MAL SCHNELL ERZÄHLT (3)

Vom Willen, sich morgens über den Beginn des Tages zu freuen.

Es ist noch ruhig. Nur das Rauschen des Meeres dringt herüber, bis zu der Terrasse, auf die ich mich schon jetzt gesetzt habe.

Obwohl es erst 6 Uhr morgens ist. Ich kann nicht mehr schlafen und freue mich deshalb, dass ich den Tag erwachen sehe.

Das klingt poetisch. „Der kann gut schwadronieren, ich muss zur Arbeit hetzen“, wird manch einer sagen, der diese Zeilen irgendwann liest.

Es stimmt natürlich: Stehst du am Alltag auf, dann kämpfst du mit dir,  dich wieder hinzulegen.

Klingelt bei mir alltags um 4 Uhr der Wecker, dann sage ich nur: „Ach du Scheiße!“

Sorry, aber das ist es, was ich sage. Da ist nichts Romantisches, Verklärtes dabei.

Jetzt im Urlaub, da habe ich mehr Muße darüber nachzudenken, ob man den Tag nicht mit mehr Freude beginnen kann.

Die Sonne beginnt durch die Verandaglasscheiben hindurch zu scheinen und auf den Wellen glitzern die ersten Strahlen.

Der Tag wirkt frisch, obwohl sich abzeichnet, dass es wieder heiß wird um die Mittagszeit.

Warum können wir uns eigentlich morgens nicht mehr so freuen, wie zum Beispiel Krümel, die uns anlacht, wenn sie munter wird?

Ist es, weil uns sofort einfällt, was alles an diesem Tag an Unangenehmen auf uns zukommt, was wir alles zu erledigen haben?

Wahrscheinlich ist es das.

Aber können wir den Tag nicht trotzdem positiv beginnen, obwohl wir manchmal nicht mehr diese echte Lebensfreude spüren, die ein kleines Kind ausstrahlt, wenn es fröhlich in den Tag geht und losplappert?

Loszulassen, entspannter zu sein, dazu gehört Energie, Kraft, der wirkliche Wille, es auch zu tun.

Wir sollten diese Energie aufbringen, weil wir nur dadurch dem Stress von Innen heraus begegnen können, der ohnehin auf uns am Tag gnadenlos zusteuert.

MAL SCHNELL ERZÄHLT (2)

LUST AN DEM FINDEN, WAS VOR DIR IST

Mir ist es mehr als ein halbes Leben so gegangen, dass ich nie mit dem zufrieden war, was ich gerade erreicht hatte.

Ich war Marine-Leutnant, Schiffsmaschinenoffizier und wollte weiter. Ich wurde Hochschullehrer und strebte danach, zu promovieren. Ich hatte das erreicht und befand mich inmitten der Wende.

Es ging wieder von vorn los – Lehrer in einer Umschuleinrichtung, Immobilienmanager in einem Essener Wohnungsbauunternehmen, Bereichsleiter in einem international agierenden Konzern.

Stets ausser Atem, nie zufrieden, ständig auf der Suche nach der Erfüllung.

Die wirklichken Erkenntnisse darüber, was mir etwas im Leben bedeutete, die kamen ausgerechnet dann, als es mir schlecht ging – finanziell, auf der Suche nach einer neuen Arbeit, einer neuen Herausforderung.

Es hat Jahre gedauert, bis ich wieder aus dem Loch ‚herausgekrabbelt‘ bin, und ich hatte tatsächlich nur einen wirklichen Freund, der mir immer zur Seite stand – Klara, meine Frau.

Es war auch die Zeit, in der ich erkannte, dass ich selbst mein bester Freund, mein bester Ratgeber sein muss.

Warum?

Weil mich keiner so kennt, wie ich mich selbst kenne. Das ist eine banale Erkenntnis. Sie ist aber enorm wichtig. Das jedenfalls sagt mir meine Lebenserfahrung heute.

Jeder, der dir von aussen einen Ratschlag gibt, der kennt nie ganz deine inneren Sehnsüchte, deine seelischen  Leiden oder deine Träume, von denen du vielleicht noch einige verwirklichen willst.

Ich schreibe das hier, weil ich gerade auf das Meer schaue, den Wind spüre. Die Wellen, die sich gleichmäßig vor sich hinbewegen, sie werden das auch noch tun, wenn wir alle schon nicht mehr da sind. Sie werden auf den Strand prallen, ihre Kronen werden schäumen und sie werden sich wieder zurückziehen.

Irgendwie bringt mich dieser Gedanke dazu, mich zurückzunehmen, nicht zu glauben, dass sich alles um mich dreht, meine Leiden die größten sind, meine Freuden kein anderer erlebt.

„Bullshit“ würde gleich meine innere Stimme rufen.

Vielleicht.

Aber das Ganze führt mich zu einem anderen Gedanken, nämlich:

Sich zurückzunehmen, sich nicht so wichtig nehmen im Alltag, das Glück in dem finden, was gerade vor dir ist.

Das muss man annehmen, man muss es wollen, dann kann man damit glücklich sein, im Moment jedenfalls.

MAL SCHNELL ERZÄHLT

Glück braucht nicht viel

DER ERSTE TAG AM MEER

Während ich hier schreibe, sitze ich auf der Veranda unserer Ferienwohnung und schaue über die Dächer der Altstadt von Sassnitz hinweg  – direkt aufs Meer.

Es ist stürmisch auf dem Wasser, denn die Schiffe, die vorbeituckern, die tauchen immer wieder mit dem Bug ins Wasser und kommen erst nach ein paar Sekunden wieder hoch.

Auf den Wellen sind weisse Schaumkronen zu sehen und es weht ein frischer Wind bis hierher,  auf unsere Terrasse.

Heute Vormittag waren wir am Strand. Krümel hat sich frei gefühlt, sie ist hin – und hergelaufen, hat gekreischt vor Freude, ist ins Wasser gestürmt und gleich wieder raus.

Wir konnten nicht weit reingehen, denn die Wellen brachen über uns wie Ungetüme herein.

Es roch gut, das Wasser war warm, und wir waren glücklich. Was braucht man weiter?

Wir brauchen gar nichts weiter. Krümel hat mir anschließend Sand ins Gesicht gestreut und gerufen: „Opa, alles gut!“

Naja, wenn sie es sagt.

DAS ERSTE KONSPEKT ZUR STUTTGARTER ERKLÄRUNGSBIBEL

DIE REISE IN DIE BIBELWELT BEGINNT

Gestern war mein erster Urlaubstag und ich habe ihn damit begonnen, dass ich mich in die Bibel vertieft habe; besser in die ‚Stuttgarter Erklärungsbibel‘, die Luthers Bibelübersetzungen und Erläuterungen dazu enthält.

Es wird wohl mein letztes großes Projekt sein, dass ich auf diesem Erdball beginne, besser auf meiner kleinen Scholle, auf der ich mich befinde. Ich will mich geistig nicht einengen, nicht abhängig von irgendwelchen Glaubenssätzen.

Und genau deshalb glaube ich daran, dass ich die Bibel lesen muss. Werde ich dadurch gläubig? Eher wohl nicht. Kann ich danach an Gott glauben? Wohl kaum. Kann ich glauben, dass Gott in mir ist. Naja, schon eher. Ich weiß nicht, wohin mich die Reise führen wird, aber ich finde sie enorm spannend.

Ich werde es ohne Hilfe nicht schaffen. Mein schönstes Geburtstagsgeschenk in der vergangenen Woche war die ‚Stuttgarter Erklärungsbibel‘. Sie soll mir helfen, die oft schwierigen Zusammenhänge zu verstehen, damit ich so nah wie möglich an das Bibelwort herankomme.

Ich schreibe mit Tinte und Papier, besser, ich konspektiere mit der Hand, wenn es schwierig wird. Ich weiß noch, wie ich das ‚Kapital‘ studiert habe. Die meisten, die darüber reden, haben es nie gelesen. Auch im Osten nicht.

Ich habe mich da durch die vier Bände gequält. Ich weiß als, welches Werk da geschaffen hat, und wo er geirrt hat. Das ist etwas ganz anderes, als nur aus irgendeiner vermeintlichen ideologischen Ecke seinen ‚Senf‘ dazuzugeben, ohne wirklich zu wissen, worüber man spricht.

Ich will das Wort der Bibel auf mich wirken lassen und sehen, was ich damit anfangen kann. Später kann ich es immer noch einordnen, ablehnen oder endgültig für mich zu lassen.

Klar, ich werde es nicht schaffen, alles zu verstehen, die geschichtlichen Zusammenhänge begreifen, die vor über 1000 Jahren aufgeschrieben wurden. Aber ehrlich, das macht es doch so interessant.

ALDELHEID ALDINGER – EIN AUSSERGEWÖHNLICHER MENSCH

ADELHEID ALDINGER FEIERT HEUTE IHREN 60. GEBURTSTAG - EIN BESONDERER TAG FÜR EINEN BESONDEREN MENSCHEN

Ich bin Adeldheid Aldinger vor sechs Jahren begegnet. Da war ich auf der Suche nach einer guten Geschichte für ein Stadtmagazin in Altlandsberg. Und die fand, als ich mich nämlich mit Lutz Wagner und Adelheid Aldinger traf, beide sehr engagiert für den Verein „Helfen hilft e.V.“ in Altlandsberg.

Der Verein kümmert sich um Bedürftige, die auf Lebensmittel, Obst, Gemüse oder Kleidung angewiesen sind. Ich habe damals schon gestaunt, mit wie viel Herzblut sich die beiden für Menschen engagieren, die nicht gerade auf der Sonnenseite des Lebens stehen.

Später habe ich Adelheid noch einmal getroffen, als sie eine Frauentagsfeier ausrichtete und ich ein paar kleinere Geschichten vorgelesen habe. Adelheid hatte keine leichte Kindheit, und sie hat es trotzdem geschafft, ihre schlechten Erfahrungen zu verarbeiten und positiv in die Welt zu schauen.

Adelheid ist ein kluger Mensch, und sie tut vor allem eines: Sie denkt mit dem Herzen. Im April 2018 erhielt sie die Medaille des Brandenburger Landtages „…zur Anerkennung von Verdiensten für das Gemeinwesen.“

Die hat sie sich hart erarbeitet und verdient, im Team mit denen, die sie täglich unterstützen. Ich schreibe schon eine Weile über Menschen im Alltag, über diejenigen, die nicht viel Aufhebens machen, um ihre Person, die einfach helfen.

Das fasziniert mich an ihr. Sie hat eine große Familie, verschenkt Liebe, erteilt Ratschläge, wenn sie gefragt wird und kann herzlich lachen über die Dinge des Alltags.

Sie liest meine Beiträge fast täglich, und ehrlich: Das erfüllt mich mit Stolz. Herzlichen Glückwunsch, liebe Adelheid zu deinem 60. Geburtstag, auch wenn du zwanzig Jahre jünger wirkst.

Mach‘ einfach so weiter, und hoffentlich noch lange, bleib‘ stark. Deine Freunde mögen dich, deine Familie liebt dich und ich ziehe meinen Hut vor dir.

Herzlichen Glückwunsch, liebe Adelheid zu deinem 60. Geburtstag!
Uwe

WAS WIRKLICH WICHTIG IST IM LEBEN

Nimm‘ die kleinen Alltagsdinge wahr, und selbst wenn du dich dabei anstrengen musst: finde heraus, warum sie schön sind.

Ich bin heute ganz früh aufgestanden, nicht ganz so früh, als wenn wir nach Berlin reinfahren würden. Es ist ja unser erster Urlaubstag, und es ist schön, zumindest das Gefühl zu haben, man könne ausschlafen. Jetzt kommt der andere Stress, die Vorbereitungen vor der Abfahrt an die Ostsee.

Also habe ich schon mal im Garten die Sonnenschirme aufgemacht, Tische und Stühle abgewischt, damit wir vor dem ganzen Packen in Ruhe im Garten frühstücken können.

Ich habe die Pflanzen gegossen, weil sie sich jetzt noch gut mit Wasser vollsaugen können und die Tropfen nicht schon an der Oberfläche verdampfen.

Wenn du morgens so stehst, den Schlauch an die Wurzel einer Pflanze vor dir hältst, du hörst, wie die Vögel im Vorbeifliegen mit den Flügeln heftig schlagen, dann wirst du zum Philosophen. Und du fragst dich, was für dich eigentlich wichtig ist im Leben? PR-Texte schreiben und Anzeigen verkaufen?

Ist wichtig. Noch mehr Geld verdienen? Ja, ich würde lügen, würde ich so einen Gedanken bestreiten.

Aber was ist für dich wirklich das, was dich von innen her antreibt? Na ja, das hier: die morgendliche Stille geniessen, das Gras riechen, den Blumenduft einsaugen, spüren, wie du den Pflanzen was Gutes tust, wenn du sie wässerst – eben diese ganzen Kleinigkeiten, die scheinbar ganz unwichtigen Dinge im Weltgetriebe.

Mehr nicht? Schon, du kannst noch eine Menge mehr aufzählen.

Doch jetzt ist es eigentlich das, der Moment, in dem du lebst. Banal? Ja, das macht es ja so schwierig, es als etwas ganz Wertvolles anzusehen.

Also wichtig, es sich vor Augen zu führen?
Unbedingt!

‚JOHN REED‘ IM PRENZLAUER BERG – IM ALLTAG MACHT DAS STUDIO MICH SCHON GLÜCKLICH

67 Jahre bin ich ohne Fitness-Studio ausgekommen. Aber heute, an meinem 68. Geburtstag, da bin ich nun schon über ein Jahr im JR-Studio im Prenzlauer Berg, trainiere täglich, meist ganz früh, wenn noch nicht so viel los ist.

Auch heute Morgen war ich da, allerdings nicht lange, ich hatte noch zu viel zu tun, so kurz vor meinem Urlaub.
Es war mir wichtig, meinen Geburtstag genauso zu beginnen, wie ich es jeden Tag tue, nämlich mit dem Muskeltraining an der Bizepsmaschine.

Wenn ich daran zurückdenke, wie ich angefangen habe, es muss im Juli vergangenen Jahres gewesen sein, dann bin ich doch ein bisschen stolz auf mich, dass ich durchgehalten habe.

Nur mit dem Abnehmen, da hapert es noch. 11 kg sind zwar runter, aber ich wiege immer noch zu viel, viel zu viel. Ich sehe, dass ich an dieser Ecke noch viel Energie und Willen aufbringen muss.

Doch wenn ich mich zurückerinnere, wie ich zum Beispiel vor gut einem Jahr mit schmerzverzerrtem Gesicht versucht habe, 15 kg an der Bizepsmaschine zu bewegen, und wenn ich dagegen heute sehe, wie ich bereits mit 25 kg beginne und mit 35 kg im dritten Durchgang aufhöre, dann sehe ich schon eine Entwicklung.

„Sieh mal, wie leicht ich jetzt den Einkaufskorb hochhebe, ohne zu keuchen“, sage ich zu meiner Frau und die schmunzelt und fragt: „Und wieso hast du nicht schon mehr Muskeln?“

Ich glaub‘, ich muss mir wohl ab und an ein paar Eiweiß-Shakes aus dem Automaten holen, aber da weiß ich wieder nicht so richtig, wie das geht. Doch das kriege ich auch noch in den Griff.

Was hat sich verändert, seit ich morgens ins Fitness-Studio fahre, nachdem ich meine Frau im Zeitungsviertel abgesetzt habe?
Du kannst mit noch so schlechter Laune durch die Tür gehen, du bekommst gute Laune, nachdem du anderthalb Stunden an den Geräten warst und danach vielleicht noch auf das Laufband steigst.
Die Musik, die spielt, die Tatsache, dass du dich anstrengst, während andere das auch tun und sich so unmerklich ein imaginärer Teamspirit entwickelt, das macht es aus.

Die Rhythmen, die aus dem Lautsprecher kommen, die mochte ich anfangs gar nicht, aber jetzt, da pushen sie mich.
Als ich heute Morgen den Gang entlanglief, um zur Umkleidekabine zu gelangen, da traf ich auf Kalle, den Allrounder.
Er grüßte mich fröhlich, winkte und wir haben einen kurzen ‚Schwatz‘ gemacht.

Ich finde ihn klasse. Er ackert, läuft wie ein Bienchen hin- und her und hat trotzdem noch Zeit für ein Späßchen, ein nettes Wort.

Im Stillen denke ich oft: „Gott sei Dank musst du hier nicht wischen, die Desinfektionsmittel nachfüllen, ständig auf Achse sein!“
Da sitze ich doch lieber an einem Gerät und quäle mich dort im überschaubaren Rahmen.

Überhaupt finde ich, dass das Team der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die das JR-Studio sauber halten, einen verflucht guten Job machen. Ich grüße jede Mitarbeiterin oder jeden Mitarbeiter, wenn ich morgens an ihnen vorbeigehe.

Weil ich Aufmerksamkeit haben will? Nein, ich will auch meine Ruhe, wenn ich trainiere. Aber es ist meine Art, Danke schön zu sagen, ihnen gegenüber meine Wertschätzung zu zeigen – für ihre tolle Arbeit, die sie leisten, gerade in der schweren Zeit von Corona.

Vielleicht denkt mancher, der das liest: „Na, nun übertreib‘ mal nicht, schließlich bezahlen wir für diese Leistung, und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiterinnen bekommen es ja auch entlohnt.“
Das ist schon richtig. Aber man kann ja seine Arbeit so oder so verrichten.

Du kannst mal eben lustlos aufwischen, die Geräte putzen, die Fenster saubermachen, saugen und du kannst es wiederum mit viel Engagement tun.
Ich glaube, diejenigen, die ich bisher gesehen habe, die ackern richtig für ihr Geld.

Ich fühle mich jedenfalls sehr gut aufgehoben in diesem Studio, weil die Hygieneregeln stimmen, es sehr sauber ist.

Ich bin ja nicht gerade der typische athletische Sportsmann, der dort morgens aufschlägt – mit Bauch, hängenden Schultern, und überhaupt bin ich schon eher der Prototyp des „alten Sacks“.
Das klingt vielleicht hart, trifft wohl aber den Kern der Beschreibung, wenn ich mich selbst einschätzen müsste.

Aber das Training im JR-Studio im Prenzlauer Berg macht mich reich, mental und körperlich.

Ich rufe morgens meine Frau aus dem Auto an, nachdem ich wieder aus der Tiefgarage herausgefahren bin und ich ihr sage, dass ich mit viel Power dem Schreibtisch entgegenstrebe.

Sie staunt jedes Mal, wie ich als Morgenmuffel um vier Uhr starte und ein paar Stunden später als Energiepaket aus dem Studio komme, gut gelaunt, mit vielen Ideen, und der Gewissheit, dass ich die wichtigste Tagesaufgabe bereits erledigt habe.

Ich fahre jetzt an die Ostsee, aber in vierzehn Tagen, ja da steige ich wieder in der Tiefgarage aus dem Auto, bin schlecht gelaunt, mental am Boden, und dann gehe ich durch die Eingangstür, sehe Kalle winken, erkenne, wie fleißig vielleicht eine Mitarbeiterin am Saubermachen ist, erkenne die ersten verschwitzten Gesichter von Teilnehmern an den Trainingsgeräten, höre die Klänge aus dem Lautsprecher, ja und dann tauche ich ein in die Welt von John Reed.

Nicht schlecht, finde ich. Wenn ich so darüber nachdenke: Eigentlich ist es das, was mich am Alltag glücklich macht.

Kalle, mach‘ weiter so, du bist ein guter Typ. Danke, liebes John Reed-Team vom Prenzlauer Berg.

FREIE ALTEN – UND KRANKENPFLEGE – ANSPRUCHSVOLLE PROJEKTE UND EIN TEAM, IN DEM ES SPASS MACHT, ZU ARBEITEN

Pflege und Betreuung von kranken und hilfsbedürftigen Menschen haben in der aktuellen Zeit einen Stellenwert erlangt, wie sonst wohl kaum etwas an Relevantem in unserer Gesellschaft.

Dabei überschlagen sich manche in der Politik darin, die Anstrengungen der Pflegekräfte zu würdigen, andere wiederum finden nach wie vor, dass viel zu wenig passiert. Beides hat sicherlich seine Berechtigung, wenn man in die Tiefe der Argumentationen einsteigt.

„Euer Klatschen könnt ihr euch sonst wohin stecken“, so äußerte sich kürzlich eine Berliner Krankenschwester frustriert und verzweifelt über den andauernden Personalmangel an Pflegekräften und die nicht ausreichende Wertschätzung für diejenigen, die im medizinischen oder Pflegebereich arbeiten.

(Vgl. „Wut-Rede in Krisen-Zeiten. Die Berliner Krankenschwester beklagt ein System, das auf Profit setzt, Personalmangel – und Klatschen als Geste der Anerkennung. Berliner Zeitung, Nummer 169, Donnerstag, 23. Juli 2020, Seite 11).

Ich begleite mit meinen Gesprächen, Interviews und Berichten seit einigen Jahren die Freie Alten- und Krankenpflege e.V. in Essen, und ich weiß, dass sie genauso viel Grund hätten, Defizite und Mängel anzukreiden, die jeder kennt, der in der Pflege zuhause ist.

Doch die FAK e.V. zeichnet gerade in dieser Zeit eines aus: Sie klagen nicht, nein, sie handeln. So öffnet Anfang September 2020 das neue Wohngemeinschaftshaus „Op dem Berge“ in Essen-Bochold, in der es auch eine Tagespflegeeinrichtung geben wird. Im November folgt dann die neue Demenz-Wohngemeinschaft „Mittendrin“ in Essen-Frohnhausen.

Und schließlich bezieht die FAK das Wohngemeinschaftshaus „Emscherblick“ in Essen- Altenessen, in der es ebenfalls eine Tagespflegeeinrichtung, im FAK- Jargon „Emscherglück“ genannt, geben wird.

Das sind anspruchsvolle Projekte in dieser Zeit, zumal ja wiederum neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die einzelnen Einrichtungen gewonnen werden müssen.

Michael Jakubiak, einer der Geschäftsführer der Freien Alten – und Krankenpflege, zeigt sich gewohnt optimistisch: „Wir sind positiv überrascht von den zahlreichen Bewerbungen für unsere Vorhaben“, sagt er im Gespräch.

Mehr erfahren unter: http://www.fak.de

 

DAS TEAM – OPTIMISTISCH BLEIBEN, DINGE NACH VORN LÖSEN UND AUCH NOCH SPASS HABEN

Wer das Team und die Geschäftsführung kennt, der weiß, dass nichts im Selbstlauf passiert. Es gibt handfeste Gründe, warum die FAK e.V. solch einen Sog auf Bewerberinnen und Bewerber ausübt.

Da ist zum einen die Tatsache, dass die Gründer der Freien Alten- und Krankenpflege e.V., wie zum Beispiel Michael Jakubiak, seit nunmehr fast vier Jahrzehnten immer an einer Idee drangeblieben sind: Nämlich, dass alte und kranke Menschen selbstbestimmt und autonom in ihrem häuslichen Umfeld verbleiben können, obwohl sie auf Pflege und Betreuung angewiesen sind.

Und wenn das nicht mehr geht, in einer der Einrichtungen und Häuser der FAK e.V. leben und wohnen zu können, in der die Bewohner ihre Einsamkeit überwinden lernen, um neben der fachlichen Pflege und Betreuung eines zu finden: eine familienähnliche Atmosphäre.

Dieses ethische Verständnis ist nicht aus äußeren Worthülsen gebaut. Nein, es ist tief in der DNA des gesamten Teams der FAK e.V. verankert.

Das ‚schreit‘ sich natürlich nicht heraus, es schweigt sich eher in Essen und Umgebung herum. In der aktuellen Stellenanzeige der FAK e.V. steht: Wir brauchen keine Roboter. Wir brauchen Menschen. Wir brauchen Sie! Wer das Team kennt, der weiß, dass jedes Wort so gemeint ist. Die Wertschätzung beginnt dort, wo Menschen mit ihren Fähigkeiten und Stärken gebraucht werden und sie setzt sich darin fort, dass sich alle in der FAK e.V. wohlfühlen sollen – die Bewohner in den Wohngemeinschaften und die Pflegekräfte.

Nur so kann ein fundierter Rahmen geschaffen werden, wo das Wohnen, das Leben und das Pflegen und Betreuen Spaß machen, ja, sich das alles gegenseitig bedingt. Könnte ich noch einmal von vorn beginnen, so würde ich in der Pflege anfangen, und würde ich in Essen und Umgebung wohnen, ich wüsste, mit wem ich zusammenarbeiten wollte.

STENOGRAMM FITNESS-STUDIO

Stenogramm von einem Tag vor dem Wochenende und dem Montag darauf, dem Wochenbeginn.

FREITAG, 31.07.2020
Ich bin gerade mit dem Training fertiggeworden und sitze auf einer Parkbank hinter dem Studio.
Piazza, Saarbrücker Straße;

In der Ferne dröhnt der Lärm von der Prenzlauer Allee herüber.
Ich will das schöne Wetter nutzen, um mir ein paar Eindrücke zu notieren.

Ich wollte heute nur eine Stunde trainieren, aber dann sind es doch fast zwei Stunden geworden; 16 Geräte habe ich absolviert; ich bin selbst beeindruckt; der Hinterhof hier hat so etwas Dörfliches; gerade hat eine Krähe geschrien, und auf der anderen Seite fährt ein Moped knatternd davon; ich habe heute einen Sportsmann beobachtet, der zwei Handtücher mithatte und damit gleich zwei Plätze belegte; sehr egoistisch; desinfiziert hat er die Geräte auch nicht, an denen er trainiert hat.

Naja, ich wollte mich nicht ärgern, schließlich steht das Wochenende vor der Tür.

Montag, 03.08.20
Wochenanfang.
Ich sitze in der Ecke des Sportstudios nach zwei Stunden und 15 Minuten Training, und ich bin total durchgeschwitzt.

Mir ist es heute früh besonders schwergefallen und ich wollte bereits nach jedem Gerät mit den Übungen ganz aufhören, aber wie von Geisterhand getrieben: Ich habe immer weiter gemacht.

‚Auf das Laufband gehst du heute auf keinen Fall, das kannst du schon mal am Montag auslassen‘, sagte ich zu mir.

Und siehe da, ich stand zum Schluss doch auf dem Laufband und habe die Geschwindigkeit sogar ziemlich nach oben getrieben, sodass ich dachte, ich würde gleich herunterfallen.

Ich habe mich damit motiviert, dass ich in den letzten fünf Minuten schön langsam laufen und so den Sauerstoff tief einatmen kann; konnte ich allerdings nicht, weil ich vor Erschöpfung fast vom Band gefallen wäre, so war ich außer Atem.

Jetzt habe ich die Füße von mir gestreckt und schreibe ein wenig auf dem iPhone und bin glücklich, dass ich durchgehalten habe.
Morgen – wieder der gleiche Kampf gegen meinen inneren Schweinehund. Mal sehen, wer gewinnt.

IM WARTERAUM DER ZAHNARZTPRAXIS

Du kannst Menschen in vielen täglichen Situationen beobachten, ihnen im Gespräch zuhören, deine Schlüsse ziehen.
Manches davon ist banal, ja langweilig, aber es ist dein Leben, das Leben der anderen, auf die du triffst. Du kannst es mögen oder auch nicht, aber du solltest selbst diese Augenblicke nicht geringschätzen.

Ich sitze im Warteraum in der Zahnarztpraxis. Ich bin etwas früher da. Komisch, das ist so tief in mir drin, das mit der Pünktlichkeit. Ich bin meistens 20 bis 30 Minuten früher da, als es eigentlich nötig wäre.

Woran liegt das? Ist es meine Zeit, in der ich zur See gefahren bin und wo das Schiff nicht auf dich gewartet hat, wenn du dich verspätet hast?

Oder ist es die Erziehung? Mein Vater war in diesen Dingen besonders streng. Vielleicht von jedem ein bisschen, dass dazu geführt hat, das ich jetzt hier sitze und warte, bis es losgeht.

Es ist ein gewöhnlicher Termin, indem die Zähne durchgesehen werden sollen. Und trotzdem, es bringt meine Routine durcheinander. Ich konnte heute Morgen nicht zum Sport fahren, Klara ist mit dem Zug gefahren, anstatt bei mir im Auto zu sitzen.

Das Gute daran: Wir sind nicht vier Uhr aufgestanden, sondern erst fünf Uhr.

Für manch einen immer noch zu früh, aber für uns am Alltag ist eine Stunde später aufstehen schon Luxus. Also fühle ich mich ausgeschlafen, während ich hier auf der Couch sitze und auf den Aufruf warte, ins Praxiszimmer zu gehen.

Während ich hier auf dem iPhone schreibe, muss ich den Mundschutz umhaben und durch den Atem beschlägt laufend die Brille.

Ich ziehe die Maske ein wenig nach unten, sodass ich besser durch die Nase atmen kann.

Mir gegenüber sitzt ein älterer Herr und zur Tür herein kommt in dem Moment ebenfalls ein älterer Mann, vielleicht Mitte 70.

„Was machst du denn hier?“, fragt der ältere Herr, der sitzt.

„Wat‘ soll ich hier denn machen?“, fragt der Mann, vielleicht Mitte 70, mit einem leicht schnoddrigen, vorwurfsvollen Unterton.

„Zahnarzt, ‚wa‘?“, sagt der Herr, der sitzt.

„Hm, für ‚de Kneipe isses‘ noch zu früh“, entgegnet der Mann, vielleicht Mitte 70.

„Gott bewahre!“, sagt der ältere Herr, der sitzt. Der Mann, vielleicht 70, antwortet darauf nicht.

„Und ‚de‘ Frau?“, lässt der ältere Herr, der sitzt, nicht nach.

„Hüfte“, antwortet der andere.

„Oh, ich habe ‚jerade‘ eine schwierige Operation hinter mir“.

„Du, ‚ick‘ muss meinen Termin neu vereinbaren“, sagt der Mann, vielleicht Mitte 70.

Ich bekomme nicht mehr mit, wie das Gespräch ausgeht, denn ich werde aufgerufen, und ehrlich: Ich bin froh darüber.

Hoffentlich geht mir nie der Gesprächsstoff aus, und es würden nur noch die Krankheiten als Thema übrigbleiben, denke ich noch, als ich die Zahnarzthelferin begrüße.

Wenn ich wieder hier raus bin, setze ich mich sofort an meinen Schreibtisch und fange an zu arbeiten, kreativ zu sein, das nehme ich mir zumindest vor.