MEIN FREUND, DER ALLTAG (63)

WIR WAREN PFINGSTSONNTAG AN EINEM DER SCHÖNSTEN ORTE AUF DIESER WELT

Pfingsten kannst du auch schon wieder im Kalender streichen.
Früher sind wir um diese Zeit nach Polchow auf Rügen gefahren, und zwar mit Sack und Pack.

Das war aufregend, anstrengend, aber es war vor allem schön.
Wir waren zwar müde, wenn wir ankamen, alles ausgepackt hatten und das Auto endlich unter dem Carportdach stand, das von wilden Weinreben verziert wurde.

Aber zum Ausruhen war keine Zeit.
Es wurde alles rausgeräumt, Tische, Stühle, Hollywoodschaukel.
Anschließend kümmerte sich Klara um den Haushalt, den Garten und das Essen.

Ich mähte in der Zeit den Rasen, trimmte die Kanten. Abends saßen wir auf der Terrasse und waren hundemüde. Zwei Tage später packte Klara alles wieder ein, wir fuhren Richtung Berlin und standen spätestens auf der A 11 im Stau.

Am nächsten Tag stürzten wir uns erneut in die Arbeit und berichteten den Kollegen davon, dass wir an der Ostsee waren, im eigenen Bungalow.

„Wow“, riefen die dann meistens und für kurze Zeit überstrahlte in diesen Situationen meine stolz geschwellte Brust den darunter hängenden Bauch.

Dass wir erschöpft waren, am liebsten nach Hause gegangen wären, um uns auf Sofa zu hauen, dass der Rücken schmerzte von der Gartenarbeit und dem stundenlangen Sitzen im Auto – davon sagten wir nichts.

Und heute ist das sowieso vergessen.
Wenn wir von Polchow sprechen, dann nur in den höchsten Tönen.
Laura spazierte dort durch die Gärten, hatte gute Freunde, fühlte sich wie im Paradies.

An diesem Pfingstsonntag waren wir nun nicht an der Ostsee. Nein, wir waren in Berlin – Hohenschönhausen unterwegs.
Krümel hatte uns mit vor Freude quietschenden Tönen und strampelnden Beinen an der Fahrstuhltür zu Lauras Wohnung empfangen.

Wir machten uns wenig später zu einem Spaziergang auf und schoben Krümel auf ihrem Dreirad vor uns her. Sie strahlte Lebensfreude pur aus.

Nach einer Weile setzte ich mich auf eine Parkbank. Krümel kam zu mir gelaufen und kletterte mit meiner Hilfe auf mein Bein, rutschte von da aus auf den freien Platz neben mir und schaute zufrieden zu Klara und Laura.

Schließlich machte sie solange Lärm, bis sich die beiden ebenfalls zu uns gesetzt hatten. Laura sollte sich ausgerechnet zwischen uns setzen – Krümel und mir.

Laura saß erst einmal auf meinem rechten Bein, bis Krümel zur Seite rutschte, ein Stückchen wenigstens. Dann sah sie Klara ankommen und wollte, dass die sich rechts von ihr hinsetzte.

Krümel rutschte noch einmal von der Bank und holte das Dreirad, das noch auf dem Weg stand, ebenfalls zu uns heran.

Danach saßen wir alle nebeneinander. Auf der Bank, im grünen Park von Hohenschönhausen, weit weg vom Meer, von Rügen und von Polchow.

Und trotzdem, wir waren glücklich, denn wir hatten den Eindruck, dass Krümel fand, sie wäre an einem der schönsten Orte auf dieser Welt und dann noch mit ihrem „Rudel“ an ihrer Seite, das sie energisch und zielbewusst mit ihren kleinen Fingerchen und ihren unverwechselbaren Lauten dirigierte.