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VOM GLÜCK DES SCHEINBAR BANALEN, NICHTERWÄHNENSWERTEN IM ALLTAG

ZUM GLÜCK HABEN WIR KRÜMEL

ALLTÄGLICHES (48-11)

Wir sind zu Krümel gefahren. Sie empfing uns am Fahrstuhl, sie hüpfte uns entgegen und schrie freudig, „Oma, Opa!“, und wollte gleich auf den Arm von Klara.

Ich hatte mir extra im Fahrstuhl die Mütze noch so aufgesetzt, dass der Schirm nach hinten zeigte und Krümel sich nicht gleich die Stirn daran stieß, wenn ich sie mit den Armen hochheben sollte.

Aber das war ja nun gar nicht nötig gewesen.
Sie war nun im Arm von Klara.
Trotzdem, ich freute mich natürlich wie ich sah, dass Klara und Krümel strahlten.

Laura war eigentlich gerade dabei, Krümel anzuziehen.
Aber nun sauste sie aufgeregt auf dem Flur hin- und her.

Wir gingen zu Laura in die Wohnung hinein und Krümel rannte weiter vom Wohnzimmer ins Schlafzimmer, den langen Flur entlang und kreischte laut vor Glück.

Schließlich gelang es mir, sie zu fassen, was ihr noch mehr Spaß bereitete.
Ich zog ihr die Hose an und ein kleines Nicki-Shirt. Was einfacher gesagt war, als ich es auch faktisch hinbekam.

Krümel zappelte und wollte unbedingt an die Tüte mit den Schokoladeneiern, die wir ihr mitgebracht hatten. Ich holte die Tüte mit den Schokoladen-Eiern und einem Behälter mit kleinen Schokoladen-Plätzchen. Ich ließ Krümel selbst auswählen, was sie essen wollte.

Sie ließ sich Zeit, jetzt hatte sie ja den vollen Zugriff drauf. Krümel wählte die Smilies. Sie versuchte den Verschluss zu öffnen und kippte die ganze dünne Plastikflasche auf die Seite, sodass sie gleichzeitig zwischen 10 und 12 Plätzchen auf einmal in die Hand bekam.

Die restlichen hatte ich aufgefangen. Krümel führte die Hand zum Mund und wollte alle Plätzchen auf einmal in den Mund stecken. Nur mit Mühe konnte ich sie davon abhalten.

Das gelang mir auch, doch für vier Plätzchen kam jede Hilfe zu spät. Sie steckten im Mund von Krümel und wurden von ihr zermalmt, während sie mich mit ihren leuchtenden Augen anstrahlte.

Früher, bei Laura, da hätte ich geschimpft und den Finger erhoben, jetzt konnte ich nur noch versuchen, dass Krümel mein Lachen nicht mitbekam.

Laura kam ins Zimmer, sah, dass Krümel den Mund vollgestopft hatte, und sie war nicht begeistert.

Naja, wir sind eben die Großeltern. Da kann man doch mal eine Ausnahme machen, oder?

Ich überlegte: Brauchte ich noch mehr, um glücklich zu sein? Naja, ein bisschen vielleicht. Aber irgendwie auch nicht.

‚EMMA NICHT SCHULD, PAULINE SCHULD‘

ZUM GLÜCK HABEN WIR KRÜMEL (48-10)
Krümel war bei ihren Großeltern Klara und Peter auf dem Dorf zu Besuch, zusammen mit ihrer Mama Laura. Der richtige Name von Krümel war Emma Pauline, aber so nannte sie kaum jemand.

Peter sprach Emma Pauline fast ausschließlich mit Krümel an.
Das hatte sich in seinem Kopf festgesetzt, und die anderen Familienmitglieder nannten sie ebenfalls so, bis auf die Ausnahmen, wenn es etwas Ernsteres zu besprechen gab.

Aber so viel gab es mit Krümel nicht zu besprechen, noch nicht. Meistens reichte ein erhobener Finger oder ein ‚oh, oh‘ Emma, das darfst du nicht‘, oder etwa ein strenger Blick, der Emma davon abhielt, den Knopf von der Spülmaschine umzudrehen.

Krümel war mal wieder aus dem Zimmer in die Küche gelaufen, hatte den Stuhl an den Kühlschrank gestellt und versuchte, die Tür zu öffnen.

Sie wollte ein Eis essen und damit nicht bis nach dem Mittagsschlaf warten.
Deshalb beobachtete sie mit wachen Augen, wie Klara schon mal das Eis aus dem Gefrierschrank holte und von da aus in den Kühlschrank legte.

Klara nahm Krümel an die Hand und ging mit ihr ins Wohnzimmer, bevor Laura sie nach oben zum Schlafen brachte. Aber Krümel hatte anderes vor. Sie lief noch einmal von allen unbemerkt in die Küche und schaute wie gebannt am Kühlschrank hoch.

Jetzt musste sie also nur noch die Kühlschranktür aufbekommen. Sie schob ihren kleinen Hocker ran, sodass sie gerade so an den Griff der Tür gelangte.

Doch plötzlich verlor sie dabei ihr Gleichgewicht, der Stuhl begann zu wackeln und kippte schließlich nach hinten. Es polterte lautstark und ihre Oma und ihr Opa schossen wie elektrisiert aus ihren Sesseln hoch und hasteten in die Küche.

Krümel war zum Glück nicht auf dem Hinterkopf gelandet. Sie weinte nicht, hielt ihr Stangeneis in der Hand, dass sie noch greifen konnte, bevor sie stürzte. Sie schaute Klara und Peter schuldbewusst an.

Vor dem Kühlschrank lag die Butterdose auf dem Boden und aus einer heruntergefallenen Packung tropfte langsam Milch auf die Fliesen.

„Emma, bist du das gewesen?“, fragte ihr Opa sie mit strengem Blick, und war insgeheim froh, dass seinem geliebten Krümel nichts passiert war.

„Opa, nein, ‚ich nicht war'“, sagte Emma.
„Aber wer war es dann?“, hakte ihr Opa nach und versuchte weiter grimmig zu schauen.

Die Zweieinhalbjährige guckte ihn mit unschuldigen Augen an und wiederholte: „Emma nicht, ‚Pauline war‘“.

Ihr Opa schaute sie verdutzt an?
„Wer?“

„Papa, Pauline ist ihr zweiter Vorname! Hast du das vergessen?“
Jetzt brach es aus ihrem Opa heraus, er lachte und konnte sich nicht mehr halten.
„Jaha Opa, Pauline, mhm!“, Emma nickte zur Bekräftigung mit ernster Miene.

„Sprich du noch mal mit ihr“, sagte Peter zu Laura, ich kann jetzt nicht ernst bleiben“, meinte er.

Emma hatte inzwischen die Situation gut analysiert und wandte sich zielsicher an das mental schwächste Glied, ihre Oma.
„Eis, ja Oma?“, fragte sie Klara und hielt das leicht zerdrückte Stangeneis fragend nach oben.

Laura wollte gerade mit einer erzieherisch notwendigen Ansprache an Emma beginnen.

Da kam ihr Klara zuvor: „Hier hast du ein neues Eis, meine Süße.“
Emma nahm es, sagte höflich danke zu ihrer Oma und verschwand ruhigen Gewissens aus der Küche.

Pauline, ja, die konnte sich vielleicht was anhören, während Emma in Ruhe am Eis leckte.

VORLESEN FÜR KRÜMEL – DAS PASST IN DIE ZEIT

ZUM GLÜCK HABEN WIR KRÜMEL (8)
Wir wollen wieder mehr für Krümel tun, per Skype, Video und Whats App. Aber was? Vorlesen!

Genau darüber wird viel gesprochen und geschrieben in letzter Zeit. Ich sah mehrere Berichte darüber im Fernsehen. Spontan habe ich mit Laura telefoniert.

„Ich übernehme das Vorlesen bei Krümel. Wenn ihr wollt, dann werde ich Krümel Geschichten vorlesen – Märchen, vielleicht eigene Erzählungen, Kinderbücher“, sagte ich zu Laura. Sie findet das gut.

Allerdings, als ich das letzte Mal bei ihr war, vor den Schutzmaßnahmen für Corona, da habe ich mit Krümel probehalber in einem Buch geblättert, in dem verschiedene Dinge abgebildet waren – eine Tomate zum Beispiel, eine Gießkanne oder ein Sandkasten.

Krümel hat einen Augenblick mitgespielt. Dann hat sie mir kurzerhand das Buch weggenommen, es zugeklappt und stattdessen den Schakal aus Stoff, den mit den hässlichen Ohren, zum Trinken genötigt, und zwar durch die Nasenlöcher.

Naja, ich muss eben Geduld haben.
Ich habe vor einigen Jahren schon einmal als Vorleser fungiert – in der örtlichen Bibliothek. Meist waren es Märchen, die von den Kindern gewünscht zum Vorlesen gewünscht wurden.

Da ist mir noch einmal so richtig deutlich vor Augen geführt worden, wie grausam einzelne Inhalte sind: bei ‚Aschenputtel‘ wird bei dem einen Mädchen hinten ein wenig vom Hacken weggenommen, damit der Schuh passt, ‚Der Struwwel-Peter‘ verhungert, weil er zulange Fingernägel hat.

Das Vorlesen ist noch mal eine Aufgabe, die mir viel Spaß machen wird.

Wir können nicht nur immer die Welt retten, indem wir über die großen Katastrophen reden. Das ist notwendig, ja unabdingbar. Natürlich. Wir können aber auch was im Kleinen tun – Lesen ist enorm wichtig. Damit fängt alles an.

Internet, digitale Medien – da wird Krümel ihre Mutter Laura überholen und mich sowieso.

Aber das kann sie umso schneller, je besser sie lesen kann, je mehr sie weiß, je intensiver ihr Verstand geschult wird. Also verknüpfen wir mal digitale Technik mit etwas sehr Nützlichem, dem Vorlesen.
Ich fange mal mit dem Buch ‚Tilda Apfelkern‘ an.

WAS KRÜMEL JETZT WOHL MACHT? (FORTSETZUNG)

ZUM GLÜCK HABEN WIR KRÜMEL (7)
Krümel hatte Fieber und sollte  auf jeden Fall ihren Mittagsschlaf machen.

„Komm‘, wir gehen in dein Zimmer, suchen uns den Schlafanzug heraus und danach darfst du mal ausnahmsweise im Wohnzimmer Mittagsschlaf machen.“

Krümel nickte und fing sofort an in Richtung ihres Zimmers zu laufen. Als ich hereinkam, da hatte sie sich bereits auf ihr Bett geschmissen und den rosaroten Schlafanzug hervorgeholt.

Ich war erleichtert, dass Krümel aktiv mitmachte. Sie zog von allein ihre Hosen aus und ich knöpfte in der Zwischenzeit den Schlafanzug auf.

„Wo ist hier eigentlich oben und unten Krümel?“, fragte ich sie.
„Mein Schlafanzug“, antwortete sie stattdessen.

„Und das soll auf jeden Fall so bleiben, denn Opa will zwar wieder ‚Modelmaße‘ durch sein Training bekommen, aber hier hinein, das werde ich wohl nicht schaffen“, sagte ich zu ihr.

Inzwischen versuchte ich, ihre Arme in den Schlafanzug zu zwängen.
„Arme, Opa“, sagte Krümel.

„Ja klar Arme“, sagte ich zu ihr und sah nun, dass ich versuchte ihre Arme da hineinzubekommen, wo ihre Füße reinsollten. Also alles noch einmal zurück. Ich drehte den Schlafanzug um, bugsierte ihre Hände Richtung Ärmel und hatte es endlich geschafft.

Jetzt musste ich nur noch die Druckknöpfe zubekommen. Als ich das geschafft hatte sah ich, dass die Knöpfe falsch zugeknöpft waren.
„Würde Monk so etwas hinnehmen?“, fragte ich mich im Stillen.

Ich liebte die Fernsehserie aus den USA. Nicht nur, weil die Figur so genial Kriminalfälle aufklärte, sondern weil sie fanatisch auf Ordnung bedacht war.

Obwohl Monk eigentlich in einer Serie ein Rennen beobachten wollte, kam ihm ein älterer Herr vor das Fernglas, dessen Jacke falsch zugeknöpft war. Monk drängte den älteren Herrn so lange, bis der entnervt seine Jacke aufknöpfte und wieder ordentlich zumachte.

Daran musste ich nun denken. Also wieder alles bei Krümel aufknöpfen und von vorn beginnen. Krümel hatte kein Verständnis dafür und fing an zu weinen.

„Wir sind ja gleich fertig“, versuchte ich beruhigend auf sie einzuwirken, obwohl ‚gleich‘ in diesem Fall eher relativ gemeint war. Laura hätte in der Zeit sicherlich Krümel den Schlafanzug fünfmal ausgezogen, wieder angezogen und zugeknöpft. Aber ich war untrainiert.

Überhaupt musste ich mich daran gewöhnen, dass der Anzug schräg zugeknöpft wurde. Allein das war für mich schon eine Herausforderung. Ich war eben mehr für die geraden Sachen.

Mit dem Rest an Krümels Geduld war es nun endgültig vorbei. Sie schrie ihren Unmut laut hinaus. Ich fühlte mit der Hand an ihrer Stirn. Sie war heiß, als hätte sie eine Stunde in der glühenden Sonne gelegen.

Ich hob sie hoch, sie legte ihre Ärmchen um meinen Hals und ich trug sie ins Wohnzimmer, legte sie auf die Couch und versuchte sie zu beruhigen.

Dann fiel mir ein, dass wir den Nuckel im Schlafzimmer vergessen hatten. Ich eilte über den Flur, griff im Vorbeigehen noch die Micky Maus und kam mit beiden Utensilien zurück.

Ich steckte Krümel den Nuckel in den Mund und drückte ihr die Stoffpuppe in die Hand. Sie legte die Puppe auf ihr Gesicht. Sie machte die Augen zu und schlief sofort ein.

Ich schaute sie erleichtert an. Zugegeben, ich war fertig, mit ‚Jack‘ und ‚Büx‘, aber ich war auch glücklich, als ich Krümel so friedlich schlafen sah.

„Werd‘ wieder gesund“, sagte ich leise, legte mich auf die gegenüberliegende Seite der Couch und schlief ebenfalls sofort ein. Ohne Nuckel und Stoffpuppe.

Als wir aufwachten, stand Laura in der Tür.
Der Nuckel flog aus Krümels Mund, sie stürmte auf ihre Mutter zu. Laura nahm sie hoch und Krümel sah zufrieden aus, sehr zufrieden.

Da hast du als Opa keine Chance, und wenn du eine Rolle rückwärts machst und dabei ‚…kommt ein Vogel geflogen‘ zwitscherst.

WAS KRÜMEL JETZT WOHL MACHT ? (FORTSETZUNG)

ZUM GLÜCK HABEN WIR KRÜMEL  (6)

„Was willst du denn essen?", fragte ich Krümel, nachdem sie den Kartoffelbrei mit Möhren abgelehnt hatte.

„Butter“, sagte Krümel. Für sie war alles Butter, ob ein Brot mit Butter, mit Käse oder auch Wurst drauf.

Also nahm ich ein Knusperbrot und beschmierte es mit Butter. Ich ging in das Wohnzimmer, setzte mich neben Krümel und reichte es ihr.

Krümel biss einmal ab und gab es mir zurück. Sie würgte an dem einen Bissen und ich verdrückte neben ihr den Rest, den größten Teil des verbliebenen Knusperbrotes.

Dabei saßen wir nebeneinander und schauten einen Kinderfilm, in dem es um ein gestohlenes Passwort für ein wichtiges Computergeheimnis ging.

Ob es Laura gutheißen würde, dass wir nicht in der Küche saßen, am Tisch, nebeneinander, so wie es sich gehörte? Egal. Krümel war krank und da sollte eine Ablenkung nur recht sein.

Wir schauten, und wir waren im Film drin, krochen nahezu gebannt in den Bildschirm hinein. Würde die Polizei den Dieb rechtzeitig fassen, um ein Unglück zu verhindern?

Krümel stand vom Sofa auf und ging direkt vor den Fernseher.
„Krümel nein, komm‘ wieder hierher zurück!“

„Ne“, sagte Krümel.
„Ne“ sagen, das hatte sie schnell gelernt, schneller, als auf das zu hören, was ich ihr in dem Moment sagte.

„Krümel, bitte“ wiederholte ich meine Aufforderung.
„In Ruuuuhe…!“, antwortete Krümel nun trotzig. Da war sie wieder die Ablehnung für etwas, was sie nicht tun wollte.

Ich musste etwas unternehmen, damit sie nicht länger vor dem Fernseher stand.

Ich drückte auf die Fernbedienung, der Bildschirm wurde dunkel und Krümel fing an zu weinen.

„Komm‘, Opa zieht dir den Schlafanzug an und dann schläfst du schön, damit wieder ganz gesund wirst“, sagte ich mit möglichst einschmeichelnder Stimme.

Jetzt ging Krümels Sirene so richtig an. Sie weinte noch stärker. Es war schon eher ein Plärren. Was sollte ich nur tun?

„Was willst du denn?“, fragte ich sie erneut.
„In Ruuuhe“, schleuderte sie mir entgegen.

Was sollte ich nur tun? Laura anrufen? Die wäre nur noch beunruhigter.

„Oh, oh“, sagte ich mit möglichster tiefer Stimme und hob meinen Zeigefinger.

Krümel lief weinend aus dem Wohnzimmer, über den Flur und warf sich im Kinderzimmer auf den Boden.

Ich saß ratlos daneben.
„Möchtest du einen Nuckel haben?“

„Ja“, antwortete sie sofort.
„Aber ich weiß nicht, wo der Nuckel ist.“

Krümel schaute mich sehr prüfend an, bereit, erneut in den passiven Widerstand zu gehen.

„Ruf mal nach dem Nuckel“, sagte ich zu ihr.
Und schon rief Krümel aus voller Kehle: „Nuckel, wo bist du?“ Donnerwetter, mit einem Mal konnte sie einen ganzen Satz bilden.

Ich zog den Nuckel aus der Hosentasche.
„Hier ist der Nuckel, er hat dich gehört.“
Krümel nickte und steckte ihn sofort in den Mund.

Gut, dass Laura dies alles nicht sah. Aber schließlich waren wir im Notstand, Krümel hatte hohes Fieber. Da musste ich Zugeständnisse machen.

„Willst du im Wohnzimmer bei mir auf der Couch liegen?“, fragte ich weiter.

„Ja“, sagte sie kurz und schmerzlos.
‚Na bitte, geht doch‘, dachte ich bei mir und hörte schon, wie Laura alle diese Regelverstöße auf eine Tafel mit quietschender Kreide schrieb. Aber das war nur so ein Tagtraum.

Jetzt kam die nächste Hürde. Ich musste Krümel den Schlafanzug als ein tolles Kostüm verkaufen.
Fortsetzung (48-6)

WAS KRÜMEL JETZT WOHL MACHT?

ZUM GLÜCK HABEN WIR KRÜMEL (4)
Ich denke jetzt mehr an Krümel, als ich es in normalen Zeiten getan habe. Wahrscheinlich, weil es schmerzt, dass ich sie nicht in den Arm nehmen kann, oder sie einfach im Vorbeilaufen an meinem Sessel auf den elektrischen Knopf drückt und dann meine Beine beim Lesen nach oben schnellen.
Also lehne ich mich im Sessel zurück und denke weiter an unsere Enkelin, die wir in Corona-Zeiten eben nicht sehen können.
Was mich fasziniert ist, dass Kinder ihr ehrliches Gesicht zeigen, sie nicht ihren Unmut, ihren Ärger hinter einem freundlichen oder undurchsichtigen Ausdruck verbergen. Das ist toll. Aber wenn sie das sagen oder wenigstens in der Mimik ausdrücken, was sie denken und fühlen in dem Moment, dann ist es uns Erwachsenen manchmal auch nicht recht. Krümel sagt zum Beispiel in Momenten, in denen sie was nicht möchte: „Lass mich in Ruhe, oder einfacher, weil sie es mit ihren zweieinhalb Jahren noch nicht sagen kann „…in Ruhe“. Dabei zieht sie das ‚u‘ energisch auseinander und es kommt „…in Ruuuhe“ heraus. So auch mehrfach, als ich Krümel für zwei Tage betreute, weil sie Fieber hatte.

„Keine Zeit!“, sage ich knapp, wenn ich arbeiten will und erntet daraufhin oft einen verständnislosen Blick von meiner Frau oder meinen Freunden.

Es gibt eine Ausnahme, und zwar dann, wenn meine Tochter einen Hilferuf absetzt und ich auf Krümel aufpassen soll.
Dann schiebe ich alles beiseite, mach‘ den Computer aus und eile zu Krümel und Laura nach Hause, um zu helfen.

Erst kürzlich klingelte das Telefon, als ich gerade vom Sport zurück war und mich auf eine zweite Tasse Kaffee freute, bevor ich dann an den Schreibtisch wollte.

„Krümel hat fast 40 Grad Fieber, sie ist am ganzen Körper heiß, kannst du auf sie aufpassen?“, fragte Laura mich.

„Klar, kann ich“, antwortete ich, ohne zu zögern.
„Wo ist sie denn jetzt?“, fragte ich weiter.
„In der Kita, hier bei mir“, sagte Laura.

„Gut, ich komme, so schnell ich kann.“
Ich duschte mich kurz, verzichtete auf den Kaffee, stieg ins Auto und eilte in die Kita.

Krümel schaute mich mit einem erstaunten Blick an.
„Opa“, sagte sie leiser als sonst.

Ich bekam von Laura noch ein paar Instruktionen und schon war ich mit Krümel auf dem Weg in ihre Wohnung.

Sie lag still im Kinderwagen. Es war ungewöhnlich. Sonst sangen wir auf dem Rückweg solche Lieder wie „…kommt ein Vogel geflogen…“. Ich singe vor und Krümel wiederholt ein Wort aus der Liedzeile, „…auf mein ‚Fuuuuß‘“, zum Beispiel.

Dann geht es mit „la la“ munter weiter, bis wir nicht mehr können. Und meist kann ich zuerst nicht mehr.

Jetzt aber hörte man von Krümel gar nichts.
Endlich – wir waren Zuhause angekommen. Ich zog ihr schnell die Wintersachen aus und Krümel lief ins Wohnzimmer.

„Willst du einen Trickfilm sehen?“, fragte ich sie.
„Ja‘, sagte sie leise. Ich wusste nicht, ob es Laura recht war, aber ich wollte Krümel erst mal beschäftigen.

Ich ging in die Küche. Dort hatte Laura schon das Mittagessen vorbereitet. Im Mixer waren Kartoffeln und Möhren. Ich sollte noch ein bisschen Butter dazutun, ein wenig Salz und dann das Ganze verrühren.

Als alles fertig war, rief ich Krümel und füllte ihr einen kleinen Klecks davon auf den Teller.

Es war ulkig. Ich konnte diesen Brei nicht sehen und nicht riechen, obwohl alles frisch war.

„Krümel, komm‘ essen“, rief ich erneut und Krümel schlurfte den Flur entlang.

Als sie auf dem Stuhl saß und ich den Brei vor mir hatte, musste ich würgen und aufpassen, dass ich mich nicht übergab.
Krümel schaute mich aufmerksam an.

„’Leecker‘!“, rief ich. „Willst du einen Löffel haben?“, fragte ich danach schnell. Krümel sah auf den Löffel, dann auf mein Gesicht. Ich verzog es immer noch und würgte ein wenig.

Krümel hatte sich entschieden. „Nee!“, sagte sie entschieden und rutschte vom Stuhl.

„Probier‘ doch mal, Opa hat auch schon davon genascht“, sagte ich so salbungsvoll wie möglich.

Krümel hatte mich durchschaut, „in Ruuuhe…“, rief sie beim Rauslaufen aus der Küche. Ich konnte ihr nichts vormachen, aber was sollte ich ihr nun zu essen geben?

Ich musste mir was einfallen lassen.

EIN TAG MIT KRÜMEL

ZUM GLÜCK HABEN WIR KRÜMEL (5)

Wenn du einen Tag mit deiner Enkelin verbringen kannst, dann tu' es, und flieh vom Schreibtisch - dafür bekommst du wahrscheinlich keine zweite Chance mehr.
Das habe ich vor ein paar Monaten geschrieben. Ich wusste noch nicht, wie dankbar ich sein sollte, dass ich mich stets vom Schreibtisch gelöst hatte, wenn ich mit Krümel zusammen sein konnte. Wie wertvoll das ist, das merke ich es jetzt, in der Zeit von Kontaktsperren und Mundschutz.

VOR EIN PAAR MONATEN
Laura rief am Mittwoch an: „Papa, ich habe einen ‚Anschlag‘ auf dich vor.“
„Was denn?“, fragte ich.
„Krümel kann noch nicht in den Kindergarten, die Ärztin sagt, sie braucht noch ein paar Tage. Und du bist der einzige, der Morgen auf sie aufpassen kann.“

Ich habe gar nicht überlegt, sondern gleich gesagt: „Geht klar! Wann soll ich da sein?“
Dabei musste ich erst sehen, dass alles klar ging. Der Schreibtisch war voll. Aber das rückte nun alles in den Hintergrund. Sollte ich etwa einen Text oder eine Geschichte meinem geliebten „Krümel“ vorziehen?

Das kam gar nicht in Frage. Ich traf pünktlich bei Laura ein. Vorher hatte ich noch an einer Kreuzung gewartet, es ging nicht vorwärts.

Also konnte ich die Kinder beobachten, die auf der gegenüberliegenden Seite vor der Schule standen und offensichtlich warteten, bis sie reingelassen wurden.

„Warum um Himmelswillen, müssen die draußen in der Kälte stehen?“, dachte ich bei mir.

Wahrscheinlich, weil ein Hausmeister hier auf Pünktlichkeit pochte. Na gut, ich wollte nicht ungerecht sein, und auch noch auf die schimpfen, die bestimmt ihre Gründe für dieses Vorgehen hatten. Ich kann es gar nicht glauben, dass dies schon so lange her ist, mit dem normalen Schulalltag.

Krümel empfing mich mit einem kleinen Lachen. Ihre Mausezähnchen leuchteten mir entgegen. Ich nahm sie auf den Arm und Laura begann mich einzuweisen.

„Hier liegen die Windeln. Das Essen stellst du in die Mikrowelle. Da liegen die Sachen, wenn du mal mit ihr spaziergengehen willst. Und mittags ziehst du ihr den Schlafanzug über.“

Würde ich das alles behalten? Und dann noch die Verantwortung dafür, dass Krümel nichts passierte. Laura war weg. Zur Arbeit. Krümel schaute mich an und ich schaute Krümel an.

„Oma?“, krähte sie mit einer dünnen Stimme.
„Oma?“, fragte sie wieder.
„Opa!“, sagte ich zu ihr.
„Oma?“, ertönte es wieder.

Ich gab es auf und setzte mich in die Spielecke. Krümel kam zu mir und schob ihr kleines Hinterteil ebenfalls auf die kleine Matratze.

Dann zog sie ein Stofftier aus dem danebenstehenden Regal. Dort waren viele niedliche Tiere – ein Bär, eine Giraffe, ein Affe.
Wen nahm Krümel? Einen kleinen Schakal mit großen hässlichen Ohren.

Er wurde von ihr gedrückt und geherzt, bekam die kleine Trinkflasche in die Nase gedrückt. Dann holte Krümel alle Autos aus dem Regal.

Nach und nach gab sie mir diese in die Hand und ich sollte die Musik anmachen. Ich fummelte an den Autos solange herum, bis ich alle Hebel gefunden hatte. Jetzt tönte aus jedem Gefährt ein anderes Lied.

„Krümel, wir machen das jetzt wieder aus, sonst sind wir hinterher beso…, äh, ich meine betrunken.“
Krümel krächzte, was wohl sowas wie ein ‚ok‘ war. Später bin ich mit Krümel ein Stück spaziergengegangen. Ich musste mich hinsetzen, um ihr die Schuhe anzuziehen.

Krümel wollte dabei mithelfen und das machte es so kompliziert. Dann kam das Mittagessen. Nudeln, etwas Tomatensauce, und das alles aus einer Flasche.

Anfangs lief es super. Krümel riss den Mund auf und ich schaufelte den Löffel hinein. Später fing sie an zu spielen, spuckte auch mal wieder ein klein wenig von dem bereits Geschluckten aus. Das kleine Oberteil war mit roten Flecken übersät.

Mittagsschlaf. Ich hatte auf den Bauch eines kleinen Schlumpfes gedrückt.
„Drück‘ dreimal, Papa, dann kommt nur die leise Musik und nicht das blaue Licht“, hatte mich Laura noch eingewiesen.

Das funktionierte. Dann stand ich noch einmal auf, um das Fenster im Wohnzimmer an zu klappen.

„Opa?“, hörte ich sie rufen.
„Ich komm‘ mein Liebling“, sagte ich, eilte zurück ins Schlafzimmer und schwang mich ebenfalls ins Bett neben ihr, streckte meine Hand zu ihr aus. Sie umklammerte den Mittelfinger der rechten Hand und ich hörte bald das gleichmäßige Schnaufen ihres Atems.

Vorsichtig versuchte ich den Finger wieder aus ihrem Händchen zu ziehen. Keine Chance. Wir schliefen zwei Stunden. Plötzlich spürte ich, wie mich zwei Augen anschauten. Ich machte ein Auge auf und zwei kleine Zähnchen aus ihrem Mund blitzten mich freundlich an.

Dann Windeln wechseln. Es lief gut. Das hätte ich gar nicht gedacht.
Wir spielten noch ein wenig. Ich baute einen Turm und Krümel setzte alles daran, ihn möglichst schnell wieder umzustoßen. Es entstand ein Wettkampf zwischen schnell aufbauen und noch schneller wieder einreißen.

Laura kam von der Arbeit. Krümel juchzte. Ihre Mama war wieder da. Über die Mama, da geht eben gar nichts. Da kannst du auf den Händen stehen und singen. Kann ich nicht. Ich meine nur mal so.

Aber Krümel und ich, wir waren an dem Tag beste Freunde. Sie kam zwischendurch immer mal wieder zu mir dicht heran und legte ihre Wange an mein Gesicht.

Sollte ich etwas dieses Gefühl für einen Tag am Schreibtisch aufgeben? Niemals.

BRIEF AN MEINE ENKELIN ÜBER EIN NEUES BUCH MIT KINDERLIEDERN

ZUM GLÜCK HABEN WIR KRÜMEL (3)

Der Brief liegt nun auch schon wieder ein Jahr zurück.
Trotzdem erinnere ich mich gern daran, weil er zeigt, wie schnell sich Krümel entwickelt. Das Liederbuch nehmen wir gern zur Hand. Aber noch lieber singen wir ‚Oh Tanne-Baum‘. Und dann fragt Krümel: „Opa, noch maaal?!!“
Das ist der Brief:

Lieber Krümel,
während du dich wahrscheinlich noch im Bett herumdrehst und hoffentlich schöne Träume hast, habe ich heute mit etwas ganz Besonderem begonnen. Nämlich, ein neues Liederbuch für Kinder anzuschauen.

Oma brachte gestern so ein Buch mit. So etwas habe ich noch nicht gesehen. Auf dem Deckel ist ein Bär abgebildet. Er läuft, lacht und singt. Woran ich das erkenne?

Nun, daneben sind kleine Noten abgebildet. Das ist aber nur die eine Hälfte des Buchdeckels. Auf der anderen Seite gibt es einen Notenschlüssel. Und wenn du dort auf die einzelnen Bilder drückst, dann ertönt ein Lied. Im Buch selbst sind dann einzelne Liedtexte abgebildet.

Zum Beispiel: Kommt ein Vogel geflogen. Jetzt muss ich nur noch herausbekommen, welcher Text zu welcher Melodie passt. Damit bin ich heute Morgen beschäftigt.

Oma sagt: „Jetzt kannst du mal deine Lieder vergessen.“
„Welche?“, habe ich gefragt.
„Na, ‚…auf der Reeperbahn… zum Beispiel“, sagte sie.

Aber mit den neuen Liedern ist es so, wie mit den neuen Spielzeugen. Wir bekamen früher zwar nicht so viele neue Sachen zum Spielen. Cowboys mit Pistolen schon. Und wir freuten uns, wenn wir diese Cowboys hatten, und wir sie in den Kampf schicken konnten.

Doch nach einer gewissen Zeit, da holten wir die alten Wäscheklammern hervor und der Cowboy lag in der Ecke.

Was ich damit sagen will?
Also, wir werden bestimmt mit dem Buch so einiges anstellen, schöne Kinderlieder singen oder besser, ich brumme und du rufst dann wieder ‚lala‘, oder so ähnlich. So richtig kann ich es ja noch nicht verstehen, was du ausdrücken willst.

Pure Lebenslust ist es allemal. Aber schließlich wirst du wieder das alte Staubtuch hervorholen und es über das Buch decken und danach eine deiner vielen Puppen damit einrollen oder das Feuerwehrauto einwickeln.

Auf jeden Fall wird dich das Tuch erneut in seinen Bann ziehen. Das Liederbuch ist auch noch da, liegt aber zwischen der kleinen Küche, deinem Roller und den Puppen.

Und das ist der Zeitpunkt, wo ich dann zu „Auf der Reeperbahn…“ übergehen kann. Ich wünsch‘ dir einen schönen Tag. Einen wirklich schönen Tag, an dem du lachst und durch die Wohnung rennst, um etwas Neues zu entdecken oder die Videos von Mama aus dem Regal schmeißt.

KANNST DU KRÜMEL VON DER KITA ABHOLEN?

ZUM GLÜCK HABEN WIR KRÜMEL (2)

Sonst war Krümel schon in der Wohnung, wenn ich sie betreut habe. Aber nun sollte ich sie vom Kindergarten abholen. Es war das erste Mal für mich.

„Weißt du, wie du da hinkommst, Papa?“, fragte mich Laura.
„Ja, sag mir nur wie der Name der Kita ist“, meinte ich zu ihr.
„Pusteblume.“

Und weiter: „Du gehst direkt unten bei uns am Spielplatz vorbei.“
„Warum kann ich mit dem Auto nicht dort direkt hinfahren?“
„Kannst du auch. Aber laufen tut dir doch auch mal gut, oder? Außerdem kannst du dann Krümel ein bisschen den Kinderwagen auf dem Rückweg schieben lassen.“

„Ja, ist gut. Da ist was dran.“
„Jetzt, Papa, pass gut auf, damit du nichts vergisst!“
„Sind wir hier in der Schule? Und wer ist hier eigentlich der Schüler und wer die Lehrerin?“, fragte ich Laura.
„Papa, in der Reihenfolge. Du hast die Frage gerade selbst beantwortet.“

„Gut, dann sag‘ mal an. Aber warte mal. Ich mach‘ gleich mal mein iPhone auf. Da schreibe ich alles rein.“
„Hoffentlich findest du das auch wieder.“
„Denkst du, du kannst nur digital?“
„Ich bin da auch fit.“

Schweigen. Laura antwortet nicht.
„Und wieso hast du mich denn angerufen, als du wieder mal dein Passwort nicht gefunden hast?“, fragt sie dann doch noch.

„Das war etwas völlig anderes. Lass uns anfangen“, sage ich.
„Ach so, bevor ich es vergesse“, werfe ich noch ein: Wie war noch der Name der Kita?“

„Pusteblume! Papa.“
„Warum klingst du so genervt. Man wird doch noch mal fragen dürfen.“
„Ja, aber nicht fünfmal!“
„Warum eigentlich nicht?“

„Papa. Du sagst mir immer, ich soll mich konzentrieren, alles aufschreiben. Schreiben strukturiert das Denken.“
„Das soll ich gesagt haben?“
„‘Jahaa‘ Können wir jetzt anfangen?“

„Ich bin bereit.“
„Du gehst am Spielplatz vorbei, dann die Straße runter, überquerst sie, hältst dich links.“
„Ach, das weiß ich doch“, sage ich.
„Gut, Papa, dann jetzt zu den Sachen.“
„Ja, bitte.“

Laura spricht von einem roten Schal, einer Brotbüchse, einer Wickeltasche, von Schuhen, einem Rucksack, blau-rot.
„Nicht so schnell. Ich schreibe zwar mit 10 Fingern auf der Tastatur.

Aber nicht auf dem Telefon. Da passt immer nur einer meiner Wurstfinger drauf. Meist reicht der Daumen auch noch bis zum Nachbarbuchstaben.“
Endlich hatte ich alles aufgeschrieben. Ich fühlte mich gut vorbereitet.

Nächster Tag. Der Tag der Wahrheit
Ich habe das Auto abgestellt und bin auf dem Weg zur Kita, am Spielplatz vorbei, die Straße runter.

Wie sollte ich mich dann halten? Links oder rechts?
Mir lief der Schweiß, weil ich schnell gegangen war. Es war aber kalt und es wehte ein ziemlich starker Wind.

Den Mantel hatte ich zu Hause vergessen. Ich war zu aufgeregt.
Ich schaute mich um. Eine junge Frau kam mir entgegen.

Die muss das wissen. Die ist bestimmt auch Mutter, dachte ich.
„Bitte entschuldigen Sie, können Sie mir vielleicht sagen, wo es hier zum Kindergarten geht?“
„Welchen meinen Sie?“
„Gibt’s hier mehrere?“
„Ja, natürlich.“
„Mohnblume.“
„Mohnblume?“
„Die Kita gibt‘ s hier nicht.“
„Nein?“
„Nein!“
„Vielen Dank trotzdem.“

Warum hatte ich mir das nicht aufgeschrieben?
Ich habe die richtige Kita von Krümel dann doch noch gefunden. Zuerst habe ich Krümel die Sachen angezogen, die dem Nachbarkind gehörten. Gott sei Dank, ich bemerkte es rechtzeitig.
Was tun?

Die fremden Sachen wieder ausziehen und die richtigen danach an. Zwischendrin hat Krümel ein Stück Kuchen gegessen. Krümel krümelte dabei mächtig.

Ich suchte einen Papierkorb, fand aber keinen. Also habe ich die Kuchenreste in meine Hosentasche gestopft und sie dort vergessen. Das fiel mir auf die Füße, im wörtlichen Sinne. Nämlich, als ich abends die Hose umgekehrt auf den Bügel hängte.

Zurück zur Kita. Ich musste noch den richtigen Kinderwagen finden.
Habe ich auch. Aber erst einmal habe ich mir den falschen Wagen gegriffen und bin damit losgefahren. Zu meiner Ehrenrettung: Ich hatte den neuen Kinderwagen noch nicht so oft gesehen.

Klara kam mir entgegen und danach sind wir noch einmal zur Kita zurück. Der Erzieherin am Eingang habe ich gesagt, dass wir nun den richtigen Kinderwagen gegen den falschen austauschen müssten. Ich glaube, die wissen jetzt, wer Krümels Opa ist.

Krümel und Laura sind wieder Zuhause. Klara ist arbeiten. Ich habe meine Ruhe. Ich sitz‘ am Schreibtisch, kann was schaffen. Doch ich krieg‘ Entzugserscheinungen. Chaos beim Abholen von Krümel ist besser.

URLAUB IN SASSNITZ – ACH GOTT, WAR DAS SCHÖN – BIS AUF DEN ERSTEN TAG

ZUFÄLLIG ERLEBT (4)

Wir haben dieses Jahr wieder unseren Urlaub in Sassnitz geplant und die Hotelbuchung steht. Wir überlegen, was wir tun sollen, Zeiten von Corona.
Ich denke erst einmal an den Urlaub im vergangenen Jahr zurück, besonders den ersten Tag.

Wir waren kaum in Sassnitz angekommen, da war ich auch schon mit Krümel auf der einzigen großen Straße in der Stadt unterwegs, in der Hauptstraße eben.

Dort gibt es ein Kaufhaus und da wollte ich mit Krümel reinschauen.
Laura war dort kurz vorher hineingegangen, um noch etwas Urlaubslektüre zu bekommen.

Klara war in der Ferienwohnung geblieben.
„Wollen wir mal deiner Mutter hinterhergehen?“, fragte ich Krümel und die nickte und wollte sofort losstürmen, direkt über die Straße.

„Halt, halt, nicht so schnell, Krümel“, rief ich und bekam sie am Arm zu fassen. Ich hob sie hoch und trug sie über die Straße.

„So, jetzt kannst du ins Kaufhaus laufen und nach Mama sehen“, sagte ich zu ihr, während ich sie absetzte.

Krümel lief in Richtung des Kaufhauses, blieb plötzlich stehen, machte kehrt und sauste auf die Straße zu.
Mit schreckgeweiteten Augen erkannte ich die Gefahr.

„Bleib stehen!“, schrie ich. Doch Krümel hörte nicht.
Was sollte ich tun? Ich stürzte mich in Richtung Straße, auf die Krümel bereits gelaufen war.

Mit einem Hechtsprung erwischte ich sie noch. Ich hatte sie im Arm, aber ich konnte mich nicht halten und flog mit meinem ganzen Gewicht auf den Asphalt zu.

Krümel war in meinem Arm und in Bruchteilen von Sekunden hielt ich sie über mir hoch, streckte sie geradezu in die Luft. Aber, ich konnte nicht verhindern, dass sie ebenfalls mit stürzte. Sie fiel leicht auf den Kopf und fing an zu weinen.

Ich lag auf dem Bauch, auf der Straße und konnte mich nicht bewegen.
„Hättest du doch schon mehr an Gewicht verloren“, fluchte ich im Stillen.

Passanten kamen zu Hilfe. Sie nahmen Krümel, trösteten sie und zu meiner Beruhigung sah ich aus den Augenwinkeln, dass ihr offensichtlich nichts Schlimmes passiert war.

Aber ich konnte mich nicht bewegen. Das Bein tat weh, der gesamte Oberkörper auch und ich bekam kaum Luft.
„Wir müssen ihn an den Straßenrand rollen“, hörte ich einen jungen Mann sagen.

„Können Sie aufstehen?“, fragte er mich.
„Geben Sie mir einen kurzen Augenblick“, rang ich mir ab und schnappte nach Luft.

Mehrere Menschen halfen, mich auf den Gehsteig zu rollen.
Inzwischen waren Schaulustigen da, die mich umringten.
Auf der anderen Seite hielt ein Autofahrer an und fragte: „Soll ich den Notarzt rufen?“

„Nein, nein, mir geht es gleich wieder besser!“
„Wirklich?“
„Ja, ich schaffe es allein“, sagte ich leise und versuchte aufzustehen.
„Soll ich Sie hochziehen?“, fragte der junge Mann.
„Tun Sie sich das nicht an“, antwortete ich.
„Wir schaffen das gemeinsam“, sagte er daraufhin.

Ich nickte, reichte ihm meinen Arm und er begann mich hochzuziehen.
Sein Gesicht lief rot an, seine Muskeln spannten sich unterhalb des Hemdes.

Schließlich stand ich wieder.
„Sollen wir jemandem Bescheid sagen?“, fragte die Begleiterin des jungen Mannes. Auf ihrem Arm saß Krümel und schaute schon wieder fröhlich durch die Gegend. Mir wurde gleich leichter ums Herz.

„Ja bitte, meine Tochter ist in das Kaufhaus gegangen.“
Es dauerte nicht lange und Laura kam herausgestürzt.
„Papa, dich kann man auch nicht einen Augenblick allein lassen“, schimpfte sie.

„Alles halb so schlimm“, presste ich hervor und schleppte mich mit ihr und Krümel von dannen.
Klara war in der Ferienunterkunft geblieben.
Sie erschrak, als sie mein blutendes Knie und die Wunde am Oberarm entdeckte.

„Was ist denn nun schon wieder los?“, fragte sie und schaute mich vorwurfsvoll an.
„Wir brauchen Verbandsmaterial“, sagte sie, ohne eine Antwort von mir abzuwarten.

Wir gingen in die nächste Apotheke und bekamen alles, was wir brauchten.
Den restlichen Urlaub lief ich mit Pflaster und Binden am Arm und Knie umher.

Wieder in Berlin.
Wir holten Krümel aus dem Kindergarten ab. Sie war auf der Treppe hingefallen und hatte sich die Lippe gestoßen.

„Hast du ‚Aua‘?“, fragte ich sie.
Krümel nickte.

„Lass mal sehen“, sagte ich.
Krümel zeigte nicht auf ihre Lippe. Nein, sie zog die Hose hoch und deutete mit ihrem kleinen Finger auf ihr Knie, und zwar auf eine heile Stelle

„Aua“, sagte sie und schaute mich an.
Dann zeigte ich ihr die Stelle an meinem Arm.

„Hier auch Aua?“
Krümel nickte.
Sie hatte es nicht vergessen, was in Sassnitz mit mir passiert war.

‚NEIN, NICHT MUTTI ZU OMA SAGEN‘

ZUM GLÜCK HABEN WIR KRÜMEL (9)

Krümel versteht nicht, dass Klara zu Anna ‚Mutti‘ sagt. Für sie gibt es nur eine Mutti, und das ist Laura, die sich gerade im 1. Stock des Hauses aufhält, und zu der Laura mit ihrem kleinen Finger hochzeigt. Klara hingegen ist für sie ausschließlich ‚meine Oma‘.

Klara und Peter freuten sich auf den 1. Mai.
Klara hatte Peter überzeugt, dass sie Krümel am Vortag gemeinsam abholen, um mit ihr den Tag zu verbringen.

Abends dann sollte Laura nachkommen. Peter sorgte sich darum, dass es vielleicht zu leichtfertig sei, den Kontakt zu Krümel und Laura wiederaufzunehmen.

„Ich hoffe nur, dass wir keinen Fehler machen, wegen Corona“, sagte er zu Klara.

„Nun hab‘ dich nicht so, ich muss doch am Montag auch wieder zur Arbeit. Es wird schon gut gehen“, entgegnete Klara.

Sie hielt es nicht mehr aus, mit ihrer Sehnsucht nach Krümel, und so wischte sie alle Bedenken vom Tisch. Peter ging es ähnlich. Er wollte seine Enkelin ebenfalls sehen, aber sie und sich selbst nicht in Gefahr bringen.

Dann saßen sie doch alle beim Frühstück und genossen den Feiertag.

Krümel wollte mal wieder nicht so richtig essen. Da griff Peter in die Trickkiste und holte Annika heraus.

Annika war ein kleines Mädchen, so alt wie Krümel, das Peter zu einer Fantasiefigur aufgebaut hatte.

Er erzählte schon Laura früher von Annika, die besser und mehr aß, als es Laura damals tat, so jedenfalls stellte es Peter ihr gegenüber jedenfalls dar.

Und nun war Krümel bereit, mit Annika in den Wettbewerb zu treten.

„Krümel, Annika hat bereits von ihrer Marmeladenstulle abgebissen und kaut kräftig“, sagte Peter.
Krümel schaute ihn an, griff prompt zu ihrem Marmeladenbrot und steckte es schnell in den Mund. Sie lachte dabei und fragte mit vollem Mund: „Opa, ’noo…maaal‘?“

„Noch einmal, Opa“, sollte es eigentlich heißen, aber das bekam sie mit ihren zweieinhalb Jahren noch nicht so hin.

Krümel liebte die Spiele mit Annika und Peter liebte sie auch.
Annika ‚saß hinter dem Küchenradio‘, so hatte Peter es Krümel gezeigt und Krümel ging voll in ihrer Fantasie mit. Laura und Klara freuten sich, dass Krümel auf diese Weise immer wieder von ihrer Stulle abbiß.

Laura ging für einen Moment nach oben, um ein Taschentuch zu holen, als das Telefon klingelte.
Anna war dran.

„Wie geht es euch?“, fragte sie.
„Mutti, uns geht es gut, wir sitzen hier alle beim Frühstück zusammen“, antwortete Klara.

„Nicht Mutti sagen“, mischte sich plötzlich Krümel in das Telefonat ein.

„Warum nicht?“, fragte Klara und lachte.
„Mutti da“, sagte Krümel und zeigte mit ihrem kleinen Finger nach oben, in den 1. Stock, in den Laura gegangen war. Nur Laura sollte in ihren Augen Mutti genannt werden.

Sie verstand es nicht, dass Klara auch eine Mutti hatte. Klara war für sie nur Oma. Fertig.

„Das ist deine Uroma und meine Mutti“, versuchte nun Klara zu erklären.

„Nein, nicht Mutti, Anna“, sagte da Krümel. Sie hatte eben ihr eigenes Bild davon, wie jeder genannt werden sollte.

Ihr Opa saß neben ihr, ihre Oma telefonierte, Annika saß hinter ihrem Küchenradio, Uroma direkt im Telefon und ihre Mutti, ja die war da, wo Krümel mit ihrem kleinen Finger hinzeigte, oben im 1. Stock.

Die Welt war also in Ordnung für Krümel und alle freuten sich auf den Spaziergang am Werbellinsee nach dem Frühstück.

KRÜMEL ENTDECKT ZUFÄLLIG EIN LOCH IN MEINEM STRUMPF

ALLTÄGLICHES (46-2)

ZUFÄLLIG ERLEBT (2)

Früher musste alles perfekt durchgeplant sein, wenn wir zum Beispiel Geburtstag feierten.
Inzwischen haben wir entdeckt, dass es oft die ganz kleinen, sich zufällig ergebenden Ereignisse sind, die das ‚Salz in der Suppe‘ der Geburtstagsfeier ausmachen.

Es war alles anders geplant. Klara hatte Geburtstag und wir wollten den Tag zusammen verbringen – Klara, Laura, unsere Enkelin Krümel und ich.

Ich wollte Laura und Krümel von Hohenschönhausen abholen und sie nachmittags, nach dem Kaffee, wieder zurückbringen. Doch Krümel hatte Fieber. Also mussten wir uns was Neues einfallen lassen. Wir sind zu Krümel gefahren, zu ihr nach Hause.

Die Kleine empfing uns schon an der Fahrstuhltür. Sie quietschte, juchzte und warf die Arme in die Luft. Wir haben zusammen Kaffee getrunken und ich wollte mit Krümel gemeinsam Kinderlieder singen. Das Buch mit den Texten hatte Klara besorgt.

Du drückst vorn auf ein Bild und dann ertönt eine Melodie. Doch Krümel hatte ihren eigenen Willen. Sie schob meine Hand beiseite und wollte selbst auf den Musikknopf drücken und so spielte sie immer wieder die gleiche Melodie. Bis wir sie nicht mehr hören konnten und Krümel Gott sei Dank das Interesse verlor, den Knopf weiter zu drücken.

Jetzt musste ein neues Erlebnis her.
Ich hatte mich auf die Couch gesetzt und die Füße hochgelegt. „Das gibt’s doch nicht, du hast an meinem Geburtstag Strümpfe mit Löchern an“, sagte Klara. Das war das Signal für Krümel. Sie blickte hoch, lachte mich an und steuerte auf mich zu. In der einen Hand hatte sie ein Tuch, in der anderen ein Kabel, das sie irgendwo herausgezogen hatte.

Nun entdeckte sie das Loch in meinem Strumpf und prüfte, ob sie es zum Spielen nutzen konnte. Klara zeigte ihr, wie sie das Kabel dort verstecken konnte und es dann wieder zum Vorschein kam. Das ganze Zimmer war voll von Spielzeug, voll Puppen, kleinen Holzautos, sogar eine Spielküche war vorhanden und ein kleines Dreirad. Und so mancher Holzklotz lag unterhalb der Schränke.

Zum Schluss aber musste eine löchrige Socke und ein Stück Kabel herhalten und Krümel konnte nicht genug davon bekommen, mit dem kleinen Kabel an meinen Zehen zu kitzeln. Wenn ich dann noch hinterher mit den Zehen wackelte, konnte sie sich ausschütten vor Lachen. Es kommt also stets anders.

Früher, da saßen wir an gedeckten Kaffeetafeln, erzählten, tranken. Es musste ringsherum alles stimmen. Heute freuen wir uns schon, wenn Krümel aus vollem Herzen lachen kann, und wenn sie es nur tut, weil sie ein Loch in der Socke entdeckt hat. Wir fuhren glücklich nach Hause. Der Geburtstag von Klara war gerettet.

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‚OH TANNEBAUM‘  – AM OSTERSONNTAG

DAS SCHÖNE IN DEN KLEINEN DINGEN DES LEBENS ENTDECKEN (1)

Ostersonntag.
Krümel ist jetzt zweieinhalb Jahre alt.
Das richtige Alter, bei uns, ihren Großeltern, begeistert Ostereier im Garten zu suchen.

Aber sie kommt nicht. Wir wissen, warum. Kontaktsperre, ich bin dafür. Trotzdem ist ein bisschen Wehmut in uns da.
Ich stelle den Computer an.

‚Heute ganztags Ostersonntag‘, steht da. Na, danke für die Erinnerung.

Auch noch den ganzen Tag ohne Krümel.
Ich werde sie nachher anrufen und ihr ‚Oh Tannebaum‘ vorsingen.
Das mag sie so gern.

Sie singt immer mit leiser und feiner Stimme mit, einzelne Wörter, ‚Oh Taannebauuum‘, ‚Blääätter‘, Klara hört zu und schmunzelt dann.

Obwohl Klara es sonst nicht aushält, wenn ich von Andrea Berg ‚Du hast mich tausendmal belogen‘ mit Inbrunst brumme.

Aber ‚Oh Tannebaum‘ ist gut, denn nach Ostern kommt ja Weihnachten und danach ist auch schon wieder Ostern.
Also, was soll’s.

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Krümel wird das Buch gefallen.

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JEEPY (49)

JEEPY FÄHRT ALLEIN NACH SASSNITZ

Jeepy ist von Zuhause ausgerissen, kann autonom fahren und schafft es bis auf den Hof von Onkel Gottfried, dem Fischer aus Sassnitz

Hallo Krümel, heute meldet sich nicht Jeepy bei dir, sondern ich, dein Opa und gleichzeitig der Fahrer von Jeepy. Aber das weißt du ja längst.

Du willst wissen, wo Jeepy hin ist? Ja, gestern hätte ich das auch gern gewusst.

Aber dann meldete sich ein Fischer aus Sassnitz. Dieser Fischer heißt Gottfried Taube und ist schon sehr alt, über 80 Jahre. Und trotzdem fährt er noch jeden Tag mit seinem kleinen Boot aufs Meer hinaus und fängt Fische.

Ich kenne ihn gut, und ich mag ihn sehr, wegen seiner brummigen, aber sehr ehrlichen Art. Onkel Gottfried, so haben wir ihn stets genannt.

Onkel Gottfried hat uns nun angerufen. Er telefoniert sehr ungern. Er hat zwar ein Handy, aber das liegt in einer Kommode und wird von ihm nicht vermisst.

Also schrillte Onkel Gottfrieds altes Telefon im Flur. Onkel Gottfried war schon vor dem Fernsehapparat eingeschlafen. Er erhob sich ächzend aus dem Sessel und zur gleichen Zeit sprang seine Katze Minka von seinem Schoß auf. Sie miaute.

„Muss der mich hier einfach in meiner Ruhe stören?“, fauchte sie. Onkel Gottfried aber konnte sie nicht hören. Nur die Tiere untereinander können sich in dieser Sprache verständigen. Es war die Tiersprache mit einem plattdeutschen Dialekt, in der Minka ihren Unmut zum Ausdruck brachte.

„Onkel Gottfried, weißt du wo Jeepy abgeblieben ist?“, fragte ich ihn.
Ich war nämlich am anderen Ende des Telefons, und weil ich mir Sorgen um Jeepy machte, hatte ich eben Onkel Gottfried angerufen.
„Wie kann Jeepy, ein Auto, hier bei mir sein? Ohne seinen Fahrer? Was für ein Quatsch!“, brummte Onkel Gottfried.

„Hast du schon mal etwas von einem autonomen Fahren gehört?“, fragte ich ihn.
„Nö“, sagte Onkel Gottfried.

„Ein autonomes Auto kann alles allein. Es fährt auf der Straße allein, steuert selbstständig, reagiert im Notfall auf sich gestellt, kann allein durch den Kreisverkehr fahren, sieht die Ampeln, sieht den Gegenverkehr und vieles mehr.“

„‘Dunnerwetter‘“, erwiderte Onkel Gottfried auf platt.
„Ja, und sprechen kann Jeepy auch.“

„Willst du ‚mi veräppeln‘?“, fragte da Onkel Gottfried.
„Nein, ganz bestimmt nicht. Denkst du, mir macht es Spaß, dass Jeepy so einfach über die Autobahn düst, ohne mich zu fragen? Also schau doch mal durchs Fenster, ob Jeepy bei dir auf dem Hof steht.“

Onkel Gottfried legte den Hörer beiseite und tatsächlich, mitten auf dem Hof, da leuchtete das fröhliche Rot von Jeepy.
„Dein Jeepy steht bei mir auf dem Hof und Minka liegt schon darunter“, sagte Onkel Gottfried, nachdem er mich erneut angerufen hatte.

„Ich ruf dich zurück, wenn ich mit Jeepy gesprochen habe“, sagte er noch und legte auf.

Ja, Krümel, und wie diese Geschichte weitergeht, und wie Jeepy den Dackel Hannemann, Minka, Onkel Gottfrieds Katze, und den Bobtail Bobby kennenlernt, und was er vor allem mit ihnen für Abenteuer erlebt, das erzähle ich dir die nächsten Male.
Bis dahin grüßt dich ganz herzlich der Fahrer ohne ‚Jiiipi‘.

JEEPY (42)

WIR SIND BEIDE KLEIN – DU WIRST GRÖSSER UND UNSERE FREUNDSCHAFT EBENFALLS

Hallo Krümel, schon wieder ist eine Woche vergangen, seitdem ich mich das letzte Mal bei dir gemeldet habe.

‚Wieder blitz blank‘ habe ich dir geschrieben. Jetzt bin ich schon wieder schmutzig, aber im Herbst und im Winter ist das nicht anders.

Krümel, ich freue mich ja so auf die Fahrt an die Ostsee.
Natürlich haben wir alle nicht so viel Platz bei mir im Innenraum, wie das bei ‚Bobby‘ der Fall war, dem großen und schweren SUV von Mercedes. Dein Opa hat ihn geliebt.

Aber weißt du, was der jetzt zu mir sagt?
„Es ist alles ein bisschen enger geworden, aber genauso fröhlich geblieben, und wir singen auf der Fahrt unsere Lieder. Diesel fahren wir auch nicht mehr Jeepy ist eben für uns alle unser kleiner ‚Großer‘.“

Krümel, du wirst wachsen, aber ich bleib‘ klein, und unsere Freundschaft wächst trotzdem, immer.

Es grüßt dich zum ‚Nikolaus‘ der kleine Jeepy – dein großer Freund.

JEEPY (39)

JEEPY’S GESUNDHEITS-WINTERCHECK

Guten Morgen lieber Krümel,
hier ist Jeepy‘s Fahrer.

Jeepy kann gerade nicht sprechen, er ist zum Gesundheitscheck. Naja, das ist ein bisschen übertrieben.

Aber du kennst das ja, wenn du mit deiner Mama zum Arzt gehst und der Doktor dann sagt: „Mund auf.“ Und wenn du ihn aufgemacht hast, steckt er dir einen Holzspachtel in den Mund und sagt: ‚Weiter aufmachen, noch weiter.“

Dabei hast du den Mund schon auf und kannst nur noch krächzen und die Augen sind auch weit aufgerissen.

Das passiert nun in der Werkstatt, nur diesmal mit Jeepy eben.
Wahrscheinlich prüfen sie gerade seinen Ölstand oder ziehen ihm die Schuhe aus, ich meine, drehen ihm die Räder ab.

Und ich sitze hier lieber Krümel, habe die Beine weit von mir gestreckt, direkt unter dem Tisch.

Also schreibe ich ein bisschen an dich, auf dem iPhone und erwische mit meinen dicken Daumen oft den falschen Buchstaben. Aber das ist nicht so schlimm.

Jeepy geht’s im Moment schlechter.
Der muss sich allerhand Untersuchungen gefallen lassen. Doch dann sind wir auf der sicheren Seite, wenn wir im Dezember zusammen an die Ostsee fahren, und wir gemeinsam das Lied „Kommt ein Vogel geflogen, setzt sich nieder auf mein‘ Fuß“ singen.

Ich kenne ja nur die erste Strophe. Danach muss deine Mama einspringen.

Zum Schluss sagst du dann: „Noch mal“.
Und spätestens dann versucht uns Jeepy zu entfliehen.

Kann er aber nicht, denn wir sitzen ja bei ihm drinnen und singen ungerührt weiter, aus voller Kehle. Das wird wieder lustig.
Bis bald mal, lieber Krümel, und schöne Grüße von ‚Jeepiii‘, der dir aus der Werkstatt winkt.

JEEPY (27)

DIE SCHATZKISTE IN STRALSUND

Jeepy und Fiatine waren aufgeregt. Es ging zu Lukas nach Stralsund. Der hatte eine alte und morsche Kiste, die der Fahrer zur Schatzkiste umbauen wollte.

Jeepy und Fiatine hätten zwar durch das update allein fahren können, also ohne den Fahrer und den Verkäufer, aber die wollten beide auch mit.

Und so ging es morgens um 05.00 Uhr los.
Jeepy fuhr vorneweg. Auf den hinteren Sitzen war Krümel, die fröhlich vor sich hin erzählte. Neben ihr passte die Frau des Fahrers auf sie auf.

Fiatine düste hinter Jeepy hinterher, mit dem Verkäufer am Steuer.
„Man, warum muss Fiatine so dicht auffahren. Die kann nicht anders, als sich wieder in den Vordergrund zu drängen“, sagte Jeepy zum Fahrer.

„Jetzt bleib‘ mal ganz friedlich. Wenn es dem Verkäufer und Fiatine zu langsam geht, dann sollen sie uns doch überholen“, antwortete der Fahrer.

„Ja, aber immer diese freche Fiatine, die überall auffallen muss. Jetzt will sie auch noch vor mir fahren“, sagte Jeepy leicht eingeschnappt.
„Au wi ju do“, brabbelte Krümel fröhlich.

„Siehst du, lieber Fahrer, Krümel gibt mir recht“, sagte nun Jeepy.
„Au wi ju do heißt einfach nur, dass wir singen sollen, anstellen hier nur zu nörgeln“, meinte der Fahrer.

„Auf der Reeperbahn, nachts um halb eins“, fing der Fahrer auch gleich an zu singen.

„Das kannst du doch jetzt nicht bringen“, sagte die Frau des Fahrers.
„Warum nicht?“, fragte der Fahrer.

„Weil es kein Kinderlied ist“, antwortete sie.
„Jeepy klein, fährt allein, in die weite Welt hinein, Stock und Hut, alles wird mit der Schatzkiste gut“, trällerte da der Fahrer.

„Au wi ju do“, quietschte Krümel auf der Hinterbank.
„Siehst du, Krümel gefällt mein Lied“, sagte der Fahrer.
Plötzlich ertönte hinten ein Lied:

„Ich heiße Fiatine, ich bin die flotte Biene. Ich flitze über die Piste und bald, ja da haben wir die Kiste. Wir füllen sie mit Gold und dann ist das Glück uns hold“, sang sie weiter.

Der Fahrer bog auf den nächsten Parkplatz ab.
Alle stiegen aus, vertraten sich die Beine oder die Reifen, und weiter ging‘s.

Sie waren am frühen Vormittag in Stralsund angekommen.
Auf dem Hof von Lukas roch es nach geräuchertem Fisch.
„Oh, das duftet ja so gut hier“, sagte die Frau des Fahrers zu Lukas.
„Hm“, brummte der nur. Er sprach nicht mehr, als es unbedingt nötig war.

„Wo ist denn die Kiste?“, fragte der Fahrer.
„Die steht hier schon.“ Lukas zeigte auf eine Holzkiste, die sich auf dem Tisch im Garten befand. Sie war ziemlich alt. Aber das machte sie so perfekt für die Schatzsuche.

Lukas hatte oben auf noch einen Deckel mit Scharnieren befestigt und vorn ein Schloss angebracht.
„Mach‘ mal auf“, sagt jetzt Lukas zum Verkäufer.

„Wow“, rief der aus.

„Was ist da drin? Ich will es sehen“, rief Jeepy.
„Ich auch!“ Fiatine zwängte sich zwischen die anderen und rollte vor Aufregung dem Verkäufer über die Füsse.

„Au wi ju do“, ertönte Krümels fröhlicher Kauderwelsch. Sie ging an der Hand der Frau des Fahrers und wollte auch sehen, was in der Kiste noch war.

Lukas hatte dort einen Haufen Goldtaler hineingelegt.
Das war Schokolade in kreisrunder Form, eingewickelt in geprägter Goldfolie.

Es sah aus, als wäre die Kiste tatsächlich angefüllt mit purem Gold.
„Wo hast du die her?“, fragte jetzt der Fahrer Lukas.

„Ach, ganz in der Nähe betreibt ein Freund einen online-shop, der für genau solche Abenteuer die richtigen Utensilien liefert“, antwortete Lukas.

Neben der Kiste lagen noch für jeden der Kinder kleine Wundertüten, in denen Malbücher, Stifte und weitere Süßigkeiten waren.

„Das könnt ihr auch noch mitnehmen“, sagte Lukas.
Der Fahrer, seine Frau, der Verkäufer, Jeepy und Fiatine bedankten sich bei Lukas und Krümel murmelte zufrieden ihr „au wi ju do“ wie zur Bestätigung vor sich hin.

Alle begaben sich auf die Rückreise.
Die Schatzsuche konnte beginnen.

JEEPY (11)

JEEPI – ICH ERZÄHLE DIE GESCHICHTEN

JETZT SELBST

Fortsetzung.

Hallo Krümel, hier ist wieder Jeepi, wie jeden Freitag. Weißt du was? Ich kriege heute neue Schuhe, die für den Sommer. Ich meine natürlich Räder, du verstehst schon.

Mein Fahrer, der hat mich vor zwei Tagen extra zum Waschen und Fönen geschleift, obwohl es geregnet hat. Ich bin halb trocken wieder aus der Waschanlage hinausgedrängelt worden. Da kennt mein Fahrer nichts.

Er sagt zwar, dass er mich sehr gern hat, aber überleg‘ doch mal selbst: Würdest du, den du gern hast, mit nassen Haaren in den Regen schicken und sagen, dass der Rest vom Wind getrocknet wird? Wohl eher nicht. Siehst du!

Aber mein Fahrer, dein Opa, der macht so etwas. Ich bin ihm aber nicht wirklich böse. Wir sind ja in dem dreiviertel Jahr gute Freunde geworden. Überleg mal: Als du acht Monate alt geworden bist, da hat dein Opa, mein jetziger Fahrer, mich gekauft.

Und nun bin ich schon acht Monate mit meinem Fahrer zusammen. Also genau die Hälfte deiner Lebenszeit kennen wir uns nun auch schon. Und darüber bin ich richtig froh.

Wenn ich nur mit meinem Fahrer zusammen auf Tour gehen würde, das wäre nichts für mich. Schau mal, was wir schon gemeinsam erlebt haben. Du bist mit mir gleich am Anfang nach Rügen an die Ostsee gestartet. Dort habt ihr mit euren Füßen nach dem Strand fast meinen ganzen Fußboden versandet.

Wir waren Weihnachten in Sassnitz. Da bist du fröhlich in der Ferienwohnung umhergelaufen und ich musste draußen frieren. Und dann, du erinnerst dich bestimmt, sind wir zu deiner Oma gefahren und wir haben sie in der Reha-Klinik besucht.

Auf der Hinfahrt hast dich zweimal übergeben, weil dein Kreislauf noch nicht die vielen Kurven verkraftet hat. Na, mein Fahrer hätte auch mal einen Gang runterschalten können.

Ich freu‘ mich schon auf Ostern, wenn wir wieder gemeinsam nach Rügen fahren. Und du wirst wahrscheinlich auf der großen Fahrt einschlafen, aber hoffentlich dein Opa nicht. Aber du, du darfst das.

Außerdem spüre ich dadurch, dass du dich bei mir wohl und sicher fühlst.

Mein Fahrer sagt manchmal zu mir: „Dicke Autos fahren, das kann jeder. Aber eine Freundschaft pflegen, wie zwischen uns allen eben, das geht nur mit Jeepi.“

Bis bald Krümel. Heute Abend erzähle ich dir, wie es beim Schuh…, äh, ich meine Reifenwechsel gelaufen ist. Bis dahin wünsche ich dir einen schönen Tag in der Kita.
Dein Jeepi.

JEEPY (10)

JEEPI –  ICH ERZÄHLE DIE GESCHICHTEN

JETZT SELBST

Fortsetzung.

Hallo Krümel, wir haben lange nichts voneinander gehört. Hier ist Jeepi, dein bester Freund, nach meinem Fahrer und deinem Opa natürlich.

Ich wollte ja schon längst, dass dir mein Fahrer mal schreibt. Aber nein, der hampelt wieder mit seinen Texten herum und jammert, dass er nichts fertig bekommt.

Am Donnerstag, da konnte er mittags nicht mehr denken. Hat er jedenfalls laut gesagt und hat sich darum vorgenommen, den Carport auszufegen. Das will er schon seit Wochen machen.

Naja, du weißt ja, der braucht immer ein bisschen. Also am Donnerstag hat er mich erst einmal aus dem Carport geschubst, weil er ja sonst nicht fegen konnte. Ich musste in der Zwischenzeit in so einer kleinen Parkbucht stehen. Nur mit zwei Rädern. Mein Fahrer war zu faul, alle meine vier Räder vernünftig zu parken.

„Ist doch nur für eine halbe Stunde“, meinte er zu mir. Ne, klar. Was meinst du, wenn ich ihm sagen würde, er soll mal für eine halbe Stunde auf einem Bein stehen und das andere baumeln lassen.

Kaum hatte mein Fahrer angefangen zu fegen, da kam auch schon die Nachbarin und fing an, ihr Blumenbeet zu haken.
„Ach, auch mal bewegen“, fragte sie ihn. Mein Fahrer war innerlich leicht genervt.
„Auch mal bewegen?“, fragt die ihn. Ja, was glaubte sie denn? Dass mein Fahrer sonst am Schreibtisch angekettet ist? Also da musste ich ihm ja nun mal Recht geben.

„Ich fege hier nur, damit Sie mir gleich noch ein paar gute Ratschläge für die Bewegung geben können“, antwortete er. Das hätte er sich ja nun auch verkneifen können.

„Ja, wissen Sie, Bewegung ist so wichtig!“, sagte sie daraufhin zu ihm, ohne auf seine spöttische Art einzugehen. Sie war bis vor kurzem noch Geschäftsführerin beim Deutschen Roten Kreuz. Und sie dachte wahrscheinlich, dass der Dicke gut ein paar Ratschläge von ihr gebrauchen könnte.

Mein Fahrer findet sie ja nett und ist froh, dass er so eine angenehme, eigentlich unaufdringliche Nachbarin hatte.

Aber nun gingen mit ihm mal wieder die Pferde durch und er sagte: „Wenn das so gut ist, das mit der Bewegung, warum sehe ich Sie denn so wenig Sport treiben?“

Für einen kurzen Moment, war mein Fahrer bereit, in Deckung zu gehen, weil sich ihr Arm, mit der kleinen Unkrautschaufel in der Hand, gefährlich in seine Richtung bewegte.

„Ich tue sehr viel für die Gesundheit“, sagte sie mit etwas höherer Stimme. Sie spitzte den Mund etwas mehr dazu.

„Prima, dann sind Sie ja unsere Favoritin beim nächsten Dorfsportfest“, sagte mein Fahrer trocken. Jetzt musste sie auch ein wenig lächeln, weil sie wusste, dass mein Fahrer gerne scherzte.

Ach Krümel, du musst hier mal wieder herkommen. Mein Fahrer und ich, wir holen dich auch von Zuhause ab. Und dann habt ihr zusammen Spaß beim Fegen, und ich schau‘ euch zu.
Bis bald mal.
Dein Jeepi.

JEEPY (9)

JEEPI – ICH ERZÄHLE DIE GESCHICHTEN

JETZT SELBST

Fortsetzung.

Hallo Krümel, ich stehe hier unter dem Carport und keiner denkt an mich.
„Mir ist langweilig“, hat deine Mama in solchen Fällen zu meinem Fahrer gesagt. Der lässt sich gar nicht blicken. Er arbeitet, angeblich. Dabei stöhnt er schon den ganzen Tag rum, weil er die Zimmer saubermachen will. Seine Frau, also deine Oma, ist ja zur Kur.

Und da hat er vorige Woche einfach mal das Saubermachen ausfallen lassen. Aber jetzt sieht er überall die kleinen Fussel. Die Tage zuvor hat er sie einfach aufgehoben und in die Hosentasche gesteckt. Doch nun ist es einfach zu viel für ihn.

Also hat er den Staubsauger herausgeholt und angefangen zu saugen. Danach ist er gleich vor Erschöpfung in den Sessel gesunken, und keiner war da, der ihn bemitleidet hat. Nun kommt der Knaller. Mein Fahrer hat freiwillig noch die Treppen gewischt. Das macht er sonst nie, sondern überlässt es deiner Oma.

Er hat ihr gleich ein Foto geschickt. Da war er mit dem Eimer und dem Wischlappen drauf zu sehen. „Schnau…. voll“, stand in der Bildunterschrift.

Das sagt man eigentlich nicht, lieber Krümel, deshalb schreibe ich das Wort auch gar nicht erst aus, was mein Fahrer hier gesagt hat. Später rief deine Oma an und mein Fahrer wollte ihr stolz berichten, was er alles getan hatte.

Und was war die Reaktion?
„Du hast doch nicht etwa die Treppen feucht abgewischt?“, fragte sie ihn. Mein Fahrer war sauer.
„Wie denn sonst?“
„Naja, ich wische sie immer trocken ab“, sagte sie.
„Das ist jetzt egal, ich habe sie jedenfalls feucht abgewischt.“

Mein Fahrer war enttäuscht. Er dachte nämlich, er bekäme ein dickes Lob von deiner Oma. Dabei hatte er ihr noch gar nicht erzählt, wie lange er gebraucht hatte, um zu verstehen, wie der Wischlappen aufgezogen wird.

In den Wischeimer hatte er einfach Spülmittel und Fettlöser aus der Küche genommen. Er hatte die richtigen Reinigungsmittel nicht gefunden. Die standen so in der Ecke, dass man hätte alles ausräumen müssen. Mein Fahrer hat es versucht. Aber da flogen ihm gleich die ersten Sachen entgegen.

„Wir gehen heute ein Eis essen“, sagte deine Oma zu ihm am Telefon.
„Eis essen, während der Kur?“, fragte mein Fahrer.
„Ja, denn heute ist ja Frauentag.“
„Ach du Sch….“, stöhnte mein Fahrer auf. Jetzt muss ich schon wieder Punkte machen, Krümel. Dein Opa hat sich nicht im Griff. Er ärgerte sich einfach, dass er den Feiertag vergessen hatte.

Wie konnte er das wieder gutmachen? Er wusste das nicht.
„Bist du für Morgen gut vorbereitet, für deine Lesung zum Frauentag?“, fragte deine Oma nun versöhnlich.
„Ja, wie gut, dass wissen wir erst nach der Lesung.“
„Ich drück‘ die Daumen“, sagte Oma.

Mein Fahrer bedankte sich. Er würde am Sonntag einen Blumenstrauß mit in die Reha-Klinik nehmen. Ach Krümel, ich freue mich auf Morgen, denn da fahren wir endlich wieder ein Stück. Nach Altlandsberg. Da gibt es einen Verein, der heißt „Helfen hilft“. Mein Fahrer findet den klasse.

Dort arbeiten Menschen, die nicht viel fragen, sondern anderen Menschen helfen, mit Lebensmitteln, Sachen zum Anziehen und noch vielen anderen Dingen.

Deshalb gibt sich mein Fahrer sicher Mühe, denn er will ebenfalls für diesen Verein etwas tun, mit seiner Kraft und seinen Möglichkeiten eben. Morgen, da ist dort eine kleine Feier, zum Frauentag, und mein Fahrer liest ein paar kleinere Geschichten vor.

Ich warte natürlich draußen. Ich bin zwar nur ein kleiner Jeep, aber die Treppen komme ich ja trotzdem nicht hoch. Aber ich krieg schon raus, wie es war. So lieber Krümel, davon erzähle ich dir das nächste Mal.
Dein Freund Jeepi.

JEEPY (8)

JEEPI – ICH ERZÄHLE DIE GESCHICHTEN

JETZT SELBST

Fortsetzung.

Hallo Krümel, hier ist Jeepi. Jetzt ist die Woche schon fast wieder rum und ich hoffe, dir geht es gut im Kindergarten und Zuhause, bei Mama.

Naja, einmal hat mein Fahrer dich ja gesehen, über Skype. Da hast du den Computer umarmt, weil du dachtest, dahinter ist dein Opa, mein Fahrer, versteckt. Das hat meinen Fahrer sehr amüsiert und er hat danach richtig viel Schwung bei der Arbeit gehabt.

Aber ich wollte dir doch noch zu Ende erzählen, wie es in der letzten Woche weiterging, nachdem wir zurück in den Prenzlauer Berg mussten. Erinnerst du dich? Mein Fahrer wollte dort die Tastatur austauschen, weil sie ja nicht funktionstüchtig war. Mein Fahrer ließ mich in der Tiefgarage zurück und eilte in das Einkaufscenter.

„Ich möchte diese Tastatur umtauschen. Die funktioniert nicht“, sagte mein Fahrer zu dem Verkäufer.
„Sie haben mich doch auch vor zwei Stunden beraten, richtig?“, hakte er noch nach.
„Hm“, brummte er und verzog sein Gesicht, als hätte er gerade in eine Zitrone gebissen.

„Was haben Sie denn mit der Tastatur angestellt, die ist doch ganz einfach zu bedienen?“, fragte der Verkäufer meinen Fahrer.
Der pumpte sich gerade hoch. Also sendete ich aus der Tiefgarage meine Signale: „Bleib ruhig, denk an deinen Blutdruck, es geht hier nur um eine Tastatur und nicht um Menschenleben.“

Aber der hörte das zwar, ignorierte das jedoch komplett.
„Ich bin jetzt richtig neugierig, was sie mit der Tastatur anstellen, um mir zu zeigen, was für ein Fachmann Sie sind“, sagte mein Fahrer.
„Ach, das haben wir gleich. Geben Sie mal her.“

Mein Fahrer reichte das Paket mit der Tastatur rüber und wartete gespannt, wie es nun weiterging.
„Bedienungsanleitung?“, fragte der Verkäufer.
„Drinnen“, antwortete mein Fahrer ebenso knapp.
„Brauchen Sie aber gar nicht zu schauen.“
„Warum nicht?“
„Weil kein Deutsch draufsteht.“
„Gibt es auch in Deutsch“, sagte der Verkäufer.
„Gibt es nicht.“
„Doch.“
„Nein.“
„Wollen wir wetten, dass kein Deutsch draufsteht?“, fragte mein Fahrer.

„Wenn die Anleitung auch in Deutsch ist, dann nehme ich die Tastatur ungesehen wieder mit, egal, ob sie geht oder eben auch nicht.“
„Gut“, sagte der Verkäufer. Er machte den Karton auf, holte die Anleitung raus und zeigte mit dem Finger auf die rechte Seite des Blattes.
Dort standen tatsächlich ein paar deutsche Sätze.
„Das gibt’s doch nicht.“ Mein Fahrer war verblüfft. Der Verkäufer schmunzelte.

„Sie müssen hier auf die Taste ‚Fn‘ gehen und oben auf die Taste eins. Dann halten Sie das Ganze drei Sekunden gedrückt und schon gibt es eine Verbindung.“

„Können Sie mir das vorführen?“
„Kann ich.“
In wenigen Handgriffen brachte der Verkäufer die Tastatur zum Laufen und schrieb munter darauf herum. Mein Fahrer muss so blöd geschaut haben, dass der Verkäufer anfing zu lachen.
Dann lachten sie beide.

„Soll ich die Tastatur in den Karton zurückschieben, das geht immer so verdammt schwer“, fragte der Verkäufer meinen Fahrer.
„Nein, lassen Sie mal. Die nehme ich jetzt gleich so mit.“

Mein Fahrer bedankte sich noch einmal und verließ leichten Schrittes den Media- Markt. Für ihn war klar, selbst wenn die Tastatur Zuhause nicht funktionierte, noch einmal zurück würde er nicht fahren. Die Strassen waren jetzt verstopft. In Berlin hatte der Feierabendverkehr eingesetzt. Nach zwei Stunden ‚Stop and go‘ hatten wir es geschafft.

Ich stand im Carport, als ich von oben den Jubelschrei hörte. Die Tastatur funktionierte.
Bis zum nächsten Abenteuer mit deinem Fahrer und mir, lieber Krümel, sage ich Tschüss,
Dein Jeepi.

JEEPY (7)

JEEPY – ICH ERZÄHLE DIE GESICHICHTEN

JETZT SELBST

Fortsetzung.

Mein Fahrer packte die Tastatur aus, besser, er musste sich beherrschen, um die Packung drum herum nicht einfach aufzureißen.

Es kamen die Tastatur zum Vorschein, die Maus und die Batterien. Daneben lag ein Zettel, eng beschrieben – in Russisch, Englisch, Spanisch. Nur Deutsch, das war nirgendwo zu sehen.

Also probierte er es so aus, die Tastatur anzuschließen. Schließlich hatte er es ja oft genug auf diesem Weg hinbekommen. Zuerst versuchte er es mit dem Computer.

Das war am einfachsten, nämlich auf ‚Einstellungen‘ gehen, ‚Gerät hinzufügen‘ anklicken und warten.
„Versuchen Sie es noch einmal, stand in gelben Buchstaben plötzlich im Display ‚Einstellungen‘. Noch einmal probieren? Mein Fahrer probierte es fünfmal, nein, zehnmal. Dann kribbelte es in seinen Händen, einfach mal so auf die Tastatur zu hauen.

Ich nahm meine ganze Energie als Jeepi zusammen und sandte aus dem Carport Signale zu ihm nach oben, ins Arbeitszimmer, wo ein Krieg auszubrechen drohte.
„Tu‘ es nicht, überlege, woran es liegen kann. Sie klug und beherrscht.“
„Ich will nicht klug und sensibel sein, ich will mich nicht beherrschen. Nein, ich will auf die Tastatur hauen, einfach so.“

Es hatte keinen Sinnen, mit meinem Fahrer zu reden.
Schließlich kriegte er sich wieder ein. Vielleicht lag es ja an den Batterien. Er fummelte den Deckel hinten vom Fach ab, in den die Batterien hineingeschoben werden. Normalerweis kann man sie ganz einfach herausnehmen.

Aber nicht bei meinem Fahrer. Der kramte seinen Brieföffner heraus und fummelte, kratzte an den Batterien herum, bis sie herauskamen. Sie flogen raus, polterten auf den Schreibtisch, kullerten herunter. Wohin?

Natürlich in die Ecke, in die sich mein Fahrer bücken musste. Also schob er sich erst einmal im Sessel nach vorn und versuchte mit den Füssen an die Batterien zu gelangen. Schaffte er das, was meinst du Krümel?

Ja, er schaffte es. Aber dann, als er sie hatte und mit dem Fuß vorsichtig zu sich ziehen wollte, da sprangen sie wieder davon, kullerten noch weiter weg.

Fluchend erhob sich mein Fahrer nun aus dem Sessel, bückte sich und tastete sich unter dem Schreibtisch zu den Batterien heran.
Links sah er seit langem mal wieder die Fächer von dem beigestellten Regal. Es war schwarz, nur die Bretter nicht. Sie waren grau, beschichtet mit dickem Staub.

‚Soll ich noch mal unten hervorkriechen und dann einen feuchten Lappen holen? Nein, der Staub ist gut, der dämpft den Lärm‘, dachte er sich.

Welchen Lärm, frage ich dich Krümel? Wenn er seine Texte laut vorliest oder telefoniert und dem anderen in die Hörermuschel brüllt, dass der auch noch etwas hört, wenn das Telefon nicht an seinem Ohr ist?

Mein Fahrer ächzte wieder unter dem Schreibtisch hervor, wischte sich die Hände an den Hosen ab, sodass der Staub schön verteilt wurde.  Was er nicht bedachte, lieber Krümel, dass er die Sachen selbst waschen musste, weil Klara ja zur Reha war.

Aber das scherte ihn im Moment gar nicht. Nun ging er im Flur zu der Kiste, in der immer die neuen Batterien aufbewahrt wurden.
Er kramte in den Sachen, suchte zwischen den Pappschachteln mit Glühlampen, Staubtüchern und unnützen Dingen, die keiner wegwarf.

Von den Batterien keine Spur.
„Wo hat Klara verdammt noch mal die Batterien hingelegt?“, schimpfte mein Fahrer vor sich hin.

Sie lagen im Wohnzimmer, auf der Kommode.
„Was haben die hier zu suchen?“, fragte er in den leeren Raum. Keiner antwortete ihm. Es war ja auch keiner da. Ich hörte ihn zwar, aber ich stand ja offiziell im Carport, bin sein Auto, kann nicht sprechen, nicht hören, und ich kann nicht der Seelentröster sein, im richtigen Leben jedenfalls nicht.

Mein Fahrer stapfte die Treppe hoch und legte die neuen Batterien ins Fach. Dann probierte er es wieder. Keine Chance.

„Versuchen Sie es erneut“, leuchtete in den Einstellungen des Computers auf. Mein Fahrer hatte die Nase voll. Er holte sich den Pappkarton heran und versuchte, die Tastatur dorthinein zu bugsieren.

Es war ein Grauen. Mal klemmte es an der einen Seite, dann wieder wusste er nicht, wie er das Ganze richtig falten sollte. Schließlich hatte er es geschafft. Die Tastatur war verpackt. Der Karton leicht eingedrückt, aber sonst ganz passabel anzusehen.

Zufrieden räumte mein Fahrer den Schreibtisch auf. Dann ein gellender Schrei. Was war geschehen? Die Batterien lagen noch draußen, die Anleitung hatte er auch vergessen.

Mein Fahrer riss den Karton auf und zerrte die Tastatur erneut heraus. Krümel, ich hatte den Eindruck, die hatte die ‚Ohren eingezogen‘, damit sie nichts mitbekam von dem Gefluche meines Fahres.

Ich musste als Jeepi, seinem nunmehr besten Freund, eingreifen. Ich sendete Signale vom Carport aus nach oben ins Schlafzimmer.
„Wir bleiben entspannt, und wir atmen tief. Wir sind dankbar für jeden Moment, den wir am Tag erleben.“

Ich hatte den Eindruck, auf meinen Fahrer hatte das eine gegenteilige Wirkung. Er stopfte die Tastatur zurück, nachdem er vorher die anderen Utensilien in die dafür vorgesehenen Fächer gezwängt hatte.

Mein Fahrer versuchte es nicht mehr mit Feinfühligkeit, nein, er presste, schubste die Tastatur, bis sie an ihrem Platz war. Es half nichts, wir mussten zurück in den Prenzlauer Berg.

Wir fuhren los. Mein Fahrer drückte auf das Gaspedal, fuhr rabiater, schneller. Es fühlte sich an, als würde ich nicht zum Fahren animiert, sondern mehr geschubst – ‚nun mach‘ schon hin‘, verdammt.“

Im Einkaufscenter ging das Drama weiter. Aber das, lieber Krümel, das erzähle ich dir in der nächsten Woche. Bis dahin wünsche ich dir ein schönes Wochenende.
Dein ‚Jeep‘, der beste Freund deines Opas und damit auch dein bester Freund.

 

JEEPY (6)

JEEPI ERZÄHLT SEINE ABENTEUER JETZT

SELBST

Hallo Krümel, dein Opa, also mein Fahrer, der kommt nicht aus dem Knick mit dem Erzählen. Also nehme ich das ab jetzt selbst in die Hand.

Langsam reicht es mir auch, dass er nur von Orli, dem BMW, dessen Freundin Berlinga und Bobby, dem Mercedes-Geländewagen, erzählt. Ich bin doch auch noch da, und zwar jeden Tag.

Neulich bist du ja auch mitgefahren, dir wurde schlecht, und das Ergebnis ist heute noch auf dem Kindersitz zu betrachten. Dein Opa, mein Fahrer, wollte zwar längst alles gereinigt haben, aber davon ist nicht viel zu merken.

Heute hat er mich zwar gewaschen, danach innen gesaugt, meine Fensterscheiben geputzt, mir Putzmittel in die Bullaugen vorn gespritzt, dass ich stark niesen musste, aber den Kindersitz, den hat er links liegen gelassen.

Und gestern, da hat er mich richtig gestresst. Am Vormittag schien die Sonne so schön und mein Fahrer hatte keine Lust mehr am Schreibtisch zu sitzen, um an den Texten herumzufeilen. Kommt ohnehin nichts bei raus.

„Jeepi, wir fahren jetzt in die Schönhauser und ich lass mir eine anständige Frisur verpassen. Anschließend schauen wir mal im Einkaufscenter vorbei, ob wir nicht eine gute Tastatur bekommen“, sagte er zu mir.

Wenn das Klara wüsste, die würde gleich aufschreien.
„Du hast mehr als 10 Tastaturen im Keller liegen“, würde sie sagen. Aber nun ist sie nicht da, und der ‚Herr‘ ‚dreht am Rad‘, vor Langerweile.

Wir sind also losgefahren. Es ging prima vorwärts und wir waren nach zwanzig Minuten in der Tiefgarage im Prenzlauer Berg angekommen. Ich musste da unten warten. Aber ich kriege trotzdem alles mit. Und wenn nicht, erzählt mir der Fahrer anschließend das, was ich noch nicht weiß.

Im Friseursalon war es recht ruhig und so war dein Opa recht frühzeitig wieder raus dem Laden, in dem er seit über sieben Jahren zum Haareschneiden geht.

„Sie müssen die Haare nach vorn tragen“, sagte die Friseuse zu ihm.
„Warum?“, fragte mein Fahrer.
„Weil sie ein ziemlich langes Gesicht haben.“
„Ja, das stimmt, ich habe des Öfteren ein langes Gesicht“, sagte der.

Schließlich schlenderte dein Opa die Schönhauser entlang, Richtung Einkaufscenter. Die Menschen gingen alle gemächlich und genossen die pralle Frühlingssonne.

„Haben die denn alle nichts zu tun?“, fragte sich mein Fahrer. Nein, so wie du auch, dachte ich, als mir das zu Ohren kam. Dein Opa lief zielstrebig auf den Computerladen zu.

„Haben Sie eine Tastatur, die über eine Bluetooth-Tastatur verfügt“, fragte er.
„Natürlich“, antwortete der Verkäufer. „Sogar mehr als eine.“ Dein Opa ging fröhlich zur Kasse und war im Nu wieder draußen. Leise summend ging er in Richtung Tiefgarage.

Er trainierte die Melodie von „Stups, der kleine Osterhase“ aus. Er will es dir dann abends vorsingen, aber sei nicht so streng mit ihm, denn die Melodie ist gar nicht so leicht. Schließlich kam er bei mir an.

Vorher hatte er noch bezahlt und die Tastatur oben auf den Parkautomaten abgelegt. Als wir bereits wieder auf dem Rückweg waren, da bremste mein Fahrer urplötzlich, sodass mir ganz schlecht davon wurde. Er griff nach hinten, kugelte sich bald den Arm aus, aber er fand eines nicht: die Tastatur.

„Verdammt, die muss ich liegengelassen haben. Auf dem Parkautomaten“, schoss es ihm durch den Kopf.
Jetzt wendete er an der nächsten sich bietenden Gelegenheit.

Und das kannst du nicht so wörtlich nehmen, Krümel. Wir mussten nämlich erst einmal ein ganzes Stück geradeaus fahren. Dann endlich, mein Fahrer wurde mutig, schwenkte er scharf nach rechts, Richtung Bordsteinkante und ich hatte Angst, dass ich mit meinen Hacken, äh, ich meine, den Reifen gegen die Bordsteinkante gedrückt wurde.

Mein Fahrer sprang aus dem Auto, rannte in Richtung Tiefgarage, um so schnell wie möglich am Parkautomaten zu sein. Aus den Augenwinkeln beobachtete er noch, wie ein Mann vom Ordnungsamt die Parkausweise kontrollierte. Darauf konnte er jetzt aber keine Rücksicht nehmen.

Mein Fahrer riss die Tür vom Eingang zum Parkautomaten auf, und er sah sofort oben die Tastatur liegen. Gut gelaunt ergriff er sie und war schon wieder draußen. Zwei Bettler schauten ihn fragend an. Sie saßen direkt gegenüber dem Eingang vom Parkautomaten, was strategisch für sie sicher eine gute Position zum Betteln war.

„Es gibt noch ehrliche Menschen“, sagte mein Fahrer zu ihnen.
„Oh ja“, riefen die Bettler zurück und meinten offensichtlich sich selbst.

Mein Fahrer kam zurückgestürzt, öffnete meine hintere Tür, nahm das Portemonnaie und fingerte je zwei 1-Euro Stücken heraus. Er lief zurück zu den Bettlern und drückte sie ihnen in die Hand. So glücklich war mein Fahrer darüber, dass er die Tastatur wiedergefunden hatte.

Die schauten ihn verdutzt an und über ihr Gesicht huschte ein dankbares Lächeln. Mein Fahrer fühlte sich gut und sprintete zu mir zurück. Als er bei mir angekommen war, steuerte der Mann vom Ordnungsamt auf uns zu.

„Ich bin gleich weg“, rief ihm mein Fahrer zu. Der nickte stumm und verschwand. Wieder Schwein gehabt.
„Los Jeepi, lass uns abhauen. Auf ins Dorf, da wo wir Zuhause sind“, sagte mein Fahrer und gab mir einen Tritt in den A… , ich meine, drückte auf mein Gaspedal.

Aber wenn du glaubst, dass dies alles war, lieber Krümel, dann muss ich dich enttäuschen. Wir mussten nämlich noch einmal zurück in die Schönhauser. Das erzähle ich dir das nächste Mal.

JEEPY (4)

JEEPI – WAS BISHER WAR

Kurze Zusammenfassung der bisherigen Erzählungen über Jeepi (noch mit einem 'i'. )

Hallo Krümel, hier ist wieder Jeepi, dein Freund. Du erinnerst dich vielleicht: Ich schreibe schon jetzt mal ein paar Geschichten für dich auf, die du später lesen kannst, oder deine Mama liest sie dir vor.

Sie macht das wohl jetzt schon und du lachst sie manchmal dazu an. Das ist doch schon was. Die Zeit rennt und ehe wir uns umgesehen haben, da sitzt du bei mir auf der Schreibtischplatte im Arbeitszimmer und ich lese dir eine Geschichte vor.

Ich habe früher deiner Mama immer Geschichten von den Autos erzählt, die wir hatten. Plötzlich nahmen sie menschliche Gestalt an und ich konnte mit ihnen gemeinsam herrliche Abenteuer erleben. Ich war viel unterwegs, sehr viel sogar.

Und so habe ich deiner Mama, als sie noch klein war, diese Geschichten erzählt. Das setze ich nun fort, mit Jeepi, dem kleinen Geländewagen. Du hast dort auch schon drin gesessen.

Damit wir nicht durcheinander kommen, erzähle ich dir kurz, was ich in den drei vorangegangen Geschichten erzählt habe. Es ging los damit, dass ich dir unsere bisherigen Autos vorgestellt habe.

Da waren der kleine Trabbi, den ich mit Latexfarbe innen gestrichen habe, dann kam Flippi, der weiße Lada, mit dem wir sehr gern gefahren sind.

Nach der Wende dann kam Orli, ein großer BMW. Den hatte ich, weil ich sehr viele Kilometer fahren musste.

Schließlich trat Bobby, der dicke Geländewagen in unser Leben. Ich erzähle dir von Orli weiter und wie er in Bad Hersfeld in einer Tiefgarage Berlinga, den kleinen Renault sah und Orli unbedingt ihr Freund werden wollte.

Berlinga aber war anfangs hochnäsig, bis zu dem Tag, an dem Berlinga der hintere rechte Reifen auf der Autobahn platzte und Orli vorbeikam.

Von weitem näherte sich der gelbe Abschleppwagen und alle atmeten auf.
„Das kriegen wir schnell hin“, sagte der Monteur und hatte in Windeseile die Muttern von Berlingas hinterem Reifen gelockert. Nach ein paar Minuten konnte Berlinga wieder richtig stehen und hatte keine Schmerzen mehr.

„Weißt du eigentlich, dass du es dem langen BMW zu verdanken hast, dass dir so schnell geholfen wurde?“, fragte der Fahrer von Berlinga sie.

„Ja, weiß ich. Ich kenn den.“
„Woher kennst du ihn?“
„Wir standen manchmal beieinander, in der Tiefgarage. Da ist er mir auf die Nerven gegangen, weil er so viel erzählt hat.“

„Ach, das ist ja interessant“, staunte Berlingas Fahrer nicht schlecht.
„Und, willst du nicht wenigstens bei ihm bedanken?“, hakte Berlingas Fahrer weiter nach.

„Ja, mach‘ ich“, brummte Berlinga.
„Du, danke, dass du angehalten hast und du deinen Fahrer dazu gebracht hast, dass der den Abschleppdienst holt.“
„Schon gut“, antwortete Orli verlegen.

„Kommst du mit mir am Samstag mit zur Autoschau in Bad Hersfeld?“, fragte Berlinga.
„Würde ich ja gern. Aber mein Fahrer will am Wochenende nach Hause. Der fährt nachts auf der A2 immer wie eine besengte Sau und ich komme ganz außer Puste.“

„Schade, dass du nicht mitkommen kannst. Na dann bis nächsten Montag in der Tiefgarage an der gleichen Stelle“, sagte Berlinga noch.

„Ja, an der gleichen Stelle“, erwiderte Orli, bevor sein Fahrer sich ins Auto wuchtete, den Motor anließ und Orli davonbrauste.