ALLTÄGLICHES (4)

DIE GUTEN GEDANKEN KOMMEN SELTEN VON ALLEIN

Diesen Text schreibe ich schon heute, am Sonntag.
Bestimmt ist er allerdings für morgen, Montag, den Beginn des Alltags. Wie werde ich mich wohl fühlen, wenn ich wieder 4 Uhr aufstehe?

Die Laune ist um die Zeit nicht nur auf dem Nullpunkt. Sie ist im Minusbereich. Ich werde alle Kraft aufbieten müssen, um nicht laut aufzuschreien: „Mist, ich habe keinen Bock, lasst mich doch einfach zufrieden.“

Aber was ist es dann, was mich dennoch antreibt, was Menschen überhaupt dazu bringt etwas zu tun, wozu sie eigentlich gar keine Lust haben?

Irgendwie steckt wohl in jedem von uns so etwas wie ein Pflichtgefühl. Deine innere Stimme sagt dir: „Komm‘, reiß dich zusammen und schwing‘ die Beine aus dem Bett.“

Und mit einmal stehst du mit beiden Füßen neben deinem Bett, machst die ersten Schritte.

Es ist wie auf dem Laufband, auf das ich trete und zunächst bei Tempo 1 beginne. Schließlich wirst du schneller und plötzlich bist du drin, im Tag, erst zögerlich, schleppend, dann immer schneller, munterer, energievoller.

Ich versuche es noch mit einem anderen Trick. Ich stelle mir vor, was der Tag an Schönem bereithält.

Da muss ich nur eine Kleinigkeit beachten. Das Gehirn schickt mir nicht automatisch die guten Nachrichten, wie zum Beispiel, dass ich heute Krümels fröhliche Stimme am Telefon höre.

Nein, zuerst kommt: „Du musst noch die Steuerunterlagen fertig machen, Druckerpapier kaufen, das Auto waschen, den Rasen mähen, Kunden hinzugewinnen.

Es ist, als würdest du an der Essensausgabe stehen und auf eine köstliche Mahlzeit warten und plötzlich ruft dir aus der Küche jemand zu: „Wenn du essen willst, dann hilf gefälligst mit, die Kartoffeln zu schälen.“

Und genauso ist es mit den guten Gedanken, mit denen, die dich in einen guten Zustand versetzen sollen, sodass du ganz von selbst die Beine aus dem Bett schwingst.

Du musst dich um sie bemühen, sie mit Energie in die vorderen Schubfächer deines Gehirns ziehen.
Ich werde mich also anstrengen müssen, etwas Positives für mich zu finden, selbst am Montag.

Wie wäre es damit: Du siehst gleich im Fitness-Studio motivierte Leute, du hörst die Musik, nimmst ihren Takt auf und läufst dich auf dem Laufband so langsam frei?

Du gehst danach aus dem Studio, fühlst dich gut. Zuhause wartet dein Schreibtisch auf dich und du kannst den ganzen Tag kreativ sein.

Und zu guter Letzt ist Krümel am Telefon und plappert fröhlich mit ihren knapp zwei Jahren: „Haha, ‚auiwi’“, oder so ähnlich. Ich fühle mehr, was sie damit meint.

Lohnt es sich für all das am Montag aufzustehen?
Auf jeden Fall!