanzte als erster. Einen Gopak, einen ukrainischen Spitzentanz.

Er tanzte sicher und leichtfüßig. Das Talent hatte er von seinem Vater geerbt. So wie Iana.

Jaroslaw war sehr ehrgeizig. Zuhause, da drehte er das Radio auf und tanzte zur Musik, drehte sich im Kreis, immer und immer wieder.

„Kannst du das auch?“, rief er dann Iana zu.

Die antwortete nicht, sondern drehte sich stattdessen im Kreis.

Es war ein ständiger Wettbewerb zwischen den beiden entbrannt.

Jetzt war Iana mit dem Vortanzen dran. Sie tanzte, stoppte, war verzweifelt, nicht zufrieden.

Danach tanzten beide Geschwister zusammen, einen Grand – Pas de deux, das Duett einer Tänzerin und eines Tänzers.

Sie tanzten sich durch die einzelnen Etappen hindurch – Entrèe, Adagio. Dazu die jeweiligen Variationen von Iana und Jaroslaw und schließlich zum Abschluss die Coda.

„Prima!“, sagte Irina Pisareva zufrieden.

„Ihr seid beide in die Schule aufgenommen“.

„Du hast getanzt wie eine Schnecke, nur noch langsamer“.

Du musst noch viel lernen,  Iana

Während Jaroslaw das sagte, strotzte er nur so vor Selbstbewusstsein und Iana schaute geknickt drein.

Anatoli blickte nicht begeistert zu Iana herüber. Er war von seiner Tochter enttäuscht.

„Nun gut, ihr habt beide bestanden, wir müssen nur ganz wenig Kostgeld bezahlen und ihr könnt hier viel lernen“, sagte er dann nach einer Weile.

Sie verabschiedeten sich von Irina Pisareva und fuhren zurück zum Bahnhof.

Anatoli packte im Zug die Piroschki zum Abendessen aus und Jaroslaw langte als erster zu.

„Du musst noch viel üben, um lockerer zu werden“, sagte er kauend und mit vollgestopften Backen zu Iana.

Sie antwortete ihm nicht. Sie war trotzdem glücklich. Nach dem Weihnachtsfest konnten sie ihre langersehnte Ausbildung in Donezk beginnen.

 The first day at the ballet school of Donetsk

The servant at the school entrance was already waiting for Iana, together with her brother Jaroslav and her father Anatoli.

„Welcome. Our headmistress is informed that you are coming today. This way please.“

The director was young, pretty, and smiled at all three of them.

„Please come, I’ll show you everything,“ she said after the welcome.

Iana saw her room for the first time, where she will live for many weeks and months.

Each roommate had a small corner that she could use for private purposes. A small black cabinet had to be enough for the personal belongings and the wardrobe.

„Do we have to speak Ukrainian at school as it was ordained by the state in 1996?“, Iana asked the Headmistress.

„You mean because it’s the official language in Ukraine since last year?“

„Yes.“

„No, the lessons are given in Russian.“

Iana breathed. She grew up with the Russian language. Her parents spoke Russian, her grandma, her brothers, her friends.

Later, all three walked across the courtyard to the other side of the street, into the building, where Vadim Pisarev resided and ran the Ballet Company.

This included the ballet school, the place where Iana would spend a lot of time in the future.

 Iriana Pisareva – the soul of the ballet school

„My name is Irina Pisareva and I run the ballet school.“

And before anyone could say anything, she went on:

„Vadim is my brother. He takes care of the artistic direction of the company. I take his work off here, I’m responsible for all questions in the ballet school. “

She looked friendly at all three , her figure was plump and she did not give the impression of a well-trained dancer.

Iana liked that. It somehow took away the inner pressure she felt during the interview.

„Anyone else want a piece of cake?“, Irina Pisareva looked around.

„Yes, you can give me one more and tea as well, please!“,Yaroslav answered.

For him it was very clear. He would go his way here.

And so he remained calm above everybody else. Only once, when the headmistress announced that everyone would get a nanny to take care of them and take responsibility for the children, he said, „Why a nanny? For my sister, good. But me. I’m already grown up, I can take care of myself alone “

Anatoli leaned forward to his son and whispered in his ear: „You are 15 years old and do what you are told here. Did you understand that?“

Yaroslav nodded silently.

 Grand – Pas de deux

„Well, we’d like to see you both dancing now, you and your brother,“ Irina Pisareva said suddenly.

Iana looked electrified: „I’m not warmed up. I can’t .“

„You can do that,“ Irina Pisareva reassured her.

„Please change, and Iana do not forget the pointe shoes.“

Yaroslav danced first. A gopak, a top Ukrainian dance.

He danced confident and light. He got the talent from his father. Like Iana.

Yaroslav was very ambitious. At home, he turned on the radio and danced to the music, spinning in circles, over and over again.

„Can you do that too?“ He shouted to Iana.

She did not answer, but instead turned in a circle.

There was a constant competition between the two.

Now it was Iana’s turn to do the audition. She danced, stopped, was desperate, not satisfied.

After that both siblings danced together, a grand – pas de deux, the duet of two dancers.

They danced through the whole pas de deux – Entrèe, Adagio. In addition the respective variations of Iana and Jaroslaw and finally the Coda.

„Great!“ Irina Pisareva said with satisfaction.

„You both have been admitted to school“.

„You danced like a snail, only slower“.

 You still have a lot to learn, Iana

While Jaroslaw said that, he was full of self-confidence and Iana looked miserably down.

Anatoli did not look  very enthusiastically over at Iana. He was disappointed with his daughter.

„Well, you both passed, we only have to pay very little money and you can learn a lot here,“ he said after a while.

They said goodbye to Irina Pisareva and drove back to the station.

Anatoli grabbed the Piroshki for dinner on the train and Jaroslaw was the first to grab some.

„You still have to practice a lot to get relaxed,” he said, chewing and packing his cheeks to Iana.

She did not answer him. She was happy anyway. After Christmas they could start their long-awaited education in Donetsk.

 

 

 

 

 

 

 

MEIN FREUND, DER ALLTAG (10)

ICH FREUE MICH – IM STILLEN EBEN

Der Tag beginnt wie immer. Vier Uhr aufstehen, Frühstück, Zeitung lesen.

„Marian wird Berliner Kammertänzer“, sagt Klara zu mir.

„Weiß ich. Wir sind doch am 15. Dezember dabei.“

„Ja, aber hier steht es in der Zeitung, von heute.“

„Wo?“

„Im Feuilleton.“

„Wie soll ich das lesen?“, wenn du mir schon am frühen Morgen die Zeitung wegnimmst?“

„Sonst fragst du nie danach“, sagt Klara und reicht mir den Teil wieder rüber. Sie hat Angst, dass sie die Seite mit dem ‚Sudoku-Rätsel‘ vergisst und sich in der S-Bahn langweilt.

„Jetzt fass doch nicht mit deinen fettigen Fingern auf die Zeitung. Was sollen denn die Leute in der Bahn denken, wenn ich den Teil aufschlage?“

„Woher soll ich das wissen“, sage ich und knittere mir die Seite ungerührt zurecht.

Da steht es: „Marian Walter wird Berliner Kammertänzer.“

(Berliner Zeitung, Nummer 284, Mittwoch, 5. Dezember 2018 – Seite 21)

Ich freue mich. Im Stillen eben.

Er hat es verdient, denke ich so bei mir. Und er wird kein großes Aufhebens drum machen.

Bescheiden ist er, so steht es im Artikel. Und das ist er wirklich.

Wohl einer der Gründe, warum unsere Freundschaft nun schon über zehn Jahre hält. Ich freue mich auf die Vorstellung in der Staatsoper.

Laura meldet sich. Sie will auch mit.