DER WEIHNACHTSBAUM STEHT – DACHTEN WIR (4)

DER BAUM KIPPTE AM NÄCHSTEN MORGEN SCHEPPERND UND KRACHEND UM

Klara brachte schon die Kugeln an.
Ich fand es herrlich. Ich saß auf der Couch und dirigierte Klara.

„Da kann noch eine Kugel hin“, sagte ich.

„Du kannst dich ruhig mal erheben und mitmachen“, sagte Klara.
„Nö, ich weiß nicht wie das geht“, antwortete ich.

Schließlich war der gesamte Festschmuck angebracht, der Baum strahlte und glänzte und wir machten es uns auf der Couch bequem, um die ganze Herrlichkeit noch ein wenig zu genießen.

Wir machten den Fernseher an, schauten einen Thriller und schliefen dabei ein.

Am nächsten Morgen gingen wir ins Wohnzimmer, freuten uns am schönen Weihnachtsbaum und begannen in der Küche zu frühstücken.

Plötzlich war ein Rauschen zu hören, ein leisen Knacken und ein Geräusch, als würde Glas zersplittern.
Wir sprangen auf und schauten nach.

Der Baum war umgekippt, Glaskugeln lagen in Scherben auf dem Teppich, die Lichter waren heruntergerutscht.

„Das kann doch nicht wahr sein“, schimpfte ich.
Dann kam mir die Erleuchtung.

„Wir haben vergessen, unten ein Loch in den Stamm zu bohren, damit er auf dem Dorn im Weihnachtsbaumständer richtig aufsitzen kann“, sagte ich.

„Dann müssen wir das jetzt nachholen. Gehst du in den Keller und holst das Werkzeug? Ich werde in der Zwischenzeit wieder den Baumschmuck herunternehmen, damit nicht noch mehr kaputtgeht“, sagte Klara noch.

„Ja, in Ordnung“, sagte ich.
Ich schleppte mich die Kellertreppe hinunter. Eigentlich wollte ich mich nach dem Frühstück schön in den Sessel am Fenster setzen und die Zeitung lesen.

Daraus wurde nun nichts.
Ich kramte meinen Werkzeugkoffer hervor. Dort war alles drin, was ich im Laufe der Jahre so gebraucht hatte.

Ich wollte ihn schon längst aufgeräumt haben, schob es aber immer wieder hinaus.

Das rächte sich nun.
„Verdammt, ich finde keinen Bohrer“, sagte ich zu Klara.
„Du hast doch so viele, sagst du immer!“
Klara schaute mich vorwurfsvoll an.

„Ich weiß überhaupt nicht, wieso hier die ganzen Tüten umherliegen, zwischen all dem Werkzeug“, sagte ich.

Ich hatte keine Lust, weiter zu suchen und nahm den einzigen Handbohrer, den ich fand und strich über die Spitze. Sie war mehr rund als spitz. Ich setzte am Baum an, rutschte ab und quälte mich.

Ich versuchte mit dem Bohrer in der Mitte zu bleiben. Aber auch das gelang nicht.

„Ich hole jetzt die Bohrmaschine raus. So wird das nichts“, sagte ich und spürte, wie mein Blutdruck langsam hochschnellte.

Wieder musste ich in den Keller, Tüten beiseite räumen, kleine Kisten, Werkzeug, das lose herumlag, um schließlich an die Bohrmaschine zu gelangen.

Er war groß und dafür gedacht, dicke Mauerwände zu durchbohren. Und genauso sahen auch die Bohrer aus.

Ich nahm einen, der wohl für Stahlbeton infrage kam.
Jetzt musste ich also nur noch den Schalter vom Zeichen ‚Schlagbohrer‘ auf das Zeichen ‚normaler Bohrer‘ umstellen.

Ich versuchte, den Schalter zu drehen, und von dem Zeichen mit dem Hammer zu dem einfachen Bohrer zu gelangen. Aber der Schalter bewegte sich nicht.

Ich gab es auf. Ich musste es so versuchen. Ich setzte mit dem stumpfen Bohrer an, schaltete die Maschine ein.

Die vibrierte und stampfte sofort los. Klara hielt den Stamm fest, und ich versuchte die Bohrmaschine wenigstens einigermaßen gerade zu halten.

Es klappte. Ich bohrte verbissen und schließlich hatte ich eine kleine Öffnung in das Ende des Baumstammes getrieben.

FORTSETZUNG-MONTAG, 23.12.