MEIN FREUND, DER ALLTAG (44)

GLÜCK ENTSTEHT IM KOPF

Ostern ist jetzt schon wieder so weit weg, dass du gar nicht mehr groß daran denken magst.

Wir sind wieder im Alltag angekommen, schlecht gelaunt und finden, dass es Zeit wird für die nächste Auszeit. Die ist ja in Sicht. Morgen haben wir den ersten Mai. Bei der Marine ist das der Tag, an dem du einen weißen Mützenbezug aufsetzt. Das ist mir in Fleisch und Blut übergegangen.

Die Laune bessert sich ein wenig, weil es nun überall grün wird, nicht mehr so düstert aussieht. Ich liege schon wieder zu viel auf der Couch und schaue mir Sendungen an, die ich nicht brauche.

Aber da ist eine Dokumentation, wo ein Reporter ins Outback nach Australien geht, genauer, er fährt mit dem Jeep Richtung Westaustralien. Abends schlägt er ein Zelt auf dem Dach seines Autos auf.

Das gab es zu Ostzeiten auch. Nicht die Reise nach Westaustralien. Nein, nein. Aber jemand hatte erfunden, wie man ein Zelt auf seinem Trabbi aufbauen konnte. Jedenfalls übernachtet der Reporter in seinem Zelt auf dem Auto und wacht am nächsten Morgen auf, sieht in die Ferne und sieht die glutrote Sonne langsam aufsteigen.

Er kocht sich einen Kaffee, sitzt auf seinem Campingstuhl. Kein Mensch in der Nähe. Nur die Sonne, die ihn fasziniert.

Dann sagt er: „Für mich ist das jetzt Glück. Mehr brauch‘ ich nicht.“ Das klang ehrlich. Vielleicht wird ihm der Kameramann, der wahrscheinlich hinter ihm hockt, keinen Kaffee trinken kann und nicht in die Sonne, sondern durch die Linse schauen muss, nicht euphorisch zustimmen.

Aber der Reporter traf ins Schwarze. Er hatte beschlossen, glücklich zu sein, in dem Moment.

Wie viel Energie wenden wir eigentlich am Tag auf, um anderen zu sagen, dass man gar nicht glücklich sein kann.

Ich schwinge mich von der Couch hoch, beschließe es toll zu finden, was ich gerade tue.

Das Schöne daran ist: Du brauchst nicht irgendeinen Luxus-Artikel kaufen. Du musst nicht einmal deinen Kopf drehen. Nur deine Gedanken solltest du etwas steuern. Der Rest kommt von allein. Nicht immer, meistens jedenfalls.