ALLTÄGLICHES (13)

DU HAST WOHL ANGST, DASS DU NICHT ZURÜCKFINDEST?
(Teil 2)

Ich schaute auf die Uhr, kehrte auf dem Weg um und ging langsam zurück. Ich war lange nicht gelaufen und gestand mir deshalb eine Reihe von Kompromissen zu. Zuerst wollte ich eine Stunde laufen und deshalb nach einer halben Stunde umkehren.

Dann bin ich auf 50 Minuten heruntergegangen und wollte nach 25 Minuten den Rückweg antreten. Schließlich blieb ich bei 40 Minuten hängen und dann waren 20 Minuten erreicht. Ich konnte also umdrehen.

Als ich das Auto sah, schnallte ich die Stöcke ab und schlenderte die letzten Meter zurück.
Das tat ich besonders gern, weil ich dann noch einmal die Ruhe im Wald genießen konnte.

Klara war noch nicht zurück. Ich nahm mein Handy heraus und fing an in dem Notizteil zu schreiben. Inzwischen kam ich damit gut klar, auch wenn mein iPhone klein war und ich oft mit meinen Fingern auf den falschen Buchstaben tippte.
Plötzlich klingelte es.

„Kannst du mich sehen?“, fragte Klara mich.
„Ich kann dich nicht sehen!“, antwortete ich.

„Wo bist du denn?“
„Ja, wenn ich das wüsste“, sagte sie mit kläglichem Unterton.
„Ich hupe mal, vielleicht hörst du das ja“, schlug ich ihr vor.

Ich drückte auf die Hupe, aber sie hörte mich nicht.
„Dann musst du es eben so weiter versuchen, klarzukommen“, sagte ich zu ihr.

Sie sagte nichts weiter. Anfangs hatte sie mich noch spöttisch angesehen, dass ich nicht vom Weg abweichen wollte. Jetzt aber sah sie, dass dies nicht die schlechteste Idee war.

Es vergingen einige Minuten und ich sah in der Ferne eine Gestalt, die hin- und her schwankte.

Sollte sie das etwa sein? Ich fuhr das Auto von der Seite auf die Lichtung und machte das Scheinwerferlicht an.
Es musste Klara sein, auch wenn sie nicht winkte und nicht ans Handy ging.

Also fuhr ich ihr kurzentschlossen entgegen. Aber mir war nicht wohl bei dem Gedanken, denn eigentlich durfte der Waldweg nicht befahren werden.

Doch jetzt war das für mich eine Notsituation.
Schnell kam ich dem Schatten näher. Es war Klara.

„Gut, dass du mir entgegengekommen bist, ich kann nicht mehr“, sagte sie zu mir mit letzter Kraft.

In der Hand hielt sie den Korb, bis oben hin voll mit Pilzen.
Sollte ich jetzt also sagen: „Ja, du wolltest ja alles besser wissen und nicht auf mich hören. Nämlich, dass wir uns abstimmen, wo genau wir hingehen, und wann genau wir am Auto zurück sind.“
Das klang alles so spießig, auch wenn es vernünftig war.

„Du hast ja den Korb tatsächlich mit Pilzen voll bekommen“, sagte ich stattdessen und war stolz auf mich, dass ich es geschafft hatte, meine Belehrungen zu unterlassen.