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STELLENANZEIGE – PFLEGEDIENST ROSENBERGER

Bist du jemand, der Spaß am Leben hat?
Und bist du jemand, für den die Lebensqualität nicht erst nach Feierabend beginnt?
Sondern gehörst du zu denen, die mit viel Freude, Energie, Engagement ihren Beruf angehen, ihn lieben, ihn als etwas ganz Besonderes empfinden?
Deshalb bist du in die Pflege und Betreuung gegangen?
Wir auch!
Komm zu uns, denn wir brauchen dich.

Wo?

Im ambulanten Pflegedienst Rosenberger in Castrop Rauxel.

Du hast eine dreijährige Ausbildung zur examinierten Pflegefachkraft hinter dir.

Oder eine einjährige Ausbildung, dafür mit Behandlungsschein und Praktikumsnachweis.

Was können wir dir bieten?

Du kommst in ein Team, das von der Motivation untereinander lebt, das sich hilft und sich konstruktiv mit Problemen auseinandersetzt.

Du kannst dich bei uns entfalten, selbst mit gestalten, zum Beispiel den Dienst- und Urlaubsplan.

Wir legen sehr viel Wert darauf, dass du dich im weiterbilden kannst – zum Beispiel zur Palliativfachkraft, Diabetesfachkraft oder zum Wundexperten.

Was gibt es noch?

Ein faires Gehalt, angeglichen und ausgerichtet am Tarif, Zuschläge für Wochenend- und Feiertagszuschläge, betriebliche Altersvorsorge, keine Teildienste in der Woche.

Unsere Schwerpunkte sind die Alten- und Krankenpflege, die Tagespflege und die Palliativpflege.

Die meisten von uns sind schon lange in unserem Team zuhause. Du siehst also, dass wir wenig wechseln und auf kontinuierliches Wachstum setzen, darauf, dass du ebenso eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter wird, mit der gleichen Freude, dem gleichen Spaß und der nötigen Zielstrebigkeit, damit es unseren Pflege- und Hilfsbedürftigen gut geht.

Komm zu uns, melde dich, und wir reden über das, was du vorhast, wie wir gut zusammenarbeiten können.

Kontakt am besten unter: 0172- 749 55 06

Und noch eines:

Willst du wissen, wie unsere Geschäftsführerin tickt, was ihr wichtig ist?

Dann lies das Interview auf dem Portal mit ihr:

http://uwemuellererzaehlt.de/2017/02/28/interview-mit-susanne-rosenberger/

Kontakt:
Pflegedienst S. Rosenberger
Tagespflege am Nordbad
Sünderlingstr. 53
44581 Castrop – Rauxel
Tel. 02305/5310030
Fax: 02305/5310031
E-Mail: info@pflegedienst-rosenberger.de
www.pflegedienst-rosenberger.de

Bürozeiten:
Mo-Fr 08.30 bis 16 Uhr
Telefon: 02305 – 53 100 30
24 Rufbereitschaft: 0172 – 749 55 25
Tagespflege am Nordbad
Sünderlingstraße 23
44 581 Castrop-Rauxel

 

 

 

 

 

 

Peter kommt nicht zum Luft holen

„Anna ist dement – Teil 18“

Kaum hat er verdaut, was ihm sein Vater, Manfred Gerber, wieder an Vorhaltungen gemacht hat, da meldet sich Anna Sturm. Sie meldet sich nicht bei ihm, das muss er schon zugestehen. Peter verfolgt die Gespräche zwischen Anna und Klara im Hintergrund. Er wertet, analysiert und gibt Hinweise. Bis er immer zu dem gleichen Punkt kommt und zu Klara sagt: „Ich weiß auch nicht, wie wir mit einem Menschen, der Demenz hat, uns sehr nahesteht, umgehen sollen.“ Er will damit Klara zeigen, dass er sich nicht mit abgehobenen Ratschlägen einmischen will. Trotzdem sagte er zu Klara vor einigen Tagen folgenden Satz: „Ich mache mir Sorgen um Lukas. Der leidet unter all dem und hat keinen Menschen, dem er sich anvertrauen kann. Er frisst alles in sich hinein und das ist nicht gut.“ Lukas ist der Sohn von Anna. Er wohnt ebenfalls in Stralsund. Er hat ein Haus und arbeitet viel. Vor einigen Tagen rief ihn Anna an: „Du musst sofort zu mir kommen. Es ist alles so furchtbar. Ich habe wieder ein Paket bekommen und ich weiß nicht, was das soll.“ „Mutti, ich komme gleich“, sagte daraufhin Lukas. Als er Anna eintraf und er das Paket öffnete, traute er seinen Augen nicht. Es lagen Kataloge darin. Nicht mehr. Anna sollte natürlich wieder bestellen, so jedenfalls das Schreiben, das wie folgt begann: „Liebe Frau Sturm, lehnen Sie sich entspannt in Ihrem Stuhl zurück und genießen Sie den Ausblick auf eine wunderbare Kleidung, die Ihnen den Herbst versüßen wird.“ Eine harmlose Sache also. Doch Anna hatte daraus einen Staatsakt gemacht. Lukas wusste nicht, was er sagen sollte. „Schmeiß das doch einfach weg, Mutti“, meinte er schließlich. „Nein, wo denkst du hin, ich muss antworten, was sollen die von mir denken!“, entgegnete Anna entrüstet. Sie zog dabei einen Mund, als würde draußen gleich eine öffentliche Hinrichtung stattfinden, oder aber das Haus einstürzen. Nicht gering jedenfalls. Lukas war verzweifelt. Er nahm schließlich das Paket mit und entsorgte es in der Papiertonne. Zu Hause angekommen, hockte er sich auf einen Stuhl. Er spürte sein Herz schlagen. Erst vor kurzem waren ihm zwei Stents eingesetzt worden. Was sollte er nur tun. Er griff zum Hörer und wählte die Nummer von Klara.

Anna kann sich nicht an das kauende Kamel erinnern

Anna ist dement (15)

„Stell dir vor, Mutti wusste heute nicht mehr, dass sie gestern Gundula und ihren Mann zu Besuch hatte!“
Klara war empört und traurig zugleich.
„Wer ist Gundula?“, fragte Peter.
„Da haben wir gerade vor einer Stunde drüber gesprochen – Gunduuulahh aus Stuttgart!“
„Ach ja, Gundula, das kauende Kamel, ich erinnere mich. Ich dachte jetzt auch schon, bei mir fängt es an mit der Vergesslichkeit.“
„Ja, nicht nur mit der Vergesslichkeit, auch mit deinen Ohren. Also sei schön still.“
„Ich sag ja gar nichts mehr“, beschwichtigte Peter.
„Aber du musst doch zugeben, wenn Gundula den Mund öffnet und lacht, dann sieht sie aus wie ein Kamel, das die Zähne bleckt“, setzte Peter nach.
Klara antwortete darauf nicht. Ein Zeichen, dass sie es irgendwie satt hatte, mit den Spötteleien. Aber Peter setzte noch einen drauf.
„Ich denke, es war sooooh schön mit dem Kaffee trinken?“
„War es bestimmt auch. Nur Mutti weiß nichts mehr.“
„Und wie kommst du darauf, dass sich Anna nicht mehr erinnert?“
„Mutti sagte am Telefon, sie verstehe nicht, warum sich Gundula nicht bei ihr meldet.“
Jetzt schwieg Peter. Es war schon traurig und ein sicheres Zeichen, dass die Krankheit bei Anna weiter fortschritt.

© Uwe Müller

Anna ist dement (14)

Klara kommt zurück aus Stralsund

Klara saß im Zug zurück nach Berlin. Sie war froh, dass sie abends wieder in ihrem Bett liegen konnte.
„Ich bin im letzten Waggon“, flötete Klara fröhlich durchs Telefon.
„Ist gut“, brummte Peter. Er war schon auf dem Weg nach Bernau zum Bahnhof. Von dort aus war es am bequemsten, mit dem Auto nach Hause zu fahren.
„Laura kommt auch. Sie ist schon unterwegs hierher“, sagte Peter noch.
„Ach, das ist ja schön“, erwiderte Klara.
„Oh Gott, haben wir denn genug eingekauft?“, fragte Klara gleich weiter.
„Du kannst alle Nachbarn am Wochenende einladen. Wir haben genug im Kühlschrank“, antwortete Peter.
„Na gut, dann bis gleich.“
Peter drückte auf den Telefonknopf im Auto und bog in die Straße zum Bahnhof ein. Er fand schnell einen Parkplatz, stieg aus und überlegte kurz, ob er einen Parkschein lösen sollte.
Er ließ es und ging das Risiko ein, dass er erwischt wurde.
Peter schlenderte auf das Bahnhofsgebäude zu. Es dauerte nicht lange und Laura begrüßte ihn freudig. Sie war für ihn wie aus dem Nichts gekommen.
Aber Peter hatte wie immer die Orientierung verloren, was die Bahnsteige anbetraf, auf denen die S-Bahnen einfuhren. Dabei gab es nur einen, der dafür vorgesehen war.
Peter konnte auch keinen Fahrschein allein lösen. Er fuhr nur mit dem Auto. Und wollte er dann mal ein Ticket selbst kaufen, dann dauerte es Klara und Laura meist zu lange, bis er begriffen hatte, wie das mit dem Fahrscheinautomaten lief. Peter stellte sich gern dumm. Es half ihm.
Aber wehe, wenn er mal allein dastand und es schnell gehen musste.
Peter wusste auch nicht, wie die Waschmaschine anging.
Ein Frevel, wie er selber fand. „Was ist nur, wenn ich krank bin“, sagte einmal Karla. „Ja, dann haben wir ein Problem mit der Waschmaschine“, antwortete Peter.
Er konnte es nicht lassen, Klara oder Laura zu ärgern oder auch beide.
„Das sollte doch eine Überraschung sein“, Papa. Laura hatte ihn aus seinen Gedanken gerissen.
„Ist es ja auch. Jetzt kann Mama sich ein wenig von dem Schrecken erholen und ist darauf eingerichtet“, scherzte Peter.
Laura und Peter stiegen fröhlich die Treppen zum Bahnsteig hinauf.
Peter schnaufte und war froh, dass er die letzte Stufe nehmen konnte. „Lass uns da hinsetzen“, sagte Laura und zeigte auf eine freie Bank, die mit ihrem silbernen Metall in der Sonne glänzte.
Sie saßen kaum, da bewegte sich ein Bettler auf sie zu. Ein Rumäne, vermutete Peter. Der Mann schlurfte an sie heran und schüttelte seinen Becher. Ein Coffee-to-Go – Becher. Wenigstens ist das jetzt ein Mehrweggefäß, dachte Peter bei sich. Der junge Mann schüttelte den Becher und schaute wie ein Hund, der um eine leckere Wurst bettelte. Aber Laura und Peter blieben hart. Irgendetwas stimmte mit dem Mann nicht.
Er zog unverrichteter Weise wieder ab und setzte sich auf die Bank, die hinter Laura und Peter befestigt war.
Peter fühlte sich unbehaglich. Zuviel hatte er schon von den Taschendiebstählen gehört. Doch dieser junge Mann schien nichts Derartiges im Schilde zu führen.
Der lümmelte sich auf die Bank, krachte die Beine mit den dreckigen Schuhen darauf und begann Musik abzuspielen. Nicht leise. Nein, er drehte die Musik auf, dass sie unter dem Hallendach stark widerhallte. Ein Gemisch aus orientalischer Tönen und anderen nicht näher zu bestimmenden Rhythmen drang zu den beiden rüber. Peter drehte sich um. Der junge Mann schaute ihn provozierend an. Na gut, dachte Peter bei sich. Er hat kein Geld bekommen. Dann soll er die Musik dudeln. Eine Ansage kam durch den Lautsprecher: „Bitte Vorsicht an den Bahnsteigen, zwei durchfahrende Züge.“ Es vergingen Sekunden und aus der einen Richtung rauschte der Zug heran. Die Güterwagen rumpelten und schepperten, als würden sie gleich aus den Schienen springen.
Da war die Musik von nebenan ein Ohrenschmaus gegen den Höllenlärm. Jetzt donnerte der Zug aus der anderen Richtung über die Schienen. Wieder hatte Peter das Gefühl, die Waggons brechen gleich durch in die untere Bahnhofshalle hinein, so einen Lärm machten sie. Endlich Stille. Leise Musik drang an Peters Ohren – es war immer noch die gleiche aus dem Player des jungen Mannes.
Endlich. Der Zug aus Stralsund lief ein. Klara stieg aus und freute sich, dass Laura auch auf dem Bahnhof war.
„Und, was sagt Anna?“ Peter schaute Klara an.
„Ach, lass uns doch erst einmal nach Hause fahren.“
Klara mochte jetzt nicht darüber reden. Peter konnte das verstehen.
Sie stiegen ins Auto und fuhren nach Hause. Alle freuten sich auf ein paar schöne Tage zu Pfingsten. Es war ja genug Zeit, über alles zu sprechen.
„Ach übrigens, Gundula und ihr Mann besuchen heute Anna.“
„Wer?“
„Na Gundula und Hans – Georg“, sagte Klara.
„Ach du meinst das kauende Kamel?“, fragte Peter.
Peter nannte Gundula so. Irgendwie waren sie mal darauf gekommen. Gundula hatte ein großes Gesicht und noch größere Zähne. „Ich finde das nicht schön, dass du so etwas sagst.“
„Du hast Recht“, antwortete Peter, denn Gundula war ein herzensguter Mensch. Nur ein wenig sparsam. Aber das konnte ja nie verkehrt sein. Schließlich waren sie Schwaben. Aber das war wieder ein anderes Feld.

© Uwe Müller

 

 

 

Anna ist dement (13)

Peter ist allein

Peter war nicht mitgefahren zu Dr. Silberfisch nach Stralsund. Er konnte  nicht von seinem Schreibtisch weg. Er wollte noch einige Artikel fertigstellen. Trotzdem: Er war es nicht gewohnt, allein zu sein. Dann musste  er ja alles selber machen – das Frühstück, abwaschen und was eben sonst noch so im Haushalt anfiel.
Peter war nicht faul. Er schrieb, arbeitete ununterbrochen. Na gut, auf jeden Fall fühlte es sich so für ihn an. Und wenn er jetzt vor dem Schreiben noch etwas tat, was körperlich anstrengend war, so fiel er danach erschöpft auf seinen Schreibtischstuhl und mochte nicht mehr arbeiten.
Die Kreativität ist dann weg, bildete er sich ein. Er pflanzte sich in dem Fall schon lieber vor den Fernseher, sah sich eine Talkshow an und fluchte über die,  die meinten, das Leben, die Politik und die Menschen zu verstehen.
„Du kannst aufhören, in den Fernseher hineinzureden, denn dich hört keiner“, pflegte Klara zu sagen, wenn sie zufällig dabei war.
Heute musste Peter eine Entscheidung treffen – gleich an den Schreibtisch oder zuerst die ungeliebten Arbeiten im Haus?
Peter gab sich einen Ruck. Er ging in den Garten, holte den Rasenmäher heraus und wollte Klara mit einem frisch gemähten Rasenstück überraschen. Also rollte er das Kabel von der Trommel und steckte den Stecker in die Steckdose am Rasenmäher. So, jetzt konnte es ja gleich losgehen. Doch es bewegte sich nichts. Peter schlurfte in den Schuppen und schaute, ob er dort einen Schalter umlegen musste. Er probierte es und knipste den Hebel auf die andere Seite. Aber jetzt. Peter ging schwungvoll zurück. Er drückte auf den Knopf am Mäher. Wieder nichts.
Hatte er etwa den falschen Hebel umgelegt? Davon waren ja zwei  an der Steckdose. Peter probierte es noch einmal. Wieder nichts. Verdammt, Klara hatte bestimmt irgendeinen Trick, den sie ihm nicht verraten hatte.
Eigentlich wollte Klara gar nicht, dass Peter den Rasen quälte. Er mähte ihr immer zu viel vom Rasen weg, und außerdem mussten auch ein paar Blumen daran glauben, wenn er sich ans Werk machte. Aber das kam ja nicht allzu oft vor. Peter kam nicht weiter, der Mäher sprang nicht an, obwohl er nun schon gefühlt einen kleinen Marathon zurückgelegt hatte – zwischen der Steckdose im Schuppen und dem Rasenmäher.
Peter überlegte. Kurzerhand schloss er die Wohnungstür auf, schleifte das Kabel hinter sich her und steckte es in die Steckdose im Gäste–WC.  Die Kabeltrommel platzierte er im Waschbecken. Klara sah das ja nicht.  Der Mäher sprang sofort an und schnurrte. Peter konnte beginnen. Doch dann sah er die beiden Liegestühle. Verdammt, die mussten auch noch beiseite geräumt werden. Schließlich kam er vorwärts und mähte entschlossen Streifen für Streifen. Als er an den Kirschbaum kam, stieß er sich den Kopf und fluchte.  Er hatte  sich das nicht so vorgestellt. Eine kleine Rasenfläche und tausend Hindernisse. Peter vergaß, die Fläche hinter dem Baum zu mähen. Er stellte die Liegestühle wieder an ihren Platz und begutachtete sein Meisterwerk.
Jetzt bemerkte er es: Er hatte eine kleine Ecke vergessen. Das Stück genau hinter dem Baum. Aber nun war der Mäher schon weggestellt, das Kabel aufgerollt. Das ist nicht so schlimm, sagte sich Peter. Aber es ärgerte ihn trotzdem.
Abends rief Klara an. „Na, wie hast du den Tag verbracht?“
„Och, ich habe den Rasen gemäht.“
„Was, das solltest du doch gar nicht!“ „Und ich dachte, du freust dich.“
„Ja, ich freue mich schon“, lenkte Klara ein.
„Aber, sag mal“, fragte Peter, „wo ist der Hebel für den Strom?“
„Welcher Hebel und welcher Strom?“ „Na, damit der Mäher anspringt, wenn ich das Kabel in die Steckdose am Schuppen stecke.“
„Da musst du im Wohnzimmer, hinter der Gardine den einen Schalter anmachen. Dann geht es.“
„Stimmt ja“. Jetzt ärgerte sich Peter, dass er nicht allein darauf gekommen war. „Und wie war es bei Dr. Silberfisch?“
„Das erzähle ich dir morgen.

© Uwe Müller

Anna ist dement (12)

Bei Dr. Silberfisch

Klara ist nach Stralsund gefahren. Ihr hat es keine Ruhe gelassen damit, wie sie weiter mit Anna umgehen soll. Sie hat einen Termin bei Dr. Silberfisch, gemeinsam mit ihrem Bruder Lukas.
„Ich habe es auch schon bemerkt, dass Ihre Mutter nicht immer mehr auf der gedanklichen Höhe ist.“
Ja, da hatte er recht. Klara fährt fort: „Herr Doktor, Sie müssen vielleicht ein paar Dinge wissen, die für uns eindeutige Zeichen einer beginnenden Demenz sind.“
„Was meinen Sie genau?“, hakt Dr. Silberfisch nach.
„Da war die Sache mit der Bank. Meine Mutter ist dort über Jahrzehnte Kundin. Eigentlich schon zu Zeiten der DDR. Nur dass die Bank damals anders hieß und eine andere war.“
Dr. Silberfisch schaut sie schweigend an. Man merkt ihm an, dass er sich auf das konzentriert, was nun kommt.
„Also um es kurz zu machen – meine Mutter hatte sich nach einer Beratung damit einverstanden erklärt, dass ihr gesamtes Erspartes in verschiedenen Fonds angelegt wird; insgesamt mehrere Tausend Euro.“
„Wirklich?“ „Ja, wirklich.“
„Können Sie sich vorstellen, wie geschockt wir waren?“
„Ja, durchaus.“ „Aber wie haben das denn die Berater angestellt?“
„Herr Doktor“, Klara blickt den Arzt fest an, „können Sie sich vorstellen, wie sich ein älterer Mensch fühlt, dem eine Mitarbeiterin mit Entschlossenheit einen Fonds verkauft, und sie zudem versichert, dass es das Beste für meine Mutter sei, was sie mit Geld anstellen könnte?“
„Ja, schon. Ich kann mir das vorstellen. Aber da gibt es doch eine ethische Komponente.“
„Sehen Sie Herr Doktor, da sind wir ganz einer Meinung. Aber meiner Mutter haben sie gesagt, dass es für eine große und auch ziemlich sichere Sache sei, wenn sie das Geld in verschiedene Aktien – und Immobilienfonds geben.“
„Was hat denn Ihre Mutter geantwortet?“
Sie meinte: „Na gut, dann machen Sie das.“
Und während die Mitarbeiterin die Anträge ausfüllte, da hat meine Mutter ihr erzählt, dass ihr Vater früher in der gleichen Bank gearbeitet hätte, und  sie wüsste, was für eine schwere Arbeit die Mitarbeiterin jetzt  beim Ausfüllen der Anträge leisten müsste.“
Dr. Silberfisch sagte nichts. Er war sprachlos.

Annas Erinnerungen (2)

Annas 80. Geburtstag
© Kristina Müller

Annas Aufregung am heutigen Tage rührte vor allem von der Besonderheit des Tages her. Kein Tag wie jeder andere – selbstverständlich. Immerhin würde sie heute ihren achtzigsten Geburtstag feiern. Dementsprechend stand sie früh auf und konnte es kaum erwarten, dass Klara und Peter sie abholen würden. Ihre liebste Tochter hatte Brunch und Essen in einem hübschen Café mit Blick auf den Strelasund organisiert. Schon vor Wochen war Anna zur Bank gegangen, um das benötigte Geld abzuholen, welches seitdem in einen Umschlag gebettet in ihrer Nachttischschublade ruhte. Ein Blick zur Uhr zeigte ihr, dass sie wohl doch zu früh dran war. Klara und Peter würden frühestens eine Stunde vor Beginn der Feier, die um 11 Uhr sein sollte, bei ihr sein. Anna seufzte und warf einen Blick aus dem Fenster auf das in der Sonne glitzernde Wasser.
Der 22.04.1937 war ein Donnerstag und alles andere als so sonnig wie heute. Den ganzen Tag war es bewölkt und immer wieder gingen Regenschauer über der Stadt nieder. Ihre Mutter Heide lag schon seit der Nacht in den Wehen. Ihr Vater, Alfred Roth, so aufregend es auch sein mochte, war wie jeden Tag zur Arbeit in die Bank gegangen. Ihr Großvater und ihr Onkel Gottfried befanden sich wahrscheinlich irgendwo auf dem Meer, um die Netze einzuholen. So blieb lediglich Öming, die Heide zur Seite stand. Zwar besaß Heide noch eine Schwester, doch diese saß aufgrund einer Behinderung meist nur stumm in ihrem Sessel und beobachtete das Treiben um sich herum. Heide störte es nicht, dass nur ihre Mutter helfen konnte. Zur damaligen Zeit war es nichts Ungewöhnliches, sein Kind im eigenen Bett zu gebären. Öming selbst hatte drei Kinder so zur Welt gebracht und wusste, was zu tun war. Als es zum kritischen Punkt kam, standen schon eine Schüssel mit heißem Wasser, Handtücher und was man sonst so brauchen würde bereit. Der Regen peitschte gerade heftig gegen das Fenster, als Annas erster Schrei durch Ömings Haus hallte.
Nachdem das kleine Baby von seiner Großmutter gewaschen und angekleidet worden war, schickte diese sich an, Alfred und ihren Mann zu informieren. Alfred, dessen Chef bereits von der bevorstehenden Geburt informiert war, durfte seinen Posten hinter dem Bankschalter verlassen und eilte schnell nach Hause, um seine neugeborene Tochter zu bestaunen. Währenddessen ging Öming weiter in den Hafen, in der Hoffnung Gottfried und ihren Mann schon zurück zu sehen und ihnen die freudige Botschaft überbringen zu können.
Aufgeregt betrat Alfred das kleine Schlafgemach seiner Frau und sich. Heide lag dösend im Bett und öffnete träge die Augen, als sie das Knarren der Dielen hörte. Ihre Hand ruhte auf dem Bauch ihrer Tochter, die in einem Korb neben dem Bett lag und ebenfalls schlummerte. Leise trat der frischgebackene Vater näher und betrachte das kleine Bündel Leben, welches seine Heide und er zustande gebracht hatten. Wenig später kamen auch Öming, ihr Mann und Gottfried nach Hause, gespannt die kleine Anna kennen zu lernen. Zur Feier des Tages entschied Öming noch Kuchen zu backen.
So erinnerte sich Anna an die Erzählungen ihrer Eltern und Großeltern, wie es am Tag ihrer Geburt war, während sie zum Zeitvertreib in ihren alten Fotoalben blätterte. Sie liebte die alten Alben und hegte selber auch viele solcher, die die letzten Jahrzehnte ihres Lebens dokumentierten. Fein säuberlich im Schrank eingeordnet, die Jahreszahlen darauf vermerkt, konnte sie so auf viele Ereignisse zurückschauen. Auch heute würde sicher jemand Fotos machen, die weitere Seiten in ihrem Alben füllen würden. Immerhin waren achtzig Lebensjahre ein guter Grund zu feiern und zu fotografieren.

Uwe Müller

 

Anna ist dement (11)

Das Geld ist verschwunden

„Mutti, du musst jetzt irgendwann in der Bank gewesen sein. Im letzten Monat waren doch noch 53.000 Euro auf dem Sparbuch. Also muss irgendwo das übrige Geld sein, oder?“
Klara war entsetzt: „Mutti, bitte denk‘ jetzt nach. Hast du in der Bank mit jemandem darüber gesprochen?“
„Ja, ich habe mit der netten Frau von der Bank gesprochen. Sie war wirklich nett, Klara.“
„Ja, Mutti, was hast du denn mit ihr besprochen?“
„Ach, ich weiß das nicht mehr. Das ist aber auch ein Scheiß.“
„Mutti, du musst doch wissen, was du in der Bank getan oder besprochen hast, mit der so netten Mitarbeiterin!“
Anna bekam den beißenden Spott nicht mehr mit. Sie war jetzt völlig durcheinander.  Sie sprang auf, rannte in das andere Zimmer. Da, wo ihre anderen Unterlagen lagen.

„Mutti, jetzt bleib‘ doch mal hier. Es ist doch furchtbar, wenn du nicht mal eine Minute still sitzen kannst.“ Klara fühlte, dass es falsch war, jetzt so mit ihrer Mutter zu reden. Aber sie war einfach empört, über das, was ihre Mutter angestellt hatte, oder dass sie zuließ, dass man mit ihr etwas so Gemeines anstellen konnte.
Sie war wütend zugleich darüber, dass eine Bankmitarbeiterin es geschafft hatte, ihrer Mutter diesen Wahnsinn aufzuschwatzen. Klara hoffte, das Geld wäre wenigstens in halbwegs soldie Finanzanlagen gesteckt worden – und nicht, wie sie befürchtete,   bereits gänzlich verloren sei.

© Uwe Müller

Anna ist dement (10)

Nur noch 3000 Euro auf dem Sparkassenbuch

„Wollen wir die Umstellung beantragen?“ Die Postangestellte reißt Klara aus ihren Gedanken.
„Ja, wir machen das“, sagt Klara.
Während die Mitarbeiterin den Antrag vorbereitet, denkt Klara an den Anfang des Jahres zurück.
Klara war bei Anna zu Besuch in Stralsund. Sie saßen beide abends vor dem Fernsehapparat. Anna war unruhig.
Sie schoss förmlich aus dem Sessel heraus und fiel fast in die Anbauwand, so viel Schwung hatte sie genommen.
„Mutti, bleib doch mal sitzen. Ich kriege gar nichts vom Film mit.“
„Ja, weißt du Klara, ich will dir nur was zeigen.“
Sie kramte in einer kleinen Schublade, in der sie alles Mögliche verstaut hatte.
Jetzt holte sie ein kleines Fotoalbum heraus, setzte sich wieder auf ihren Platz und fing an, darin zu blättern.
„Klara, schau mal, hier bist du noch ganz klein.“
„Ja, Mutti“, quälte Klara mühsam hervor. Klara kannte alle Bilder.
Sie hatte sie schon sooft ansehen müssen, dass sie sogar wusste, in welcher Reihenfolge die Bilder eingeklebt waren.
„Ich lege jetzt mal das Fotoalbum zurück und wir schauen uns das Ganze morgen noch einmal in Ruhe an.“
Anna antwortete nicht. Ihre Mundwinkel waren heruntergezogen.
Sie konnte Klara nicht verstehen.
Am nächsten Morgen ging Klara an die Schublade.
„Suchst du das Fotoalbum?“
„Nein, Mutti, ich suche dein Sparkassenbuch.“
„Warum?“
„Weil ich schauen will, ob alles in Ordnung ist.“
„Natürlich ist alles in Ordnung.“
Klara antwortete nicht. Sie zog das Sparbuch heraus und blätterte auf die letzte Seite.
„Hier stehen ja nur 3000 Euro, Mutti. Hast du etwas abgehoben?“
„Nein, ich habe nichts abgehoben!“

„Aber Mutti, hier waren über 50.000 Euro drauf. Das weiß ich genau.“ Klara schaute ihre Mutter an.
„Ja, ich weiß auch nicht“, antwortete Anna und blickte Klara fragend und zugleich ratlos an. „So, jetzt können Sie hier den Antrag unterschreiben. Die Umstellung der Post läuft dann für ein halbes Jahr“, die Schalterangestellte rief Klara in die Gegenwart zurück.
Klara war wieder aus dem Postamt raus. Sie musste an den Ärger denken, der mit dem Sparbuch verbunden war.

 

 

Anna im Hafen

© Kristina Müller

Anna saß auf einer Bank im Hafen und schaute Gedanken verloren auf die Schiffe, die träge auf dem Wasser schaukelten. Touristen in kurzen Hosen, Röcken und T-Shirts liefen an ihr vorbei und machten hier und dort ein Foto, während andere sich an einem der letzten Kutter ein Fischbrötchen holten. Hier am Wasser war es bei der Hitze noch am ehesten auszuhalten, da immer etwas Wind ging. Doch Anna beachtete die vielen Menschen gar nicht. Sie schwelgte in Erinnerungen an ihre Kindheit, als es hier noch viele Kutter und kleine Fischerboote gab, die früh morgens auf die Ostsee schipperten und mit mehr und manchmal weniger Beute zurückkehrten. Ihr Stiefvater Wolf und ihr Onkel Gottfried waren Fischer. Auf dem Hof ihres Onkels und ihrer Großmutter, nur Öming genannt, war Anna aufgewachsen und spielte oft in dem alten Schuppen, wo Gottfried die Netze für die Ausfahrten aufbewahrte. Sie erinnerte sich zu genau an den Geruch und ein zufriedenes Lächeln umspielte ihre Lippen. Ihre Mutter Heide und Öming saßen im Hof an eben solchen warmen Sommertagen wie heute und nahmen die Fische aus, welche nicht in den direkten Verkauf gingen. Allein für den Zweck gab es einen Tisch, der nach all den Jahren auch nach gründlicher Reinigung immer wieder Spuren von Blut und Schuppen aufwies. Andere Kinder hätte solch ein Anblick vielleicht verstört, aber Anna war so aufgewachsen und daher behielt sie solche Details in guter Erinnerung. Sie hatte trotz Kriegszeiten und dem Weggang ihres Vaters eine wirklich schöne Kindheit ohne viele Sorgen verbracht, an die sie zu gern zurück dachte. Sie seufzte leicht und ließ den Blick wandern, ehe er an einem Eisverkäufer hängen blieb. Sie nickte innerlich und erhob sich von ihrem Ausguck. Langsam ging sie zu dem Stand und ließ sich ein Leckeis, wie sie es nannte, geben. So konnte sie der Hitze wenigstens etwas entgegen wirken, ehe der kalte Ostwind in ein paar Monaten wieder Schnee und Eis in den Hafen wehte.

Copyright Kristina Müller
Anna ist Dement
Copyright Kristina Müller