NORDIC WALKING IST NICHT IMMER GESUND

Montag am Vormittag. Ich habe seit 05.30 Uhr am Schreibtisch gesessen will mich nun bewegen. Ich setze mich ins Auto und fahre zum Liepnitzsee. Auf dem Parkplatz angekommen steige ich aus.

Es stürmt. Kalt ist es auch. Die Luft scheint sich geradezu in den Hals hineinzuschneiden. Trotzdem beginnt alles perfekt. Ich mache ein paar Lockerungsübungen für die Beine.

Dann kommt der unangenehme Teil. Ich zwänge die Tragetasche um meinen Bauch und puste, um Luft zu bekommen. Jetzt sind die dicken Handschuhe dran. Als ich sie übergestreift und mit dem Klettverschluss jeweils befestigt habe, kommen die Stöcke an die Reihe.

Ich legte die Schnalle um die rechte Hand und ziehe mit den Zähnen die Schlaufe durch die Plastikschnalle, um sie mit dem mit dem anderen Teil des Klettverschlusses zu verbinden.

Nun der linke Stock – eine Quälerei. Denn ich kann nicht mehr die rechte Hand zur Hilfe nehmen. Manchmal vergesse ich, dass ich schon einen Stock an der Hand befestigt habe, will sie ungeachtet dessen zur Hilfe nehmen und fuchtele so ungesteuert mit dem Stock durch die Gegend.

Läuft es schlecht, dann knallt noch einer dieser Stöcke gegen das Auto. Aber heute bin ich vorsichtig genug. Endlich bin ich abmarschbereit. Vorher aktiviere ich noch die App von Runtastic. Ich strebe in den Wald, Richtung See. Das Laub ist feucht und sieht rutschig aus.

Ich habe den Gedanken kaum zu Ende gedacht, da knicke ich mit dem rechten Fuß zur Seite. Es gibt kein Halten mehr. Das passiert mir nicht das erste Mal. Ich weiß also ziemlich genau, was nun kommt.

Mein Körper prasselt mit hoher Energie nach unten und ich kann mich nicht mit den Händen abstützen. Ich fliege mit dem Gesicht in den Dreck und schmecke Erde, schwarz und feucht. An der Lippe kleben zwei Blätter. Ich versuche sie abzuschütteln, indem ich die Zunge dazu benutzen will. Doch die Blätter bleiben an der Zungenoberfläche hängen und zerbröseln direkt auf ihr.

So muss sich eine der Dschungelprüfungen anfühlen. Ich versuche mich aufzurichten, aber die Stöcke verhindern es. Ich muss mit den Knien nach vorn rutschen und sie dabei anwinkeln. Nachdem ich nun auch noch an den Knien ein Gemisch aus Blättern, kleinen Kienäpfeln und Erde habe, stehe ich wieder.


‚Tschuldigung‘ presse ich in Richtung einer Fichte heraus. Seitdem ich weiß, dass Bäume ebenso Schmerzen empfinden wie wir Menschen tue ich das. Ein Experte des Waldes hat darüber bereits mehrere Bücher veröffentlicht und spricht dazu in Talk-Shows. Also ist da ja irgendetwas dran.

Und die Wurzeln müssen gerade heftige Schmerzen verspürt haben. Ich humple weiter. Das linke Knie schmerzt und in der Kniekehle verspüre ich ein Ziehen. Ich kehre um und schleppe mich zum Parkplatz zurück. War das nun eine Aktion für oder gegen die Gesundheit? Ganz sicher bin ich mir nicht. Ich versuche Klara zu erreichen, damit sie mir Trost spendet. Auf Arbeit geht sie nicht ran. Wenn man die Frauen schon mal braucht.