MEIN FREUND, DER ALLTAG (42)

WARUM AM KARFREITAG AUS DEM ALLTAG ERZÄHLEN?

Es ist Karfreitag, 05.30 Uhr. Nicht mehr lange und wir sind auf der Piste nach Rügen, unserem Lieblings- und Sehnsuchtsort.

Während ich hier am Schreibtisch sitze, schläft nebenan Krümel.
Ein schönes Gefühl. Sie hat gestern in einem Zug mein Arbeitszimmer in Beschlag genommen und zum Teil verwüstet.

Als ich für einen kurzen Augenblick nicht aufgepasst habe, da war sie mit ihren kleinen Fingern im Tintenfass, und ihre Händchen waren blau, auf der Hose waren Tintenflecken.

Ich liebe es, mit dem Füller zu schreiben, bevor ich mich an den Computer setze und die Buchstaben dann nur so auf dem weißen Hintergrund erscheinen. Schreiben mit der Hand, das ist wie ‚entschleunigt‘ leben, in Ruhe denken.

Krümel ist das aber egal. Sie fand, man sollte schon mit dem Finger direkt ins Tintenfass eintauchen, um das zu spüren, was ich gerade beschrieben habe. Anschließend hat sie meine Texte unter die Lupe genommen, die auf der Anbauwand lagen, nach Themen geordnet. Jetzt sind die zerknittert und zerstreut.

Nur den Text vom Lied „Stups, der kleine Osterhase“, den hat sie nicht angerührt. Den wollte ich eigentlich noch auswendig lernen, bevor ich mich auf die Fahrt gemeinsam mit Krümel mache. Egal, jetzt müssen wir improvisieren.

Ich werde die Melodie auf der Fahrt summen. Was hat das eigentlich mit dem Thema zu tun, was ich oben drüber geschrieben habe? Nicht viel. Oder vielleicht doch?

Es ist ja der pure Alltag. Das andere, das ernsthafte Thema dahinter und damit das langweiligere, das beackere ich nach Ostern.

Es kann aber auch sein, dass ich erst einmal über unsere Abenteuer auf Rügen berichte, darüber, wie gut es tut, mal wieder auf das Wasser zu schauen, Menschen zu treffen, die ein wenig brummig sind, aber ehrlich, in ihrer Art authentisch eben.

Krümel, auf geht’s.