Alle Beiträge von Uwe Müller

Dipl.-Ing. (FH), Dr. rer. pol.; Dozent; freiberuflicher Journalist; Coach - Themenschwerpunkt: Kommunikation

MEIN FREUND, DER ALLTAG (65)

EINWEISUNG IM FITNESS-CENTER -2

Ich meldete mich am Tresen und fragte nach der Einweisung.
Der Mitarbeiter schaute nach und sagte: „Du stehst heute nicht im Kalender.“

„Wenn du Donnerstag aufschlägst, dann findest du mich auch. Heute ist nicht Freitag“, entgegnete ich, denn ich hatte ihn beim lustlosen Blättern im Kalender beobachtet.

„Stimmt“, sagte er.
Nachdem alles geklärt war, begab ich mich in die Umkleidekabine. Erst jetzt bemerkte ich, dass ich das obligatorische Handtuch vergessen hatte.

Also musste ich ersatzweise die zweite Trainingshose nehmen, denn ein Handtuch auf die Sitze aufzulegen, das war Pflicht.
Eigentlich eine gute Sache, denn ich wollte mich ja auch nicht gerade im Fitness-Center mit Viren infizieren.

16.00 Uhr, es war soweit und der Trainer kam zu mir in die Ecke, in der eine Couch stand. Er setzte sich zu mir und fragte mich, was ich mit dem Training erreichen wollte.

„Bauch weg, Muskeln aufbauen, mehr Beweglichkeit“, sagte ich.
„Das wollen alle“, meinte er.
„Das ist gut möglich und wahrscheinlich, denn hier wird wohl kaum einer das Ziel haben, sich zur Prima Ballerina im Ballett zu entwickeln“, meinte ich.

Jetzt sah er mich genauer an. Offensichtlich konnte er mit meiner Antwort nicht viel anfangen.
Ich wollte ihm helfen. „Mein wichtigstes Ziel ist es, das Übergewicht drastisch zu reduzieren und etwas als Ausgleich zum Sitzen zu finden.

Ich denke, das kann ich hier ganz gut verwirklichen.“
Jetzt wurde der Trainer aktiv und begann mir einige Übungen und Geräte zu erläutern.

„Wir sollten auf ein ganzheitliches Training gehen. Natürlich musst du vor allem etwas in der Ernährung tun, sonst können wir hier machen, was wir wollen, aber wir werden wenig erreichen.“
Das leuchtete mir ein und ich gab ihm Recht.

„Genau das ist meine Achillesferse“, pflichtete ich ihm bei.
‚Wenn der wüsste, wie viel Achillesfersen ich tatsächlich habe, dann würde der eine ganze Armee dahinter vermuten‘, dachte ich im Stillen.

„Wollen wir mal zu den Geräten gehen?“, fragte er mich.

MEIN FREUND, DER ALLTAG (64)

EINWEISUNG IM FITNESS-CENTER -1

Donnerstag, 15.00 Uhr. Ich fahre im dicksten Verkehr, in der ‚rushhour‘, in Richtung Alex.

Heute ist die Einweisung in die Trainingsabläufe im Fitness-Center und darin, wie ich am besten die Geräte für mich nutzen kann.

15.20 Uhr: Ich komme in der Tiefgarage an und will auf meinen Stellenplatz. Er gehört mir, weil ich morgens schon dreimal darauf gestanden habe. Das denke ich mir jedenfalls.

Jetzt steht da ein anderer. Der weiß offensichtlich nichts von mir. Ich fahre ein Parkdeck tiefer. Da ist alles frei. Ich kurve trotzdem noch ein wenig umher, weil ich denke, ich könnte immer noch einen besseren Stellplatz ergattern. Schließlich fahre ich in eine markierte Spur. Rechts ist eine Wand. Ich fahre besonders vorsichtig.

Ich bin schon in einem Hotel in Mitte mal an die Wand gefahren und beim Ausparken habe ich in einer anderen Tiefgarage mit meinem hinteren Kotflügel eine Säule gerammt. Die war aber auch wirklich ungünstig platziert. Ich merke mir genau, wo ich stehe, denn ich bin schon in größeren Parkhäusern umhergeirrt, und nicht nur einmal.

Als ich den Ausgang gefunden habe, wird mir klar, dass ich nun zwei Treppen hinauf will und stöhne innerlich.
‚Aber mit dieser Einstellung wirst du es im Fitness-Center nicht weit bringen‘, denke ich für mich.

Als ich oben angekommen bin und aus der Tür gehe sehe ich, dass es die hintere Seite des Fitness-Centers ist. Dort ist der Innenhof, auf dem zahlreiche junge Leute mit ihren Laptops hocken und kreativ sind. Vielleicht tun sie auch nur so und wollen einfach eine Auszeit aus dem Büro nehmen.

Denn in dem Gebäude gegenüber sind eine Reihe Start-up-Unternehmen untergebracht. Ich könnte nicht in der gleißenden Sonne sitzen und mit dem iPad arbeiten. Ich habe es schon ein paar Mal probiert.

Es ist ja so cool, wenn du draußen schreibst. Aber einmal sah ich gar nichts, weil die Helligkeit nichts auf dem Bildschirm erkennen ließ, dann wiederum konnte ich nicht richtig schreiben, weil die Auflage nicht stimmte.

Nun beobachte ich nur noch und schreibe manchmal etwas in mein iPhone, mit einem Daumen und vielen Fehlern, die ich dann in meinem ‚Start-up-Homeoffice‘ korrigiere.
Klingt gut, oder? Also viel besser, als würde ich schreiben: in meinem Arbeitszimmer.

Heute zur Einweisung mit dem Trainer nehme ich die konventionelle Variante. Ich habe nämlich einen dicken Block mit. Der besteht aus Blättern, die auf einer Seite vom Computer bedruckt sind.

Die klebe ich dann übereinander und schreibe darauf mit dem Füller. So beginnt stets meine Schreibarbeit. Erst schreibe ich darauf, dann scanne ich das Ganze ein und schreibe es ab und drucke es wieder aus, um weiter daran zu arbeiten.

Umständlich? Ja, und wie. Aber kreativ. Das ist mein Beitrag zum Klimaschutz. So verbuche ich das heute. Entstanden ist die Idee, als ich in der Wendezeit an meiner Dissertation schrieb und Papier sparen wollte.

Ich bin am Eingang des Fitness-Centers angekommen. Dunkle Basstöne schlagen mir entgegen, nachdem ich die Tür aufgemacht habe und hineingehen will.

MEIN FREUND, DER ALLTAG (63)

WIR WAREN PFINGSTSONNTAG AN EINEM DER SCHÖNSTEN ORTE AUF DIESER WELT

Pfingsten kannst du auch schon wieder im Kalender streichen.
Früher sind wir um diese Zeit nach Polchow auf Rügen gefahren, und zwar mit Sack und Pack.

Das war aufregend, anstrengend, aber es war vor allem schön.
Wir waren zwar müde, wenn wir ankamen, alles ausgepackt hatten und das Auto endlich unter dem Carportdach stand, das von wilden Weinreben verziert wurde.

Aber zum Ausruhen war keine Zeit.
Es wurde alles rausgeräumt, Tische, Stühle, Hollywoodschaukel.
Anschließend kümmerte sich Klara um den Haushalt, den Garten und das Essen.

Ich mähte in der Zeit den Rasen, trimmte die Kanten. Abends saßen wir auf der Terrasse und waren hundemüde. Zwei Tage später packte Klara alles wieder ein, wir fuhren Richtung Berlin und standen spätestens auf der A 11 im Stau.

Am nächsten Tag stürzten wir uns erneut in die Arbeit und berichteten den Kollegen davon, dass wir an der Ostsee waren, im eigenen Bungalow.

„Wow“, riefen die dann meistens und für kurze Zeit überstrahlte in diesen Situationen meine stolz geschwellte Brust den darunter hängenden Bauch.

Dass wir erschöpft waren, am liebsten nach Hause gegangen wären, um uns auf Sofa zu hauen, dass der Rücken schmerzte von der Gartenarbeit und dem stundenlangen Sitzen im Auto – davon sagten wir nichts.

Und heute ist das sowieso vergessen.
Wenn wir von Polchow sprechen, dann nur in den höchsten Tönen.
Laura spazierte dort durch die Gärten, hatte gute Freunde, fühlte sich wie im Paradies.

An diesem Pfingstsonntag waren wir nun nicht an der Ostsee. Nein, wir waren in Berlin – Hohenschönhausen unterwegs.
Krümel hatte uns mit vor Freude quietschenden Tönen und strampelnden Beinen an der Fahrstuhltür zu Lauras Wohnung empfangen.

Wir machten uns wenig später zu einem Spaziergang auf und schoben Krümel auf ihrem Dreirad vor uns her. Sie strahlte Lebensfreude pur aus.

Nach einer Weile setzte ich mich auf eine Parkbank. Krümel kam zu mir gelaufen und kletterte mit meiner Hilfe auf mein Bein, rutschte von da aus auf den freien Platz neben mir und schaute zufrieden zu Klara und Laura.

Schließlich machte sie solange Lärm, bis sich die beiden ebenfalls zu uns gesetzt hatten. Laura sollte sich ausgerechnet zwischen uns setzen – Krümel und mir.

Laura saß erst einmal auf meinem rechten Bein, bis Krümel zur Seite rutschte, ein Stückchen wenigstens. Dann sah sie Klara ankommen und wollte, dass die sich rechts von ihr hinsetzte.

Krümel rutschte noch einmal von der Bank und holte das Dreirad, das noch auf dem Weg stand, ebenfalls zu uns heran.

Danach saßen wir alle nebeneinander. Auf der Bank, im grünen Park von Hohenschönhausen, weit weg vom Meer, von Rügen und von Polchow.

Und trotzdem, wir waren glücklich, denn wir hatten den Eindruck, dass Krümel fand, sie wäre an einem der schönsten Orte auf dieser Welt und dann noch mit ihrem „Rudel“ an ihrer Seite, das sie energisch und zielbewusst mit ihren kleinen Fingerchen und ihren unverwechselbaren Lauten dirigierte.

SCHREIB – ALLTAG (2)

WARUM GESCHICHTEN ÜBER DEN ALLTAG SCHREIBEN?

Es spricht einiges dafür: Ich kann Menschen in alltäglichen Situationen beobachten, ich bin an wechselnden Schauplätzen, es gibt stets neue Ausgangssituationen, und ich schreibe zu vielfältigen, sich abwechselnden Themen.

Manchmal fragt mich meine Frau, warum ich mir das alles antue. Eine richtige schlüssige Antwort kann ich ihr darauf nicht geben. Seitdem ich Rentner bin, lasse ich mich noch intensiver auf meinen Schreib-Alltag ein.

Natürlich fahre ich beispielsweise nicht zuerst ins Fitness-Center, um Menschen beim Training zuzusehen und anschließend darüber zu schreiben, sondern um selber Sport zu treiben, fit zu bleiben.

Aber ich beobachte auch, was um mich herum vorgeht.

Warum zum Beispiel die Leute an solchen Orten kaum miteinander reden, und ich dann dieses ungeschriebene Gesetz des ‚nicht miteinander Redens‘ durchbreche, jemanden gerade darum anspreche und genau darüber anschließend berichte.

Was könnten nun Leser daran interessant finden? Ich kenne natürlich nicht die genauen Motive jedes Lesers.

Jedoch glaube ich fest daran, dass jeder von uns bestimmte eigene Erlebnisse in Alltagssituationen wiedererkennt und sich freut, dass es anderen genauso ergangen ist.

Manch einer will vielleicht auch nur unterhalten werden, für einen Moment aus seiner Realität aussteigen und in den Alltag des Erzählers eintauchen.

Für mich als Autor ist es eine spannende Sache, wenn ich mich in meine Gedankenwelt begebe und sie abgleiche mit dem, was ich gerade erlebt und gesehen habe.

Ich denke, wir alle können mehr glücksbringende Momente in alltäglichen Situationen entdecken, als wir für möglich halten.

Mark Twain war es wohl, der sinngemäß formulierte, dass es vor allem zwei Tage im Leben eines Menschen sind, die für ihn eine Bedeutung haben – nämlich der Tag der Geburt und der Tag, an dem er weiß, warum er auf der Welt ist.

Jeder wird diese Frage anders beantworten. Ich denke, dass dies die wirklichen mentalen Anker im Leben sind.

Ich habe lange Zeit gedacht, dass ich einiges vollbracht habe, weil ich intensiv studiert habe, um mir möglichst viel Wissen anzueignen.

Dann kam die Wende und ich hatte das Gefühl, ich stünde beruflich vor dem Nichts.

Und wieder versuchte ich, meinem Leben einen neuen Sinn zu geben, Anerkennung durch Leistungen in einer neuen, anderen Welt zu bekommen.

Wirklich glücklich bin ich aber erst, seitdem ich erkannt habe, dass ich mich selbst so nehmen muss, wie ich bin und ich Kraft aus meiner neuen Gelassenheit ziehe.

Hat das was mit dem Alter zu tun?

Ich glaube schon.

Und mit dieser inneren Ruhe ziehe ich in meine neuen Abenteuer, gemeinsam mit meinem besten Freund, dem Alltag.

JEEPY (29)

ENDLICH, DIE SCHATZSUCHE BEGINNT

Die Kinder und Erwachsenen treffen sich auf dem Parkplatz in der Schorfheide.
Von da aus geht es direkt in den Wald, zwischen die Kiefern, vereinzelte Birken und Buchen.
Der Waldboden ist übersät mit Wurzeln, Kienäpfeln, Laub aus dem vergangenen Herbst.
„Passt auf, dass ihr nicht stolpert“, sagt der Fahrer gleich zu Beginn.
Alle sind aufgeregt, auch die Erwachsenen. Sie plappern durcheinander.
„Bitte mal alle herhören“, ruft da der Fahrer.
„Die Teilnehmer an der Schatzsuche teilen sich in zwei Gruppen auf:

Zur ersten Gruppe gehören Jeepy, ich als sein Fahrer und die Kinder Ameli, Jana, Denny, Darian, Otto und Dietmar, der Vater von Ameli.

In die zweite Gruppe gehören Fiatine, der Verkäufer und die Kinder Lina, Lou, Dimitri, Peter und eine Mutter, Margarete. Ihr müsst jetzt direkt durch den Wald laufen.“

Und weiter erläutert der Verkäufer: „Fiatine, du stehst an der ersten Station und stellst deine beiden Fragen, die du dir ausgedacht hast. Der Gewinner bekommt einen kleinen Preis. In Ordnung?“
„Ja“, rufen da alle.

„Dann geht es jetzt los, viel Spaß beim Suchen nach der Schatzkiste. Schaut auf die Karten, die beide Gruppen haben und orientiert euch an den Pfeilen und Bändern an den Bäumen, an denen ihr vorbeikommt“, erläutert noch der Fahrer.

Die beiden Gruppen sind losgelaufen. Jeppy ist zu seiner Station gefahren und Fiatine auch. Es sind die wichtigsten Abschnitte, die jeweils eine Gruppe passieren muss.

An der ersten Station steht Fiatine und wartet aufgeregt auf die Gruppe. Plötzlich hört sie Stimmen und da kommen die Kinder und Dietmar auch schon zwischen den Bäumen hervor.

„War es leicht, mich zu finden?“, fragt Fiatine.

„Naja, ich weiß ja nicht, wer die Karte gemalt hat, aber derjenige hat wohl nicht viel mit dem Zeichnen und der Geographie am Hut“, sagt da Dietmar.

„Das war der Fahrer von Jeepy“, antwortet Fiatine.

„Na der kann froh sein, dass er ein Navigationsgerät im Auto hat. Müsste der nach seiner Karte fahren, würde Jeepy nie am Ziel ankommen“, ergänzt Dietmar.

Der Verkäufer stand ruhig und schmunzelte vor sich hin.

‚Der Verkäufer hätte mal was dagegen sagen können‘,  denkt Fiatine. Sie findet, dass Dietmar nur meckert. Beim Kartenzeichnen war der jedenfalls nicht dabei.

Aber laut sagt sie: „Kinder, lieber Dietmar, ich stelle euch jetzt zwei Fragen. Wenn ihr sie richtig beantwortet, bekommt ihr schöne Preise.“

Fiatine schaute in die Runde, in die erwartungsvollen Gesichter.

„Also, es geht los: Welcher Baum kommt am häufigsten in Brandenburg vor?

A)Die Birke oder B)die Eiche oder C) die Kiefer?“

Die Finger der Kinder schnellen in die Höhe.

„Das ist die Kiefer“, sagt Ameli, die als erste den Arm gehoben hat.

„Och, das war ja ‚piepeleicht‘“, sagt da Denny aus der Gruppe.

„Richtig. Achtung, jetzt kommt die zweite Frage: Welche ist die zweithäufigste Baumart in Brandenburg?

A) Die Birke oder B) die Buche oder C) Die Eiche?“, fragt Fiatine.

„Das ist wohl eine Frage für mich“, sagt Dietmar.

„Und welche Antwort ist deiner Meinung nach die richtige?“, hakt Fiatine nach.

„Ich denke A, die Birke.“

„Falsch, falsch“, rufen da die Kinder.

„Denny, was meinst du?“, fragt Fiatine.

„Na die Eiche ist richtig. Das weiß ich von meinem Großvater, der ist Jäger“, sagt Denny stolz.

„Prima, das ist richtig“, sagt Fiatine und überreicht ihm ein Päckchen mit Malstiften.

Und an Dietmar gewandt: „Du würdest wohl keine Jägerprüfung bestehen, mit deinen Kenntnissen. Das hätte der Fahrer von Jeepy aber gewusst.“ Sie konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen.

Dietmar schwieg betreten.

„Für euch noch zur Erläuterung, Dietmar und liebe Kinder: Die Eiche kommt auf einem Waldgebiet von insgesamt 70.000 Hektar vor, gefolgt von der Buche auf ca. 34.600 Hektar.“

Sie hatte sich gut auf das Rätsel vorbereitet und einiges über den Baumbestand in Brandenburg und insbesondere in der Schorfheide gelesen.

Während sich die Gruppe wieder auf den Weg macht, sind auf der anderen Station die Kinder um den Fahrer und Margarete angekommen.

Jeppy erwartete sie schon.

„So, passt gut“, sagt Jeepy, holt tief Luft und stellt seine Fragen:

„Wie viel Waldeigentümer gibt es in Brandenburg?

A) 100.000 oder B) 1000 oder C) 100?“

Lina hebt die Hand.

„Lina, was meinst du?“, fragt Jeepy sie.

„Vielleicht 100?“

„Nein, das ist falsch.“

„1000″, sagt da Dimitri.

„Nein, es sind 100.000 Waldeigentümer“, klärt Jeepy die Gruppe auf.

„Och, so viele“, staunen die Kinder.

„Ja, das hatte ich vorher auch nicht gewußt, wenn der Fahrer es mir nicht gesagt hätte und der hat es vorher gegoogelt“, erklärt Jeepy.

Die Kinder nicken und finden es gut, dass Jeepy so ehrlich ist.

„Und nun zu der zweiten Frage: Was glaubt ihr, wie viel Prozent der gesamten Waldfläche den privaten Waldeigentümern gehört:

  1. A) 61% oder B) 20 % oder C) 10 %?“

„Wahrscheinlich gehört den Waldeigentümern der größte Anteil, also A“, sagt Margarete.

„Richtig“, stimmt Jeepy zu.

„61% gehören privaten Eigentümern, 26% dem Land Brandenburg, 7 % kommunalen Einrichtungen und 6 % dem Bund“, liest Jeepy vom Zettel ab.

„Und hier sind eure Preise“, ruft Jeepy.

Es gibt ein kleines Planschbecken, einen Wasserball und kleine Früchtekörbe für unterwegs.

Die Kinder sind begeistert und ziehen weiter.

Fast gleichzeitig kommen die beiden Gruppen an der Stelle an, an der die Schatzkiste vergraben sein muss.

„Schaut mal in die Nähe der beiden Holzbänke“, raunt jetzt Jeepy den Kindern zu.

Die suchen fleißig weiter.

Da ruft Darian: „Hier ist eine weiche Stelle. So als ob jemand ein Loch ausgehoben hat und ein Deckel darauf liegt.“

Die Kinder und die Erwachsenen kommen schnell zu der Stelle.

Der Fahrer und der Verkäufer schauen sich an und schmunzeln.

„Na dann macht doch einfach mal den Sand weg“, sagt der Verkäufer.

Eifrig beginnen die Kinder mit den Händen den Sand wegzuwischen. Sie nehmen die Holzplatte weg und entdecken die Kiste.

„Hier ist sie!“, rufen sie aufgeregt.

„Wartet, wir heben sie aus dem Loch“, sagt der Fahrer.

Und da stand sie nun, die Kiste.

„Wir haben ein letztes Rätsel. Wir verbinden einem Kind die Augen und es muss erraten, was es gerade isst. Wenn es richtig ist, darf diejenige oder derjenige die Kiste öffnen. Wer möchte das?“

„Ich, ich auch“, rufen da alle Kinder.

„Gut, wer hat heute noch nicht mitgeraten?“, fragt der Fahrer.

„Ich“, sagt Otto. „Ich habe auch noch nichts erraten“, ruft Jana.

„Gut, Jana, dann binden wir die Augen zu. Und du musst erraten, welches Obst du gerade schmeckst.“

„Gut“, sagt Jana.

Der Fahrer nimmt eine Kiwi aus dem Korb, schält sie schnell ab und gibt sie Jana.

„Das ist eine Kiwi“, ruft Jana sofort.

„Donnerwetter, das ging ja schnell“, sagt da der Fahrer. Er hätte nicht gedacht, dass Jana so schnell das Rätsel löst.

„So, Jana, dann mach den Deckel auf.“

„Jana hebt den Deckel an und zum Vorschein kommen die Goldstücke. Sie glitzern in der Sonne.“

„Oh, das ist ja wie ein richtiger Schatz“, rufen die Kinder.

„Ja, und in Wirklichkeit ist es Schokolade, die ihr essen könnt.“

„Au ja“, freuen sich die Kinder.

„Aber bitte nicht alles auf einmal“, sagt der Fahrer, während er und der Verkäufer die Goldtaler verteilen.

„Zum Abschluss lade ich euch alle zum Grillen in den Wildpark ein“, sagt noch der Fahrer.

Alle sind begeistert und streben dem Eingang zum Wildpark zu.

„War das nun ein richtiges Abenteuer?“, fragt der Fahrer den Verkäufer.

„Naja, vielleicht kein richtiges Abenteuer, aber ein Tag mit viel Spaß und ein bisschen hinzugelernt haben wir auch alle.“

Der Fahrer nickt zufrieden.

SCHREIB – ALLTAG (1)

WARUM AUSGERECHNET GESCHICHTEN ÜBER DEN ALLTAG?

Ich habe in meiner beruflichen Vergangenheit vor allem Texte mit einem wissenschaftlichen oder journalistischen Anspruch verfasst.

Das tue ich heute noch. Aber mehr und mehr erzähle ich Geschichten, mal der Wirklichkeit entnommen und mitunter auch in die literarische Welt gepackt.

Bin ich deshalb ein Schriftsteller?
Nein, ich denke nicht.
Aber ich muss mich natürlich an die Regeln des literarischen Schaffens halten. Ich versuche es jedenfalls.
Das ist für mich wie ein Abenteuer, eine Reise in ein unbekanntes Land.

Ich schreibe darüber, was mir dabei begegnet, was ich lerne, wie ich das Handwerk trainiere und was es mir bringt.

Das Motiv dahinter: Dem Leser Menschen näherzubringen, ihre Konflikte, ihre Hoffnungen, Sehnsüchte und die Schwierigkeiten, die der Alltag immer wieder auftut, jeden Tag aufs Neue.
Mich reizt das Banale, das wir am Tag erleben, eben das, was wir kaum bewusst zur Kenntnis nehmen.

Dabei gibt es viel mehr schöne Dinge als hässliche Erlebnisse im Alltag, humorvolle Episoden, die es lohnt, festzuhalten.
Natürlich sind es die erzählten Geschichten selbst, die den Leser am meisten interessieren.

Doch vielleicht ist es ja auch interessant, quasi den Weg des Schreibens zu dokumentieren – mein handwerkliches Verständnis davon, die Erfolge und Niederlagen, die Fehler und vor allem die Motive, warum ich weitermache.

Schreiben und verwerfen, wieder schreiben, lesen und dann wieder schreiben. Eintönig?
Ja, irgendwie schon. Anstrengend? Und wie.
Aber faszinierend.

MEIN FREUND, DER ALLTAG (62)

DAS ERSTE FITNESSTRAINING

Ich hab’s getan.  Gestern früh, 06.07 Uhr, habe ich das Fitness-Center in Mitte betreten.

Das war gar nicht so einfach, denn ich musste mich zunächst in allem zurechtfinden.

Wir sind gestern Morgen kurz nach 05.00 Uhr losgefahren. Es war schon eine Menge Bewegung in Richtung Stadtzentrum. Nach 26 Minuten war ich im Zeitungsviertel Kreuzberg-Mitte angekommen.

Klara wollte, dass ich sie direkt vor einer Bäckerei absetze. Sie schwärmte von den türkischen Süßwaren, die es dort gibt.

„Das ist aber nicht gut für die Figur“, musste ich loswerden, als sie noch mit einem Bein im Auto war und mit einem Bein, jedenfalls mental, schon in der Bäckerei.

Klara wünschte mir viel Spaß im Sportstudio und ich düste zurück, in Richtung Alex. Es ist schön, morgens den Fernsehturm zu sehen, das Rote Rathaus, die vielen neuen Hochhäuser.

Mich inspiriert das, auch wenn ich danach wieder ins Dorf fahre und mich vor meinen Computer hocke und der Bauch sich über die Schreibtischplatte schiebt.
Nicht mehr lange.

Aber erst einmal musste ich in die Tiefgarage einbiegen. Nachdem ich ausgestiegen war, irrte ich im Parkhaus umher, weil ich den Eingang ins Fitnesscenter nicht fand. Schließlich stand ich im Fahrstuhl und fuhr nach oben.

Ich sah mich im Spiegel, von der Seite.
„Oh, Dicker, es wird höchste Zeit“, sagte ich in den Spiegel hinein.
Als ich den Eingang passiert hatte, sah ich die ersten Sportler an den Geräten schwitzen.

Ich schaute sie mir an und mir war klar:  Ich war mit Sicherheit nicht nur der Älteste, ich war auch der Dickste in der Runde.

Ich seufzte, ging nach unten, verstaute meine Tasche im Fach und lief immer noch motiviert die Treppen hinauf.
Ich suchte ein Fahrradergometer und schwang mich sofort in die Pedalen.

Nach der ersten Minute sprach mir mein kleiner Schweinehund, der auf der linken Schulter saß, ins Ohr: „Hör auf, es ist heute nur der Anfang. Du kannst noch so oft hier radeln, ohne vom Fleck zu kommen.“

Der rechte Kobold auf meiner Schulter aber brüllte mir ins Ohr: „Du willst schon aufgeben? Du Lusche! Willst du frühzeitig im Rollstuhl sitzen, dich nicht mehr bewegen können?“
Nein, das wollte ich auf keinen Fall.

Ich drehte die Belastung eine Stufe höher und trat in die Pedale.
Nach zwei Minuten sagte ich zu mir: „Komm, Dicker, dreh wieder eine Stufe zurück, fahr langsamer, aber halte zehn Minuten durch.“
Ich hielt durch und stieg erleichtert vom Ergometer.

„Wo stellt man das Gerät ab?“, fragte ich eine junge Frau, die neben mir radelte.
„Gar nicht“, sagte die.
„Die stellen sich von allein ab.“

Ich bedankte mich und dachte nur: umso besser.
Die nächste Station war ein Gerät auf dem man sich mit dem Bauch legte und dann fast auf den Boden fiel. Aber man konnte seine Füße hinter zwei gepolsterte Stangen klemmen und blieb so in der Haltung vornüber hängen.

„Wozu ist das gut?“, fragte ich meinen Nachbarn.
„Für den Rücken“, ächzte der, während er den Oberkörper nach oben bewegte.

Er hatte zusätzlich noch ein Eisengewicht in den Händen, 25 kg.
Das holte ich auch, schwang mich in die Ausgangsposition und kam nicht wieder hoch. Das Gewicht war zu schwer.

Ich schleifte das Gewicht zurück zum Regal und holte mir nun eine 5 kg schwere Scheibe. Das ging und ich machte dreimal 20 Übungen. Zwischendurch hatte ich den Eindruck, es würde mir gleich die Luft abgeschnürt. Ich hielt durch.

Danach war ich an verschiedenen Geräten. Plötzlich wurde mir schwindlig.
Meine Wasserflasche hatte ich nicht am Mann, sondern unten in der Garderobe.
Ich schleppte mich runter und trank die Flasche fast in einem Zug aus.

Fast anderthalb Stunden waren nun vergangen.
Das Studio füllte sich. Ich packte meine Tasche und ging nach draußen. Gehen ist nicht der richtige Ausdruck. Ich schleifte immer ein Bein nach, während das andere nach vorn trudelte.

Ein Fensterputzer sah mich an und musste schmunzeln.
Wahrscheinlich ging ich doch nicht als gestylter Fitnesstrainer durch.

Schließlich saß ich im Auto, aß eine Banane und die Kräfte kehrten zurück.
Ich hätte nun Bäume ausreißen können. Es war ein traumhaftes Gefühl.
Warum hatte ich damit solange gewartet?

ANNA IST DEMENT (34)

WIR WAREN SCHÖN EIS ESSEN – IM BALTIC – HOTEL

 

„Wie war es beim Arzt, Mutti?“, fragt Klara abends Anna.
Klara wusste, dass Anna einen Arzttermin um 17.00 Uhr hatte.
Lukas war mit ihr zusammen dort gewesen.

„Welcher Arzt?“, fragte Anna erstaunt.
„Du warst doch heute in der Praxis, gemeinsam mit Lukas.“

„Mit Lukas? Was will der denn dort?“
„Mutti, er hat dich begleitet, damit alles klar geht.“
„Stimmt!“, sagte sie jetzt.

„Und weißt du, wir waren hinterher schön Eis essen“,  setzte Anna hinzu.

„Ach, das ist ja wunderbar. Wo seid ihr denn gewesen?“, hakte Klara nach.

Am Telefon entstand eine Pause. Klara spürte körperlich, wie es in Anna arbeitete.

„Ja, im Baltic-Hotel“, bekam sie schließlich heraus.
„Im Baltic-Hotel?“, fragte Klara verwundert.

„Ja. Es hat so gut geschmeckt“, schwärmte Anna.
Klara verabschiedete sich von Anna und rief Lukas an.

„Wie war’s denn im Baltic-Hotel?“, fragte Klara Lukas.
„Im Baltic-Hotel? Wie kommst du darauf?“, fragte Lukas.

„Mutti hat das gesagt.“
„Quatsch, wir waren beim Arzt, sind anschließend im Stralsunder Hafen gewesen und danach waren wir bei mir auf dem Hof. Ich habe ein Eis am Stiel ausgegeben“, sagte Lukas.

Er holte tief Luft und sagte: „Du, Mutti wusste nicht einmal mehr, dass wir im Stralsunder Hafen waren.“

„Wirklich nicht?“, fragte Klara.
„Wirklich nicht.“

„Naja, du hast ihr jedenfalls einen wunderschönen Tag bereitet, denn sie hat richtig gute Laune. Wir können das andere nicht ändern. Wir können es nur so akzeptieren, wie es ist. Und ihr wenigstens ein paar schöne Stunden bereiten“, sagte Klara zu Lukas.

„Das stimmt“, seufzte der. Es fiel ihm schwer, den geistigen Verfall von Anna zu begreifen, seiner Mutter, die sich veränderte, allmählich, unaufhaltsam.

MEIN FREUND, DER ALLTAG (61)

MORGEN GEHT’S INS FITNESSCENTER

Was ist da Besonderes dran?
Nichts.

Naja, für mich schon. Das letzte Mal war ich vor 7 Jahren dort.
Inzwischen hat der Betreiber gewechselt.
Gestern habe ich mich erst einmal angemeldet.

Ich habe lange gebraucht, um mich zu entschließen, dort wieder aufzutauchen. Eine junge Mitarbeiterin am Tresen fragte mich, was ich mir für Ziele gestellt hätte. Sie schaute mich von oben bis unten an und hat wohl eher Ausreden als fundierte Antworten erwartet.

„Beweglich bleiben, Bauch weg, Muskeln aufbauen, Spaß haben, mehr Power für die Arbeit bekommen“, das sagte ich ihr.

„Oh, perfekt!“, quietschte sie freudig.
Perfekt hieß schwitzen, sich quälen. Deshalb habe ich ihre Antwort lieber nicht kommentiert.

Es ging alles sehr schnell und ich musste nicht einmal eine Aufnahmegebühr zahlen, weil ich ja bereits bei dem vorhergehenden Anbieter angemeldet war.

„Willst du gleich anfangen?“, fragte mich die Mitarbeiterin.
Sie sah gut aus und posierte ein wenig mit ihrer Figur vor mir. Sie fand mich wohl lustig, wahrscheinlich sogar schrullig

Also fand ich sie nicht lustig, vorsichtshalber.

„Ich schau‘ mich erst einmal um“, sagte ich.
„Und am Mittwoch komme ich dann wieder.“

„Mach‘ das!“, sagte die Mitarbeiterin.
Ich ging umher und fragte einen muskelbepackten jungen Mann, wo die Toiletten seien.

„Da hinten, links“, antwortete der respektvoll.
Wahrscheinlich hatte er in dem Moment das Bild seines Großvaters, im besten Fall seines Vaters vor Augen.

Nachdem ich wusste, wo man austreten kann, bin ich schnurstracks zum Ausgang gelaufen.

Ich brauchte erst einmal Abstand, um das alles zu verarbeiten.
Im Auto angekommen rief ich Klara an.

„Alles bestens, am Mittwoch geht’s los und eine Woche drauf habe ich dann eine Einweisung durch einen Personaltrainer“, sagte ich zu ihr am Telefon, während ich mich durch die vollen Straßen im Prenzlauer Berg per ‚stop and go‘ quälte.

„Hast du was zu trinken mit?“, fragte Klara als erstes.
„Ja“, sagte ich knapp.

„Und hast du das gute Handtuch wieder eingepackt?“
„Ich hab’s gar nicht ausgepackt.

„Warum nicht, brauchtest du das nicht zum Training?“
„Doch schon, aber ich fange am Mittwoch an. Heute habe ich erst einmal die Toiletten, die Duschen und die Umkleidekabinen besichtigt. Und an den Geräten bin ich vorbeigelaufen.“

„Hm“, sagte Klara. Sie konnte nicht verstehen, dass ich fast bis zum Alex fuhr und dann nicht wenigstens auf einem Laufband war.

„Hast du gar nichts weiter gemacht?“
„Doch, ich war noch am Eingang der Tiefgarage, damit ich weiß, wo ich reinfahren muss.“

Klara schwieg. Sie wusste, dass es keinen Sinn hatte, mich weiter zu nerven.

„Ich fahr‘ jetzt in den Einkaufsmarkt und kaufe für Krümel einen Sandkasten.“

„Aber nur einen eckigen“, sagte sie.
„Und wenn die nur runde haben?“
„Dann kaufst du keinen“, sagte Klara entschieden.
„Das kann ich nicht versprechen!“, meinte ich lakonisch.

Klara antwortete nicht. Es brachte sie auf die Palme, wenn ich mich scheinbar nicht an das hielt, was sie sagte.
Es gab die eckigen. Ich habe vorsichtshalber noch ein Foto auf ihr Handy geschickt.

Das schlimmste war, den 25 kg Sack mit Spielsand anzuheben.
Ich fluchte. Ich hätte schon früher mit dem Muskelaufbau beginnen sollen.

Aber bald, da schmiss ich den wahrscheinlich nur so durch die Luft.
Aber nun musste ich erst einmal schleppen, in gebeugter Haltung, keuchend und mit heraushängendem Hemd und herunterrutschender Hose.

Schließlich hatte ich alles verstaut.
Es war inzwischen Mittagszeit. Die Sonne gleißte und das Thermometer zeigte 34 Grad Celsius im Auto an.
Ich machte noch im Schreibwarenladen halt und kaufte mir mehrere dicke Farbstifte.

„Viel Spaß beim Basteln“, sagte der Verkäufer.
‚Ja hatte der nicht alle an der Latte?‘, fragte ich mich.
Sah der etwa nicht, dass ich schwer am Schreibtisch schuftete und ich nur eine kleine Pause eingelegt hatte, um für Nachschub zu sorgen?

Ich musste mich damit abfinden, dass er mich wohl überhaupt nicht so sah. Aufklären wollte ich ihn auch nicht, zumal ich mich ja heute offensichtlich vor dem ‚Schuften‘ drückte.

Ich kaufte an einem Stand noch ein halbes Hähnchen in sengender Sonne, fuhr nach Hause, duschte mich und knallte mich vor den Fernseher, um auf ‚Netflix‘ beim Hähnchenschmaus einen Thriller zu sehen.

So einen Film, den Klara nicht mochte – auf der Jagd nach dem Auftragsmörder von der Drogenmafia.

Ich biß genussvoll in das Hähnchen, bedauerte die Elitepolizisten aus dem SWAT-Team, die im Film agierten, schossen, über Zäune sprangen und Karateverrenkungen machten.
Bald, ja da konnte ich da auch mit einsteigen.

Denn am Mittwoch geht es los. Erst fahre ich Klara um 05.00 Uhr nach Kreuzberg-Mitte zur Arbeit und dann tauche ich auf dem Rückweg in die Fitness im Prenzlauer Berg ein.

Danach würde der Tag beginnen. Hoffentlich war ich dann noch in der Lage, auf die Tastatur zu hauen. Aber ich würde schon auf mich aufpassen. Jaja, das würde ich tun.

Achtsamkeit höre ich immer von den verschmusten Work-Life-Balance-Coachen.

Und heute, ja heute, da wollte ich mich noch vorbereiten auf die Herausforderungen, nur mental, versteht sich.

MEIN FREUND, DER ALLTAG (60)

RECHERCHE VOR ORT

Ich habe mich entschlossen, am Sonntagvormittag in die Schorfheide zu fahren, bis zum Wildpark. Also dorthin, wo ich die ‚Schatzsuche‘ in der Erzählung von ‚JEEPY‘ enden lassen will.

Natürlich hätte ich das auch so hinbekommen. Aber vor Ort ist alles ein bisschen anschaulicher, authentischer – wie man so schön sagt.
Zum Beispiel ist mir klar geworden, dass ich die Suche nach der Schatzkiste nicht direkt vor dem Eingang zum Wildpark beende, weil dort der Parkplatz ist, und sich zu viele Menschen und Autos hin- und her bewegen.

Ich habe ein Stück entfernt davon einen viel besseren Platz gefunden: In unmittelbarer Nähe steht ein Haus, das gut für die Situationsbeschreibung passt. Es ist verfallen, die Fensterscheiben sind eingeschmissen, die Türen vernagelt. Ein Relikt aus DDR-Zeiten, um das sich offensichtlich niemand mehr kümmert.

Davor findest du dichtes Gestrüpp, wild wachsendes Gras und eine Reihe von Bäumen, Kiefern, dazwischen Birken.
Mittendrin steht ein Holztisch und auf jeder Seite davon jeweils eine Holzbank. Da sind dicke Bohlen zurechtgeschnitten worden. Das alles passt hervorragend dafür, daneben die ‚Schatzkiste zu vergraben‘.

Ich bin noch ein wenig umhergelaufen, habe mir den Wald angesehen, und schließlich bin ich zufrieden in mein Auto gestiegen und zurückgefahren. ‚Jetzt muss ich bloß noch den Text schreiben‘, das dachte ich als ich ins Auto stieg.

Aber ich weiß, das alles braucht noch viel Arbeit. Doch es macht ja auch Spaß. Den Text werde ich am Freitag in dieser Woche veröffentlichen. In diesem Sinne, lieber Alltag, packen wir‘s an.

JEEPY (28)

DIE LETZTEN VORBEREITUNGEN FÜR DIE SCHNITZELJAGD

Jeepy, Fiatine, der Fahrer und der Verkäufer saßen zusammen, um die noch offenen Fragen für die Schnitzeljagd zu klären. Sie sollte morgen beginnen.

„Anders als es bei anderen Schnitzeljagden der Fall ist, müssen wir bei der Schatzsuche im Wald wenig vorbereiten“, sagte der Fahrer von Jeepy.

„Was wollen wir denn noch alles machen, bevor es losgeht?“, fragte Jeepy ungeduldig. Er konnte es kaum noch erwarten, bis es tatsächlich so weit war.

„Wir müssen vor allem klären, wie du und Fiatine überhaupt teilnehmen können“, sagte der Verkäufer.
„Wie meinst du das?“, fragten da Jeepy und Fiatine wie aus der Pistole geschossen.

„Naja, ihr könnt schließlich nicht als Autos durch den Wald fahren. Ihr kommt ja gar nicht durch die Bäume durch“, antwortete der Verkäufer.

„Ich kann auf zwei Rädern, halbschräg, durch die Bäume schweben“, meinte Fiatine.
„Was du kannst, das kann ich auch“, sagte Jeepy.
„Ich kann auf beiden Hinterrädern rollen und durch den Wald fahren“, sagte Jeepy.
„Dann siehst du ja wie ein Zirkuspferd aus, das vom Dompteur dressiert wird“, kicherte Fiatine.
„Alberne Tute“, brummte Jeepy zurück.

Jetzt schaltete sich der Fahrer ein: „Was haltet ihr davon, wenn ihr auf den Hauptwegen zu den Punkten fahrt, auf denen die Kinder beim Suchen nach der Kiste eine Pause machen und ihr Fragen vorbereitet habt, die ihr den Kindern stellt und zur Belohnung für richtige Antworten bekommen diese kleine Preise ?“

„Cool“, riefen Jeepy und Fiatine gleichzeitig.
Und an den Verkäufer gewandt, fragte der Fahrer: „Was brauchen wir noch?“

„Zunächst sollten alle Kinder festes Schuhwerk anhaben und nicht etwa in Sandalen oder Latschen kommen.“

„Was noch?“, fragte der Fahrer.
„Wir sollten uns Kreppband besorgen oder Flatterband, damit wir die Spur zur Schatzkiste richtig legen“, sagte der Verkäufer.

„Genau und wir brauchen Kreide, damit wir die Richtungen für die Kinder und Erwachsenen anzeigen können. Die sollte wasserlöslich sein“, ergänzte der Fahrer.

„Fällt euch noch was ein?“, wandte sich der Fahrer an Jeepy und Fiatine.

Fiatine meldete sich: „Wir brauchen Hefte und Stifte, die wir an die Kinder verteilen können, wenn sie die Rätsel lösen.“

„Ja, und wir sollten Tüten mitnehmen“, sagte Jeepy.
„Wozu das?“, fragte der Verkäufer.

„Damit wir unseren Müll einsammeln können und fremden Müll auch, den wir finden, während wir auf der Suche nach der Schatzkiste sind.“

„Sehr guter Vorschlag, Jeepy“, sagte der Fahrer.
Jeepys rote Farbe strahlte nun noch mehr, als es ohnehin schon in der Sonne blinkte.

„Ich habe auch noch eine Idee“, sagte der Verkäufer.
„Welche?“, fragten alle neugierig.

Was haltet ihr davon, wenn wir eine Rateaufgabe machen, wo die Kinder Gegenstände ertasten müssen, zum Beispiel Buntstifte, einen Bleistiftanspitzer, Radiergummi, Schulhefte, Murmeln? Die dürfen sie behalten, wenn sie richtig raten.“

„Prima“, rief Fiatine.
„Gut, dann nehmen wir das auch noch in den Plan mit auf“, sagte der Fahrer.

Anschließend fuhren alle noch raus in die Schorfheide, um die Spuren zu legen und die Schatzkiste zu verstecken.
Sie malten mit Kreide Pfeile an die Bäume, befestigten Luftschlangen in den Zweigen und legten Stöcke in Richtung der Schatzkiste.

Die Schatzkiste selbst vergruben sie unmittelbar vor dem Eingang zum Wildpark Schorfheide.

JEEPY (27)

DIE SCHATZKISTE IN STRALSUND

Jeepy und Fiatine waren aufgeregt. Es ging zu Lukas nach Stralsund. Der hatte eine alte und morsche Kiste, die der Fahrer zur Schatzkiste umbauen wollte.

Jeepy und Fiatine hätten zwar durch das update allein fahren können, also ohne den Fahrer und den Verkäufer, aber die wollten beide auch mit.

Und so ging es morgens um 05.00 Uhr los.
Jeepy fuhr vorneweg. Auf den hinteren Sitzen war Krümel, die fröhlich vor sich hin erzählte. Neben ihr passte die Frau des Fahrers auf sie auf.

Fiatine düste hinter Jeepy hinterher, mit dem Verkäufer am Steuer.
„Man, warum muss Fiatine so dicht auffahren. Die kann nicht anders, als sich wieder in den Vordergrund zu drängen“, sagte Jeepy zum Fahrer.

„Jetzt bleib‘ mal ganz friedlich. Wenn es dem Verkäufer und Fiatine zu langsam geht, dann sollen sie uns doch überholen“, antwortete der Fahrer.

„Ja, aber immer diese freche Fiatine, die überall auffallen muss. Jetzt will sie auch noch vor mir fahren“, sagte Jeepy leicht eingeschnappt.
„Au wi ju do“, brabbelte Krümel fröhlich.

„Siehst du, lieber Fahrer, Krümel gibt mir recht“, sagte nun Jeepy.
„Au wi ju do heißt einfach nur, dass wir singen sollen, anstellen hier nur zu nörgeln“, meinte der Fahrer.

„Auf der Reeperbahn, nachts um halb eins“, fing der Fahrer auch gleich an zu singen.

„Das kannst du doch jetzt nicht bringen“, sagte die Frau des Fahrers.
„Warum nicht?“, fragte der Fahrer.

„Weil es kein Kinderlied ist“, antwortete sie.
„Jeepy klein, fährt allein, in die weite Welt hinein, Stock und Hut, alles wird mit der Schatzkiste gut“, trällerte da der Fahrer.

„Au wi ju do“, quietschte Krümel auf der Hinterbank.
„Siehst du, Krümel gefällt mein Lied“, sagte der Fahrer.
Plötzlich ertönte hinten ein Lied:

„Ich heiße Fiatine, ich bin die flotte Biene. Ich flitze über die Piste und bald, ja da haben wir die Kiste. Wir füllen sie mit Gold und dann ist das Glück uns hold“, sang sie weiter.

Der Fahrer bog auf den nächsten Parkplatz ab.
Alle stiegen aus, vertraten sich die Beine oder die Reifen, und weiter ging‘s.

Sie waren am frühen Vormittag in Stralsund angekommen.
Auf dem Hof von Lukas roch es nach geräuchertem Fisch.
„Oh, das duftet ja so gut hier“, sagte die Frau des Fahrers zu Lukas.
„Hm“, brummte der nur. Er sprach nicht mehr, als es unbedingt nötig war.

„Wo ist denn die Kiste?“, fragte der Fahrer.
„Die steht hier schon.“ Lukas zeigte auf eine Holzkiste, die sich auf dem Tisch im Garten befand. Sie war ziemlich alt. Aber das machte sie so perfekt für die Schatzsuche.

Lukas hatte oben auf noch einen Deckel mit Scharnieren befestigt und vorn ein Schloss angebracht.
„Mach‘ mal auf“, sagt jetzt Lukas zum Verkäufer.

„Wow“, rief der aus.

„Was ist da drin? Ich will es sehen“, rief Jeepy.
„Ich auch!“ Fiatine zwängte sich zwischen die anderen und rollte vor Aufregung dem Verkäufer über die Füsse.

„Au wi ju do“, ertönte Krümels fröhlicher Kauderwelsch. Sie ging an der Hand der Frau des Fahrers und wollte auch sehen, was in der Kiste noch war.

Lukas hatte dort einen Haufen Goldtaler hineingelegt.
Das war Schokolade in kreisrunder Form, eingewickelt in geprägter Goldfolie.

Es sah aus, als wäre die Kiste tatsächlich angefüllt mit purem Gold.
„Wo hast du die her?“, fragte jetzt der Fahrer Lukas.

„Ach, ganz in der Nähe betreibt ein Freund einen online-shop, der für genau solche Abenteuer die richtigen Utensilien liefert“, antwortete Lukas.

Neben der Kiste lagen noch für jeden der Kinder kleine Wundertüten, in denen Malbücher, Stifte und weitere Süßigkeiten waren.

„Das könnt ihr auch noch mitnehmen“, sagte Lukas.
Der Fahrer, seine Frau, der Verkäufer, Jeepy und Fiatine bedankten sich bei Lukas und Krümel murmelte zufrieden ihr „au wi ju do“ wie zur Bestätigung vor sich hin.

Alle begaben sich auf die Rückreise.
Die Schatzsuche konnte beginnen.

MEIN FREUND, DER ALLTAG (59)

WIE UNS UNSERE FRAUEN SELBST NOCH IM PARKHAUS FÜHREN

Wenn wir schon in die Reha mussten, um einen Termin für Klaras Gymnastikgruppe zu machen, dann wollten wir den Tag auch richtig nutzen.

Wir fuhren also weiter nach Bernau, ins Einkaufcenter, um zwei Aufleger für unsere Gartenliegen zu kaufen. Wir sind  direkt in das Parkhaus gefahren.
Das ist nichts Besonderes. Kann man denken. Doch, wenn du im Auto sitzt und einen steilen Berg vor dir hast, dann siehst du das anders.

Warum in die Rocky Mountains düsen, wenn du doch um die Ecke die Anfahrt ins Parkhaus in Bernau hast, bei der dich beim Hochklettern mit dem Auto das Gefühl beschleicht, als würdest du gleich nach hinten überkippen.

„Wenn du hier hochkommst, dann weißt du, dass du Autofahren kannst“, sagte ich zu Klara.
Sie sagte nichts, außer: „Pass bloss auf!“
Worauf, das liess sie offen.

Wir kamen oben gut an. Dort standen einige Autos, also musste es noch mehr gute Fahrer als mich geben.

Ich fuhr erst einmal eine Runde, um mir eine Übersicht zu verschaffen. Ich staune, wenn manchmal jemand nach oben schießt, gleich nach rechts oder links abbiegt, fast gerade zwischen den weißen Begrenzungslinien des Stellplatzes steht, aussteigt, sich ohne umzudrehen, die Türen des Autos per Funk verschließt und zum Fahrstuhl eilt.

Ich habe das auch einmal gemacht. Danach hatte ‚Bobby‘, mein alter Mercedes, rechts eine Beule am hinteren Radkasten. Der Abstandsmelder im Auto war kaputt.

Ein anderes Mal bin ich vorn gegen die Wand gefahren.
Ich dachte, es sei noch ein wenig Platz. Es gab ein knirschendes Geräusch und ich fühlte körperlich Schmerzen.
Trotzdem stieg ich cool aus, weil jemand in der Parkgarage schaute, ob was passiert war.

Ich ging darum vom Auto, ohne mich umzudrehen. Ich konnte nicht einmal den Schaden an der vorderen Stoßstange überprüfen.
Das sollte mir nicht noch einmal passieren. Ich hatte auf all diese Kapriolen keine Lust mehr. Also prüfte ich im Parkhaus erst einmal, wo ich mich am besten platzieren konnte. Ich entdeckte einen Stellplatz, der frei war und wo links und rechts nicht unmittelbar Autos standen.

Ich fuhr zügig drauf zu, bremste und machte den Motor aus.
Als ich ausstieg, erkannte ich das Dilemma. Ich stand mit zwei Reifen über der linken weißen Stellplatzbegrenzung.

Sollte ich noch einmal einsteigen und wieder vor und zurückfahren, nur um gerade im Stellplatz zu parken?
Früher hätte ich das getan. Doch seitdem ich den Eindruck hatte, dass es uncool und altbacken ist, korrekt zu sein, da tat ich das nicht mehr.

Wir gingen in Richtung Fahrstuhl. Davor prangte ein großes Plakat, auf dem stand: ‚fair parking‘.

Was war damit gemeint? Sollte ich doch gerade in den Stellplatz fahren, damit mein Nachbar auch noch gut hineinkam? Ich verdrängte diesen Gedanken, weil ich nicht noch einmal zurücklaufen wollte.

Vor uns wartete bereits ein Ehepaar.
„Hast du die Parkuhr eingestellt?“, fragte ihn seine Frau streng.
„Verdammt, nein.“

Er drehte sich um und lief zurück.
„Ich habe meine Uhr auch nicht eingestellt“, sagte ich und lief dem Mann in der gleichen Richtung hinterher.

„Das kann hier teuer werden“, sagte dieser zu mir.
„Vielleicht war ja das mit dem Begriff ‚fair parking‘ gemeint.
Ich kramte die Parkuhr aus der vorderen Schublade und schaute auf die Uhr.

Es war eine Viertelstunde vor vier. Ich war großzügig mit mir und stellte den Zeiger auf die vier.
Dann ging ich zurück.

„Hast du die Zeit auch richtig eingestellt?“, fragte die Frau des Ehepaares vor uns am Fahrstuhl.

„Ja“, antwortete ihr Ehemann gequält.
„Hast du alles richtig gemacht?“, fragte nun Klara mich.
„Ja“, sagte ich knapp.

Ich kreuzte meinen Blick mit dem des anderen Ehemannes. Wir mussten beide schmunzeln.

Irgendwie kamen wir nicht raus aus einem Hamsterrad, indem wir uns drehten und wo die Frauen von draußen skeptisch und besorgt zugleich zuschauten.

Und wo sie darüber wachten, ob wir den richtigen Mantel anhätten, einen Schal mitnähmen oder eben ob wir die Parkuhr richtig eingestellt hätten. Vielleicht war das ja gut so.

ANNA IST DEMENT (33)

UND WIEDER DIE BLÖDE SPRITZENKISTE

Samstag, 22.00 Uhr. Das Handy klingelte.
Lukas hatte Freunde eingeladen. Er hatte den Grill angeschmissen, es lief leise Musik und die Gäste unterhielten sich angeregt. Die Stimmung war gut, das Wetter auch. Der Abend konnte nur noch besser werden.

Bis dahin jedenfalls.
„Ja bitte“, sagte Lukas. Er hatte nicht auf sein Display geschaut und vermutete, dass es Urlauber waren, die Fragen zu ihrer Ferienwohnung hatten.

„Ja, ich bin’s“, sagte eine leise Stimme.
Lukas erkannte sofort seine Mutter und merkte, dass es etwas nicht in Ordnung war, wieder mal.

„Weißt du, kannst du mir nicht mal die Kiste mit den Spritzen öffnen?“, fragte Anna ihn.

„Warum soll ich die Kiste öffnen, Mutti?“, fragte Lukas sie.
„Na, ich muss mich doch morgen früh spritzen“, antwortete Anna, nun schon mit einem lauteren, fast bösen Unterton.

Lukas hatte die Kiste im Baumarkt selbst gekauft, sie noch weiter verstärkt und ein dickes Schloss davor gehängt. Anna verstand nicht, dass die Schwestern vom Pflegedienst jeden Tag dreimal bei ihr vorbeikamen und sie spritzten. Sie vergaß es einfach.

„Mutti, das macht doch der Pflegedienst. Der kommt morgen gegen 07.30 Uhr“, sagte jetzt Lukas.
„Welcher Pflegedienst? Hier ist noch nie einer gekommen“, antwortete Anna störrisch.

Schließlich gelang es Lukas, seine Mutter davon zu überzeugen, die Finger von der Kiste zu lassen und auf die Schwestern am nächsten Tag zu warten.

Er hatte das Telefonat mit Anna beendet. Es war ja alles gut gegangen. Aber Lukas kochte innerlich.

Er konnte sich nicht damit abfinden, dass seine Mutter geistig so verfiel. Von Tag zu Tag mehr.

Der Abend war für ihn gelaufen.
„Du weißt doch, wie deine Mutter ist und wie du darauf reagieren musst“, versuchten ihn seine Freunde nun ihn aufzumuntern.

Ja, er wusste alles. Dass er sich nicht innerlich aufregen sollte, keine Eskalationen zulassen durfte. Er wusste es von Klara, von den Mitarbeiterinnen des Pflegedienstes.

Es war alles klar. Nur eine Sache konnte ihm keiner erklären: Wie er eine innere Distanz hinbekam zu seiner Mutter. Er konnte es nicht und er wollte es nicht. Der Abend war irgendwie gelaufen.

MEIN FREUND, DER ALLTAG (58)

WIE ICH ÜBER DEN UNTERSCHIED VON KRÜCKEN UND UNTERARMSTÜTZEN BELEHRT WURDE
Was bisher war: 
Klara musste in die Reha-Klinik, einen Termin für die Gymnastikübungen mit der Physiotherapeutin vereinbaren.
Ich hatte Zeit und schlenderte den Weg zum Reha-Gebäude hoch.

Ich war an der Eingangstür der Reha-Klinik angelangt. Sie summte automatisch auf. In der Vorhalle hörte ich ein Stimmengewirr. Überall standen und saßen Menschen mit Krücken in der Hand.

Vor mir war ein Tisch frei, bis auf einen älteren Herrn.
„Ist hier frei?“, fragte ich ihn.

„Bitte“, sagte der und musterte mich streng durch seine Hornbrille.

Ich tippte auf Beamter im Ruhestand.
Wahrscheinlich Finanzbeamter oder Lehrer.
„Warum gehen hier alle an Krücken?“, fragte ich mein Gegenüber.

„Junger Mann, zunächst einmal gehen die meisten hier nicht, sondern wir warten auf unsere Therapeutin und dann haben die meisten eine Unterarmstütze. Kennen Sie den Unterschied?“
Also doch Lehrer, dachte ich bei mir.

So, geschlossene Frage, konnte ich knapp antworten:
„Nö“, sagte ich bewusst. Der Lehrer musterte mich nun schon anders, so wie jemanden, der es wohl im Leben zu nichts gebracht hatte.

Ein erfolgreicher Mensch würde ja wohl ‚nein‘ sagen. Trotz dieses Blickes, war es wohl für ihn trotzdem eine willkommene Ablenkung, mich zu belehren.
„Eine Unterarmstütze dient dazu, dass man sich mit dem Unterarm abstützen kann.“

„Ach, das ist ja interessant. Donnerwetter, Unterarmstütze. Da wäre ich bei diesen Krücken nie drauf gekommen.“

Der Lehrer ging auf meinen ironischen Unterton gar nicht ein und fuhr unbeirrt fort: „Sehen Sie, sie besteht aus einem Stützrohr mit Handgriff und kann zusätzlich mit einer höhergelegten Manchette versehen werden.“

Zum Glück tauchte Klara auf. Ich wäre wohl sonst in einem Kurzlehrgang zum Berater für Unterarmstützen ausgebildet worden.

FORTSETZUNG: MEIN FREUND, DER ALLTAG (59)

WIE UNS UNSERE FRAUEN SELBST IM PARKHAUS STEUERN

JEEPY (26)

LUKAS HAT EINE MORSCHE KISTE

WAS BISHER WAR:
Fahrer und Verkäufer haben viel Zeit damit vertan, sich gegenseitig zu ärgern. Nun wollen sie beraten, woher sie eine Schatzkiste bekommen.  

„Ich würde am liebsten einen einfachen Pappkarton nehmen, ihn bekleben und bemalen. Später würde ich den dann für meine vielen Texte zum Aufbewahren von Texten nutzen“, sagte der Fahrer.

„Das könnte dir so passen“, schnaubte die Frau des Fahrers.
„Kannst du nicht einmal deine blöde Schreiberei aus dem Spiel lassen?“

„Ja, finde ich auch“, pflichtete der Verkäufer der Frau des Fahrers bei. Dann fiel dem Fahrer ein, dass er in Stralsund bei Lukas eine ziemlich große Kiste gesehen hatte.

„Ich habe eine tolle Idee“, sagte der Fahrer.
„Welche?“, fragte der Verkäufer.

„Lukas, mein Schwager ist Manager von Ferienwohnungen in Stralsund“, sagte der Fahrer großspurig.

„Manager? Meinst du Facility Manager?“, hakte der Verkäufer nach.
„Facility Manager“, äffte der Fahrer den Verkäufer nach.
„Der ist Hausmeister und organisiert alles, macht die Wohnungen sauber und so“, erklärte nun der Fahrer.

„Sag doch gleich, was Sache ist“, meinte der Verkäufer.
„Also gut, jedenfalls weiß ich, dass die Leute ihm viel andrehen, weil sie es selbst loswerden wollen.

Und so ist seine Garage vollgestopft mit Dingen, die oft keinen Wert mehr besitzen, aber Lukas hebt sie trotzdem auf. Man kann ja nie wissen, meint er immer.“

„Und was ist denn nun unter diesen Sachen, ein Goldklumpen für unsere Schatzkiste?“, fragte der Verkäufer ungeduldig.

„Nein, das nicht gerade, aber er hat in der Ecke eine verstaubte alte Kiste stehen. Sie ist schon ein wenig morsch und keiner würde die sich überhaupt noch irgendwo hinstellen. Aber bei ihm steht sie und fristet ihr Dasein“, erklärte der Fahrer.

Der Verkäufer traute dem Ganzen nicht. Wahrscheinlich war das Holz vermodert und fiel beinahe auseinander.

„Was willst du mit so einem morschen Ding“, fragte er den Fahrer.
„Denk doch mal nach, die sieht schon so aus, als hätte sie ein paar Jahre in der Erde gelegen, verbuddelt und vergessen. Außerdem hat sie seinen Deckel, zwei Henkel an der Seite und sogar alte Beschläge sind darauf. Vorn kann sogar ein kleines Schloss angebracht werden.“

„Klingt gut“, sagte der Verkäufer.
„Wer holt sie ab?“, fragte er weiter.
„Das machen wir. Ich fahr mit Jeepy da hoch“, sagte der Fahrer.
„Ich komm‘ mit“, meldete sich nun seine Frau.

„Ach bitte, nehmt mich auch mit. Ich war noch nie an der Ostsee“, rief nun Fiatine, die inzwischen eingetroffen war und sich still in eine Ecke verdrückt hatte, um ja zuzuhören und ja nichts zu verpassen.
„Meinetwegen“, meinte der Verkäufer.

„Wenn du dir unbedingt nasse Füsse am Wasser holen willst.“

JEEPY (27)
Der Fahrer, seine Frau, Fiatine und Krümel fahren nach Stralsund und holen die morsche Kiste ab.

JEEPY (25)

DAS MOTTO DER SCHATZSUCHE
WAS BISHER WAR:
Der Verkäufer versucht dem Fahrer von Jeepy einzureden, dass sie Geocaching anwenden, die moderne Form der Schnitzeljagd. Der Fahrer ist vehement dagegen und setzt sich durch.
Jetzt geht es darum, eine Schatztruhe zu finden.

Der Fahrer und der Verkäufer waren noch allein. Sie wollten beraten, was in die Schatzkiste hineinkommt.
„Wollt ihr das denn nicht gemeinsam mit Jeepy, Fiatine und den Kindern besprechen, was in die Schatzkiste soll?“, fragte die Frau des Fahrers.

„Nein, das soll eine Überraschung für die Kinder werden und wenn Jeepy oder Fiatine davon wissen, dann verraten sie es ihnen vielleicht“, antwortete der Verkäufer.

„Ach übrigens, heißt es nicht Schatztruhe anstelle von Schatzkiste?“, fragte der Verkäufer weiter.
Der Fahrer schüttelte seinen Kopf: „Wenn wir von Schatztruhe sprechen, dann sehe ich ein recht großes Möbelstück vor mir, das ich beim Tragen fallen lassen kann. Dir direkt auf den Fuß, lieber Verkäufer. Und ich sehe dein schmerzverzerrtes Gesicht.“

„Das hast du mit so einem Wohlbehagen formuliert, dass ich mir gerade vorstelle, dass ich eine viel kleinere Kiste fallen lasse, auf deinen Fuß, lieber Fahrer. Und die Kiste ist vollgestopft mit schweren Goldmünzen“, sagte der Verkäufer daraufhin mit ironischem Unterton.

Er war immer noch empört, dass ihm der Fahrer die Schatztruhe, die es gar nicht gab, auf die Füße fallen lassen wollte.
„Jetzt kriegt euch mal wieder ein. Wir sind doch hier nicht im Kinderkarten“, sagte die Frau des Fahrers.

„Oh, ich glaube, da irrst du gewaltig. Wir sind in einer Kita, in der die Erwachsenen schwer arbeiten müssen. Schatzkarten malen und basteln, dann verbrennen, und danach wieder von vorn“, antwortete der Fahrer.

„Wie lautet eigentlich das Motto der Schnitzeljagd?“, hakte die Frau des Fahrers unbeirrt nach.
„Wie wäre es mit folgendem Motto für die Schnitzeljagd: ‚Für Frieden und Schnitzeljagd in der Schorfheide‘?“
„Kannst du auch mal ernst sein?“, sagte jetzt die Frau des Fahrers energisch.

„Ja, wirklich!“, unterstützte der Verkäufer sie.
„Du bist doch aus Ostfriesland, oder?“, fragt der Fahrer nun den Verkäufer.

„Was hältst du davon: ‚Und bin ich auch Ostfriese, ich liebe die Schnitzeljagd in der Schorfheide, auf der Wiese‘?“

„Da kann ich nicht lachen“, sagte der Verkäufer.
„Jeepy und Fiatine laden euch alle zu einer abenteuerlichen Schnitzeljagd in die Schorfheide ein.“

„Was meint ihr?“, fragte jetzt die Frau des Fahrers.
„Nicht schlecht“, sagte der Verkäufer und der Fahrer schloss sich dem Vorschlag seiner Frau an.

Der Verkäufer und der Fahrer waren nun wieder versöhnt und fanden Gefallen daran, die Schnitzeljagd weiter vorzubereiten.
Sie berieten, was für sie als Schatzkiste infrage käme.

FORTSETZUNG JEEPY (26)
Der Fahrer hat eine tolle Idee, was sie als Kiste nehmen können.

MENSCHEN IN DER PFLEGE (12)

SCHWESTER SANDRA SPRICHT
Sandra Naber ist die Inhaberin des Pflegedienstes „Schwester Andrea Berkner“

Zu wenig Pflegefachkräfte, steigende Nachfrage von Pflegebedürftigen und pflegenden Angehörigen nach Hilfe und Unterstützung, Stress und Arbeitsüberlastung auf Seiten der Pflegedienste.

Der Pflegedienst „Schwester Andrea Berkner“ aus Templin will nicht auf Verbesserungen von außen warten: „Wir müssen jeden Tag die Herausforderungen bewältigen und das nicht irgendwie, sondern so, dass alle zufrieden sind – die Patienten, die Angehörigen und die Mitarbeiterinnen“, sagt Sandra Naber.

Ich habe mit ihr im schon im mehrfach gesprochen. Sie hat mir gesagt, dass sie aus den genannten Gründen der Überforderung manchmal ins Schwanken kommt, ob der Schritt richtig war, nämlich den Pflegedienst zu kaufen.

Aber zum Glück sind das nur theoretische Erwägungen. Denn Sandra Naber ist eine Krankenschwester aus Leidenschaft. Und diese Hingabe spüren auch die, die mit ihr täglich umgehen – das Team, die Pflegebedürftigen und die Angehörigen.

Sie wird „Schwester Sandra“ genannt und das ist nicht nur so dahingesagt. Besser kann man nicht ausdrücken, wie sehr sie an ihrem Beruf hängt.

Gerade darum nagt es an ihr, wenn die Anforderungen an die Pflegedokumentation oder andere bürokratischen Angelegenheiten sie davon abhalten, zu ihren Patienten zu fahren.

Individuell pflegen heißt – sich persönlich kümmern

Schwester Sandra lässt bei allen Unwägbarkeiten von einem Thema nicht ab: der individuellen Pflege.

„Wir leben und arbeiten im Raum Templin in Brandenburg, also in einem eher ländlichen Raum. Schon von daher geht es persönlicher zu, kennt man sich besser, als das in einer Metropole wie zum Beispiel Berlin der Fall ist.

Diesen persönlichen Umgang miteinander wollen die Menschen erst recht nicht vermissen, wenn sie auf Hilfe und Unterstützung angewiesen sind.“

Die individuelle Beziehung zu den Patienten und ihren Angehörigen, das Hinhören, die sensible Anteilnahme für die konkrete Befindlichkeit eines Betroffenen – all das findet man wieder im täglichen Umgang des Teams um Schwester Sandra.

„Das halten wir so und das strahlt auch auf die gesamte Arbeit aus“, sagt sie. Dabei gehen die Mitarbeiterinnen mit einer Generation um, die zum Teil über 80 Jahre alt sind und zum Beispiel in einer Zeit gelebt haben, in der die Vorstellungen von persönlicher Hygiene noch ganz andere waren.

„Das verlangt einfühlsam zu argumentieren, auf die Würde, die Persönlichkeit des einzelnen jeden Tag aufs Neue Rücksicht zu nehmen“, so die Inhaberin des Pflegedienstes.

Der steigende Anteil der Menschen, die nicht nur körperlich eingeschränkt sind, sondern derer, die an Demenz erkrankt sind, verlangt noch mehr Aufmerksamkeit in der täglichen Pflege.

„Wir müssen sensibel kommunizieren, den Patienten nicht verunsichern, indem ständig neues Personal kommt und sie vor allem in Sicherheit wiegen, weil wir ihre Tagesstruktur kennen und uns darauf mit unseren Aktivitäten und Maßnahmen einstellen“, erläutert sie weiter.

Das schließt ein, ein enges und vertrauensvolles Verhältnis zu den Angehörigen aufrechtzuerhalten.

Sandra Naber schwört auf ihr Team
Schwester Sandra weiß, was sie will. Sie führt in einer Art, die keinen im Team zurücklässt, keinen bevorzugt und jedem die „Luft zum Atmen“ lässt.

„Ich halte nicht viel von einer ‚Chef – Mentalität‘. Mir liegt vielmehr daran, dass wir vernetzt denken und agieren und jeder Mitarbeiterin an ihrem Platz die Verantwortung für das übernimmt, was man das gemeinsame Ganze nennt“, sagt sie in diesem Zusammenhang.

Aber gerade das lieben diejenigen, die täglich mit ihr zu tun haben. Sie können sich aufeinander verlassen und offen reden, wenn es gilt, aufkommende Probleme schnell zu erkennen und zu lösen.

„Meine Mädels sind die besten“, das hat Sandra Naber im letzten Interview gesagt. Und man merkt ihr an, dass sie das so meint.

Sie möchte ungern im Mittelpunkt des Interesses stehen, sondern sagt klar, dass jeder einzelne so wichtig ist, dass sie auf niemanden verzichten kann und vor allem nicht möchte.

Über die Jahre ist das Team zusammengewachsen, hilft sich untereinander, und die Mitarbeiterinnen auch mal gemeinsam. „Das muss einfach sein, weil wir es mögen, einfach gut miteinander umgehen“, so die Inhaberin.

Anerkennung ist kein Geschenk – man muss sie sich erarbeiten, jeden Tag neu

Warum es so gut klappt im Team des Pflegedienstes „Schwester Andrea Berkner“, warum Schwester Sandra anerkannt ist – bei Mitarbeitern und Patienten gleichermaßen, das hat viel damit zu tun, dass sie selbst von der Pike auf den Beruf erlernt hat.

Die Ausbildung zur examinierten Krankenschwester, die Tätigkeit im Krankenhaus, in ambulanten Pflegediensten, die Qualifizierung zur Pflegedienstleitung und schließlich der Erwerb und der Aufbau des eigenen Pflegedienstes – all das sind markante Wegmarkierungen hin zu einem Team, in dem man gern arbeitet und der sich die Achtung der Patienten und seiner Angehörigen über die Jahre erworben hat.

Das alles kann man gut in den beiden Interviews nachlesen, die auf dem Blog veröffentlicht sind:

https://uwemuellererzaehlt.de/2019/05/23/interview-14/

https://uwemuellererzaehlt.de/2017/06/14/sandra-naber-im-interview-1/

Kontakt:
Häuslicher Pflegedienst "Schwester Andrea Berkner"
Inhaberin: Schwester Sandra Naber
Otto - Lilienthal- Strasse 9
17268 Templin
Telefonnummer: (03987) 54830
Telefaxnummer: (03987) 54830
E-Mail: pflegedienst.templin@gmx.de

 

 

INTERVIEW (14)

INTERVIEW MIT SCHWESTER SANDRA AM 14.05.2019
Sandra Naber ist die Inhaberin des Pflegedienstes „Schwester Andrea Berkner“ in Templin
Frau Naber, was bedeutet Ihnen die Heimat, in der Sie aufgewachsen und jetzt auch beruflich tätig sind?

Es bedeutet mir sehr viel, dass ich in Templin geboren und aufgewachsen bin. Ich habe meine Ausbildung zur Krankenschwester in einer medizinischen Fachschule in Templin absolviert, und ich habe im Krankenhaus in Templin begonnen zu arbeiten.

Meine DNA ist sozusagen auf Templin programmiert. Ich bin hier Zuhause, fühle mich hier wohl, kenne die Menschen und das hilft natürlich auch in der Arbeit.

Inwiefern?

Naja, viele Menschen kennen mich halt von früher. Es ist gar nicht so selten, dass zum Beispiel ehemalige Klassenkameraden anrufen und mich fragen, ob ich etwas für deren Mütter oder Väter in Sachen Pflege und Betreuung tun kann.

Gibt es da auch die andere Seite?

Naja, es erhöht natürlich den Druck im Wissen darum, alles richtig machen zu wollen.

Was überwiegt dabei?

Auf alle Fälle die Tatsache, dass ich die Menschen hier mag, dass ich zu ihnen gehöre und sie zu mir. Das ist das Besondere. Eben das, was mich einfach glücklich macht, wenn sich die Leute bei meinem Team und mir gut aufgehoben fühlen.

Sind Sie stolz darauf, eine Ostdeutsche zu sein?

Ich bin stolz darauf, dass ich hier geboren bin, hier meine Familie habe und: Dass ich gerade in meiner Heimat Pflege- und Hilfsbedürftigen zur Seite stehen kann.

Das war nie leicht, am Anfang nicht und jetzt auch nicht.
Aber wenn Sie das alles so zusammenfassen, dann kann ich mit Fug und Recht sagen, dass ich meine Heimat liebe, die Menschen hier mag, stolz auf all das bin und darauf, dass ich eine Ostdeutsche bin.

Sie haben 1991 bis 1994 eine Ausbildung zur Krankenschwester absolviert, haben 1996 begonnen, in einem ambulanten Pflegedienst zu arbeiten.
2001 haben Sie eine Ausbildung zur PDL absolviert und waren im Pflegedienst „Schwester Andrea Berkner“ als PDL tätig.
Was waren für Sie im Jahr 2007 die größten Herausforderungen, als Sie sich entschlossen, den Pflegedienst zu erwerben?
Welche Ängste trieben Sie um, und was hat Sie bewogen, den Schritt zu wagen?

Die größten Ängste rührten daher, dass ich manchmal glaubte, den Anforderungen nicht gewachsen zu sein.

Ich hatte schon einen kleinen Schritt gemacht, weil ich bereits als Pflegedienstleitung in dem Unternehmen tätig war. Aber Inhaberin eines Pflegedienstes zu sein, das war für mich noch eine andere, eine größere Hausnummer.

Ich musste ja in allen Fragen fit sein, nicht nur in meiner eigentlichen fachlichen Arbeit, sondern auch in steuerlichen, kaufmännischen Fragen und in der Führung meines Teams.

Daraus erwächst ja auch eine Verantwortung, denn die Mitarbeiter vertrauen dir und wollen, dass du den Pflegedienst erfolgreich führst. Das ist ja eine existenzielle Frage für alle.

Würden Sie den Schritt heute noch einmal genauso gehen, wenn Sie erneut vor dieser Wahl stünden?

Ja und Nein.

Warum Nein?

Weil ich im Leben nicht geahnt hätte, mit wieviel Bürokratieaufwand das alles hier verbunden ist. Und der Aufwand ist nicht geringer geworden, sondern stetig gewachsen.

Was stört Sie in dem Zusammenhang am meisten?

Wissen Sie, bei den jährlichen Qualitätsprüfungen ist es wichtiger, ob ein Haken auf dem Papier richtig gesetzt ist. Das sagt ja noch nichts über die eigentliche Qualität in der täglichen Pflege aus.

Ich mache den Prüfern keinen Vorwurf. Sie müssen sich an ihre vorgegebenen Kriterien halten.

Aber ich würde mir wünschen, dass die praktischen inhaltlichen Pflege- und Betreuungsaspekte stärker in das Prüfergebnis eingehen. Ich glaube, das täte dem Qualitätsanspruch gut, den wir alle ohne Zweifel haben.

Was macht Ihr Team aus, was schätzen die Kunden an Ihnen und Ihren Mitarbeiterinnen in der täglichen Betreuung und Pflege?

Ich habe mal in einem früheren Interview gesagt, dass ich nichts auf ‚meine Mädels‘ kommen  lasse. Und das sehe ich heute auch noch so.

Es ist mir unglaublich wichtig, dass wir uns in unserem Team alle zusammen sehr wohlfühlen, denn nur so können wir die Aufgaben schaffen.

Sagen Sie eigentlich alle „du“ zueinander?

Ja. Das lockert die Atmosphäre auf und man kann ungezwungener auch über schwierige Themen reden.

Aber ist es manchmal für Sie nicht auch schwierig, eine Mitarbeiterin zu „duzen“ und ihr trotzdem die Meinung zu sagen?

Natürlich gibt es da schon gewisse Hemmungen.
Aber mir geht es eigentlich um etwas Anderes.

Nämlich?

Dass ich offen und ehrlich mit jedem reden kann.
Dabei überlege ich mir schon, was ich wem zu welchem Zeitpunkt in welcher Art sage.

Sie merken schon, das „du“ weicht hier keine Anforderungen auf, sondern es geht darum, dass wir den gegenseitigen Respekt und die Wertschätzung füreinander haben. Das muss beim „Sie“ oder aber beim „Du“ der Fall sein.

Ansonsten bringt uns das „Du“ eine gelöstere Atmosphäre und wir genießen es auch, vertraut miteinander umzugehen.

Haben Sie auch privaten Kontakt zu Ihren Mitarbeiterinnen?

Wissen Sie, dass bleibt in einer Kleinstadt gar nicht aus. Wir feiern gern, sitzen zusammen und sprechen über unsere Träume, Wünsche und Sorgen.

Dadurch entwickelt sich ein ganz anderes Verständnis füreinander.
Ich verstehe zum Beispiel viel besser, warum vielleicht jemand gerade nicht am Wochenende arbeiten kann oder wo ich einer Mitarbeiterin in einer schwierigen Situation helfen kann.
All das hat uns noch mehr zusammengeschweißt.

Am 12. Mai wird jährlich der internationale Tag der Pflege begangen. Das geht zurück auf die britische Krankenschwester Florence Nightingale, die für eine selbstständige Fachrichtung kämpfte – eine eigenständige Pflege und Betreuung.
Was brennt Ihnen aktuell unter den Nägeln, wenn wir über Ihre Anforderungen an eine moderne und zeitgemäße Pflege sprechen?

Den Abbau von Bürokratie in den Abläufen und in der Dokumentation habe ich ja schon genannt.

Was mir und meinem Team ebenfalls auf den Nägeln brennt ist die Tatsache, dass es nicht leichter geworden ist, motivierte junge Pflegekräfte zu finden.

Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Zum einen sollte das Ausbildungsprofil in der Pflege weiter geschärft werden. Mitunter haben wir zu ‚schwammige Begriffe‘, was die Berufsbezeichnungen anbetrifft. Hier sollte schon von Anfang klar sein, dass es um eine Tätigkeit in der Pflege geht, die ein bestimmtes Anforderungsprofil hat.
Die weitere Untergliederung zum Beispiel von Hilfskräften in den unterschiedlichen Bereichen ist eher verwirrend.

Wofür plädieren Sie?

Für eine Ausbildung zum Pflegehelfer, der einzelne Bereiche, zum Beispiel die Hauswirtschaft umfasst.

Oder: Eine fundierte Ausbildung zur Pflegefachkraft, mit der Maßgabe, sich zukünftig weiter zu spezialisieren.
Übrigens: Wir sind stolz darauf, dass wir nicht nur reden, sondern selbst ein Ausbildungsbetrieb sind.

 Bilden Sie zurzeit jemanden aus?

Ja, wir haben einen jungen Mann bei uns, der eine Ausbildung zum staatliche anerkannten Pflegehelfer absolviert. Außerdem arbeitet hier gerade eine Praktikantin.

 Was wünschen Sie sich am meisten, wenn wir über künftige Pflegekräfte sprechen?

Ein klares Bekenntnis zu dem, was sie später machen  wollen. Leidenschaft für das, was man tut.

Das danken einem die Menschen, für die wir ja da sein wollen, am meisten. Die Medien sollten das Thema noch komplexer beleuchten.

Wie meinen Sie das?

Nicht nur die negativen Seiten aufzeigen. Auch nicht über den „grünen Klee“ loben.

Sondern einfach den Beruf der Pflegekraft in seiner Härte, Schönheit zeigen und in seinem Potenzial, dass Menschen darin ihre Berufung finden können.

Worauf sind Sie besonders stolz?

Dass ich die Herausforderungen bewältigt habe, unser Unternehmen erfolgreich führen konnte, und dass wir heute ein im Ort bekannter und anerkannter Pflegedienst sind.

Frau Naber, ich danke Ihnen für das Gespräch.

Kontakt:
Häuslicher Pflegedienst "Schwester Andrea Berkner"
Inhaberin: Schwester Sandra Naber
Otto - Lilienthal- Strasse 9
17268 Templin
Telefonnummer: (03987) 54830
Telefaxnummer: (03987) 54830
E-Mail: pflegedienst.templin@gmx.de

 

 

CONVERSATIONS WITH A PRIMA BALLERINA (13)

INTERVIEW WITH IANA SALENKO AND MARIAN WALTER ON MAY 07, 2019

Iana, last time we saw each other was two months ago. How are you today?
I’m fine. Of course I’m a little scared of the impending birth but I am excited because a new life is coming to our family.

So is the birth a big challenge for you?
Yes of course. Not only the birth itself, but also the thoughts that go along with it. I worry about how it will be and how I will get back to my job. I carry many fears and doubts with me.

What kind of fears and doubts, for example?
I wonder how my career will continue and if I will be able to do it all. Nevertheless, the joy of having a child outweighs all my fears.

Iana, I remember seeing you and Marian for the first time. That was just before the birth of your first child. Now you are standing before the birth of your second child and you’re beaming even more today.

Well, back then I was younger and less experienced and I was not very self-confident. Since then I have learned a lot and gained experience which has given me more confidence.

Marian, do you agree?
Yes, definitely. I think that Iana has much more self-confidence today. And what’s important is that she worked very hard for it.

Do you think that your wife has gained mental strength?
Yes she has.

How is that expressed?
Well, she’s more open to people and they can feel what a fantastic person she is, and how modest she has stayed with everything.

I can attest to that too.
Iana, of course, the readers are interested in where you get the power to perform at your best while balancing that with your family life.

Personally, I think that you can only achieve your own peak performance if you are ready to do it in your head.

So you believe in the power of your thoughts?
Yes absolutely. Otherwise, you can not muster the necessary self-discipline and willpower to get where you want to go.

Marian, Iana, how do you handle the moment right before going on stage? How do you prepare yourself to give everything to the audience?
Marian:
Everyone handles the challenges and excitement before a performance differently. When you’re not excited, you’re not aware of the energy you need to use in order to meet those challenges.
Iana:
For me, it’s important that I visualize how I want to dance for the audience. Then during the performance I am able to step out of myself and to sense what the audience wants.

These are almost supernatural powers, right?
No, it’s just the focus and willpower necessary to give my best performance. This is something you always have to keep working on and improving. Marian and I help each other to achieve this and then find the balance.

Iana, can you give an example of how you find your inner-self?
I listen to classical music, close my eyes and imagine that I am lying by the sea. Classical music speaks to me and relaxes me a lot. It takes away my tension and makes me feel alive. Once I am relaxed, I start to think about what I can do to live a healthy life and take care of myself mentally.

What have you gained from your personal mental training?
I understand how to control my thoughts. As an artist, sometimes you are up and sometimes you are down. But it’s so important to use the power of your thoughts and that’s what I do.

Marian:
You have to use the good thoughts. In the past I slipped too much into the negative thoughts. My wife has an incredibly positive mental power. Nevertheless, it is difficult for her to accept herself as she is.
Iana:
I always find something that makes me want to become even more perfect. But I am already satisfied as I am right now.

Marian, what is the meaning of your inner world to you when talking about mental strength?
Marian:
You can go anywhere in your mind and that’s fantastic. If you have your goal already in your mind and you can see the end result, you can then figure out what you need to achieve it.
Iana:
I deal a lot with mental strength. Mental strength requires a lot of mindfulness. When you go on stage, you have to be completely with yourself.

How do you deal with conflicts between each other?
Iana:
We talk more than we used to. That helps a lot.
Marian:
Yes that’s true. In the past, Iana only retired to her shell. Today we can talk things through much better. This is a very good development that we both made. However, I still have to find out for myself what the causes of conflict are in certain situations. But I think that everyone has these experiences in their marriage.
Iana:
You have to talk, so that you understand each other. I like to ask questions. I would much rather find out the answers than torment myself with doubts.

Did the time of pregnancy help you get more insights here?
Yes, time has given me the opportunity to reflect on what makes me different.

What are the most important insights for you?
I can see much more clearly, what I need to do in my family life and work life.

Iana, Marian, thank you very much for the interview and the insights you have given me.
I keep my fingers crossed for you and look forward to seeing you after the birth of your son.

GESPRÄCHE MIT EINER PRIMA BALLERINA (13)

INTERVIEW MIT IANA SALENKO UND MARIAN WALTER AM 07. MAI 2019

Link to the english version: https://uwemuellererzaehlt.de/2019/05/23/conversations-with-a-prima-ballerina-13/

Iana, wir haben uns das letzte Mal vor zwei Monaten gesehen, wie geht es dir heute?

Mir geht es gut, aber ich habe natürlich ein wenig Angst vor der bevorstehenden Geburt. Ich bin aufgeregt, weil in Kürze ein neues Leben in unsere Familie tritt.

Also ist das schon eine große Herausforderung für dich, das alles gut zu bewältigen?

Ja, natürlich. Nicht nur die Geburt selbst, sondern auch die Gedanken, wie es danach wird, wie ich zurück in meinen Beruf komme. Ich trage sehr viele Ängste, Zweifel in mir.

Welche?

Zum Beispiel, ob ich das alles schaffe, und wie sich meine Karriere weiter gestalten wird. Trotzdem überwiegt bei mir die Freude auf das Kind, darauf, dass wir bald ein neues Familienmitglied haben.

Iana, ich weiß noch, wie ich dich und Marian das erste Mal besucht habe. Das war kurz vor der Geburt deines ersten Kindes. Jetzt stehst du vor der Geburt deines zweiten Kindes. Du strahlst heute mehr.

Naja, damals war ich einfach jünger, unerfahrener und ich war nicht sehr selbstbewusst. Inzwischen habe ich gelernt, so manche Erfahrung gesammelt. Ich bin also souveräner, selbstbewusster geworden.

Marian, siehst du das genauso?

Ja, auf jeden Fall. Ich finde, dass Iana heute tatsächlich ein stärkeres Selbstvertrauen zu sich selbst hat. Und wichtig ist, dass sie sich das alles sehr hart erarbeitet hat.

Glaubst du, dass deine Frau an mentaler Stärker hinzugewonnen hat.

Ja, das hat sie.

Wie drückt sich das aus?

Nun, sie geht offener auf Menschen zu. Die Leute spüren gerade im direkten Kontakt mit ihr, was für ein phantastischer Mensch sie ist, und wie bescheiden sie bei allem geblieben ist.

Das kann ich nur bestätigen. Iana, die Leser interessiert natürlich, woher du die Kraft nimmst, um Spitzenleistungen abzurufen und dabei noch in der Balance mit der Familie bleibst.

Das ist ein weites Feld. Ich persönlich denke, dass du nur dann deine eigenen Höchstleistungen erreichst, wenn du vorher im Kopf dazu bereit bist.

Also glaubst du auch an die Macht deiner Gedanken?

Ja, absolut. Sonst kannst du gar nicht die nötige Selbstdisziplin und Willensstärke aufbringen, um genau dahin zu kommen, wo du hinmöchtest.

Marian, Iana, wie geht Ihr eigentlich kurz vor Euren Auftritten damit um, dass Ihr im nächsten Moment alles für das Publikum geben wollt?

Marian:

Jeder geht mit den Herausforderungen anders um. So wie zum Beispiel mit der Aufregung vor dem Auftritt. Wenn du nicht aufgeregt bist, dann sensibilisierst du nicht, welche Energien du mobilisieren musst, um eben diese Herausforderungen zu bestehen.

Iana:

Für mich ist wichtig, dass ich vor meinem Auge visualisiere, wie ich für das Publikum tanzen will. Und während der Vorstellung bin ich in der Lage, sozusagen aus mir selbst herauszutreten und zu erspüren, was das Publikum will.

Das sind ja fast übersinnliche Kräfte, oder?

Nein, das ist der fokussierte Wille, Spitzenleistungen für mein Publikum abzurufen. Und daran muss man natürlich immer wieder feilen. Wir helfen uns gegenseitig, das zu erreichen und auch hinterher wieder die Balance zu finden.

Kannst du mal ein Beispiel geben, wie du, Iana, zu dir findest?

Ich höre klassische Musik, schließe die Augen, stelle mir vor, dass ich am Meer liege. Die Musik entspannt mich sehr. Die klassische Musik spricht zu mir. Die Musik nimmt mir die Anspannung. Ich habe dann das Gefühl, dass ich noch lebe. Dann kommen mir die Gedanken, was ich tun kann, um gesund zu leben, etwas für mich mental zu tun.

Was verstehst du unter deinem persönlichen mentalen Training?

Ich verstehe darunter, meine Gedanken zu kontrollieren. Manchmal ist man als Künstler unten und manchmal oben. Die Gedanken sind entscheidend. Ich nutze die Macht meiner Gedanken.

Marian:

Du musst die guten Gedanken nutzen. Früher bin ich zu sehr in die negativen Gedanken abgeglitten. Meine Frau hat eine unglaublich positive mentale Kraft. Trotzdem fällt es ihr ab und an schwer, sich so zu akzeptieren, wie sie ist.

Iana:

Ich will eben stets noch perfekter werden. Ich finde immer etwas, warum ich noch perfekter werden will.

bin aber auch schon zufrieden, so wie ich jetzt bin.

Marian, welche Bedeutung hat für dich der Begriff deiner inneren Welt, wenn wir über mentale Stärke reden?

Marian:

Du kannst im Kopf überall ‚hinreiten‘ und das ist phantastisch. Nur, wenn du in Gedanken dein Ziel schon einmal vor Augen hast, es toll findest, dort anzukommen, wirst du danach auch die nötigen Kräfte mobilisieren.

Iana:

Ich beschäftige mich viel mit mentaler Stärke. Mentale Kraft erfordert viel Achtsamkeit. Wenn du auf die Bühne gehst, musst du ganz bei dir sein.  

Wie tragt Ihr eigentlich Eure Konflikte aus?

Iana:

Wir reden mehr, als wir es früher getan haben. Das hilft ungemein.

Marian:

Ja, das stimmt. Früher hat sich Iana nur in ihr Schneckenhaus zurückgezogen. Heute können wir besser miteinander über einzelne Punkte sprechen. Das ist eine sehr gute Entwicklung, die wir beide genommen haben.

Ich muss aber immer noch selbst herausfinden, worin die Ursachen in bestimmten Konfliktpotenzialen liegen. Doch ich denke, das kennt jeder aus seinem Ehealltag.

Iana:

Man muss reden, damit man verstanden wird, sich gegenseitig versteht. Ich stelle gern Fragen. Wichtig für mich sind die Antworten. Ich will nicht an den Zweifeln zerbrechen, mich selbst zerstören, sondern Wege finden, die mich weiterbringen.

 Hat dir die Zeit der Schwangerschaft geholfen, hier zu mehr Einsichten zu gelangen?

Ja, die Zeit hat mir die Möglichkeit gegeben, mich auf das zu besinnen, was mich ausmacht.

 Was sind für dich die wichtigsten Erkenntnisse?

Ich sehe jetzt noch besser, was zu tun ist, in der Familie, im Beruf.

Iana, Marian, ich bedanke mich herzlich für das Gespräch und die Einblicke, die Ihr mir gegeben habt. Ich drücke die Daumen für Euch und freue mich mit Euch, dass die Geburt Eures Sohnes bevorsteht.

 

 

MENSCHEN IN DER PFLEGE (10)

FREIE ALTEN- UND KRANKENPFLEGE e.V.  (FAK e.V.)
TRADITION UND PFLEGE UNTER EINEM DACH

Ich kenne kaum eine Einrichtung, die mit so viel Herzblut und Spaß an der Arbeit agiert. Ein Umstand, der die Ansprüche nicht zu Worthülsen verkommen lässt.

Lebensqualität individuell zu gestalten, das hat die FAK e.V. hundertfach in den vergangenen Jahrzehnten bewiesen. Fachliche Kompetenz, Mitmenschlichkeit haben hier ihre Wurzeln und sind der nachhaltigste Grund für die wachsende Nachfrage nach Pflege und Betreuung in der FAK e.V.

Der Ursprungsgedanke, auf den die Gründung der Freien Alten- und Krankenpflege e.V. zurückgeht war,  die Selbstbestimmungsrechte der Betroffenen zu stärken und deren Bevormundung in und durch die Institutionen aufzubrechen.

Der FAK e.V. begann 1988 damit, alte und kranke Menschen in ihrem gewohnten häuslichen Umfeld zu pflegen und zu betreuen.

Ich berichte nicht das erste Mal darüber, was die FAK e.V. in den vergangenen Jahrzehnten geschaffen hat.

Und trotzdem: Es ist immer wieder für mich erstaunlich, was eine gut durchdachte Konzeption und der nötige Umsetzungswille an Resultaten für die Pflege- und Hilfsbedürftigen in und um Essen gebracht hat.

Da ist zum Beispiel das ‚Lebens- und Erlebenshaus „Im Neuland“‘ in Essen – Altendorf, das das ehemalige Stadthaus für Betreutes Wohnen ersetzt hat und in dem nun in neuen Räumen zwei Wohngemeinschaften betreut und versorgt werden.

Oder die Pflege-Wohngemeinschaft im Beginenhof in Essen-Rüttenscheid, in denen Frauen, die nicht mehr allein ihren Alltag bewältigen können liebevolle Unterstützung erhalten und so ein selbstbestimmtes Leben überhaupt weiterführen können.

In Altenessen erleben wir eine Wohngemeinschaft für Menschen, die an Demenz leiden und die entsprechend begleitet, angeleitet und betreut werden.

Die Freie Alten-und Krankenpflege betreibt ein Gesundheits- und Sozialzentrum in der Vogelheimer Straße, in der unter anderen die ambulante Pflege angesiedelt ist.

Es gibt keinen Stillstand: Weitere Vorhaben sind in der Planung bzw. bereits in der Realisierungsphase.

Für zwei Wohngemeinschaftshäuser in der Germaniastraße und in der Stapenhorststraße sind die Verträge unterzeichnet und der Baubeginn steht unmittelbar bevor.

Die Objekte sollen in 2020 fertiggestellt werden. 48 Menschen werden dort ihr neues Zuhause finden. In beiden Häusern wird es ein Tagespflege- Angebot geben. Im gleichen Jahr ist die Fertigstellung einer neuen Demenz WG in Essen vorgesehen, in der Münchener Straße.

„Das ist ein Sanierungsobjekt, das wir mit unserem bewährten Partner „GEWOBAU“ realisieren wollen“, sagt Michael Jakubiak.

„Das ist allerdings erst der Beginn der Herausforderung, die wir in diesem Zusammenhang bewältigen müssen. Alle Objekte müssen eingerichtet werden und es gilt, fachkundiges Pflegepersonal zu finden“, ergänzt er. Michael Jakubiak freut sich auf ein Konzert des Essener Sinfonieorchesters, das es „Im Neuland“ geben wird.

Bereits im vierten Jahrzehnt, in denen die FAK e.V. den Pulsschlag in Sachen individueller Pflege, Betreuung und Versorgung mit vorgibt

Die Freie Alten- und Krankenpflege kann auf eine über dreißigjährige Tradition zurückblicken.

Sie geht zurück auf eine soziale Bewegung in den 70- bis 80-iger Jahren, die Lebensumstände für ältere Menschen zu verbessern, insbesondere für diejenigen unter ihnen, die auf Hilfe und Betreuung angewiesen waren.

„Wir wollten, dass selbst pflege- und hilfsbedürftige Menschen ein selbstbestimmtes Leben führen, sich ihre Lebensqualität in den eigenen vier Wänden erhalten können“, erinnert sich Michael Jakubiak an diese Zeit zurück, in der er als Vorstandsmitglied des Senioren Schutzbund „Grauen Panther“ maßgeblich diese Projekte mit voranbrachte.

Michael Jakubiak hatte selbst in seiner Zeit als Altenpfleger und Pflegedienstleitung in einem Pflegeheim erfahren, warum Änderungen dringend geboten waren. Zu wenige Pflegekräfte, mangelnde fachliche Qualifikation gingen einher mit permanenter Überforderung.

„Vor allem die individuelle Pflege und Betreuung blieb auf der Strecke. Aber genau das wollten die Menschen, in den Pflegeheimen nicht weiter hinnehmen, und genau das wollten wir auch nicht.“
Also ging Michael Jakubiak gemeinsam mit Gleichgesinnten daran, diese Zustände zu verändern.

Sie gründeten im Jahr 1988 den gemeinnützigen Verein „Freie Alten – und Krankenpflege“ e.V.

Der Anfang war schwer und es mussten eine Menge an Hürden überwunden werden. An Vorbehalten der kommunalen und politischen Entscheidungsträger und an der anfänglichen Verweigerungshaltung der Krankenkassen mangelte es nicht.

„Wir haben nicht aufgegeben. Im Gegenteil. Jeder Stein, der uns im Weg lag, war auch ein „Stein des Anstoßes.“ Wir sahen diesen nicht als ein bloßes Hindernis an, sondern vor allem als eine Möglichkeit, unsere Ideen und Vorhaben gegen alle Widerstände durchzusetzen und dabei kreative Energien zu entwickeln“, so Michael Jakubiak heute.

Kontakt:
Freie Alten- und Krankenpflege
FAK e.V. Essen
Krablerstr. 136
45326 Essen
Fon: 0201. 83 52 80
Fax: 0201. 83 52 855
E-Mail: info@fak.de
Internet: www.fak.de
Geschäftsführer:
Michael Jakubiak
Jörg Blaschke

MENSCHEN IN DER PFLEGE (11)

EVA HILLEBRECHT MACHT DEM TAG DER INTERNATIONALEN PFLEGE ALLE EHRE

Am 12. Mai wird in jedem Jahr der Tag der internationalen Pflege begangen, zu Ehren von Florence Nightingale.
Sie wurde an diesem Tag im Jahr 1820 in Florenz geboren und starb am 13. August 1910 in London.

Florence Nightingale war eine britische Krankenschwester und hat viel dafür getan, eine moderne Krankenpflege zu begründen. Sie kämpfte dafür, dass die Pflege ein selbstständiger Zweig sein sollte, der von Grund auf erlernt sein wollte.

Und so warb sie dafür, dass erfahrene Pflegekräfte die Berufseinsteiger ausbilden sollten. Als ich mich aus Anlass des Internationalen Tages der Pflege mit der Persönlichkeit von Florence Nightingale beschäftigt habe, da kam mir unwillkürlich Eva Hillebrecht in den Sinn.

Warum?
Nun, weil es Ähnlichkeiten im Denken und Handeln beider Persönlichkeiten gibt. Natürlich reden wir über unterschiedliche Menschen, unterschiedliche Zeiten und Rahmenbedingungen.
Florence Nightingale wirkte Anfang des 19. Jahrhunderts. Eva Hillebrecht ist heute eine erfolgreiche Unternehmerin und Inhaberin des Pflegedienstes Danz Consult in Kassel.

Eva Hillebrecht konnte bereits auf zweieinhalb Jahrzehnte Wissen und Erfahrungen als Krankenschwester zurückblicken, als sie in die ambulante Pflege ging

Eva Hillebrecht hat nahezu 25 Jahre im medizinischen Dienst gearbeitet und ist erst dann in die Pflege gewechselt – aus Überzeugung übrigens. Einfach, weil es für sie bis heute wichtig ist , Pflege- und Hilfsbedürftige individuell und mit Herz zu betreuen.

Zuvor hat sie ihre Erfahrungen auf verschiedenen Stationen im Krankenhaus gemacht – auf der Unfallchirurgie, der Allgemeinchirurgie, HNO, Urologie, Augen, Orthopädie.

Sie hat sich also im Verlaufe der Jahre ein fundiertes Wissen und Können im medizinischen Bereich als Krankenschwester aneignen können.

Sie erfuhr aber auch, wie schwer es war, mitunter das ärztliche Personal davon zu überzeugen, dass es um mehr geht, als den Patienten lediglich medizinisch zu versorgen.

Vielmehr wollte sie ein ganzheitliches Herangehen, eine Sicht, die den Menschen sieht, in seiner Bedürftigkeit, aber auch mit seinen psychischen, sozialen und geistigen Besonderheiten.

„Ich habe immer wieder während meiner Tätigkeit als Krankenschwester dafür gekämpft, dass die Patienten fachlich auf hohem Niveau betreut werden.

Und dazu gehört eben auch zu wissen, was sie bewegt, wie wir ihnen selbst in kleinen Dingen helfen können“, sagt sie rückblickend dazu.

Heute ist sie mehr denn je davon überzeugt, dass es richtig war, einen eigenen ambulanten Pflegedienst aufzubauen.

Fachliches Wissen verknüpft mit persönlichen Engagement und Interesse am einzelnen Menschen stärkt die Lebensqualität der Pflege- und Hilfsbedürftigen und ihrer Angehörigen

„Wir sind eine eingeschworene Gemeinschaft von Pflegekräften, die alle von dem Wunsch beseelt sind, den uns anvertrauten Klienten zu helfen. Deshalb streben wir jeden Tag danach, das bestmögliche herauszuholen, die Pflege- und Hilfsbedürftigen in ihrer Häuslichkeit zufriedenzustellen“, sagt Eva Hillebrecht.

Sie ist zutiefst davon überzeugt, dass es nicht nur um die fachliche Seite der Pflege und Betreuung geht. Nein, sie möchte, dass die Menschen, die gepflegt werden, ein Stückchen ihrer Lebensqualität erhalten oder zurückgewinnen können.

Eva Hillebrecht wünscht sich, dass die Politik die ambulante Pflege noch wirksamer fördert.

„Die Menschen wollen doch in ihrer Mehrheit am liebsten in den eigenen vier Wänden gepflegt und betreut werden. Das geht nur, wenn wir über genügend Pflegekräfte und die entsprechenden finanziellen Mittel verfügen. Ich denke, dass hier noch mehr getan werden muss“, so Eva Hillebrecht.

Sie ist ein fröhlicher Mensch. Jemand, der mit Humor die Herausforderungen angeht. Sie kann klare Ansagen machen. Doch das, was die Menschen an ihr lieben, das ist ihr Herz, ihre unverkrampfte Art, die Dinge anzugehen, Probleme zu lösen.

Wenn sie sich eine Pause gönnt, dann widmet sie sich ihrer Hündin Nila, einem Golden Retriever. Der Autor ist davon überzeugt: Wer so einen Hund an seiner Seite hat, der kann einfach nur ein herzlicher Mensch sein.

Eva Hillebrecht hat viel zu sagen und viel zu geben. Und das tut sie auch noch, Tag für Tag. Es ist gut, dass solche Menschen in der Pflege Verantwortung tragen.  Sie steht aus meiner Sicht ihrer Vorgängerin im Herzen und im Denken in nichts nach.

Florence Nightingale kämpfte vor langer Zeit als Pionierin für eine eigenständige Pflege. Eva Hillebrecht hat durch ihren persönlichen Beitrag mitgeholfen, dieses Erbe umzusetzen, es weiterzuführen. Die Pflege- und Hilfsbedürftigen in und um Kassel ziehen ihren seit vielen Jahren ihren Nutzen daraus und danken es ihr und ihrem Team.

Kontakt:
Danz Consult Pflegedienste
Altenbaumer Straße 29
34134 Kassel
Telefon: 0561- 46 260
Telefax: 0561- 473215
E-Mail: danzconsult@aol.com
Homepage: www.danz-consult.de

MEIN FREUND, DER ALLTAG (57)

WIR MÜSSEN IN DIE REHA-KLINIK

„Denk‘ dran, wir müssen heute in die Reha-Klinik. Ich muss mich zur Gymnastik anmelden und das geht nur donnerstags.“

Das sagte Klara mir donnerstagfrüh, bevor sie kurz nach fünf Uhr dem Bahnsteig zustrebte. Warum sollte ich daran denken, wenn Klara mir sagte, dass sie donnerstags in die Reha-Klinik müsse, um sich anzumelden?

Sie hatte mit der Information am Montag begonnen, und nun hatten wir Donnerstag. Ich hörte es also jetzt zum vierten Mal. Selbst wenn ich dement wäre, würde ich das wohl behalten. Ich nickte nur zustimmend.

„Holst du mich denn 15.00 Uhr hier ab?“, fragte Klara noch. Das war eine geschlossene Frage. Ich konnte also mit ‚ja‘ antworten.

Aber es wäre spannender wenn ich die anderen Antwortmöglichkeiten ebenfalls ausschöpfen würde: ‚nein‘, ‚ich weiß noch nicht‘, vielleicht, ‚ich überleg‘ es mir noch am Vormittag und ruf dich zurück‘.

Aber mit Klara konnte man das nicht machen. Sie war entschieden dagegen, auf den Arm genommen zu werden. Sie kam auch nicht auf die Idee mir zu einfach zu sagen, dass ich 15.00 Uhr pünktlich am Bahnhof sein sollte.

Das wäre eine klare Ansage für mich. Und der Ticker würde bei mir ab 14.40 Uhr laufen – Computer aus, Schreibtischhose aus, Jeans an, Portemonnaie, Handy, Autoschlüssel, Schuhe anziehen, Tür zuzuziehen, einsteigen, losfahren und sich fragen, ob man die Tür auch wirklich zugezogen und abgeschlossen hat. Aber all das ersparte ich mir.

Gegen 14.30 Uhr kam noch einmal ein Anruf von Klara:
„Ich bin 15.12 Uhr da. Holst du mich dann ab?“

Was sollte ich machen?
„Ich ziehe gerade die Jeans an“, sagte ich.
„Ist das nicht ein bisschen früh?“, fragte Klara jetzt besorgt.
Ich könnte ja noch eine Salsa im Wohnzimmer tanzen. Der Computer war ja schon aus. Doch ich kannte keine Salsa.

Also stieg ich ins Auto. Wenn ich Zeit hätte, würde ich mir zum Vertreib noch einmal das Video ansehen, auf dem zu sehen ist, wie Krümel mit mir telefoniert und wie sie auf meine Fragen mit einem Augenaufschlag reagiert.

„Hast du lange warten müssen?“, fragt Klara mich beim Einsteigen.
„Ja, ich habe aber zum Zeitvertreib noch ein paar Turnübungen auf dem Dach gemacht, zum Aufwärmen sozusagen für deinen Gymnastikkurs.“

Klara schwieg. Wir fuhren in die Reha-Klinik und hielten auf dem Parkplatz davor. Klara war schon vorgegangen, weil sie bis 16.00 Uhr bei der Anmeldung gewesen sein musste. Ich ging gemächlich den Weg zur Eingangshalle hoch. Es roch nach frisch gemähtem Gras.

JEEPY (24)

DER VERKÄUFER NERVT DEN FAHRER MIT EINER NEUEN IDEE
WAS BISHER WAR:
Der Fahrer hat versucht, die Ränder der Schatzkarte auf alt zu trimmen, hat die sie angezündet und dabei die Karte vernichtet.

Der Fahrer ist am Vortag früh ins Bett gegangen. Am nächsten Morgen stand er auf und machte sich sofort daran, die Schatzkarte neu zu basteln.

Er ging in die Küche und suchte nach dem Backpapier, dass er sich gestern schon zurechtgelegt hatte.

„Verdammt, wo ist das Papier hin. Das lag doch gestern noch hier“, fluchte er.
„Was suchst du denn schon wieder?“, fragte seine Frau.

„Und dann noch am Samstag. Reicht es nicht, dass wir in der Woche um vier Uhr aufstehen!“

„Ne, reicht nicht“, brummte der Fahrer.
„Wo ist das Backpapier, das ich hier gestern hingelegt habe?“
„Das habe ich in die Papiertonne geworfen, weil es schon so zerknüllt war.“

„Das kann doch nicht wahr sein. Ich habe das Papier extra zerknüllt, damit die Karte echt aussieht“, rief der Fahrer nun nach oben.
„Ach, deine Vorbereitungen auf die Schnitzeljagd sind ein Horror“, rief seine Frau entnervt runter.

„Schon gut, ich bin schnell fertig“, sagte der Fahrer, ging zur Papiertonne, fingerte das Backpapier wieder raus und legte es in der Küche auf den Tisch.

„Willst du das Frühstück machen?“ Seine Frau stand direkt hinter ihm.
„Nein, du kannst das doch so gut“, sagte der Fahrer.
„Aber kannst du mir vorher nicht helfen, die Schatzkarte wiederherzustellen, und zwar bevor Krümel wach wird?“

Die Frau vom Fahrer willigte ein und sie hatten die Karte schnell wieder neu gezeichnet.

„Wir müssen die jetzt noch die Tintenflecken wieder aufs Papier zaubern, die Krümel mit ihren Fingern draufgeschmiert hatte.“
„Wehe, dann kippst du doch noch das ganze Tintenfass aus und wir müssen noch einmal von vorn anfangen.“

„Gut, dann hole ich vom Schreibtisch schnell einen Blaustift und male die umliegenden Seen so ein.“
Endlich war alles geschafft und sie konnten frühstücken.
„Nachher kommt noch der Verkäufer von JEEPY vorbei.“

„Warum?“
„Weil wir besprechen wollen, wie es weitergeht, und wie der Stand der Vorbereitung ist.“ Der Fahrer ging ins Wohnzimmer und begann in der Wochenendausgabe der Berliner Zeitung zu lesen.

Der einzige Luxus, den er sich gönnte, bevor er sich wieder an seinen Schreibtisch hievte. Es klingelte und der Verkäufer stand vor der Tür.
„Na, wie sieht die Karte aus?“, fragte er schon am Eingang.
„Ja, gut“, sagte der Fahrer stockend.
„Hm“, antwortete der Verkäufer, nachdem er einen Blick auf die Karte geworfen hatte.

„Was haltet ihr davon, wenn wir die moderne Form der Schnitzeljagd anwenden?“
„Was für eine moderne Form? Ich bin froh, dass ich die Karte fertighabe“, sagte der Fahrer.

„Aber die sieht doch aus, als hätte jemand das Papier weggeworfen, in dem vorher seine Brote eingewickelt waren.“ Als der Verkäufer den Blick des Fahrers sah, da sprach er schnell weiter:

„Bei Geocaching brauchen wir gar keine Karte. Wir verstecken im Wald einfach die Schatztruhe und im Internet veröffentlichen wir den Standort.“
„Willst du eine Massenwanderung?“, fragte der Fahrer ihn nun.
„Wir können das so machen, dass es nur diejenigen mitbekommen, die es auch mitbekommen sollen. Man kann auch kryptografisch etwas machen, also Verschlüsselungsmethoden anwenden, dann wird es noch mysteriöser.“

„Muss ich vorher noch den Mond umkreisen, bevor ich auf die Schatztruhe stoße, in der Schorfheide? Oder ist das zu unspektakulär?“

„Jetzt beruhig‘ dich mal wieder. Wir haben ja die Smartphones und über eine App können wir schnell den Standort finden“, sagte der Verkäufer.

„Na eher findet Krümel noch den Standort über dein iPhone, als du es kannst“, sagte seine Frau. Jetzt fiel sie ihm auch noch in den Rücken.

„Also, ich will jetzt diese Schatzkarte hier verwenden. Du kannst ja in der Zwischenzeit dein Geocaching trainieren. Aber mit den Kindern machen wir das auf die althergebrachte Weise. Die haben doch gestern gerade mit viel Freude das Backpapier bemalt“, sagte der Fahrer.

„Gut, dann lass uns mal besprechen, was in die Schatztruhe soll“, sagte der Verkäufer versöhnlich.

JEEPY (23)

DER FAHRER VERBRENNT SICH DIE FINGER
WAS BISHER WAR:
Der Fahrer hat die Schatzkarte mit Tee übergossen, damit sie nach dem Trocknen schön alt aussieht.

Die Kinder sind nach Hause gegangen. Nur die Schatzkarte liegt noch unter dem Carport von Jeepy auf dem Tisch. Sie soll trocknen.
Der Fahrer schaut nach ihr und prüft, wie weit das Ganze fortgeschritten ist.

„Donnerwetter, das ging aber schnell“, ruft der Fahrer.
„Sprichst du mit mir?“, ruft seine Frau aus der Küche. Sie bereitet gerade das Abendbrot vor.

„Nein, ich denke nur laut“, antwortet der Fahrer.
„Eigentlich könnte ich die Ränder noch heute Abend mit dem Streichholz anzünden. Dann sieht die Karte richtig alt aus“, murmelt er vor sich hin und geht in die Küche.

„Was willst du mit den Streichhölzern?“, fragt seine Frau ihn.
„Ach, ich will nur die Ränder von der Karte ein bisschen abbrennen“, antwortet der Fahrer.

„Pass bloß auf, dass du nicht noch mehr anzündest“, sagt seine Frau und wirft ihm einen misstrauischen Blick zu.
„Das ist doch nicht schwer, immerhin mach‘ ich das höchstpersönlich, damit nichts schiefgeht.“

„Das ist ja meine Sorge“, entgegnet seine Frau und dreht sich seufzend zum Herd um.
„So, jetzt geht’s los!“, ruft der Fahrer und zündet ein Streichholz an. Mit der anderen Hand nimmt er die Karte vom Tisch und hält das brennende Holz an den Rand der Karte.

Ausgerechnet in dem Moment wedelt ein Windstoß die Karte hoch. Sie fängt sofort Feuer. Der Fahrer versucht sie durch schnelles Hin- und Herschwenken wieder zu löschen. Aber das Feuer greift noch zusätzlich auf seine Hand über.

Der Fahrer jault vor Schmerzen auf und lässt die Karte auf den Boden fallen, tritt die Flammen mit den Füßen aus.
Als das Feuer gelöscht ist, hält der Fahrer erst einmal seine rechte Hand unter den Wasserstrahl des Gartenschlauches. Es tut gut, als das kühle Nass über seine angesengten Finger gleitet.

„Ist was passiert?“, fragt jetzt seine Frau, die aus der Küche herbeigeeilt war.
„Nö, alles unter Kontrolle.“

„Unter Kontrolle? Schau dir mal an, wie du aussiehst. Auf deinem Hemd ist ja schwarzer Ruß.
Und was ist mit der Karte passiert? Sie ist doch vollends zerstört.“
„Wenn man dich einmal was alleine machen lässt, dann brennst du uns noch das Haus ab und deine Schatzkarte ist futsch“, setzt sie nach.

„Hm“, brummt der Fahrer.
„Es war der Wind. Wieso fängt jetzt mit einem Mal der Sturm an?“, fragt er seine Frau.

„Weil der Sturm dich kennt. Der wollte Schlimmeres verhindern. Sei froh, dass die Katze hier nicht gerade vorbeigehuscht ist. Sonst würde die jetzt auch mit einem brennenden Schwanz über den Rasen jagen.“

„Ich bin verletzt, nicht die blöde Katze vom Nachbarn.“
„Also ich weiß nicht, besonders schlau hast du dich aber nicht angestellt“, schimpfte seine Frau weiter.

„Wie immer eben“, sagte nun der Fahrer mit einem leichten ironischen Unterton.
„Das ist es ja. Wie immer.“

„Komm rein, das Essen ist fertig“, sagte sie noch.
„Und wasch dir die Hände, bevor du an den Tisch kommst, Krümel ist heute hier und für sie bist du ein schlechtes Vorbild.“

„Der hätte das gefallen“, sagt der Fahrer und versucht die Atmosphäre aufzulockern.

„Ich steh‘ morgen früher auf und bastle schnell eine neue Karte“, sagt der Fahrer noch.

„Naja, davor habe ich ja so viel Angst“, antwortet seine Frau.

MENSCHEN IN DER PFLEGE (9)

DANIEL DE PAOLA – ÜBER DEN MENSCHEN UND SEIN BUCH „WEGE WEG VOM STRESS“

Wege weg vom Stress, wer würde diese ‚Karte‘ und einen entsprechenden ‚Kompass‘ dazu nicht haben wollen?
Gibt es so etwas überhaupt? Eindeutig ja.

Daniel De Paola zeigt uns in seinem Buch einige dieser Wege auf und tut das noch auf eine Weise, dass es mir als Leser nie langweilig geworden ist.

Was fasziniert mich am Autor, warum vertraue ich auf das, was er schreibt und in seinen Workshops und Vorträgen sagt?
Zunächst, weil Daniel De Paola ein Familienmensch ist. Das kommt immer wieder durch, wenn du mit ihm am Telefon sprichst oder du dich schriftlich mit ihm austauschst.

Da spürst du förmlich, wie er seine Frau bewundert, sie liebt, und das er alles für seine Kinder tun würde. Das klingt nicht außergewöhnlich. Es ist trotzdem essentiell, wenn wir uns entscheiden müssen, von wem wir Ratschläge annehmen wollen.

Wer würde schon als pflegender Angehöriger jemanden um Hilfe, Unterstützung oder einen Rat bitten, wenn er weiß, dass derjenige in dieser Hinsicht in einer ‚Komfortzone‘ lebt.

Es geht schlicht gar nicht, dass jemand Ratschläge erteilt, von seinen Erfahrungen spricht, wenn er dieses ‚Hamsterrad‘ von privaten und beruflichen Verpflichtungen, Verflechtungen und manchmal scheinbar gegeneinander stehenden Interessen nicht kennt.

Wenn du also weißt, dass Daniel De Paola Unternehmer im Pflegebereich ist, er seine Familie nach Kräften im Alltag unterstützt, ja dann fällt es dir leichter, sich von ihm Wege aus einer bis dahin aussichtslos erscheinenden Stresssituation zeigen zu lassen.

Es gibt einen weiteren Grund, warum man dieses Buch als pflegender Angehöriger lesen sollte:
Es reicht nicht, nur die pauschalen Wege aus dem Stress zu kennen.

Auf die Spezifik, das Besondere kommt es hierbei an.
Du musst wissen, was es für einen pflegenden Angehörigen bedeutet, Tag für Tag zum Beispiel seine demente Mutter zu betreuen.

Daniel De Paola hat dabei nicht nur praktische Erfahrungen gesammelt, er hat sich gleichzeitig ein gerüttelt Maß an spezifischer sozialer und fachlicher Kompetenz angeeignet.

Für pflegende Angehörige ist es also ein Glücksfall, wenn sie auf Daniel De Paola treffen oder vielleicht auch nur sein Buch in die Hände bekommen.

Daniel De Paola – vom leitenden Angestellten im Handel zum gefragten Unternehmer, Buchautor und Coach
Daniel De Paola ist beruflich im Einzelhandel groß geworden. Er erinnert sich genau an die Worte seines Großvaters, der ihm riet, etwas Solides zu erlernen, etwas, was für ihn ein Leben lang beruflich hält.

Er hat diesen Rat befolgt und ist zunächst in den Einzelhandel gegangen, entwickelte sich zum leitenden Angestellten einer Abteilung in einem Kaufhaus und war auch Leiter eines Supermarktes.

Doch Daniel De Paola reichte das nicht. Er wollte noch etwas Anderes, was einfach mehr seiner inneren Bestimmung entsprach.
Sein christlicher Glaube, seine ethische Erziehung, Menschen zu helfen, sein ehrenamtliches Engagement als Seelsorger in der Kirche brachten ihn schließlich in den Pflege- und Betreuungsbereich.

Er ist dort nun das achte Jahr tätig, kümmert sich um die Vermittlung von Pflegepersonal und berät pflegende Angehörige. Inzwischen hat er auch noch mit Erfolg eine Ausbildung zum Psychologischen Berater absolviert.

In seiner praktischen Tätigkeit als Berater, Personalvermittler und Coach fiel ihm auf, dass sich manche Fragen wiederholten, die Probleme sich häuften, mit denen pflegende Angehörige zurechtkommen mussten.

Dazu gehörte die Angst, dem physischen und psychischen Stress zu erliegen, keine Zeit mehr für die eigene Familie zu haben, in Konflikt mit dem zu betreuenden Vater oder der zu betreuenden Mutter zu geraten, nicht zu wissen, wie man damit umgehen soll.

Daniel De Paola nahm sich dieser Probleme an, analysierte sie, und er strukturierte sie, formulierte Lösungsvorschläge, die auf die individuellen Situationen der einzelnen Angehörigen zugeschnitten waren.

In diesem Prozess keimte in ihm der Gedanke auf, sein Wissen und seine praktischen Erfahrungen weiterzugeben, kurzum, ein Buch zu veröffentlichen. Parallel hielt er Vorträge und führte Workshops durch. Das ist ihm besonders wichtig, nämlich nahe an den betroffenen Menschen dranzubleiben, sich mit ihnen auszutauschen.

„Vorträge und Workshops kann man meiner Homepage
www.wege-wegvomstress.de entnehmen. Oder man kann mich über meine E-Mail- Adresse kontaktieren – info@wege-wegvomstress.de“, sagt Daniel De Paola.

Und er führt in diesem Zusammenhang weiter aus:
„Ich habe keine Patentrezepte und ich glaube auch nicht, dass dies einer meiner Leser erwartet. Ich will anregen, ermuntern, anhand von geeigneten Praxisbeispielen zeigen, was möglich ist, wenn man sich gedanklich und mental öffnet.“

Das ist der Beginn eines Prozesses, den Daniel De Paola mit dem Buch anstoßen will, den er fortsetzen möchte und selbst dabei immer wieder zu neuen Erkenntnissen gelangt. Daniel De Paola ist der Spaß anzumerken, den er hat, wenn er helfen kann, wenn er sieht, dass eine seiner Ideen im täglichen Pflege- und Betreuungsprozess gefruchtet hat.

Das Buch soll anstoßen, lädt ein mitzumachen, beim Austausch von Erfahrungen. Manch ein pflegender Angehöriger ist bereits durch das Lesen der Lektüre motiviert, weil er sieht, dass er nicht allein ist und es viele Möglichkeiten gibt, sich helfen und unterstützen zu lassen.

Kontakt:
Daniel De Paola
Telefon: 0211 – 43 63 63 06
Fax: 0211 – 43 63 63 07
E-Mail: info@wege-wegvomstress.de

GESPRÄCHE MIT EINER PRIMA BALLERINA (12)

ENDLICH! WILLIAM IST DA!

Iana Salenko und Marian Walter teilen mit, dass sie Eltern geworden sind.

Der kleine William kam am Montag, 13.05.2019 kurz vor Mitternacht auf die Welt.

„Die Geburt war nicht einfach, und ich habe einige Stunden um meine Frau gebangt. Jetzt ist alles überstanden und wir sind überglücklich“, sagte mir Marian Walter im Gespräch.

In der vergangenen Woche war ich noch zum Interview mit beiden verabredet.

Ich hatte Iana gefragt, wie sie sich fühlt, so kurz vor der Geburt. Die Ereignisse haben diese Frage überholt.

Das ganze Interview mit der Prima Ballerina erscheint in der nächsten Woche.

Prima Ballerina Iana Salenko mit Sohn William

 

MEIN FREUND, DER ALLTAG (56)

FREITAG, DER ZWEITE BETREUUNGSTAG FÜR KRÜMEL

Ich bin mit Laura in ständigem Kontakt über Whats App. Auf jeden Fall muss Laura nicht schon wieder einen Tag zu Hause bleiben. Und meine Arbeit? Ja, die bleibt liegen.

Doch was ist mir wichtiger? Natürlich Krümels Wohlergehen.
Ich werde mal auf Zehenspitzen nach ihr schauen.
Sie schläft. Ich prüfe, ob sie noch atmet.

Ich merke, wie die Verantwortung auf mir lastet, alles richtig zu machen. Aber nun bin ich zuversichtlich, dass sie sich auf dem Weg der Besserung befindet.

Später:
Krümel ist aufgewacht und Klara ist von der Arbeit direkt hierhergekommen.  Das Telefon klingelt. Anna ist dran. Ich gebe Krümel den Hörer, damit sie sich mit ihrer Uroma ein wenig unterhält. Und das macht Krümel auch.

Sie geht im Zimmer umher und bewegt zur Bekräftigung des Gesagten den linken Arm hoch und runter. Keiner versteht, was sie sagt. Es ist nur ein Wechsel von ‚oh‘, ‚öh‘, da, da, manchmal ein bisschen in den höheren Tönen, doch es klingt gut.

„Es geht mir wieder gut, alle sind da, Opa sitzt auf dem Fußboden, baut Türme, die ich gleich wieder einreiße und Oma steckt mir kleine Stücken Brot in den Mund, die ich wieder rausziehe und sie schließlich Opa in den Mund schiebe. Der schluckt sie runter, widerwillig zwar, aber immerhin.

Das Wohnzimmer sieht aus wie ein Schlachtfeld. Aufräumen ist sinnlos. Ich habe ein paar Mal die kleineren Bauklötzer in einen Eimer gepackt, und danach hatte Krümel nichts Besseres zu tun, als sie schnell auszukippen und überall zu zerstreuen.

Jetzt spielt Klara mit ihr und sie ist ganz munter. Ich merke nun, wie schwierig es ist, ein kleines Kind den ganzen Tag zu beaufsichtigen und zu betreuen. Selbst wenn du nur sitzt, ist es anstrengend. Erzieherin ist ein schwerer Beruf, mit viel Verantwortung.

Laura kommt von der Arbeit. Krümel springt auf und stürmt zu ihr. Als sie auf dem Arm von Laura ist, winkt sie uns zu, zum Abschied.
Wir können jetzt gehen, denn ihre Mama ist wieder zurück.

Krümel ist glücklich.
Wir sind es auch.