Archiv der Kategorie: KOLUMNE

Sachbeiträge

ALLTÄGLICHES (2)

REDAKTIONSPLAN WIEDER EINMAL UMGESTOSSEN

Je mehr ich schreibe, desto intensiver denke ich zugleich darüber nach, in welcher Reihenfolge ich die einzelnen Themenfelder am besten bearbeite und die entsprechenden Artikel danach veröffentliche.

Ich möchte, dass diejenigen, die regelmäßig bei mir auf den Blog schauen auch wissen, was sie täglich erwartet.
Und vielleicht interessiert den einen Leser mehr das Alltägliche, einen anderen wiederum, wie ich mich beim Abnehmen quäle.

Die wenigsten werden alles lesen wollen, manch einer möchte vielleicht gar nichts mehr lesen, wenn er meine Texte studiert hat. Das ist das Leben.

Und so soll es ab jetzt sein:
montags ist Alltägliches dran; kleine Erzählungen aus dem Alltag, was mir durch den Kopf geht, was ich sehe und erlebe;

dienstags schreibe ich über meine Quälerei, um 50 Kilo abzunehmen;
Halleluja, das bleibt spannend, zumindest für mich;

mittwochs ist eine Familiengeschichte am Start; ich erzähle in kleinen Häppchen darüber, was passiert, wenn Familienangehörige von Demenz betroffen sind, wie das Leben trotzdem nicht nur von Kummer und Leid geprägt ist, sondern auch von Humor.


donnerstags lasse ich mich im Schreib-Alltag über meine Erfahrungen aus, wenn ich den Stift in die Hand nehme, auf die Tastatur der Schreibmaschine haue oder eben gleich meine Ideen und Phantasien über die Computertastatur eingebe, welches Handwerkzeug ich für meine Erzählungen benötige;

freitags gibt Jeepy in Form von kleinen Geschichten sein Bestes,

und samstags und sonntags halte ich die Füße hoch.
Und danach geht alles wieder von vorn los mit meinem Freund, dem Alltag.

SCHREIB – ALLTAG (3)

WIEVIEL EIGENE SCHWÄCHE SOLL ICH PREISGEBEN?

Ich schreibe über den Alltag so, wie ich ihn erlebe, ihn persönlich wahrnehme.

Das kann ich am besten, indem ich aus der Ich-Perspektive erzähle.
Ich schreibe dabei nicht nur über dritte Personen, nein, ich schließe mich in diese Erzählungen mit als Person ein, schreibe also auch über mich selbst.

Doch wer schreibt schon gern über seine eigenen Schwächen? Wohl kaum jemand.
Trotzdem glaube ich, dass es richtig ist, dem Leser nicht irgendetwas zu suggerieren, was im realen Leben, im Alltagsgeschehen auch nicht so stattfindet.

Klar: Wenn ich eine Alltagsgeschichte über Protagonisten schreibe, die ich selbst erschaffen habe, so ist das noch wieder etwas Anderes. Da kann ich übertreiben, weglassen und den Figuren bestimmte Stärken andichten.

Wenn ich aber über mich selbst schreibe, dann fühle ich mich am wohlsten, wenn ich sehr nahe an der Realität bin.
Ich fahre zum Beispiel tatsächlich ins Fitnessstudio und trainiere dort, um meinen Bauch wegzubekommen, das Gewicht zu reduzieren und ich mache meine Anstrengungen wiederum zunichte, weil ich manchmal am Wochenende über die Stränge schlage, konkreter: mir den Bauch voll haue.

Soll ich das weg lassen? Könnte ich.
Aber ich glaube fest daran, dass es authentischer ist, wenn ich die ganze Wahrheit schreibe. Das heißt nicht, dass ich alles schreibe. Nein, das nicht.

Was ich sagen will: Meine Schreibkraft oder besser, meine Schreiblust beruht entscheidend darauf, dass ich mich selbst mit meinen Schwächen ‚auf den Arm‘ nehmen kann.

SCHREIB – ALLTAG (2)

WARUM GESCHICHTEN ÜBER DEN ALLTAG SCHREIBEN?

Es spricht einiges dafür: Ich kann Menschen in alltäglichen Situationen beobachten, ich bin an wechselnden Schauplätzen, es gibt stets neue Ausgangssituationen, und ich schreibe zu vielfältigen, sich abwechselnden Themen.

Manchmal fragt mich meine Frau, warum ich mir das alles antue. Eine richtige schlüssige Antwort kann ich ihr darauf nicht geben. Seitdem ich Rentner bin, lasse ich mich noch intensiver auf meinen Schreib-Alltag ein.

Natürlich fahre ich beispielsweise nicht zuerst ins Fitness-Center, um Menschen beim Training zuzusehen und anschließend darüber zu schreiben, sondern um selber Sport zu treiben, fit zu bleiben.

Aber ich beobachte auch, was um mich herum vorgeht.

Warum zum Beispiel die Leute an solchen Orten kaum miteinander reden, und ich dann dieses ungeschriebene Gesetz des ‚nicht miteinander Redens‘ durchbreche, jemanden gerade darum anspreche und genau darüber anschließend berichte.

Was könnten nun Leser daran interessant finden? Ich kenne natürlich nicht die genauen Motive jedes Lesers.

Jedoch glaube ich fest daran, dass jeder von uns bestimmte eigene Erlebnisse in Alltagssituationen wiedererkennt und sich freut, dass es anderen genauso ergangen ist.

Manch einer will vielleicht auch nur unterhalten werden, für einen Moment aus seiner Realität aussteigen und in den Alltag des Erzählers eintauchen.

Für mich als Autor ist es eine spannende Sache, wenn ich mich in meine Gedankenwelt begebe und sie abgleiche mit dem, was ich gerade erlebt und gesehen habe.

Ich denke, wir alle können mehr glücksbringende Momente in alltäglichen Situationen entdecken, als wir für möglich halten.

Mark Twain war es wohl, der sinngemäß formulierte, dass es vor allem zwei Tage im Leben eines Menschen sind, die für ihn eine Bedeutung haben – nämlich der Tag der Geburt und der Tag, an dem er weiß, warum er auf der Welt ist.

Jeder wird diese Frage anders beantworten. Ich denke, dass dies die wirklichen mentalen Anker im Leben sind.

Ich habe lange Zeit gedacht, dass ich einiges vollbracht habe, weil ich intensiv studiert habe, um mir möglichst viel Wissen anzueignen.

Dann kam die Wende und ich hatte das Gefühl, ich stünde beruflich vor dem Nichts.

Und wieder versuchte ich, meinem Leben einen neuen Sinn zu geben, Anerkennung durch Leistungen in einer neuen, anderen Welt zu bekommen.

Wirklich glücklich bin ich aber erst, seitdem ich erkannt habe, dass ich mich selbst so nehmen muss, wie ich bin und ich Kraft aus meiner neuen Gelassenheit ziehe.

Hat das was mit dem Alter zu tun?

Ich glaube schon.

Und mit dieser inneren Ruhe ziehe ich in meine neuen Abenteuer, gemeinsam mit meinem besten Freund, dem Alltag.

SCHREIB – ALLTAG (1)

WARUM AUSGERECHNET GESCHICHTEN ÜBER DEN ALLTAG?

Ich habe in meiner beruflichen Vergangenheit vor allem Texte mit einem wissenschaftlichen oder journalistischen Anspruch verfasst.

Das tue ich heute noch. Aber mehr und mehr erzähle ich Geschichten, mal der Wirklichkeit entnommen und mitunter auch in die literarische Welt gepackt.

Bin ich deshalb ein Schriftsteller?
Nein, ich denke nicht.
Aber ich muss mich natürlich an die Regeln des literarischen Schaffens halten. Ich versuche es jedenfalls.
Das ist für mich wie ein Abenteuer, eine Reise in ein unbekanntes Land.

Ich schreibe darüber, was mir dabei begegnet, was ich lerne, wie ich das Handwerk trainiere und was es mir bringt.

Das Motiv dahinter: Dem Leser Menschen näherzubringen, ihre Konflikte, ihre Hoffnungen, Sehnsüchte und die Schwierigkeiten, die der Alltag immer wieder auftut, jeden Tag aufs Neue.
Mich reizt das Banale, das wir am Tag erleben, eben das, was wir kaum bewusst zur Kenntnis nehmen.

Dabei gibt es viel mehr schöne Dinge als hässliche Erlebnisse im Alltag, humorvolle Episoden, die es lohnt, festzuhalten.
Natürlich sind es die erzählten Geschichten selbst, die den Leser am meisten interessieren.

Doch vielleicht ist es ja auch interessant, quasi den Weg des Schreibens zu dokumentieren – mein handwerkliches Verständnis davon, die Erfolge und Niederlagen, die Fehler und vor allem die Motive, warum ich weitermache.

Schreiben und verwerfen, wieder schreiben, lesen und dann wieder schreiben. Eintönig?
Ja, irgendwie schon. Anstrengend? Und wie.
Aber faszinierend.

MEIN FREUND, DER ALLTAG (60)

RECHERCHE VOR ORT

Ich habe mich entschlossen, am Sonntagvormittag in die Schorfheide zu fahren, bis zum Wildpark. Also dorthin, wo ich die ‚Schatzsuche‘ in der Erzählung von ‚JEEPY‘ enden lassen will.

Natürlich hätte ich das auch so hinbekommen. Aber vor Ort ist alles ein bisschen anschaulicher, authentischer – wie man so schön sagt.
Zum Beispiel ist mir klar geworden, dass ich die Suche nach der Schatzkiste nicht direkt vor dem Eingang zum Wildpark beende, weil dort der Parkplatz ist, und sich zu viele Menschen und Autos hin- und her bewegen.

Ich habe ein Stück entfernt davon einen viel besseren Platz gefunden: In unmittelbarer Nähe steht ein Haus, das gut für die Situationsbeschreibung passt. Es ist verfallen, die Fensterscheiben sind eingeschmissen, die Türen vernagelt. Ein Relikt aus DDR-Zeiten, um das sich offensichtlich niemand mehr kümmert.

Davor findest du dichtes Gestrüpp, wild wachsendes Gras und eine Reihe von Bäumen, Kiefern, dazwischen Birken.
Mittendrin steht ein Holztisch und auf jeder Seite davon jeweils eine Holzbank. Da sind dicke Bohlen zurechtgeschnitten worden. Das alles passt hervorragend dafür, daneben die ‚Schatzkiste zu vergraben‘.

Ich bin noch ein wenig umhergelaufen, habe mir den Wald angesehen, und schließlich bin ich zufrieden in mein Auto gestiegen und zurückgefahren. ‚Jetzt muss ich bloß noch den Text schreiben‘, das dachte ich als ich ins Auto stieg.

Aber ich weiß, das alles braucht noch viel Arbeit. Doch es macht ja auch Spaß. Den Text werde ich am Freitag in dieser Woche veröffentlichen. In diesem Sinne, lieber Alltag, packen wir‘s an.

MEIN FREUND, DER ALLTAG (44)

GLÜCK ENTSTEHT IM KOPF

Ostern ist jetzt schon wieder so weit weg, dass du gar nicht mehr groß daran denken magst.

Wir sind wieder im Alltag angekommen, schlecht gelaunt und finden, dass es Zeit wird für die nächste Auszeit. Die ist ja in Sicht. Morgen haben wir den ersten Mai. Bei der Marine ist das der Tag, an dem du einen weißen Mützenbezug aufsetzt. Das ist mir in Fleisch und Blut übergegangen.

Die Laune bessert sich ein wenig, weil es nun überall grün wird, nicht mehr so düstert aussieht. Ich liege schon wieder zu viel auf der Couch und schaue mir Sendungen an, die ich nicht brauche.

Aber da ist eine Dokumentation, wo ein Reporter ins Outback nach Australien geht, genauer, er fährt mit dem Jeep Richtung Westaustralien. Abends schlägt er ein Zelt auf dem Dach seines Autos auf.

Das gab es zu Ostzeiten auch. Nicht die Reise nach Westaustralien. Nein, nein. Aber jemand hatte erfunden, wie man ein Zelt auf seinem Trabbi aufbauen konnte. Jedenfalls übernachtet der Reporter in seinem Zelt auf dem Auto und wacht am nächsten Morgen auf, sieht in die Ferne und sieht die glutrote Sonne langsam aufsteigen.

Er kocht sich einen Kaffee, sitzt auf seinem Campingstuhl. Kein Mensch in der Nähe. Nur die Sonne, die ihn fasziniert.

Dann sagt er: „Für mich ist das jetzt Glück. Mehr brauch‘ ich nicht.“ Das klang ehrlich. Vielleicht wird ihm der Kameramann, der wahrscheinlich hinter ihm hockt, keinen Kaffee trinken kann und nicht in die Sonne, sondern durch die Linse schauen muss, nicht euphorisch zustimmen.

Aber der Reporter traf ins Schwarze. Er hatte beschlossen, glücklich zu sein, in dem Moment.

Wie viel Energie wenden wir eigentlich am Tag auf, um anderen zu sagen, dass man gar nicht glücklich sein kann.

Ich schwinge mich von der Couch hoch, beschließe es toll zu finden, was ich gerade tue.

Das Schöne daran ist: Du brauchst nicht irgendeinen Luxus-Artikel kaufen. Du musst nicht einmal deinen Kopf drehen. Nur deine Gedanken solltest du etwas steuern. Der Rest kommt von allein. Nicht immer, meistens jedenfalls.

Peter kommt nicht zum Luft holen

„Anna ist dement – Teil 18“

Kaum hat er verdaut, was ihm sein Vater, Manfred Gerber, wieder an Vorhaltungen gemacht hat, da meldet sich Anna Sturm. Sie meldet sich nicht bei ihm, das muss er schon zugestehen. Peter verfolgt die Gespräche zwischen Anna und Klara im Hintergrund. Er wertet, analysiert und gibt Hinweise. Bis er immer zu dem gleichen Punkt kommt und zu Klara sagt: „Ich weiß auch nicht, wie wir mit einem Menschen, der Demenz hat, uns sehr nahesteht, umgehen sollen.“ Er will damit Klara zeigen, dass er sich nicht mit abgehobenen Ratschlägen einmischen will. Trotzdem sagte er zu Klara vor einigen Tagen folgenden Satz: „Ich mache mir Sorgen um Lukas. Der leidet unter all dem und hat keinen Menschen, dem er sich anvertrauen kann. Er frisst alles in sich hinein und das ist nicht gut.“ Lukas ist der Sohn von Anna. Er wohnt ebenfalls in Stralsund. Er hat ein Haus und arbeitet viel. Vor einigen Tagen rief ihn Anna an: „Du musst sofort zu mir kommen. Es ist alles so furchtbar. Ich habe wieder ein Paket bekommen und ich weiß nicht, was das soll.“ „Mutti, ich komme gleich“, sagte daraufhin Lukas. Als er Anna eintraf und er das Paket öffnete, traute er seinen Augen nicht. Es lagen Kataloge darin. Nicht mehr. Anna sollte natürlich wieder bestellen, so jedenfalls das Schreiben, das wie folgt begann: „Liebe Frau Sturm, lehnen Sie sich entspannt in Ihrem Stuhl zurück und genießen Sie den Ausblick auf eine wunderbare Kleidung, die Ihnen den Herbst versüßen wird.“ Eine harmlose Sache also. Doch Anna hatte daraus einen Staatsakt gemacht. Lukas wusste nicht, was er sagen sollte. „Schmeiß das doch einfach weg, Mutti“, meinte er schließlich. „Nein, wo denkst du hin, ich muss antworten, was sollen die von mir denken!“, entgegnete Anna entrüstet. Sie zog dabei einen Mund, als würde draußen gleich eine öffentliche Hinrichtung stattfinden, oder aber das Haus einstürzen. Nicht gering jedenfalls. Lukas war verzweifelt. Er nahm schließlich das Paket mit und entsorgte es in der Papiertonne. Zu Hause angekommen, hockte er sich auf einen Stuhl. Er spürte sein Herz schlagen. Erst vor kurzem waren ihm zwei Stents eingesetzt worden. Was sollte er nur tun. Er griff zum Hörer und wählte die Nummer von Klara.

Fachkräftemangel nimmt Dimension an, die beängstigt

Die Zahlen der Fachkräfteengpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit (BA) im Juni 2017 alarmieren: Die sogenannte durchschnittliche Vakanzzeit für examinierte Altenpflegekräfte beträgt 167 Tage.

Nahezu ein halbes Jahr dauert es, bis eine freie Stelle neu besetzt werden kann. Das liegt mit 67 Prozent über der durchschnittlichen Vakanzzeit, bezogen auf alle Berufe.
32 Arbeitssuchenden stehen im Pflegebereich 100 gemeldete Stellen gegenüber.
Oder in absoluten Zahlen:
Auf 10.100 freie Stellen kommen 3200 Arbeitssuchende.
Nicht gerechnet sind hier die Stellen für Zeitarbeit.
Die Zahlen schrecken auf – angesichts der Tatsache, dass bis 2030 sogar noch über 500.000 Pflegekräfte zusätzlich für den wachsenden Bedarf benötigt werden.

Quelle: 
https://statistik.arbeitsagentur.de/Statischer-Content/Arbeitsmarktberichte/Fachkraeftebedarf-Stellen/Fachkraefte/BA-FK-Engpassanalyse-2017-06.pdf, abgerufen: 14.07.2017, 05.15 Uhr

 

 

Anna kann sich nicht an das kauende Kamel erinnern

Anna ist dement (15)

„Stell dir vor, Mutti wusste heute nicht mehr, dass sie gestern Gundula und ihren Mann zu Besuch hatte!“
Klara war empört und traurig zugleich.
„Wer ist Gundula?“, fragte Peter.
„Da haben wir gerade vor einer Stunde drüber gesprochen – Gunduuulahh aus Stuttgart!“
„Ach ja, Gundula, das kauende Kamel, ich erinnere mich. Ich dachte jetzt auch schon, bei mir fängt es an mit der Vergesslichkeit.“
„Ja, nicht nur mit der Vergesslichkeit, auch mit deinen Ohren. Also sei schön still.“
„Ich sag ja gar nichts mehr“, beschwichtigte Peter.
„Aber du musst doch zugeben, wenn Gundula den Mund öffnet und lacht, dann sieht sie aus wie ein Kamel, das die Zähne bleckt“, setzte Peter nach.
Klara antwortete darauf nicht. Ein Zeichen, dass sie es irgendwie satt hatte, mit den Spötteleien. Aber Peter setzte noch einen drauf.
„Ich denke, es war sooooh schön mit dem Kaffee trinken?“
„War es bestimmt auch. Nur Mutti weiß nichts mehr.“
„Und wie kommst du darauf, dass sich Anna nicht mehr erinnert?“
„Mutti sagte am Telefon, sie verstehe nicht, warum sich Gundula nicht bei ihr meldet.“
Jetzt schwieg Peter. Es war schon traurig und ein sicheres Zeichen, dass die Krankheit bei Anna weiter fortschritt.

© Uwe Müller

ANNA IST DEMENT (16)

KLARA KOMMT AUS STRALSUND

ZURÜCK

Peter ist froh, dass Klara zurück ist und er sich wieder ganz seiner Arbeit widmen kann, ohne zusätzliche Hausarbeiten.

Klara saß im Zug zurück nach Berlin. Sie war froh, dass sie abends wieder in ihrem Bett liegen konnte.

„Ich bin im letzten Waggon“, flötete Klara fröhlich durchs Telefon.
„Ist gut“, brummte Peter. Er war schon auf dem Weg nach Bernau zum Bahnhof. Von dort aus war es am bequemsten, mit dem Auto nach Hause zu fahren.

„Laura kommt auch. Sie ist schon unterwegs hierher“, sagte Peter noch.

„Ach, das ist ja schön“, erwiderte Klara.
„Oh Gott, haben wir denn genug eingekauft?“, fragte Klara gleich weiter.

„Du kannst alle Nachbarn am Wochenende einladen. Wir haben genug im Kühlschrank“, antwortete Peter.

„Na gut, dann bis gleich.“
Peter drückte auf den Telefonknopf im Auto und bog in die Straße zum Bahnhof ein. Er fand schnell einen Parkplatz, stieg aus und überlegte kurz, ob er einen Parkschein lösen sollte.

Er ließ es und ging das Risiko ein, dass er erwischt wurde.
Peter schlenderte auf das Bahnhofsgebäude zu. Es dauerte nicht lange und Laura begrüßte ihn freudig. Sie war für ihn wie aus dem Nichts gekommen.

Aber Peter hatte wie immer die Orientierung verloren, was die Bahnsteige anbetraf, auf denen die S-Bahnen einfuhren. Dabei gab es nur einen, der dafür vorgesehen war.

Peter konnte auch keinen Fahrschein allein lösen. Er fuhr nur mit dem Auto. Und wollte er dann mal ein Ticket selbst kaufen, dann dauerte es Klara und Laura meist zu lange, bis er begriffen hatte, wie das mit dem Fahrscheinautomaten lief. Peter stellte sich gern dumm. Es half ihm.

Aber wehe, wenn er mal allein dastand und es schnell gehen musste.
Peter wusste auch nicht, wie die Waschmaschine anging.

Ein Frevel, wie er selber fand. „Was ist nur, wenn ich krank bin“, sagte einmal Karla. „Ja, dann haben wir ein Problem mit der Waschmaschine“, antwortete Peter.

Er konnte es nicht lassen, Klara oder Laura zu ärgern oder auch beide.

„Das sollte doch eine Überraschung sein“, Papa. Laura hatte ihn aus seinen Gedanken gerissen.

„Ist es ja auch. Jetzt kann Mama sich ein wenig von dem Schrecken erholen und ist darauf eingerichtet“, scherzte Peter.

Laura und Peter stiegen fröhlich die Treppen zum Bahnsteig hinauf.
Peter schnaufte und war froh, dass er die letzte Stufe nehmen konnte.

„Lass uns da hinsetzen“, sagte Laura und zeigte auf eine freie Bank, die mit ihrem silbernen Metall in der Sonne glänzte.
Sie saßen kaum, da bewegte sich ein Bettler auf sie zu.

Ein Rumäne, vermutete Peter. Der Mann schlurfte an sie heran und schüttelte seinen Becher. Ein Coffee-to-Go – Becher. Wenigstens ist das jetzt ein Mehrweggefäß, dachte Peter bei sich.

Der junge Mann schüttelte den Becher und schaute wie ein Hund, der um eine leckere Wurst bettelte. Aber Laura und Peter blieben hart. Irgendetwas stimmte mit dem Mann nicht.

Er zog unverrichteter Weise wieder ab und setzte sich auf die Bank, die hinter Laura und Peter befestigt war.
Peter fühlte sich unbehaglich. Zuviel hatte er schon von den Taschendiebstählen gehört. Doch dieser junge Mann schien nichts Derartiges im Schilde zu führen.

Der lümmelte sich auf die Bank, krachte die Beine mit den dreckigen Schuhen darauf und begann Musik abzuspielen. Nicht leise. Nein, er drehte die Musik auf, dass sie unter dem Hallendach stark widerhallte.

Ein Gemisch aus orientalischer Tönen und anderen nicht näher zu bestimmenden Rhythmen drang zu den beiden rüber. Peter drehte sich um. Der junge Mann schaute ihn provozierend an. Na gut, dachte Peter bei sich.

Er hat kein Geld bekommen. Dann soll er die Musik dudeln. Eine Ansage kam durch den Lautsprecher: „Bitte Vorsicht an den Bahnsteigen, zwei durchfahrende Züge.“

Es vergingen Sekunden und aus der einen Richtung rauschte der Zug heran. Die Güterwagen rumpelten und schepperten, als würden sie gleich aus den Schienen springen.

Da war die Musik von nebenan ein Ohrenschmaus gegen den Höllenlärm. Jetzt donnerte der Zug aus der anderen Richtung über die Schienen. Wieder hatte Peter das Gefühl, die Waggons brechen gleich durch in die untere Bahnhofshalle hinein, so einen Lärm machten sie.

Endlich Stille. Leise Musik drang an Peters Ohren – es war immer noch die gleiche aus dem Player des jungen Mannes.
Endlich. Der Zug aus Stralsund lief ein. Klara stieg aus und freute sich, dass Laura auch auf dem Bahnhof war.

„Und, was sagt Anna?“ Peter schaute Klara an.
„Ach, lass uns doch erst einmal nach Hause fahren.“
Klara mochte jetzt nicht darüber reden. Peter konnte das verstehen.
Sie stiegen ins Auto und fuhren nach Hause. Alle freuten sich auf ein paar schöne Tage zu Pfingsten. Es war ja genug Zeit, über alles zu sprechen.

„Ach übrigens, Gundula und ihr Mann besuchen heute Anna.“
„Wer?“
„Na Gundula und Hans – Georg“, sagte Klara.
„Ach du meinst das kauende Kamel?“, fragte Peter.
Peter nannte Gundula so. Irgendwie waren sie mal darauf gekommen. Gundula hatte ein großes Gesicht und noch größere Zähne.

„Ich finde das nicht schön, dass du so etwas sagst.“
„Du hast Recht“, antwortete Peter, denn Gundula war ein herzensguter Mensch. Nur ein wenig sparsam. Aber das konnte ja nie verkehrt sein. Schließlich waren sie Schwaben. Aber das war wieder ein anderes Feld.

 

 

 

ANNA IST DEMENT (6)

SIE HABEN GEWONNEN, FRAU STURM

Anna hält einen Werbebrief in der Hand, in dem ihr 8000 Euro Gewinn versprochen werden. Klara gelingt es nicht, Anna davon abzuraten, an die Firma eine Antwort zu schicken. 

„Ich hab‘ da vielleicht wieder eine Aufregung“, sagt Anna.

Sie hat Klara angerufen, eben wie immer täglich, gegen Abend.
„Was denn für eine Aufregung?“, fragt Klara. „Na, ich habe schon wieder 8000 Euro gewonnen.“

„Mutti, du hast nicht gewonnen. Das ist ein Werbebrief. Und wenn du weiter unten liest, dann siehst du, dass du die Chance hast, zu gewinnen.  Eventuell. Aber das ist eher unwahrscheinlich.“

„Ich lese dir jetzt mal vor, was hier steht.“
Anna fängt an, den Werbebrief vorzulesen: „Liebe Frau Sturm, freuen Sie sich! Sie haben gewonnen…
Schicken Sie die Antwort noch heute zurück, und: Vergessen Sie nicht, den beiliegenden Bestellschein auszufüllen… Sobald wir Ihre Rückantwort erhalten haben, sind Sie mit dabei – bei der großen Verlosung für den Hauptgewinn in Höhe von 8000 Euro…Also schicken Sie den Brief noch heute ab, liebe Frau Sturm.“

Klara hat bis zum Schluss gewartet. Sie war dem Rat von Peter gefolgt und hatte ihre Mutter nicht unterbrochen.
Doch es fiel ihr schwer, ruhig zu bleiben, zuzuhören, nicht hineinzureden.

Doch nun platzte es aus ihr heraus: „Mutti, wir haben doch schon so oft darüber gesprochen.
Das ist ein Werbe-Gag. Du bist eine von Tausenden, die wie du diese Post erhalten haben.  Der Brief erfüllt nur einen einzigen Zweck: Du sollst wieder eine Bluse bestellen, verstehst du das?“

„Ja, aber hier steht, ich habe gewonnen.“
„Mutti, jetzt zerreiß den Brief, und wirf‘ ihn in die Tonne!“
„Meinst du wirklich?“ „Ja!“
Klara konnte nicht mehr.

„Du erreichst nichts, wenn du auf diese Art mit deiner Mutter sprichst.  Anna hat doch jetzt nur ein schlechtes Gefühl, weiß aber nicht so richtig warum und wird dir beim nächsten Mal gar nichts mehr erzählen.“

Peter versuchte Klara zu erklären, dass sie so nicht weiterkam.

„Du hast gut reden. Du redest ja nicht jeden Abend mit ihr.“
Klara war bedient.

 

Mit Demenz umgehen

Was mich im Vortrag von Prof. Godemann[1] bewegte: Er sprach davon, wie schwer es sei, die Veränderungen zu akzeptieren, die in der Mutter, dem Vater oder aber dem Ehepartner vorgehen, die ja nun mal mit der Krankheit Demenz einhergehen. Eines ist klar: Man kann diesen Prozess nicht zurückdrehen, und: Er wird tödlich enden. Das ist brutal. Doch es ist die Wahrheit. Manchmal hilft es am Anfang zu verdrängen, einfach nicht mit dem Angehörigen darüber zu sprechen. Mir erzählte eine Angehörige, ihre Mutter hätte immer gern Tomaten auf ihrem Balkon gehabt. „Und, hast du schon deine Tomaten gepflanzt“, fragt die Tochter. „Welche Tomaten“, fragte ihre Mutter zurück.  Und weiter: „Ich habe noch nie Tomaten angepflanzt! Wie kommst du darauf?“ Solange sich die Tochter zurückerinnert – ihre Mutter schwärmte immer von den Tomatenpflanzen; sie waren ihr ein und alles. Die Tochter ist entsetzt, sie ärgert sich. Doch sind das die richtigen Reaktionen? Sie sind auf jeden Fall verständlich. Ich denke, zu akzeptieren, dass sich die Persönlichkeit eines nahestehenden Menschen verändert, das ist wohl das, was am schwersten fällt. Die Situation annehmen, den Menschen in seiner veränderten Persönlichkeitsstruktur weiter zu respektieren, das ist die einzige Alternative aus der Sicht, zu helfen, weiter für den Menschen da zu sein.

[1] In der vergangenen Woche fand das 14. Pankower Gerontopsychiatrische Symposium statt. Das Motto: „(Selbst-) Fit im Pflegen bleiben – Entlastung, Unterstützung und Zusammenhalt.“ Veranstalter war das Alexianer St. Joseph-Krankenhaus, Berlin- Weißensee unter der Leitung von Prof. Dr. med. Frank Godemann, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie und verhaltenstherapeutische Medizin.

 

 

Warum ein Interview mehr sagt, als es viele Fakten könnten

Was macht die Sogwirkung aus, wenn Menschen Geschichten über sich erzählen?

Zunächst: Der Leser nimmt Fakten zur Kenntnis. Geschichten aber überzeugen ihn.  Interviews fallen einfach auf im Dickicht der Informationsflut, sie wecken Emotionen.
Der Leser erinnert sich besser an das Erzählte,  er spinnt sozusagen den Faden mit.  Die Personen,  die im Interview darüber berichten, wie sie zum Beispiel zur Pflege kamen,  was sie für Motive umtreibt und warum sie sich heute noch engagieren, das interessiert die Angehörigen. Sie wollen, dass der Pflegedienst nicht nur auf der Homepage schreibt: „Bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt.“
Vielmehr: Sie wollen, dass sich genau der Mensch ihrer Pflegebedürftigen annimmt, dem sie vertrauen können und der sie mit seiner Biografie, seinem Wissen und Handeln überzeugt.
Interviews bleiben auf dem Portal, können immer wieder aufgerufen werden.  Und sie erhöhen damit gleichzeitig die Sichtbarkeit des jeweiligen Pflegedienstes bei Google.
Die Pressemitteilung fasst noch einmal knapp zusammen, warum es interessant ist, den Pflegedienst kennenzulernen, das Interview zu lesen.  Die Suchmaschine von Google verknüpft die Informationen miteinander und der Leser wird auf der Suche nach einem geeigneten Pflegedienst zielgerichteter zu ihm geführt.
Artikel in der Tageszeitung sind „Eintagsfliegen“ – das Interview aber auf dem Portal „uwemuellererzaehlt.de“ bleibt und die Pressemitteilung ebenfalls – zum Beispiel auf  „news4press.com“. 750.000 Leser greifen im Schnitt monatlich auf dieses online-Portal zu.
Außerdem: Pflegedienste werden in ihrem Ort gefunden. Es spielt also keine Rolle, ob dieser in einem Dorf in Bayern sein Zuhause hat oder in Berlin-Mitte.  Interview und Pressemitteilung zusammen geben eine erste Auskunft darüber, wie der gesuchte Pflegedienst „tickt“, ob er interessant für denjenigen ist, der  Unterstützung für seinen Angehörigen sucht.
Übrigens: In der Pressemitteilung kann über den eingefügten Link die jeweilige Homepage direkt aufgerufen werden.
© Dr. Uwe Müller

Uwe Müller

Demenz im Spannungsfeld von Herausforderungen und Frustration

Eindrücke von einer Veranstatlung

In der vergangenen Woche fand das 14. Pankower Gerontopsychiatrische Symposium statt.
Das Motto: „(Selbst-) Fit im Pflegen bleiben – Entlastung, Unterstützung und Zusammenhalt.“
Veranstalter war das Alexianer St. Joseph-Krankenhaus, Berlin- Weißensee unter der Leitung von Prof. Dr. med. Frank Godemann, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie und verhaltenstherapeutische Medizin.
Im einführenden Vortrag sprach Prof. Godemann über Demenz als dem Spannungsfeld zwischen Herausforderung und Frustration.
Er ging darauf ein, dass mit der Pubertät die Entwicklungen und Veränderungen im Leben eines Menschen faktisch abgeschlossen sind.
Und so kennen wir uns über Jahre als stabile und verlässliche Partner. In den letzten Jahren des Lebens kommen andere Veränderungen auf uns zu – die Wahrscheinlichkeit, dass wir an Demenz erkranken ist groß. Oft geht damit der Versuch einher, den Prozess der beginnenden Erkrankung zu bagatellisieren. Betroffene sollen oftmals so geschützt werden.
Der Erfolg, so Prof. Godemann, misst sich nicht an den Veränderungen, sondern daran, möglichst professionell zu sein.
Die Veränderungen sind am Anfang oft schwer zu ertragen, gehen oft mit Wut und Ärger einher.
Der Partner, die Angehörigen übernehmen nach und nach die Aufgaben des anderen. Und mitunter kann Verdrängung für den Betroffenen selbst hier eine Möglichkeit sein, langsam den Veränderungsprozess an sich selbst anzunehmen.
Mehr zu inhaltlichen Aspekten der Veranstaltung: Samstag, 20. Mai 2017
© Dr. Uwe Müller

Uwe Müller

 

 

Samariter, bamherzige Krankenpfleger – gibt es sie tatsächlich und vor allem: bewirken sie etwas?

Ich kann mir keinen spannenderen Beruf vorstellen, als Menschen zu treffen, mit ihnen zu reden oder zu telefonieren
und von ihnen zu erfahren, was sie antreibt oder was sie gerade bremst im Leben. Am Donnerstag in dieser Woche war ich bei einer Frau, die sich selbst als Samariter bezeichnet.  Sie hilft Menschen, macht das kostenlos und nur, wenn sie um Hilfe gebeten wird.
Du denkst jetzt vielleicht: „Alles klar,  das kennen wir,  diese selbsternannten Heiler sind doch nur Scharlatane.“ Ich gebe es zu: Ich habe das ebenfalls oft genug gedacht. Aber ich musste mich hier eines Besseren belehren lassen. Sabine Rohloff arbeitet mit Ärzten zusammen, die ihr vertrauen und auch mit Pflegediensten.
Sie hat nachweislich einem Mann geholfen, der unter Gicht litt oder einem Patienten, der Neurodermitis hatte. Ich finde das Thema spannend und werde nächste Woche ein Interview auf dem Blog veröffentlichen.  Vorab schon einmal ein kleiner Auszug:

„Frau Rohloff, wie würden Sie sich selbst nennen, wenn wir darüber reden, was Sie für Menschen tun?
Ich bin ein Samariter. Das trifft es wohl im Kern, wenn ich darüber spreche, wie ich heile, wie ich Menschen von ihren Leiden befreie.

Wie muss ich mir das vorstellen, wenn Sie über das Heilen sprechen?
Ich kann keine Wunder vollbringen. Das sage ich auch ganz klar.

Sondern?
Ich heile umfassend, bin offen für das, was mir die Menschen sagen und darauf richte ich dann meine Energie aus.
Es geht also um das Wohlbefinden des Menschen, der sich an mich wendet, um seine Gesundheit.

Können Sie mal ein Beispiel nennen?
Nun, ich hatte bereits Patienten hier, die von Ärzten zu mir geschickt wurden, die an Hautkrankheiten litten, unter anderem an Neurodermitis. Ich habe es geschafft, sie davon zu befreien.
Aber ich verspreche vorher nie, dass ich es schaffe…

Wie sind Sie überhaupt dazu gekommen, Menschen in dieser Form zu helfen?
Das geht bis in meine Kindheit zurück.
Mich hat schon immer die Kräuterhexe fasziniert.
Und so habe ich bereits als Kind viele Kräuter gesammelt.
Und wenn ich bei jemandem die Hand aufgelegt habe, dann tat das demjenigen gut…“

© Dr. Uwe Müller

 

 

 

Kurz gesagt

Die Anzahl der Menschen, die an Demenz erkranken, von eingeschränkter Alltagskompetenz betroffen sind, wächst weiter rasant

Der Anteil älterer Menschen an der Bevölkerung insgesamt nimmt zu. Er wächst schneller, als das wir es nur auf die gestiegene Lebenserwartung zurückführen können.
Der rasante Geburtenrückgang in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten ist der zweite und nicht weniger wichtige Grund für diese Entwicklung.
Beide Entwicklungen stellen die Gesellschaft und vor allem die Pflegenden vor enorme neue Herausforderungen.
Der bislang kontinuierlich gewachsene Anstieg der durchschnittlichen Lebenserwartung und die damit verbundene Zunahme der Älteren und Hochbetagten geht einher mit der ebenfalls größer werdenden Zahl derjenigen unter ihnen, die an Demenz erkranken.

Erkrankungsrisiko plus steigende Lebenserwartung – zwei Faktoren für mögliche Demenz oder eingeschränkte Alltagskompetenz

Menschen mit einer höheren Lebenserwartung sind ohnehin bereits stärker der Gefahr ausgesetzt, die sogenannte Alltagskompetenz einzubüßen – ein weiterer, nicht unerheblicher Faktor, der noch zum allgemeinen Erkrankungsrisiko noch hinzukommt.
Berechnungen, empirische Studien gehen von rund drei Millionen Menschen aus, die in 2050 in einer bestimmten Form davon betroffen sein werden.
(Vgl. dazu: http://www.bundesgesundheitsministerium.de/ministerium/meldungen/2016/sechster-pflegebericht.html – abgerufen – Donnerstag, 12. Januar 2017, 10.33 Uhr; Download PDF, S. 20-22)

Betreuungs- und Entlastungsleistungen, Tagespflege und Senioren-Wohngemeinschaften gewinnen in diesem Zusammenhang an Bedeutung.