GESPRÄCHE MIT EINER PRIMA BALLERINA (11)

INTERVIEW AM 04.03.2019

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Iana, Du strahlst und machst einen glücklichen Eindruck.
Fühlst du dich auch so?
Ja, ich bin glücklich und freue mich auf die Geburt des Kindes.

Was ist jetzt anders, wenn Du mal den Beginn deiner Schwangerschaft mit dem nunmehr letzten Drittel vergleichst?
Am Anfang habe ich stark unter der Übelkeit gelitten. Mir war ununterbrochen schlecht. Es reichte schon, wenn ich bestimmte Lebensmittel aus dem Kühlschrank roch. Ich hatte einfach keine Kraft und wollte mich nur übergeben und viel schlafen. Aber das ist jetzt Gott sei Dank vorbei. Natürlich, ich habe manchmal Schmerzen im Rücken, aber ich glaube, das ist normal.

Wie hältst du dich fit?
Wenn ich mich gut fühle, dann fahre ich in die Oper und trainiere dort. Aber ich mach‘ auch hier zuhause viele Übungen.

Wenn du mal die Zeit in der ersten Schwangerschaft mit der zweiten heute vergleichst, was ist anders?
Ich habe heute ein größeres Gefühl der Sicherheit, und ich weiß genau, wie es weitergeht. Vor rund zehn Jahren, da fühlte ich mich noch so jung, traute mich nicht auf die Straße zu gehen.

Warum?
Weil ich das Gefühl hatte, dass ich von den Menschen als zu jung angesehen wurde, vielleicht sogar als eine Minderjährige, die ein Kind bekommt. Dabei war ich schon 25 Jahre alt, sah wohl aber nicht so aus. Ich hätte das rausschreien können: ‚Ich bin 25 und nicht 12 Jahre alt‘.

Überhaupt: Es belastete mich psychisch, dass ich mich mit Bauch zeigen musste, weil ich stets das Gefühl hatte, ich sei zu dick. Ich war einfach noch sehr unsicher. Für mich war nicht klar, ob ich das alles schaffen würde, die Geburt, meine Karriere am Laufen halten, für meine Familie da sein.

Und ich war selbst noch sehr verschlossen. Ich wollte nichts zeigen und nichts sagen. Jetzt will ich alles zeigen, habe kein Problem damit, dass Menschen an meinem Glück teilhaben möchten. Heute habe ich eine ganz andere Aufmerksamkeit.

Was meinst Du genau?
Ich bekomme zum Beispiel über Instagram sehr viele herzliche Wünsche von Leuten, die mich von der Bühne oder auch außerhalb kennen.

Wann ist der Geburtstermin?
Im Mai.

Willst du, dass dein Mann bei der Geburt im Kreißsaal dabei ist?
Ja. Er war ja bei der Geburt von Marley ebenfalls dabei.

Was soll es denn werden, ein Junge oder ein Mädchen?
Es wird ein Junge. Das passt zu mir.

Warum?
Weil ich vier Brüder habe. Ich bin also unter Jungs aufgewachsen. Und wir sind bei uns im Haushalt ja ebenfalls bereits drei Männer.

Drei Männer?
Ja, wir rechnen unseren Mops Charly ebenfalls dazu.

Kommst du denn mit so vielen Männern im Haushalt klar?
Ja, ich bin es gewohnt. Ich denke, bei Männern weißt du besser, was sie sagen und was sie dann auch meinen. Die sind da klarer, finde ich.

Wie soll das Kind denn heißen?
Das verraten wir noch nicht.

Wie seid Ihr auf den Namen Marley bei Eurem ersten Sohn gekommen?
Wir dachten zunächst, es würde ein Mädchen. Und so haben wir nach einem Mädchennamen gesucht. In 2007 lief der Film von Francis Lawrence mit Emma Thompson und Will Smith. Das war die Inspiration für uns, wie gesagt zunächst für einen Mädchennamen und später dann kamen wir auf Marley.

Wie willst Du nach der Geburt organisieren, dass du alles unter einen Hut bekommst – Baby, ein Sohn in der Schule, ein Mann?
Ich kann loslassen.

Wie meinst Du das?
Wenn ich bei der Arbeit bin, dann steht das für mich im Zentrum meines Denkens, Handelns und Fühlens. Da gebe ich Hundert Prozent. Zuhause ist es genauso – da gebe ich auch alles, nur eben für die Familie. Und die Gedanken an die Arbeit lasse ich weg, weitestgehend wenigstens.

Du meinst also, Du wirst das alles schaffen?
Ja, natürlich. Bei Marley mussten wir auch schon den Tag straff durchplanen. Da gab es eine Tagesmutter, Marian hat mir vieles in der Hausarbeit abgenommen. Und das wird er natürlich beim zweiten Kind ebenso tun. Außerdem: Wir haben eine große Familie, die uns hilft – Marians Mutter, die Tanten und Großtanten.

Wie ist es mit deinen Eltern, wann werden sie ihren Enkel sehen?
Das wird zeitnah passieren. Wir sind im engen Kontakt mit meinen Eltern, Marleys Großeltern. Sie haben in Kiew selbst noch von den anderen vier Brüdern weitere Enkel und sind keinesfalls einsam. Aber wir sind hier im regelmäßigen Austausch und einen Besuch wird es genauso geben.

Iana, du hast aktuell mehr freie Zeit als früher. Wie gehst du damit um?
Ich denke sehr viel nach. Das ist das Positive an meiner Schwangerschaft. Ich kann darüber nachsinnen, wie es weitergeht. Ich will möglichst schnell wieder arbeiten, trainieren, proben, zurück auf die Bühne. Ich plane ein größeres Ballett zu Marlene Dietrich.

Was steckt dahinter?
Das ist eine eigene Idee, verbunden mit einer privaten Choreographie. Das Stück will ich in Kiew herausbringen, gemeinsam mit Freunden. Aber das hat noch ein wenig Zeit.

Iana, vielen Dank für das Gespräch