GESPRÄCHE MIT EINER PRIMA BALLERINA (7)

DER ERSTE KUSS

Der erste Tag ging in Donezk zu Ende. Iana lag in ihrem neuen Bett, in dem Zimmer, in dem sie nun viele Monate wohnen würde.

„Schlaft gut, Kinder“, rief die Nanny undschaltete das Licht aus. Iana konnte nicht einschlafen. Sie dachte an ihren Vater,  der sie und Jaroslaw hierher begleitet hatte.

Nur, dieses Mal fuhr er allein zurück.

„Machen Sie sich keine Sorgen. Es wird alles gut“, sagte die Nanny zu Anatoli.

Der nickte stumm und schluckte. Er hatte Mühe, seine Tränen zurückzuhalten. So sehr er es sich wünschte, dass seine Yanochka ihren Traum leben konnte, so sehr kämpfte er mit den Tränen.

Iana wälzte sich im Bett hin und her. Sie war glücklich und traurig zugleich.

 Sie kuschelte sich in ihre Decke. Plötzlich tauchteAlexander in ihren Gedanken auf.

Alexander – Ianas Jugendliebe

Ihre Jugendliebe. Sie war 13 und er 14 Jahre alt.

Sie sahen sich das erste Mal in der Kiewer Ballettakademie. Alexander schaute oft zu ihr herüber. Er stand mit seiner Clique in der Pause auf dem Schulhof. Ab und an kreuzten sich ihre Blicke, wie zufällig eben.

Es war elektrisierend. Wie von Geisterhand stand von beiden Seiten im Raum: „Ich mag dich. Und ich mag dich auch.“

Alexander war ein hübscher Junge. Seine dunkelschwarzen Augenbrauen und die blauen Augen hatten es Iana angetan. SeineHaare waren blond gefärbt. Er sah für Iana aus, wie Leonardo DiCaprio, seinKörper muskulös und männlich.

Alexander redete nicht viel, wirkte cool, wenn er im Kreise seiner Freunde war.

Iana saß im Mathematikunterricht. Plötzlich drehte sich auf der Schulbank vor ihr der Junge um und schob ihr einen Zettel zu.

Iana blickte auf und schaute direkt in das Gesicht von Alexander, der ganz vorn in der Schulreihe saß. Er hatte den Zettel geschrieben und ihn ganz nach hinten zu Iana durchreichen lassen.

„Willst du mit mir gehen?“, stand auf dem Zettel, den Iana auseinanderfaltete. Behutsam, so dass es die Lehrerin nicht sah.

Iana kam nach Hause, schmiss sich aufs Bett und starrte an die Decke.

„Ich bin verliebt“, dachte sie und war glücklich.

Aber es passierte trotzdem nicht viel.

Und wieder schrieb Alexander ihr einen Zettel, auf dem die gleichen Worte standen: „Willst du mit mir gehen?“

Iana antwortete darauf nicht. Doch in ihren Augenkonnte Alexander  ablesen: „Ja, ich will.“

Der flüchtige Kuss in der Kiewer Oper

Es war wieder ein Monat vergangen.

„Willst du nicht mit meinen Freunden auf den obersten Rang gehen? Wir schauen uns von dort aus die Vorstellung an.“

„Ja“, antwortete Iana gleich. Sie fühlte sich dabeisicher, denn sie war immer mehr mit Jungs zusammen, als mit Mädchen. Schon allein, weil sie mit vier Brüdern aufgewachsen war.

Jeden Tag hatten sich Alexander und Iana in der Oper gesehen.

Aber noch nie war es dazugekommen, dass sich beide berührt hatten.

Im Rang oben, in einer dunklen Ecke saßen die Jungs und Iana. Neben ihr war Alexander. Vorsichtig legte er den Arm um Ianas Schulter.

Mit eindeutigen Blicken gab er seinen Freunden zu verstehen, dass sie sich aus dem Staub machen sollten. Wortlos und leise verließen diese die Ecke.

Alexander beugte sich nach vorn und berührte Ianas Wange. Er suchte ihre Lippen. Sie berührten sich.

Und sie küssten sich. Ein wohliges und kribbliges Gefühl kam in Iana hoch.

„Das sollte nie aufhören“, dachte Iana.

Aber es sollte sich nicht wiederholen. Noch immer litt sie darunter, dass ein junger Student versucht hatte, sie in einem Fahrstuhl zu missbrauchen.

Also küsste Iana Alexander zurück, aber sie öffnete nicht den Mund für seine Zunge.

„Ich will dich nach Hause bringen. Ich will nicht, dass du alleine gehst“, sagte Alexander danach.

Er war bis über beide Ohren verliebt.

 „Wir können gute Freunde sein, aber nicht mehr“, sagte Iana zu ihm.

Trotzdem ließ sich Alexander den Namen von seinerLiebe auf den Arm schreiben. Er trank und fing an zu rauchen. So verzweifelt war er, dass Iana ihn nicht gänzlich erhörte.

Iana drehte sich in Donezk im Bett auf die andereSeite.

„Es war schön mit ihm“, war ihr letzter Gedanke, bevor sie sanft einschlief.

THE FIRST KISS

The first day came to an end in Donetsk. Iana was in her new bed, in the room where she would live now for many months.

“Sleep well, children”, the Nanny said and switchedoff the lights. Iana could not sleep.  Thinking of her father, who hadaccompanied her and Jaroslaw here.Only,this time he went back alone.

“Don’t worry. Everything will be alright, ” the nanny said to Anatoli.

He nodded silently and swallowed. He was fighting keeping back his tears. As much as he wished that his Yanochka could live her dream, so much he had to fight with tears.

Iana rolled back and forth in her bed. She was happy and sad at the same time.

She snuggled into her blanket. Suddenly, Alexanderappeared in her thoughts.

Alexander – Iana’s childhood love

Her childhood love. She was 13 and he was 14 years old.

They met for the first time in the Kiev BalletAcademy. Alexander often looked over at her. He stood with his clique in thebreak on the schoolyard. From time to time their eyes crossed, just unexpectedly.

It was electrifying. As if by magic. Like both sides said into the room,

„I like you. And I like you too.“

Alexander was a handsome boy. His dark black eyebrows and blue eyes made Iana crazy. His hair was dyed blond. He looked for Iana like Leonardo DiCaprio, his body muscular and manly.

Alexander did not talk much, seemed cool when hewas in the company of his friends.

Iana was in mathematics class. Suddenly, the boy turned around on the school bench in front of her and gave her a note.

Iana looked up and looked straight into the face of Alexander, who was sitting in the front row of the school. He had written the note and let it pass all the way back to Iana.

„Do you want to go with me?“

Was written on the note that Iana unfolded, careful so that the teacher did not see it.

Iana came home, threw herself on the bed and stared at the ceiling.

 She thought, „I’m in love, “ and washappy.

But it did not happen much.

And again Alexander wrote her a note with the same words:

„Will you go with me?“

Iana did not answer. But in her eyes Alexandercould read: „Yes, I want.“

The fleeting kiss in the Kiev Opera

Another month had been passed.

„Don’t you want to go to the top balcony withmy friends? We’ll watch the show from there.“

„Yes,“ Iana answered immediately. Shefelt safe, because she was more with boys than with girls. Specially becauseshe grew up with four brothers.

Every day Alexander and Iana had seen each other at the opera.

But it never had been happened that both would touched each other.

Up in the rank, in a dark corner sat the boys and Iana. Next to her was Alexander. Carefully, he put his arm around Iana’s shoulder.

With clear eyes he made his friends understand that they should make themselves disappear. Silently and quietly they left the corner.

Alexander leaned forward and touched Iana’s cheek.He searched her lips. They touched each other.

And they kissed. A pleasant and tense feeling came up in Iana.

„That should never stop, ” thought Iana.

But it would not be repeated. She was still suffering from a young student trying to abuse her in an elevator.

So Iana kissed Alexander back, but she didn’t let it get to a french kiss.

„I want to bring you home. I do not want youto go alone, ” Alexander said afterwards.

He was in love up to his ears.

 „We can be good friends, but not more, ”Iana told him.

Nevertheless, Alexander cut the name of his love Iana into his arm. He drank and started smoking. He was so desperate that Iana did not hear him completely.

Iana turned in bed in Donetsk on the other side.

„It was nice with him, ”  was her last thought,before she fell asleep gently.