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JEEPY (42)

WIR SIND BEIDE KLEIN – DU WIRST GRÖSSER UND UNSERE FREUNDSCHAFT EBENFALLS

Hallo Krümel, schon wieder ist eine Woche vergangen, seitdem ich mich das letzte Mal bei dir gemeldet habe.

‚Wieder blitz blank‘ habe ich dir geschrieben. Jetzt bin ich schon wieder schmutzig, aber im Herbst und im Winter ist das nicht anders.

Krümel, ich freue mich ja so auf die Fahrt an die Ostsee.
Natürlich haben wir alle nicht so viel Platz bei mir im Innenraum, wie das bei ‚Bobby‘ der Fall war, dem großen und schweren SUV von Mercedes. Dein Opa hat ihn geliebt.

Aber weißt du, was der jetzt zu mir sagt?
„Es ist alles ein bisschen enger geworden, aber genauso fröhlich geblieben, und wir singen auf der Fahrt unsere Lieder. Diesel fahren wir auch nicht mehr Jeepy ist eben für uns alle unser kleiner ‚Großer‘.“

Krümel, du wirst wachsen, aber ich bleib‘ klein, und unsere Freundschaft wächst trotzdem, immer.

Es grüßt dich zum ‚Nikolaus‘ der kleine Jeepy – dein großer Freund.

JEEPY (39)

JEEPY’S GESUNDHEITS-WINTERCHECK

Guten Morgen lieber Krümel,
hier ist Jeepy‘s Fahrer.

Jeepy kann gerade nicht sprechen, er ist zum Gesundheitscheck. Naja, das ist ein bisschen übertrieben.

Aber du kennst das ja, wenn du mit deiner Mama zum Arzt gehst und der Doktor dann sagt: „Mund auf.“ Und wenn du ihn aufgemacht hast, steckt er dir einen Holzspachtel in den Mund und sagt: ‚Weiter aufmachen, noch weiter.“

Dabei hast du den Mund schon auf und kannst nur noch krächzen und die Augen sind auch weit aufgerissen.

Das passiert nun in der Werkstatt, nur diesmal mit Jeepy eben.
Wahrscheinlich prüfen sie gerade seinen Ölstand oder ziehen ihm die Schuhe aus, ich meine, drehen ihm die Räder ab.

Und ich sitze hier lieber Krümel, habe die Beine weit von mir gestreckt, direkt unter dem Tisch.

Also schreibe ich ein bisschen an dich, auf dem iPhone und erwische mit meinen dicken Daumen oft den falschen Buchstaben. Aber das ist nicht so schlimm.

Jeepy geht’s im Moment schlechter.
Der muss sich allerhand Untersuchungen gefallen lassen. Doch dann sind wir auf der sicheren Seite, wenn wir im Dezember zusammen an die Ostsee fahren, und wir gemeinsam das Lied „Kommt ein Vogel geflogen, setzt sich nieder auf mein‘ Fuß“ singen.

Ich kenne ja nur die erste Strophe. Danach muss deine Mama einspringen.

Zum Schluss sagst du dann: „Noch mal“.
Und spätestens dann versucht uns Jeepy zu entfliehen.

Kann er aber nicht, denn wir sitzen ja bei ihm drinnen und singen ungerührt weiter, aus voller Kehle. Das wird wieder lustig.
Bis bald mal, lieber Krümel, und schöne Grüße von ‚Jeepiii‘, der dir aus der Werkstatt winkt.

MEIN FREUND, DER ALLTAG (63)

WIR WAREN PFINGSTSONNTAG AN EINEM DER SCHÖNSTEN ORTE AUF DIESER WELT

Pfingsten kannst du auch schon wieder im Kalender streichen.
Früher sind wir um diese Zeit nach Polchow auf Rügen gefahren, und zwar mit Sack und Pack.

Das war aufregend, anstrengend, aber es war vor allem schön.
Wir waren zwar müde, wenn wir ankamen, alles ausgepackt hatten und das Auto endlich unter dem Carportdach stand, das von wilden Weinreben verziert wurde.

Aber zum Ausruhen war keine Zeit.
Es wurde alles rausgeräumt, Tische, Stühle, Hollywoodschaukel.
Anschließend kümmerte sich Klara um den Haushalt, den Garten und das Essen.

Ich mähte in der Zeit den Rasen, trimmte die Kanten. Abends saßen wir auf der Terrasse und waren hundemüde. Zwei Tage später packte Klara alles wieder ein, wir fuhren Richtung Berlin und standen spätestens auf der A 11 im Stau.

Am nächsten Tag stürzten wir uns erneut in die Arbeit und berichteten den Kollegen davon, dass wir an der Ostsee waren, im eigenen Bungalow.

„Wow“, riefen die dann meistens und für kurze Zeit überstrahlte in diesen Situationen meine stolz geschwellte Brust den darunter hängenden Bauch.

Dass wir erschöpft waren, am liebsten nach Hause gegangen wären, um uns auf Sofa zu hauen, dass der Rücken schmerzte von der Gartenarbeit und dem stundenlangen Sitzen im Auto – davon sagten wir nichts.

Und heute ist das sowieso vergessen.
Wenn wir von Polchow sprechen, dann nur in den höchsten Tönen.
Laura spazierte dort durch die Gärten, hatte gute Freunde, fühlte sich wie im Paradies.

An diesem Pfingstsonntag waren wir nun nicht an der Ostsee. Nein, wir waren in Berlin – Hohenschönhausen unterwegs.
Krümel hatte uns mit vor Freude quietschenden Tönen und strampelnden Beinen an der Fahrstuhltür zu Lauras Wohnung empfangen.

Wir machten uns wenig später zu einem Spaziergang auf und schoben Krümel auf ihrem Dreirad vor uns her. Sie strahlte Lebensfreude pur aus.

Nach einer Weile setzte ich mich auf eine Parkbank. Krümel kam zu mir gelaufen und kletterte mit meiner Hilfe auf mein Bein, rutschte von da aus auf den freien Platz neben mir und schaute zufrieden zu Klara und Laura.

Schließlich machte sie solange Lärm, bis sich die beiden ebenfalls zu uns gesetzt hatten. Laura sollte sich ausgerechnet zwischen uns setzen – Krümel und mir.

Laura saß erst einmal auf meinem rechten Bein, bis Krümel zur Seite rutschte, ein Stückchen wenigstens. Dann sah sie Klara ankommen und wollte, dass die sich rechts von ihr hinsetzte.

Krümel rutschte noch einmal von der Bank und holte das Dreirad, das noch auf dem Weg stand, ebenfalls zu uns heran.

Danach saßen wir alle nebeneinander. Auf der Bank, im grünen Park von Hohenschönhausen, weit weg vom Meer, von Rügen und von Polchow.

Und trotzdem, wir waren glücklich, denn wir hatten den Eindruck, dass Krümel fand, sie wäre an einem der schönsten Orte auf dieser Welt und dann noch mit ihrem „Rudel“ an ihrer Seite, das sie energisch und zielbewusst mit ihren kleinen Fingerchen und ihren unverwechselbaren Lauten dirigierte.

JEEPY (27)

DIE SCHATZKISTE IN STRALSUND

Jeepy und Fiatine waren aufgeregt. Es ging zu Lukas nach Stralsund. Der hatte eine alte und morsche Kiste, die der Fahrer zur Schatzkiste umbauen wollte.

Jeepy und Fiatine hätten zwar durch das update allein fahren können, also ohne den Fahrer und den Verkäufer, aber die wollten beide auch mit.

Und so ging es morgens um 05.00 Uhr los.
Jeepy fuhr vorneweg. Auf den hinteren Sitzen war Krümel, die fröhlich vor sich hin erzählte. Neben ihr passte die Frau des Fahrers auf sie auf.

Fiatine düste hinter Jeepy hinterher, mit dem Verkäufer am Steuer.
„Man, warum muss Fiatine so dicht auffahren. Die kann nicht anders, als sich wieder in den Vordergrund zu drängen“, sagte Jeepy zum Fahrer.

„Jetzt bleib‘ mal ganz friedlich. Wenn es dem Verkäufer und Fiatine zu langsam geht, dann sollen sie uns doch überholen“, antwortete der Fahrer.

„Ja, aber immer diese freche Fiatine, die überall auffallen muss. Jetzt will sie auch noch vor mir fahren“, sagte Jeepy leicht eingeschnappt.
„Au wi ju do“, brabbelte Krümel fröhlich.

„Siehst du, lieber Fahrer, Krümel gibt mir recht“, sagte nun Jeepy.
„Au wi ju do heißt einfach nur, dass wir singen sollen, anstellen hier nur zu nörgeln“, meinte der Fahrer.

„Auf der Reeperbahn, nachts um halb eins“, fing der Fahrer auch gleich an zu singen.

„Das kannst du doch jetzt nicht bringen“, sagte die Frau des Fahrers.
„Warum nicht?“, fragte der Fahrer.

„Weil es kein Kinderlied ist“, antwortete sie.
„Jeepy klein, fährt allein, in die weite Welt hinein, Stock und Hut, alles wird mit der Schatzkiste gut“, trällerte da der Fahrer.

„Au wi ju do“, quietschte Krümel auf der Hinterbank.
„Siehst du, Krümel gefällt mein Lied“, sagte der Fahrer.
Plötzlich ertönte hinten ein Lied:

„Ich heiße Fiatine, ich bin die flotte Biene. Ich flitze über die Piste und bald, ja da haben wir die Kiste. Wir füllen sie mit Gold und dann ist das Glück uns hold“, sang sie weiter.

Der Fahrer bog auf den nächsten Parkplatz ab.
Alle stiegen aus, vertraten sich die Beine oder die Reifen, und weiter ging‘s.

Sie waren am frühen Vormittag in Stralsund angekommen.
Auf dem Hof von Lukas roch es nach geräuchertem Fisch.
„Oh, das duftet ja so gut hier“, sagte die Frau des Fahrers zu Lukas.
„Hm“, brummte der nur. Er sprach nicht mehr, als es unbedingt nötig war.

„Wo ist denn die Kiste?“, fragte der Fahrer.
„Die steht hier schon.“ Lukas zeigte auf eine Holzkiste, die sich auf dem Tisch im Garten befand. Sie war ziemlich alt. Aber das machte sie so perfekt für die Schatzsuche.

Lukas hatte oben auf noch einen Deckel mit Scharnieren befestigt und vorn ein Schloss angebracht.
„Mach‘ mal auf“, sagt jetzt Lukas zum Verkäufer.

„Wow“, rief der aus.

„Was ist da drin? Ich will es sehen“, rief Jeepy.
„Ich auch!“ Fiatine zwängte sich zwischen die anderen und rollte vor Aufregung dem Verkäufer über die Füsse.

„Au wi ju do“, ertönte Krümels fröhlicher Kauderwelsch. Sie ging an der Hand der Frau des Fahrers und wollte auch sehen, was in der Kiste noch war.

Lukas hatte dort einen Haufen Goldtaler hineingelegt.
Das war Schokolade in kreisrunder Form, eingewickelt in geprägter Goldfolie.

Es sah aus, als wäre die Kiste tatsächlich angefüllt mit purem Gold.
„Wo hast du die her?“, fragte jetzt der Fahrer Lukas.

„Ach, ganz in der Nähe betreibt ein Freund einen online-shop, der für genau solche Abenteuer die richtigen Utensilien liefert“, antwortete Lukas.

Neben der Kiste lagen noch für jeden der Kinder kleine Wundertüten, in denen Malbücher, Stifte und weitere Süßigkeiten waren.

„Das könnt ihr auch noch mitnehmen“, sagte Lukas.
Der Fahrer, seine Frau, der Verkäufer, Jeepy und Fiatine bedankten sich bei Lukas und Krümel murmelte zufrieden ihr „au wi ju do“ wie zur Bestätigung vor sich hin.

Alle begaben sich auf die Rückreise.
Die Schatzsuche konnte beginnen.

MEIN FREUND, DER ALLTAG (56)

FREITAG, DER ZWEITE BETREUUNGSTAG FÜR KRÜMEL

Ich bin mit Laura in ständigem Kontakt über Whats App. Auf jeden Fall muss Laura nicht schon wieder einen Tag zu Hause bleiben. Und meine Arbeit? Ja, die bleibt liegen.

Doch was ist mir wichtiger? Natürlich Krümels Wohlergehen.
Ich werde mal auf Zehenspitzen nach ihr schauen.
Sie schläft. Ich prüfe, ob sie noch atmet.

Ich merke, wie die Verantwortung auf mir lastet, alles richtig zu machen. Aber nun bin ich zuversichtlich, dass sie sich auf dem Weg der Besserung befindet.

Später:
Krümel ist aufgewacht und Klara ist von der Arbeit direkt hierhergekommen.  Das Telefon klingelt. Anna ist dran. Ich gebe Krümel den Hörer, damit sie sich mit ihrer Uroma ein wenig unterhält. Und das macht Krümel auch.

Sie geht im Zimmer umher und bewegt zur Bekräftigung des Gesagten den linken Arm hoch und runter. Keiner versteht, was sie sagt. Es ist nur ein Wechsel von ‚oh‘, ‚öh‘, da, da, manchmal ein bisschen in den höheren Tönen, doch es klingt gut.

„Es geht mir wieder gut, alle sind da, Opa sitzt auf dem Fußboden, baut Türme, die ich gleich wieder einreiße und Oma steckt mir kleine Stücken Brot in den Mund, die ich wieder rausziehe und sie schließlich Opa in den Mund schiebe. Der schluckt sie runter, widerwillig zwar, aber immerhin.

Das Wohnzimmer sieht aus wie ein Schlachtfeld. Aufräumen ist sinnlos. Ich habe ein paar Mal die kleineren Bauklötzer in einen Eimer gepackt, und danach hatte Krümel nichts Besseres zu tun, als sie schnell auszukippen und überall zu zerstreuen.

Jetzt spielt Klara mit ihr und sie ist ganz munter. Ich merke nun, wie schwierig es ist, ein kleines Kind den ganzen Tag zu beaufsichtigen und zu betreuen. Selbst wenn du nur sitzt, ist es anstrengend. Erzieherin ist ein schwerer Beruf, mit viel Verantwortung.

Laura kommt von der Arbeit. Krümel springt auf und stürmt zu ihr. Als sie auf dem Arm von Laura ist, winkt sie uns zu, zum Abschied.
Wir können jetzt gehen, denn ihre Mama ist wieder zurück.

Krümel ist glücklich.
Wir sind es auch.

JEEPY (11)

JEEPI – ICH ERZÄHLE DIE GESCHICHTEN

JETZT SELBST

Fortsetzung.

Hallo Krümel, hier ist wieder Jeepi, wie jeden Freitag. Weißt du was? Ich kriege heute neue Schuhe, die für den Sommer. Ich meine natürlich Räder, du verstehst schon.

Mein Fahrer, der hat mich vor zwei Tagen extra zum Waschen und Fönen geschleift, obwohl es geregnet hat. Ich bin halb trocken wieder aus der Waschanlage hinausgedrängelt worden. Da kennt mein Fahrer nichts.

Er sagt zwar, dass er mich sehr gern hat, aber überleg‘ doch mal selbst: Würdest du, den du gern hast, mit nassen Haaren in den Regen schicken und sagen, dass der Rest vom Wind getrocknet wird? Wohl eher nicht. Siehst du!

Aber mein Fahrer, dein Opa, der macht so etwas. Ich bin ihm aber nicht wirklich böse. Wir sind ja in dem dreiviertel Jahr gute Freunde geworden. Überleg mal: Als du acht Monate alt geworden bist, da hat dein Opa, mein jetziger Fahrer, mich gekauft.

Und nun bin ich schon acht Monate mit meinem Fahrer zusammen. Also genau die Hälfte deiner Lebenszeit kennen wir uns nun auch schon. Und darüber bin ich richtig froh.

Wenn ich nur mit meinem Fahrer zusammen auf Tour gehen würde, das wäre nichts für mich. Schau mal, was wir schon gemeinsam erlebt haben. Du bist mit mir gleich am Anfang nach Rügen an die Ostsee gestartet. Dort habt ihr mit euren Füßen nach dem Strand fast meinen ganzen Fußboden versandet.

Wir waren Weihnachten in Sassnitz. Da bist du fröhlich in der Ferienwohnung umhergelaufen und ich musste draußen frieren. Und dann, du erinnerst dich bestimmt, sind wir zu deiner Oma gefahren und wir haben sie in der Reha-Klinik besucht.

Auf der Hinfahrt hast dich zweimal übergeben, weil dein Kreislauf noch nicht die vielen Kurven verkraftet hat. Na, mein Fahrer hätte auch mal einen Gang runterschalten können.

Ich freu‘ mich schon auf Ostern, wenn wir wieder gemeinsam nach Rügen fahren. Und du wirst wahrscheinlich auf der großen Fahrt einschlafen, aber hoffentlich dein Opa nicht. Aber du, du darfst das.

Außerdem spüre ich dadurch, dass du dich bei mir wohl und sicher fühlst.

Mein Fahrer sagt manchmal zu mir: „Dicke Autos fahren, das kann jeder. Aber eine Freundschaft pflegen, wie zwischen uns allen eben, das geht nur mit Jeepi.“

Bis bald Krümel. Heute Abend erzähle ich dir, wie es beim Schuh…, äh, ich meine Reifenwechsel gelaufen ist. Bis dahin wünsche ich dir einen schönen Tag in der Kita.
Dein Jeepi.

JEEPY (10)

JEEPI –  ICH ERZÄHLE DIE GESCHICHTEN

JETZT SELBST

Fortsetzung.

Hallo Krümel, wir haben lange nichts voneinander gehört. Hier ist Jeepi, dein bester Freund, nach meinem Fahrer und deinem Opa natürlich.

Ich wollte ja schon längst, dass dir mein Fahrer mal schreibt. Aber nein, der hampelt wieder mit seinen Texten herum und jammert, dass er nichts fertig bekommt.

Am Donnerstag, da konnte er mittags nicht mehr denken. Hat er jedenfalls laut gesagt und hat sich darum vorgenommen, den Carport auszufegen. Das will er schon seit Wochen machen.

Naja, du weißt ja, der braucht immer ein bisschen. Also am Donnerstag hat er mich erst einmal aus dem Carport geschubst, weil er ja sonst nicht fegen konnte. Ich musste in der Zwischenzeit in so einer kleinen Parkbucht stehen. Nur mit zwei Rädern. Mein Fahrer war zu faul, alle meine vier Räder vernünftig zu parken.

„Ist doch nur für eine halbe Stunde“, meinte er zu mir. Ne, klar. Was meinst du, wenn ich ihm sagen würde, er soll mal für eine halbe Stunde auf einem Bein stehen und das andere baumeln lassen.

Kaum hatte mein Fahrer angefangen zu fegen, da kam auch schon die Nachbarin und fing an, ihr Blumenbeet zu haken.
„Ach, auch mal bewegen“, fragte sie ihn. Mein Fahrer war innerlich leicht genervt.
„Auch mal bewegen?“, fragt die ihn. Ja, was glaubte sie denn? Dass mein Fahrer sonst am Schreibtisch angekettet ist? Also da musste ich ihm ja nun mal Recht geben.

„Ich fege hier nur, damit Sie mir gleich noch ein paar gute Ratschläge für die Bewegung geben können“, antwortete er. Das hätte er sich ja nun auch verkneifen können.

„Ja, wissen Sie, Bewegung ist so wichtig!“, sagte sie daraufhin zu ihm, ohne auf seine spöttische Art einzugehen. Sie war bis vor kurzem noch Geschäftsführerin beim Deutschen Roten Kreuz. Und sie dachte wahrscheinlich, dass der Dicke gut ein paar Ratschläge von ihr gebrauchen könnte.

Mein Fahrer findet sie ja nett und ist froh, dass er so eine angenehme, eigentlich unaufdringliche Nachbarin hatte.

Aber nun gingen mit ihm mal wieder die Pferde durch und er sagte: „Wenn das so gut ist, das mit der Bewegung, warum sehe ich Sie denn so wenig Sport treiben?“

Für einen kurzen Moment, war mein Fahrer bereit, in Deckung zu gehen, weil sich ihr Arm, mit der kleinen Unkrautschaufel in der Hand, gefährlich in seine Richtung bewegte.

„Ich tue sehr viel für die Gesundheit“, sagte sie mit etwas höherer Stimme. Sie spitzte den Mund etwas mehr dazu.

„Prima, dann sind Sie ja unsere Favoritin beim nächsten Dorfsportfest“, sagte mein Fahrer trocken. Jetzt musste sie auch ein wenig lächeln, weil sie wusste, dass mein Fahrer gerne scherzte.

Ach Krümel, du musst hier mal wieder herkommen. Mein Fahrer und ich, wir holen dich auch von Zuhause ab. Und dann habt ihr zusammen Spaß beim Fegen, und ich schau‘ euch zu.
Bis bald mal.
Dein Jeepi.

MEIN FREUND, DER ALLTAG (32)

ES SIND IM LEBEN NIE DIE GROßEN FELSEN, ÜBER DIE WIR HINWEGLAUFEN MÜSSEN – ES SIND MEIST DIE KLEINEN STEINE
Jeepy erzählt Krümel, wie sich sein Fahrer bei der Lesung zur Frauentagsfeier in Altlandsberg geschlagen hat.
(Angelehnt an die Erzählform von JEEPY)

Hallo Krümel, hier ist Jeepy. Ich wollte dir doch noch erzählen, wie die Geschichten meines Fahrers über den ganz normalen Alltag bei den Teilnehmern der Lesung angekommen sind.

Ich glaube, ganz gut. Einige der Frauen haben gelacht, andere wiederum geschmunzelt und manche haben einfach still zugehört. Du kannst immer nur von deinem eigenen Gefühl ausgehen.

Was andere Menschen tatsächlich darüber denken, das ist sehr schwer einzuschätzen und das will mein Fahrer auch gar nicht versuchen. Auf jeden Fall: Es hat ihm wohl einen riesen Spaß gemacht, die Atmosphäre war locker und er sah zufrieden aus, als er bei mir einstieg.

Mein Fahrer ist ein wenig früher gegangen, weil er ja nur der Gast war, der etwas vorlesen sollte. Aber als er die Tür erreichte, drehte sich eine Frau zu ihm um und sagte: „Komm‘ wieder.“ Das hat ihn gerührt, im Stillen natürlich.

Heute hat er sich überhaupt nicht bei mir draußen blicken lassen. Es hat fast den ganzen Tag geregnet, es hat Wasserkübel geschüttet. Und denkst du, der ist mal auf die Idee gekommen, mich ein Stück weiter unter das Carportdach zu fahren? Nein, warum auch? Er saß ja im Trockenen. Nur meine Schnauze war nass, weil ununterbrochen die Tropfen von oben auf die Motorhaube krachten.

Aber ich weiß, dass er heute viel gearbeitet hat und deshalb will ich ihm das mal durchgehen lassen. Er hat heute damit begonnen, für einen Sachbuchautor eine Rezension zu schreiben, und die will er diese Woche noch fertigbekommen.

Er ringt mit sich, auch einen Ratgeber zu schreiben. Themen hätte er genug, und das Schreiben würde ihm jetzt auch nicht so schwer fallen. Aber dann denkt er wieder, dass er an seinen kleinen Geschichten über den Alltag dranbleiben will.

Weißt du Krümel, was ihm eigentlich so daran gefällt? Du wirst es später vielleicht verstehen, dann, wenn mein Fahrer längst in die ewigen Jagdgründe eingegangen ist und von oben herab schimpft, dass er keine Zeit hat, weil noch so viel zu tun ist.

Er sagt zu mir: „In meinem Leben waren es nie die großen Felsen, die mich aufgehalten haben und besondere Schwierigkeiten machten. Nein. Es waren die kleinen Steine, über die er meistens gestolpert ist, weil er sie nicht ernst genommen hat. Und es gibt noch einen Grund für meinen Fahrer.

Er hat ein Leben lang mit Wissenschaftlern, Managern diskutiert, mit Leuten, wo der eine immer noch einen gebenüber dem anderen draufzusetzen hatte. Dabei hat er manchmal das ganz normale Leben vergessen. Ihm macht es heute viel mehr Spaß, mit dir auf dem Spielplatz die Kinder zu beobachten, die Leute, die vorbeischlendern und sich zu fragen, was den Einzelnen wohl in dem Moment so bewegt.

Das ist für ihn jetzt das wirkliche Leben, und ich muss mir von ihm den ganzen Quatsch anhören, lieber Krümel. Aber es ist ja auch oft lustig. Bis bald mal, Krümel, dein bester Freund und der zweitbeste meines Fahrers, denn zuerst kommst ja du.

JEEPY (9)

JEEPI – ICH ERZÄHLE DIE GESCHICHTEN

JETZT SELBST

Fortsetzung.

Hallo Krümel, ich stehe hier unter dem Carport und keiner denkt an mich.
„Mir ist langweilig“, hat deine Mama in solchen Fällen zu meinem Fahrer gesagt. Der lässt sich gar nicht blicken. Er arbeitet, angeblich. Dabei stöhnt er schon den ganzen Tag rum, weil er die Zimmer saubermachen will. Seine Frau, also deine Oma, ist ja zur Kur.

Und da hat er vorige Woche einfach mal das Saubermachen ausfallen lassen. Aber jetzt sieht er überall die kleinen Fussel. Die Tage zuvor hat er sie einfach aufgehoben und in die Hosentasche gesteckt. Doch nun ist es einfach zu viel für ihn.

Also hat er den Staubsauger herausgeholt und angefangen zu saugen. Danach ist er gleich vor Erschöpfung in den Sessel gesunken, und keiner war da, der ihn bemitleidet hat. Nun kommt der Knaller. Mein Fahrer hat freiwillig noch die Treppen gewischt. Das macht er sonst nie, sondern überlässt es deiner Oma.

Er hat ihr gleich ein Foto geschickt. Da war er mit dem Eimer und dem Wischlappen drauf zu sehen. „Schnau…. voll“, stand in der Bildunterschrift.

Das sagt man eigentlich nicht, lieber Krümel, deshalb schreibe ich das Wort auch gar nicht erst aus, was mein Fahrer hier gesagt hat. Später rief deine Oma an und mein Fahrer wollte ihr stolz berichten, was er alles getan hatte.

Und was war die Reaktion?
„Du hast doch nicht etwa die Treppen feucht abgewischt?“, fragte sie ihn. Mein Fahrer war sauer.
„Wie denn sonst?“
„Naja, ich wische sie immer trocken ab“, sagte sie.
„Das ist jetzt egal, ich habe sie jedenfalls feucht abgewischt.“

Mein Fahrer war enttäuscht. Er dachte nämlich, er bekäme ein dickes Lob von deiner Oma. Dabei hatte er ihr noch gar nicht erzählt, wie lange er gebraucht hatte, um zu verstehen, wie der Wischlappen aufgezogen wird.

In den Wischeimer hatte er einfach Spülmittel und Fettlöser aus der Küche genommen. Er hatte die richtigen Reinigungsmittel nicht gefunden. Die standen so in der Ecke, dass man hätte alles ausräumen müssen. Mein Fahrer hat es versucht. Aber da flogen ihm gleich die ersten Sachen entgegen.

„Wir gehen heute ein Eis essen“, sagte deine Oma zu ihm am Telefon.
„Eis essen, während der Kur?“, fragte mein Fahrer.
„Ja, denn heute ist ja Frauentag.“
„Ach du Sch….“, stöhnte mein Fahrer auf. Jetzt muss ich schon wieder Punkte machen, Krümel. Dein Opa hat sich nicht im Griff. Er ärgerte sich einfach, dass er den Feiertag vergessen hatte.

Wie konnte er das wieder gutmachen? Er wusste das nicht.
„Bist du für Morgen gut vorbereitet, für deine Lesung zum Frauentag?“, fragte deine Oma nun versöhnlich.
„Ja, wie gut, dass wissen wir erst nach der Lesung.“
„Ich drück‘ die Daumen“, sagte Oma.

Mein Fahrer bedankte sich. Er würde am Sonntag einen Blumenstrauß mit in die Reha-Klinik nehmen. Ach Krümel, ich freue mich auf Morgen, denn da fahren wir endlich wieder ein Stück. Nach Altlandsberg. Da gibt es einen Verein, der heißt „Helfen hilft“. Mein Fahrer findet den klasse.

Dort arbeiten Menschen, die nicht viel fragen, sondern anderen Menschen helfen, mit Lebensmitteln, Sachen zum Anziehen und noch vielen anderen Dingen.

Deshalb gibt sich mein Fahrer sicher Mühe, denn er will ebenfalls für diesen Verein etwas tun, mit seiner Kraft und seinen Möglichkeiten eben. Morgen, da ist dort eine kleine Feier, zum Frauentag, und mein Fahrer liest ein paar kleinere Geschichten vor.

Ich warte natürlich draußen. Ich bin zwar nur ein kleiner Jeep, aber die Treppen komme ich ja trotzdem nicht hoch. Aber ich krieg schon raus, wie es war. So lieber Krümel, davon erzähle ich dir das nächste Mal.
Dein Freund Jeepi.

JEEPY (8)

JEEPI – ICH ERZÄHLE DIE GESCHICHTEN

JETZT SELBST

Fortsetzung.

Hallo Krümel, hier ist Jeepi. Jetzt ist die Woche schon fast wieder rum und ich hoffe, dir geht es gut im Kindergarten und Zuhause, bei Mama.

Naja, einmal hat mein Fahrer dich ja gesehen, über Skype. Da hast du den Computer umarmt, weil du dachtest, dahinter ist dein Opa, mein Fahrer, versteckt. Das hat meinen Fahrer sehr amüsiert und er hat danach richtig viel Schwung bei der Arbeit gehabt.

Aber ich wollte dir doch noch zu Ende erzählen, wie es in der letzten Woche weiterging, nachdem wir zurück in den Prenzlauer Berg mussten. Erinnerst du dich? Mein Fahrer wollte dort die Tastatur austauschen, weil sie ja nicht funktionstüchtig war. Mein Fahrer ließ mich in der Tiefgarage zurück und eilte in das Einkaufscenter.

„Ich möchte diese Tastatur umtauschen. Die funktioniert nicht“, sagte mein Fahrer zu dem Verkäufer.
„Sie haben mich doch auch vor zwei Stunden beraten, richtig?“, hakte er noch nach.
„Hm“, brummte er und verzog sein Gesicht, als hätte er gerade in eine Zitrone gebissen.

„Was haben Sie denn mit der Tastatur angestellt, die ist doch ganz einfach zu bedienen?“, fragte der Verkäufer meinen Fahrer.
Der pumpte sich gerade hoch. Also sendete ich aus der Tiefgarage meine Signale: „Bleib ruhig, denk an deinen Blutdruck, es geht hier nur um eine Tastatur und nicht um Menschenleben.“

Aber der hörte das zwar, ignorierte das jedoch komplett.
„Ich bin jetzt richtig neugierig, was sie mit der Tastatur anstellen, um mir zu zeigen, was für ein Fachmann Sie sind“, sagte mein Fahrer.
„Ach, das haben wir gleich. Geben Sie mal her.“

Mein Fahrer reichte das Paket mit der Tastatur rüber und wartete gespannt, wie es nun weiterging.
„Bedienungsanleitung?“, fragte der Verkäufer.
„Drinnen“, antwortete mein Fahrer ebenso knapp.
„Brauchen Sie aber gar nicht zu schauen.“
„Warum nicht?“
„Weil kein Deutsch draufsteht.“
„Gibt es auch in Deutsch“, sagte der Verkäufer.
„Gibt es nicht.“
„Doch.“
„Nein.“
„Wollen wir wetten, dass kein Deutsch draufsteht?“, fragte mein Fahrer.

„Wenn die Anleitung auch in Deutsch ist, dann nehme ich die Tastatur ungesehen wieder mit, egal, ob sie geht oder eben auch nicht.“
„Gut“, sagte der Verkäufer. Er machte den Karton auf, holte die Anleitung raus und zeigte mit dem Finger auf die rechte Seite des Blattes.
Dort standen tatsächlich ein paar deutsche Sätze.
„Das gibt’s doch nicht.“ Mein Fahrer war verblüfft. Der Verkäufer schmunzelte.

„Sie müssen hier auf die Taste ‚Fn‘ gehen und oben auf die Taste eins. Dann halten Sie das Ganze drei Sekunden gedrückt und schon gibt es eine Verbindung.“

„Können Sie mir das vorführen?“
„Kann ich.“
In wenigen Handgriffen brachte der Verkäufer die Tastatur zum Laufen und schrieb munter darauf herum. Mein Fahrer muss so blöd geschaut haben, dass der Verkäufer anfing zu lachen.
Dann lachten sie beide.

„Soll ich die Tastatur in den Karton zurückschieben, das geht immer so verdammt schwer“, fragte der Verkäufer meinen Fahrer.
„Nein, lassen Sie mal. Die nehme ich jetzt gleich so mit.“

Mein Fahrer bedankte sich noch einmal und verließ leichten Schrittes den Media- Markt. Für ihn war klar, selbst wenn die Tastatur Zuhause nicht funktionierte, noch einmal zurück würde er nicht fahren. Die Strassen waren jetzt verstopft. In Berlin hatte der Feierabendverkehr eingesetzt. Nach zwei Stunden ‚Stop and go‘ hatten wir es geschafft.

Ich stand im Carport, als ich von oben den Jubelschrei hörte. Die Tastatur funktionierte.
Bis zum nächsten Abenteuer mit deinem Fahrer und mir, lieber Krümel, sage ich Tschüss,
Dein Jeepi.

JEEPY (7)

JEEPY – ICH ERZÄHLE DIE GESICHICHTEN

JETZT SELBST

Fortsetzung.

Mein Fahrer packte die Tastatur aus, besser, er musste sich beherrschen, um die Packung drum herum nicht einfach aufzureißen.

Es kamen die Tastatur zum Vorschein, die Maus und die Batterien. Daneben lag ein Zettel, eng beschrieben – in Russisch, Englisch, Spanisch. Nur Deutsch, das war nirgendwo zu sehen.

Also probierte er es so aus, die Tastatur anzuschließen. Schließlich hatte er es ja oft genug auf diesem Weg hinbekommen. Zuerst versuchte er es mit dem Computer.

Das war am einfachsten, nämlich auf ‚Einstellungen‘ gehen, ‚Gerät hinzufügen‘ anklicken und warten.
„Versuchen Sie es noch einmal, stand in gelben Buchstaben plötzlich im Display ‚Einstellungen‘. Noch einmal probieren? Mein Fahrer probierte es fünfmal, nein, zehnmal. Dann kribbelte es in seinen Händen, einfach mal so auf die Tastatur zu hauen.

Ich nahm meine ganze Energie als Jeepi zusammen und sandte aus dem Carport Signale zu ihm nach oben, ins Arbeitszimmer, wo ein Krieg auszubrechen drohte.
„Tu‘ es nicht, überlege, woran es liegen kann. Sie klug und beherrscht.“
„Ich will nicht klug und sensibel sein, ich will mich nicht beherrschen. Nein, ich will auf die Tastatur hauen, einfach so.“

Es hatte keinen Sinnen, mit meinem Fahrer zu reden.
Schließlich kriegte er sich wieder ein. Vielleicht lag es ja an den Batterien. Er fummelte den Deckel hinten vom Fach ab, in den die Batterien hineingeschoben werden. Normalerweis kann man sie ganz einfach herausnehmen.

Aber nicht bei meinem Fahrer. Der kramte seinen Brieföffner heraus und fummelte, kratzte an den Batterien herum, bis sie herauskamen. Sie flogen raus, polterten auf den Schreibtisch, kullerten herunter. Wohin?

Natürlich in die Ecke, in die sich mein Fahrer bücken musste. Also schob er sich erst einmal im Sessel nach vorn und versuchte mit den Füssen an die Batterien zu gelangen. Schaffte er das, was meinst du Krümel?

Ja, er schaffte es. Aber dann, als er sie hatte und mit dem Fuß vorsichtig zu sich ziehen wollte, da sprangen sie wieder davon, kullerten noch weiter weg.

Fluchend erhob sich mein Fahrer nun aus dem Sessel, bückte sich und tastete sich unter dem Schreibtisch zu den Batterien heran.
Links sah er seit langem mal wieder die Fächer von dem beigestellten Regal. Es war schwarz, nur die Bretter nicht. Sie waren grau, beschichtet mit dickem Staub.

‚Soll ich noch mal unten hervorkriechen und dann einen feuchten Lappen holen? Nein, der Staub ist gut, der dämpft den Lärm‘, dachte er sich.

Welchen Lärm, frage ich dich Krümel? Wenn er seine Texte laut vorliest oder telefoniert und dem anderen in die Hörermuschel brüllt, dass der auch noch etwas hört, wenn das Telefon nicht an seinem Ohr ist?

Mein Fahrer ächzte wieder unter dem Schreibtisch hervor, wischte sich die Hände an den Hosen ab, sodass der Staub schön verteilt wurde.  Was er nicht bedachte, lieber Krümel, dass er die Sachen selbst waschen musste, weil Klara ja zur Reha war.

Aber das scherte ihn im Moment gar nicht. Nun ging er im Flur zu der Kiste, in der immer die neuen Batterien aufbewahrt wurden.
Er kramte in den Sachen, suchte zwischen den Pappschachteln mit Glühlampen, Staubtüchern und unnützen Dingen, die keiner wegwarf.

Von den Batterien keine Spur.
„Wo hat Klara verdammt noch mal die Batterien hingelegt?“, schimpfte mein Fahrer vor sich hin.

Sie lagen im Wohnzimmer, auf der Kommode.
„Was haben die hier zu suchen?“, fragte er in den leeren Raum. Keiner antwortete ihm. Es war ja auch keiner da. Ich hörte ihn zwar, aber ich stand ja offiziell im Carport, bin sein Auto, kann nicht sprechen, nicht hören, und ich kann nicht der Seelentröster sein, im richtigen Leben jedenfalls nicht.

Mein Fahrer stapfte die Treppe hoch und legte die neuen Batterien ins Fach. Dann probierte er es wieder. Keine Chance.

„Versuchen Sie es erneut“, leuchtete in den Einstellungen des Computers auf. Mein Fahrer hatte die Nase voll. Er holte sich den Pappkarton heran und versuchte, die Tastatur dorthinein zu bugsieren.

Es war ein Grauen. Mal klemmte es an der einen Seite, dann wieder wusste er nicht, wie er das Ganze richtig falten sollte. Schließlich hatte er es geschafft. Die Tastatur war verpackt. Der Karton leicht eingedrückt, aber sonst ganz passabel anzusehen.

Zufrieden räumte mein Fahrer den Schreibtisch auf. Dann ein gellender Schrei. Was war geschehen? Die Batterien lagen noch draußen, die Anleitung hatte er auch vergessen.

Mein Fahrer riss den Karton auf und zerrte die Tastatur erneut heraus. Krümel, ich hatte den Eindruck, die hatte die ‚Ohren eingezogen‘, damit sie nichts mitbekam von dem Gefluche meines Fahres.

Ich musste als Jeepi, seinem nunmehr besten Freund, eingreifen. Ich sendete Signale vom Carport aus nach oben ins Schlafzimmer.
„Wir bleiben entspannt, und wir atmen tief. Wir sind dankbar für jeden Moment, den wir am Tag erleben.“

Ich hatte den Eindruck, auf meinen Fahrer hatte das eine gegenteilige Wirkung. Er stopfte die Tastatur zurück, nachdem er vorher die anderen Utensilien in die dafür vorgesehenen Fächer gezwängt hatte.

Mein Fahrer versuchte es nicht mehr mit Feinfühligkeit, nein, er presste, schubste die Tastatur, bis sie an ihrem Platz war. Es half nichts, wir mussten zurück in den Prenzlauer Berg.

Wir fuhren los. Mein Fahrer drückte auf das Gaspedal, fuhr rabiater, schneller. Es fühlte sich an, als würde ich nicht zum Fahren animiert, sondern mehr geschubst – ‚nun mach‘ schon hin‘, verdammt.“

Im Einkaufscenter ging das Drama weiter. Aber das, lieber Krümel, das erzähle ich dir in der nächsten Woche. Bis dahin wünsche ich dir ein schönes Wochenende.
Dein ‚Jeep‘, der beste Freund deines Opas und damit auch dein bester Freund.

 

JEEPY (6)

JEEPI ERZÄHLT SEINE ABENTEUER JETZT

SELBST

Hallo Krümel, dein Opa, also mein Fahrer, der kommt nicht aus dem Knick mit dem Erzählen. Also nehme ich das ab jetzt selbst in die Hand.

Langsam reicht es mir auch, dass er nur von Orli, dem BMW, dessen Freundin Berlinga und Bobby, dem Mercedes-Geländewagen, erzählt. Ich bin doch auch noch da, und zwar jeden Tag.

Neulich bist du ja auch mitgefahren, dir wurde schlecht, und das Ergebnis ist heute noch auf dem Kindersitz zu betrachten. Dein Opa, mein Fahrer, wollte zwar längst alles gereinigt haben, aber davon ist nicht viel zu merken.

Heute hat er mich zwar gewaschen, danach innen gesaugt, meine Fensterscheiben geputzt, mir Putzmittel in die Bullaugen vorn gespritzt, dass ich stark niesen musste, aber den Kindersitz, den hat er links liegen gelassen.

Und gestern, da hat er mich richtig gestresst. Am Vormittag schien die Sonne so schön und mein Fahrer hatte keine Lust mehr am Schreibtisch zu sitzen, um an den Texten herumzufeilen. Kommt ohnehin nichts bei raus.

„Jeepi, wir fahren jetzt in die Schönhauser und ich lass mir eine anständige Frisur verpassen. Anschließend schauen wir mal im Einkaufscenter vorbei, ob wir nicht eine gute Tastatur bekommen“, sagte er zu mir.

Wenn das Klara wüsste, die würde gleich aufschreien.
„Du hast mehr als 10 Tastaturen im Keller liegen“, würde sie sagen. Aber nun ist sie nicht da, und der ‚Herr‘ ‚dreht am Rad‘, vor Langerweile.

Wir sind also losgefahren. Es ging prima vorwärts und wir waren nach zwanzig Minuten in der Tiefgarage im Prenzlauer Berg angekommen. Ich musste da unten warten. Aber ich kriege trotzdem alles mit. Und wenn nicht, erzählt mir der Fahrer anschließend das, was ich noch nicht weiß.

Im Friseursalon war es recht ruhig und so war dein Opa recht frühzeitig wieder raus dem Laden, in dem er seit über sieben Jahren zum Haareschneiden geht.

„Sie müssen die Haare nach vorn tragen“, sagte die Friseuse zu ihm.
„Warum?“, fragte mein Fahrer.
„Weil sie ein ziemlich langes Gesicht haben.“
„Ja, das stimmt, ich habe des Öfteren ein langes Gesicht“, sagte der.

Schließlich schlenderte dein Opa die Schönhauser entlang, Richtung Einkaufscenter. Die Menschen gingen alle gemächlich und genossen die pralle Frühlingssonne.

„Haben die denn alle nichts zu tun?“, fragte sich mein Fahrer. Nein, so wie du auch, dachte ich, als mir das zu Ohren kam. Dein Opa lief zielstrebig auf den Computerladen zu.

„Haben Sie eine Tastatur, die über eine Bluetooth-Tastatur verfügt“, fragte er.
„Natürlich“, antwortete der Verkäufer. „Sogar mehr als eine.“ Dein Opa ging fröhlich zur Kasse und war im Nu wieder draußen. Leise summend ging er in Richtung Tiefgarage.

Er trainierte die Melodie von „Stups, der kleine Osterhase“ aus. Er will es dir dann abends vorsingen, aber sei nicht so streng mit ihm, denn die Melodie ist gar nicht so leicht. Schließlich kam er bei mir an.

Vorher hatte er noch bezahlt und die Tastatur oben auf den Parkautomaten abgelegt. Als wir bereits wieder auf dem Rückweg waren, da bremste mein Fahrer urplötzlich, sodass mir ganz schlecht davon wurde. Er griff nach hinten, kugelte sich bald den Arm aus, aber er fand eines nicht: die Tastatur.

„Verdammt, die muss ich liegengelassen haben. Auf dem Parkautomaten“, schoss es ihm durch den Kopf.
Jetzt wendete er an der nächsten sich bietenden Gelegenheit.

Und das kannst du nicht so wörtlich nehmen, Krümel. Wir mussten nämlich erst einmal ein ganzes Stück geradeaus fahren. Dann endlich, mein Fahrer wurde mutig, schwenkte er scharf nach rechts, Richtung Bordsteinkante und ich hatte Angst, dass ich mit meinen Hacken, äh, ich meine, den Reifen gegen die Bordsteinkante gedrückt wurde.

Mein Fahrer sprang aus dem Auto, rannte in Richtung Tiefgarage, um so schnell wie möglich am Parkautomaten zu sein. Aus den Augenwinkeln beobachtete er noch, wie ein Mann vom Ordnungsamt die Parkausweise kontrollierte. Darauf konnte er jetzt aber keine Rücksicht nehmen.

Mein Fahrer riss die Tür vom Eingang zum Parkautomaten auf, und er sah sofort oben die Tastatur liegen. Gut gelaunt ergriff er sie und war schon wieder draußen. Zwei Bettler schauten ihn fragend an. Sie saßen direkt gegenüber dem Eingang vom Parkautomaten, was strategisch für sie sicher eine gute Position zum Betteln war.

„Es gibt noch ehrliche Menschen“, sagte mein Fahrer zu ihnen.
„Oh ja“, riefen die Bettler zurück und meinten offensichtlich sich selbst.

Mein Fahrer kam zurückgestürzt, öffnete meine hintere Tür, nahm das Portemonnaie und fingerte je zwei 1-Euro Stücken heraus. Er lief zurück zu den Bettlern und drückte sie ihnen in die Hand. So glücklich war mein Fahrer darüber, dass er die Tastatur wiedergefunden hatte.

Die schauten ihn verdutzt an und über ihr Gesicht huschte ein dankbares Lächeln. Mein Fahrer fühlte sich gut und sprintete zu mir zurück. Als er bei mir angekommen war, steuerte der Mann vom Ordnungsamt auf uns zu.

„Ich bin gleich weg“, rief ihm mein Fahrer zu. Der nickte stumm und verschwand. Wieder Schwein gehabt.
„Los Jeepi, lass uns abhauen. Auf ins Dorf, da wo wir Zuhause sind“, sagte mein Fahrer und gab mir einen Tritt in den A… , ich meine, drückte auf mein Gaspedal.

Aber wenn du glaubst, dass dies alles war, lieber Krümel, dann muss ich dich enttäuschen. Wir mussten nämlich noch einmal zurück in die Schönhauser. Das erzähle ich dir das nächste Mal.

MEIN FREUND, DER ALLTAG (27)


DER ERSTE BESUCH BEI KLARA IN DER REHA-KLINIK

Ich sitze schon wieder am See, diesmal nicht am Döllnsee, sondern am Liepnitzsee. Auf dem Wasser ziehen Enten ihre Bahnen. Ich vermute, dass es Enten sind. Klara würde sagen, du kannst doch kaum einen Schwan von einer Ente unterscheiden. Ich finde das ganz schön übertrieben von ihr.

Am Sonntag habe ich sie in der Reha in der Nähe von Potsdam besucht. Ich wollte ganz gemächlich dort hinfahren und später mit Klara in Potsdam essen gehen. Es kam anders. Kurz vor meiner Abfahrt rief Laura an, sie wolle mit. Krümel natürlich auch.

Eigentlich bin ich gegen diese planlosen, chaotischen Aktivitäten. Aber angeblich ist das ja gerade kreativ. Ich bin nur anders geprägt. Aber was soll’s? Wenn ich Krümel höre, werde ich weich. Also löste ich meinen inneren Alarm aus, saß 10 Minuten später im Auto und steuerte Hohenschönhausen an.

Laura und Krümel standen schon unten, vor ihrem Haus. Krümel ignorierte mich anfangs noch. Sie schien zu fragen: „Wer bist du, warum soll ich in den Kindersitz und was ist mit meiner Mama?“ Das ist immer so, am Anfang jedenfalls.

Laura bekam alles schnell hin und wir konnten starten.
„Wir fahren jetzt durch die Stadt, nicht über die Autobahn“, sagte ich in Richtung der hinteren Sitzbank.

Beide guckten mich an, als würden sie sagen wollen: „Quatsch‘ nicht, fahr einfach los.“ Die Tante vom Navi gab mir laufend Hinweise. Entweder zu früh, dann musste ich anschließend umkehren, oder zu spät. Dann musste ich auch umkehren.

Plötzlich übergab sich Krümel. Ein regelgerechter ‚Vulkan‘ brach aus ihr heraus. Ich bin wahrscheinlich zu viel im Kreis und um die Ecken gefahren. Das tat mir in der Seele weh für sie und ich hatte ein schlechtes Gewissen.

Aber es ist alles so schnell vorbeigegangen, wie es gekommen war. Nur zum Schluss, als ich um einen Kreisverkehr herum musste, da ging das alles von vorn los. Schließlich hatten wir es geschafft.

Wir stiegen aus und sahen erst dann das gesamte Ausmaß des Vulkanausbruchs. Der Kindersitz war übersäht von Erbrochenem und ähnlich sah es mit den Sachen aus, die Krümel am Körper trug. Klara stand schon im Eingang und freute sich riesig, als sie Krümel in die Arme nehmen konnte.

„Das riecht ja so säuerlich“, sagte Klara. Wir antworteten erst einmal nicht. Auf dem Zimmer von Klara befreite Laura die Kleine von den schmutzigen Sachen.

Klara und Laura machten sich sofort ans Waschen und anschließend das Trocknen. Der Haarfön von Klara war dafür bestens geeignet. Krümel kümmerte das erst einmal nicht. Sie erkundete das Zimmer, probierte alle Schuhe aus, die im Zimmer umherstanden. Im Handumdrehen sah es im Zimmer aus, als würden dort 30 Leute auf engstem Raum hausen.

Schließlich saßen wir alle im Sessel und auf dem Stuhl. Ich lag auf dem Bett. Mit dem Ausflug nach Potsdam wurde es nichts. Dafür lag Krümel auf dem Teppich, auf dem Bauch und schaute unter das Bett. Laura kniete daneben und versuchte ebenfalls unter das Bett zu schauen.

Klara rutschte im Sessel immer weiter nach hinten, um einen Blick unter das Bett zu bekommen. Ich habe mich auf dem Bett zur Seite gerollt und hing mit dem Kopf nach unten. Da war ein Taschentuch. Krümel sollte es unter dem Bett hervorholen, dachte aber nicht daran. Wir bewegten uns auch nicht.

Wer sich jetzt regte, musste den Arm unter das Bett schieben und das Taschentuch hervorzerren. Ich harrte aus, Krümel auch, Klara sagte nichts.

„Also gut“, rief Laura und fasste unter das Bett, um das Taschentuch hervorzuholen. Dafür sind waren wir nun so weit gefahren.
Wollen wir in die ‚Kartoffelkiste‘ gehen?“, fragte Klara.
„Vorher zeige ich dir das Haus und die Schwimmhalle“, sagte sie noch.

„In Ordnung“, antwortete ich. Laura blieb auf dem Zimmer und Krümel sollte ihren Mittagsschlaf machen. Sie dachte nicht daran und fand es unerhört, dass wir das Zimmer verlassen wollten, um durchs Haus zu gehen. Aber das ist wieder eine andere Geschichte.

 

JEEPY (4)

JEEPI – WAS BISHER WAR

Kurze Zusammenfassung der bisherigen Erzählungen über Jeepi (noch mit einem 'i'. )

Hallo Krümel, hier ist wieder Jeepi, dein Freund. Du erinnerst dich vielleicht: Ich schreibe schon jetzt mal ein paar Geschichten für dich auf, die du später lesen kannst, oder deine Mama liest sie dir vor.

Sie macht das wohl jetzt schon und du lachst sie manchmal dazu an. Das ist doch schon was. Die Zeit rennt und ehe wir uns umgesehen haben, da sitzt du bei mir auf der Schreibtischplatte im Arbeitszimmer und ich lese dir eine Geschichte vor.

Ich habe früher deiner Mama immer Geschichten von den Autos erzählt, die wir hatten. Plötzlich nahmen sie menschliche Gestalt an und ich konnte mit ihnen gemeinsam herrliche Abenteuer erleben. Ich war viel unterwegs, sehr viel sogar.

Und so habe ich deiner Mama, als sie noch klein war, diese Geschichten erzählt. Das setze ich nun fort, mit Jeepi, dem kleinen Geländewagen. Du hast dort auch schon drin gesessen.

Damit wir nicht durcheinander kommen, erzähle ich dir kurz, was ich in den drei vorangegangen Geschichten erzählt habe. Es ging los damit, dass ich dir unsere bisherigen Autos vorgestellt habe.

Da waren der kleine Trabbi, den ich mit Latexfarbe innen gestrichen habe, dann kam Flippi, der weiße Lada, mit dem wir sehr gern gefahren sind.

Nach der Wende dann kam Orli, ein großer BMW. Den hatte ich, weil ich sehr viele Kilometer fahren musste.

Schließlich trat Bobby, der dicke Geländewagen in unser Leben. Ich erzähle dir von Orli weiter und wie er in Bad Hersfeld in einer Tiefgarage Berlinga, den kleinen Renault sah und Orli unbedingt ihr Freund werden wollte.

Berlinga aber war anfangs hochnäsig, bis zu dem Tag, an dem Berlinga der hintere rechte Reifen auf der Autobahn platzte und Orli vorbeikam.

Von weitem näherte sich der gelbe Abschleppwagen und alle atmeten auf.
„Das kriegen wir schnell hin“, sagte der Monteur und hatte in Windeseile die Muttern von Berlingas hinterem Reifen gelockert. Nach ein paar Minuten konnte Berlinga wieder richtig stehen und hatte keine Schmerzen mehr.

„Weißt du eigentlich, dass du es dem langen BMW zu verdanken hast, dass dir so schnell geholfen wurde?“, fragte der Fahrer von Berlinga sie.

„Ja, weiß ich. Ich kenn den.“
„Woher kennst du ihn?“
„Wir standen manchmal beieinander, in der Tiefgarage. Da ist er mir auf die Nerven gegangen, weil er so viel erzählt hat.“

„Ach, das ist ja interessant“, staunte Berlingas Fahrer nicht schlecht.
„Und, willst du nicht wenigstens bei ihm bedanken?“, hakte Berlingas Fahrer weiter nach.

„Ja, mach‘ ich“, brummte Berlinga.
„Du, danke, dass du angehalten hast und du deinen Fahrer dazu gebracht hast, dass der den Abschleppdienst holt.“
„Schon gut“, antwortete Orli verlegen.

„Kommst du mit mir am Samstag mit zur Autoschau in Bad Hersfeld?“, fragte Berlinga.
„Würde ich ja gern. Aber mein Fahrer will am Wochenende nach Hause. Der fährt nachts auf der A2 immer wie eine besengte Sau und ich komme ganz außer Puste.“

„Schade, dass du nicht mitkommen kannst. Na dann bis nächsten Montag in der Tiefgarage an der gleichen Stelle“, sagte Berlinga noch.

„Ja, an der gleichen Stelle“, erwiderte Orli, bevor sein Fahrer sich ins Auto wuchtete, den Motor anließ und Orli davonbrauste.

MEIN FREUND, DER ALLTAG (17)

EIN NEUES BUCH MIT ALTEN KINDERLIEDERN

Guten Morgen Krümel,
während du dich wahrscheinlich noch im Bett herumdrehst und hoffentlich schöne Träume hast, habe ich heute mit etwas ganz Besonderem begonnen. Nämlich, ein neues Liederbuch für Kinder anzuschauen. Oma brachte gestern so ein Buch mit. So etwas habe ich noch nicht gesehen. Auf dem Deckel ist ein Bär abgebildet. Er läuft, lacht und singt. Woran ich das erkenne?

Nun, daneben sind kleine Noten abgebildet. Das ist aber nur die eine Hälfte des Buchdeckels. Auf der anderen Seite gibt es einen Notenschlüssel. Und wenn du dort auf die einzelnen Bilder drückst, dann ertönt ein Lied. Im Buch selbst sind dann einzelne Liedtexte abgebildet.

Zum Beispiel: Kommt ein Vogel geflogen. Jetzt muss ich nur noch herausbekommen, welcher Text zu welcher Melodie passt. Damit bin ich heute Morgen beschäftigt. Obwohl ich eigentlich längst hätte einen Text über einen Pflegedienst schreiben müssen.

Oma sagt: „Jetzt kannst du mal deine Lieder vergessen.“
„Welche?“, habe ich gefragt.
„Na, ‚…auf der Reeperbahn… zum Beispiel“, sagte sie.
Aber mit den neuen Liedern ist es so, wie mit den neuen Spielzeugen. Wir bekamen früher zwar nicht so viele neue Sachen zum Spielen. Indianer schon. Und wir freuten uns, wenn wir diese Indianer hatten, und wir sie in den Kampf schicken konnten. Doch nach einer gewissen Zeit, da holten wir die alten Wäscheklammern hervor und der Indianer lag in der Ecke.


Was ich damit sagen will?

Also, wir werden bestimmt mit dem Buch so einiges anstellen, schöne Kinderlieder singen oder besser, ich brumme und du rufst dann ,na, na‘, oder so ähnlich. So richtig kann ich es ja noch nicht verstehen, was du ausdrücken willst.

Pure Lebenslust ist es allemal. Aber schließlich wirst du wieder das alte Staubtuch hervorholen und es über das Buch decken und danach eine deiner vielen Puppen damit einrollen oder das Feuerwehrauto einwickeln.

Auf jeden Fall wird dich das Tuch erneut in seinen Bann ziehen. Das Liederbuch ist auch noch da, liegt aber zwischen der kleinen Küche, deinem Roller und den Puppen. Und das ist der Zeitpunkt, wo ich dann zu „Auf der Reeperbahn…“ übergehen kann. Ich wünsch‘ dir einen schönen Tag. Einen wirklich schönen Tag, an dem du lachst und durch die Wohnung rennst, um etwas Neues zu entdecken oder die Videos von Mama aus dem Regal schmeißt.

MEIN FREUND, DER ALLTAG (12)

WIE ICH KRÜMEL DAS ERSTE MAL VOM KINDERGARTEN ABHOLTE

Sonst war Krümel schon in der Wohnung, wenn ich sie betreut habe. Aber vorgestern, da sollte ich sie vom Kindergarten abholen.

„Weißt du, wie du da hinkommst, Papa?“, fragte mich Laura.

„Ja“, sag mir nur wie der Name der Kita ist.

„Pusteblume.“

Und weiter: „Du gehst direkt unten bei uns am Spielplatz vorbei.“

„Warum kann ich mit dem Auto nicht dort direkt hinfahren?“

„Kannst du auch. Aber laufen tut dir doch auch mal gut, oder? Außerdem kannst du dann Krümel ein bisschen den Kinderwagen auf dem Rückweg schieben lassen.“

„Ja, ist gut. Da ist was dran.“

„Jetzt, Papa, pass gut auf, damit du nichts vergisst!“

„Sind wir hier in der Schule? Und wer ist hier eigentlich der Schüler und wer die Lehrerin?“

„Papa, in der Reihenfolge. Du hast die Frage gerade selbst beantwortet.“

„Gut, dann sag‘ mal an. Aber warte mal. Ich mach‘ gleich mal mein iPhone auf. Da schreibe ich alles rein.“

„Hoffentlich findest du das auch wieder.“

„Denkst du, du kannst nur digital?“

„Ich bin da auch fit.“

Schweigen. Laura antwortet nicht.

„Und wieso hast du mich denn angerufen, als du wieder mal dein Passwort nicht gefunden hast?“, fragt sie.

„Das war etwas völlig anderes. Lass uns anfangen“, sage ich.

„Ach so, bevor ich es vergesse“, werfe ich noch ein: Wie war noch der Name der Kita?“

„Pusteblume! Papa.“

„Warum klingst du so genervt. Man wird doch noch mal fragen dürfen.“

„Ja, aber nicht fünfmal!“

„Warum eigentlich nicht?“

„Papa. Du sagst mir immer, ich soll mich konzentrieren, alles aufschreiben. Schreiben strukturiert das Denken.“

„Das soll ich gesagt haben?“

„‘Jahaa‘ Können wir jetzt anfangen?“

„Ich bin bereit.“

„Du gehst am Spielplatz vorbei, dann die Straße runter, überquerst sie, hältst dich links.“

„Ach, das weiß ich doch“, sage ich.

„Gut, Papa, dann jetzt zu den Sachen.“

„Ja, bitte.“

Laura spricht von einem roten Schal, einer Brotbüchse, einer Wickeltasche, von Schuhen, einem Rucksack, blau-rot.

„Nicht so schnell. Ich schreibe zwar mit 10 Fingern auf der Tastatur. Aber nicht auf dem Telefon. Da passt immer nur einer meiner Wurstfinger drauf. Meist reicht der Daumen auch noch bis zum Nachbarbuchstaben.“

Endlich hatte ich alles aufgeschrieben. Ich fühlte mich gut vorbereitet.

 

Nächster Tag. Der Tag der Wahrheit

Ich habe das Auto abgestellt und bin auf dem Weg zur Kita, am Spielplatz vorbei, die Straße runter.

Wie sollte ich mich dann halten? Links oder rechts?

Mir lief der Schweiß, weil ich schnell gegangen war. Es war aber kalt und es wehte ein ziemlich starker Wind.

Den Mantel hatte ich zu Hause vergessen. Ich war zu aufgeregt.

Ich schaute mich. Eine junge Frau kam mir entgegen.

Die muss das wissen. Die ist bestimmt auch Mutter, dachte ich.

„Bitte entschuldigen Sie, können Sie mir vielleicht sagen, wo es hier zum Kindergarten geht?“

„Welchen meinen Sie?“

„Gibt’s hier mehrere?“

„Ja, natürlich.“

„Mohnblume.“

„Mohnblume?“

„Die Kita gibt‘ s hier nicht.“

„Nein?“

„Nein!“

„Vielen Dank trotzdem.“

Warum hatte ich mir das nicht aufgeschrieben?

Ich schaute auf die Uhr. Panik kam in mir auf.

 

 

 

 

 

 

MEIN FREUND, DER ALLTAG (8)

KRÜMEL ZU BESUCH

Es ist etwas Besonderes, wenn uns Krümel besucht. Sie bringt unseren ganzen ‚Laden‘ in Schwung und durcheinander. Gestern noch, da saß sie auf meinem Schreibtisch und hat sich gemeinsam mit mir Lieder angehört. Heute ist der Schreibtisch wieder verwaist, nur Stifte und bekritzeltes Papier liegen auf dem Tisch und erinnern mich an gestern.

Der Alltag hat mich wieder und ich muss ihn mir erst wieder zum Freund machen. Da hilft die Aussicht, dass ich in ein paar Stunden das nächste Gespräch mit der Prima Ballerina habe. Ich habe am Wochenende ein Haufen Berichte über sie gelesen, über ihre Erfolge auf der Bühne. Da kannst du schon mal Respekt bekommen, auch wenn sie halb so alt ist wie du selbst.

Doch mich interessiert der Mensch weniger auf der Bühne, sondern eher dahinter, ungeschminkt. Und genau die Gespräche machen auch Spaß mit ihr.

Am Samstag, da hatten wir eine kleine Vorstellung von Krümel. Sie hatte das Kleid an, was Klara getragen hat, Laura und Anna davor. Es muss an die 80 Jahre alt sein und sieht noch gut aus. Krümel hat sich darin zur Musik bewegt und ein wenig mit dem Hintern gewackelt.

Warum sind das eigentlich die Dinge, die einen wirklich freuen?

Wahrscheinlich, weil du kein Geld dafür brauchst und du die Sorgen vergisst, oder sie wenigstens für ein paar Stunden zugedeckt werden.

Na gut. Auf geht‘ s Alltag, mein Freund – in die Woche. Ich freue mich drauf.

MEIN FREUND, DER ALLTAG (7)

VORLESEN FÜR KRÜMEL

Vorlesen. Darüber wird viel gesprochen und geschrieben in letzter Zeit. Ich sah am vergangenen Samstag einen Bericht darüber im Fernsehen. Spontan habe ich mit Laura telefoniert.

„Ich übernehme das Vorlesen bei Krümel. Wenn sie soweit ist, dann werde ich ihr Geschichten vorlesen – Märchen, vielleicht eigene Erzählungen, Kinderbücher.“

Laura findet das gut.

Noch ist Krümel ja nicht soweit. Als ich das letzte Mal bei ihr war, da habe ich mit ihr probehalber in einem Buch geblättert, in dem verschiedene Dinge abgebildet waren – eine Tomate zum Beispiel, eine Gießkanne oder ein Sandkasten.

Krümel hat einen Augenblick mitgespielt. Dann hat sie mir kurzerhand das Buch weggenommen, es zugeklappt und stattdessen dem Schakal aus Stoff, den mit den hässlichen Ohren, zum Trinken genötigt, und zwar durch die Nasenlöcher.

Ich habe vor einigen Jahren schon einmal als Vorleser fungiert – in der örtlichen Bibliothek. Meist waren es Märchen, die von den Kindern gewünscht waren. Da ist mir noch einmal so richtig deutlich vor Augen geführt worden, wie grausam einzelne Inhalte sind: bei „Aschenputtel“ wird bei dem einen Mädchen hinten ein wenig vom Hacken weggenommen, damit der Schuh passt, ich glaube „Struwel-Peter“ verhungert, weil er zu lange Fingernägel hat.

Das Vorlesen ist noch mal eine Aufgabe, die mir viel Spaß machen wird.

Wir können nicht nur immer die Welt retten, indem wir über die großen Katastrophen reden. Das ist notwendig. Natürlich. Wir können aber auch was im Kleinen tun – Lesen ist enorm wichtig. Damit fängt alles an.

Internet, digitale Medien – da wird Krümel Laura überholen und mich sowieso. Aber das kann sie umso schneller, je besser sie lesen kann, je mehr sie weiß, je intensiver ihr Verstand geschult wird.

Ich sollte mal wieder in der Bibliothek nachfragen, ob die noch Vorleser suchen.

 

MEIN FREUND, DER ALLTAG (49)

 EIN TAG MIT KRÜMEL
Wenn du einen Tag mit deiner Enkelin verbringen kannst, dann tu' es, und flieh vom Schreibtisch - dafür bekommst du wahrscheinlich keine zweite Chance mehr.

Laura rief am Mittwoch an: „Papa, ich habe einen ‚Anschlag‘ auf dich vor.“

„Was denn?“, fragte ich.

„Krümel kann noch nicht in den Kindergarten, die Ärztin sagt, sie braucht noch ein paar Tage. Und du bist der einzige, der Morgen auf sie aufpassen kann.“

Ich habe gar nicht überlegt, sondern gleich gesagt: „Geht klar!“, „wann soll ich da sein?“

Dabei musste ich erst sehen, dass alles klar ging. Der Schreibtisch war voll. Seit ich Rentner bin, arbeite ich mehr als je zuvor. Der Unterschied ist nur, dass es mir auch mehr Spaß macht. Aber das rückt nun alles in den Hintergrund. Sollte ich etwa einen Artikel oder eine Geschichte meinem geliebten „Krümel“ vorziehen?

Das kam gar nicht in Frage. Ich traf gestern pünktlich um 08.00 Uhr bei Laura ein. Vorher hatte ich noch an einer Kreuzung gewartet, es ging nicht vorwärts. Also konnte ich die Kinder beobachten, die auf der gegenüberliegenden Seite vor der Schule standen und offensichtlich warteten, bis sie reingelassen wurden.

„Warum um Himmelswillen, müssen die draußen in der Kälte stehen?“, dachte ich bei mir. Wahrscheinlich weil ein Hausmeister hier auf Pünktlichkeit pochte. Na gut, ich wollte nicht ungerecht sein, und auch noch auf die schimpfen, die bestimmt ihre Gründe für dieses Vorgehen hatten.

Krümel empfing mich mit einem kleinen Lachen. Ihre Mausezähnchen leuchteten mir entgegen. Ich nahm sie auf den Arm und Laura begann mich einzuweisen.

„Hier liegen die Windeln. Das Essen stellst du in die Mikrowelle. Da liegen die Sachen, wenn du mal mit ihr spaziergengehen willst. Und mittags ziehst du ihr den Schlafanzug über.“

Würde ich das alles behalten? Und dann noch die Verantwortung dafür, dass Krümel nichts passierte. Laura war weg. Zur Arbeit. Krümel schaute mich an und ich schaute Krümel an.

„Oma?“, krähte sie mit einer dünnen Stimme.

„Oma?“, fragte sie wieder.

„Opa!“, sagte ich zu ihr.

„Oma?“, ertönte es wieder. Ich gab es auf und setzte mich in die Spielecke. Krümel kam zu mir und schob ihr kleines Hinterteil ebenfalls auf die kleine Matratze. Dann zog sie ein Stofftier aus dem danebenstehenden Regal. Dort waren viele niedliche Tiere – ein Bär, eine Giraffe, ein Affe.

Wen nahm Krümel? Einen kleinen Schakal mit großen hässlichen Ohren. Er wurde von ihr gedrückt und geherzt, bekam die kleine Trinkflasche in die Nase gedrückt. Dann holte Krümel alle Autos aus dem Regal. Nach und nach gab sie mir diese in die Hand und ich sollte die Musik anmachen. Ich fummelte an den Autos solange herum, bis ich alle Hebel gefunden hatte. Jetzt tönte aus jedem Gefährt ein anderes Lied.

„Krümel, das machen wir jetzt wieder aus, sonst sind wir hinterher beso…, äh, ich meine betrunken.“

Krümel krächzte, was wohl sowas wie ein ‚ok‘ war. Später bin ich mit Krümel ein Stück spaziergengegangen. Ich musste mich hinsetzen, um ihr die Schuhe anzuziehen. Krümel wollte dabei mithelfen und das machte es so kompliziert. Dann kam das Mittagessen. Nudeln, etwas Tomatensauce, und das alles aus einer Flasche.

Anfangs lief es super. Krümel riss den Mund auf und ich schaufelte den Löffel hinein. Später fing sie an zu spielen, spuckte auch mal wieder ein klein wenig von dem bereits Geschluckten aus. Das kleine Oberteil war mit roten Flecken übersät.

Mittagsschlaf. Ich hatte auf den Bauch eines kleinen Schlumpfes gedrückt.

„Drück‘ dreimal, Papa, dann kommt nur die leise Musik und nicht das blaue Licht.“ Das funktionierte. Dann stand ich noch einmal auf, um das Fenster im Wohnzimmer anzuklappen.

„Oma?“, hörte ich.

„Ich komm‘ mein Liebling“, sagte ich, eilte zurück ins Schlafzimmer und schwang mich ebenfalls ins Bett neben ihr, streckte meine Hand zu ihr aus. Sie umklammerte den Mittelfinger der rechten Hand und ich hörte bald das gleichmäßige Schnaufen ihres Atems.

Vorsichtig versuchte ich den Finger wieder aus ihrem Händchen zu ziehen. Keine Chance. Wir schliefen zwei Stunden. Plötzlich spürte ich, wie mich zwei Augen anschauten. Ich machte ein Auge auf und zwei kleine Zähnchen aus ihrem Mund blitzten mich freundlich an.

Dann Windeln wechseln. Es lief gut. Das hätte ich gar nicht gedacht.

Wir spielten noch ein wenig. Ich baute einen Turm und Krümel setzte alles daran, ihn möglichst schnell wieder umzustoßen. Es entstand ein Wettkampf zwischen schnell aufbauen und noch schneller wieder einreißen.

Laura kam von der Arbeit. Krümel juchzte. Ihre Mama war wieder da. Über die Mama, da geht eben gar nichts. Da kannst du auf den Händen stehen und singen. Kann ich nicht. Ich meine nur mal so.

Aber Krümel und ich, wir waren an dem Tag beste Freunde. Sie kam zwischendurch immer mal wieder zu mir dicht heran und legte ihre Wange an mein Gesicht.

Sollte ich etwas dieses Gefühl für einen Tag am Schreibtisch aufgeben? Niemals.