MEIN FREUND, DER ALLTAG (65)

EINWEISUNG IM FITNESS-CENTER -2

Ich meldete mich am Tresen und fragte nach der Einweisung.
Der Mitarbeiter schaute nach und sagte: „Du stehst heute nicht im Kalender.“

„Wenn du Donnerstag aufschlägst, dann findest du mich auch. Heute ist nicht Freitag“, entgegnete ich, denn ich hatte ihn beim lustlosen Blättern im Kalender beobachtet.

„Stimmt“, sagte er.
Nachdem alles geklärt war, begab ich mich in die Umkleidekabine. Erst jetzt bemerkte ich, dass ich das obligatorische Handtuch vergessen hatte.

Also musste ich ersatzweise die zweite Trainingshose nehmen, denn ein Handtuch auf die Sitze aufzulegen, das war Pflicht.
Eigentlich eine gute Sache, denn ich wollte mich ja auch nicht gerade im Fitness-Center mit Viren infizieren.

16.00 Uhr, es war soweit und der Trainer kam zu mir in die Ecke, in der eine Couch stand. Er setzte sich zu mir und fragte mich, was ich mit dem Training erreichen wollte.

„Bauch weg, Muskeln aufbauen, mehr Beweglichkeit“, sagte ich.
„Das wollen alle“, meinte er.
„Das ist gut möglich und wahrscheinlich, denn hier wird wohl kaum einer das Ziel haben, sich zur Prima Ballerina im Ballett zu entwickeln“, meinte ich.

Jetzt sah er mich genauer an. Offensichtlich konnte er mit meiner Antwort nicht viel anfangen.
Ich wollte ihm helfen. „Mein wichtigstes Ziel ist es, das Übergewicht drastisch zu reduzieren und etwas als Ausgleich zum Sitzen zu finden.

Ich denke, das kann ich hier ganz gut verwirklichen.“
Jetzt wurde der Trainer aktiv und begann mir einige Übungen und Geräte zu erläutern.

„Wir sollten auf ein ganzheitliches Training gehen. Natürlich musst du vor allem etwas in der Ernährung tun, sonst können wir hier machen, was wir wollen, aber wir werden wenig erreichen.“
Das leuchtete mir ein und ich gab ihm Recht.

„Genau das ist meine Achillesferse“, pflichtete ich ihm bei.
‚Wenn der wüsste, wie viel Achillesfersen ich tatsächlich habe, dann würde der eine ganze Armee dahinter vermuten‘, dachte ich im Stillen.

„Wollen wir mal zu den Geräten gehen?“, fragte er mich.

MEIN FREUND, DER ALLTAG (64)

EINWEISUNG IM FITNESS-CENTER -1

Donnerstag, 15.00 Uhr. Ich fahre im dicksten Verkehr, in der ‚rushhour‘, in Richtung Alex.

Heute ist die Einweisung in die Trainingsabläufe im Fitness-Center und darin, wie ich am besten die Geräte für mich nutzen kann.

15.20 Uhr: Ich komme in der Tiefgarage an und will auf meinen Stellenplatz. Er gehört mir, weil ich morgens schon dreimal darauf gestanden habe. Das denke ich mir jedenfalls.

Jetzt steht da ein anderer. Der weiß offensichtlich nichts von mir. Ich fahre ein Parkdeck tiefer. Da ist alles frei. Ich kurve trotzdem noch ein wenig umher, weil ich denke, ich könnte immer noch einen besseren Stellplatz ergattern. Schließlich fahre ich in eine markierte Spur. Rechts ist eine Wand. Ich fahre besonders vorsichtig.

Ich bin schon in einem Hotel in Mitte mal an die Wand gefahren und beim Ausparken habe ich in einer anderen Tiefgarage mit meinem hinteren Kotflügel eine Säule gerammt. Die war aber auch wirklich ungünstig platziert. Ich merke mir genau, wo ich stehe, denn ich bin schon in größeren Parkhäusern umhergeirrt, und nicht nur einmal.

Als ich den Ausgang gefunden habe, wird mir klar, dass ich nun zwei Treppen hinauf will und stöhne innerlich.
‚Aber mit dieser Einstellung wirst du es im Fitness-Center nicht weit bringen‘, denke ich für mich.

Als ich oben angekommen bin und aus der Tür gehe sehe ich, dass es die hintere Seite des Fitness-Centers ist. Dort ist der Innenhof, auf dem zahlreiche junge Leute mit ihren Laptops hocken und kreativ sind. Vielleicht tun sie auch nur so und wollen einfach eine Auszeit aus dem Büro nehmen.

Denn in dem Gebäude gegenüber sind eine Reihe Start-up-Unternehmen untergebracht. Ich könnte nicht in der gleißenden Sonne sitzen und mit dem iPad arbeiten. Ich habe es schon ein paar Mal probiert.

Es ist ja so cool, wenn du draußen schreibst. Aber einmal sah ich gar nichts, weil die Helligkeit nichts auf dem Bildschirm erkennen ließ, dann wiederum konnte ich nicht richtig schreiben, weil die Auflage nicht stimmte.

Nun beobachte ich nur noch und schreibe manchmal etwas in mein iPhone, mit einem Daumen und vielen Fehlern, die ich dann in meinem ‚Start-up-Homeoffice‘ korrigiere.
Klingt gut, oder? Also viel besser, als würde ich schreiben: in meinem Arbeitszimmer.

Heute zur Einweisung mit dem Trainer nehme ich die konventionelle Variante. Ich habe nämlich einen dicken Block mit. Der besteht aus Blättern, die auf einer Seite vom Computer bedruckt sind.

Die klebe ich dann übereinander und schreibe darauf mit dem Füller. So beginnt stets meine Schreibarbeit. Erst schreibe ich darauf, dann scanne ich das Ganze ein und schreibe es ab und drucke es wieder aus, um weiter daran zu arbeiten.

Umständlich? Ja, und wie. Aber kreativ. Das ist mein Beitrag zum Klimaschutz. So verbuche ich das heute. Entstanden ist die Idee, als ich in der Wendezeit an meiner Dissertation schrieb und Papier sparen wollte.

Ich bin am Eingang des Fitness-Centers angekommen. Dunkle Basstöne schlagen mir entgegen, nachdem ich die Tür aufgemacht habe und hineingehen will.

MEIN FREUND, DER ALLTAG (63)

WIR WAREN PFINGSTSONNTAG AN EINEM DER SCHÖNSTEN ORTE AUF DIESER WELT

Pfingsten kannst du auch schon wieder im Kalender streichen.
Früher sind wir um diese Zeit nach Polchow auf Rügen gefahren, und zwar mit Sack und Pack.

Das war aufregend, anstrengend, aber es war vor allem schön.
Wir waren zwar müde, wenn wir ankamen, alles ausgepackt hatten und das Auto endlich unter dem Carportdach stand, das von wilden Weinreben verziert wurde.

Aber zum Ausruhen war keine Zeit.
Es wurde alles rausgeräumt, Tische, Stühle, Hollywoodschaukel.
Anschließend kümmerte sich Klara um den Haushalt, den Garten und das Essen.

Ich mähte in der Zeit den Rasen, trimmte die Kanten. Abends saßen wir auf der Terrasse und waren hundemüde. Zwei Tage später packte Klara alles wieder ein, wir fuhren Richtung Berlin und standen spätestens auf der A 11 im Stau.

Am nächsten Tag stürzten wir uns erneut in die Arbeit und berichteten den Kollegen davon, dass wir an der Ostsee waren, im eigenen Bungalow.

„Wow“, riefen die dann meistens und für kurze Zeit überstrahlte in diesen Situationen meine stolz geschwellte Brust den darunter hängenden Bauch.

Dass wir erschöpft waren, am liebsten nach Hause gegangen wären, um uns auf Sofa zu hauen, dass der Rücken schmerzte von der Gartenarbeit und dem stundenlangen Sitzen im Auto – davon sagten wir nichts.

Und heute ist das sowieso vergessen.
Wenn wir von Polchow sprechen, dann nur in den höchsten Tönen.
Laura spazierte dort durch die Gärten, hatte gute Freunde, fühlte sich wie im Paradies.

An diesem Pfingstsonntag waren wir nun nicht an der Ostsee. Nein, wir waren in Berlin – Hohenschönhausen unterwegs.
Krümel hatte uns mit vor Freude quietschenden Tönen und strampelnden Beinen an der Fahrstuhltür zu Lauras Wohnung empfangen.

Wir machten uns wenig später zu einem Spaziergang auf und schoben Krümel auf ihrem Dreirad vor uns her. Sie strahlte Lebensfreude pur aus.

Nach einer Weile setzte ich mich auf eine Parkbank. Krümel kam zu mir gelaufen und kletterte mit meiner Hilfe auf mein Bein, rutschte von da aus auf den freien Platz neben mir und schaute zufrieden zu Klara und Laura.

Schließlich machte sie solange Lärm, bis sich die beiden ebenfalls zu uns gesetzt hatten. Laura sollte sich ausgerechnet zwischen uns setzen – Krümel und mir.

Laura saß erst einmal auf meinem rechten Bein, bis Krümel zur Seite rutschte, ein Stückchen wenigstens. Dann sah sie Klara ankommen und wollte, dass die sich rechts von ihr hinsetzte.

Krümel rutschte noch einmal von der Bank und holte das Dreirad, das noch auf dem Weg stand, ebenfalls zu uns heran.

Danach saßen wir alle nebeneinander. Auf der Bank, im grünen Park von Hohenschönhausen, weit weg vom Meer, von Rügen und von Polchow.

Und trotzdem, wir waren glücklich, denn wir hatten den Eindruck, dass Krümel fand, sie wäre an einem der schönsten Orte auf dieser Welt und dann noch mit ihrem „Rudel“ an ihrer Seite, das sie energisch und zielbewusst mit ihren kleinen Fingerchen und ihren unverwechselbaren Lauten dirigierte.

SCHREIB – ALLTAG (2)

WARUM GESCHICHTEN ÜBER DEN ALLTAG SCHREIBEN?

Es spricht einiges dafür: Ich kann Menschen in alltäglichen Situationen beobachten, ich bin an wechselnden Schauplätzen, es gibt stets neue Ausgangssituationen, und ich schreibe zu vielfältigen, sich abwechselnden Themen.

Manchmal fragt mich meine Frau, warum ich mir das alles antue. Eine richtige schlüssige Antwort kann ich ihr darauf nicht geben. Seitdem ich Rentner bin, lasse ich mich noch intensiver auf meinen Schreib-Alltag ein.

Natürlich fahre ich beispielsweise nicht zuerst ins Fitness-Center, um Menschen beim Training zuzusehen und anschließend darüber zu schreiben, sondern um selber Sport zu treiben, fit zu bleiben.

Aber ich beobachte auch, was um mich herum vorgeht.

Warum zum Beispiel die Leute an solchen Orten kaum miteinander reden, und ich dann dieses ungeschriebene Gesetz des ‚nicht miteinander Redens‘ durchbreche, jemanden gerade darum anspreche und genau darüber anschließend berichte.

Was könnten nun Leser daran interessant finden? Ich kenne natürlich nicht die genauen Motive jedes Lesers.

Jedoch glaube ich fest daran, dass jeder von uns bestimmte eigene Erlebnisse in Alltagssituationen wiedererkennt und sich freut, dass es anderen genauso ergangen ist.

Manch einer will vielleicht auch nur unterhalten werden, für einen Moment aus seiner Realität aussteigen und in den Alltag des Erzählers eintauchen.

Für mich als Autor ist es eine spannende Sache, wenn ich mich in meine Gedankenwelt begebe und sie abgleiche mit dem, was ich gerade erlebt und gesehen habe.

Ich denke, wir alle können mehr glücksbringende Momente in alltäglichen Situationen entdecken, als wir für möglich halten.

Mark Twain war es wohl, der sinngemäß formulierte, dass es vor allem zwei Tage im Leben eines Menschen sind, die für ihn eine Bedeutung haben – nämlich der Tag der Geburt und der Tag, an dem er weiß, warum er auf der Welt ist.

Jeder wird diese Frage anders beantworten. Ich denke, dass dies die wirklichen mentalen Anker im Leben sind.

Ich habe lange Zeit gedacht, dass ich einiges vollbracht habe, weil ich intensiv studiert habe, um mir möglichst viel Wissen anzueignen.

Dann kam die Wende und ich hatte das Gefühl, ich stünde beruflich vor dem Nichts.

Und wieder versuchte ich, meinem Leben einen neuen Sinn zu geben, Anerkennung durch Leistungen in einer neuen, anderen Welt zu bekommen.

Wirklich glücklich bin ich aber erst, seitdem ich erkannt habe, dass ich mich selbst so nehmen muss, wie ich bin und ich Kraft aus meiner neuen Gelassenheit ziehe.

Hat das was mit dem Alter zu tun?

Ich glaube schon.

Und mit dieser inneren Ruhe ziehe ich in meine neuen Abenteuer, gemeinsam mit meinem besten Freund, dem Alltag.

JEEPY (29)

ENDLICH, DIE SCHATZSUCHE BEGINNT

Die Kinder und Erwachsenen treffen sich auf dem Parkplatz in der Schorfheide.
Von da aus geht es direkt in den Wald, zwischen die Kiefern, vereinzelte Birken und Buchen.
Der Waldboden ist übersät mit Wurzeln, Kienäpfeln, Laub aus dem vergangenen Herbst.
„Passt auf, dass ihr nicht stolpert“, sagt der Fahrer gleich zu Beginn.
Alle sind aufgeregt, auch die Erwachsenen. Sie plappern durcheinander.
„Bitte mal alle herhören“, ruft da der Fahrer.
„Die Teilnehmer an der Schatzsuche teilen sich in zwei Gruppen auf:

Zur ersten Gruppe gehören Jeepy, ich als sein Fahrer und die Kinder Ameli, Jana, Denny, Darian, Otto und Dietmar, der Vater von Ameli.

In die zweite Gruppe gehören Fiatine, der Verkäufer und die Kinder Lina, Lou, Dimitri, Peter und eine Mutter, Margarete. Ihr müsst jetzt direkt durch den Wald laufen.“

Und weiter erläutert der Verkäufer: „Fiatine, du stehst an der ersten Station und stellst deine beiden Fragen, die du dir ausgedacht hast. Der Gewinner bekommt einen kleinen Preis. In Ordnung?“
„Ja“, rufen da alle.

„Dann geht es jetzt los, viel Spaß beim Suchen nach der Schatzkiste. Schaut auf die Karten, die beide Gruppen haben und orientiert euch an den Pfeilen und Bändern an den Bäumen, an denen ihr vorbeikommt“, erläutert noch der Fahrer.

Die beiden Gruppen sind losgelaufen. Jeppy ist zu seiner Station gefahren und Fiatine auch. Es sind die wichtigsten Abschnitte, die jeweils eine Gruppe passieren muss.

An der ersten Station steht Fiatine und wartet aufgeregt auf die Gruppe. Plötzlich hört sie Stimmen und da kommen die Kinder und Dietmar auch schon zwischen den Bäumen hervor.

„War es leicht, mich zu finden?“, fragt Fiatine.

„Naja, ich weiß ja nicht, wer die Karte gemalt hat, aber derjenige hat wohl nicht viel mit dem Zeichnen und der Geographie am Hut“, sagt da Dietmar.

„Das war der Fahrer von Jeepy“, antwortet Fiatine.

„Na der kann froh sein, dass er ein Navigationsgerät im Auto hat. Müsste der nach seiner Karte fahren, würde Jeepy nie am Ziel ankommen“, ergänzt Dietmar.

Der Verkäufer stand ruhig und schmunzelte vor sich hin.

‚Der Verkäufer hätte mal was dagegen sagen können‘,  denkt Fiatine. Sie findet, dass Dietmar nur meckert. Beim Kartenzeichnen war der jedenfalls nicht dabei.

Aber laut sagt sie: „Kinder, lieber Dietmar, ich stelle euch jetzt zwei Fragen. Wenn ihr sie richtig beantwortet, bekommt ihr schöne Preise.“

Fiatine schaute in die Runde, in die erwartungsvollen Gesichter.

„Also, es geht los: Welcher Baum kommt am häufigsten in Brandenburg vor?

A)Die Birke oder B)die Eiche oder C) die Kiefer?“

Die Finger der Kinder schnellen in die Höhe.

„Das ist die Kiefer“, sagt Ameli, die als erste den Arm gehoben hat.

„Och, das war ja ‚piepeleicht‘“, sagt da Denny aus der Gruppe.

„Richtig. Achtung, jetzt kommt die zweite Frage: Welche ist die zweithäufigste Baumart in Brandenburg?

A) Die Birke oder B) die Buche oder C) Die Eiche?“, fragt Fiatine.

„Das ist wohl eine Frage für mich“, sagt Dietmar.

„Und welche Antwort ist deiner Meinung nach die richtige?“, hakt Fiatine nach.

„Ich denke A, die Birke.“

„Falsch, falsch“, rufen da die Kinder.

„Denny, was meinst du?“, fragt Fiatine.

„Na die Eiche ist richtig. Das weiß ich von meinem Großvater, der ist Jäger“, sagt Denny stolz.

„Prima, das ist richtig“, sagt Fiatine und überreicht ihm ein Päckchen mit Malstiften.

Und an Dietmar gewandt: „Du würdest wohl keine Jägerprüfung bestehen, mit deinen Kenntnissen. Das hätte der Fahrer von Jeepy aber gewusst.“ Sie konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen.

Dietmar schwieg betreten.

„Für euch noch zur Erläuterung, Dietmar und liebe Kinder: Die Eiche kommt auf einem Waldgebiet von insgesamt 70.000 Hektar vor, gefolgt von der Buche auf ca. 34.600 Hektar.“

Sie hatte sich gut auf das Rätsel vorbereitet und einiges über den Baumbestand in Brandenburg und insbesondere in der Schorfheide gelesen.

Während sich die Gruppe wieder auf den Weg macht, sind auf der anderen Station die Kinder um den Fahrer und Margarete angekommen.

Jeppy erwartete sie schon.

„So, passt gut“, sagt Jeepy, holt tief Luft und stellt seine Fragen:

„Wie viel Waldeigentümer gibt es in Brandenburg?

A) 100.000 oder B) 1000 oder C) 100?“

Lina hebt die Hand.

„Lina, was meinst du?“, fragt Jeepy sie.

„Vielleicht 100?“

„Nein, das ist falsch.“

„1000″, sagt da Dimitri.

„Nein, es sind 100.000 Waldeigentümer“, klärt Jeepy die Gruppe auf.

„Och, so viele“, staunen die Kinder.

„Ja, das hatte ich vorher auch nicht gewußt, wenn der Fahrer es mir nicht gesagt hätte und der hat es vorher gegoogelt“, erklärt Jeepy.

Die Kinder nicken und finden es gut, dass Jeepy so ehrlich ist.

„Und nun zu der zweiten Frage: Was glaubt ihr, wie viel Prozent der gesamten Waldfläche den privaten Waldeigentümern gehört:

  1. A) 61% oder B) 20 % oder C) 10 %?“

„Wahrscheinlich gehört den Waldeigentümern der größte Anteil, also A“, sagt Margarete.

„Richtig“, stimmt Jeepy zu.

„61% gehören privaten Eigentümern, 26% dem Land Brandenburg, 7 % kommunalen Einrichtungen und 6 % dem Bund“, liest Jeepy vom Zettel ab.

„Und hier sind eure Preise“, ruft Jeepy.

Es gibt ein kleines Planschbecken, einen Wasserball und kleine Früchtekörbe für unterwegs.

Die Kinder sind begeistert und ziehen weiter.

Fast gleichzeitig kommen die beiden Gruppen an der Stelle an, an der die Schatzkiste vergraben sein muss.

„Schaut mal in die Nähe der beiden Holzbänke“, raunt jetzt Jeepy den Kindern zu.

Die suchen fleißig weiter.

Da ruft Darian: „Hier ist eine weiche Stelle. So als ob jemand ein Loch ausgehoben hat und ein Deckel darauf liegt.“

Die Kinder und die Erwachsenen kommen schnell zu der Stelle.

Der Fahrer und der Verkäufer schauen sich an und schmunzeln.

„Na dann macht doch einfach mal den Sand weg“, sagt der Verkäufer.

Eifrig beginnen die Kinder mit den Händen den Sand wegzuwischen. Sie nehmen die Holzplatte weg und entdecken die Kiste.

„Hier ist sie!“, rufen sie aufgeregt.

„Wartet, wir heben sie aus dem Loch“, sagt der Fahrer.

Und da stand sie nun, die Kiste.

„Wir haben ein letztes Rätsel. Wir verbinden einem Kind die Augen und es muss erraten, was es gerade isst. Wenn es richtig ist, darf diejenige oder derjenige die Kiste öffnen. Wer möchte das?“

„Ich, ich auch“, rufen da alle Kinder.

„Gut, wer hat heute noch nicht mitgeraten?“, fragt der Fahrer.

„Ich“, sagt Otto. „Ich habe auch noch nichts erraten“, ruft Jana.

„Gut, Jana, dann binden wir die Augen zu. Und du musst erraten, welches Obst du gerade schmeckst.“

„Gut“, sagt Jana.

Der Fahrer nimmt eine Kiwi aus dem Korb, schält sie schnell ab und gibt sie Jana.

„Das ist eine Kiwi“, ruft Jana sofort.

„Donnerwetter, das ging ja schnell“, sagt da der Fahrer. Er hätte nicht gedacht, dass Jana so schnell das Rätsel löst.

„So, Jana, dann mach den Deckel auf.“

„Jana hebt den Deckel an und zum Vorschein kommen die Goldstücke. Sie glitzern in der Sonne.“

„Oh, das ist ja wie ein richtiger Schatz“, rufen die Kinder.

„Ja, und in Wirklichkeit ist es Schokolade, die ihr essen könnt.“

„Au ja“, freuen sich die Kinder.

„Aber bitte nicht alles auf einmal“, sagt der Fahrer, während er und der Verkäufer die Goldtaler verteilen.

„Zum Abschluss lade ich euch alle zum Grillen in den Wildpark ein“, sagt noch der Fahrer.

Alle sind begeistert und streben dem Eingang zum Wildpark zu.

„War das nun ein richtiges Abenteuer?“, fragt der Fahrer den Verkäufer.

„Naja, vielleicht kein richtiges Abenteuer, aber ein Tag mit viel Spaß und ein bisschen hinzugelernt haben wir auch alle.“

Der Fahrer nickt zufrieden.

SCHREIB – ALLTAG (1)

WARUM AUSGERECHNET GESCHICHTEN ÜBER DEN ALLTAG?

Ich habe in meiner beruflichen Vergangenheit vor allem Texte mit einem wissenschaftlichen oder journalistischen Anspruch verfasst.

Das tue ich heute noch. Aber mehr und mehr erzähle ich Geschichten, mal der Wirklichkeit entnommen und mitunter auch in die literarische Welt gepackt.

Bin ich deshalb ein Schriftsteller?
Nein, ich denke nicht.
Aber ich muss mich natürlich an die Regeln des literarischen Schaffens halten. Ich versuche es jedenfalls.
Das ist für mich wie ein Abenteuer, eine Reise in ein unbekanntes Land.

Ich schreibe darüber, was mir dabei begegnet, was ich lerne, wie ich das Handwerk trainiere und was es mir bringt.

Das Motiv dahinter: Dem Leser Menschen näherzubringen, ihre Konflikte, ihre Hoffnungen, Sehnsüchte und die Schwierigkeiten, die der Alltag immer wieder auftut, jeden Tag aufs Neue.
Mich reizt das Banale, das wir am Tag erleben, eben das, was wir kaum bewusst zur Kenntnis nehmen.

Dabei gibt es viel mehr schöne Dinge als hässliche Erlebnisse im Alltag, humorvolle Episoden, die es lohnt, festzuhalten.
Natürlich sind es die erzählten Geschichten selbst, die den Leser am meisten interessieren.

Doch vielleicht ist es ja auch interessant, quasi den Weg des Schreibens zu dokumentieren – mein handwerkliches Verständnis davon, die Erfolge und Niederlagen, die Fehler und vor allem die Motive, warum ich weitermache.

Schreiben und verwerfen, wieder schreiben, lesen und dann wieder schreiben. Eintönig?
Ja, irgendwie schon. Anstrengend? Und wie.
Aber faszinierend.

MEIN FREUND, DER ALLTAG (62)

DAS ERSTE FITNESSTRAINING

Ich hab’s getan.  Gestern früh, 06.07 Uhr, habe ich das Fitness-Center in Mitte betreten.

Das war gar nicht so einfach, denn ich musste mich zunächst in allem zurechtfinden.

Wir sind gestern Morgen kurz nach 05.00 Uhr losgefahren. Es war schon eine Menge Bewegung in Richtung Stadtzentrum. Nach 26 Minuten war ich im Zeitungsviertel Kreuzberg-Mitte angekommen.

Klara wollte, dass ich sie direkt vor einer Bäckerei absetze. Sie schwärmte von den türkischen Süßwaren, die es dort gibt.

„Das ist aber nicht gut für die Figur“, musste ich loswerden, als sie noch mit einem Bein im Auto war und mit einem Bein, jedenfalls mental, schon in der Bäckerei.

Klara wünschte mir viel Spaß im Sportstudio und ich düste zurück, in Richtung Alex. Es ist schön, morgens den Fernsehturm zu sehen, das Rote Rathaus, die vielen neuen Hochhäuser.

Mich inspiriert das, auch wenn ich danach wieder ins Dorf fahre und mich vor meinen Computer hocke und der Bauch sich über die Schreibtischplatte schiebt.
Nicht mehr lange.

Aber erst einmal musste ich in die Tiefgarage einbiegen. Nachdem ich ausgestiegen war, irrte ich im Parkhaus umher, weil ich den Eingang ins Fitnesscenter nicht fand. Schließlich stand ich im Fahrstuhl und fuhr nach oben.

Ich sah mich im Spiegel, von der Seite.
„Oh, Dicker, es wird höchste Zeit“, sagte ich in den Spiegel hinein.
Als ich den Eingang passiert hatte, sah ich die ersten Sportler an den Geräten schwitzen.

Ich schaute sie mir an und mir war klar:  Ich war mit Sicherheit nicht nur der Älteste, ich war auch der Dickste in der Runde.

Ich seufzte, ging nach unten, verstaute meine Tasche im Fach und lief immer noch motiviert die Treppen hinauf.
Ich suchte ein Fahrradergometer und schwang mich sofort in die Pedalen.

Nach der ersten Minute sprach mir mein kleiner Schweinehund, der auf der linken Schulter saß, ins Ohr: „Hör auf, es ist heute nur der Anfang. Du kannst noch so oft hier radeln, ohne vom Fleck zu kommen.“

Der rechte Kobold auf meiner Schulter aber brüllte mir ins Ohr: „Du willst schon aufgeben? Du Lusche! Willst du frühzeitig im Rollstuhl sitzen, dich nicht mehr bewegen können?“
Nein, das wollte ich auf keinen Fall.

Ich drehte die Belastung eine Stufe höher und trat in die Pedale.
Nach zwei Minuten sagte ich zu mir: „Komm, Dicker, dreh wieder eine Stufe zurück, fahr langsamer, aber halte zehn Minuten durch.“
Ich hielt durch und stieg erleichtert vom Ergometer.

„Wo stellt man das Gerät ab?“, fragte ich eine junge Frau, die neben mir radelte.
„Gar nicht“, sagte die.
„Die stellen sich von allein ab.“

Ich bedankte mich und dachte nur: umso besser.
Die nächste Station war ein Gerät auf dem man sich mit dem Bauch legte und dann fast auf den Boden fiel. Aber man konnte seine Füße hinter zwei gepolsterte Stangen klemmen und blieb so in der Haltung vornüber hängen.

„Wozu ist das gut?“, fragte ich meinen Nachbarn.
„Für den Rücken“, ächzte der, während er den Oberkörper nach oben bewegte.

Er hatte zusätzlich noch ein Eisengewicht in den Händen, 25 kg.
Das holte ich auch, schwang mich in die Ausgangsposition und kam nicht wieder hoch. Das Gewicht war zu schwer.

Ich schleifte das Gewicht zurück zum Regal und holte mir nun eine 5 kg schwere Scheibe. Das ging und ich machte dreimal 20 Übungen. Zwischendurch hatte ich den Eindruck, es würde mir gleich die Luft abgeschnürt. Ich hielt durch.

Danach war ich an verschiedenen Geräten. Plötzlich wurde mir schwindlig.
Meine Wasserflasche hatte ich nicht am Mann, sondern unten in der Garderobe.
Ich schleppte mich runter und trank die Flasche fast in einem Zug aus.

Fast anderthalb Stunden waren nun vergangen.
Das Studio füllte sich. Ich packte meine Tasche und ging nach draußen. Gehen ist nicht der richtige Ausdruck. Ich schleifte immer ein Bein nach, während das andere nach vorn trudelte.

Ein Fensterputzer sah mich an und musste schmunzeln.
Wahrscheinlich ging ich doch nicht als gestylter Fitnesstrainer durch.

Schließlich saß ich im Auto, aß eine Banane und die Kräfte kehrten zurück.
Ich hätte nun Bäume ausreißen können. Es war ein traumhaftes Gefühl.
Warum hatte ich damit solange gewartet?

ANNA IST DEMENT (34)

WIR WAREN SCHÖN EIS ESSEN – IM BALTIC – HOTEL

 

„Wie war es beim Arzt, Mutti?“, fragt Klara abends Anna.
Klara wusste, dass Anna einen Arzttermin um 17.00 Uhr hatte.
Lukas war mit ihr zusammen dort gewesen.

„Welcher Arzt?“, fragte Anna erstaunt.
„Du warst doch heute in der Praxis, gemeinsam mit Lukas.“

„Mit Lukas? Was will der denn dort?“
„Mutti, er hat dich begleitet, damit alles klar geht.“
„Stimmt!“, sagte sie jetzt.

„Und weißt du, wir waren hinterher schön Eis essen“,  setzte Anna hinzu.

„Ach, das ist ja wunderbar. Wo seid ihr denn gewesen?“, hakte Klara nach.

Am Telefon entstand eine Pause. Klara spürte körperlich, wie es in Anna arbeitete.

„Ja, im Baltic-Hotel“, bekam sie schließlich heraus.
„Im Baltic-Hotel?“, fragte Klara verwundert.

„Ja. Es hat so gut geschmeckt“, schwärmte Anna.
Klara verabschiedete sich von Anna und rief Lukas an.

„Wie war’s denn im Baltic-Hotel?“, fragte Klara Lukas.
„Im Baltic-Hotel? Wie kommst du darauf?“, fragte Lukas.

„Mutti hat das gesagt.“
„Quatsch, wir waren beim Arzt, sind anschließend im Stralsunder Hafen gewesen und danach waren wir bei mir auf dem Hof. Ich habe ein Eis am Stiel ausgegeben“, sagte Lukas.

Er holte tief Luft und sagte: „Du, Mutti wusste nicht einmal mehr, dass wir im Stralsunder Hafen waren.“

„Wirklich nicht?“, fragte Klara.
„Wirklich nicht.“

„Naja, du hast ihr jedenfalls einen wunderschönen Tag bereitet, denn sie hat richtig gute Laune. Wir können das andere nicht ändern. Wir können es nur so akzeptieren, wie es ist. Und ihr wenigstens ein paar schöne Stunden bereiten“, sagte Klara zu Lukas.

„Das stimmt“, seufzte der. Es fiel ihm schwer, den geistigen Verfall von Anna zu begreifen, seiner Mutter, die sich veränderte, allmählich, unaufhaltsam.

MEIN FREUND, DER ALLTAG (61)

MORGEN GEHT’S INS FITNESSCENTER

Was ist da Besonderes dran?
Nichts.

Naja, für mich schon. Das letzte Mal war ich vor 7 Jahren dort.
Inzwischen hat der Betreiber gewechselt.
Gestern habe ich mich erst einmal angemeldet.

Ich habe lange gebraucht, um mich zu entschließen, dort wieder aufzutauchen. Eine junge Mitarbeiterin am Tresen fragte mich, was ich mir für Ziele gestellt hätte. Sie schaute mich von oben bis unten an und hat wohl eher Ausreden als fundierte Antworten erwartet.

„Beweglich bleiben, Bauch weg, Muskeln aufbauen, Spaß haben, mehr Power für die Arbeit bekommen“, das sagte ich ihr.

„Oh, perfekt!“, quietschte sie freudig.
Perfekt hieß schwitzen, sich quälen. Deshalb habe ich ihre Antwort lieber nicht kommentiert.

Es ging alles sehr schnell und ich musste nicht einmal eine Aufnahmegebühr zahlen, weil ich ja bereits bei dem vorhergehenden Anbieter angemeldet war.

„Willst du gleich anfangen?“, fragte mich die Mitarbeiterin.
Sie sah gut aus und posierte ein wenig mit ihrer Figur vor mir. Sie fand mich wohl lustig, wahrscheinlich sogar schrullig

Also fand ich sie nicht lustig, vorsichtshalber.

„Ich schau‘ mich erst einmal um“, sagte ich.
„Und am Mittwoch komme ich dann wieder.“

„Mach‘ das!“, sagte die Mitarbeiterin.
Ich ging umher und fragte einen muskelbepackten jungen Mann, wo die Toiletten seien.

„Da hinten, links“, antwortete der respektvoll.
Wahrscheinlich hatte er in dem Moment das Bild seines Großvaters, im besten Fall seines Vaters vor Augen.

Nachdem ich wusste, wo man austreten kann, bin ich schnurstracks zum Ausgang gelaufen.

Ich brauchte erst einmal Abstand, um das alles zu verarbeiten.
Im Auto angekommen rief ich Klara an.

„Alles bestens, am Mittwoch geht’s los und eine Woche drauf habe ich dann eine Einweisung durch einen Personaltrainer“, sagte ich zu ihr am Telefon, während ich mich durch die vollen Straßen im Prenzlauer Berg per ‚stop and go‘ quälte.

„Hast du was zu trinken mit?“, fragte Klara als erstes.
„Ja“, sagte ich knapp.

„Und hast du das gute Handtuch wieder eingepackt?“
„Ich hab’s gar nicht ausgepackt.

„Warum nicht, brauchtest du das nicht zum Training?“
„Doch schon, aber ich fange am Mittwoch an. Heute habe ich erst einmal die Toiletten, die Duschen und die Umkleidekabinen besichtigt. Und an den Geräten bin ich vorbeigelaufen.“

„Hm“, sagte Klara. Sie konnte nicht verstehen, dass ich fast bis zum Alex fuhr und dann nicht wenigstens auf einem Laufband war.

„Hast du gar nichts weiter gemacht?“
„Doch, ich war noch am Eingang der Tiefgarage, damit ich weiß, wo ich reinfahren muss.“

Klara schwieg. Sie wusste, dass es keinen Sinn hatte, mich weiter zu nerven.

„Ich fahr‘ jetzt in den Einkaufsmarkt und kaufe für Krümel einen Sandkasten.“

„Aber nur einen eckigen“, sagte sie.
„Und wenn die nur runde haben?“
„Dann kaufst du keinen“, sagte Klara entschieden.
„Das kann ich nicht versprechen!“, meinte ich lakonisch.

Klara antwortete nicht. Es brachte sie auf die Palme, wenn ich mich scheinbar nicht an das hielt, was sie sagte.
Es gab die eckigen. Ich habe vorsichtshalber noch ein Foto auf ihr Handy geschickt.

Das schlimmste war, den 25 kg Sack mit Spielsand anzuheben.
Ich fluchte. Ich hätte schon früher mit dem Muskelaufbau beginnen sollen.

Aber bald, da schmiss ich den wahrscheinlich nur so durch die Luft.
Aber nun musste ich erst einmal schleppen, in gebeugter Haltung, keuchend und mit heraushängendem Hemd und herunterrutschender Hose.

Schließlich hatte ich alles verstaut.
Es war inzwischen Mittagszeit. Die Sonne gleißte und das Thermometer zeigte 34 Grad Celsius im Auto an.
Ich machte noch im Schreibwarenladen halt und kaufte mir mehrere dicke Farbstifte.

„Viel Spaß beim Basteln“, sagte der Verkäufer.
‚Ja hatte der nicht alle an der Latte?‘, fragte ich mich.
Sah der etwa nicht, dass ich schwer am Schreibtisch schuftete und ich nur eine kleine Pause eingelegt hatte, um für Nachschub zu sorgen?

Ich musste mich damit abfinden, dass er mich wohl überhaupt nicht so sah. Aufklären wollte ich ihn auch nicht, zumal ich mich ja heute offensichtlich vor dem ‚Schuften‘ drückte.

Ich kaufte an einem Stand noch ein halbes Hähnchen in sengender Sonne, fuhr nach Hause, duschte mich und knallte mich vor den Fernseher, um auf ‚Netflix‘ beim Hähnchenschmaus einen Thriller zu sehen.

So einen Film, den Klara nicht mochte – auf der Jagd nach dem Auftragsmörder von der Drogenmafia.

Ich biß genussvoll in das Hähnchen, bedauerte die Elitepolizisten aus dem SWAT-Team, die im Film agierten, schossen, über Zäune sprangen und Karateverrenkungen machten.
Bald, ja da konnte ich da auch mit einsteigen.

Denn am Mittwoch geht es los. Erst fahre ich Klara um 05.00 Uhr nach Kreuzberg-Mitte zur Arbeit und dann tauche ich auf dem Rückweg in die Fitness im Prenzlauer Berg ein.

Danach würde der Tag beginnen. Hoffentlich war ich dann noch in der Lage, auf die Tastatur zu hauen. Aber ich würde schon auf mich aufpassen. Jaja, das würde ich tun.

Achtsamkeit höre ich immer von den verschmusten Work-Life-Balance-Coachen.

Und heute, ja heute, da wollte ich mich noch vorbereiten auf die Herausforderungen, nur mental, versteht sich.

MEIN FREUND, DER ALLTAG (60)

RECHERCHE VOR ORT

Ich habe mich entschlossen, am Sonntagvormittag in die Schorfheide zu fahren, bis zum Wildpark. Also dorthin, wo ich die ‚Schatzsuche‘ in der Erzählung von ‚JEEPY‘ enden lassen will.

Natürlich hätte ich das auch so hinbekommen. Aber vor Ort ist alles ein bisschen anschaulicher, authentischer – wie man so schön sagt.
Zum Beispiel ist mir klar geworden, dass ich die Suche nach der Schatzkiste nicht direkt vor dem Eingang zum Wildpark beende, weil dort der Parkplatz ist, und sich zu viele Menschen und Autos hin- und her bewegen.

Ich habe ein Stück entfernt davon einen viel besseren Platz gefunden: In unmittelbarer Nähe steht ein Haus, das gut für die Situationsbeschreibung passt. Es ist verfallen, die Fensterscheiben sind eingeschmissen, die Türen vernagelt. Ein Relikt aus DDR-Zeiten, um das sich offensichtlich niemand mehr kümmert.

Davor findest du dichtes Gestrüpp, wild wachsendes Gras und eine Reihe von Bäumen, Kiefern, dazwischen Birken.
Mittendrin steht ein Holztisch und auf jeder Seite davon jeweils eine Holzbank. Da sind dicke Bohlen zurechtgeschnitten worden. Das alles passt hervorragend dafür, daneben die ‚Schatzkiste zu vergraben‘.

Ich bin noch ein wenig umhergelaufen, habe mir den Wald angesehen, und schließlich bin ich zufrieden in mein Auto gestiegen und zurückgefahren. ‚Jetzt muss ich bloß noch den Text schreiben‘, das dachte ich als ich ins Auto stieg.

Aber ich weiß, das alles braucht noch viel Arbeit. Doch es macht ja auch Spaß. Den Text werde ich am Freitag in dieser Woche veröffentlichen. In diesem Sinne, lieber Alltag, packen wir‘s an.