MEIN FREUND, DER ALLTAG (40)

EIN THEATERBESUCH, DEN WIR NICHT BEREUT HABEN

Wir waren am Sonntagvormittag im Deutschen Theater. Das machen wir ganz selten, um nicht zu sagen, eigentlich gar nicht.

Aber unsere Freunde blieben diesmal an uns dran und so willigten wir ein, den Sonntag für die Kultur zu ‚opfern‘.

So jedenfalls dachten wir, als wir schließlich zugesagten. Gott sei Dank waren unsere Freunde so hartnäckig! Es war nämlich großartig. Gregor Gysi hat mit Edgar Selge gesprochen, ihn zu dessen Leben befragt.

Edgar Selge kenne ich aus dem Polizeiruf 110, indem er zehn Jahre lang den einarmigen Kommissar Tauber gespielt hat. Für seine Rolle als ‚Franchois‘ in dem Stück ‚Unterwerfung‘ wurde er 2016 zum Schauspieler des Jahres gewählt.

Die Aufführung wurde vom RBB verfilmt und ich habe sie im Fernsehen gesehen und war von Edgar Selge begeistert. Am Sonntag trafen also zwei großartige und vor allem interessante Menschen aufeinander.

Und es kam, wie es kommen musste, nämlich humorvoll, pointiert, einfach unterhaltsam. Edgar Selge hat sich gewundert, woher Gregor Gysi so viele Details aus dessen Biographie wusste. Gysi reagierte schlagfertig, indem er Selge anbot, eventuell noch offene Fragen zu dessen eigener Biografie zu beantworten.

Edgar Selge ist in Herford in der Nähe eines Jugendgefängnisses aufgewachsen. Sein Vater war dort der Direktor. Das hat ihn geprägt.

Nach Meinung von Selge trägt jeder von uns ein Stück eines ‚Gefängnisses‘ in sich.

Darüber lohnt es sich nachdenken, denn wem geht es nicht so, dass er unter bestimmten Zwängen steht, psychisch, physisch oder vielleicht finanziell. Insgesamt: Danke an unsere Freunde, die uns auch noch im Anschluss das Gespräch zum Essen einluden. Also rundherum gelungen.