Alle Beiträge von Uwe Müller

Dipl.-Ing. (FH), Dr. rer. pol.; Dozent; freiberuflicher Journalist; Coach - Themenschwerpunkt: Kommunikation

AUSZEIT VOM ALLTAG

AUSZEIT VOM ALLTAG
Es ist kurz vor Ostern und ich denke schon an die Tage, die wir in einer Ferienwohnung verbringen werden, gemeinsam mit Krümel und ihrer Mutter.

Ich werde wohl mal nicht schreiben. Das nehme ich mir jedenfalls vor. Während ich diese Sätze hier formuliere, denke ich gerade daran, wie ich vor ca. zehn Jahren darüber nachgedacht habe, wie ich mein Leben verändern könnte, damit ich mehr zur Ruhe käme, nicht mehr die Verantwortung für so viele Leute hätte und aus meinem eigenen Büro heraus agieren kann.

Ich verfiel auf das Schreiben. Und ich höre noch, wie viele meiner Kollegen mich davor warnten, diesen Weg zu gehen. Hätte ich auch nur geahnt, dass es viel schlimmer würde, als ich es selbst hätte vorhersehen können, ich wäre niemals diesen Weg gegangen, ja ich hätte ihn nicht einmal vom Gedanken her in meinem Kopf zugelassen.

Damals aber konnte mich keiner davon abbringen, diesen Weg zu gehen. Es folgten einige meiner härtesten Jahre, die ich in meiner Selbstständigkeit erlebte.

Es gab Zeiten, da mochte ich mich nicht mehr mit meinen Freunden treffen, weil es mir mental einfach schlecht ging. Ich fühlte mich als wirklicher ‚Looser.‘

Und dann wieder traf ich auf Menschen, auf die ich nie getroffen wäre, wenn ich nicht die Interviews geführt hätte, die Gespräche mit ihnen gesucht hätte, angefangen hätte, zu schreiben. Mir fiel zum Beispiel ein Satz von Maxim Gorki förmlich in die Hände. Er sagte, er hätte seine Geschichten von der Landstraße aufgelesen.

Seitdem bin ich da drangeblieben und weiß heute mehr denn je, welches Glück es bedeutet, die Alltagsgeschichten aufzuschreiben. Manchmal sagen mir Freunde, ich solle doch darüber schreiben, wie das Leben im Osten war, warum ich so viel in den Jahren meines Studiums von den Menschen gelernt habe, die ich wiederum in der ‚Elektritschka‘ und in der Metro kennenlernte, und die mir gegenüber nie ein hässliches Wort äußerten, selbst nachdem sie wussten, dass ich ein Deutscher war.

Wenn du das über viele Jahre erlebt hast, die Sprache wirklich sprichst, dann hast du das im Herzen, und dann können dir andere sagen, was sie wollen – du hast deine eigenen Erfahrungen und Herzenserlebnisse.

Und woher?
Von der Straße. Weniger aus den Hörsälen, in denen ich mein halbes Leben lang gesessen oder vor Studenten gestanden habe. Sollte es mir gelingen, nur den Gedanken an Krümel weiterzugeben, nämlich, dass du sensibel zuhören und beobachten musst, in jedem Menschen seinen Reichtum suchen kannst und immer etwas findest, ja dann wäre ich glücklich.

Ich steige in die Osterpause, bis zum 29.04.2019. Ich wünsche allen, die ab und an mal bei mir vorbeischauen, ein wunderbares Osterfest und viel Spaß in der Familie, mit Freunden, mit Menschen, die man gern trifft. Bis bald mal, wenn wir sagen, dass der Alltag doch das schönste ist, was wir haben.

JEEPY – 4: EINE KUNDIN WILL FIATINE UNBEDINGT KAUFEN

Was vorher war:
Fiatine will, dass der Verkäufer ihr bei der Vorbereitung der Schnitzeljagd hilft, aber da werden Kunden auf sie aufmerksam.

„Wie ist die genaue Bezeichnung für dieses Auto?“, fragte  der Ehemann der Kundin.
„Fiat 500“, sagte der Verkäufer.
„Ich heiße Fiatine.“
Die Kunden schauten ungläubig auf das kleine Auto.
Hatte es gesprochen?

„Du sollst doch nichts sagen, wenn ich dich verkaufen will, freche Göre“, zischte der Verkäufer.
Und laut wandte er sich an die Kunden:

„Dieser Fiat hat ein update, kann allein fahren, und sprechen kann er auch.“
„Ach wie süß. Schatz, den muss ich haben“, sagte die Kundin und strahlte vor Entzücken.
„Das ist doch eine Handtasche auf Rädern“, sagte ihr Mann.

Fiatine rollte unauffällig ein Stück nach vorn, direkt über den Fuss des Kunden.
„Da hast du die Handtasche“, flüsterte Fiatine dem Kunden wutentbrannt zu.

Der musste sich am Tisch aufstützen, so schmerzte ihn sein Fuß.
„Schon gut, war nicht so gemeint“, murmelte der Ehemann mit schmerzverzehrtem Gesicht.

„Was meinst du Schatz, sollen wir ihn nehmen, als Zweitwagen, für mich?“, fragte die Ehefrau in säuselndem Ton.
„Hm“, machte der Ehemann.

„Ach Hans-Georg, jetzt sei doch nicht so“, du willst dir doch bloß wieder einen ‚Rambo‘ wie den Jeep ‚Wrangler‘ zulegen.
„Na, lieber ein dickes Nashorn an der Hand, als eine bissige Katze im Wadenbein“, brummte der Ehemann.

„Hans-Georg, ich versteh‘ dich nicht“, was du hier wieder sagst.
„Hast du noch Alkohol von deinem angeblich so wichtigen Geschäftsessen im Blut? Und wer waren eigentlich die Damen, die dir noch so zuwinkten, als du gestern Abend aus dem Taxi gestiegen bist?“

Fiatine fand es lustig, den beiden zuzuhören und sie wollte, dass die Frau ihre neue Fahrerin wird. Sie würden sich gut verstehen.

„Also gut, von mir aus“, dann kaufen wir eben die Handtasche, äh, ich meine diesen himmelblauen Fiat.
„Wunderbar, aber das geht nicht gleich“, sagte der Verkäufer.
„Warum nicht?“, fragte die Kundin.

„Weil Fiatine noch eine Schatzsuche vorbereiten muss!“, sagte der Verkäufer entschlossen.
„Schatzsuche, Fiatine? Schatz, ich glaub‘ ich werde alt.“

Dem Ehemann war so, als würde der kleine Fiat ihm die Zunge herausstrecken und gleichzeitig seiner Frau zuzwinkern. Seine Frau wedelte mit der Hand, so als würde sie zurückwinken.

„Ja, sind denn hier alle verrückt geworden? Schatz, nimm‘ deine Truhe, äh, ich meine deine Handtasche, wir müssen erst einmal an die frische Luft.

„Das hat noch ein Nachspiel. Wenn die Kunden jetzt abspringen, dann kannst du das mit der Schatzsuche und ihrer Vorbereitung vergessen“, schnaubte der Verkäufer und ging den Kunden nach draußen hinterher.

JEEPY-3: FIATINE KOMMT INS AUTOHAUS ZURÜCK

Was vorher war: 
Fiatine war mit Jeepy unterwegs, im Modus des autonomen Fahrens. Sie haben Kindern eine Schnitzeljagd versprochen. Aber erst einmal muss Fiatine zurück zu ihrem Autohaus und ihrem Verkäufer.

Fiatine kehrte glücklich in das Autohaus nach Hoppegarten zurück.
„Na, wie ist es gelaufen?“, fragte der Verkäufer Fiatine.
„Es ist super gelaufen. Ich bin allein gelaufen, autonom, ‚Yppie-ya-yeah‘, ruft Fiatine glücklich.

„Na, dann hat sich das update bei dir ja gelohnt“,  sagte der Verkäufer zufrieden. Fiatine schaute den Fahrer weiter an.
„Ja, weißt du, ich habe doch keinen Fahrer, weil mich ja noch keiner gekauft hat“, sagt nun Fiantine zögerlich.

„Ach, das wird schon, und schließlich hast du ja auch noch mich“, sagte der Verkäufer. Fiatine fasste sich ein Herz und sagte: „Stimmt, ich habe ja noch dich, lieber Verkäufer. Und deshalb musst du mir helfen.“

„Wobei?“, fragte der Verkäufer ungeduldig, denn im Hintergrund warteten Kunden auf ihn und die wollte er auf keinen Fall verlieren.
„Wir haben unterwegs Kinder getroffen, die mit uns mitfahren wollten.“

„Das habt ihr ja wohl hoffentlich nicht gemacht“, sagte der Verkäufer mit einem drohenden Unterton zu Fiatine.
„Nein, das nicht. Aber wir haben ihnen stattdessen versprochen, dass wir mit ihnen eine Schnitzeljagd vorbereiten. Und du musst mir bei der Vorbereitung helfen.“

„Ich?“, fragte der Verkäufer entsetzt.
„Keine Zeit!“, setzte er nach.
„Ach bitte, bitte“, flehte Fiatine und schaute ihn in ihrem himmelblauen Kleid an.
„Was muss ich denn tun?“

„Du musst nur den Weg markieren, Pfeile mit Kreide an die Bäume malen, eine Schatzkarte zeichnen, eine Schatztruhe basteln, Geschenke besorgen und mit einer Gruppe mitlaufen.“

Fiatine hatte schnell gesprochen und war nun außer Atem.
„Das kommt überhaupt nicht infrage. Ja, glaubst du denn, ich sitze hier den ganzen Tag und mache nur Witze über die Kunden, die hereinkommen?“

Der Verkäufer war nun endgültig aus dem Häuschen. Seine Augen waren hervorgetreten, sein Gesicht krebsrot und die Stimme versagte ihm fast, so unverschämt fand er die Anfrage von Fiatine.

„Den ganzen Tag nicht, aber den halben, machst du Witze“, antwortete Fiatine. Schließlich stand sie ja direkt neben dem Tisch des Verkäufers.

„Noch ein Wort, und ich werde das update rückgängig machen, und du kannst an meinem Tisch stehen und so lange vor dich hinschmoren, bist du nichts mehr Wert bist.

Da fing Fiatine an, heftig zu weinen und zu schluchzen, sodass die Kunden auf sie aufmerksam wurden.
„Was hat die Kleine denn?“, fragte jetzt eine Kundin.

Und zu ihrem Mann gewandt: „Schatz, schau mal, was für ein herrliches himmelblaues Kleid dieser Fiat anhat.
„Das ist ein Auto und keine Kleine“, brummte ihr Mann.
Aber die Frau sah mehr in dem kleinen Fiat, als nur ein Auto.

DRITTER ANLAUF BEIM FRISEUR

„Gut, dass ich den Termin gemacht habe“, sagte Anna zu Lukas, als dieser sie wieder vom Friseur abholte.

Anna saß noch auf dem Friseurstuhl, auf dem Tisch vor ihr stand ein halbvolles Glas Sekt. Sie lachte und erzählte mit der Friseuse. Lukas verschlug es die Sprache.

Er musste gerade daran denken, wie viel Mühe es ihn gekostet hatte, Anna bis hierher zu bringen.
Zwei Stunden vorher: Lukas hatte Anna endlich soweit, dass sie loskonnten, um noch rechtzeitig beim Friseur zu sein. „Wo ist jetzt mein Briefkastenschlüssel?“, fragte Anna und wühlte in ihrer Tasche umher.

„Mutti, das kannst du doch machen, wenn wir vom Friseur zurückkommen. Ich möchte nicht zu spät kommen. Wir haben doch schon zweimal den Termin absagen müssen“, drängte Lukas sie.
„Absagen? Wieso absagen? Ich habe nichts abgesagt“, sagte Anna und schaute Lukas grimmig an.

„Mutti, ich habe einmal den Termin vereinbart, dann haben wir ihn wieder storniert, weil du nicht wolltest. Danach hat es Klara noch einmal versucht. Und wieder wolltest du nicht.“
„Ich? Das kann überhaupt nicht sein! Und wieso machen überhaupt die Berliner Termine beim Friseur für mich? Was soll das!“
„Mutti, wir meinen es doch nur gut.“

„Wo ist denn jetzt mein Schlüssel?“ Anna kramte weiter in der Tasche. Endlich hatte sie ihn gefunden und steckte ihn in das Briefkastenschloss und versuchte ihn umzudrehen. Er ließ sich aber nicht drehen.

„Was ist das hier alles? Ich werd‘ noch verrückt“, schnaubte Anna.
„Mutti, kann ich mal?“, fragte Lukas vorsichtig.
Es war geschafft, die Briefkastentür ging auf und als erstes fielen Lukas die Werbebriefe entgegen.

„Die schmeiße ich gleich weg“, sagte Lukas.
„Nein, wie kannst du so was machen! Ich will die lesen. Die schreiben mir.“
„Ja, Mutti, weil sie dein Bestes wollen, dein Geld. Deshalb haben sie dich so lieb.“

Anna schaute Lukas an, als würde der gerade von der Berechnung der optimalen Mondlandung sprechen. Als sie im Auto saßen und Anna schließlich angeschnallt war, konnte Lukas das Auto starten.

Anna schaute verdrossen aus dem Fenster. Ihre Stirn war gerunzelt und ihr Mund verzog sich zu einer Grimasse. Dazu stöhnte sie unentwegt.

„Mutti, jetzt freu dich doch ein bisschen. Schau mal, ich habe extra den Weg am Hafen vorbei genommen, damit du ein wenig auf das Wasser schauen kannst“, versuchte Lukas sie aufzuheitern.
Anna aber reagierte nicht.

„Hier lag das Boot von Onkel Gottfried“, sagte sie plötzlich.
Anna schien sich zu erinnern, ihr Gesicht hellte sich auf und sie schien in Gedanken von ihren schönen Kindheitsjahren eingenommen zu sein.

„Wir sind da“, riss Lukas sie aus ihren Erinnerungen.
„Weißt du, ich will gar nicht aussteigen“, sagte Anna jetzt.
„Mutti, du gehst jetzt da rein“, sagte Lukas mit letzter Verzweiflung zu ihr.

„Rede nicht in dem Ton mit mir“, sagte Anna zu ihm.
Lukas schwieg und Anna stieg aus.
„Schön, dass Sie kommen konnten“, begrüßte die Inhaberin des Friseurladens Anna.

„Ja, ich habe mir die Zeit genommen“, sagte Anna.
Lukas schaute betreten auf den Fußboden. Es sah aus, als versuchte er die dort herumliegenden Haare zu zählen, die noch nicht weggefegt worden waren.

„Möchten Sie ein Glas Sekt, Frau Sturm“, fragte die Inhaberin Anna.
„Ach ja, ein Glas kann man ja mal trinken.“

Die Inhaberin zwinkerte Lukas zu und der zog sich leise zurück.
„Wissen Sie, ich war ja früher viel auf dem Hof von meinem Onkel Taube. Er war Fischer“, sagte Anna zu der Friseuse, während die sich um die Haare von Anna kümmerte.

„Taube? Gottfried Taube“, fragte die Friseuse.
„Ja“, sagte Anna.

„Den kenn ich auch“, sagte die Friseuse zu Anna.
„Sagen Sie bloß!“, staunte Anna.
„Ja, mein Großvater hat mir ab und zu von ihm erzählt. Damals, als der selbst noch ein Fischer war.“

Lukas traute sich nicht Anna zu sagen, dass sie wieder loswollten.
Annas Wangen waren rot, sie saß aufrecht im Sessel und es schien, als wäre sie glücklich. Für den Augenblick wenigstens.

LIEPNITZSEE – MEIN PERSÖNLICHER JAKOBSWEG (2)

Gestern besuchte mich ein Freund. Wir haben uns lange nicht gesehen und ich fragte ihn, wie alt er eigentlich in diesem Jahr würde.

„Ich werde 80 Jahre“, sagte er und lachte, weil ich aus dem Staunen nicht herauskam. Das Alter sah man ihm wirklich nicht an. Vielleicht lag es daran, dass er eine 40 Jahre jüngere Frau hat und eine Tochter, die erst neun Jahre alt ist.

Wir haben uns zunächst über das politische Geschehen ausgetauscht, geschimpft, gelacht und schließlich haben wir resigniert abgewinkt, weil wir ohnehin nichts ändern konnten, ja vor allem keine eigene Energie in Veränderungen legen wollten.

Dann kamen wir auf den Alltag zu sprechen. Mein Freund sitzt beileibe nicht zu Hause. Nein, er verkauft medizinische Produkte an Kliniken und Pflegeheime.

„Hör‘ bloß nicht auf zu arbeiten“, sagte er zu mir. Er hielt zwar nichts davon, dass ich Pressetexte und Interviews verfasste, weil man so nicht wirklich Geld verdienen konnte, aber er bewunderte mich, dass ich es immer wieder schaffte, ein paar Groschen darüber hereinzuholen.

Mein Freund versuchte mich trotzdem mit in sein ‚Boot‘ zu ziehen.
Er hatte mich als Verkaufsleiter im Immobilienunternehmen erlebt, als Geschäftsführer in einer Coaching-Firma oder auch als Manager in einer Beratungsfirma. Das war für ihn respektabel. Aber schreiben? Um Gottes willen.

„Warum hast du das alles aufgegeben? Du hättest doch wenigstens noch ein paar Stunden dort was machen können“, sagte er zu mir.
„Das stimmt schon, aber ich habe mich anders entschieden. Und das verdanke ich meinem Jakobsweg“, entgegnete ich.

Mein Freund sah mich prüfend an, ob ich möglicherweise unter Drogen oder Alkohol stand.
„Du erfährst viel über dich selbst und kannst gut Entscheidungen treffen, wenn du am See läufst“, sagte ich noch.
„Ich lass dir trotzdem mal die Verkaufsmappe hier.“ Mein Freund gab nicht so schnell auf. Gestern lag die Mappe bei mir auf dem Schreibtisch, auf der Ablageseite.

Heute Morgen wanderte sie auf die Fläche in der Bücherwand. Und jetzt komme ich gerade vom Nordic Walking zurück, bin gut gelaunt, konnte nachdenken.

Unterwegs habe ich Waldi getroffen, den Dackel, und natürlich seinen Besitzer, den Förster. Waldi hatte mir vor zwei Jahren ins Bein gebissen, besser gezwickt. Er kam nicht ganz durch, durch meine dicke Wade.

Heute knurrte er nur. Wir grüßten uns, der Förster und ich, und ich lief fröhlich weiter. Nun erblicke ich die Verkaufsmappe mit den medizinischen Produkten wieder.

Ich werde sie wohl in die Blaue Tonne tun, da wo bereits tausende Blätter gelandet sind.

 

EIN THEATERBESUCH, DEN WIR NICHT BEREUT HABEN

Wir waren am Sonntagvormittag im Deutschen Theater. Das machen wir ganz selten, um nicht zu sagen, eigentlich gar nicht.

Aber unsere Freunde blieben diesmal an uns dran und so willigten wir ein, den Sonntag für die Kultur zu ‚opfern‘.

So jedenfalls dachten wir, als wir schließlich zugesagten. Gott sei Dank waren unsere Freunde so hartnäckig! Es war nämlich großartig. Gregor Gysi hat mit Edgar Selge gesprochen, ihn zu dessen Leben befragt.

Edgar Selge kenne ich aus dem Polizeiruf 110, indem er zehn Jahre lang den einarmigen Kommissar Tauber gespielt hat. Für seine Rolle als ‚Franchois‘ in dem Stück ‚Unterwerfung‘ wurde er 2016 zum Schauspieler des Jahres gewählt.

Die Aufführung wurde vom RBB verfilmt und ich habe sie im Fernsehen gesehen und war von Edgar Selge begeistert. Am Sonntag trafen also zwei großartige und vor allem interessante Menschen aufeinander.

Und es kam, wie es kommen musste, nämlich humorvoll, pointiert, einfach unterhaltsam. Edgar Selge hat sich gewundert, woher Gregor Gysi so viele Details aus dessen Biographie wusste. Gysi reagierte schlagfertig, indem er Selge anbot, eventuell noch offene Fragen zu dessen eigener Biografie zu beantworten.

Edgar Selge ist in Herford in der Nähe eines Jugendgefängnisses aufgewachsen. Sein Vater war dort der Direktor. Das hat ihn geprägt.

Nach Meinung von Selge trägt jeder von uns ein Stück eines ‚Gefängnisses‘ in sich.

Darüber lohnt es sich nachdenken, denn wem geht es nicht so, dass er unter bestimmten Zwängen steht, psychisch, physisch oder vielleicht finanziell. Insgesamt: Danke an unsere Freunde, die uns auch noch im Anschluss das Gespräch zum Essen einluden. Also rundherum gelungen.

LIEPNITZSEE – MEIN PERSÖNLICHER JAKOBSWEG (1)

Ich glaube, jeder braucht seinen ganz persönlichen Jakobsweg. Manch einer wandelt direkt auf diesem Pfad und andere wiederum machen gar nichts.

Ich hänge irgendwie dazwischen. Ich werde wohl nie dem Vorbild von Hape Kerkeling folgen und auf dem echten Jakobsweg laufen. Aber ich schaffe es wenigstens bis zum Liepnitzsee.

Das kostet mich schon Überwindung, da will ich ehrlich sein. Manchmal sage ich mir, ich müsste noch so viel erreichen und könnte mir diese Zeit nicht gönnen.

Meine beiden kleinen Teufelchen, die mir auf den Schultern sitzen, unsichtbar und nicht hörbar für die anderen, die tun ihr übriges.

Der eine, ich nenne ihn „Prinz Schleimer“, sagt: „Du hast doch so viel zu arbeiten, das versteht doch jeder, wenn du mal nicht läufst.“

Und der andere, er heißt bei mir „Prinz Sacktreter“, sagt das Gegenteil: „Hallo, du bist Rentner und jammerst nur rum, dass du keine Zeit hast. Aber du hast Zeit! Du musst dir die Zeit nur nehmen. Wenn du das nicht tust, dann wirst du dir bald Zeit nehmen müssen, und zwar sehr viel Zeit.

Ganz einfach, weil dein Körper das nicht mehr alles stemmen kann – durch dein Übergewicht und deinen Stress, den du dir mit dem Schreiben machst; bloß weil du noch deinen Traum vom ‚Geschichten erzählen‘ erfüllen willst.“

Am Freitag habe ich mich überwunden und bin losgelaufen. Es waren mittags um die 16 Grad, die Sonne bahnte sich ihren Weg durch die Zweige und vereinzelten Blätter an den Bäumen, die dadurch im grellen Licht glitzerten.

Es roch nach Laub und frischem Holz. Der Sturm hatte es nötig gemacht, dass einige von den Bäumen gefällt werden mussten, und die nun unten am Boden lagen, verstreut und noch nicht geordnet für den Abtransport. Ich lief zwischen ihnen hindurch und nach einer guten Viertelstunde traf ich unten am See ein.

Als ich am Ufer entlang hechelte, habe ich eine Frau gesehen, die gerade dabei war, sich wieder anzuziehen. Ihre Haare waren nass und sie war schwimmen. Das war offensichtlich. Trotzdem fragte ich sie:
„Haben Sie etwa schon gebadet?“
„Ja, aber es ist noch sehr kalt“, gab sie zurück.
„Wie kalt?“

Sie hielt schweigend den rechten Zeigefinger hoch und führte ihn langsam zum rechten Daumen, ganz langsam, sodass nur noch ein kleiner Abstand zwischen den beiden Fingern blieb. „Alles klar“, antwortete ich, „ich warte noch.“

Sie lachte, und sie nickte. Ich lief weiter und fing an, mich gut zu fühlen.

JEEPY-2-UPDATE FÜR FIATINE

„Warum soll ich für dich schon ein ‚update‘ besorgen, wo du doch nicht mal einen Fahrer hast“,  fragte der Verkäufer Fiatine.
„Weißt du, wie viele Autos darauf warten, dass sie jetzt auch ohne Fahrer, also autonom, durch die Gegend fahren können?“, fragte der Verkäufer noch.

Da flossen bei Fiatine wieder die Tränen. Das konnte Jeepy nicht mit ansehen und wandte sich erneut an den Verkäufer: „Bitte, bitte, machen Sie doch eine Ausnahme für meine Freundin Fiatine“, sagte Jeepy.

„Ach, das ist deine Freundin, na da schau mal einer an.
Und wie kommst du hier überhaupt rein?“, fragte der Verkäufer Jeepy.

„Ich, och, ich bin hier nur zu Besuch und mein Fahrer hat mir ein ‚update‘ spendiert.“
„Na, wenn das so ist“, meinte der Verkäufer nun versöhnlicher.
„Dann macht doch mal einen Probeausflug. Ich schalte Fiatine vorher auf ‚update‘, zeitweise, und dann schaut ihr mal, wie ihr damit klar kommt.“

„Au ja“, riefen beide begeistert.
Als das ‚update‘ bei Fiatine erledigt war, da schossen beide nur so aus dem Autohaus.

„Passt bloß auf, dass ihr keinen Unfall baut“, rief der Verkäufer ihnen hinterher.
„Geht nicht, wir fahren ja autonom“, riefen die beiden zurück.
„Stimmt auch wieder“, knurrte der Verkäufer und ging zu seinem Platz zurück. Wo Fiatine sonst stand, waren nur Reifenspuren zu sehen.

„Fiatine, schau mal, siehst du die Kinder dort, die auf dem Spielplatz spielen?“.
„Ja, sehe ich“, rief sie zurück und hupte ganz laut.
Da erschraken sich die Kinder ganz doll.
„Fiatine, das darfst du nicht, die Kinder kriegen doch Angst vor uns“, sagte Jeepy.

„Ja, entschuldige, ich war nur so froh, dass ich hier draußen bin.“ Die Kinder hatten sich beruhigt und winkten jetzt Jeepy und Fiatine zu.
„Dürfen wir mit euch fahren“, fragten sie.

„Nein, das dürft ihr nicht. Wir sind noch in der Erprobung. Wenn wir jemanden mitnehmen, dann müssen unsere Fahrer dabei sein.“
„Ach schade“, sagten da die Kinder.

Jeepy überlegte eine Weile und da kam ihm eine tolle Idee.
„Wer hat Lust auf Schnitzeljagd?“, fragte Jeepy die Kinder.
„Oh ja, wir wollen eine Schnitzeljagd“, schrien alle auf einmal durcheinander.

„Darf ich auch mit?“, fragte Fiatine zaghaft.
„Aber natürlich. Du musst sogar mitmachen. Wer soll das alles allein schaffen!“, antwortete Jeepy.

„Kinder, dann fragt eure Eltern, ob ihr mitmachen dürft.“
„Und wir brauchen Erwachsene, die mitkommen“, rief Fiatine.
„Mein Fahrer kommt bestimmt mit, und du fragst den Verkäufer, solange du noch keinen eigenen Fahrer hast“, sagte Jeepy.

„Ja, mach‘ ich.“ Fiatine ist begeistert.
„Kinder, nächsten Samstag. In der Schorfheide, in der Nähe des Wildparkes. Da machen wir die Schnitzeljagd. Und Fiatine: Wir müssen jetzt zurück ins Autohaus. Dein Verkäufer ist bestimmt schon ganz aufgeregt. Ich fahre danach nach Hause und bitte meinen Fahrer, uns bei der Vorbereitung zu helfen.“
Fiatine und Jeepy brausten davon.

Die Kinder winkten ihnen zum Abschied hinterher und kreischten alle durcheinander, so aufgeregt waren sie wegen der bevorstehenden Schnitzeljagd.

JEEPY 1 – ICH HEISSE AB SOFORT JEEPY


Hallo Krümel,
ich bin’s, dein Jeepy. Du wirst dich fragen, warum ich jetzt nicht mehr mit ‚i‘, sondern mit ‚y‘ am Ende geschrieben werde. Meinem Fahrer gefällt das gar nicht so richtig, was alles in den letzten Tagen passiert ist.

Stell‘ dir vor, ich habe ein ‚update‘ bekommen. Als ich meinen Fahrer gefragt habe, ob er das für mich machen lassen würde, da hat der nur gefragt, was das alles soll, mit dem autonomen Fahren und so.

Aber Krümel, ich kann jetzt ganz allein durch die Stadt fahren. Ja, wirklich. Und das habe ich meinem ‚update‘ zu verdanken. Darum heiße ich jetzt auch ‚Jeepy‘, mit dem ‚y‘ hinten am Namen eben.

Ich kann auch auf Batterie umschalten, selbst das Lenkrad drehen und einfach mal aus dem Carport rausfahren, selbst wenn mein Fahrer oben sitzt und mal wieder keine Zeit für mich hat. Als erstes habe ich heute das Fiat-Mädchen mit dem himmelblauen Kleid besucht, im Autohaus in Hoppegarten.

Ich bin freudig auf sie zugefahren, als ich sie sah. Das geht ja, denn sie steht im Verkaufsraum und wartet auf ihren Fahrer, den eben, den sie ja noch nicht kennt. Erst hat sie so getan, als würde sie mich übersehen. Aber dann, als ich vor ihr stand, mich allein bewegte, da wurde sie munter.

„Hast du etwa schon das ‚update‘ bekommen?“, fragte sie mich ganz erstaunt.
„Ja, hab‘ ich“, sagte ich und strahlte sie an.
Da wurde sie ganz traurig und fing an zu weinen.
„Warum weinst du?“, fragte ich sie und wurde nun auch traurig.
„Weil ich noch keinen Fahrer habe, und kein ‚update‘.

Ich muss hier immer nur herumstehen und mir gefallen lassen, dass mich die Leute anfassen, meine Türen auf und zu schlagen und dann doch wieder gehen.“
„Das ist wirklich traurig“, habe ich zu ihr gesagt.
„Ich bin die Fiatine“, sagte sie mir noch.
„Und ich bin der Jeepy“, antwortete ich fröhlich.

Endlich sprach sie mit mir. Und weißt du was, Krümel, dann habe ich sie doch noch zum Lachen gebracht.
„Pass mal auf“, habe ich noch zu ihr gesagt, „bald wirst du auch einen Fahrer bekommen oder eine Fahrerin, wer weiß.“

Und weiter: „Aber vorher, da rede ich noch mit meinem Verkäufer, der ist nett. Ich werde ihn fragen, ob er für dich das ‚update‘ organisieren kann.“

„Das würdest du für mich tun?“, hat sie mich gefragt und mich dabei angestrahlt in ihrem himmelblauen Kleid.
„Ja, klar. Das machen wir. Und dann komme ich dich besuchen und wir fahren für ein oder zwei Stunden in der Gegend umher, ganz allein, ohne Fahrer.“

„Ach, toll“, hat sie gerufen und angefangen zu tanzen.
„Ja, wir können natürlich nicht in die Häuser rein, oder in den Einkaufsmarkt fahren. Da dürfen wir nicht rein.

Aber wir finden schon was Aufregendes, zum Beispiel im Regen durch die Pfützen donnern, vor allem den Kindern zuwinken, die in den Kindergärten draußen spielen, so wie Krümel, meine beste Freundin.“

„Kann ich denn auch deine Freundin sein?“, fragte mich jetzt Fiatine.
„Ja, kannst du, und ich werde dein bester Freund“, sagte ich noch.
„Was ist denn hier los?“, ertönte plötzlich eine Stimme hinter uns.
„Ach nichts, lieber Verkäufer“, sagte ich.

„Wir haben nur mal eine Frage“, schob ich noch hinterher.
Aber davon erzähle ich dir morgen, lieber Krümel.

KASSENAUTOMAT – SO EINFACH IST ES NUN AUCH WIEDER NICHT

Uhlandstraße, in der Tiefgarage. Ich stand vor dem Kassenautomaten und musste nur noch das Parkticket einlösen, bevor ich mich ins Auto setzen und in mein Dorf düsen konnte.

Es war ein stressiger Tag gewesen und interessant zugleich. Ich hatte an einem Seminar für kreatives Schreiben teilgenommen und lustige, intelligente Leute kennengelernt.

Neben mir saß ein Arzt aus Wismar. Nett, 65, klug und humorvoll. Wir verstanden uns sofort. Trotzdem war ich abends froh, dass ich das alles hinter mir lassen und nach Hause fahren konnte. Dort warteten auf mich meine Frau, meine Tochter und Krümel, meine Enkelin.

Krümel war mit ihrer Mutter spontan bei uns aufgetaucht, ausgerechnet an dem Tag, an dem ich am Seminar teilnehmen wollte. Und deshalb freute ich mich nun umso mehr, dass ich zu ihnen zurückkonnte. Vorher musste ich noch über den Ku‘ damm in Richtung Uhlandstraße.

Die Straßen waren am Samstagabend voller Menschen. Die Autos rauschten an mir vorbei. Ich eilte in einem günstigen Moment über die Straße und musste noch einmal auf dem Mittelstreifen halt machen, weil ein weißer Mercedes mit dröhnender Musik an mir vorbeifuhr. Der Fahrer des Autos schaute mich provozierend an. So, als würde ich gleich etwas zu ihm sagen wollen.

Wollte ich aber nicht. Früher hätte ich das vielleicht getan. Aber inzwischen habe ich eingesehen, dass es ziemlich nutzlos ist, sich über Dinge zu ärgern, die ich nicht ändern konnte.

Als ich in die Uhlandstraße einbog und auf die Tiefgarage zustrebte, war es schon wesentlich ruhiger geworden. Der Lärm vom Ku’damm drang nur noch gedämpft herüber.

Endlich. Ich war am Kassenautomaten und schob mein Parkticket in den dafür vorgesehenen Schlitz. Ich hatte das Ticket schon eine Weile zwischen die Zähne geklemmt und so war er inzwischen von meiner Spucke durchgeweicht. 25,50 Euro zeigte das Display an.
„Das ist ja Wucher“, fluchte ich laut.

„Ja, das ‚isch‘ teuer“, erwiderte hinter mir eine Stimme.
Es waren zwei junge Frauen. Ich hatte sie gar nicht bemerkt.
„Sind Sie Schwäbinnen?“, sprach ich sie möglichst politisch korrekt an.
Statt einer Antwort kicherten die beiden Frauen los. Ich war irritiert und fragte sie, ob ich etwas Falsches gesagt hätte.
„Wir sind aus Baden und nicht aus Württemberg“, sagten sie mit vorwurfsvollem Blick zu mir.

„Ach schade, ich dachte, sie würden vielleicht Lörrach oder Freiburg kennen“, sagte ich.
„Ja, freilich kennen wir das, aber Baden ist trotzdem nicht Württemberg.“

„Das mag sein. Und kennen Sie denn den Unterschied zwischen Mecklenburg und Vorpommern?“, fragte ich zurück.
„Wozu?“ Die Damen schauten mich ein wenig von oben herab an und kicherten weiter.

„Ja, wozu auch“, antwortete ich drehe mich abrupt wieder zum Kassenautomaten um. Ich wartete darauf, dass meine Geldkarte wieder zum Vorschein kam.

„Bitte Ihre Geldkarte eingeben!“, stand stattdessen auf dem Display.
„Geht es nicht weiter“, fragte mich jetzt eine der beiden Frauen.
„Nein geht es nicht. Sie hätten den Unterschied zwischen Mecklenburg und Vorpommern kennen müssen. Das war hier eine Testfrage.“

Die beiden Frauen schauten mich an, als ob ich nicht ganz dicht sei. Doch ich hatte ohnehin andere Sorgen.
Ich drückte den Telefonknopf. Am anderen Ende ertönte eine Stimme, die mich nach meinem Anliegen fragte.

„Es kommt jemand vorbei“, sagte der Mitarbeiter am Telefon, nachdem ich meine Frage vorgetragen hatte.
„Ja, aber woher wissen Sie denn, wo ich gerade bin?“, fragte ich zurück.

„Ich beobachte sie“, antwortet der daraufhin.
„Ja, klasse, das ist ja wie früher“, erwiderte ich.
Die beiden Damen wünschten mir Glück und eilten die Treppe zum nächsten Kassenautomaten hinunter.

Glück, das war es nicht, was ich nun brauchte. Eher Geduld. Nach einer guten halben Stunde, kam der Mitarbeiter.
„Die meisten stecken ihre Geldkarte dort hinein, wo normalerweise die Geldscheine hineinkommen“, sagte er gleich.

„Nein. Das habe ich schon alles richtig gemacht. Dement bin ich ja noch nicht“, antwortete ich bestimmt. Der Mitarbeiter reagierte nicht, schloss die Tür auf und ich sah sofort meine Geldkarte. So freute ich mich selten, wenn ich meine MasterCard sah. Denn zur Freude gab es meistens keinen wirklichen Anlass. Dafür sorgte schon der Kontostand.

„Ich könnte Sie umarmen“, sagte ich zu dem Mitarbeiter.
„Wahrscheinlich habe ich durch mein Gespräch mit den beiden Damen, die gerade gegangen sind, aus Versehen die Geldkarte doch falsch eingesteckt.“

Der Mitarbeiter schmunzelte nur.
„Wenn Sie mögen, können Sie bei ‚Google-Maps‘ eine Wertung abgeben, denn darüber würde ich mich freuen“, sagte er zu mir. „Oh, das tue ich gern“, sagte ich und verabschiedete mich.
Vorher hatte ich noch den Mitarbeiter mit meiner Geldkarte das Ticket bezahlen lassen. Sicher war sicher.

Ich stürzte zu meinem Auto. Aber auf dem Platz stand mein kleiner Jeep nicht. Verdammt, ich musste noch einen Stock tiefer. Endlich, ich sah mein Auto, stieg ein und verließ rasch das Parkdeck. Zuhause angekommen, parkte ich das Auto unter meinem Carport und stieg aus.

In der Tür stand Krümel, mit meiner Mütze auf dem Kopf, einer kleinen Gurke in der Hand, die sie von meinem Abendbrotsteller genommen hatte und quietschte vergnügt, als sie mich sah.
Ich hob sie hoch, und sie strampelte freudig mit den Beinen. „Hast du ein Glas Wein da?“, fragte ich meine Frau und fiel erschöpft in einen der Sessel.

Am nächsten Tag schrieb ich die Einschätzung und vergab die Höchstpunktzahl für den Service. Doch ich glaube, ich habe den Eintrag beim Kempinski-Hotel vorgenommen. In genau der Tiefgarage war ich aber nicht.

Ich sollte den kleinen Dingen des Alltags wieder mehr Aufmerksamkeit schenken, sonst würden daraus große Dinge werden. Meist mit weniger erfreulichen Nebeneffekten.

Ich will nicht zum Friseur

Anna lag auf der Couch und hielt eine Banane in der Hand, die sie ab und zu zum Mund führte, um ein Stück davon lustlos abzubeißen. Ihr Gesicht schien ausdruckslos und als Lukas das Zimmer betrat, verharrte sie in ihrem nahezu regungslosen Zustand.

„Mutti, wir haben doch gleich einen Friseurtermin und du hast dich immer noch nicht umgezogen.“ Annas Gesicht verdunkelte sich noch mehr. Ihre Gemütsregungen waren am Vormittag ganz besonders überschattet von ihrer Krankheit. Sie hatte Angst, rauszugehen, auf andere Menschen zu treffen, sich in neue Situationen hineinzufinden.

Die Demenz hatte sie mürrisch, ja aggressiv gemacht. Erst zum Mittag hin, wenn die Krankenschwester zum Spritzen kam, wurde sie munterer. Lukas ließ sich in einen der Sessel fallen und schwieg. Es war kurz vor zwölf und die Schwester musste jeden Augenblick an der Tür klingeln.

„Ach Schwester schön, dass Sie kommen und mir helfen, ich hab‘ ja sonst keinen“, sagte Anna bereits an der Tür zu ihr.
„Aber Sie haben doch Ihren Sohn.“
„Ach, der muss doch nur arbeiten.“

Anna schaute missmutig zu Lukas herüber. Lukas trafen diese Worte mitten ins Herz. Er wusste, seine Mutter war dement und man konnte nichts mehr von dem, was sie sagte, auf die Goldwaage legen. Aber es schmerzte ihn, trotz alledem.

„Was willst du eigentlich hier?“, fragte Anna ihn nun.
„Mutti, will nicht schon wieder bei der Friseuse den Termin absagen müssen, nur weil du keine Lust hast.“

„Ich will nicht und ich will mich dafür nicht entschuldigen“, sagte sie mit der Bockigkeit eines kleinen Kindes in der Stimme.
„Dann können wir dir nicht mehr helfen und wir müssen überlegen, ob wir dich für ein Heim anmelden.“

Anna saß eine Weile still und sagte plötzlich: „Meine Strähnen sind grau. Die müssen gefärbt werden. Kannst du mir mal den Mantel geben?“
Lukas schnellte aus dem Sessel hoch und holte aus der Flurgarderobe den Mantel seiner Mutter.

Er hatte ein schlechtes Gewissen. Schon wieder hatte er ihr mit dem Heim gedroht, aber was sollte er tun?
„Kommst du nun endlich?“, fragte Anna ihn und schwenkte ungeduldig den Haustürschlüssel.

INTERVIEW MIT MARTINA LIPPERT

Interview am 21.03.2019 – mit Martina Lippert, geschäftsführende Gesellschafterin des Pflegedienstes Martina Lippert GmbH

Einführung:
Ich habe mit Martina Lippert in den vergangenen Jahren mehrfach gesprochen. Immer wieder habe ich dabei festgestellt, dass sie zu den Menschen gehört, die nicht irgendwie mit ihrem Beruf Geld verdienen wollen.

Ich spüre bei ihr eher eine Leidenschaft für das, was sie tut. Sie spricht mit solch einer Herzenswärme von ihrem Team, und von dem, was der Pflegedienst täglich zu bewältigen hat.

In diesem Interview habe ich sie danach gefragt, welche Eindrücke sie aus dem Urlaub mitgebracht hat, wie sie die letzten zweieinhalb Jahrzehnte ihres beruflichen Tuns heute sieht. Egal ob pflegender Angehöriger, Pflege – und Hilfsbedürftiger oder einfach interessierter Leser – ich glaube, es lohnt sich, die Menschen zu kennen, zu denen man vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt ein engeres Vertrauensverhältnis aufbauen will oder das bereits bestehende weiter stärken möchte.
Das folgende Interview will dabei helfen.

Interview am 21.03.2019
Frau Lippert, Sie haben kürzlich eine Reise mit dem Wohnmobil unternommen. Eine gute Gelegenheit, berufliche Dinge mit einem gewissen Abstand zu betrachten. Vor diesem Hintergrund wäre meine erste Frage an Sie:
Was ist Ihnen in einer der ruhigen Momente zuerst eingefallen, wenn Sie an die letzten 25 Jahre als Pflegedienstinhaberin gedacht haben?
Alles richtig gemacht.

Was haben Sie richtig gemacht?
Es war ein großes Glück, dass ich alles selbst gestalten konnte. Natürlich war es anfangs schwer für mich, sehr schwer. Ich musste ja nicht nur fachlich die Sache im Griff haben, sondern auch die administrative, die kaufmännische Seite. Das war für mich anfangs besonders schwer.

Noch einmal zurück zu Ihrem Urlaub: Was waren denn Ihre Highlights?
Wir sind über Maastricht, Luxemburg bis nach Barcelona gefahren und dann die Straße von Gibraltar am Mittelmeer weiter. Wir waren zum Beispiel in Tarifa, Spanien einem Hotspot für Kitesurfer.

Da habe ich Menschen gesprochen, die nicht mehr nach Deutschland zurückwollten. Sie wollten ihre Probleme hinter sich lassen. So sehr ich da manchen verstanden habe, so sehr war ich froh, dass ich mich doch in meinem Leben durchgebissen und nicht aufgegeben habe, trotz mancher Schwierigkeiten.

Aber man bekommt dort eine bestimmte Art der Gelassenheit, was wiederum schön ist, wenn man zur Ruhe kommen will.
Das war schon eine andere Welt. Manchmal habe ich gedacht, warum ich nicht einfach dort bleibe.

Warum haben Sie das gedacht?
Wenn Sie zum Beispiel Zuhause mit Menschen zu tun haben, die Sie fragen, warum sie nicht sterben dürfen, dann ist das schon eine Welt, die auch sehr belastet, psychisch und mental.

Ist das aber nicht auch ein Grund zurückzukommen, weil Sie wissen, dass die Menschen Sie brauchen?
Ja, auf jeden Fall. Wenn man helfen kann und wenn es nur ein tröstendes Wort ist, dann ist das immer gut.

Wie lange waren Sie eigentlich unterwegs?
Insgesamt 10 Wochen. Wir waren zu zweit unterwegs. Meine Reisefreundin mit einer jungen Schäferhündin und ich mit meinem Ursus, einem Cocker Spaniel. Das war natürlich auch manchmal stressig. Aber dann ist es umso erfreulicher, wenn man wieder die eigene 120 qm Wohnung zu Hause betritt.

Was haben Sie vermisst, als Sie wieder zu Hause waren?
Die Gelassenheit, die wir unterwegs angetroffen haben. Zum Beispiel in Benidorm, einem Badeort an der der Costa Blanca. Das war schon ein Traum, auch wenn es heute nicht mehr das kleine und verträumte Fischerdorf ist.

Und was tut Zuhause wieder gut?
Das Leben ist hier strukturierter, organisierter. Ich habe auch das Gefühl, wieder da zu sein für meine Mitarbeiter und meine Kunden, die auf mich gewartet haben und die mich brauchen.

Was hat sie am meisten in den letzten 25 Jahren geprägt?
Mich haben Menschen geprägt, denen ich helfen konnte, und denen ich beruflich weiterhelfen konnte. Zum Beispiel war da eine junge Frau, die Reinigungskraft werden wollte, um Geld zu verdienen.

Ich habe sie motiviert, zweimal in der Woche in die Abendschule zu gehen und sich zur Pflegehelferin ausbilden zu lassen. Später haben wir sie in unserer Seniorenwohngemeinschaft als Hauswirtschaftskraft eingestellt. Und heute ist als Pflegekraft in einem Pflegeheim tätig.

Das war vielleicht nur ein kleiner Schritt, aber ich bin noch heute stolz darauf. Menschen zu helfen, ihr Potenzial zu erkennen, sie ein Stück ihres Weges begleiten und zu fördern, darin sehe ich meinen Lebenssinn.

Lassen sich denn alle helfen?
Leider nein. Ich denke, dass manche Menschen einfach zu früh aufgeben. Das ist auch das, was mich heute am meisten stört, nämlich wenn einige zu früh aufgeben oder sich von vornherein in die „Hängematte“ legen, einfach ihre Chancen nicht nutzen. Für mich war es stets wichtig, gerade nicht aufzugeben, wenn es hart auf hart kam.

Können Sie das noch ein wenig näher erläutern?
Ich komme aus einem Elternhaus, indem mein Vater als Maschinenschlosser gearbeitet hat. Er war in der Autobranche tätig. Wir waren vier Mädchen Zuhause.

Ich hätte sehr gern den Beruf des Autoschlossers erlernt. Das war damals nicht möglich. Für Mädchen gab es diese Option nicht. Also ging ich arbeiten, um Geld zu verdienen. Geld für meine Ausbildung, die ich absolvieren wollte.

Welche Ausbildung?
Eine zur Krankenschwester. Ich bin also nach Menden gefahren und habe als vierzehnjähriges Mädchen in einem Betrieb gearbeitet, in dem Stahlstangen gefertigt wurden.

War das nicht physisch schwer?
Ja, sehr schwer. Aber es hat mich geprägt, nämlich mein Ziel nicht aus den Augen zu lassen

Wie ging es weiter?
Ich wollte danach in einem evangelischen Krankenhaus eine Ausbildung zur Krankenschwester absolvieren. Mein Vater aber wollte, dass ich die Ausbildung in einem katholischen Krankenhaus durchlaufe.

Und wer hat sich durchgesetzt?
Ich, mit Unterstützung meiner Mutter. Ich habe am 01.10.1975 meine Ausbildung in Iserlohn begonnen, obwohl ich erst 17 Jahre alt war und die Zustimmung meiner Eltern brauchte. Also hätte mein Vater auch gut diese Zustimmung verweigern können.

Was ist Ihnen heute wichtig, wenn Sie an die Zeit zurückdenken?
Ich habe es geschafft und bin meinen Weg gegangen. Ich wollte es besser machen, mein eigenes Geld verdienen.

Wenn Sie mal die heutige Zeit mit der von vor nahezu dreißig Jahren betrachten, was bleibt bei Ihnen besonders prägnant im Gedächtnis?
Naja, heute habe ich manchmal den Eindruck, dass viele mit Samthandschuhen angefasst werden.

Wie ist das zu verstehen?
Also, ich bin natürlich für einen fairen Umgang mit Mitarbeitern und Auszubildenden. Das schließt aber ein, nicht nur miteinander höflich umzugehen, was mir übrigens sehr wichtig ist.

Nein, wir müssen stets das Verhältnis von Fördern und Fordern im Blick haben und hier nicht zu schnell aufgeben. Einfach dranbleiben an den Menschen und ihren Problemen und ihnen aufzeigen, was es für sie bedeutet, wenn sie sich nicht anstrengen. Dass sie sich selbst ihre Zukunft verbauen.

Und, hatten Sie damit Erfolg?
Insgesamt schon. Aber es gibt natürlich auch Ausnahmen. Und wenn sich jemand nicht helfen lassen will, den Anforderungen nicht entsprechen will, dann sind uns auch die Hände gebunden, denn wir müssen die hohen Standards in der Pflege und Betreuung einhalten. Das heißt vor allem, alles für die eigene Qualifikation zu tun. Wir helfen immer, da wo wir können. Aber wenn jemand partout nicht will, dann haben wir auch keine Chance, ihn zu fördern.

Was hat sich noch verändert?
Früher konnten Sie also mit dem sogenannten hanseatischen Handschlag Geschäfte machen. Heute müssen Sie zum Kunden ca.15 Seiten mitnehmen, die er unterschreibt, damit der Prozess bei der Krankenkasse überhaupt in Gang gesetzt werden kann.

Worauf sind Sie besonders stolz, wenn Sie die letzten 25 Jahre zurückblicken?
Dass ich geschäftlich überlebt habe. Bei der Zulassung sagten mir Mitarbeiter aus der Krankenkasse, dass es sich mit mir ohnehin nach einem halben Jahr erledigt hätte.
‚Totgesagte‘ leben eben länger, wie so schön heißt. Bei allem Frust, der natürlich manchmal entsteht, wenn man mit der Bürokratie zu kämpfen hat, was bleibt, das ist die Freude im Umgang mit den Menschen.

Wie erholen Sie sich von stressigen Ereignissen?
Indem ich am besten in Lingen mit Ursus, meinem Cocker Spaniel spazieren gehe.

Frau Lippert, vielen Dank.

Jeepi – ich erzähle die Geschichten jetzt selbst – Folge 7

Hallo Krümel,
ich sitze gerade in dem Autohaus, wo alles seinen Anfang genommen hat. Heute ist ja der Reifenwechsel. Ich bekomme jetzt sozusagen meine Sommerschuhe.

Gleichzeitig hat mein Fahrer darum gebeten, dass bei mir ein kleiner Gesundheitscheck durchgeführt wird. Er meinte, dass es besser sei zu schauen, ob bei mir noch alle Schrauben fest sind. Hallo, hast du das gehört? Der will wirklich wissen, ob bei mir vielleicht ne‘ Schraube locker ist.

Er meinte, ich solle mich beruhigen, weil es ja nur zu meinem Besten sei. Aber weißt du, was das bedeutet? Ich kriege überall Schutzfolien an. Über das Lenkrad, den Sitz, den Fußboden. Das ist, als würden sie dir ein Operationshemd verpassen.

Na ja und dann werde ich auch noch nach oben gehievt und muss dort eine Weile so verharren. Aber was soll ich machen? Immer wenn es besonders unangenehm wird, sagen die Leute meist, es sei nur zu deinem Besten.

Achte mal in deinem Leben drauf, und du wirst sehen, wie oft dir dieser Spruch begegnet. Und dann prüfe lieber, zu welchem Besten es wirklich ist, zu deinem oder doch eher zum Besten desjenigen, der dir das einzureden versucht.

Aber na gut, bei meinem Fahrer liegt das auf der Hand. Er will, dass ich fit bin, wenn wir zur Ostsee hochfahren. Er denkt da an dich und an deine Mutter, weil ihr ja zusätzlich bei mir mitfahrt.

Übrigens, kaum war mein Fahrer im Autohaus und hatte mich zum Check abgegeben, da ist er schon durch die Hallen gewandert und hat sich die anderen Autos angeschaut. Da steht zum Beispiel ein kleines Fiat-Mädchen mit einem himmelblauen Kleid an.

Die sieht richtig schick aus. Ich habe ihr ein paar Mal zugezwinkert. Aber die hat nur mit ihren kleinen Spiegeln gezuckt und sich gar nicht weiter um mich gekümmert. Vielmehr hat sie einem großen und starken Jeep schöne Augen gemacht.

Er heißt ‚Wrangler‘. Der hat dicke Muskeln, einen breiten Oberkörper und er steht ziemlich breitbeinig herum, der Angeber. Der Verkäufer wollte auch gleich mit meinem Fahrer einen Beratungstermin ausmachen, damit mein Fahrer mich umtauscht, gegen diesen Muskelprotz.

Aber der hat geantwortet: „Wir haben uns mit Jeepi angefreundet und das ist auch der Freund von meinem Krümel.“
Der Verkäufer hat nur stumm genickt und meinem Fahrer prüfend ins Gesicht geschaut, so als würde er wissen wollen, ob die Sekretärin vorne am Tresen ein Aufputschmittel in die Kaffeemaschine hineingetan hat. Endlich war es soweit.

Ich wurde von den ganzen Verkleidungen und Abdeckungen befreit und kam mit den neuen Sommerreifen herangerollt. Mein Fahrer war begeistert. Wir sind fröhlich pfeifend, ich meine hupend vom Werkstatthof gefahren und Richtung Heimat gedüst.

Unterwegs haben wir überlegt, ob wir noch schnell einen Abstecher zu dir rein, in die Kita machen. Aber dann hat mein Fahrer sich wieder für seinen doofen Schreibtisch entschieden.

Seitdem stehe ich hier im Carport und denke an dich. Am Sonntag kommen wir angebraust. Dann kommst du runter und kannst mir ja mal ‚Guten Tag‘ sagen. Ich würd‘ mich jedenfalls freuen.
Bis Sonntag, dein Jeepi

Jeepi – ich erzähle die Geschichten jetzt selbst – Folge 6

Hallo Krümel, hier ist wieder Jeepi, wie jeden Freitag. Weißt du was? Ich kriege heute neue Schuhe, die für den Sommer. Ich meine natürlich Räder, du verstehst schon.

Mein Fahrer, der hat mich vor zwei Tagen extra zum Waschen und Fönen geschleift, obwohl es geregnet hat. Ich bin halb trocken wieder aus der Waschanlage hinausgedrängelt worden. Da kennt mein Fahrer nichts.

Er sagt zwar, dass er mich sehr gern hat, aber überleg‘ doch mal selbst: Würdest du, den du gern hast, mit nassen Haaren in den Regen schicken und sagen, dass der Rest vom Wind getrocknet wird? Wohl eher nicht. Siehst du!

Aber mein Fahrer, dein Opa, der macht so etwas. Ich bin ihm aber nicht wirklich böse. Wir sind ja in dem dreiviertel Jahr gute Freunde geworden. Überleg mal: Als du acht Monate alt geworden bist, da hat dein Opa, mein jetziger Fahrer, mich gekauft.

Und nun bin ich schon acht Monate mit meinem Fahrer zusammen. Also genau die Hälfte deiner Lebenszeit kennen wir uns nun auch schon. Und darüber bin ich richtig froh.

Wenn ich nur mit meinem Fahrer zusammen auf Tour gehen würde, das wäre nichts für mich. Schau mal, was wir schon gemeinsam erlebt haben. Du bist mit mir gleich am Anfang nach Rügen an die Ostsee gestartet. Dort habt ihr mit euren Füßen nach dem Strand fast meinen ganzen Fußboden versandet.

Wir waren Weihnachten in Sassnitz. Da bist du fröhlich in der Ferienwohnung umhergelaufen und ich musste draußen frieren. Und dann, du erinnerst dich bestimmt, sind wir zu deiner Oma gefahren und wir haben sie in der Reha-Klinik besucht.

Auf der Hinfahrt hast dich zweimal übergeben, weil dein Kreislauf noch nicht die vielen Kurven verkraftet hat. Na, mein Fahrer hätte auch mal einen Gang runterschalten können.

Ich freu‘ mich schon auf Ostern, wenn wir wieder gemeinsam nach Rügen fahren. Und du wirst wahrscheinlich auf der großen Fahrt einschlafen, aber hoffentlich dein Opa nicht. Aber du, du darfst das.

Außerdem spüre ich dadurch, dass du dich bei mir wohl und sicher fühlst.

Mein Fahrer sagt manchmal zu mir: „Dicke Autos fahren, das kann jeder. Aber eine Freundschaft pflegen, wie zwischen uns allen eben, das geht nur mit Jeepi.“

Bis bald Krümel. Heute Abend erzähle ich dir, wie es beim Schuh…, äh, ich meine Reifenwechsel gelaufen ist. Bis dahin wünsche ich dir einen schönen Tag in der Kita.
Dein Jeepi.

Hilfe, die Gartenarbeit geht wieder los (4)

„Hol dir doch schnell eine Zeitung aus der Küche“, rief Klara zurück.
Schnell. Wenn ich das schon hörte. Ich musste aufstehen, nach vorn latschen, die Schuhe ausziehen, reingehen, Zeitung holen, Schuhe wieder anziehen.

Das wird schon so gehen, ohne Zeitung, dachte ich bei mir. Ich vertiefte mich wieder in die Anleitung. Ich soll eine Knebelschraube lösen, im Gegenuhrzeigersinn. Was für ein Wortgetüm, ‚Gegenuhrzeigersinn‘.

Reichte es nicht zu schreiben, ‚entgegen dem Uhrzeiger‘? Jetzt sollte ich die Sägekette auf das Schwert legen und die Laufrichtung der Kette beachten und außerdem zusehen, dass die Schneidezähne auf der Oberseite des Schwertes nach vorn zeigen.

Was war jetzt vorn? Das freistehende Ende der Sägekette sollte nun auch noch über das Kettenantriebsrad gelegt werden. Ja, was denn noch alles? Sollte man nicht für diese Texter wieder die Folterstrafe einführen?

Ich war dafür. Oder noch besser: Man müsste mit dem Finger schnipsen können und dann sollte derjenige, der das geschrieben hat, auf der Terrasse sein.

„Das ist doch ganz einfach“, höre ich den Texter schon sagen. Und der, der diese undurchsichtigen Zeichnungen angefertigt hat, würde hinter ihm stehen und wahrscheinlich grinsen. Es ist alles einfach.

Vorausgesetzt, wenn du es schon hundert Mal gemacht hast oder aber dem anderen nur sagen musst, dass es einfach sei und du dich danach sofort aus dem Staub machen könntest.

Kursikowski roch den Braten, nämlich, dass ich nicht weiterkam. Er wäre auch bereit, sofort einzuspringen. Aber zu welchem Preis. Zum Preis, dass wir den Tag mit ihm verbringen würden, die Sägekette wahrscheinlich immer noch nicht eingespannt war, wir aber viele schlaue Sätze von ihm gehört hätten.

Ich rief Klara. Sie nahm die Anleitung, las ein wenig und sagte dann zu mir: „Halt mal die Säge fest und fass‘ nichts an.“
Ich fasste doch mit an. Dadurch dauerte es noch ein wenig länger. Aber schließlich hatten wir die Säge soweit.

„Ich probiere sie jetzt mal aus“, sagte ich zu Klara und ging entschlossen in Richtung Baumstumpf.
„Aber komm‘ nicht mit dem Sägeblatt in die Erde. Dann ist die sofort stumpf.“

„Geht klar“, sagte ich und drückte auf den Knopf.
Es bewegte sich nichts. Wir überprüften unsere Stromverbindung und versuchten es erneut. Wieder nichts.

„Wir müssen das Schutzschild hier nach vorn schieben“, sagte Klara plötzlich. Sie hatte noch einmal in der Anleitung gelesen. Die Säge heulte auf und ich hielt sie sofort an eine der Wurzeln. Ich hatte sie schnell durchgesägt.

„Ich bin mal schnell drinnen. Kannst du auf mich warten?“, fragte Klara. Ich wollte nicht warten. Kaum war sie verschwunden, schmiss ich die Säge an und setzte an der nächsten Wurzel an. Ich kämpfte mich durch. Plötzlich war alles vorbei. Die Sägekette war herausgesprungen.

„Du hast die Säge in der Erde gehabt“, sagte Klara, die plötzlich wieder hinter mir stand. Wir kriegten das alles wieder hin. Ich begann erneut zu sägen. Es funktionierte. Aber es ging nicht vorwärts. Die Sägekette war stumpf geworden.

„Was hältst du davon, wenn wir den Baumstumpf so lassen und einen schönen Blumentopf draufstellen?“, fragte ich Klara.
Die antwortete nicht. Sie war bedient. Unser Elan war wie weggeblasen.

Ich half Klara noch, alles wegzuräumen. Ich duschte danach, setzte mich vor den Fernseher und schaute mir einen Abenteuerfilm an. Ich bewegte mich am Samstag nicht mehr.

Hilfe, die Gartenarbeit geht wieder los (3)

„Ich dachte, du fängst hier an zu graben.“ Es war Samstagmorgen, die Sonne schien und Klara war voller Elan. Sie dachte also für mich mit. Sie dachte gar nicht daran, mich allein denken zu lassen, wo ich anfangen wollte. Nein. das kam für sie gar nicht infrage.
„Ich dachte das nicht!“, sagte ich.

„Ich fange hier an.“ Entschlossen nahm ich den Spaten und ging zu der Stelle, wo ich dachte, dass ich anfangen würde. Ich hätte natürlich auch dort beginnen können, wo Klara es mir gezeigt hatte.

Aber warum musste sie mir laufend zeigen, wo es lang ging? Noch dazu, wo auf der anderen Gartenseite in dem Moment ein fröhliches „Guten Morgen“ erscholl. Ich drehte mich um und schaute direkt in das Gesicht unseres Nachbarn, Herrn Kursikowski.

Na klar, der durfte ja nicht fehlen, wenn Klara und ich einmal im Garten etwas tun wollten. Herr Kursikowski hakte den Rasen ab, kleinteilig. Nicht, dass er das mit Schwung tat.

Nein, nein. Er strich mit seiner Harke ganz zart über den Rasen, immer wieder über die gleiche Stelle. Denn dort, wo er stand, konnte er alles bestens bei uns überblicken.

„Na, geht’s wieder los?“, fragte er einschmeichelnd.
„Ja, geht los“, brummte ich.
Ich war mit Absicht kurz angebunden. Hatte er mich erst einmal am Wickel, ja dann konnten wir unsere Arbeit am Vormittag vergessen. Also fing ich sofort an zu graben.

Jetzt begann ich doch dort, wo Karsta dachte. Ich wollte mit ihr keinen Disput vor Kursikowski anfangen. Klara war mal wieder der ‚Koch‘ und ich war der ‚trottlige Kellner‘, der nicht mal wusste, wo er anfangen könnte zu graben.

Der Baumstumpf der bereits im vergangenen Jahr gefällten Tanne sollte heute endgültig verschwinden. Erst einmal legten wir die Wurzeln frei. Jedenfalls versuchten wir das. Ich kam sofort ins Schwitzen und zog meinen Pullover aus.

Dabei lugte ich aus den Augenwinkeln zu Kursikowski rüber. Der hielt sich jetzt an der Harke fest und schaute uns ungeniert zu.
„Hat der denn nichts zu tun?“, murmelte ich leise.

„Ja, hat er. Der beobachtet dich, wie du dich anstellst.“
„Lass uns mal die Kettensäge fertigmachen, damit wir nachher gleich anfangen können, die Wurzeln abzusägen“, erwiderte ich und ließ den Spaten fallen.

Ich ging zur Terrasse. Auf dem Tisch lag die nagelneue Säge. Das Sägeblatt musste noch montiert werden.
„Du musst dir die Anleitung durchlesen, bevor du anfängst“, sagte Klara.

Die Anleitung durchlesen. Auch das noch. Ich hasste das. Meist verstand ich nicht, was dort geschrieben war. Lustlos nahm ich das Heft in die Hand und blätterte darin herum.

Schwert und Kette könnten ohne Werkzeuge montiert werden, versprach der Text. Ich entschloss mich, das ganze nun systematisch anzugehen. Ich sollte die Kettensäge auf eine stabile Unterlage legen.

Sie lag auf unserem Gartentisch, den wir erst im vergangenen Jahr erworben hatten. Es fehlte nur eine Zeitung oder ein Stück Pappe, damit keine Kratze auf die Tischplatte kamen. Ich schaute mich um. Nichts zu sehen.

„Kannst du mal eine Zeitung besorgen?“, rief ich Klara zu und beobachtete aus den Augenwinkeln Kursikowski. Der schaute unglücklich, denn ich verdeckte mit meinem Rücken den Blick auf unsere Geheimwaffe.

Fortsetzung – Teil 4

Hilfe, die Gartenarbeit geht wieder los (2)

Am schlimmsten war es, erst einmal alles wegzuräumen, die Stühle hochzustellen, die Teppiche auszuklopfen. Ich tüftelte an einem System, in welcher Reihenfolge ich was tat.
Klara verdrehte nur die Augen und sagte danach zu mir:
„Du sollst nur saugen!“.
Das traf mich.

„Du schätzt das nicht, was ich tue“, sagte ich dann.
„Weißt du, mich hast du früher nie gelobt, wenn du nach Hause gekommen bist und alles sauber war. Höchstens hast du gesagt, dass da noch ein Fussel auf dem Teppich sei.“

Das stimmte. Und ich begriff erst jetzt, was das alles für eine Arbeit machte. Endlich war alles hochgestellt. Der Count down begann. Ich saugte durch, erst unten, dann oben.

Als ich fertig war, kam mir der Gedanke, gleich durchzuwischen. Das machte Klara eigentlich am Samstagmorgen, während ich bereits wieder am Schreibtisch saß und mich freute, dass ich fertig war mit meinem Teil.

Ich holte den Behälter aus der Nische, in dem ich den Lappen zum Aufwischen vermutete. Es polterte und mir flogen kleinere Flaschen entgegen. Ich fluchte laut. Konnte Klara hier nicht mal Ordnung halten? Nein, konnte sie nicht. Und ich hatte es aufgegeben, das anzumahnen.

Dann kam stets der gleiche Satz: „Ich finde alles und du suchst in deinem System vergeblich.“
Das stimmte irgendwie.

Aber nur, weil ich das System stets verfeinerte, dabei die Ablage änderte und vergaß, die alten abgelegten Zettel in das neue System einzuordnen.

Was machte Klara? Sie hob einen Stapel mit Akten, Papier und Heften hoch, ungeordnet, nicht auf Kante gelegt. Und dann zog sie mit spitzen Fingern den richtigen Zettel aus dem Stapel. Ich fand das ungerecht.

Ich musste mich jetzt konzentrieren. Wo waren die Spülmittel, die Klara in den Behälter tat? Egal, ich nahm von jeder Flasche, die ich fand, ein bisschen und mischte es ins Wasser hinein. Es konnte losgehen.

Ich wischte die Fliesen im Kellervorraum, ging dann die Treppe hoch und machte in der Küche weiter. Manche Flecken ließen sich nicht gleich wegwischen.

Ich musste mich also bücken und rubbeln. Ich bereute es, dass ich damit überhaupt begonnen hatte. Schließlich war ich fertig und haute mich in einen Sessel.

Eigentlich müsste ich am Text weiterarbeiten. Aber ich fühlte mich, als hätte mich jemand verprügelt. An dem Tag habe ich nur noch vor dem Fernseher gesessen. Am Samstag, ja da konnte ich mich ja wieder bewegen, Garten mit Spaten und Kettensäge.

Hilfe, die Gartenarbeit geht wieder los (1)

Es sollte schön werden am Wochenende. Das versprach zumindest der Wetterfritze vom Fernsehen.
„Wollen wir denn am Samstag den Holzstumpf von der Tanne ausgraben?“, fragte Klara. Es war Donnerstagabend.

„Dann muss ich ja schon am Freitag saugen“, sagte ich zu ihr. Mich schauderte, dass ich zwei Tage hintereinander körperlich arbeiten sollte. Das war ich nicht gewöhnt. Am Schreibtisch sitzen, bis der Rücken schmerzt, ja das konnte ich.

Aber alles andere, das machte ich nur notgedrungen. Doch was half es. Ich war nun mal zuhause. Ich war ja nun auch Rentner.

„Du bist doch jetzt Rentner“, sagte mir kürzlich meine Steuerberaterin, als ich sie fragte, warum sie nicht mehr am selben Tag zurückrufen würde.

„Ja gut, dass du mir das sagst. Und warum muss ich an dich den gleichen Satz für die Abrechnung meiner Umsätze zahlen?“, fragte ich sie daraufhin. Sie schwieg am Telefon.

Klara sagt das ebenfalls zu mir, das mit dem Rentner. Sie sagt es aber, damit ich kürzer trete und nicht so tue, als müsste ich die Welt noch einreißen.

Also fügte ich mich in das Unvermeidliche und entschloss mich, am Freitag zu saugen. Vorher arbeitete ich morgens noch konzentriert an einem Auftrag, von sechs Uhr früh an. Es war inzwischen 09.00 Uhr geworden.

Ich schweifte immer wieder gedanklich ab und dachte daran, dass ich ja noch saugen müsste. Also machte ich den Computer aus und zog mich in meine Sportsachen um.

Das tat ich, weil ich dann das Gefühl bekam, ich würde etwas für die Gesundheit tun. Jetzt hatte ich das Saugen vor mir und meine Laune trübte sich ein, wenn ich daran dachte, dass es ja damit erst begann. Und Am Samstag würde es ja weitergehen.

Wie hatten wir das nur alles früher geschafft, als wir noch den Garten in Polchow hatten?

Irgendwie kriegten wir das alles hin. Als ich Ende 89 und Anfang der 1990er an meiner Doktorarbeit schrieb, da fuhren wir ebenfalls nach Rügen hoch.

Es war eben unser Stück Heimat, das wir uns bewahren wollten. Aber am Montag, nach der Fahrt über die Dörfer und durch die kleinen Städte, Greifswald, Anklam, Pasewalk, Woldegk, Prenzlau und dann über die holprige Autobahn, ja da war ich schlag kaputt und schlief am Schreibtisch ein.

Was brachten mir diese Gedanken jetzt? Überhaupt nichts. Ich sollte mit dem Saugen anfangen.

Teil 2 – Dienstag, 26.03.2019

JEEPI – ICH ERZÄHLE JETZT SELBST DIE GESCHICHTEN – FOLGE 5

Hallo Krümel, wir haben lange nichts voneinander gehört. Hier ist Jeepi, dein bester Freund, nach meinem Fahrer und deinem Opa natürlich.

Ich wollte ja schon längst, dass dir mein Fahrer mal schreibt. Aber nein, der hampelt wieder mit seinen Texten herum und jammert, dass er nichts fertig bekommt.

Am Donnerstag, da konnte er mittags nicht mehr denken. Hat er jedenfalls laut gesagt und hat sich darum vorgenommen, den Carport auszufegen. Das will er schon seit Wochen machen.

Naja, du weißt ja, der braucht immer ein bisschen. Also am Donnerstag hat er mich erst einmal aus dem Carport geschubst, weil er ja sonst nicht fegen konnte. Ich musste in der Zwischenzeit in so einer kleinen Parkbucht stehen. Nur mit zwei Rädern. Mein Fahrer war zu faul, alle meine vier Räder vernünftig zu parken.

„Ist doch nur für eine halbe Stunde“, meinte er zu mir. Ne, klar. Was meinst du, wenn ich ihm sagen würde, er soll mal für eine halbe Stunde auf einem Bein stehen und das andere baumeln lassen.

Kaum hatte mein Fahrer angefangen zu fegen, da kam auch schon die Nachbarin und fing an, ihr Blumenbeet zu haken.
„Ach, auch mal bewegen“, fragte sie ihn. Mein Fahrer war innerlich leicht genervt.
„Auch mal bewegen?“, fragt die ihn. Ja, was glaubte sie denn? Dass mein Fahrer sonst am Schreibtisch angekettet ist? Also da musste ich ihm ja nun mal Recht geben.

„Ich fege hier nur, damit Sie mir gleich noch ein paar gute Ratschläge für die Bewegung geben können“, antwortete er. Das hätte er sich ja nun auch verkneifen können.

„Ja, wissen Sie, Bewegung ist so wichtig!“, sagte sie daraufhin zu ihm, ohne auf seine spöttische Art einzugehen. Sie war bis vor kurzem noch Geschäftsführerin beim Deutschen Roten Kreuz. Und sie dachte wahrscheinlich, dass der Dicke gut ein paar Ratschläge von ihr gebrauchen könnte.

Mein Fahrer findet sie ja nett und ist froh, dass er so eine angenehme, eigentlich unaufdringliche Nachbarin hatte.

Aber nun gingen mit ihm mal wieder die Pferde durch und er sagte: „Wenn das so gut ist, das mit der Bewegung, warum sehe ich Sie denn so wenig Sport treiben?“

Für einen kurzen Moment, war mein Fahrer bereit, in Deckung zu gehen, weil sich ihr Arm, mit der kleinen Unkrautschaufel in der Hand, gefährlich in seine Richtung bewegte.

„Ich tue sehr viel für die Gesundheit“, sagte sie mit etwas höherer Stimme. Sie spitzte den Mund etwas mehr dazu.

„Prima, dann sind Sie ja unsere Favoritin beim nächsten Dorfsportfest“, sagte mein Fahrer trocken. Jetzt musste sie auch ein wenig lächeln, weil sie wusste, dass mein Fahrer gerne scherzte.

Ach Krümel, du musst hier mal wieder herkommen. Mein Fahrer und ich, wir holen dich auch von Zuhause ab. Und dann habt ihr zusammen Spaß beim Fegen, und ich schau‘ euch zu.
Bis bald mal.
Dein Jeepi.

Pflegedienst Gehrmann – zweieinhalb Jahrzehnte an der Seite seiner Klienten

Der Pflegedienst Gehrmann geht in das 25. Jahr seines Bestehens. Das ist umso beachtlicher, wenn man den guten Ruf mit in Betracht zieht, den die Einrichtung in und um Brandenburg von Anfang an genießt.

Ich schreibe über den Pflegedienst und seine angeschlossenen Tagespflegen seit über fünf Jahren. Klar ist, man bleibt ein Außenstehender, einer, der beobachtet, der nach dem gesprochenen und geschriebenen Wort geht.

Ich kann deshalb nicht sagen, dass ich den Pflegedienst Gehrmann exzellent kenne. Nein, das ist nicht der Fall. Aber ich habe mich unzählige Male damit beschäftigt, was der Pflegedienst auf seiner Homepage sagt, was ich im Interview gehört habe.

Als jemand, der selbst seit drei Jahrzehnten mit Menschen im Dienstleistungssektor zu tun hat, entwickelst du ein untrügliches Gespür dafür, wer sich in den Vordergrund schieben will und wer einfach seine Arbeit macht, dafür lieber auf das Wohl seiner Klienten achtet.

Das Team vom Pflegedienst Gehrmann macht auf mich bis heute einen eher zurückhaltenden, ja bescheidenen Eindruck. Manchmal denke ich darüber nach, in wessen Hände ich mich begeben würde, müsste ich zum Beispiel einen Pflegedienst beanspruchen. Beim Pflegedienst Gehrmann GbR hätte ich da ein gutes Gefühl, naja, eigentlich ein sehr gutes.

Sommer 1994 – der Beginn einer Erfolgsgeschichte, unaufgeregt aber stetig
Der Pflegedienst wurde am 01. Juli 1994 als Sozialstation eröffnet und ist seitdem in Brandenburg, genauer in Oranienburg und Umgebung tätig.

„Unsere Schwerpunkte in der Dienstleistung sind die ambulante Pflege, die Hauskrankenpflege, die Tagespflege und die hauswirtschaftliche Versorgung“, so Antje Gehrmann.

Besonders stolz ist das gesamte Team auf die beiden Tagespflegen – „Süd“ und „Kolibri“. Die ältere von beiden ist die Tagespflege „Süd“. 2017 kam die Tagespflege „Kolibri“ hinzu.

Plätze sind für jeweils 28 Gäste in den Einrichtungen vorhanden. Krankenschwestern, Altenpflegerinnen, eine Heilpädagogin und eine Physiotherapeutin sind für die Pflege- und Hilfsbedürftigen da, kümmern sich um deren Wohl und bereiten ihnen im Alltag gemeinsam schöne Stunden.

Die Details können vom interessierten Leser auf der Blogseite und der Homepage nachgeschlagen werden.

https://uwemuellererzaehlt.de/2017/10/14/pflegedienst-gehrmann-stellt-sich-vor/

http://www.oranienburger-pflegedienst.de

Antje Gehrmann, stille Macherin mit Herz
Antje Gehrmann zieht die Fäden im Hintergrund, ist Mitglied der Geschäftsleitung, kennt die Sorgen der Pflege – und Hilfsbedürftigen und deren Angehörigen sehr gut und ist vor allem eines: ein Mensch, dem man wirklich vertrauen kann.

Wer sieht, wie Antje Gehrmann heute in der Geschäftsleitung agiert, der käme nicht auf den Gedanken, dass sie jemals etwas Anderes in ihrem Leben getan hätte.

Dabei hat sie einmal in einem ganz anderen Bereich ihren beruflichen Weg begonnen. Ihr Großvater zeigte ihr von klein auf, wie man mit Bienen umgeht. Das war ihre große Leidenschaft, sie hat es quasi von der Wiege an mitbekommen.

Ihr Großvater vererbte Antje Gehrmann ein ganzes Bienenhaus, ca. 30 Bienenvölker. Sie kamen leider fast alle um, bei einer schweren Bombendetonation im Jahr 1992 und der daraufhin ausgelösten Druckwelle.

Auf den ersten Blick wird nicht gleich sichtbar, welche Gleichnisse es gibt, zwischen ihrer Liebe zur Bienenzucht und ihrem heutigen Beruf. Das erfährt man, wenn man sich näher mit dem Menschen Antje Gehrmann beschäftigt.

Sich mit Bienenzucht zu befassen erfordert viel Leidenschaft, Sensibilität, große Ausdauer und ein solides fachliches Wissen. Antje Gehrmann verfügt über genau diese Eigenschaften und deshalb war es ganz und gar nicht umsonst, dass sie mal so begonnen hat.

Später hat sie sogar ein Studium im Fach Agraringenieurswesen für Bienenwirtschaft angefangen. Die Schule wurde nach der Wende aufgelöst und Antje Gehrmann kehrte zurück Oranienburg. Was seit 1994 für Antje Gehrmann mehr und mehr zur Berufung wurde – das ist die Pflege und Betreuung von pflege- und hilfsbedürftigen Menschen.

Ihre Mutter, Christine Gehrmann, gründete nämlich im Juli 1994 einen eigenen Pflegedienst. Hier war Antje Gehrmann von Anfang an mit tätig, half ihrer Mutter und dem gesamten Team den Pflegedienst zu profilieren, lernte dabei selbst ständig hinzu, wuchs quasi in die Pflege hinein. 1999 wurde aus „Schwester Christine“ der „Pflegedienst Gehrmann GbR“, indem Antje Gehrmann seitdem in der Geschäftsleitung mitwirkt.

Wie es weiterging was Antje Gehrmann wichtig an Erfahrungen noch heute wichtig ist, das kann man am besten in ihrem Interview auf dem Blog nachlesen.

Mehr:

https://uwemuellererzaehlt.de/2017/06/03/antje-gehrmann-im-interview/

DIE BREMER KOMMEN (2)

„Wer war denn dran, am Telefon?“, setzte Peter erneut an.
„Ach weißt du, das waren nur die Bremer. Sie wollen mich gleich besuchen.“

„Und freust du dich?“, hakte Peter nach.
„Nö“, sagte Anna wieder leicht gereizt. Anna erzählte Klara abends davon, wie sehr sie unter dem Alleinsein litt. Und nun kam jemand. Das war ihr auch nicht recht.

Doch das waren die Gedanken eines gesunden Menschen. Anna fühlte sich einsam, konnte aber auch nicht mehr damit umgehen, dass ihre Tagesstruktur durchbrochen wurde – essen, spritzen, essen, schlafen, spritzen, fernsehen, telefonieren. Das klingt gleichförmig. War es auch. Aber für Anna war jeder Teil für sich eine Herausforderung.

„Hast du denn schon ein zweites Frühstück gemacht?“ Peter musste das unbedingt fragen. Deshalb rief er überhaupt an, denn er teilte das anschließend Klara mit. Es ging um die Zuckerwerte von Anna, die stabil gehalten werden sollten. Waren irgendwelche Auffälligkeiten, dann informierte Klara anschließend Lukas und der machte sich auf den Weg zu Anna.

Das Netz der Betreuung war dicht geflochten und es wurde zunehmend enger.
„Ja, hab‘ ich.“
„Was hast du denn gegessen?“
„Weiß ich nicht mehr.“
Peter schwieg, machte eine Pause. Das war manchmal besser, für beide Seiten.
„Was gibt es denn zu Mittag bei dir?“, fragte er jetzt.
„Weiß ich nicht, muss ich gucken.“ Aus Anna war nichts herauszubekommen.
„Und weißt du denn, wie lange die Bremer bleiben?“
„Das ist mir scheißegal! Das interessiert mich überhaupt nicht.“

Anna mochte die Bremer, sie hatte sich immer für sie interessiert. Aber nun war es scheißegal. Was treibt einen Menschen an, wenn ihm alles egal ist? Das fragte sich Peter.

Es war wieder die falsche Frage, auch wenn er sie sich nur im Stillen gestellt hatte. Ihm war es nicht egal, und er war gesund, geistig, noch jedenfalls. Anna hatte mit ihrer Demenz zu kämpfen.

Peter musste sich beim nächsten Mal wieder an Annas Gemütsbewegungen gewöhnen und sie mit einer kleinen Geschichte von Krümel aufheitern. Dann lachte Anna, meistens.

DIE BREMER KOMMEN (1)

Das Telefon war besetzt. Peter versuchte es nach fünf Minuten noch einmal. Jetzt hatte er sich gerade durchgerungen und nun ging Anna nicht ran, weil sie wahrscheinlich selber telefonierte.

Vielleicht rief sie ja wieder seine Eltern im Dresdner Pflegeheim an. Das hat sie Jahrzehnte nicht getan, doch nun tat sie es und verneinte das vehement, wenn Klara sie danach fragte.

Peter wusste es von Klara und die wiederum von Peters Vater. Er sprach mit ihm kaum. Das übernahm Klara. Sie war diplomatischer und keiner musste nach einem belanglos beginnenden Telefonat den diplomatischen Abbruch fürchten.

Aber das mit Peters Eltern, das war eine Story für sich. Bei Anna lagen die Dinge anders. Peter hatte Klara versprochen, sich täglich am Vormittag für ein paar Minuten um Anna zu kümmern.

Die Gespräche verliefen ziemlich gleich und wiederholten sich, manchmal Wort für Wort. Zum Beispiel, dass die gegenüberliegende Häuserwand so scheußlich feucht aussah. Heute nun lief das Telefonat nicht in seinen gewohnten Bahnen. Als Peter sie zum zweiten Mal anrief, da ging Anna ran.

„Hast du gerade telefoniert?“, fragte Peter.
„Nein. Wie kommst du darauf?“
Peter musste schlucken, weil es ihm schwerfiel, einfach zu glauben, dass Anna nicht mehr wusste, dass sie gerade mit jemanden gesprochen hatte.

„Ich komme darauf, weil dein Telefon besetzt war. Also musst du zwangsläufig mit jemandem kommuniziert haben.“

„Was hab‘ ich gemacht?“ Annas Stimme klang leicht gereizt.
Das war immer so, wenn sie etwas nicht verstand. Dann war natürlich der andere daran schuld. In diesem Fall Peter. Er gab Anna im Stillen Recht. Musste er dieses hochtrabende Wort ‚kommunizieren‘ nehmen?

Bei jeder Autorenschulung würde man dafür sofort eins auf den Deckel bekommen, weil es ja schlichter formuliert werden könnte, so wie ‚sprechen‘, ‚mit jemandem unterhalten‘, ‚mit jemanden telefonieren.“

Warum also gerade kommunizieren? Peter wusste es nicht. Gerade er, der ein Gegner von schwülstigen Ausdrücken war, die oft intellektuelles Getue zum Ausdruck brachten und in Wirklichkeit Worthülsen waren, mit denen man den anderen beeindrucken wollte. Das ging im Gespräch mit Demenzkranken nun schon gar nicht.
Teil 2 folgt.

ERINNERUNG AN POLCHOW IM SOMMER

Dieser Morgen war sonnig und klar. Es war die schönste Zeit, wenn alle noch schliefen und ich im Bademantel, mit einem Handtuch bewaffnet, vom Bungalow aus zum Hafen am Bodden hinunterging.

Vom Hafen selbst war nicht viel übriggeblieben, und gerade das machte ihn so anziehend. Schon von weitem sah ich einige Holzpfähle, die man in den Boden des Boddens gerammt hatte, um den Hafeneingang vor Sturm zu schützen.

Sie waren im Laufe der Zeit morsch geworden, manche Pfähle ragten nur noch wie abgebrochene Streichhölzer aus dem Wasser. Auf ihnen saßen kreischende Möwen, so als würden sie sagen wollen, dass nur sie dort zuhause wären und kein anderer. Rechts und links des Hafengeländes wogte Schilf im Wind und es roch nach Tank.

Eine frische Brise wehte herüber, sanft genug, um sie tief einzuatmen, sich dabei gleichsam zu strecken und die Stille ringsherum in sich aufzunehmen.

Auf dem Wasser waren kleine Schaumkronen zu sehen, die auf den Strand zutrieben. Ich ging zum Bodden hinunter, um zuerst die Badehose auszuziehen und dann ins Wasser zu gleiten.

Vorher schaute ich mich noch um, ob wirklich kein Mensch zu sehen war. Etwas weiter weg, über die Straße rüber, am Ostseestrand, da war die Sache klar. Es gab faktisch keinen Textilstrand, sondern die Badenden liefen fast ausnahmslos nackt ins Wasser.

Hier an der Boddenseite aber, da war es etwas anders. Es ging gesitteter zu und die wenigsten waren Anhänger der Freikörperkultur.

Ich schon, aber nur, wenn ich in den frühen Morgenstunden allein hier unten war. Doch ich war vorsichtig. Manchmal lugte ja hinter dem Schilf plötzlich noch eine ältere Dame hervor und wackelte auf den Strand zu, direkt dorthin, wo mein Handtuch lag.

Splitterfasernackt rief sie mir schon von weitem ein fröhliches ‚Guten Morgen‘ zu.
„Warum kann hier nicht mal eine Meerjungfrau aus dem Wasser steigen?“, fragte ich mich in diesen Momenten.

Heute war keiner zu sehen, die ältere Dame auch nicht. Also streifte ich zügig die Badehose ab, lief mit schnellen Schritten ins Wasser, um mich dann kopfüber gänzlich hineinzustürzen und sofort hastig los zu schwimmen, mich dann sofort auf den Rücken umzudrehen und heftig mit den Beinen zu strampeln, in der Hoffnung, ich würde die Kälte nicht mehr so spüren.

Ich hielt es aber nie lange aus und eilte aus dem Wasser, um mir mit dem Handtuch den Rücken abzurubbeln. Erst wenn ich wieder im Bademantel eingehüllt war, ließ ich den Blick über das Wasser, die eingerahmten Pfähle, das Schilf schweifen.

Bis hin zum gegenüberliegenden Ufer, an dem abends ‚Störtebeker‘ aufgeführt wurde und zum Schluss das Feuerwerk den Hafen erhellte.

DER SCHLAFENDE MANN IN DER SPARKASSE

Kurz nach 05.00 Uhr, morgens. Es regnet, die Straßen sind noch wie leergefegt und dafür voller Pfützen, durch die ich hindurchfahre. Vor der Sparkasse steuere ich auf einen freien Stellplatz zu, ziemlich dicht vor der Eingangstür der Bank.

Ich halte, steige aus, gehe schnurstracks in Richtung Eingang los und zwänge mich erst einmal durch zwei Büsche hindurch, deren Zweige schon vereinzelt grüne Blätter tragen. Sie wischen an mir entlang und als meine nackten Hände die Blätter berühren und ich deren Nässe spüre, ärgere ich mich, dass ich nicht den ordentlichen Zugang gewählt habe.

Meine Füße geraten auf der rutschigen Erde ins Schlingern und ich fluche still vor mich hin. Ich bin froh, als ich die Eingangstür erreicht habe. Die Türen schieben sich nach links und rechts auf und verschwinden rumpelnd und quietschend in den dafür vorgesehenen Nischen in der Wand.

Ich hole meine Geldkarte aus dem Portemannaie und als ich wieder aufschaue, sehe ich einen Mann am Boden liegen. Er hat es sich bequem gemacht, hier im Schaltervorraum der Sparkasse. Seine Beine sind angewinkelt, er liegt auf der Seite und hat die Arme unter dem Kopf verschränkt.

Es riecht nach Tabak, Schweiß und abgestandenen Kleidern, so als wären diese wochenlang nicht gewaschen worden. Das Gesicht des Mannes sieht friedlich aus. Er ist noch nicht so alt. Vielleicht Mitte 30, schätze ich.

Behutsam gehe ich an ihm vorbei, in Richtung Geldautomat. Ich schiebe die Karte in den Schlitz des Automaten und warte, bis die Aufforderung zur Eingabe der Geheimzahl auf dem Display erscheint.

„Was ist, wenn der jetzt aufspringt und versucht, mir die Geldbörse aus den Händen zu reißen?“, denke ich bei mir. Vorsichtig drehe ich mich zu ihm um, doch der schläft friedlich weiter.

Endlich, die Klappe am Automaten geht auf und die Geldscheine tauchen auf. Ich ergreife sie hastig und stopfe sie in ein Fach des Portemannaies. Ich bewege mich wieder ziemlich leise an dem Mann vorbei, versuche möglichst keine Geräusche zu machen.

Als ich draußen bin und mich erneut durch die nassen Zweige der Büsche bewege und auf dem feuchten Boden mehr rutsche als laufe, atme ich trotzdem erleichtert auf. Dann, im warmen Auto, drehen sich meine Gedanken um diesen schlafenden Mann am Boden der Sparkasse.

Wer mag das sein, warum übernachtet er auf dem harten Boden, ohne eine Decke, nur mit einem Beutel neben sich, auf dem der Name eines Einkaufsmarktes steht?

Was ist die Lebensgeschichte dieses Mannes? Und noch eine Frage schießt mir durch den Kopf:  Hättest du ihn nicht wecken sollen, ihm nicht anbieten müssen, mit nach Hause zu kommen? Ihm eine warme Dusche ermöglichen, einen heißen Kaffee und ein Brötchen dazu?

Ich verwerfe diesen Gedanken gleich wieder und rechtfertige mein Handeln damit, dass ich ja nicht wüsste, wer das eigentlich sei, ob er ein Obdachloser ist, der auf der Straße leben will oder ein Alkoholiker, dem es egal ist, wo er seinen Rausch ausschläft.

Und trotzdem, ein Restfunken von schlechtem Gewissen bleibt. Warum empören sich eigentlich manche Menschen inzwischen mehr darüber, wenn jemand das Wort ‚Indianer‘ in den Mund nimmt als über das Problem der Obdachlosigkeit?

Ich finde darauf keine befriedigende Antwort. Ich rufe Klara an und frage sie, wie sie mit dem ersten Arbeitstag nach der Reha klarkommt.
„Und wie geht es dir?“, fragt sie mich vorsichtig zurück, weil sie weiß, wie ich den Montag finde und lieber gleich mit dem Dienstag anfangen würde.
„Du, mir geht es phantastisch!“, antworte ich prompt.
„Wirklich?“, fragt sie mit einer Stimme, die Misstrauen verrät.

„Ja, wirklich. Du, heute Abend muss ich dir mal eine Geschichte erzählen, die ich erlebt habe, nachdem du aus dem Auto ausgestiegen bist und ich zur Bank weitergefahren bin“, sage ich zu ihr.

DIE SENIORENHILFE GOTHA WÄCHST MIT IHREN AUFGABEN

Die Nachfrage nach Pflege- und Betreuungsleistungen ist groß, und das ungebrochen, ja, sie wächst sogar noch weiter.

Irgendwie auch ein Luxusproblem für Pflegedienste, denn sie müssen sich ihre Kunden nicht suchen. Die Kunden suchen sie.

Und trotzdem ist es mehr als nur eine komfortable Situation.

Es fehlen qualifizierte Pflegekräfte auf dem Markt, der bürokratische Aufwand wird auch nicht kleiner, im Gegenteil.

In dieser Situation wollen pflegende Angehörige, Pflege- und Hilfsbedürftige selbst trotzdem nicht irgendeinen Pflegedienst finden. Nein. Sie wollen den finden, der individuell genug ist, um auf die Wünsche und Bedürfnisse seiner Klienten einzugehen.

Die Seniorenhilfe Gotha gehört zu diesen Einrichtungen. Und das über die Jahre mit einem erwiesenermaßen guten Ruf.

Kathrin Dölle – eine Unternehmerpersönlichkeit, die zu kennen es sich lohnt

Es geht heute viel um Pflege- und Betreuungsleistungen, um Angebote, Preise und Förderungen durch die Kranken- und Pflegekassen.

Eines jedoch bleibt: Wenn der Mensch im Mittelpunkt stehen soll, also nicht nur in den wohlgesetzten Worten der Homepage, dann muss man sich unbedingt diejenigen anschauen, die von anderen sagen, sie würden deren Schicksal in den Mittelpunkt ihres Handelns stellen.

Und schnell wird klar, dass der Kreis derer schrumpft, wenn man diesen Maßstab anlegt. Ich habe schon viel über Pflegedienste geschrieben, darüber, was sie ausmacht.

Ich kann das nicht alles nachprüfen, was mir Inhaber und Pflegedienstleitungen oder Mitarbeiter erzählen.

Ich habe aber ein untrügliches Gespür dafür entwickelt, wer authentisch spricht, sagt, was ist. Und nicht, was er meint, was nach seiner Meinung sein sollte. Kathrin Dölle gehört zweifellos zu diesen Menschen, Unternehmerpersönlichkeiten, die nicht schwadronieren, sondern mit der täglichen Pflege- und Betreuungspraxis verwachsen sind.

Mehr: https://uwemuellererzaehlt.de/2017/12/28/portraet-kathrin-doelle/

Wenn sich Pflegekräfte auf die Suche nach neuen Herausforderungen begeben, einen neuen Pflegedienst ausprobieren wollen, so schauen sie naturgemäß auf die Dinge, die sie sehen und hören oder lesen können.

Wie ist der Ruf der Einrichtung? Sind die Mitarbeiter, die dort arbeiten zufrieden? Gibt es eine faire und angemessene Bezahlung?

Das alles sind wichtige Fragen. Noch wichtiger ist es zu schauen, ob man längerfristig eine neue Heimat findet, die Atmosphäre dergestalt ist, dass die Arbeit auch ein Stück Lebensqualität ausmacht.

Gewiss: Es ist schwer, das herauszubekommen, und zwar so, dass es eben verlässliche Aussagen gibt. Eine Möglichkeit besteht darin, etwas über den Kopf der Pflegeeinrichtung zu erfahren.

In Fall der Senioreneinrichtung Gotha zum Beispiel über Kathrin Dölle.

Der Lebensweg, die Einsichten, zu denen man gelangt, das sagt schon etwas aus über den Menschen, mit dem man es später zu tun haben wird.

Deshalb empfehle ich hier, das Porträt und das Interview zu lesen:

https://uwemuellererzaehlt.de/2017/06/23/kathrin-doelle-im-interview/

Leistungsangebote der Seniorenhilfe

Die Seniorenhilfe bietet ihre Hilfe und Unterstützung in folgenden Bereichen der Pflege und Betreuung an – in der Pflegeversicherung, der privaten Pflege, der hauswirtschaftlichen Versorgung und der Betreuungsleistungen als Einzelleistung in der häuslichen Umgebung.

Wer sich als Leser einen ersten Überblick darüber verschaffen will, der sollte auf die Homepage der Seniorenhilfe gehen.

Vorab kann er  sich über eine zusammenfassende Darstellung auf dem Blog informieren:  https://uwemuellererzaehlt.de/2017/12/28/leistungsbeschreibung-seniorenhilfe-gotha/

Detaillierte Aussagen, tiefergehende Informationen erhält der Leser dann, wenn er sich direkt an die Seniorenhilfe wendet.

„Ein persönliches Beratungs- oder Informationsgespräch kann durch nichts ersetzt werden. Hier kommen zwei wichtige Faktoren zusammen: die Sach- und Fachkompetenz und das Verständnis, für denjenigen, der Hilfe sucht“, sagt Kathrin Dölle in diesem Zusammenhang.

Ein Team, das den Namen  verdient

Drei Aspekte fallen mir als Autor ein, wenn ich die Seniorenhilfe Gotha herausheben wollte:

Erstens: Die Tatsache, dass es nicht nur junge Pflegefachkräfte gibt, sondern auch ältere, manche sogar, die kurz vor der Rente stehen oder bereits darüber hinaus sind.

Zweitens: Es gibt nicht nur ein Nebeneinander von ‚jung‘ und ‚alt‘. Nein, es gibt vor allem ein Miteinander. Und diese Art des Umgangs macht es aus, dass man von Lebensqualität spricht,  wenn es um die Atmosphäre, die gegenseitige Unterstützung, das Arbeiten selbst geht.

Drittens: In der Seniorenhilfe Gotha bekommen Seiteneinsteiger eine Chance, können sich entwickeln, lernen und erhalten die gleiche Wertschätzung wie jedes andere Teammitglied auch.

Mehr: https://uwemuellererzaehlt.de/2017/12/28/stellenanzeige-seniorenhilfe-gotha/

Kontakt:
Kathrin Dölle – Seniorenhilfe Ambulanter Pflegedienst
Lutherstraße 8,
99867 Gotha
Telefon: 03621 / 21 96 40
Telefax: 03621 / 21 96 39
E-Mail: info@seniorenhilfe-gotha.de

 

 

 

 

 

 

 

 

INTERVIEW WITH THE PRIMA BALLERINA ON 04.03.2019

Iana, you are glowing and I get the impression you are very happy. Do you feel that way too?
Yes, I am happy and looking forward to the birth of my child.

What is different now, in the last trimester of your pregnancy if you compare it to the first trimester?
In the beginning I suffered greatly from nausea. I constantly felt bad. Smelling certain foods from the fridge was enough to make me sick.
I simply had no strength and just wanted to vomit and sleep a lot. But that’s over now, thank goodness. Of course sometimes I have pain in my back, but I think that’s normal.

How do you keep fit?
If I feel well, then I drive to the opera and train there. But I also do a lot of exercises at home.

What is different in this pregnancy compared to your first one?
I have a greater sense of security today, and I know exactly what I’m doing. During my first pregnancy about 10 years ago, I felt so young. I didn’t dare to go out on the street.

Why?
Because I felt I was considered too young to have a baby. People may have even thought I was only a child myself. I was already 25 years old, but I didn’t look like it. I wanted to scream out, ‚I’m 25 years old, not 12!‘
Anyway, it took a lot of mental strength for me to show my stomach, because I always felt I was too fat. I was just very insecure. And on top of that, I wasn’t sure if I would be able to manage it all; the birth, keep my career going and be there for my family. But I kept a lot of this to myself. I didn’t want to say anything or show how I was feeling. Now I want to show everything and I have no problem with people wanting to share this experience with me and be a part of my happiness. Today I have a very different attitude.

What do you mean exactly?
For example, I get a lot of heartfelt wishes on Instagram from people who know me from the stage or from my personal life.

When is the birth date?
In May.

Do you want your husband to be in the delivery room at birth?
Yes. He was also present at the birth of our first child, Marley.

Is it a boy or a girl?
It’s a boy. That suits me.

Why?
Because I have four brothers, so I grew up around boys. And I already have 3 men in my own family now.

Three men?
Yes, we also count our pug, Charly.

Are you getting along with so many men in the household?
Yes, I’m used to it. I think men are easier to understand. I think they are clearer with what they say and what they mean.

What will you name the child?
We will not reveal that yet.

How did you come up with the name Marley for your first son?
At first we thought it would be a girl so we searched a lot for a girls name. In 2007, the film ‚I Am Legend‘ by Francis Lawrence came out. That’s where we got the idea for the name Marley. It also fit for a boys name.

How do you plan to manage everything after you give birth? A new baby, a son in school, a husband…?
I can let go.

What do you mean by that?
When I am at work, that is the center of my attention . I put all of my thought and feeling into it. I give one hundred percent. At home it is the same. I give everything just for the family and I don’t bring thoughts about work home with me. At least for the most part.

So you think you can do it all?
Yes of course. I had to go through the same thing when Marley was born. We had a Nanny and Marian did a lot of housework for me. And of course he will do that with the second child as well. Plus, we have a big family to help us; Marian’s mother, aunts and great-aunts.

How about your parents. When will they see their grandson?
That will happen soon. We are in close contact with my parents, Marley’s grandparents.
In Kiev, they still have other grandchildren from my four brothers and are by no means lonely. But they will visit us soon.

Iana, you currently have more free time than before. How do you deal with it?
I think a lot. That’s the positive thing about my pregnancy. I can think a lot about how I want to continue after the birth. I want to go back to training and rehearsing as quickly as possible. I want to get back to the stage. And I’m planning a bigger ballet for Marlene Dietrich.

What is behind it?
It will be very unique and with original choreography. It will be shown in Kiev alongside friends. But this project still needs more time.

Iana, thank you for the interview.

INTERVIEW MIT DER PRIMA BALLERINA AM 04.03.2019

Link to the english version:
https://uwemuellererzaehlt.de/2019/03/14/interview/

Iana, Du strahlst und machst einen glücklichen Eindruck.
Fühlst du dich auch so?
Ja, ich bin glücklich und freue mich auf die Geburt des Kindes.

Was ist jetzt anders, wenn Du mal den Beginn deiner Schwangerschaft mit dem nunmehr letzten Drittel vergleichst?
Am Anfang habe ich stark unter der Übelkeit gelitten. Mir war ununterbrochen schlecht. Es reichte schon, wenn ich bestimmte Lebensmittel aus dem Kühlschrank roch. Ich hatte einfach keine Kraft und wollte mich nur übergeben und viel schlafen. Aber das ist jetzt Gott sei Dank vorbei. Natürlich, ich habe manchmal Schmerzen im Rücken, aber ich glaube, das ist normal.

Wie hältst du dich fit?
Wenn ich mich gut fühle, dann fahre ich in die Oper und trainiere dort. Aber ich mach‘ auch hier zuhause viele Übungen.

Wenn du mal die Zeit in der ersten Schwangerschaft mit der zweiten heute vergleichst, was ist anders?
Ich habe heute ein größeres Gefühl der Sicherheit, und ich weiß genau, wie es weitergeht. Vor rund zehn Jahren, da fühlte ich mich noch so jung, traute mich nicht auf die Straße zu gehen.

Warum?
Weil ich das Gefühl hatte, dass ich von den Menschen als zu jung angesehen wurde, vielleicht sogar als eine Minderjährige, die ein Kind bekommt. Dabei war ich schon 25 Jahre alt, sah wohl aber nicht so aus. Ich hätte das rausschreien können: ‚Ich bin 25 und nicht 12 Jahre alt‘.

Überhaupt: Es belastete mich psychisch, dass ich mich mit Bauch zeigen musste, weil ich stets das Gefühl hatte, ich sei zu dick. Ich war einfach noch sehr unsicher. Für mich war nicht klar, ob ich das alles schaffen würde, die Geburt, meine Karriere am Laufen halten, für meine Familie da sein.

Und ich war selbst noch sehr verschlossen. Ich wollte nichts zeigen und nichts sagen. Jetzt will ich alles zeigen, habe kein Problem damit, dass Menschen an meinem Glück teilhaben möchten. Heute habe ich eine ganz andere Aufmerksamkeit.

Was meinst Du genau?
Ich bekomme zum Beispiel über Instagram sehr viele herzliche Wünsche von Leuten, die mich von der Bühne oder auch außerhalb kennen.

Wann ist der Geburtstermin?
Im Mai.

Willst du, dass dein Mann bei der Geburt im Kreißsaal dabei ist?
Ja. Er war ja bei der Geburt von Marley ebenfalls dabei.

Was soll es denn werden, ein Junge oder ein Mädchen?
Es wird ein Junge. Das passt zu mir.

Warum?
Weil ich vier Brüder habe. Ich bin also unter Jungs aufgewachsen. Und wir sind bei uns im Haushalt ja ebenfalls bereits drei Männer.

Drei Männer?
Ja, wir rechnen unseren Mops Charly ebenfalls dazu.

Kommst du denn mit so vielen Männern im Haushalt klar?
Ja, ich bin es gewohnt. Ich denke, bei Männern weißt du besser, was sie sagen und was sie dann auch meinen. Die sind da klarer, finde ich.

Wie soll das Kind denn heißen?
Das verraten wir noch nicht.

Wie seid Ihr auf den Namen Marley bei Eurem ersten Sohn gekommen?
Wir dachten zunächst, es würde ein Mädchen. Und so haben wir nach einem Mädchennamen gesucht. In 2007 lief der Film von Francis Lawrence mit Emma Thompson und Will Smith. Das war die Inspiration für uns, wie gesagt zunächst für einen Mädchennamen und später dann kamen wir auf Marley.

Wie willst Du nach der Geburt organisieren, dass du alles unter einen Hut bekommst – Baby, ein Sohn in der Schule, ein Mann?
Ich kann loslassen.

Wie meinst Du das?
Wenn ich bei der Arbeit bin, dann steht das für mich im Zentrum meines Denkens, Handelns und Fühlens. Da gebe ich Hundert Prozent. Zuhause ist es genauso – da gebe ich auch alles, nur eben für die Familie. Und die Gedanken an die Arbeit lasse ich weg, weitestgehend wenigstens.

Du meinst also, Du wirst das alles schaffen?
Ja, natürlich. Bei Marley mussten wir auch schon den Tag straff durchplanen. Da gab es eine Tagesmutter, Marian hat mir vieles in der Hausarbeit abgenommen. Und das wird er natürlich beim zweiten Kind ebenso tun. Außerdem: Wir haben eine große Familie, die uns hilft – Marians Mutter, die Tanten und Großtanten.

Wie ist es mit deinen Eltern, wann werden sie ihren Enkel sehen?
Das wird zeitnah passieren. Wir sind im engen Kontakt mit meinen Eltern, Marleys Großeltern. Sie haben in Kiew selbst noch von den anderen vier Brüdern weitere Enkel und sind keinesfalls einsam. Aber wir sind hier im regelmäßigen Austausch und einen Besuch wird es genauso geben.

Iana, du hast aktuell mehr freie Zeit als früher. Wie gehst du damit um?
Ich denke sehr viel nach. Das ist das Positive an meiner Schwangerschaft. Ich kann darüber nachsinnen, wie es weitergeht. Ich will möglichst schnell wieder arbeiten, trainieren, proben, zurück auf die Bühne. Ich plane ein größeres Ballett zu Marlene Dietrich.

Was steckt dahinter?
Das ist eine eigene Idee, verbunden mit einer privaten Choreographie. Das Stück will ich in Kiew herausbringen, gemeinsam mit Freunden. Aber das hat noch ein wenig Zeit.

Iana, vielen Dank für das Gespräch

KLARA IST AUS DER REHA ZURÜCK

Endlich. Heute sind die drei Wochen der Reha-Klinik zu Ende. Die Eier im Kühlschrank sind alle, das Toastbrot auch und ich war nicht einkaufen. Die schwarzen Unterhosen haben gereicht und heute hat Klara erst einmal die Waschmaschine gefüttert. Wird jetzt alles wie früher? Ein wenig müssen wir uns wieder aneinander gewöhnen. Klara sitzt neben mir im Auto und erzählt von Garbo, dem Ungarn, vom Kniffel-Spiel, abends nach dem Essen, und davon, was sie alles beachten will.
„Du kannst mir ruhig sagen, wenn ich dich mal wieder nerve.“
Klara schweigt dazu. Also, wir müssen uns wieder aneinander gewöhnen. Es soll wieder so sein wie immer. Vielleicht nicht ganz. Gesünder leben, ein bisschen mehr auf einander Rücksicht nehmen, nicht nur die eigenen Dinge sehen und darüber sprechen. Ich habe mir viel vorgenommen. Mal sehen, was ich davon durchhalte. Ich bin guten Mutes und freue mich auf die neue Zeit mit Klara.

Es sind im Leben nie die großen Felsen, sondern die kleinen Steine, über die wir hinweglaufen müssen

JEEPI – ICH ERZÄHLE JETZT SELBST DIE GESCHICHTEN – FOLGE 5

Hallo Krümel, hier ist Jeepi. Ich wollte dir doch noch erzählen, wie die Geschichten meines Fahrers über den ganz normalen Alltag bei den Teilnehmern der Lesung angekommen sind.

Ich glaube, ganz gut. Einige der Frauen haben gelacht, andere wiederum geschmunzelt und manche haben einfach still zugehört. Du kannst immer nur von deinem eigenen Gefühl ausgehen.

Was andere Menschen tatsächlich darüber denken, das ist sehr schwer einzuschätzen und das will mein Fahrer auch gar nicht versuchen. Auf jeden Fall: Es hat ihm wohl einen riesen Spaß gemacht, die Atmosphäre war locker und er sah zufrieden aus, als er bei mir einstieg.

Mein Fahrer ist ein wenig früher gegangen, weil er ja nur der Gast war, der etwas vorlesen sollte. Aber als er die Tür erreichte, drehte sich eine Frau zu ihm um und sagte: „Komm‘ wieder.“ Das hat ihn gerührt, im Stillen natürlich.

Heute hat er sich überhaupt nicht bei mir draußen blicken lassen. Es hat fast den ganzen Tag geregnet, es hat Wasserkübel geschüttet. Und denkst du, der ist mal auf die Idee gekommen, mich ein Stück weiter unter das Carportdach zu fahren? Nein, warum auch? Er saß ja im Trockenen. Nur meine Schnauze war nass, weil ununterbrochen die Tropfen von oben auf die Motorhaube krachten.

Aber ich weiß, dass er heute viel gearbeitet hat und deshalb will ich ihm das mal durchgehen lassen. Er hat heute damit begonnen, für einen Sachbuchautor eine Rezension zu schreiben, und die will er diese Woche noch fertigbekommen.

Er ringt mit sich, auch einen Ratgeber zu schreiben. Themen hätte er genug, und das Schreiben würde ihm jetzt auch nicht so schwer fallen. Aber dann denkt er wieder, dass er an seinen kleinen Geschichten über den Alltag dranbleiben will.

Weißt du Krümel, was ihm eigentlich so daran gefällt? Du wirst es später vielleicht verstehen, dann, wenn mein Fahrer längst in die ewigen Jagdgründe eingegangen ist und von oben herab schimpft, dass er keine Zeit hat, weil noch so viel zu tun ist.

Er sagt zu mir: „In meinem Leben waren es nie die großen Felsen, die mich aufgehalten haben und besondere Schwierigkeiten machten. Nein. Es waren die kleinen Steine, über die er meistens gestolpert ist, weil er sie nicht ernst genommen hat. Und es gibt noch einen Grund für meinen Fahrer.

Er hat ein Leben lang mit Wissenschaftlern, Managern diskutiert, mit Leuten, wo der eine immer noch einen gebenüber dem anderen draufzusetzen hatte. Dabei hat er manchmal das ganz normale Leben vergessen. Ihm macht es heute viel mehr Spaß, mit dir auf dem Spielplatz die Kinder zu beobachten, die Leute, die vorbeischlendern und sich zu fragen, was den Einzelnen wohl in dem Moment so bewegt.

Das ist für ihn jetzt das wirkliche Leben, und ich muss mir von ihm den ganzen Quatsch anhören, lieber Krümel. Aber es ist ja auch oft lustig. Bis bald mal, Krümel, dein bester Freund und der zweitbeste meines Fahrers, denn zuerst kommst ja du.

JEEPI – ICH ERZÄHLE DIE GESCHICHTEN JETZT SELBST – FOLGE 4

Hallo Krümel, ich stehe hier unter dem Carport und keiner denkt an mich.
„Mir ist langweilig“, hat deine Mama in solchen Fällen zu meinem Fahrer gesagt. Der lässt sich gar nicht blicken. Er arbeitet, angeblich. Dabei stöhnt er schon den ganzen Tag rum, weil er die Zimmer saubermachen will. Seine Frau, also deine Oma, ist ja zur Kur.

Und da hat er vorige Woche einfach mal das Saubermachen ausfallen lassen. Aber jetzt sieht er überall die kleinen Fussel. Die Tage zuvor hat er sie einfach aufgehoben und in die Hosentasche gesteckt. Doch nun ist es einfach zu viel für ihn.

Also hat er den Staubsauger herausgeholt und angefangen zu saugen. Danach ist er gleich vor Erschöpfung in den Sessel gesunken, und keiner war da, der ihn bemitleidet hat. Nun kommt der Knaller. Mein Fahrer hat freiwillig noch die Treppen gewischt. Das macht er sonst nie, sondern überlässt es deiner Oma.

Er hat ihr gleich ein Foto geschickt. Da war er mit dem Eimer und dem Wischlappen drauf zu sehen. „Schnau…. voll“, stand in der Bildunterschrift.

Das sagt man eigentlich nicht, lieber Krümel, deshalb schreibe ich das Wort auch gar nicht erst aus, was mein Fahrer hier gesagt hat. Später rief deine Oma an und mein Fahrer wollte ihr stolz berichten, was er alles getan hatte.

Und was war die Reaktion?
„Du hast doch nicht etwa die Treppen feucht abgewischt?“, fragte sie ihn. Mein Fahrer war sauer.
„Wie denn sonst?“
„Naja, ich wische sie immer trocken ab“, sagte sie.
„Das ist jetzt egal, ich habe sie jedenfalls feucht abgewischt.“

Mein Fahrer war enttäuscht. Er dachte nämlich, er bekäme ein dickes Lob von deiner Oma. Dabei hatte er ihr noch gar nicht erzählt, wie lange er gebraucht hatte, um zu verstehen, wie der Wischlappen aufgezogen wird.

In den Wischeimer hatte er einfach Spülmittel und Fettlöser aus der Küche genommen. Er hatte die richtigen Reinigungsmittel nicht gefunden. Die standen so in der Ecke, dass man hätte alles ausräumen müssen. Mein Fahrer hat es versucht. Aber da flogen ihm gleich die ersten Sachen entgegen.

„Wir gehen heute ein Eis essen“, sagte deine Oma zu ihm am Telefon.
„Eis essen, während der Kur?“, fragte mein Fahrer.
„Ja, denn heute ist ja Frauentag.“
„Ach du Sch….“, stöhnte mein Fahrer auf. Jetzt muss ich schon wieder Punkte machen, Krümel. Dein Opa hat sich nicht im Griff. Er ärgerte sich einfach, dass er den Feiertag vergessen hatte.

Wie konnte er das wieder gutmachen? Er wusste das nicht.
„Bist du für Morgen gut vorbereitet, für deine Lesung zum Frauentag?“, fragte deine Oma nun versöhnlich.
„Ja, wie gut, dass wissen wir erst nach der Lesung.“
„Ich drück‘ die Daumen“, sagte Oma.

Mein Fahrer bedankte sich. Er würde am Sonntag einen Blumenstrauß mit in die Reha-Klinik nehmen. Ach Krümel, ich freue mich auf Morgen, denn da fahren wir endlich wieder ein Stück. Nach Altlandsberg. Da gibt es einen Verein, der heißt „Helfen hilft“. Mein Fahrer findet den klasse.

Dort arbeiten Menschen, die nicht viel fragen, sondern anderen Menschen helfen, mit Lebensmitteln, Sachen zum Anziehen und noch vielen anderen Dingen.

Deshalb gibt sich mein Fahrer sicher Mühe, denn er will ebenfalls für diesen Verein etwas tun, mit seiner Kraft und seinen Möglichkeiten eben. Morgen, da ist dort eine kleine Feier, zum Frauentag, und mein Fahrer liest ein paar kleinere Geschichten vor.

Ich warte natürlich draußen. Ich bin zwar nur ein kleiner Jeep, aber die Treppen komme ich ja trotzdem nicht hoch. Aber ich krieg schon raus, wie es war. So lieber Krümel, davon erzähle ich dir das nächste Mal.
Dein Freund Jeepi.