Archiv der Kategorie: UweMuellererzaehlt

Gedanken rund um die Pflege, von Menschen und zu Menschen, deren tägliche Arbeit die Pflege ist.

ALLTÄGLICHES (20)

GUTE LAUNE AUS DER TIEFKÜHLTRUHE

Manchmal, wenn es mir nicht so gut geht, oder ich depressiv bin, dann greife ich nach einem Trick, der mich am eigenen Schopf aus dem ‚Tal der Tränen‘ wieder nach oben ans Licht hievt.

Ich rufe Bilder ab, die ich in meinem Kopf gespeichert habe. Das ist ein nichts anderes, als würde ich eine Pizza aus der Tiefkühltruhe holen und sie aufwärmen.

Ich denke zum Beispiel an einen Tag, an dem ich im Wohnzimmer im Sessel sitze, meistens am Samstag, eine dicke Zeitung in der Hand halte und dabei noch umherschaue.

Auf dem Tisch steht eine Schale mit grünen Zweigen und mittendrin eine rote Weihnachtskerze. Im Garten liegt noch der Morgentau auf dem Gras, die Vögel streiten sich im Vogelhäuschen um das Futter und die Sonne zeigt sich mit ihren ersten hellen Strahlen.

Das weckt in mir die kreative Seite, ich bekomme Lust auf den Tag und fange mit Schwung an zu arbeiten. Diese Bilder hole ich aus der Gedankentruhe, und da kann es getrost regnen oder stürmen oder beides.

Ich jedenfalls bleibe gut gelaunt.

50 KILO ABNEHMEN (13)

EIN SCHRITT NACH VORN – ABER MANCHMAL AUCH WIEDER ZWEI ZURÜCK

Sonntagmorgen. Ich fertige die Liste für den neuen Monat an – November 2019.

Vorher schaue ich auf das Ergebnis im Oktober. Ich bin ganz zufrieden, denn immerhin sind es 3,5 kg weniger, die ich seit Monatsbeginn auf die Waage bringe.

Am 07.10.2019 waren es 126,3 kg und nun am Monatsende sind es nur noch 122,8 kg.

Es fällt mir nicht leicht, davon zu berichten. Es ist, als würdest du irgendwie nackt dastehen. Doch es geht nicht anders.

Ich will zeigen, dass es sich lohnt zu kämpfen. Aber nicht nur das. Ich möchte darüber schreiben, wie mühselig es ist, wie oft auf einen kleinen Schritt nach vorn zwei Schritte folgen, die in die andere Richtung gehen, nämlich rückwärts.

Aber wer glaubt auch schon, dass jemand mit 50 kg Übergewicht in wenigen Wochen wieder auf sein Normalgewicht zurückgelangt? Ich denke niemand.

Der Weg ist deshalb stets ein wenig das Ziel. Ich gehe jeden Wochentag ins Fitness-Studio im Prenzlauer Berg, ackere inzwischen zwei Stunden an den Geräten. Ich merke es, denn so langsam wachsen die Muskeln wieder.

Jetzt kommt es darauf an, noch mehr in Sachen Ernährung zu tun. Das ist bei mir der ‚Pferdefuß‘. Ich will es hier aus eigener Kraft schaffen und mich nicht in die Hand von Ernährungsberatern begeben.

Das heißt auf der anderen Seite, sich selbst schlau zu machen, zu lesen, zu analysieren. Seit heute notiere ich mir, was ich jeweils gegessen habe.

Ich tippe das sofort ins iPhone, denn das schleppe ich ja ohnehin überall mit mir rum. Am Wochenende werde ich das Ganze dann auswerten.

Es ist nicht nur physisch anstrengend, nein, es braucht genauso die mentale Kraft, die Geduld und den Biss, alles aufzuschreiben, die richtigen Schlüsse aus dem Protokollierten zu ziehen. Ich bleibe dran.

Am 04.12.2019 will ich bei 119,7 kg sein. Das wäre ein phantastisches Ergebnis. Doch das wird kein Spaziergang, es wird hart, durchzuhalten.

MENSCHEN IN DER PFLEGE (15)

MARTINA LIPPERT – UNTERNEHMERIN IM PFLEGEBEREICH

Es gibt Menschen, mit denen redest du einfach gern. Nicht nur deshalb, weil sie engagiert sind, Leidenschaft und Energie für ihr Tun mitbringen.

Der Grund ist vielmehr: Sie sind Jahrzehnte in der Branche tätig, genauer gesagt in der Pflege und Betreuung von Pflege-und Hilfsbedürftigen – und sie haben sich ihre Neugier bewahrt, sind offen für Neues, tauschen sich aus, ja saugen das auf, was sie und das Team in der Arbeit weiterbringen.

Martina Lippert gehört genau zu diesen Menschen, denen du deshalb vertraust, gerade in einem solchen sensiblen Bereich wie den der Pflege.

Dazu gehört, dass sie in ihren Anfängen und auch später genügend Niederlagen verkraften, Rückschritte akzeptieren, immer wieder neue Kraft entwickeln musste, um an ihr Ziel zu gelangen.

Als sie 1994 mit dem Pflegedienst begann, da wollte keiner so recht daran glauben, dass sie lange überleben würde.

Sie hat nicht nur geschäftlich überlebt, entgegen so mancher Voraussagen aus der damaligen Krankenkasse.

Im Gegenteil: Sie ist vielmehr mit ihrer Firma, der ‚Martina Lippert GmbH‘ zu einer Marke geworden, die für das Vertrauen spricht, das ihr die Pflege- und Hilfsbedürftigen, die Angehörigen und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Pflegedienstes entgegenbringen.

Am 01.10.1994 erhielt sie ihre Zulassung und am 01.11.1994 hat sie ihren Pflegedienst eröffnet, fast genau auf den Tag vor 25 Jahren.

Sie erinnert sich noch lebhaft daran, wie ein Jahr später die Pflegeversicherung begann, die Finanzierung für die ambulante Versorgung der Versicherten zu übernehmen.

Oder zum Beispiel als mit der Einführung der DIG, der sogenannten diagnosebezogenen Fallgruppen, die Liegezeiten in der stationären Behandlung in den Krankenhäusern verkürzt wurden.

Die ambulante Pflege übernahm ab diesen Zeitpunkt mehr Verantwortung für die Pflege und Betreuung für die frisch aus dem Krankenhaus entlassenen Patienten.

Martina Lippert hat nie abgehoben agiert. Das habe ich immer wieder in den mit ihr geführten Interviews feststellen können.
„Es gibt keine Alleskönner“, hat sie mal gesagt und gemeint, dass man auf die Stärken und das Wissen von Kollegen zurückgreifen sollte.

Heute hat sie ein starkes Team an ihrer Seite und kann auf die soziale und fachliche Kompetenz ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zählen.

„Ich bin sehr froh, dass meine Tochter an meiner Seite ist. Anne-Christine hat sich zur PDL qualifiziert und betriebswirtschaftlich weitergebildet.

Inzwischen ist sie für mich unentbehrlich, wenn es um die Organisation des Pflegealltags geht, die Steuerung des Teams und viele andere Aufgaben“, sagt Martina Lippert in diesem Zusammenhang.

Martina Lippert setzt sich sehr für die Ausbildung von neuen Pflegekräften ein

„15 Auszubildende haben inzwischen nach einer dreijährigen erfolgreichen Ausbildung ihren Abschluss als Altenpflegerin oder als Altenpfleger erhalten“, sagt sie nicht ohne Stolz und will auch künftig in diesem Bereich ihren Beitrag leisten.

„25 Jahre Kompetenz in Sachen Pflege“ – das bleibt das Hauptanliegen des Pflegedienstes, auch in den neuen Räumen, ab November 2019.

Wir wollen weiterhin unsere Pflege-und Hilfsbedürftigen und deren Angehörige zuverlässig beraten, betreuen, pflegen, und zwar in deren gewohnten Umgebung“, sagt Martina Lippert zum Schluss.

Wer mehr über den Menschen Martina Lippert erfahren möchte, über ihre Philosophie in der Pflege, der sollte die Interviews lesen, die ich mit ihr geführt habe –
https://uwemuellererzaehlt.de/2017/09/01/pflegedienst-lippert-stellt-sich-vor/

Kontakt
Pflegedienst Lippert GmbH
Ab 01.11.2019 in neuen Geschäftsräumen:
Haselünner Str. 55
49808 Lingen (Ems)
Bürozeiten: Mo.-Fr. 08.00 – 13.00 Uhr
E-Mail: info@pflegedienst-lingen.de
http://www.pflegedienst-lingen.de
Telefon: 0591 – 80740 99-0
Telefax: 0591- 676 74
Notfallhandy: 0171 – 549 74 98

 

ANNA IST DEMENT (46)

FRIEDA IST EINE SCHRECKLICH LAUTE PERSON

Peter dachte noch immer daran, wie er sich Anna gegenüber verhalten hatte. Er fühlte sich im Recht, als er sie bat, den Gurt im Auto anzulegen.

Doch er hatte das außeracht gelassen, was er stets zu Klara in solchen Situationen sagte: „Anna ist dement und wir sind es nicht. Anna kann ihr Verhalten nur noch bedingt steuern.

Wir aber, wir können das und wir haben deshalb die Verantwortung dafür, mit entstandenen Situationen umzugehen.“

Das waren seine Worte. Und nun, wo es darauf angekommen war, sie tatsächlich zu berücksichtigen, da versagte er doch glatt.

Peter hatte darüber mit einer Inhaberin eines Pflegenternehmens telefoniert. Er kannte sie nicht persönlich, aber er wusste, dass sie ihn bestens verstand.

Im Grunde wusste er selbst sehr genau, was er falsch gemacht hatte, aber es tat gut, dass ihm jemand zuhörte, der nicht nur vom Fach kam, sondern auch menschlich nachfühlte, was auf beiden Seiten vorging, auf der Seite von Anna und auf seiner Seite.

Wieviel Konfliktstoff barg die Betreuung von Anna in sich?

Ihre Krankheit stellte jedenfalls alle auf die Probe – Klara, Lucas, die ganze Familie eben.

„Wie geht es euch?“, fragte Anna einige Tage später Klara am Telefon.
Sie hatte längst vergessen, welche Auseinandersetzung sie mit Peter und Klara hatte.

„Manchmal hat die Demenz auch gute Seiten“, sagte Peter.
Klara schaute ihn empört an.

„Das ist ja wohl nicht dein Ernst“, sagte sie.
„Du hast Recht. Es ist schlimm genug, dass Anna vieles gar nicht mehr mitbekommt.“

„Und vor allem, meine Mutter mag dich doch so gern. Sie hat in den ganzen Jahren unserer Ehe nie ein böses Wort über dich gesagt“, setzte Klara nach.

„Ja, ich weiß.“
Peter schmunzelte.

„Warum lachst du?“, fragte Klara.
„Weißt du noch, wie ich mit Frieda über Politik stritt und es emotionaler wurde?“

„Ja, und?“
„Naja, hinterher sagte Anna nicht etwa, dass ich zu laut gesprochen hätte. Nein, sie meinte, dass Frieda nur so eine schrecklich laute Person sei.“

ALLTÄGLICHES (14)

DAS LIEBLICHE GRILLENZIRPEN

03.50 Uhr.
Ich komme mir vor wie ein Schichtarbeiter, der zur Arbeit muss. Ich arbeite zwar, bin aber hauptberuflich Rentner.

Ich habe das iPhone so eingestellt, dass um diese Zeit der Wecker klingelt. Er klingelt eigentlich nicht, es ist vielmehr ein Geräusch, das an ein Zirpen der Grillen erinnert.

Und so binde ich das Geräusch erst einmal in meine Träume ein und denke gar nicht daran, aufzustehen, bis Klara mich anstößt.

„Dein Telefon!“, brummt sie genervt. Sie hat ja noch zehn Minuten Zeit. Dann geht der Radiowecker so laut an, dass du bereit bist, sofort aus dem Bett zu schnellen.

Deshalb stehe ich früher auf und kann mich sogar noch in Ruhe rasieren.

„Lass doch die Grillen zirpen“, sage ich zu Klara und drehe mich vorsichtshalber um. Aber die Grillen fangen an zu nerven und Klara gibt auch keine Ruhe.

„Jetzt dreh‘ doch endlich diesem scheußlichen Weck-Ton den Hahn ab“, schnauft sie. Sie will noch ihre paar verbliebenen Minuten bis zum Aufstehen vor sich hin dösen.

„Das ist kein scheußliches Signal, sondern das liebliche Grillenzirpen“, sage ich und staune, dass ich überhaupt schon einen Satz herausbringe.

Ich stelle den Wecker abends am iPhone ein und lasse es auf dem Schreibtisch im Arbeitszimmer liegen.

Und so bin gezwungen, morgens sofort aus dem Bett zu kommen, um den Wecker am Telefon auszustellen. Und was weiter? Ja dann stehe ich ja bereits und bleibe natürlich auf. Ich liebe es eben, wenn morgens alles nach Plan läuft.

Zwei Stunden weiter, 05.55 Uhr: Ich habe Klara zur Arbeit gegenüber vom Springerhochhaus gefahren und biege in die Tiefgarage des Fitness-Studios ein. Eine Viertelstunde später stehe ich auf dem Laufband. Jetzt beginnt der Tag wirklich.

JEEPY (35)

LIEBER KRÜMEL, DU BIST JETZT SCHON ZWEI JAHRE AUF DIESER WELT-UND SIE IST DESHALB WIEDER EIN BISSCHEN SCHÖNER GEWORDEN

Hallo lieber Krümel,
hier ist Jeepy, dein bester Freund, naja, wenn mein Fahrer nicht in der Nähe ist.

Ich will dir ganz herzlich zu deinem Geburtstag gratulieren. Zwei Jahre bist du nun schon auf dieser Welt, eroberst sie dir in kleinen, aber immer sichtbareren Schritten.

Du fängst an zu sprechen, rufst die Katze als ‚Datze‘ und winkst ihr zu, damit sie zu dir läuft.

Ich wollte dir persönlich gratulieren, weil ich ja unten bleiben muss, wenn du oben die Geschenke auspackst.

Ich soll dich ganz lieb grüßen und drücken von allen, die dich liebhaben, und wir werden dich immer liebhaben, egal was passiert.

Das alles will dir mein Fahrer noch persönlich sagen.
Dann kannst du ihm ja auch dein ‚Aua‘ zeigen, dass du von der Spritze bekommen hast.

Lieber Krümel, wir wollen noch viele Abenteuer gemeinsam erleben, Spaß haben.

Wer weiß, vielleicht fahre ich ja bald mit Batterie. Aber egal, deshalb braucht ihr mir trotzdem nicht meine Sitze mit dem Geburtskuchen vollkrümeln, lieber Krümel.
Mit ganz herzlichen Grüßen und Scheinwerferblinken, dein Jeepy.

 

ANNA IST DEMENT (44)

ICH BITTE UM DIE TABLETTEN AUS DER KISTE
Lukas ist auf dem Weg zu Anna, wie jeden Tag.
Anna schaut ihn mit wirrem Blick an.
Sie versteht nicht, warum die Kiste mit den Spritzen verschlossen ist, und warum nur der Pflegedienst sie aufmachen darf.

Lukas ist auf dem Weg zu Anna.

Vorher hatte er noch im Stralsunder Hafen bei einem älteren Ehepaar aus Hamburg vorbeigeschaut, die in ihrer Ferienwohnung Urlaub machten, und die ihn mit der Betreuung der Feriengäste betraut hatten.

Im Herbst, wenn der Ansturm der Urlauber abflaute, kamen die Eigentümer selbst, um sich ein wenig von Hamburg zu erholen.
Sie freuten sich, wenn Lukas vorbeikam und sich nach ihrem Befinden erkundigte.

Aber nun war er auf dem Weg zu Anna. Als er in der Tür stand, schaute sie ihn mit wirrem Blick an.

„Du kommst ja ganz schön viel, hast du nichts zu tun?“

Lukas schwieg. Er kämpfte seinen Ärger hinunter. Er hatte sich extra beeilt. Und nun dieser Vorwurf von Anna.

„Jetzt lass mich doch erst einmal hereinkommen!“, sagte er stattdessen.

In seine Stimme war ein klein wenig mehr Schärfe gekommen, als er es selbst wollte. Er ging ins kleine Zimmer, in der die Kiste mit den Spritzen und Tabletten stand.

„Ich versteh‘ nicht, warum die Kiste hier verschlossen ist“, sagte Anna mit vorwurfsvollem Unterton zu Lukas.

„Mutti, damit du dort nicht rangehst und dir eigenständig die Spritzen und Tabletten rausholst.“

„Aber wer soll das denn sonst tun?“, fragte Anna.

„Mutti!“, Lukas hielt inne, weil er Angst hatte, dass er zu laut wurde. Sein Blick fiel auf zwei Zettel, die auf der Kiste lagen.

„Achtung! Wer gibt mir die Tabletten aus der Kiste?“, hatte Anna dort draufgeschrieben.

„Wie regeln? Morgens muss ich meine Tabletten einnehmen. Das ist alles in der Kiste!“

Lukas stockte der Atem. Anna hatte nichts begriffen, im Gegenteil, sie versuchte immer noch an die Kiste heranzukommen.

„Habe also nichts eingenommen. Abends kann ich so nicht arbeiten.“

„War der Pflegedienst schon hier und hat dich gespritzt?“, fragte Lukas.

„Nein, hier war keiner. Und die Kiste ist auch zu. Es ist zum Verzweifeln.“

Lukas schlug das Buch auf, in dem die Mitarbeiter des Pflegedienstes regelmäßig eintrugen, wann sie dagewesen waren.

„Hier steht doch, dass vor zehn Minuten der Pflegedienst da war, dich gespritzt hat und dir die Tabletten verabreicht hat.“

„Das kann doch nicht sein, dass ich das schon wieder vergessen habe“, sagte Anna resigniert.

 

ALLTÄGLICHES (9)

DER ERSTE TAG NACH DEM URLAUB

Ich sitze heute das erste Mal nach dem Kurzurlaub wieder am Schreibtisch.

Heute Morgen bin ich 03.59 Uhr aufgewacht und wusste, dass in einer Minute der Wecker klingelt.

Ich habe nur gedacht: „Das kann doch nicht wahr sein.“

In schwierigen Situationen kann eine Minute richtig lang sein.
Doch heute war es, als wäre nur eine Sekunde vergangen. Ich habe mein Bein noch in die Decke eingekuschelt und so getan, als würde ich nichts hören.

Aber: 05.00 Uhr saßen wir dennoch im Auto. Nicht ganz, denn Klara hatte die Brille vergessen, wie gewöhnlich also.

Die Straßen waren ziemlich leer und ich kam sehr gut durch. Bis auf die Gegend um das Rote Rathaus, denn da ist viel gesperrt oder die Fahrbahnen sind eingeengt.

Ich dachte kurz daran, wie es wohl heute Mittag sein würde, wenn die Klimaaktivisten so richtig loslegten.

Ich finde es gut, wenn sich Menschen dafür einsetzen. Und trotzdem: es nervt.

Aber vielleicht geht es nicht anders, wenn sich wirklich etwas tun soll. Ich glaube nur, dass Hysterie auch nichts bringt.

Würden wir das alles bei dem Getöse konsequent zu Ende denken, so müssten wir sofort unsere Handys abgeben, Pferdefuhrwerke besteigen und auf diese Weise ins Zentrum fahren. Das wäre konsequent. Oder?

Abends dann im Wald Beeren sammeln und in einer Hütte aus selbstgeschnittenem Schilf übernachten.

Naja, jedenfalls war ich im Fitness-Studio, habe meine Übungen diszipliniert durchgezogen und bin motiviert zurückgefahren – ohne an Straßensperren von Klimaaktivisten vorbeizukommen. Der Berliner Norden und das Umland sind ja auch nicht so interessant für sie. Für mich ist das gut.

Auf jeden Fall habe ich mir schon ein kleineres Auto gekauft, nachdem ich jahrelang einen SUV-Mercedes gefahren bin und davor einen 7er BMW. Schande über mich.

Aber schön war es trotzdem.

 

THE LITTLE WILLIAM IS THERE (2)

YOU CAN GO HOME AGAIN

„Mami, it’s happening. Can you come right now?“ Marian asked his mother excitedly on the phone.

„But I have my sport tonight. I can’t do that.“ she said to her son. But this was only her initial reaction. Although Sylvia had her own life and enjoyed pursuing her own activities, she supported her family wholeheartedly.

She helped wherever she could and she loved Marley beyond measure. So it was without question that she would drop everything to be with her grandson when Marian and Iana had other responsibilities. So in this situation, she canceled her plans and went to Marian and Iana’s home immediately.

During the phone call with his mother, Marian paced nervously back and forth on the terrace. He didn’t know if he and Iana would need to spend the night in the hospital, or if they could go home again, so his mother’s initial reluctance to come and help them, made him even more nervous.

„Mami.“ Marian tried again. But he did not have to say anything more.

„It’s alright, I’ll be right there.“ his mother soothed him.
After talking to his mother, Marian went to find Iana in the bathroom. While everyone around her was in chaos, she herself, was calm.

She was standing in front of the mirror with curlers in her hair. She looked happy because finally it was happening. The wait was over.
Again, a little amniotic fluid leaked from her. Marian became even more restless.

„We need to go to the hospital.“ he urged.
They arrived at the hospital shortly before half past eight in the evening. The midwife initially examined Iana for her general condition, and then attached her to the ‚labor clerk‘.

Iana had been physically and mentally prepared for what she expected when the child came.

„I feel like I’m going to training,“ she joked.
The midwife came back in. „Your uterine mouth is still closed.“ she told Iana, looking friendly.

„So you can go home for now.“ she added.
Iana looked at the midwife questioningly and at the same time doubtfully.

She sensed that it was not good to leave the hospital again, only to have to come back a little later.

It was quiet in the room. Nothing would have suggested how strained Iana was now. From her experience, she sensed that it did not feel right to follow the midwife’s advice.

Marian looked questioningly at Iana.
After a short break she said:

„For the birth of Marley, at first it looked like he was not ready to come out yet. But then everything suddenly went very fast.“

The midwife looked at Iana. She didn’t seem too happy that Iana had doubted her advice. But Iana knew her own condition, she knew her body, and she knew she was feeling the beginning of childbirth. She conveyed this to the midwife, who understood.

„I’ll discuss that with the doctor.“ she said, turning to the door.
Iana paced up and down and Marian was silent. The tension was noticeable to both.

They had been sent to the waiting area directly in front of the delivery room. They were waiting on the doctor to give them final certainty that it was actually amniotic fluid that had leaked out.
Finally, it was time. Iana was re-examined. Now, Iana could not sit still. She began to breathe shorter, she got cramps and the contractions began.

„That’s pain to enjoy. “ she joked with Marian. He smiled back, looking calm on the outside, but Iana knew her husband. She knew how excited he was inside.

„I feel like the baby is kicking.“ Iana told the doctor. She looked over at her and smiled as she looked at the ultrasound image, which showed that Iana’s cervix was about to open.

„We’ll keep you here.“ she said to Iana, after a second vote with the midwife.

Right after the examination, they were given a twin room, set up so that Marian could stay there too. He lay down next to Iana in the double bed and tried to reassure her. Iana had to smile, she could feel his uneasiness. Marian played some music on his phone to help them both relax.

„Can you give me a glass of water, please.“ Iana asked Marian. „And the lip balm.“

The contractions became stronger and stronger. To make it more bearable for Iana, the midwife gave her a light analgesic.

GESPRÄCHE MIT EINER PRIMA BALLERINA (15)

DER KLEINE WILLIAM IST DA (2)
SIE KÖNNEN ERST NOCH WIEDER NACH HAUSE GEHEN

Link to the english version:

https://uwemuellererzaehlt.de/2019/09/11/the-little-william-is-there-2/

„Mami, es geht los. Kannst du gleich mal kommen?“, fragte Marian seine Mutter aufgeregt am Telefon.

„Aber ich habe doch heute Abend noch meinen Sport. Das schaffe ich ja gar nicht“, sagte sie in einer ersten Reaktion zu ihrem Sohn.

Sylvia war in dieser Situation mit ganzem Herzen bei der Familie. Sie half, wo sie nur konnte. Und sie liebte Marley über alle Maßen. Also war klar, dass sie nun alles stehen und liegen lassen würde, um bei ihrem Enkel zu sein und so Marian und Iana zu entlasten.

Aber sie hatte eben auch ihr eigenes Leben, verfolgte ihre eigenen Aktivitäten. Sie haderte deshalb mit sich, den geplanten Sport einfach ausfallen zu lassen, und sich stattdessen sofort zum Haus von Marian und Iana zu begeben.

Marian lief während des Telefonats mit seiner Mutter auf der Terrasse aufgeregt hin- und her. Er wusste nicht so recht, ob Iana und er die Nacht im Krankenhaus verbringen würden, oder ob sie noch einmal nach Hause fahren konnten. Diese Ungewissheit machte ihn zusätzlich nervös.

„Mami“, versuchte es Marian erneut. Doch er musste gar nichts mehr sagen.

„Ist ja gut, ich bin gleich da“, besänftigte ihn seine Mutter.
Während alle um Iana herum wie im Chaos wirkten, war sie die Ruhe selbst.

Marian ging, nachdem er mit seiner Mutter telefoniert hatte, zu ihr ins Bad.
Iana stand mit Lockenwicklern im Haar vor dem Spiegel und wirkte fröhlich, ja fast ausgelassen, so als wollte sie sagen: „Endlich passiert etwas. Das Warten hat ein Ende.“

Wieder trat ein wenig Fruchtwasser bei ihr aus.
Marian wurde noch unruhiger.
„Wir müssen ins Krankenhaus, um zu erfahren, woran wir sind“, drängte er sie nun.

Sie machten sich auf den Weg und kamen kurz vor halb acht abends im Krankenhaus an.

Die Hebamme untersuchte Iana zunächst auf ihren Allgemeinzustand hin, und schloss sie danach an den ‚Wehenschreiber‘ an.

Iana hatte sich körperlich und mental gründlich darauf vorbereitet, was sie erwartete, wenn das Kind kam.

„Mir ist, als würde ich zum Training gehen“, spaßte sie trotzdem.
Die Hebamme kam wieder herein: „Ihr Gebärmuttermund ist noch geschlossen“, sagte sie zu Iana und schaute sie dabei freundlich an.
„Sie können also wieder beruhigt nach Hause fahren“, ergänzte sie noch.

Iana schaute die Hebamme fragend und zugleich zweifelnd an.
Sie spürte, dass es nicht gut war, wieder aus dem Krankenhaus wegzugehen, nur um wenig später erneut aufzutauchen.

Es war ruhig im Raum. Nichts deutete auf den ersten Blick darauf hin, wie angespannt jetzt Iana war. Sie hatte ihre Erfahrungen und sie spürte, dass es sich nicht richtig anfühlte, wenn sie dem Rat der Hebamme folgte.

Marian blickte fragend zu Iana herüber.
Nach einer kurzen Pause sagte sie:

„Bei der ersten Geburt war es auch so, dass es danach aussah, als würde es noch nicht soweit sein. Aber dann ging alles sehr schnell.“

Die Hebamme schaute Iana an: Und sie merkte, dass hier nicht nur mal jemand ins Blaue hinein seine Zweifel daran äußerte, was sie als Hebamme gerade gesagt hatte.

Vielmehr: dass in ihren Augen die junge Frau vor ihr genau um ihren eigenen Zustand wusste, ihren Körper kannte, einfach den Beginn der Geburt spürte.

Für Iana war im Kopf ohnehin jeder Schritt vorprogrammiert, so intensiv hatte sie die Bilder der Geburt vor ihrem inneren Auge, und dass vermittelte sie an die Hebamme, faktisch ohne Worte.

„Ich bespreche das mal mit der Ärztin“, meinte diese deshalb und wandte sich zur Tür.
Iana lief auf und ab, Marian schwieg. Die Anspannung war beiden anzumerken.

Sie waren in den Wartebereich direkt vor dem Kreissaal geschickt worden.
Sie wollten nun die endgültige Gewissheit darüber bekommen, dass es sich bei Iana tatsächlich um Fruchtwasser handelte, das ausgetreten war.

Und dann war es soweit. Iana wurde erneut untersucht. Jetzt hatten sie gleich
Sie konnte schlecht stillsitzen. Sie atmete kürzer, sie bekam Krämpfe und die Wehen setzten ein.

„Das sind Schmerzen zum Genießen“, scherzte sie in dem Augenblick mit Marian.

Der lächelte zurück, wirkte äußerlich ruhig. Aber Iana kannte ihren Mann. Sie wusste, wie er mitfieberte, und wie aufgeregt er innerlich war.

„Ich habe das Gefühl, als ob das Baby strampeln würde“, sagte Iana zur Ärztin.

Die schaute zu ihr herüber und lächelte, während sie das Ultraschall – Bild betrachtete, auf dem zu erkennen war, dass Ianas Muttermund kurz davor war, sich zu öffnen.

„Wir behalten Sie da“, sagte sie dann nach einer nochmaligen Abstimmung mit der Hebamme zu Iana.

Sie bekamen gleich nach der Untersuchung ein Zweibettzimmer, so eingerichtet, dass der Partner dort auch mit sein konnte. Marian legte sich neben sie ins Doppelbett und versuchte beruhigend auf sie einzuwirken. Iana musste schmunzeln, spürte sie doch seine eigene Unruhe hautnah.

Marian schaltete das Handy mit Musik an, zur Entspannung.

„Gib‘ mir bitte ein Glas Wasser“, sagte sie zu ihm.
„Und bitte, reich‘ mir den Lippenbalsam“, sagte sie noch und lächelte ihn an.

Die Wehen wurden immer stärker. Damit es für Iana erträglicher wurde, verabreichte die Hebamme ihr ein leichtes Schmerzmittel.

 

 

ALLTÄGLICHES – (7)

SCHAFF DIR FÜR DEINEN ALLTAG EIGENE BILDER –

IM KOPF

Warum immer wieder über den Alltag nachdenken?
Weil wir die meiste Zeit im Alltag verbringen – und mit ihm.

Es ist doch komisch: Wenn du im alltäglichen Gewühl bist, dann möchtest du dich am liebsten in irgendeine stille Ecke zurückziehen, nichts sehen, nichts hören, und vor allem nichts tun.

Dabei ist es genau das, was falsch ist, was uns nicht am Leben erhält.
Was ist es dann?

Ich denke die Tatsache, dass wir uns im Alltag anstrengen müssen, unsere Vorhaben nur erreichen wenn wir Energie aufbringen, und wenn du aus dem Bett aufstehen musst.

„Der hat gut reden“, wird manch einer sagen, der das jetzt liest.
Ja, das stimmt. Gesagt ist das alles schnell und leicht. Aber Veränderungen im Alltag beginnen ja nicht damit, dass du gleich alles umkrempeln sollst.

Ich behaupte, das meiste wirst du nicht verändern wollen, ja gar nicht verändern können.

Womit also anfangen, wenn das Alltagsgrau etwas freundlicher erscheinen soll?

Mit deinen Bildern im Kopf!

Jeder kann dir von außen reinreden: dein Chef, der gute Freund, der Ehepartner.

Aber wer trifft denn die Entscheidung darüber, was du davon wirklich annimmst?

Na klar, wenn du eine Weisung von deiner Chefin erhältst, dann mußt sie befolgen. Aber auch hier helfen dir deine eigenen Bilder, an die auch deine Chefin nicht herankommt.

Wenn ich in Situationen bin, die mir Unbehagen bereiten, dann rufe ich meine Bilder auf, die ich abgespeichert habe.
Ich muss zum Beispiel demnächst zum Zahnarzt.

Und obwohl ich meinen Zahnarzt für sehr kompetent halte, ihn menschlich sehr mag, gehe ich ganz ungern zu ihm in die Praxis.

Was tun?

Wenn der Doktor die ‚Folterinstrumente‘ herausholt, dann schließe ich die Augen und sehe die Ostsee vor mir.

Woher habe ich dieses Bild?

Wir waren im August in Sassnitz – bei einem Spaziergang entlang der Kreidefelsen, stets mit dem Blick auf’s Meer.

Wenn du oben stehst und du schaust von da aus auf das Wasser, dann geht dir das Herz auf. Es war ein sonniger Tag, die See lag ruhig da und die Sonnenstrahlen glitzerten auf den kleinen Wellen der Ostsee.

Diese Ruhe und diese Weite, sie haben etwas Majestätisches an sich. Das Wasser war schon Millionen Jahre vor uns da und es wird auch noch viele Jahre nach uns da sein.

Das macht die eigenen Probleme klein, und es macht die Möglichkeit, das eigene Glück zu genießen, vor allem im Alltag ganz groß.

Also, probier‘ es mal aus, mit deinen Lieblingsbildern, und du wirst sehen, selbst in der vollen S-Bahn macht die Fahrt zur Arbeit mehr Spaß.

ALLTÄGLICHES (6)

DER ERSTE URLAUBSTAG IN SASSNITZ – STURZ AUF DER HAUPTSTRASSE

Der Urlaub ist vorbei, die heißen Tage sind es auch.
Irgendwie fällt es mir trotzdem schwer, wieder in den normalen Arbeitsalltag zurückzukommen.

Und das mir. Wo ich doch immer vom Alltag als meinem besten Freund spreche.
Ist mir mein bester Freund abhandengekommen?

Ich denke lieber zurück – an unseren ersten Urlaubstag an der Ostsee, in Sassnitz.
Ich war mit Krümel allein auf der Hauptstraße unterwegs und wollte ins Kaufhaus schauen.

Laura war dort kurz vorher hineingegangen, um noch etwas Urlaubslektüre zu bekommen.
Klara war in der Ferienwohnung geblieben.

„Wollen wir mal deiner Mutter hinterhergehen?“, fragte ich Krümel und die nickte und wollte sofort losstürmen, direkt über die Straße.

„Halt, halt, nicht so schnell, Krümel“, rief ich und bekam sie am Arm zu fassen. Ich hob sie hoch und trug sie über die Strasse.

„So, jetzt kannst du ins Kaufhaus laufen und nach Mama sehen“, sagte ich zu ihr, während ich sie absetzte.

Krümel lief in Richtung des Kaufhauses, blieb plötzlich stehen, machte kehrt und sauste auf die Straße zu.
Mit schreckgeweiteten Augen erkannte ich die Gefahr.

„Bleib stehen!“, schrie ich. Doch Krümel hörte nicht.
Was sollte ich tun? Ich stürzte mich in Richtung Straße, auf die Krümel bereits gelaufen war.

Mit einem Hechtsprung erwischte ich sie noch. Ich hatte sie im Arm, aber ich konnte mich nicht halten und flog mit meinem ganzen Gewicht auf den Asphalt zu. Krümel war in meinem Arm und in Bruchteilen von Sekunden hielt ich sie über mir hoch, streckte sie geradezu in die Luft. Aber, ich konnte nicht verhindern, dass sie ebenfalls mit stürzte. Sie fiel leicht auf den Kopf und fing an zu weinen.

Ich lag auf dem Bauch, auf der Straße und konnte mich nicht bewegen.

„Hättest du doch schon mehr an Gewicht verloren“, fluchte ich im Stillen.

Passanten kamen zu Hilfe. Sie nahmen Krümel, trösteten sie und zu meiner Beruhigung sah ich aus den Augenwinkeln, dass ihr offensichtlich nichts Schlimmes passiert war.

Aber ich konnte mich nicht bewegen. Das Bein tat weh, der gesamte Oberkörper auch und ich bekam kaum Luft.

„Wir müssen ihn an den Straßenrand rollen“, hörte ich einen jungen Mann sagen.

„Können Sie aufstehen?“, fragte er mich.
„Geben Sie mir einen kurzen Augenblick“, rang ich mir ab und schnappte nach Luft.

Mehrere Menschen halfen, mich auf den Gehsteig zu rollen.
Inzwischen waren Schaulustigen da, die mich umringten.

Auf der anderen Seite hielt ein Autofahrer an und fragte: „Soll ich den Notarzt rufen?“

„Nein, nein, mir geht es gleich wieder besser!“
„Wirklich?“
„Ja, ich schaffe es allein“, sagte ich leise und versuchte aufzustehen.
„Soll ich Sie hochziehen?“, fragte der junge Mann.

„Tun Sie sich das nicht an“, antwortete ich.
„Wir schaffen das gemeinsam“, sagte er daraufhin.

Ich nickte, reichte ihm meinen Arm und er begann mich hochzuziehen.
Sein Gesicht lief rot an, seine Muskeln spannten sich unterhalb des Hemdes.
Schließlich stand ich wieder.

„Sollen wir jemandem Bescheid sagen?“, fragte die Begleiterin des jungen Mannes. Auf ihrem Arm saß Krümel und schaute schon wieder fröhlich durch die Gegend. Mir wurde gleich leichter ums Herz.

„Ja bitte, meine Tochter ist in das Kaufhaus gegangen.“
Es dauerte nicht lange und Laura kam herausgestürzt.

„Papa, dich kann man auch nicht einen Augenblick allein lassen“, schimpfte sie.

„Alles halb so schlimm“, presste ich hervor und schleppte mich mit ihr und Krümel von dannen.
Klara war in der Ferienunterkunft geblieben.

Sie erschrak, als sie mein blutendes Knie und die Wunde am Oberarm entdeckte.

„Was ist denn nun schon wieder los?“, fragte sie und schaute mich vorwurfsvoll an.
„Wir brauchen Verbandsmaterial“, sagte sie, ohne eine Antwort von mir abzuwarten.

Wir gingen in die nächste Apotheke und bekamen alles, was wir brauchten.
Den restlichen Urlaub lief ich mit Pflaster und Binden am Arm und Knie umher.

Wieder in Berlin.
Wir holten Krümel aus dem Kindergarten ab. Sie war auf der Treppe hingefallen und hatte sich die Lippe gestoßen.

„Hast du ‚Aua‘?“, fragte ich sie.
Krümel nickte.

„Lass mal sehen“, sagte ich.
Krümel zeigte nicht auf ihre Lippe. Nein, sie zog die Hose hoch und deutete mit ihrem kleinen Finger auf ihr Knie, und zwar auf eine heile Stelle

„Aua“, sagte sie und schaute mich an.
Dann zeigte ich ihr die Stelle an meinem Arm.

„Hier auch Aua?“
Krümel nickte.

Sie hatte es nicht vergessen, was in Sassnitz mit mir passiert war.
Klara und ich mussten lachten.

Der Alltag kann jetzt doch kommen.

She left without saying goodbye

Iana got on the train to Donetsk. She was happy to finally go back home to Kiev and this time, forever. But her feelings were divided. In fact, a certain sadness came upon her.

The engine of the train started running and the wheels slowly began to turn. Iana laid back in her seat and closed her eyes and as she did this, images started appearing in her mind about the year that had just past. She knew that she was heading towards a new goal in her future.

A guilty feeling would constantly reappear

Iana had left many friends behind. She had a feeling of comfort in the city and really liked the people in Donetsk.

Everything she loved began in this city; her professional education towards becoming a ballerina, her first performances and the first admiration from the audience. But what she regretted the most was not saying goodbye to the ones who supported her and helped to make her dreams come true.

Two special people: Irina Pisareva and Vadim Pisarev. Even today, this thought is heavy on her soul. Irina was there for her when she struggled the most. In particular when Iana didn’t know if she could continue to follow her dream to dance.

Irina gave her food, shelter, nurtured her and gave her the strength through love and compassion which was vital for her to continue.

Vadim Pisarev was a father like figure, teacher and incredible dancer

Vadim was a famous ballet dancer at the time that Iana and her brother started their education. He also held the highly renowned position as Artistic Director of the state Academy of Opera and Ballet in Donetsk, known far beyond the borders of Ukraine.

He then continued creating the international „World Ballet Stars“ festival of which he also became director and he created the Master School of Choreography. Iana and her brother knew how fortunate they were to be under the wings of a true master of the art of ballet.

Donetsk, my new city and my beloved new home

There was nothing Iana would miss in Donetsk, apart from her family in Kiev. She would share an apartment with another balletdancer. Vadim Pisarev was able to acquire this apartment for them, which madeIana very happy because now she would be able to enjoy more freedom.

There wasn’t a nanny anymore who would follow her around everywhere and tell her offfor certain things she would do. That’s how she remembered her time in the dormitory.

This was the time Iana would grow creatively, not only in her ballet education or during her performances on stage in Donetsk but inother areas of life as well.

She also attended a modelling school to become a photography Model. The school was very near to the theatre. The classes provided knowledge on things like how to use the right make up and how to applyit.

She was taught how to walk on a catwalk and everything one would need to know about casting. Once she even received an offer to work with a Parisian modelling agency.

It all seemed so exciting and Vadim Pisarev supported her all the way. He thought it was important for Iana to grow as an artist and to learn about other ways to be creatively active. He even encouraged her to take part in the drama classes at the theatre.

Of course with so many new things to learn, Iana wouldn’t have much time for other things like partying or hanging out withfriends; only very intense work.

To leave Donetsk was not an easy decision but Iana knew it was time to move on in order for her to grow and experience different aspects of her dream. The decision didn’t come over night.

„Should I stayor should I not stay?“

„Should I really leave the city that gave me so much love and support? The ballet teachers who set me on the path to my dream career? “

These questions were constantly running through her mind. She tried to tell herself that this would be her way of giving back for all the good things she had been given but her thoughts were pulling her in different directions and she didn’t know what to do. She didn’t feel comfortable enough to talk to anyone about it so she kept it to herself which would eventually start eating her up inside.

Her brother, Jaroslaw, decided for himself that he would never go back to Donetsk.  Iana decided to follow him to Boston, America to take part in a tour. From there, Jaroslaw received a contract from the balletdirector of Boston to work in his company as a ballet dancer. Iana received the same offer but she had a different idea about what she wanted to do next. Her idea was to go back to Donetsk to train more and improve herself. This was the placewhere she could experiment with her artistry on stage. 

Boston wasn’t the end destination for Ianas‘ brotherJaroslaw. He later went on to dance with Miami Ballet. Miami seemed to be abetter place for him to dance. This decision didn’t seem to have any influence on Iana however, so she flew back to Donetsk and would be there on her own this time, without her brother. This made her miss her family back home in Kiev evenmore. She felt alone and was in need of her parents and all she wanted now was to go back home.

Later, a new love interest emerged for Iana

 He was a Japanese dancer from Kiev. He was already very successful in his career. Iana experienced quite strong feelings for him. He told Iana that he was watching one of her performances in Donetsk and that from that moment on, he was alreadyin love with her.


My new Japanese boyfriend seemed a little obsessed with me

He was fascinated by Iana’s dancing. He felt that it was powerful yet effort less and elegant. She had the ability to emotionally transform the audience with her roles. He would come more frequently to Donetsk to see her. At one point he started to insist for her to move to Kiev with him and become a Ballerina in the Kiev company. Was that what she should do? She didn’t know.

Let’s live and work together in Kiev

Iana was deeply flattered by the attention she got from him. He would have done anything for her. She enjoyed this attention but she also had the desire to be independent and follow her own path.
Iana’s boyfriend asked her if she would go with him to Japan, his home country, in order to participate in an international ballet competition. After a long flight, they arrived in Japan where Iana was introduced to his mother. His mother was incredibly important to him.

He worshiped her like a Goddess. Iana found the Japanese culture and traditions to be very interesting and everyone was so kind to her. It brought her great joy to see the respect they had for the ballet dancers.

Iana was also overjoyed to receive a special prize at the competition. Her experiences in Japan were a big part of her decision to move back to Kiev.

She had a good heart and she never forgot the people by her side

That was the tipping point for her to move back to Kiev. The moment Iana let go, she felt the pain. It hurt deep within her heart because she had left behind good people; good friends. Iana had never been the type of person who would show her inner feelings to others. She either expressed them through dancing or kept them buried inside herself. She had kept all of these emotions hidden because it was important to her to develop her skills, expand her horizons and strive to become the best ballerina she could. The thought of her being with her boyfriend in Kiev and being with her parents again were important factors in her decision to move back to Kiev.

Flashback

„We will shortly be arriving in Kiev.“  Said a voice from the speaker on the train. Iana opened her eyes. Finally, very soon she would see her family again.

„Daddy, could you drive back to Donetsk one more time and explain to Vadim Pisarev why I had to leave without saying goodbye or telling him why?“

Iana begged her father, Anatoli, after her tears upon arrival had dried. Anatoli couldn’t deny the request of his daughter. He drove back to Donetsk and explained to Vadim why Iana had returned to Kiev. He tried his best but he felt a little lost for words. However, Vadim was very understanding. He only wanted the best for Iana.

Iana mentioned at the end of our conversation: „Today, I’m more sure than ever that I had the best dance education in the best school in the world. Therefore I want to thank you from the bottom of my heart, Vadim Pisarev and Irina Pisareva, for your love and support throughout all these years. You will always have a place in my heart.“



Pflegekräfte zwischen selber zweifeln und sich entwickeln können

Wer heute in der Pflege tätig ist, den packen mitunter Zweifel, ob er das Richtige tut, ob er selbst richtig ist in der Branche. Besonders jüngeren Pflegekräften kommen diese Selbstzweifel: Mach ich das alles so, wie es vorgeschrieben ist? Nehme ich genügend Rücksicht auf die individuellen Wünsche und Bedürfnisse des Pflegebedürftigen, bei dem ich gerade bin? Wo will ich eigentlich in zehn Jahren sein?

Das ist nur ein Ausschnitt dessen, was mir Mitarbeiter erzählen, wenn sie von ihren Selbstzweifeln sprechen.
Jeder von uns kennt diese Gedanken und sie werden auch solange in uns sein, wie wir arbeiten.  Es gibt keine generellen Rezepte, wie man die sogenannte Balance für sich findet.
Geschrieben wird darüber viel.  Aber: Es gibt genügend Literatur, in der mal mehr und mal weniger gute Ratschläge erteilt werden.

Mir kommen in diesem Zusammenhang drei Gedanken:
Ein erster ist, sich nicht permanent unter Druck zu setzen, sich selbst zu überfordern.
Letztlich wird man dadurch nie frei und auch nicht glücklich sein.
Es gibt niemanden auf diesem Erdball, der alles kann, alles weiß und nichts mehr in der eigenen Persönlichkeitsentwicklung tun muss. Insofern: Ein Stück Distanz zu den Dingen, die am Tag passieren und vielleicht auch mal nicht gelingen, das hilft.

Zweitens:
Unsere Vorhaben sollten dergestalt sein, dass wir sie auch erreichen können.  Nichts demotiviert mehr, als Ziele, die von vornherein zu hochgesteckt sind.

Und drittens:
Trau‘ dir ruhig etwas zu, denke also nicht zu klein. Nimm deine Pflegedienstleitung oder den Inhaber des Pflegedienstes mit ins Boot – in dein Boot, denn in seinem hältst du dich ja den ganzen Tag auf. Was heißt das? Sprich über das, was du erreichen willst, wann du wo sein willst und welche Hilfe du dafür brauchst.
Wenn du nicht fragst, dann hast du auch nicht die Chance, deine Ziele zu erreichen oder wirst vielleicht sogar scheitern.
Teamwork ist wichtig. Das heißt aber auch: Du hast deinen Platz im Team und einen moralischen und faktischen Anspruch auf Hilfe – jeder im Pflegedienst hat letzlich was davon.
Friedrich Nietzsche schreibt: „Ein Beruf ist das Rückgrat des Lebens.“
(Quelle: 2012 Anaconda Verlag GmbH, Köln, S. 339)
Also stärke dein Rückgrat.

© Dr. Uwe Müller

Warum „UweMuellererzaehlt“?

Ich habe bewusst die Domain „uwemuellererzaehlt“ gewählt: Ich will aus eigener Anschauung und unter eigenem Namen schreiben und dies sofort in der persönlichen Überschrift ausdrücken.
Noch wichtiger aber ist: Ich möchte diejenigen zu Wort kommen lassen, die sich täglich um ihre Pflegebedürftigen und deren Angehörige bemühen.
Ich finde, das Bedürfnis von Menschen, über andere Menschen etwas aus der persönlichen Sicht zu erfahren, hat stark genommen.
Das ist im Pflegebereich nicht anders. Bekanntheit, Anerkennung, die Mund-zu-Mund-Propaganda entsteht nicht zuerst dadurch,
dass man von sich behauptet, „man sei der Beste“.
Das entscheiden die Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen ohnehin selbst.
Vielmehr: Leser wollen lieber etwas darüber erfahren, was die Inhaberin oder der Inhaber eines Pflegedienstes denkt,
was ihnen am Herzen liegt, wenn sie über Qualität in der Pflege und Betreuung sprechen, wie sie mit Stress und Überlastung umgehen,
was sie künftig verbessern wollen.  Nur dadurch entsteht Vertrauen, gewinnen Angehörige die Überzeugung, dass es der richtige Pflegedienst für sie ist.

Individuelle Betreuung von an Demenz erkrankten Menschen im Fokus
Die Anzahl der Pflegebedürftigen wächst, und unter ihnen die Zahl derer, die an Demenz erkrankt sind – im Anfangsstadium oder fortgeschritten. Das soll unter anderem ein Schwerpunkt werden für dieses Portal – der Umgang mit der Krankheit Demenz – durch die Betroffenen selbst und diejenigen, die sich kümmern.
Das sind zum einen die vielen Pflegekräfte, die es beruflich tun und die Angehörigen. Aus Gesprächen weiß ich und erfahre es immer wieder aufs Neue, dass der starke Wunsch besteht, sich auszutauschen, über die Probleme zu reden. Und auch: Anerkennung zu finden, für das, was tagtäglich geleistet wird.

Erreichte Erfolge stärken die Kraft, um neue Herausforderungen zu bewältigen
Es wird viel darüber geschrieben, wie dramatisch es im Pflegebereich zugeht. Dabei ist viel getan worden in den letzten Jahren. Auf der Ebene der Politik und durch die Akteure in der Pflege selbst.
Mein Eindruck ist: Manchmal wird vergessen, das Positive zu erwähnen, ohne in Schönfärberei zu verfallen.
Die Zahlen derjenigen, die der Pflege bedürfen,  steigen so rasant an, dass man die greifbare Überforderung ohnehin gar nicht ignorieren kann. Doch Herausforderungen in der Zukunft bewältigt man auch und vor allem dann, wenn man sich dessen bewusst wird, was schon geleistet wurde. Erst dadurch wird ja auch die Dimension klarer, wie es zukünftig weitergehen kann.

Uwe Müller