Alle Beiträge von Uwe Müller

Dipl.-Ing. (FH), Dr. rer. pol.; Autor

MAL SCHNELL ERZÄHLT (3)

Vom Willen, sich morgens über den Beginn des Tages zu freuen.

Es ist noch ruhig. Nur das Rauschen des Meeres dringt herüber, bis zu der Terrasse, auf die ich mich schon jetzt gesetzt habe.

Obwohl es erst 6 Uhr morgens ist. Ich kann nicht mehr schlafen und freue mich deshalb, dass ich den Tag erwachen sehe.

Das klingt poetisch. „Der kann gut schwadronieren, ich muss zur Arbeit hetzen“, wird manch einer sagen, der diese Zeilen irgendwann liest.

Es stimmt natürlich: Stehst du am Alltag auf, dann kämpfst du mit dir,  dich wieder hinzulegen.

Klingelt bei mir alltags um 4 Uhr der Wecker, dann sage ich nur: „Ach du Scheiße!“

Sorry, aber das ist es, was ich sage. Da ist nichts Romantisches, Verklärtes dabei.

Jetzt im Urlaub, da habe ich mehr Muße darüber nachzudenken, ob man den Tag nicht mit mehr Freude beginnen kann.

Die Sonne beginnt durch die Verandaglasscheiben hindurch zu scheinen und auf den Wellen glitzern die ersten Strahlen.

Der Tag wirkt frisch, obwohl sich abzeichnet, dass es wieder heiß wird um die Mittagszeit.

Warum können wir uns eigentlich morgens nicht mehr so freuen, wie zum Beispiel Krümel, die uns anlacht, wenn sie munter wird?

Ist es, weil uns sofort einfällt, was alles an diesem Tag an Unangenehmen auf uns zukommt, was wir alles zu erledigen haben?

Wahrscheinlich ist es das.

Aber können wir den Tag nicht trotzdem positiv beginnen, obwohl wir manchmal nicht mehr diese echte Lebensfreude spüren, die ein kleines Kind ausstrahlt, wenn es fröhlich in den Tag geht und losplappert?

Loszulassen, entspannter zu sein, dazu gehört Energie, Kraft, der wirkliche Wille, es auch zu tun.

Wir sollten diese Energie aufbringen, weil wir nur dadurch dem Stress von Innen heraus begegnen können, der ohnehin auf uns am Tag gnadenlos zusteuert.

MAL SCHNELL ERZÄHLT (2)

LUST AN DEM FINDEN, WAS VOR DIR IST

Mir ist es mehr als ein halbes Leben so gegangen, dass ich nie mit dem zufrieden war, was ich gerade erreicht hatte.

Ich war Marine-Leutnant, Schiffsmaschinenoffizier und wollte weiter. Ich wurde Hochschullehrer und strebte danach, zu promovieren. Ich hatte das erreicht und befand mich inmitten der Wende.

Es ging wieder von vorn los – Lehrer in einer Umschuleinrichtung, Immobilienmanager in einem Essener Wohnungsbauunternehmen, Bereichsleiter in einem international agierenden Konzern.

Stets ausser Atem, nie zufrieden, ständig auf der Suche nach der Erfüllung.

Die wirklichken Erkenntnisse darüber, was mir etwas im Leben bedeutete, die kamen ausgerechnet dann, als es mir schlecht ging – finanziell, auf der Suche nach einer neuen Arbeit, einer neuen Herausforderung.

Es hat Jahre gedauert, bis ich wieder aus dem Loch ‚herausgekrabbelt‘ bin, und ich hatte tatsächlich nur einen wirklichen Freund, der mir immer zur Seite stand – Klara, meine Frau.

Es war auch die Zeit, in der ich erkannte, dass ich selbst mein bester Freund, mein bester Ratgeber sein muss.

Warum?

Weil mich keiner so kennt, wie ich mich selbst kenne. Das ist eine banale Erkenntnis. Sie ist aber enorm wichtig. Das jedenfalls sagt mir meine Lebenserfahrung heute.

Jeder, der dir von aussen einen Ratschlag gibt, der kennt nie ganz deine inneren Sehnsüchte, deine seelischen  Leiden oder deine Träume, von denen du vielleicht noch einige verwirklichen willst.

Ich schreibe das hier, weil ich gerade auf das Meer schaue, den Wind spüre. Die Wellen, die sich gleichmäßig vor sich hinbewegen, sie werden das auch noch tun, wenn wir alle schon nicht mehr da sind. Sie werden auf den Strand prallen, ihre Kronen werden schäumen und sie werden sich wieder zurückziehen.

Irgendwie bringt mich dieser Gedanke dazu, mich zurückzunehmen, nicht zu glauben, dass sich alles um mich dreht, meine Leiden die größten sind, meine Freuden kein anderer erlebt.

„Bullshit“ würde gleich meine innere Stimme rufen.

Vielleicht.

Aber das Ganze führt mich zu einem anderen Gedanken, nämlich:

Sich zurückzunehmen, sich nicht so wichtig nehmen im Alltag, das Glück in dem finden, was gerade vor dir ist.

Das muss man annehmen, man muss es wollen, dann kann man damit glücklich sein, im Moment jedenfalls.

MAL SCHNELL ERZÄHLT

Glück braucht nicht viel

DER ERSTE TAG AM MEER

Während ich hier schreibe, sitze ich auf der Veranda unserer Ferienwohnung und schaue über die Dächer der Altstadt von Sassnitz hinweg  – direkt aufs Meer.

Es ist stürmisch auf dem Wasser, denn die Schiffe, die vorbeituckern, die tauchen immer wieder mit dem Bug ins Wasser und kommen erst nach ein paar Sekunden wieder hoch.

Auf den Wellen sind weisse Schaumkronen zu sehen und es weht ein frischer Wind bis hierher,  auf unsere Terrasse.

Heute Vormittag waren wir am Strand. Krümel hat sich frei gefühlt, sie ist hin – und hergelaufen, hat gekreischt vor Freude, ist ins Wasser gestürmt und gleich wieder raus.

Wir konnten nicht weit reingehen, denn die Wellen brachen über uns wie Ungetüme herein.

Es roch gut, das Wasser war warm, und wir waren glücklich. Was braucht man weiter?

Wir brauchen gar nichts weiter. Krümel hat mir anschließend Sand ins Gesicht gestreut und gerufen: „Opa, alles gut!“

Naja, wenn sie es sagt.

DAS ERSTE KONSPEKT ZUR STUTTGARTER ERKLÄRUNGSBIBEL

DIE REISE IN DIE BIBELWELT BEGINNT

Gestern war mein erster Urlaubstag und ich habe ihn damit begonnen, dass ich mich in die Bibel vertieft habe; besser in die ‚Stuttgarter Erklärungsbibel‘, die Luthers Bibelübersetzungen und Erläuterungen dazu enthält.

Es wird wohl mein letztes großes Projekt sein, dass ich auf diesem Erdball beginne, besser auf meiner kleinen Scholle, auf der ich mich befinde. Ich will mich geistig nicht einengen, nicht abhängig von irgendwelchen Glaubenssätzen.

Und genau deshalb glaube ich daran, dass ich die Bibel lesen muss. Werde ich dadurch gläubig? Eher wohl nicht. Kann ich danach an Gott glauben? Wohl kaum. Kann ich glauben, dass Gott in mir ist. Naja, schon eher. Ich weiß nicht, wohin mich die Reise führen wird, aber ich finde sie enorm spannend.

Ich werde es ohne Hilfe nicht schaffen. Mein schönstes Geburtstagsgeschenk in der vergangenen Woche war die ‚Stuttgarter Erklärungsbibel‘. Sie soll mir helfen, die oft schwierigen Zusammenhänge zu verstehen, damit ich so nah wie möglich an das Bibelwort herankomme.

Ich schreibe mit Tinte und Papier, besser, ich konspektiere mit der Hand, wenn es schwierig wird. Ich weiß noch, wie ich das ‚Kapital‘ studiert habe. Die meisten, die darüber reden, haben es nie gelesen. Auch im Osten nicht.

Ich habe mich da durch die vier Bände gequält. Ich weiß als, welches Werk da geschaffen hat, und wo er geirrt hat. Das ist etwas ganz anderes, als nur aus irgendeiner vermeintlichen ideologischen Ecke seinen ‚Senf‘ dazuzugeben, ohne wirklich zu wissen, worüber man spricht.

Ich will das Wort der Bibel auf mich wirken lassen und sehen, was ich damit anfangen kann. Später kann ich es immer noch einordnen, ablehnen oder endgültig für mich zu lassen.

Klar, ich werde es nicht schaffen, alles zu verstehen, die geschichtlichen Zusammenhänge begreifen, die vor über 1000 Jahren aufgeschrieben wurden. Aber ehrlich, das macht es doch so interessant.

ALDELHEID ALDINGER – EIN AUSSERGEWÖHNLICHER MENSCH

ADELHEID ALDINGER FEIERT HEUTE IHREN 60. GEBURTSTAG - EIN BESONDERER TAG FÜR EINEN BESONDEREN MENSCHEN

Ich bin Adeldheid Aldinger vor sechs Jahren begegnet. Da war ich auf der Suche nach einer guten Geschichte für ein Stadtmagazin in Altlandsberg. Und die fand, als ich mich nämlich mit Lutz Wagner und Adelheid Aldinger traf, beide sehr engagiert für den Verein „Helfen hilft e.V.“ in Altlandsberg.

Der Verein kümmert sich um Bedürftige, die auf Lebensmittel, Obst, Gemüse oder Kleidung angewiesen sind. Ich habe damals schon gestaunt, mit wie viel Herzblut sich die beiden für Menschen engagieren, die nicht gerade auf der Sonnenseite des Lebens stehen.

Später habe ich Adelheid noch einmal getroffen, als sie eine Frauentagsfeier ausrichtete und ich ein paar kleinere Geschichten vorgelesen habe. Adelheid hatte keine leichte Kindheit, und sie hat es trotzdem geschafft, ihre schlechten Erfahrungen zu verarbeiten und positiv in die Welt zu schauen.

Adelheid ist ein kluger Mensch, und sie tut vor allem eines: Sie denkt mit dem Herzen. Im April 2018 erhielt sie die Medaille des Brandenburger Landtages „…zur Anerkennung von Verdiensten für das Gemeinwesen.“

Die hat sie sich hart erarbeitet und verdient, im Team mit denen, die sie täglich unterstützen. Ich schreibe schon eine Weile über Menschen im Alltag, über diejenigen, die nicht viel Aufhebens machen, um ihre Person, die einfach helfen.

Das fasziniert mich an ihr. Sie hat eine große Familie, verschenkt Liebe, erteilt Ratschläge, wenn sie gefragt wird und kann herzlich lachen über die Dinge des Alltags.

Sie liest meine Beiträge fast täglich, und ehrlich: Das erfüllt mich mit Stolz. Herzlichen Glückwunsch, liebe Adelheid zu deinem 60. Geburtstag, auch wenn du zwanzig Jahre jünger wirkst.

Mach‘ einfach so weiter, und hoffentlich noch lange, bleib‘ stark. Deine Freunde mögen dich, deine Familie liebt dich und ich ziehe meinen Hut vor dir.

Herzlichen Glückwunsch, liebe Adelheid zu deinem 60. Geburtstag!
Uwe

WAS WIRKLICH WICHTIG IST IM LEBEN

Nimm‘ die kleinen Alltagsdinge wahr, und selbst wenn du dich dabei anstrengen musst: finde heraus, warum sie schön sind.

Ich bin heute ganz früh aufgestanden, nicht ganz so früh, als wenn wir nach Berlin reinfahren würden. Es ist ja unser erster Urlaubstag, und es ist schön, zumindest das Gefühl zu haben, man könne ausschlafen. Jetzt kommt der andere Stress, die Vorbereitungen vor der Abfahrt an die Ostsee.

Also habe ich schon mal im Garten die Sonnenschirme aufgemacht, Tische und Stühle abgewischt, damit wir vor dem ganzen Packen in Ruhe im Garten frühstücken können.

Ich habe die Pflanzen gegossen, weil sie sich jetzt noch gut mit Wasser vollsaugen können und die Tropfen nicht schon an der Oberfläche verdampfen.

Wenn du morgens so stehst, den Schlauch an die Wurzel einer Pflanze vor dir hältst, du hörst, wie die Vögel im Vorbeifliegen mit den Flügeln heftig schlagen, dann wirst du zum Philosophen. Und du fragst dich, was für dich eigentlich wichtig ist im Leben? PR-Texte schreiben und Anzeigen verkaufen?

Ist wichtig. Noch mehr Geld verdienen? Ja, ich würde lügen, würde ich so einen Gedanken bestreiten.

Aber was ist für dich wirklich das, was dich von innen her antreibt? Na ja, das hier: die morgendliche Stille geniessen, das Gras riechen, den Blumenduft einsaugen, spüren, wie du den Pflanzen was Gutes tust, wenn du sie wässerst – eben diese ganzen Kleinigkeiten, die scheinbar ganz unwichtigen Dinge im Weltgetriebe.

Mehr nicht? Schon, du kannst noch eine Menge mehr aufzählen.

Doch jetzt ist es eigentlich das, der Moment, in dem du lebst. Banal? Ja, das macht es ja so schwierig, es als etwas ganz Wertvolles anzusehen.

Also wichtig, es sich vor Augen zu führen?
Unbedingt!

‚JOHN REED‘ IM PRENZLAUER BERG – IM ALLTAG MACHT DAS STUDIO MICH SCHON GLÜCKLICH

67 Jahre bin ich ohne Fitness-Studio ausgekommen. Aber heute, an meinem 68. Geburtstag, da bin ich nun schon über ein Jahr im JR-Studio im Prenzlauer Berg, trainiere täglich, meist ganz früh, wenn noch nicht so viel los ist.

Auch heute Morgen war ich da, allerdings nicht lange, ich hatte noch zu viel zu tun, so kurz vor meinem Urlaub.
Es war mir wichtig, meinen Geburtstag genauso zu beginnen, wie ich es jeden Tag tue, nämlich mit dem Muskeltraining an der Bizepsmaschine.

Wenn ich daran zurückdenke, wie ich angefangen habe, es muss im Juli vergangenen Jahres gewesen sein, dann bin ich doch ein bisschen stolz auf mich, dass ich durchgehalten habe.

Nur mit dem Abnehmen, da hapert es noch. 11 kg sind zwar runter, aber ich wiege immer noch zu viel, viel zu viel. Ich sehe, dass ich an dieser Ecke noch viel Energie und Willen aufbringen muss.

Doch wenn ich mich zurückerinnere, wie ich zum Beispiel vor gut einem Jahr mit schmerzverzerrtem Gesicht versucht habe, 15 kg an der Bizepsmaschine zu bewegen, und wenn ich dagegen heute sehe, wie ich bereits mit 25 kg beginne und mit 35 kg im dritten Durchgang aufhöre, dann sehe ich schon eine Entwicklung.

„Sieh mal, wie leicht ich jetzt den Einkaufskorb hochhebe, ohne zu keuchen“, sage ich zu meiner Frau und die schmunzelt und fragt: „Und wieso hast du nicht schon mehr Muskeln?“

Ich glaub‘, ich muss mir wohl ab und an ein paar Eiweiß-Shakes aus dem Automaten holen, aber da weiß ich wieder nicht so richtig, wie das geht. Doch das kriege ich auch noch in den Griff.

Was hat sich verändert, seit ich morgens ins Fitness-Studio fahre, nachdem ich meine Frau im Zeitungsviertel abgesetzt habe?
Du kannst mit noch so schlechter Laune durch die Tür gehen, du bekommst gute Laune, nachdem du anderthalb Stunden an den Geräten warst und danach vielleicht noch auf das Laufband steigst.
Die Musik, die spielt, die Tatsache, dass du dich anstrengst, während andere das auch tun und sich so unmerklich ein imaginärer Teamspirit entwickelt, das macht es aus.

Die Rhythmen, die aus dem Lautsprecher kommen, die mochte ich anfangs gar nicht, aber jetzt, da pushen sie mich.
Als ich heute Morgen den Gang entlanglief, um zur Umkleidekabine zu gelangen, da traf ich auf Kalle, den Allrounder.
Er grüßte mich fröhlich, winkte und wir haben einen kurzen ‚Schwatz‘ gemacht.

Ich finde ihn klasse. Er ackert, läuft wie ein Bienchen hin- und her und hat trotzdem noch Zeit für ein Späßchen, ein nettes Wort.

Im Stillen denke ich oft: „Gott sei Dank musst du hier nicht wischen, die Desinfektionsmittel nachfüllen, ständig auf Achse sein!“
Da sitze ich doch lieber an einem Gerät und quäle mich dort im überschaubaren Rahmen.

Überhaupt finde ich, dass das Team der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die das JR-Studio sauber halten, einen verflucht guten Job machen. Ich grüße jede Mitarbeiterin oder jeden Mitarbeiter, wenn ich morgens an ihnen vorbeigehe.

Weil ich Aufmerksamkeit haben will? Nein, ich will auch meine Ruhe, wenn ich trainiere. Aber es ist meine Art, Danke schön zu sagen, ihnen gegenüber meine Wertschätzung zu zeigen – für ihre tolle Arbeit, die sie leisten, gerade in der schweren Zeit von Corona.

Vielleicht denkt mancher, der das liest: „Na, nun übertreib‘ mal nicht, schließlich bezahlen wir für diese Leistung, und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiterinnen bekommen es ja auch entlohnt.“
Das ist schon richtig. Aber man kann ja seine Arbeit so oder so verrichten.

Du kannst mal eben lustlos aufwischen, die Geräte putzen, die Fenster saubermachen, saugen und du kannst es wiederum mit viel Engagement tun.
Ich glaube, diejenigen, die ich bisher gesehen habe, die ackern richtig für ihr Geld.

Ich fühle mich jedenfalls sehr gut aufgehoben in diesem Studio, weil die Hygieneregeln stimmen, es sehr sauber ist.

Ich bin ja nicht gerade der typische athletische Sportsmann, der dort morgens aufschlägt – mit Bauch, hängenden Schultern, und überhaupt bin ich schon eher der Prototyp des „alten Sacks“.
Das klingt vielleicht hart, trifft wohl aber den Kern der Beschreibung, wenn ich mich selbst einschätzen müsste.

Aber das Training im JR-Studio im Prenzlauer Berg macht mich reich, mental und körperlich.

Ich rufe morgens meine Frau aus dem Auto an, nachdem ich wieder aus der Tiefgarage herausgefahren bin und ich ihr sage, dass ich mit viel Power dem Schreibtisch entgegenstrebe.

Sie staunt jedes Mal, wie ich als Morgenmuffel um vier Uhr starte und ein paar Stunden später als Energiepaket aus dem Studio komme, gut gelaunt, mit vielen Ideen, und der Gewissheit, dass ich die wichtigste Tagesaufgabe bereits erledigt habe.

Ich fahre jetzt an die Ostsee, aber in vierzehn Tagen, ja da steige ich wieder in der Tiefgarage aus dem Auto, bin schlecht gelaunt, mental am Boden, und dann gehe ich durch die Eingangstür, sehe Kalle winken, erkenne, wie fleißig vielleicht eine Mitarbeiterin am Saubermachen ist, erkenne die ersten verschwitzten Gesichter von Teilnehmern an den Trainingsgeräten, höre die Klänge aus dem Lautsprecher, ja und dann tauche ich ein in die Welt von John Reed.

Nicht schlecht, finde ich. Wenn ich so darüber nachdenke: Eigentlich ist es das, was mich am Alltag glücklich macht.

Kalle, mach‘ weiter so, du bist ein guter Typ. Danke, liebes John Reed-Team vom Prenzlauer Berg.

FREIE ALTEN – UND KRANKENPFLEGE – ANSPRUCHSVOLLE PROJEKTE UND EIN TEAM, IN DEM ES SPASS MACHT, ZU ARBEITEN

Pflege und Betreuung von kranken und hilfsbedürftigen Menschen haben in der aktuellen Zeit einen Stellenwert erlangt, wie sonst wohl kaum etwas an Relevantem in unserer Gesellschaft.

Dabei überschlagen sich manche in der Politik darin, die Anstrengungen der Pflegekräfte zu würdigen, andere wiederum finden nach wie vor, dass viel zu wenig passiert. Beides hat sicherlich seine Berechtigung, wenn man in die Tiefe der Argumentationen einsteigt.

„Euer Klatschen könnt ihr euch sonst wohin stecken“, so äußerte sich kürzlich eine Berliner Krankenschwester frustriert und verzweifelt über den andauernden Personalmangel an Pflegekräften und die nicht ausreichende Wertschätzung für diejenigen, die im medizinischen oder Pflegebereich arbeiten.

(Vgl. „Wut-Rede in Krisen-Zeiten. Die Berliner Krankenschwester beklagt ein System, das auf Profit setzt, Personalmangel – und Klatschen als Geste der Anerkennung. Berliner Zeitung, Nummer 169, Donnerstag, 23. Juli 2020, Seite 11).

Ich begleite mit meinen Gesprächen, Interviews und Berichten seit einigen Jahren die Freie Alten- und Krankenpflege e.V. in Essen, und ich weiß, dass sie genauso viel Grund hätten, Defizite und Mängel anzukreiden, die jeder kennt, der in der Pflege zuhause ist.

Doch die FAK e.V. zeichnet gerade in dieser Zeit eines aus: Sie klagen nicht, nein, sie handeln. So öffnet Anfang September 2020 das neue Wohngemeinschaftshaus „Op dem Berge“ in Essen-Bochold, in der es auch eine Tagespflegeeinrichtung geben wird. Im November folgt dann die neue Demenz-Wohngemeinschaft „Mittendrin“ in Essen-Frohnhausen.

Und schließlich bezieht die FAK das Wohngemeinschaftshaus „Emscherblick“ in Essen- Altenessen, in der es ebenfalls eine Tagespflegeeinrichtung, im FAK- Jargon „Emscherglück“ genannt, geben wird.

Das sind anspruchsvolle Projekte in dieser Zeit, zumal ja wiederum neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die einzelnen Einrichtungen gewonnen werden müssen.

Michael Jakubiak, einer der Geschäftsführer der Freien Alten – und Krankenpflege, zeigt sich gewohnt optimistisch: „Wir sind positiv überrascht von den zahlreichen Bewerbungen für unsere Vorhaben“, sagt er im Gespräch.

Mehr erfahren unter: http://www.fak.de

 

DAS TEAM – OPTIMISTISCH BLEIBEN, DINGE NACH VORN LÖSEN UND AUCH NOCH SPASS HABEN

Wer das Team und die Geschäftsführung kennt, der weiß, dass nichts im Selbstlauf passiert. Es gibt handfeste Gründe, warum die FAK e.V. solch einen Sog auf Bewerberinnen und Bewerber ausübt.

Da ist zum einen die Tatsache, dass die Gründer der Freien Alten- und Krankenpflege e.V., wie zum Beispiel Michael Jakubiak, seit nunmehr fast vier Jahrzehnten immer an einer Idee drangeblieben sind: Nämlich, dass alte und kranke Menschen selbstbestimmt und autonom in ihrem häuslichen Umfeld verbleiben können, obwohl sie auf Pflege und Betreuung angewiesen sind.

Und wenn das nicht mehr geht, in einer der Einrichtungen und Häuser der FAK e.V. leben und wohnen zu können, in der die Bewohner ihre Einsamkeit überwinden lernen, um neben der fachlichen Pflege und Betreuung eines zu finden: eine familienähnliche Atmosphäre.

Dieses ethische Verständnis ist nicht aus äußeren Worthülsen gebaut. Nein, es ist tief in der DNA des gesamten Teams der FAK e.V. verankert.

Das ‚schreit‘ sich natürlich nicht heraus, es schweigt sich eher in Essen und Umgebung herum. In der aktuellen Stellenanzeige der FAK e.V. steht: Wir brauchen keine Roboter. Wir brauchen Menschen. Wir brauchen Sie! Wer das Team kennt, der weiß, dass jedes Wort so gemeint ist. Die Wertschätzung beginnt dort, wo Menschen mit ihren Fähigkeiten und Stärken gebraucht werden und sie setzt sich darin fort, dass sich alle in der FAK e.V. wohlfühlen sollen – die Bewohner in den Wohngemeinschaften und die Pflegekräfte.

Nur so kann ein fundierter Rahmen geschaffen werden, wo das Wohnen, das Leben und das Pflegen und Betreuen Spaß machen, ja, sich das alles gegenseitig bedingt. Könnte ich noch einmal von vorn beginnen, so würde ich in der Pflege anfangen, und würde ich in Essen und Umgebung wohnen, ich wüsste, mit wem ich zusammenarbeiten wollte.

STENOGRAMM FITNESS-STUDIO

Stenogramm von einem Tag vor dem Wochenende und dem Montag darauf, dem Wochenbeginn.

FREITAG, 31.07.2020
Ich bin gerade mit dem Training fertiggeworden und sitze auf einer Parkbank hinter dem Studio.
Piazza, Saarbrücker Straße;

In der Ferne dröhnt der Lärm von der Prenzlauer Allee herüber.
Ich will das schöne Wetter nutzen, um mir ein paar Eindrücke zu notieren.

Ich wollte heute nur eine Stunde trainieren, aber dann sind es doch fast zwei Stunden geworden; 16 Geräte habe ich absolviert; ich bin selbst beeindruckt; der Hinterhof hier hat so etwas Dörfliches; gerade hat eine Krähe geschrien, und auf der anderen Seite fährt ein Moped knatternd davon; ich habe heute einen Sportsmann beobachtet, der zwei Handtücher mithatte und damit gleich zwei Plätze belegte; sehr egoistisch; desinfiziert hat er die Geräte auch nicht, an denen er trainiert hat.

Naja, ich wollte mich nicht ärgern, schließlich steht das Wochenende vor der Tür.

Montag, 03.08.20
Wochenanfang.
Ich sitze in der Ecke des Sportstudios nach zwei Stunden und 15 Minuten Training, und ich bin total durchgeschwitzt.

Mir ist es heute früh besonders schwergefallen und ich wollte bereits nach jedem Gerät mit den Übungen ganz aufhören, aber wie von Geisterhand getrieben: Ich habe immer weiter gemacht.

‚Auf das Laufband gehst du heute auf keinen Fall, das kannst du schon mal am Montag auslassen‘, sagte ich zu mir.

Und siehe da, ich stand zum Schluss doch auf dem Laufband und habe die Geschwindigkeit sogar ziemlich nach oben getrieben, sodass ich dachte, ich würde gleich herunterfallen.

Ich habe mich damit motiviert, dass ich in den letzten fünf Minuten schön langsam laufen und so den Sauerstoff tief einatmen kann; konnte ich allerdings nicht, weil ich vor Erschöpfung fast vom Band gefallen wäre, so war ich außer Atem.

Jetzt habe ich die Füße von mir gestreckt und schreibe ein wenig auf dem iPhone und bin glücklich, dass ich durchgehalten habe.
Morgen – wieder der gleiche Kampf gegen meinen inneren Schweinehund. Mal sehen, wer gewinnt.

IM WARTERAUM DER ZAHNARZTPRAXIS

Du kannst Menschen in vielen täglichen Situationen beobachten, ihnen im Gespräch zuhören, deine Schlüsse ziehen.
Manches davon ist banal, ja langweilig, aber es ist dein Leben, das Leben der anderen, auf die du triffst. Du kannst es mögen oder auch nicht, aber du solltest selbst diese Augenblicke nicht geringschätzen.

Ich sitze im Warteraum in der Zahnarztpraxis. Ich bin etwas früher da. Komisch, das ist so tief in mir drin, das mit der Pünktlichkeit. Ich bin meistens 20 bis 30 Minuten früher da, als es eigentlich nötig wäre.

Woran liegt das? Ist es meine Zeit, in der ich zur See gefahren bin und wo das Schiff nicht auf dich gewartet hat, wenn du dich verspätet hast?

Oder ist es die Erziehung? Mein Vater war in diesen Dingen besonders streng. Vielleicht von jedem ein bisschen, dass dazu geführt hat, das ich jetzt hier sitze und warte, bis es losgeht.

Es ist ein gewöhnlicher Termin, indem die Zähne durchgesehen werden sollen. Und trotzdem, es bringt meine Routine durcheinander. Ich konnte heute Morgen nicht zum Sport fahren, Klara ist mit dem Zug gefahren, anstatt bei mir im Auto zu sitzen.

Das Gute daran: Wir sind nicht vier Uhr aufgestanden, sondern erst fünf Uhr.

Für manch einen immer noch zu früh, aber für uns am Alltag ist eine Stunde später aufstehen schon Luxus. Also fühle ich mich ausgeschlafen, während ich hier auf der Couch sitze und auf den Aufruf warte, ins Praxiszimmer zu gehen.

Während ich hier auf dem iPhone schreibe, muss ich den Mundschutz umhaben und durch den Atem beschlägt laufend die Brille.

Ich ziehe die Maske ein wenig nach unten, sodass ich besser durch die Nase atmen kann.

Mir gegenüber sitzt ein älterer Herr und zur Tür herein kommt in dem Moment ebenfalls ein älterer Mann, vielleicht Mitte 70.

„Was machst du denn hier?“, fragt der ältere Herr, der sitzt.

„Wat‘ soll ich hier denn machen?“, fragt der Mann, vielleicht Mitte 70, mit einem leicht schnoddrigen, vorwurfsvollen Unterton.

„Zahnarzt, ‚wa‘?“, sagt der Herr, der sitzt.

„Hm, für ‚de Kneipe isses‘ noch zu früh“, entgegnet der Mann, vielleicht Mitte 70.

„Gott bewahre!“, sagt der ältere Herr, der sitzt. Der Mann, vielleicht 70, antwortet darauf nicht.

„Und ‚de‘ Frau?“, lässt der ältere Herr, der sitzt, nicht nach.

„Hüfte“, antwortet der andere.

„Oh, ich habe ‚jerade‘ eine schwierige Operation hinter mir“.

„Du, ‚ick‘ muss meinen Termin neu vereinbaren“, sagt der Mann, vielleicht Mitte 70.

Ich bekomme nicht mehr mit, wie das Gespräch ausgeht, denn ich werde aufgerufen, und ehrlich: Ich bin froh darüber.

Hoffentlich geht mir nie der Gesprächsstoff aus, und es würden nur noch die Krankheiten als Thema übrigbleiben, denke ich noch, als ich die Zahnarzthelferin begrüße.

Wenn ich wieder hier raus bin, setze ich mich sofort an meinen Schreibtisch und fange an zu arbeiten, kreativ zu sein, das nehme ich mir zumindest vor.

WELCHE HALTUNG BEIM LESEN DER BIBEL EINNEHMEN?

Mich von meinen eigenen Gefühlen beim Lesen der Bibel leiten lassen, die Worte persönlich nehmen, sie an meinen Verstand und an mein Herz heranlassen.

Ich taste mich weiter vor, denke darüber nach, wie ich am besten mit dem Lesen dieses biblischen Stoffes anfangen soll.
„Lieber unvollkommen begonnen, als perfekt gezögert“, sagt ein altes Sprichwort.

Da ist was dran. Trotzdem will ich mich natürlich nicht reinstürzen in die unbekannte Materie, sondern mir einen Weg selbst bauen, einen Pfad, auf dem ich entlanggehen kann und wo an den Rändern vielleicht so etwas wie Leitplanken sind, die mich führen.

Ich lese, was Anselm Grün dazu schreibt. Der sollte es wissen, schließlich ist er nicht nur promovierter Theologe, sondern auch praktizierender Benediktinermönch. (Anselm Grün, Die Bibel verstehen, E-Book, ISBN – 978-3-451-33627-0, Verlag Herder GmbH, Freiburg im Breisgau 2010, Einladung).

Schon in seiner „Einladung“ zum Buch schreibt er, dass ich mich so fühlen soll, als würde Gott sich mit seinen Worten direkt an mich persönlich wenden.

Also, ich halte ja eine ganze Menge von mir, aber das ist wohl eine Hausnummer zu groß für mich, nämlich so zu tun, als würde Gott sich direkt an mich wenden.

Aber gibt es nicht auch das Gefühl, wo du dich unter tausenden von Leuten befindest, auf der Bühne vor dir jemand redet und du denkst: „Donnerwetter, der schaut nur mich an, und meint wahrscheinlich auch mich?“

Und schon fängst du an, ihm zustimmend zuzunicken, ihm Mut zu machen, dass er etwas ganz Wichtiges von dort oben sagen würde.
Oder ich lese gerade das Buch des Extremsportlers Jan Frodeno.

Wenn er davon berichtet, wie hart es ist, sich jeden Tag zu überwinden, die Härte des Trainings auf sich zu nehmen, dann antworte ich ihm im Stillen: „Du, ich kenn‘ das, wenn ich morgens an der Bizepsmaschine sitze und Null Bock habe, anzufangen, aber ich fange trotzdem an.“

Solche Sachen sage ich zu mir und denke hinterher: „Na mein kleiner Dicker, wenn der deinen Bauch sehen würde, der würde dir kein Wort glauben.“

Egal, so muss das funktionieren mit dem persönlichen Wort, das nur an dich gerichtet ist.
Jedenfalls ist das eine der drei Haltungen, die der Benediktinermönch empfiehlt beim Lesen der Bibel einzunehmen. (Vgl. ebenda).

Außerdem empfiehlt er, „die Worte oder Bilder für mein Leben und als Bilder für Gottes Wirken an mir zu verstehen.“ (Vgl. ebenda)

Damit kann ich mich gut anfreunden. Ich habe mal Jemandem gesagt, der mich gefragt hat, warum ich nicht an Gott glaube, dass ich vor allem an mich glauben würde.

In dem Fall wäre ja Gott in mir. Damit kann ich leben, das ergibt Sinn für mich. Gott ist nicht nur über, er ist vor allem in mir.

Also kann ich seine Worte direkt auf mein ganz praktisches Leben beziehen, Kraft daraus ziehen. Nicht schlecht. Gefällt mir.

Und eine dritte Haltung beschreibt Anselm Grün so: „Die Worte der Bibel sind Worte des Lebens. Die Worte wollen.. einladen, barmherzig und freundlich mit mir umzugehen.“ (Vgl. ebenda)

Da kann ich gar nicht anders, als zuzustimmen.
Mir zustimmen? Auf jeden Fall. Klara macht das viel zu wenig im Alltag.

Aber sie soll wahrscheinlich wieder sich zustimmen.
Und freundlich mit mir umgehen? Aber hallo, auf jeden Fall.

Je mehr ich mich an die unbekannten Texte herantaste, umso mehr üben sie einen Sog auf mich aus.

Mein Vater hat mich ein Leben lang anders erzogen, nämlich nicht an Gott zu glauben. Als ich einmal als in Dresden nach Hause kam und ihm berichtete, dass ich mit einem Pfarrer gesprochen hätte, und ihn gefragt hatte, ob ich auch mal auf der Kanzel stehen könnte, da ist er bald ausgerastet.

Ich bin dann noch einmal in die Kirche gegangen, habe mich umgeschaut, zugehört. Aber das war’s schon.

Im vergangenen Jahr, da war mein Vater schon todkrank, er lag quasi auf dem Sterbebett, ausgerechnet in einem katholischen Krankenhaus.

„Die sind hier so gut zu mir, so freundlich und entgegenkommend, das glaubst du nicht“, sagte er zu mir.

Das Wort „barmherzig“ hätte hier gepasst, aber das widerstrebte ihm, es in den Mund zu nehmen.

Aber er hatte erkannt, dass die Worte Gottes, festgehalten in der Bibel vielleicht doch nicht ‚Opium fürs Volk‘ sind, sondern über eine heilende Kraft verfügen.

Das treibt mich, es zu erforschen und für meine Lebensphilosophie anzuwenden.

DIE FORMELEMENTE DES SCHREIBENS

Schreiben heißt beschreiben, begründen, Motive für bestimmte Handlungen von Personen zu liefern.

Manchmal vergesse ich in der Hektik des Tages, meinen Text noch einmal gründlich durchzusehen.

Wer kennt das nicht, dass er keine Zeit mehr findet für die Dinge, die eigentlich das ‚Salz in der Suppe‘ sind?

Ein Beispiel: Es ist für mich natürlich viel einfacher zu schreiben, dass ich sauer bin.

Wenn ich noch eine weitere Zeile darauf verwende, dann schreibe ich: „Ich bin sauer, weil die Zahnarztpraxis meinen Termin verschoben hat.“

Jetzt ist wenigstens das Motiv klar, worüber und auch im Ansatz, warum ich mich geärgert habe.

Reicht das?
Ich glaube nicht. Der Leser will wahrscheinlich mehr wissen, er möchte eine Begründung geliefert bekommen, warum die Figur, ob nun real oder fiktional, sauer ist.

Also was ist es, warum ich wirklich sauer war?
Ich beschreibe und begründe also den Umstand:

„Können Sie am Dienstag kommen, gegen 13.30 Uhr?“, fragt mich die Helferin, als ich einen neuen Termin in der Praxis nach der Behandlung vereinbare.

„Naja, eigentlich habe ich da einen Termin“, sage ich zu ihr.

Sie schaut mich an, so unter dem Motto: Du bist doch schon im Rentenalter! Was kannst du noch für Termine haben, außer vielleicht, dass du zu uns kommen musst, um deine Zähne durchsehen zu lassen?
Also stell‘ dich gefälligst nicht so an, und sag‘ einfach ja“, wird sie gedacht haben.

„Ich habe da einen wichtigen Interviewtermin, den ich vor Wochen festgemacht habe. Der Kunde ist viel unterwegs und ich weiß nicht, ob ich das hinkriege. Aber ich werde mit ihm reden. Also gut, schreiben Sie es so ein“, sage ich zur Zahnarzthelferin.

„Ja, wunderbar, Herr Dr. Müller, dann halten wir das so fest.“
Eine Woche später ruft mich die gleiche Helferin an: „Wir haben leider ein kleines Problem mit unserem Labor. Könnten Sie nicht zwei Stunden später kommen, also erst 15.30 Uhr anstelle von 13.30 Uhr?“

„Zwei Stunden?“ Das geht nicht, ich habe jetzt den Interviewtermin um einen Tag verschoben. Wie stehe ich vor dem Kunden da?“, frage ich zurück.

„Ja, es tut uns so leid, Herr Dr. Müller“, sagt sie zu mir.
Wirklich? Tut es ihr leid? Ich glaube nicht, ihre Stimme sagt jedenfalls etwas anderes.

So in der Art wie: „Zier‘ dich nicht so lange, blas dich nicht so auf und sage einfach, dass es klar geht mit der Terminverschiebung. Ich habe noch andere Patienten, deren Termine ich verschieben muss.“

„Was soll ich machen? Zustimmen?“, geht mir durch den Kopf.
Dann muss ich alles wieder umschmeißen, den Kunden davon überzeugen, dass wir doch den ursprünglichen Termin nehmen.

„Und wir können da nichts machen?“, frage ich deshalb noch einmal vorsichtshalber nach.

„Nein, das Labor hat es uns so gesagt.“
„Was gibt denn das Labor für Gründe an?“, frage ich zurück.

Ich warte auf eine Antwort. Die kommt nicht. Stattdessen: „Das wissen wir auch nicht!“

Warum habe ich mich also so geärgert? Weil ich mehr Energie, mehr Engagement in mein eigenes Terminmanagement gelegt habe, als es das Praxisteam tat. Dabei habe ich vor einem Jahr unterschrieben, dass ich für einen nicht wahrgenommenen Termin in der Zahnarztpraxis 50,00 Euro bezahlen soll, weil ja in so einem Fall dafür kein anderer Patient an meiner Stelle behandelt werden konnte.

Was ich sagen will: Jetzt weiß der Leser Bescheid, warum ich mich aufrege.

Vielleicht sagt er: „Kann ich gut verstehen“, oder: „Reg‘ dich doch nicht über so eine ‚Pille Palle‘ auf.“

Wie auch immer, er kann sich eine Meinung bilden, weil ich nicht nur geschrieben, sondern die Situation auch beschrieben, begründet habe, und zudem die Motive klargeworden sind.

Ist das einfach? Scheint so.

Aber es macht schon ein wenig mehr Mühe, als nur einen Satz aufs Papier zu werfen, der lautet: „Ich habe mich geärgert.“
Also mehr abmühen, im Schreib-Alltag eben.

FRIEDA LÄDT ZUM GEBURTSTAGSKAFFEE

Anna mag nicht mehr aus dem Haus gehen, nicht einmal zum Geburtstag ihrer Schwester. Doch Lukas will unbedingt, dass sie sich aufrafft, mitkommt, sich bewegt, an den Gesprächen teilnimmt.
Mittlerweile ist er jedoch unsicher, ob es seine Mutter mehr aktiviert oder noch mehr ihre eingefahrene Alltagsstruktur durcheinanderbringt.

Lukas hat es sich auf der Terrasse in seinem Garten bequem gemacht.

Gerade hat er den letzten angereisten Gast in die Ferienwohnung eingewiesen und ist danach zu seinem Haus zurückgefahren.

Er war den ganzen Tag unterwegs gewesen, hatte viel geklärt, mit Eigentümern diskutiert und die laufenden Hausmeisterarbeiten in den ihm anvertrauten Objekten erledigt.

Er war kaputt, freute sich auf sein Feierabendbier, alkoholfrei und wollte eigentlich mit niemandem mehr sprechen.

Die Katze lag neben ihm, während er das Bier in das Glas goss und zum ersten Schluck anhob, als sein Handy klingelte.

„Sturm“, sagte er.
„Ja, hallo, hier ist Frieda.“
„Ja, hallo Tante Frieda, na, alles klar?“, fragte Lukas.
„Ja, es ist alles in Ordnung. Ich wollte nur fragen, ob es morgen mit Mutti klargeht, dass sie pünktlich zum Kaffee da ist.“

„Das weißt du doch, dass ich sie bringe, Tante Frieda“, antwortete Lukas.

Er war ein wenig genervt, dass ihn Frieda noch einmal an den morgigen Tag erinnerte.

Sie hatte Geburtstag und ihn und Anna eingeladen, wie jedes Jahr.
„Wir sind morgen 15.30 Uhr bei dir. Ich bring‘ Mutti mit.“
„Oh, dann ist ja alles gut. Na, dann bis morgen“, verabschiedete sich Frieda.

Frieda Krüger wohnte ebenfalls in Stralsund. Sie hatte ein Haus, in dem sie gemeinsam mit Fritz, ihrem Mann wohnte. Das Haus lag unmittelbar vor dem Stralsunder Hafen, man konnte von der Terrasse aus auf den Strelasund schauen, das Meerwasser riechen, die Möwen schreien hören und die Touristen bei ihren Spaziergängen beobachten.

Frieda legte viel Wert darauf, dass alle kamen, die ihr wichtig waren, die Gäste ihr vorher rechtzeitig gratulierten und mit ihr gemeinsam ein paar schöne Stunden verbrachten.

Lukas überlegte, ob er Anna noch einmal anrufen sollte.
Eigentlich hatte er ihr am Vormittag alles erklärt.

„Mutti, ich hole dich Morgen gegen drei Uhr ab und dann fahren wir gemeinsam zu Frieda“, sagte Lukas zu ihr, während er dabei war, ihren Kühlschrank sauber zu machen.

Anna passte das gar nicht und sie stand direkt hinter Lukas, um ja nichts zu verpassen. Plötzlich machte sie die Kühlschranktür zu. Sie versuchte es jedenfalls. Es gelang nicht, weil Lukas Kopf noch dazwischen war.

Lukas schrie vor Schmerzen auf.
„Mutti, du kannst doch nicht mit Schwung die Tür zum Kühlschrank zuschlagen, während ich das abgetaute Eis entferne“, sagte Lukas mit ärgerlicher Stimme.

„Was machst du eigentlich an meinem Kühlschrank“, sagte Anna trotzig. Sie verstand es nicht, dass Lukas ihr helfen wollte, alles wieder in Ordnung zu bringen und sauber zu halten.

Während Lukas daran zurückdachte, fasste er mit einer Hand in seinen Nacken, der immer noch wehtat.

Er setzte nun doch an und nahm den ersten Schluck aus dem Bierglas.

Dann griff er wie von selbst zum Telefon, wählte die Nummer von Anna und wartete, bis sie ranging.

„Sturm“, ertönte eine verschlafene Stimme.
„Mutti, hast du etwa geschlafen?“, fragte Lukas.
„Es ist doch erst halb sieben abends“, sagte er noch.
„Ach, ich habe mich einfach auf die Couch geschmissen“, sagte Anna lustlos.

„Mutti, denkst du an Morgen?“
„Was ist Morgen?“, fragte Anna.
„Der Geburtstag von Frieda, sie wird 82 Jahre alt.“
„Was so alt?“ Annas Stimme klang, als würde sie das erste Mal vom Alter ihrer Schwester Frieda erfahren.

„Ich habe einen Blumenstrauß gekauft und einen Gutschein für Kosmetik. Das bringe ich morgen alles mit.“
„Wozu hast du das gekauft?“, fragte jetzt Anna.

„Mutti!“, presste Lukas hervor. Seine Freude auf ein paar ruhige Momente am Feierabend war gänzlich verflogen.

Doch dann schoss ihm durch den Kopf, dass er ruhig bleiben wollte. Anna konnte ja nichts dafür. Es war ihre Krankheit, die sie alles vergessen ließ.

Und es ging damit schleichend eine Wesensänderung einher.
Das alles tat Lukas innerlich furchtbar weh und er litt darunter sehr, seelisch und körperlich.

Gerade hatte er sich mit Peter darüber unterhalten.
„Denk‘ in solchen Momenten daran, wie viel Gutes du durch deine Mutter erfahren hast“, sagte Peter.

Der hatte gut Reden, saß in Berlin und gab reihenweise schlaue Sätze von sich, die Lukas in der konkreten Situation wenig halfen.
„Ich versteh‘ dich“, sagte Peter dann.

Er wusste, dass er in ähnlichen Situationen manchmal noch schneller die Geduld verlor.

Lukas setzte erneut an, versuchte in Ruhe Anna noch einmal alles zu erklären.

„Ich versteh‘ nicht, warum ich dahin soll. Ich will nicht!“, sagte Anna und legte den einfach den Hörer auf.

Lukas war verzweifelt. Trotzdem wollte er nicht erneut anrufen, es würde wenig bringen.

Er nahm sich vor, am nächsten Tag einfach eine Stunde früher bei Anna zu sein, um ihr genügend Zeit zu geben, sich anzuziehen und mit ihm zum Geburtstag aufzubrechen.

Lukas nahm einen Schluck Bier. Das schmeckt irgendwie nicht, dachte er, stand auf und ging in die Garage, um sich eine neue Flasche zu holen.

Er musste sich erst einmal bewegen. Die Katze sprang auf und lief hinter ihm her.

 

 

WARUM DIE BIBEL LESEN?

Wie ich kürzlich auf die Idee kam, mir die Bibel vorzunehmen und was ich für Erwartungen daran knüpfe.

Es war in der vergangenen Woche. Ich stand kurz vor sechs Uhr an einer Kreuzung in Mitte und wollte in Richtung Fitness-Studio einbiegen.

Die Ampel stand lange auf Rot und so hatte ich Muße, dem Radiokommentar eines Pfarrers zuzuhören. Er sprach davon, dass du selbst in Zeiten deiner größten Not, deiner Hilflosigkeit dankbar sein sollst für das Leben.

‚Hat der noch alle Latten am Zaun?‘, dachte ich bei mir.
Und in dem Moment sagte er auch schon: „Ich weiß, Sie denken jetzt bestimmt, dass ich fernab von jeder Realität bin. Nein, das bin ich nicht.“

Dann fuhr er damit fort, dass es besser sei, sich seinen Schmerzen zu stellen, sich zu fragen, wie man wieder aus einer schwierigen Situation wieder herauskäme.

Das fand ich dann wieder nicht so schlecht. Zum Schluss berief er sich darauf, dass er diese Worte und Botschaften der Bibel entnommen hatte.

„Die Bibel ist das Wort Gottes an uns.“
Ich war so neugierig geworden, dass ich in den Pausen zwischen den Trainingseinheiten im Fitness-Studio bereits mit meinem iPhone googelte, ob es eine passable aktuelle Übersetzung der Bibel geben würde, die ich auch verstehen konnte.

So richtig bin ich nicht fündig geworden und habe erst einmal mit den Übungen weitergemacht.

Doch die Worte des Pfarrers gingen mir nicht mehr aus dem Kopf.
Hatte ich nicht vor vier Jahren schon einmal damit begonnen, mich für die Heilige Schrift zu interessieren?

Ich fand damals die Worte so gewaltig, die ich gleich am Anfang der Bibel gelesen hatte, war fasziniert von den Formulierungen und den Ausdrucksweisen der kurzen Sätze.

Wer sich ein wenig für Deutsch interessiert, den lässt das natürlich nicht kalt.

Aber dann bin ich wieder von abgekommen. Warum?
Weil ich bei mir im Arbeitszimmer nur eine Ausgabe hatte, die in alter deutscher Schrift abgefasst war.

Zurück vom Training, machte ich mich im Internet auf die Suche. Ich wollte herauskriegen, wer mir helfen kann, die Bibel zu verstehen.

Ich stieß auf das Buch von Pater Anselm Grün: „Die Bibel verstehen: Hinführung zum Buch der Bücher“ – (E-Book, ISBN – 978-3-451-33627-0; Verlag Herder GmbH, Freiburg im Breisgau 2010).

Das war es!
„Für die frommen Juden und für die frühen Christen waren die Worte der Bibel immer leitende und wegweisende Worte“, schreibt Anselm Grün in seiner ‚Einladung‘. (Vgl. ebenda)

Er geht auch darauf ein, dass sich heute viele Christen schwer damit tun, die Bibel zu lesen. (Vgl. ebenda)

Oh, diese Worte sind Balsam für mich. Ich als jemand, der kaum etwas mit der Kirche und dem Christentum zu tun hatte, für den war es ja noch schwerer.

Ich hatte das Kapital studiert, vier Jahre lang. Und im Gegensatz zu vielen Leuten, die darüber nur reden, hatte ich es auch verstanden, kannte die hervorragende ökonomische Analyse der damaligen Verhältnisse und wusste auch um die Schwäche in der daraus folgenden Prognosen für die Zukunft.

Das Gute daran ist, dass ich es über viele Jahre und Jahrzehnte gewohnt war, mich mit schwierigen theoretischen Texten zu befassen.

„Wir brauchen die richtige Brille, um die Worte der Bibel so zu lesen, dass sie heilsam ist und wegweisend für uns sind, dass es Worte des Lebens und Worte zum Leben werden.“ (Vgl. ebenda)

Dieser Satz von Anselm Grün hat mich endgültig überzeugt. Ich werde mich mit den Worten aus der Bibel auseinandersetzen, sie versuchen zu verstehen.

Und vor allem: Ich werde herausfinden, worin die Heilsamkeit dieser Ideen besteht.

Darauf freue ich mich in den nächsten Wochen und Monaten.

Wer Lust hat, der kann hier mitlesen, was ich so rausbekomme, welche Schlussfolgerungen ich für mich, für meinen Alltag daraus ziehe.

Ich habe mir zum Geburtstag in der nächsten Woche einen dicken Wälzer gewünscht – die Stuttgarter Erklärungsbibel. Sie ist nicht ganz billig, aber sie ist wohl das umfassendste Werk, dass dich in die biblische Geschichte einführt.

Ich freu‘ mich drauf‘ und darf nicht darüber vergessen, dass ich ja zwischendurch noch ein bisschen arbeiten muss. Naja, irgendwie kriegen wir das schon hin.

STENOGRAMM FITNESS-STUDIO

Montag, 5.52 Uhr: Ich fahre in die Tiefgarage an der Prenzlauer Allee ein, steige aus, binde mir den Mundschutz um und keuche die Treppen rauf.

Ich kriege kaum Luft unter der Maske.
Wieso bin ich eigentlich nicht besser trainiert beim Treppensteigen, wenn ich schon fünfmal in der Woche hierher gehe?

Ich verstehe es nicht. Wahrscheinlich muss ich doch mehr an der Ernährungsfront agieren.

Am Samstag haben wir zum Kaffee ein Stück ‚Frankfurter Kranz‘ gefuttert. Lecker, aber das konterkariert natürlich wieder alles. Wahrscheinlich ist die gesamte Trainingswoche ist im Kuchen erstickt.

Gestern noch einmal zum ein Stück Apfeltorte, schön groß.
Alles verputzt. Und jetzt schnaufen.

„Ab sofort lasse ich den Kuchen weg. Keinen Kuchen mehr, wenig Süssigkeiten, am besten, du kaufst gar nichts mehr“, sage ich heute Morgen auf der Fahrt nach Berlin rein.

Klara antwortet nicht. Sie denkt wahrscheinlich an den vergangenen Mittwoch, als ich immer wieder in die Tüte ‚Russisch Brot‘ gegriffen habe.

Eigentlich hatte sie die Kekse für Krümel gekauft, aber die wollte die gar nicht so richtig. Also habe ich zugelangt, und zwar kräftig.

Ich schaue im Auto zu Klara rüber und sage: „Auch keine Torte zum Geburtstag, keinen Sekt!“

Klara schweigt weiter beharrlich.
Jetzt sitze ich endlich auf dem Platz an der Bizepsmaschine und puste. Ich muss mich erst einmal erholen. Es ist fast keiner da. Wo sind die alle? Urlaub? Wahrscheinlich.

Meine Stimmung ist auf der Skala von 1 bis 10 bei Minus 1.
Ich fange an und arbeite mich von Gerät zu Gerät weiter. Zwischendurch wische ich die Geräte ab. Manche machen das gar nicht. Also wische ich vorher und hinterher, und das nervt.

Eine Stunde ist vergangen und meine Laune bessert sich.
Nach anderthalb Stunden bin ich mit den Geräten durch, und ich wende mich dem Laufband zu.

Ich reiße dort noch einmal 30 Minuten ab und schaffe etwas mehr als 2 km. Immerhin.

Ich bin durchgeschwitzt. Egal, es ist geschafft. Als ich aus dem Studio herausgehe, schaue ich nach rechts zu dem Gebäude.

Dort steht `Piazza‘ über dem Eingang, in den einige junge Leute hineinhetzen.

Ich bin froh, dass ich wieder aus Berlin herauskann. Auf der Rückfahrt höre ich Schlagerradio.

Der Moderator ‚Normen‘ hat morgens schon immer so verflucht gute Laune.

Naja, muss er ja auch; steht bestimmt in seinem Vertrag. Aber ich mag ihn.

Nur die Schlager, die nerven mich manchmal. Ich stecke den Musikstick in den Schlitz des Autoradios. Bianca ertönt.

„Hörst du die Glocken läuten?“, singt sie. Oh ja, ich höre sie und freue mich auf meinen Schreibtisch, auch wenn das wieder Arbeit heißt.

Aber die erste Schicht mit zwei Stunden und zehn Minuten habe ich absolviert.
Da kannst du doch nicht meckern.

‚DAS IST MAMA UND DAS BIN ICH‘

EIN BESUCH IM TIERPARK

Samstagmorgen. Wir sind mit Laura und Krümel verabredet und fahren gemeinsam mit ‚Jeepi‘ zum Tierpark.
Klara und ich haben uns extra einen Bollerwagen zugelegt, in dem wir alles verstaut bekommen und Krümel passt auch noch rein.

Wir nähern uns dem Eingang am Tierpark. Dort herrscht bereits Gedränge.
Endlich, als wir drinnen sind, will Krümel laufen. Sie hüpft fröhlich vor uns her und bleibt voller Neugier an den einzelnen Gehegen stehen.

Es sieht alles sehr sauber aus. Wir waren lange nicht hier und wir haben den Eindruck, dass viel passiert ist in den vergangenen Jahren – die Bänke sind gestrichen, das Alfred-Brehm-Haus ist neu gestaltet, die Parkanlage insgesamt sieht sehr gepflegt aus.

Als wir die Eisbären im Wasser sehen, da ist für Krümel kein Halten mehr.
Sie will unbedingt die Stufen hinunter zum Gehege gehen, um näher dran zu sein.

Dabei sieht sie so viel weniger und ich muss sie hochheben und halte sie mit beiden Händen fest.

„Das ist Mama und das bin ich“, ruft Krümel plötzlich und zeigt mit ihrem kleinen Zeigefinger in Richtung der Bären.

Sie ist komplett in ihre Welt abgetaucht. Erst am vergangenen Mittwoch hat sie uns erzählt, dass Vincent ihr Vater sei. Vincent ist ein Dinosaurier und sie ist seine kleine Tochter.
Ein Spiel in der Kita, das Krümel mit Begeisterung durchlebt.

Wir ziehen mit dem Bollerwagen weiter und halten mittags schließlich in einer Ecke des Parks und machen Picknick. Einfach wunderbar. Klara hat Kartoffelsalat zubereitet und kleine Buletten gebraten.

Ich hatte die Kartoffeln einen Tag zuvor gekocht und abgepellt. Klara hat gestaunt, wie viel ich inzwischen in der Hausarbeit erledige. Ich staune ja auch über mich.

Während wir Kartoffelsalat und Buletten vertilgen, beobachten wir Paviane, die vor uns im Gehege spielen.

„Ist das nicht wunderbar?“, frage ich in die Runde und bekomme nur zustimmendes Nicken.
Eine Antwort war nicht möglich – entweder kauen oder reden.

Wir haben später noch viel gesehen, zum Beispiel das Alfred-Brehm-Haus.

Schließlich wurde der Böllerwagen immer schwerer, Krümel immer müder und wir waren froh, als wir Jeepi wieder erreicht hatten.

Krümel hat nachmittags zuhause drei Stunden geschlafen und wir haben auch nur regungslos auf der Couch gelegen.

Ein Tierparkbesuch kann schon anstrengend sein, aber er ist vor allem wunderschön.

Es macht dich glücklich, wenn du siehst, wie Krümel die Tiere aufmerksam beobachtet, sie zu ihnen spricht und uns erklärt: „Opa, Oma, Mama, …ein ‚Tiiiiiger‘“.

GUTE BILDER IM KOPF HELFEN UNGEMEIN

Heute Morgen: dieselbe Prozedur – wie jeden Tag. Ich sitze noch auf dem Bett.

Ich bin schlecht gelaunt, weiß nur vage, wo ich gerade bin.
Dann fällt mir ein, dass ich zum Training will. Der Gedanke zieht mich noch mehr runter.

‚Wir holen ja heute Krümel aus der Kita ab“, schießt es mir plötzlich durch den Kopf.

Ich sehe die Kleine vor mir: Ich warte draußen, Klara geht rein, zieht sie um und die beiden gehen die Treppe runter. Schließlich sieht sie mich durch die großen Glasscheiben im Flur.

Sie reißt sich von ihrer Oma los, ich höre sie rufen, zumindest sehe ich, wie aufgeregt sie mit den Füssen aufstampft. Endlich geht die Eingangstür auf und Krümel kann losstürmen.

Ich habe Angst, dass sie fällt, während sie auf mich zuläuft.
„OOHPAAA!“, klingt es in meinen Ohren; die schönste Musik überhaupt.

Ich fange Krümel auf, hebe sie hoch, drücke ihr einen Kuss auf die Wange.

Ich bin vom Bett aufgestanden, kenne meine Motivation für den heutigen Tag und beginne ihn mit viel Schwung.

Übrigens: Ich habe danach noch zweieinhalb Stunden trainiert, mit viel Power, guter Musik und guter Laune.

STENOGRAMM FITNESS-STUDIO

Montagmorgen. Es ist sechs Uhr und ich sitze an der Bizeps-Maschine – ein untrügliches Zeichen dafür, dass das Wochenende endgültig Geschichte ist und der Alltag sein graues Gesicht zeigt.

Es ist bereits stickig und schwül um diese Zeit und ich habe Mühe, mich in Form für die Übungen zu bringen.

Ich gebe mir einen Ruck und fange einfach an, erst mit 20 kg, dann mit 25 und schließlich mit 30 kg.

Ich gehe nacheinander die Geräte durch, versuche nicht groß darüber nachzudenken, warum ich mir das alles so früh antue.

Nach einer Stunde bin ich richtig in Form und trainiere jetzt mit viel Schwung. Einige Teilnehmer gehen schon wieder zur Tür raus, obwohl sie viel später gekommen sind als ich.

Aber ich habe viel nachzuholen, kämpfe immer noch mit meinem Übergewicht. Also muss ich schon die ‚Extrarunden laufen.
Anderthalb Stunden sind um, die Geräte abgearbeitet und ich begebe mich zum Laufband.

Ansonsten bin ich in den vergangenen Tagen noch vom Studio bis zum Liepnitzsee durchgefahren und habe dort meine 50 Minuten abgerissen.

Heute werde ich nur 30 Minuten auf dem Laufband laufen. Ich finde es besser, dass ich gleich im Studio meinen Lauf absolviere, weil ich so an einem Stück das Training beenden kann.

Ich beginne verhalten, steigere mich aber immer mehr. Ich habe Frodeno vor Augen – wie der trainiert und denke, dass ich nicht aufgeben darf, bevor wenigstens eine halbe Stunde rum ist.

Endlich, es ist geschafft. Schweißperlen haben sich unter meiner Mütze auf der Stirn gebildet und sie laufen an mir herunter. Ich muss erst einmal das Gesicht mit dem Handtuch abtrocknen.

Unten in der Tiefgarage habe ich noch ein Bein draußen, als ich ins Auto steige. Ich muss mich überwinden, das Bein nachzuziehen, so fertig bin ich.

Ich fahre auf die Prenzlauer Promenade. Im Radio ertönt ein Schlager. Ich brumme die Melodie leise mit.

Ich bin zufrieden und mich durchströmt ein gewisses Glücksgefühl und denke: „Ja, deshalb machst du das!“.
Morgen dreht sich das Motivationskarussell wieder von vorn.

SICH ÜBERWINDEN – JEDEN TAG NEU

Sich überwinden heißt Energie aufbringen, die dich ins Handeln bringt.

Aufstehen: „Es ist 3.52 Uhr“, sagt Klara zu mir.
„Na und, was hab‘ ich damit zu tun?“, denke ich sofort, sage aber nichts.

Dann gebe ich mir einen Ruck, richte mich auf und schwenke die Beine nach außen.

„Schmeiß die Beine wieder auf das Bett zurück“, sagt meine innere Stimme.

Aber dem Impuls gebe ich nicht nach, nein, ich lege die Bettrolle auf das Bett, da wo das Kopfkissen liegt, und damit ist das Aufstehen endgültig, nicht mehr zurückzudrehen.“

Und jetzt fangen die Routinen an, Zähneputzen, das Rasieren.
Dann folgt die Katzenwäsche, weil ich ja ohnehin zum Sport fahre.

Danach fühle ich mich schon besser, ich setze Kaffee auf, nehme einen Schluck und denke so bei mir: „Na bitte, geht doch“.

Manchmal ist es besser, am Anfang gar nicht groß nachzudenken. Fange ich erst damit an, dann frage ich mich, ob ich nicht auch eine Stunde später aufstehen könnte. Das müsste ja eigentlich auch reichen.

Und dann fängt die Abwärtsspirale an. Ich vergammele dann oft genug den gesamten Tag, arbeite nicht meine Aufgaben ab, fange irgendetwas an, lege es wieder beiseite, stehe auf, lese die Zeitung, gehe nach draußen und denke: „Ich könnte ja jetzt auch den Rasen mähen.“

Es hilft, wenn du eintrainierte Routinen hast, von denen du nicht abweichst, sie einfach nacheinander abarbeitest und dann fühlst du dich schon besser.

So fange ich ebenfalls beim Training an, ich lege sofort los, und erst danach kommt mir der Gedanke, dass ich mich gerade überwunden habe. Das löst bei mir den nächsten Energieschub aus.

Es ist nie leicht. Aber was ist schon leicht im Leben? Im Grunde gar nichts.
Nur wenige Dinge. Dafür hast du große Glücksgefühle, wenn du dich überwunden hast.

Gehe ich morgens aus dem Fitness-Studio und sehe auf dem Gelände die ersten Mitarbeiter einer gegenüberliegenden Firma rauchen und gelangweilt schauen, dann freue ich mich.

Ich habe das Gefühl, dass ich etwas ganz Wichtiges für meine Gesundheit getan habe.

Sich überwinden kostet Kraft, aber es lohnt sich, jeden Tag.

OPA HAT MICH GEÄRGERT

Laura hat sich zu Besuch angekündigt, natürlich zusammen mit Krümel.
Ich hole beide von Berlin aus am Freitagmittag ab.
Zuhause auf dem Dorf angekommen müssen wir schon wieder los, Klara abholen.

Sie kommt mit dem Vorortzug aus Berlin, von der Arbeit.
Ich bleibe im Auto, während Krümel und Laura auf den Bahnsteig gehen.

„Zug kommt von Oma!“, ruft Krümel aufgeregt. Sie kann es kaum erwarten, bis der Zug hält, ihre Oma aussteigt und Krümel ihr entgegen stürmen kann.

„Opa wartet bei ‚Jeepi‘“, sagt sie gleich zu Klara.
Wir verleben ein wunderschönes Wochenende, grillen zusammen.

Krümel setzt den Garten mit dem Schlauch unter Wasser, verteilt den Sand aus dem Kasten auf der Terrasse und fühlt sich pudelwohl.

Am Samstagmorgen sind wir nach Zerpenschleuse aufgebrochen und haben die wunderschöne Landschaft ‚Am langen Trödel‘ genossen.

Krümel hatte zu tun, ‚ihre Herde‘ zusammenzuhalten. Sie mag es nicht, wenn jemand vorausläuft oder zurückbleibt.

„Oma, Opa kommt nicht“, sagt sie dann, wenn ich zurückbleibe.
Am Sonntagvormittag, nach dem Frühstück schaut sich Krümel Videos auf Klaras Handy an.

Immer und immer wieder. Sie liebt es und ich staune, womit sich Kinder heute schon beschäftigen können und bin zugleich darauf bedacht, dass sie nicht zu lange draufschaut.

Plötzlich will das Handy nicht mehr so, wie Krümel will. Sie kann die Bilder und Videos nicht auswählen.

Ihr kleiner Finger saust auf der Oberfläche des Mobiltelefons hin und her, aber es bewegt sich nichts.
Krümel schmeißt das Handy auf den Tisch und schmollt.

„Oh, oh, das ist aber nicht schön“, erhebe ich meine Stimme.
Krümel springt auf, läuft raus.

Ich bin bestürzt, laufe hinterher. „Was hast du denn, Krümel?“, frage ich besorgt und etwas traurig, dass sie einfach vom Tisch aufgesprungen ist.

„Lass mich in Ruhe“, schreit sie und streckt ein Bein in meine Richtung aus. Krümel ist trotzig und bockig. Ich lass sie in Ruhe und gehe ins Wohnzimmer.

„Was ist denn los?“, fragt Laura, die aus der Küche herbeigeeilt ist.
„Opa hat mich geärgert!“, schreit sie los. Ich bin schockiert und ein wenig verärgert.

„Das ist doch nicht wahr“, sage ich und merke gar nicht, wie ich in dem Moment selbst wieder zu einem kleinen Jungen werde, der Recht bekommen will.

Ich bin jetzt richtig sauer und traurig und gehe die Treppe zu meinem Arbeitszimmer hinauf.

Laura bleibt ruhig und fragt Krümel: „Was hat Opa denn gemacht?“
„Er hat so gemacht“, sagt Krümel und stampft mit dem Fuß auf.
„Das gibt es doch nicht, Krümel hat mit dem Fuß gestampft“, sage ich von der oberen Etage hinunter, da wo Krümel und Laura stehen.

„Papa!“, kannst du dich jetzt mal raushalten“, sagt Laura energisch.
Ich trolle mich wieder in mein Büro.

„Hat Opa wirklich mit dem Fuß aufgestampft, oder hast du dir das ausgedacht?“, fragt Laura ganz in Ruhe.
Krümel verweigert die Aussage.

„Wollen wir uns bei Opa entschuldigen?“, fragt Laura nun.
Krümel nickt heftig. Sie kommt zu mir ins Arbeitszimmer.

„Tschuldigung, Opa“, sagt sie nun zu mir. Laura muss sich hinter ihr das Lachen verkneifen.

„Ist schon in Ordnung“, sage ich und drücke Krümel einen Kuss auf die Wange.

„Willst du mit mir ein bisschen auf dem Schreibtisch sitzen?“, frage ich sie.

Sie nickt, ich hebe sie hoch und binnen weniger Augenblicke sieht der Tisch aus, als hätte ein Sturm drüber hinweggefegt.

Dann entdeckt Krümel mein iPad. Sie streicht mit dem kleinen Finger die Oberfläche entlang und ist fasziniert. Ich lass sie gewähren.

Ein paar Tage später ärgere ich mich immer noch, dass ich nicht souverän reagiert habe, sondern wie eine beleidigte Leberwurst.

Dafür bin ich stolz auf Laura. Sie hat mir gezeigt, dass sie eine gute Mutter und prima Erzieherin ist. Da verliere ich gern mal. Ich habe ja daraus gelernt.

Am Mittwoch holen wir Krümel von der Kita ab und am Samstag wollen wir ins neu eröffnete Alfred-Brehm-Haus im Tierpark gehen. Ich freu‘ mich drauf.

ZIEH‘ DICH AM EIGENEN SCHOPF ANS LICHT


ALLTÄGLICHES (55)

„Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied“, besser kann man wohl den Kern der Botschaft nicht auf den Punkt bringen, nämlich Herr über sein eigenes Leben zu bleiben oder zu werden.“
Und genau da liegt zugleich der ‚Hund begraben‘.

Wer hat nicht schon sein eigenes Schicksal beklagt, sich darüber ausgelassen, wie ungerecht das Leben es mit ihm meint.
Ich bin da keineswegs eine Ausnahme.

Natürlich, Schicksalsschläge wird es immer geben, die über einen hereinbrechen, ohne dass du dich darauf auch nur irgendwie vorbereiten konntest.

Aber es gibt noch eine andere Seite unseres Lebens, die du im Blick haben solltest:

Wie oft hast du dich nicht schon gefragt, warum es dir im Moment so schlecht geht, du nicht über das nötige Geld verfügst, du dir nicht das kaufen kannst, was dir vorschwebt, damit du glücklich bist?

Es ist dein gutes Recht, das zu beklagen. Doch wird es dir deshalb besser gehen?
Wohl kaum.

DEIN EIGENES ICH ZU ERKENNEN IST TAUSENDMAL WICHTIGER ALS SO MANCHER COACHING-TIPP VON AUSSEN

Ich denke, dass du deine wirkliche Bestimmung nur dann entdeckst, wenn du beginnst, selbst an dir zu arbeiten.
Dazu gehört, sich über das eigene Potenzial im Klaren zu werden.

Nur wenn du deine eigenen Kräfte wirklich einschätzen und sie danach steuern kannst, wirst du überhaupt erst etwas zum Positiven für dich verändern können.

Und oft ist es dabei besser, sich den Stärken zuzuwenden, sie zu noch weiter zu profilieren, als unentwegt vergeblich zu versuchen, sämtliche Schwächen auszumerzen.

Mein Physiklehrer sagte mal zu mir: „Aus dir wird nie ein grandioser Schwan werden, du bleibst eine Ente.“
Er hatte recht damit. Was er aber nicht sah, nicht sehen wollte, über welche Stärken ich in anderen Fächern verfügte, was mir Spaß bereitete und woran ich arbeiten wollte.

Nur du kennst deine Stärken, deine Schwächen wirklich bis in die kleinste Ecke, und deshalb kannst du am besten daran arbeiten, und dir dann auch Hilfe von außen holen.

Du brauchst an irgendeiner Stelle, möglichst da, wo auch deine Stärken sind, eine riesige Portion an Leidenschaft, um deine Ziele zu erreichen, welche das auch immer sein mögen.

Ich lese gerade darüber ein Buch, wie der Ironman Jan Frodeno für sein Training brennt, welche Leidenschaft er stets aufs Neue entwickelt, um seine Ziele Tag für Tag auf dem Rad, beim Joggen oder im Schwimmbecken zu erreichen.

Diese Leidenschaft fasziniert mich. Und wenn ich morgens im Fitness-Studio so gar keine Lust habe, auch nur eine Übung zu machen, dann denke ich an ihn, an seine Disziplin, seine Ausdauer – und ich beginne mich so zu motivieren, fange mit den Trainingseinheiten an, bekomme gute Laune.

Frodeno und mich trennen Welten, das ist wohl so und so wird es bleiben.

Was mich mit ihm eint ist die Überzeugung, dass nur du selbst deine Grenzen ausloten und erweitern kannst.

Ich werde in knapp drei Wochen 68 Jahre alt. Und ich höre dich schon sagen: „Was hast du ‚alter Sack‘ noch mit Leidenschaft, Training, Zielen und Selbstcoaching zu tun?“
Alles! Es ist mein Leben, mich zu verändern, meine Stärken weiter zu stärken, mit Schwächen zu leben.

Das geht nur, wenn ich das auch wirklich will. Und ich will es.

Motivation sollte am besten von innen herkommen. Nur sie macht es, dass du dich dahin bewegst, wo du tatsächlich hinwillst. Also coache dich selbst, motiviere dich selbst.

GLASEREI JÜRGEN HINTZE

FIRMENPORTRÄT
GLASEREI JÜRGEN HINTZE

Glasermeister Jürgen Hintze ist seit über drei Jahrzehnten für seine Kunden da – zuverlässig und dabei auf qualitativ solide Arbeit bedacht.
Jürgen Hintze sucht nicht das schnelle Geschäft, sondern er will seine Kunden nachhaltig zufriedenstellen.

Er ist jedoch schnell, wenn Glasschäden auftreten, denn dann hilft er dem Kunden unmittelbar, sofort.

Dafür gibt es einen Notdienst der Glaserei – unter der Handynummer 0176- 25 16 45 70 –  immer erreichbar, Tag und Nacht.
Glasermeister Hintze kann bei auftretenden Schäden direkt mit der Versicherung abrechnen.

Zum Leistungsportfolio gehören außerdem:
– Glas zuschneiden (sofort möglich);
– Fenster, Türen, Wintergärten, Duschen verglasen (bei Duschen einschließlich der nötigen Silikonfugen);
– Schaufensterscheiben einsetzen, Verglasungen an Booten durchführen.

Kontakt: 
Glaserei Jürgen Hintze
Thälmannstraße 102
16348 Wandlitz
Telefon & Telefax: 033397-21740
Tag und Nacht erreichbar: 0176-25 16 45 70 
Dienstag geöffnet von 06.30 bis 17.00 Uhr und
Freitag von 15 - 18 Uhr sowie nach Vereinbarung.

Zum Interview mit Glasermeister Jürgen Hintze:

https://uwemuellererzaehlt.de/2020/07/15/menschen-im-alltag-9/

 

 

INTERVIEW MIT JÜRGEN HINTZE VOM 07.07.2020

 Jürgen Hintze gehört zu den Menschen, die man getrost als alteingesessenen Wandlitzer bezeichnen kann.
Als Inhaber der Glaserei Jürgen Hintze genießt er einen exzellenten Ruf, vor allem was sein bürger- und kundenorientiertes Handeln, aber auch die Qualität seiner Arbeit anbetrifft.
Er ist darüber hinaus jemand, der sich mit viel Herz und Sachverstand für die Interessen der Bürger im Landkreis Barnim einsetzt. Jürgen Hintze sitzt im Gemeindeparlament Wandlitz für die ‚BVB/Freie Wähler‘, und er ist Kreistagsabgeordneter des Landkreises Barnim mit Sitz in Eberswalde.
Ich habe Jürgen Hintze nach seinem Lebensweg befragt, danach, was ihn antreibt und warum er sich so sehr für Bürgerinteressen in seiner Heimat engagiert.

Herr Hintze, können Sie ein paar Stationen aus Ihrem Leben schildern?
Ich wohne seit 1968 in Wandlitz. Ich habe noch einen Bruder, der als Oberforstrat im Landkreis Oberhavel tätig ist. Seit dem 24.09.1987 bin ich selbstständig.
Von 1982 bis 1987 habe ich in Berlin als Glaser gearbeitet.
Ich wollte mich immer selbstständig machen, auch schon zu Ost-Zeiten.
Das war gar nicht so einfach.

Warum nicht?
Nun, ich brauchte dazu einen Meisterbrief. Ich versuchte es trotzdem, wurde aber vom damals zuständigen Rat des Kreises abgelehnt.
Später hat es dann noch geklappt. Ich durfte mich selbstständig machen und bekam die Auflage, den Meisterlehrgang nebenher zu absolvieren. 1989 bekam ich dann den Meisterbrief.

Wie kam es, dass sich der Rat des Kreises doch darauf einließ?
Auf dem Land gab es einen riesigen Nachholbedarf, was kleinere Handwerksbetriebe anbetraf. Und weil ich nicht lockergelassen habe, mein Vater mich außerdem in meinem Bestreben sehr stark unterstützte, bekam ich dann doch die Erlaubnis für die Eröffnung einer Glaserei.

Wo haben Sie gelernt?
Ich bin in der Erich-Weinert-Oberschule in Wandlitz zur Schule gegangen und habe danach in der PGH Glas Berlin meine Ausbildung absolviert. Das war eine große PGH, in der 50 Mitarbeiter arbeiteten.
Das rührte daher, dass in den 60er Jahre viele kleine private Handwerksbetriebe zwangskollektiviert wurden und dann unter dem Dach der Produktionsgenossenschaft zusammengeschlossen worden waren.
Für mich war das aber ein Vorteil, weil ich die meisten Tätigkeiten eines Glasers verrichten konnte, zum Beispiel die der Glasschleiferei.

Wenn Sie heute noch einmal zurückdenken an die Zeit im Osten, was hat die Arbeit eines selbstständigen Gewerbetreibenden so erschwert?
Ich denke, ausschlaggebend für die vielen Schwierigkeiten war, dass die Materialverteilung nicht funktioniert hat. Der Rat des Kreises bilanzierte, was zur Verfügung gestellt werden sollte, und darüber hinaus gab es keine weiteren Kapazitäten, kein weiteres Material. Es wurde zwar genügend produziert, aber bei der Bevölkerung kam das in nur sehr beschränktem Maße an.

Das Glas konnte ich nicht selbst abholen. Dazu brauchte ich einen LKW, an dem ein Kran sein musste und den hatte ich nicht. Also musste ich mich hier entsprechend absprechen und das war ebenfalls nicht einfach, weil ja viele Handwerker an ihr Material kommen wollten.

Außerdem: Wir hatten Preislisten, an die wir uns strikt zu halten hatten. Der Staat stützte die Preise mit bis zu 21 %. Ich musste deshalb jede Quittung beim Rat des Kreises abrechnen und natürlich auch auf mein Geld warten.
Laut der damals geltenden Preisliste mussten Betriebe 18 % mehr als die Bevölkerung bezahlen.

Die Mehreinnahmen musste ich jedoch dann an den Staat abführen.
Das war das sogenannte Preisausgleichverfahren.
Heute wird das durch die Berechnung der Mehrwertsteuer geregelt.

Es ist faktisch ein gegenseitiges ‚Geben und Nehmen‘, das meine kaufmännische Bilanzierung in der Waage hält.
Der Vorteil besteht vor allem darin, dass ich nun Glas einkaufen kann, wieviel ich will, was ich will und wo ich will.

Was ist Ihr Kerngeschäft heute?
In erster Linie sind wir eine Bauglaserei. Mein Bestreben ist es, den Kunden schnellstmöglich zu helfen, zum Beispiel wenn ein Einbruch stattgefunden hat oder es zu Schäden durch Witterungseinflüsse gekommen ist.
Das Hauptbetätigungsfeld sind das Verglasen von Fenstern und Türen.

Wie arbeiten Sie – allein oder haben Sie Mitarbeiter?
Ich habe schon immer allein gearbeitet. Wenn ich Unterstützung brauche, beispielsweise bei Arbeiten an einem Schaufenster, dann hole ich mir Leiharbeiter oder ich arbeite mit anderen Firmen zusammen.

Was ist Ihnen wichtig, wenn Sie an Ihre Kundenbeziehungen denken?
Ich verstehe mich als Dienstleister für den Bürger. Ich will ein verlässlicher Ansprechpartner sein, wenn Schäden auftreten – schnell und unbürokratisch. Ich rechne unter anderem bei Versicherungsfällen direkt mit der jeweiligen Versicherung ab.

Sie sind politisch sehr aktiv, können Sie mal schildern, was Sie genau tun?
Ich saß von 2008 bis 2019 im Gemeindeparlament, allein, für unsere Wählergruppe „Die Unabhängigen im Gemeindeparlament von Wandlitz“.

Allerdings haben wir uns im Jahr 2018 umbenannt in die „Brandenburger Vereinigte Bürgerbewegungen/Freie Wähler“.
Wichtig ist zu wissen, dass wir keine Partei sind, sondern eine Wählergruppe.

Ich bin in Wandlitz Gemeindevertreter, Ortsbeiratsmitglied, stellvertretender Ortsvorsteher des Ortsteils Wandlitz und zudem bin ich Kreistagsabgeordneter des Landkreises Barnim mit Sitz in Eberswalde.

Welches Ziel verfolgen Sie?
Wir wollen eine transparente bürgernahe Politik erreichen. Ich bin zum Beispiel der Einzige im Parlament, der bei jedem Votum namentlich abstimmt.
Die Kommunalverfassung lässt das zu.

Erfordert diese namentliche Abstimmung nicht auch Mut von Ihnen?
Ja, natürlich. Man hat ja dadurch eine Vielzahl von politischen Akteuren gegen sich.
Aber das gehört dazu, sonst kann man nichts bewirken.
Für mich bleibt das oberste Gebot, für die Bürger vor Ort eine transparente bürgernahe Politik zu gestalten.

Woher nehmen Sie die Motivation dafür?
Ich bin davon überzeugt, dass Veränderungen wesentlich von unten her mitbestimmt werden.
Deshalb sollten wir alles dafür tun, damit sich mehr Bürger an der Wahl beteiligen, aktiv für ihre eigenen Interessen eintreten.

Was machen Sie, wenn Sie entspannen wollen?
Durch meinen Beruf und mein politisches Engagement bleibt mir nicht sehr viel Zeit, um Hobbies nachzugehen.

Ich bin gern mit meiner Familie zusammen und verbringe mit ihnen ein paar schöne Stunden.

Ich bin seit 1992 verheiratet, habe eine erwachsene Tochter, die in Berlin wohnt, und ich bin seit zwei Jahren Opa.
Ansonsten gehe ich gern angeln, liebe es, auf meinem Grundstück zu arbeiten und bin überhaupt sehr naturverbunden.

Herr Hintze, vielen Dank für das Interview

WAS MICH IM FITNESS-STUDIO MOTIVIERT


STENOGRAMM FITNESS-STUDIO
50 KILO ABNEHMEN (34)
Dienstag, 14. Juli 2020
Ich lese gerade das Buch von Jan Frodeno, obwohl er viel jünger ist als ich, motiviert es mich – vor allem sein Wille, Schmerzen zu ertragen, durchzuhalten.

Ich habe es als E-Book auf dem iPhone und zwischen den einzelnen Trainingseinheiten schaue ich mal rein.

06.09 Uhr: an Bizepsmaschine.
Ich nenne sie inzwischen den Muskelquäler.
Es ist immer das gleiche: sich überwinden, sich quälen, weitermachen.

Was motiviert mich?
Das Gefühl danach zu erleben, durchgehalten zu haben;
die Leute um mich herum, die sich ebenfalls an den Geräten quälen, die Musik, die mich antreibt; der Gedanke an das Glücksgefühl danach;

07.10 Uhr
letzte Station Brustpresse, der echte Höhepunkt, weil du weißt, dass danach Schluss ist.

07.20 Uhr
Ich sitze zum Abschluss noch im bequemen ledernen Sessel und freue mich, dass ich wieder einen Tag geschafft habe.

08.15 Uhr:
Ich bin am Liepnitzsee und absolviere noch 50 Minuten Nordic Walking, darunter einen Berg hochgelaufen;
Ich glaube, das Lesen im Buch von Jan Frodeno hat mich dazu getrieben.
09.20 Uhr
Ich fahre nach Hause, ins Homeoffice, der Schreibtisch wartet.

17.25 Uhr:
Ich schreibe noch diese Zeilen, aber ich bin eigentlich hundemüde und kann kaum noch denken, denn ich habe den Tag durchgearbeitet, telefoniert, geschrieben, gelesen.

Ich mach‘ Schluss.
Morgen früh dreht sich das Rad aufs Neue.

STENOGRAMM FITNESS-STUDIO

50 KILO ABNEHMEN (33)
Vergangene Woche, Freitag. Es war voll auf den Straßen in Berlin. Ich kam zehn Minuten später an und habe dadurch eine Viertelstunde später als sonst üblich begonnen.

Das ist nicht unwichtig, weil es ein Viertel nach sechs Uhr schon voller ist, als genau Punkt sechs Uhr. Und die begehrte Bizepsmaschine ist dann manchmal schon besetzt.

Aber ich hatte Glück, denn sie war noch frei. Ich habe mit 20 kg angefangen, dann auf 25 kg gesteigert, und schließlich war ich bei 30 kg, die ich mit den Oberarmen hochgezogen habe. Ich musste die Zähne zusammenbeißen – vor Anstrengung und vor Schmerzen in den noch schwach ausgeprägten Muskeln.

Ich bin wohl doch noch ganz am Anfang. Manche stemmen 50 kg und mehr. Aber die Grimassen ziehe ich bei 30 kg genauso, als würde ich mit 50 kg ackern.

Danach war die Trizepsmaschine dran – gleich mit 45 kg begonnen. Das ging nur, weil ich die Gewichte nicht mit den Armen nach oben ziehen musste, sondern sie nach unten drücken konnte.

Aus den Boxen dröhnten Rap-Rhythmen; also die Art von Musik, bei der ich normalerweise gleich den Schalter auf einen anderen Sender drückte. Jetzt war die Schulterpresse dran.

Was habe ich notiert? „Da kannst du erst mal schön auf dem Sitz nach hinten rutschen und es dir bequem machen. Ich fange mal lieber an; zwei Trainingseinheiten absolviert; ich schaue nach oben, auf ein Bild, eher schon ein Gemälde, mit Engeln drauf; die haben’s gut, können sitzen und liegen, ohne etwas zu tun.“

Was stand danach in den Notizen? (Ich schreibe ja stets nebenher mit meinen zwei dicken Daumen auf dem iPhone.)

„Seithebemaschine; ich habe bisher immer Seitenhebemaschine gelesen; egal, ich muss mit den Armen beidseitig die Bügel nach oben bewegen; dabei den Rücken schön durchdrücken; vorher und nachher desinfiziere ich am Gerät alles, was ich anfasse; ich suche die Flasche mit dem Desinfektionsmittel; ein Sportsfreund hat sie mitgenommen und verwendet sie nur für sich; ziemlich egoistisch; dabei stehen zwei Flaschen zentral, weiter vorn auch, an der Seite ebenfalls, also kein Grund, jetzt noch egozentrischer zu handeln.“

Und weiter: „Butterfly Reverse- weiss der Teufel, was die Maschine bedeutet, hätte ich schon längst rauskriegen können, aber ich hasse sie jeden Tag wieder aufs Neue; die Arme werden zur Seite bewegt; ich schaffe es nur mit 20 kg; wirklich nur so wenig? Gut, bei gutem Willen mit 25 kg.

Ich habe an dem Tag sehr viel geschrieben: „Brustmaschine: Die liebe ich; ich kann nämlich mit beiden Armen die Hebel nach unten drücken; die Gewichte mit 45 kg gegen mein Körpergewicht; ratet mal, wer gewinnt?

Du sitzt wie auf einem Motorrad, beide Hände am Lenker, Harley Davidson zum Beispiel; nächste Station: Butterfly, hasse ich auch, aber ich absolviere die Einheiten.“

Was steht noch in den Notizen? „Latzugmaschine: erst enger mit den Händen oben an die Stange fassen, mit den Armen ziehen, dann wieder breiter fassen; jetzt Bauchmaschine: Du quälst dich, Bauch bleibt; Rückenstreckmaschine gut für den Rücken, weil ich zu lange am Schreibtisch sitze; jetzt noch mal an einer Bank für Rückenstrecker, diesmal aber die Beine hinter die Polsterung klemmen und Oberkörper soweit wie möglich nach vorn beugen.

Letzte Station für heute: Brustpresse; das Gerät steht vorn am Eingang; die Leute, die reinkommen, müssen hier vorbei; bei mir kommt Schadenfreude auf: Ihr müsst das alles noch durchlaufen.“

Das Resümee habe ich mir im gelben weichen Sessel gegönnt: „Ich fühle mich fantastisch; die Musik würde mich im Alltag nerven, aber hier pusht sie mich; ein gutes Gefühl, im Team zu trainieren und trotzdem machen können, was du willst.“

Montag beginnt der ganze Schlamassel von vorn.

STENOGRAMM FITNESS-STUDIO – MITTWOCH, 08.07.2020


50 KILO ABNEHMEN (32)

Protokoll, geschrieben auf dem Handy, während des Trainings und danach.
Ich wollte erst am nächsten Montag wieder ein Stenogramm schreiben, aber heute lief es so gut, dass ich mich gleich hingesetzt habe und das Protokoll aus dem iPhone bearbeitet habe. Das Schreiben in den Pausen gibt mir zusätzlich Power, weil ich dadurch sehe, wie viel Stationen ich schon absolviert habe. 
Ich bin von mir begeistert – naja, nur heute.

06.07 Uhr: 
Beginn an der Bizepsmaschine; 20 kg;
zweite Trainingseinheit mit 25 kg;
dritte Trainingseinheit mit 30 kg;
anschließend Butterfly mit 20 kg;
vorher Seitenhebemaschine mit 35 Kg;
heute ist es viel voller; Gespräche, Lachen; positiver Spirit;
Brustmaschine mit 40 kg begonnen;
zwei Hebel, die du seitlich nach unten drückst;

07.09 Uhr:
Zum zweiten Mal an der Bizepsmaschine, jetzt mit 30 kg;

und danach weiter an die anderen Geräte;

07.49 Uhr:
Ich sitze in der Ecke des Fitness-Studios und habe fast anderthalb Stunden an den Geräten trainiert.

Und nun? Die Füße schön weit weg von mir gestreckt, in einem gelben weichen Ledersessel.

Wenn ich daran zurückdenke, wie ich heute Morgen hier reingekommen bin und wie gut es mir jetzt geht, dann ist das doch erstaunlich, wie sich die ganze mentale Verfassung zum Positiven dreht, wie du das Gefühl bekommst, schon etwas Großartiges an diesem Tag getan zu haben.

Jetzt warte ich noch, dass ich meine neue Karte bekomme und dann werde ich mit einem richtig guten Gefühl nach Hause fahren.
Dort wartet der Schreibtisch.

Gestern habe ich gedacht, dass ich nicht zum Training fahren kann, weil ich so viel zu tun habe, Interview zum Beispiel vorbereiten.
Aber dann habe ich doch nur rumgegammelt, länger Zeitung gelesen, auf Twitter rumgesurft, Zeit vertrödelt.

Du bekommst einfach wieder schlechte Laune, weil du doch nichts geschafft hast.

Also: Lieber die schlechte Laune morgens überwinden, keine Ausreden zulassen, ins Auto steigen, losfahren, im Studio ankommen, einfach anfangen.

STENOGRAMM FITNESS-STUDIO – MONTAG, 06.07.2020

50 KILO ABNEHMEN (31)
Ich komme nicht aus meinem Motivationsloch heraus. Vergangenen Freitag habe ich im Studio notiert: „Ich sitze an der Bizepsmaschine und muss mich stark überwinden, endlich anzufangen. Mir fehlt die Power und der Wille.“

Irgendwie habe ich mich doch noch aus meinem Loch herausgezogen und mit dem Training begonnen. Später habe ich mich dann in einen Sessel gesetzt und ein bisschen geschrieben.

Du hast sofort ein schlechtes Gewissen, weil sich um dich herum alle quälen und du selbst sitzt im bequemen Sessel, hast die Beine lang von dir gestreckt und tippst auf deinem iPhone herum.

Gestern, am Montag, dachte ich, dass ich gar nicht in Gang käme.
Erst einmal habe ich aus lauter Lebensfreude am Samstagabend eine Flasche Weißwein mit meiner Frau getrunken, mit Erdbeeren drin.

Ach, es war ein Genuss. Gestern hatte Klara ein wunderbares Essen zubereitet und zum Kaffee gab es Eis mit Erdbeeren. Kein Sport, nicht gelaufen, nur auf der Couch gewälzt.

Und Montagfrüh an der ersten Station, der Bizepsmaschine.? Ein Horror.
Ich habe lange umhergeschaut, und dann habe ich mich überwunden.
Es ging schwer, sehr schwer. Doch allmählich kam ich in Gang. Aber irgendwie habe ich mich doch nur eine Stunde durchgeschleppt.

Das muss Morgen wieder anders werden. Ich bin bereit.
Aber warum wird es eigentlich nie leichter? Gott sei Dank geht es allen um mich herum so.

Also, ich höre auf zu jammern. Am nächsten Montag will ich wieder etwas Positives vermelden. Das wird schon. Bestimmt.

MARTINA LIPPERT – EIN LEBEN FÜR DIE PFLEGE

MENSCHEN IM  ALLTAG (8)
Martina Lippert ist im 63. Lebensjahr, hat vor über 25 Jahren ihr Unternehmen allein aufgebaut und ist heute stolz auf ihr Team, und auf das, was sie erreicht hat.
Wenn man sich mit ihr unterhält, so wirkt sie jung und energiegeladen.
Sie ist heute bereit, Verantwortung auf breitere Schultern zu verteilen, talentierten Pflegekräften eine Chance in deren eigenen Entwicklung zu geben.
Sie will abgeben, loslassen, aber nicht, um sich auf das „Altenteil“ zurückzuziehen.
Sie möchte in eine andere Rolle schlüpfen, in die des Coaches, der Ratgeberin.
Das sieht sie als einen Prozess an, der langsam, allerdings stetig angestoßen werden muss.

„Die Corona-Krise hat uns alle vor unendlich hoch erscheinende Herausforderungen gestellt, die es zu meistern galt, und die wir immer noch meistern müssen.

Das erfordert einen starken Zusammenhalt aller im Pflegeteam, Aufbruchsgeist und Beständigkeit im Ablauf der einzelnen Pflege- und Betreuungsvorgänge“, sagt Martina Lippert.

Ich habe in den vergangenen Jahren mehrfach mit ihr über ihr Leben, ihren Berufsweg, ihre Ideale und Konflikte gesprochen.

Es lohnt sich, den Menschen Martina Lippert näher kennenzulernen, zu erfahren, was sie in welchen Lebenssituationen gedacht und unternommen hat.

Die mit ihr geführten und hier auf dem Blog veröffentlichten Interviews sind eine gute Möglichkeit, das nachzuvollziehen.

Liest man nach, wie schwer sie es hatte, in eine Festanstellung als Krankenschwester zu kommen, dann kann man das angesichts der heutigen Nachfrage nach qualifizierten Pflegekräften gar nicht mehr nachvollziehen.

Für Martina Lippert ist ihre Biographie zugleich eine Erinnerung daran, demütig zu bleiben, wenn man etwas im Leben erreichen will, zu Veränderungen beitragen möchte.

Nicht zuletzt deshalb ist sie heute gesellschaftlich sehr aktiv und sitzt als gewählte Vertreterin im Rat der Stadt Lingen.

BERUF, FAMILIE, KINDER UND DAS STREBEN NACH SELBSTVERWIRKLICHUNG – VOR VIER JAHRZEHNTEN ALLES ANDERE ALS EINE SELBSTVERSTÄNDLICHKEIT
Martina Lippert durchlief in den Jahren von 1976 bis 1979 eine Ausbildung zur Krankenschwester.

Sie hat nicht einen Tag gefehlt, obwohl sie in dieser Zeit schwanger war und ihr erstes Kind bekam.

Nachdem sie 1979 mit ihrem späteren Ehemann nach Lübeck gezogen war, arbeitete sie dort ein halbes Jahr lang in einem Diakonissenkrankenhaus.

Im Gespräch hat Martina Lippert mir gesagt, dass sie sich besonders gern daran erinnert, wie sie in einer Facharztpraxis für Psychiatrie und Psychologie tätig war.

„Ich habe dort viel darüber gelernt, Menschen zu verstehen, die nicht in das allgemein anerkannte gesellschaftliche Bild passten, sondern davon abwichen, anders funktionierten“, sagt sie rückblickend.

Wenn Martina Lippert heute darüber spricht, mit wieviel Unwägbarkeiten sie klar kommen musste, wie oft sie den Ort gewechselt hat, um einfach den Ansprüchen an die Familie gerecht zu werden, insbesondere an die Kinder, an die beruflichen Herausforderungen ihres damaligen Ehemannes und nicht zuletzt ihre eigenen Vorstellungen von einer sinnvollen und finanziell auskömmlichen Arbeit unter einen Hut zu bringen, dann staunt sie selbst manchmal, wie sie das letztlich alles geschafft hat.

Sie zog 1983 mit ihrem Mann nach Kiel und war dort viel auf sich alleingestellt – in einer Zeit, in der sie erneut hochschwanger war. Kurz nach der Geburt ihrer Tochter ging ihr Mann dienstlich nach München.

Im Oktober 1983 zog Martina Lippert nach Lingen, ins Emsland, und1986 begann sie als Aushilfe in einer Ambulanten Krankenpflege.

Das war in einer Diakonie in Lingen, eine Tätigkeit, die auf Stundenbasis beruhte. Die Teilzeitarbeit war auch der Grund, weshalb sie kein Dienstauto zugeteilt bekam. Das hätte sie aber dringend gebraucht, um zu ihren Patienten zu gelangen.

„Ich hätte das alles nicht getan, wenn ich damals nicht 16 Patienten zu versorgen hatte, die an unterschiedlichen Orten untergebracht waren und die auch zu unterschiedlichen Zeiten aufgesucht werden mussten“, so Martina Lippert.

Martina Lippert bekam zwar später ein Auto, aber erst nach einem langen unendlich scheinenden Ringen.
Vor allem jedoch wollte sich Martina Lippert nicht damit abfinden, dass sie keine Festanstellung erhielt.

„Zu Beginn war das für mich sogar in Ordnung, aber später habe ich sehr darum gekämpft, in ein festangestelltes Arbeitsverhältnis übernommen zu werden“, sagt sie.

Was Martina Lippert auch unternahm, sie erhielt kein festangestelltes Arbeitsverhältnis.
Die Begründungen ähnelten sich in ihren Aussagen und liefen darauf hinaus, dass Martina Lippert ja verheiratet sei und auch drei Kinder hätte.

DER GEDANKE VON DER SELBSTSTÄNDIGKEIT ALS EINZIGE ALTERNATIVE, DEN EIGENEN UNTERHALT ZU SICHERN
Nach vielen Versuchen und ausdauernden Bemühungen reifte in Martina Lippert der Gedanke heran, sich selbstständig zu machen.
Doch auch hier stieß sie zunächst auf Unverständnis.

Die Krankenkasse lehnte zum Beispiel ihren Antrag auf einen Pflegedienst ab, weil sie in den zwei Jahren zuvor nicht in einem Krankenhaus in Vollzeit gearbeitet hätte.

Mit Unterstützung der damaligen Frauenbeauftragten der Stadt Lingen gelang es Martina Lippert die Hürden, aufgestellt durch die Ungleichbehandlung von Mann und Frau, erfolgreich zu überwinden.

Nachdem Martina Lippert ihren eigenen Pflegedienst eröffnet hatte, rang sie beharrlich um Kunden.

Sie stellte sich bei Ärzten in Lingen vor, erklärte sich bereit, auch abends und am Wochenende Patienten zu betreuen.

Sie baute ihr betriebswirtschaftliches Fundament auf, lernte weiter, bildete sich fort und übernahm selbst alle Pflege- und Betreuungsaufgaben.
„Ich betrieb faktisch eine Art Selbstausbeutung“, sagt sie heute.

MARTINA LIPPERT HAT IHRE ARBEIT NIE ALS EINEN BLOSSEN BROTERWERB GESEHEN – FÜR SIE WAR ES VON ANFANG AN BERUFUNG
Bei allem Stress war es für Martina Lippert wichtig, von Anfang an den Pflege- und Hilfsbedürftigen genügend Zeit zu widmen.
„Man musste auch mal zuhören können, wenn die Patienten etwas erzählen wollten, selbst schon wieder weitere Herausforderungen auf mich warteten“, sagt sie heute.

Mittlerweile ist ihr Team für sie eine gute Stütze in allen Fragen geworden, die die Pflege und Betreuung ihrer Pflege- und Hilfsbedürftigen anbetrifft.

„Wir achten sehr auf die Verständigung der Generationen untereinander. Wir wollen, dass die Jüngeren von den Älteren lernen, deren Erfahrungen in der praktischen Pflege- und Betreuungsarbeit berücksichtigen.

Genauso wichtig ist es aber, dass unsere jungen Pflegekräfte Verantwortung übernehmen, spüren, dass sie mit ihren Talenten, ihrem Wissen und Können gebraucht werden.

Nur wenn wir es schaffen, dass sich unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Unternehmen selbst entwickeln können, haben wir eine Chance, den Pflegedienst zukunftsfähig zu machen“, sagt Martina Lippert.

Ihre Tochter, Anne-Christine Lippert, ist für Martina Lippert zu einer wichtigen Partnerin im Unternehmen geworden.

„Sie ist als ausgebildete Krankenschwester und Mitgesellschafterin ein Organisationstalent, einfach ein Mensch, auf den ich mich zu 100 Prozent verlassen kann“, sagt Martina Lippert.

„Die Herausforderungen bleiben, und sie werden nicht kleiner, im Gegenteil. Gerade in der aktuellen Zeit von Corona gilt es immer wachsende Qualitätsansprüche, die Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln in der Pflege und Betreuung zu beachten und flexibel auf ungewohnte Situationen zu reagieren.

Auch wenn die Organisationsaufwände riesig sind, werden wir das auch in den nächsten Wochen und Monaten bewältigen müssen, und wir werden es bewältigen“, sagt Martina Lippert abschließend.

DER INNERE SCHWEINEHUND UND MEINE INNEREN STIMMEN

ALLTÄGLICHES (54)

Fitness-Studio, 06.29 Uhr
Ich habe schon einige Trainingseinheiten hinter mich gebracht und kann mir eine kleine Pause leisten. Ich stehe am Fenster und schaue nach draußen, beobachte, wie die Leute der Straßenbahnhaltestelle zustreben.

Ein älterer Mann, mit dickem Bauch, einem sehr dicken Bauch, schwenkt seine Tasche lustlos hin- und her. Sein Gang ist schwer, und er wankt von einer Seite auf die andere.

Sein Gesicht zeigt an, wie er den Morgen verflucht, weil er sich in die enge Hose zwängen musste, sein Bauch durch den Gürtel eingeklemmt wird und das Fett im Rhythmus seiner Schritte über dem Gürtel schwabbelt.

‚Ja, mein Freund, wärst du mal vor der Arbeit hier hochgekommen und hättest dich auf die Bauchbank gelegt, auf den Rücken, versteht sich. Und dann hättest du deine Beine hoch und runter bewegt. Aber nein, das war ja zu anstrengend für dich.

Also beschwer‘ dich jetzt nicht, dass du beim Gehen nicht vorwärtskommst.‘
Endlich hatte ich jemanden gefunden, der noch mehr an Bauchfett herumzutragen hatte, als ich selbst.

Ich musste eine Stunde zurückdenken, als ich mit dem Auto an der Kreuzung stand.

Sollte ich nach rechts abbiegen, in Richtung Heimat, oder sollte ich nach links fahren, direkt in die Tiefgarage des Fitness-Studios?

‚Komm‘, wir machen blau‘, sagte eine innere Stimme zu mir. Es war Draufgänger, der wohl auch keine Lust hatte.

‚Ja, gönn‘ dir doch eine Pause, fahr‘ zurück und trink statt des harten Trainings eine schöne Tasse Kaffee‘, rief nun die zweite innere Stimme.

Es war der Sensible, der stets Mitfühlende.
„Merkt doch keiner“, meinte er noch.

‚Auweia, wenn das rauskommt‘, meinte nun die dritte Stimme, der Theoretiker.

‚Unser Plan sieht das kein Aussetzen vom Training vor. Wir trainieren von 05.50 bis 07.30 Uhr, dann fahren wir zurück und gegen 08.15 Uhr ist der Waldlauf runter zum Liepnitzsee geplant.‘

‚Oh Mann, du nervst. Kannst du nicht einmal von deinem Plan abweichen, nur einmal?‘

‚Nein, das kann ich nicht, und du solltest als Draufgänger uns alle mitreißen, motivieren‘, sagte nun Theoretiker. Seine Stimme klang pikiert.

‚Ach streitet euch doch nicht, wir wissen ja gar nicht, wie sich unser Dicker entscheidet.‘

Hatte der Sensible mich Dicker genannt? Frechheit.
Ich steuerte das Auto nun direkt auf das Tor der Tiefgarage zu.
‚Na bitte, geht doch‘, meinte der Theoretiker.

‚Du gehst mir sowas von auf die Eier, du glaubst es gar nicht‘, schnaufte Draufgänger wütend und enttäuscht, dass sein Herr auf Theoretiker gehört hatte.

‚Sei‘ doch mal ein bisschen netter zu deinen Freunden‘, meinte jetzt der Mitfühlende. Er war schon wieder eingeknickt und hatte sich auf die neue Situation eingestellt.

„Schnau…, äh ich mich meine, schon gut‘, brummte nun Draufgänger.
Oben angekommen, wollte Draufgänger gleich an die Bizepsmaschine.

‚Zieh‘ heute mal durch, mach viermal hintereinander fünfzehn Trainingseinheiten, und beim letzten Schub, legst du noch 5 kg drauf.
‚Das ist nicht der Plan‘, meinte nun Theoretiker. Wir wollen ja anderthalb Stunden durchhalten.

‚Du Schlappschw….‘, wollte gerade Draufgänger brüllen, als ich die Halter an der Bizepsmaschine zum vierten Mal nach oben hievte.

Die Straßenbahn näherte sich der Haltestelle, die Bremsen quietschten, der Mann mit dem überquellenden Bauch quälte sich die Stufen ins Innere des Straßenbahnwaggons hoch.
Als sich die Bahn wieder in Bewegung setzte, riss sie mich aus meinen Gedanken.

Ich drehte mich vom Fenster weg, schaute im Studio umher, welches Gerät ich als nächstes nehmen sollte.

Die inneren Stimmen sagten nichts mehr, sie hatten mit dem Luftholen zu tun.

SCHREIBEN BLEIBT IM SELBSTCOACHING EIN WICHTIGES INSTRUMENT

SCHREIB-ALLTAG (7)
Schreiben soll eine heilende Wirkung besitzen.
Ich habe davon noch nichts gespürt. Aber vielleicht liegt es auch daran, dass ich diese Tätigkeit eher als ein berufliches Handwerk ansehe.

Wovon ich allerdings überzeugt bin: Mit dem Schreiben kommst du zu klaren Schlüssen, was dein Leben anbetrifft, sei es in der Rückbetrachtung oder auch mit Blick auf die kommenden Jahre.

Ich glaube fest daran, dass es nicht gelingen kann, wesentliche Veränderungen in seinem Leben herbeizuführen, ohne dass man es schriftlich fixiert, sozusagen die Gedanken strukturiert.

Ich überlege, wie ich den Schreibprozess noch besser dafür einsetzen kann, gesünder zu leben. Ich habe zum Beispiel vor Wochen damit begonnen, meine tägliche Ernährung zu protokollieren, um Schlussfolgerungen daraus abzuleiten – warum es gelungen ist, das Gewicht zu reduzieren und woran es gelegen hat, wenn es wieder mehr Kilos auf der Waage geworden sind.

In jedem Fall: Es lohnt allemal zum Stift zu greifen.
Was bleibt ist die Tatsache, dass du dich dazu überwinden musst.

Aber es gibt nun mal wenige positive Veränderungen in deinem Leben, die ohne Energieeinsatz, ohne Engagement gelingen.

Ich werde wieder mehr darauf achten, täglich wichtige Gedanken zu protokollieren, um danach effektiver meine eigenen Zielsetzungen umzusetzen.

Es bleibt also spannend, wenn es darum geht, durch Schreiben das eigene Coaching voranzutreiben.