Alle Beiträge von Uwe Müller

Dipl.-Ing. (FH), Dr. rer. pol.; Autor

ANNA IST DEMENT – FOLGE 1

VOM BEGINN DES ERZÄHLENS ÜBER ANNAS DEMENZ UND ÜBER DIE FAMILIE, DIE UM ANNA HERUM WAR

2017 an einem Sonntag.

Klara sass an ihrem Schreibtisch und rechnete. Sie tat das, was sie gar nicht mochte – die Buchhaltung auf Vordermann bringen.

Und wenn sie damit fertig war, dann nahm die Unzufriedenheit bei ihr zu – die Zahlen stimmten zwar, aber sie waren im Minus, wie immer.

„Kommt da nächste Woche noch was rein?“, rief sie laut.
Nebenan saß Peter und murmelte etwas Unverständliches. Er lebte vom Schreiben.

Besser: Er dachte noch, dass er es eines Tages konnte. Dabei würde er nächstes Jahr in Rente gehen.

„Ein Artikel ist noch offen“, antwortet Peter.
„Was, mehr nicht?“ Klaras Stimme klang enttäuscht.
„Morgen klemm‘ ich mich ans Telefon.“

Klara schwieg und Peter sagte auch lieber nichts.
Sie konnten sich so freuen, denn sie würden bald Oma und Opa werden. Laura, ihre Tochter bekam im Herbst ihr erstes Kind, wahrscheinlich ein Mädchen.

Peter hatte sich immer eine Enkelin gewünscht. Dann könnte er mit ihr das nachholen, was er bei Laura nicht konnte, sich Zeit nehmen, Geschichten erzählen, einfach Quatsch machen.

Doch da war noch eine andere Sache, die alles überlagerte. Anna, die Mutter von Klara war dement.

VON DER SCHWIERIGKEIT, ANNAS KRANKHEIT IM ALLTAG ZU AKZEPTIEREN
„Ich gehe morgen zur Diamantenen Hochzeit“, sagte Anna zu Klara am Telefon.

„Mutti, schau doch einfach auf den Kalender – Charly und Berta haben doch erst nächste Woche ihren Hochzeitstag.“

Anna schwieg. Sie wohnte in Stralsund und ihre Tochter in der Nähe von Berlin. Abends, jeden Abend, rief Anna an.

Halb sieben, dann klingelte das Telefon. Peter sagte dann: „Das betreute Wohnen ist dran.“

Klara erwiderte darauf nichts. Doch es war ein Stich, der ihr ins Herz ging. Peter wusste das, und er hatte sich vorgenommen, es nicht mehr zu sagen.

Aber die Verführung war zu groß, zu sticheln und sich so zu wehren gegen die Anrufe, die nun schon über Jahre geführt wurden und nicht Substanzielles an Gesprächsinhalten mit sich brachten. Peter wusste, dass es selbst dumm war, so zu denken.

Doch seine Gefühle übermannten ihn in dem Moment. Nun war es anders. Schwiegermutter vergaß sehr viel. Sie verstand die Spitzen von Peter nicht mehr.

Gerade waren sie in Stralsund angekommen. Sie waren im Hafen an der Mole entlang gegangen in Richtung der Fahrgastschiffe. „Ich liebe Stralsund, meine Heimat“, sagte Anna ohne ersichtlichen Grund.

„Na, dann sind wir ja froh, dass wenigstens einer seine Heimat liebt“, erwiderte Peter bissig. Als würde die anderen nicht Stralsund lieben.
Klara warf ihm einen unmissverständlichen Blick zu. Peter stimmte trotzdem ein Lied an aus alten Zeiten an: „Unsere Heimat …“

Klara schäumte. Plötzlich stimmte Anna in das Lied mit ein.
Peter war geschockt. Was Spott sein sollte, das nahm Anna mit als Liebeserklärung an ihre Stadt.

„Ich darf das nicht mehr tun, ich muss mich anders verhalten. Anna ist dement“, dachte Peter und bekam ein schlechtes Gewissen, dass er Klara nicht mehr unterstützte.

Abends rief Anna an. Laura ging ran und sagte: „Hallo Omi!“ Am anderen Ende kam keine Antwort. Sie zögerte. „Wieso ist Laura dort? Die wohnt doch in Berlin?“

Anna brauchte einen Moment, um zu verstehen, dass Laura zu Besuch war.

Ihr Koordinatensystem war durcheinandergebracht. „Wo ist denn dein Freund? Ist der nicht mit?“ Jetzt hatte Anna offensichtlich wieder den Durchblick.

PETERS FLUCHT IN DIE SCHORFHEIDE
Sonntagmorgen. Peter war in Richtung Schorfheide gefahren. Er liebte die Gegend. Kurz vor dem Ort, von wo aus er starten wollte, bog er nach links ab.

Er blieb mit dem Auto oben stehen, stieg aus und holte die Stöcke für Nordic Walking aus dem Kofferraum. Peter blickte aufs Wasser und bekam sofort gute Laune.

Die Sonne schien, es war ruhig, der Kiefernwald duftete. Neben ihm lag ein Plastiksack, den offensichtlich Leute dorthin verfrachtet hatten. Peter ärgerte sich.

Früher hätte er sich nicht darüber aufgeregt, jetzt aber schon. Er verstand nicht, dass manche Menschen so faul waren und den Müll nicht ordentlich entsorgten.

Peter legte die Schlaufen von den Stöcken an und lief los. Man müsste eher sagen, er latschte los. Er brauchte immer ein bisschen, bis er auf Betriebstemperatur war. Ihm entgegen kam ein Fahrradfahrer in kurzen Hosen und kurzem Hemd. Der starrte ihn an.

„Guten Tag!“ Peter grüßte jeden, wenn er jemanden traf.
Auf dem Fluss war ein Motorengeräusch zu hören. Er sah flussaufwärts ein Boot, dass langsam näherkam. Die Maschinen stampften.

Peter liebte diese Geräusche. Er kannte sie aus seiner Kindheit vom Schweriner See. Dort hatte er gern zugeschaut, wenn die großen Boote am Steg festmachten.

Am liebsten mochte er in einen Schuppen gehen, in dem ein Boot lag und ein wenig schaukelte und er konnte vom Rand aus auf das Boot steigen.

Das hatte was, auch wenn ihm die Boote nicht gehörten. Das Boot war an ihm vorbeigefahren, während er am Ufer entlanglief und mit den Stöcken in das Gras stieß und kleine Löcher hinterließ.

Hinten auf dem Deck des Bootes, das unten auf dem Wasser an ihm vorbeituckerte, lümmelten sich auf dem Deck ein Mann und eine Frau und ließen die Arme über die Bordwand hängen.

„Haben die es gut“, dachte Peter. Doch dann kam ihm in den Sinn, was alles zu tun wäre, wenn das Boot am Steg festgemacht hatte. Es gab immer etwas zu wischen, der Bootsmotor musste gewartet werden.

Peter erinnerte sich an den Schweriner See zurück und wie ihn sein Vater gepiesackt hatte, damit das Boot und der Motor zu Wasser gelassen werden konnten.

Und dabei handelte es sich nur um den „Delphin“, ein Boot, das von einer PVC-Haut überzogen wurde. Peter seufzte und war froh, dass er lediglich vom Ufer aus die vorbeituckernden Boote beobachten durfte und nichts mit der Arbeit an Bord zu tun hatte.

Für ihn war das Luxus, dass er am Tag einmal laufen konnte. Am Alltag lief er meist schon morgens, halb sechs, wenn er Klara zum Bahnhof gefahren hatte. Peter kehrte um.

Auf dem Rückweg konnte er besser auf das Wasser schauen und freute sich an der Ruhe, die ihn umgab. Am Auto zurück angekommen lag nun der schönste Moment vor ihm: Die Hecktür öffnen, sich in den Laderaum schwingen, Wasser trinken, die Beine baumeln lassen und ein wenig herumhängen.

Schließlich fuhr Peter zurück. Das Autotelefon klingelte. Laura war dran. „Wo steckst du?“

„Warum?“ „Ich bin auf dem Weg zu euch.“ Peter freute sich. Seine Tochter kam nur noch selten aus Berlin zu ihnen.

LAURA WAR ZU BESUCH
Peter rief Klara an: „Ich fahr‘ gleich durch zum Bahnhof und hole Laura ab.“

„Ist gut!“, erwiderte Laura. Jetzt kam Leben in die Bude. Die Regionalbahn lief in den Bahnhof ein, kurz nachdem Peter angekommen war.

Er fuhr mit Laura zurück. Laura stieg am Haus aus dem Auto und Peter kurbelte das Lenkrad herum, damit er in den Carport einparken konnte.

Die Sonne blendete ihn und er konnte nicht erkennen, ob zu beiden außenstehenden Pfosten genügend Platz wäre. Peter sah es nicht genau und fuhr trotzdem rückwärts in den Carport.

Es knirschte. Der Mercedes hatte am linken Pfosten angedockt. Peter war sauer. Der Schmutzfänger war ein Stück abgerissen. Peter ging nie zum Arzt, nur wenn es gar nicht mehr ging. Doch für Bobby tat er alles.

Bobby, das war kein Mensch und es war kein Hund. Es war sein Auto, das er nun schon das 14. Jahr fuhr. „Ich muss mit Bobby morgen in die Werkstatt. Und ich habe keinen Hunger mehr, ihr müsst ohne mich essen“. Für Peter war der Tag gelaufen.

Klara hatte noch einmal bei Anna angerufen. Sie wollte nicht, dass ihre Mutter nun vielleicht durcheinander war, weil Laura am Telefon nicht richtig aufgeklärt hatte, dass sie unverhofft aus Berlin zu Besuch gekommen war.

Es war für keinen leicht, mit der Demenz von Anna umzugehen. Nicht für Klara, für Peter nicht und auch nicht für Laura.

„Du musst mit Oma gehirngerecht kommunizieren.“
„Papa, was ist das für ein Quatsch“, protestierte Laura.

„Ja, wahrscheinlich hast du Recht. Was ich damit sagen will: Oma kann nicht mehrere Informationen gleichzeitig verarbeiten. Das verwirrt sie.“

„Was meinst du?“, fragte Laura.
„Nun, du gehst an unser Telefon.

Für Oma müsste jetzt Mama am Hörer sein. Stattdessen hört sie deine Stimme. Für sie wohnst du in Berlin und bist jetzt auch in Berlin.

Wir wiederum sind für sie da, wo sie jetzt anruft. Also solltest du erst einmal sagen, dass du bei uns spontan zu Besuch bist.“

„Spontan zu Besuch?“, fragte Laura dazwischen. „Das versteht sie doch erst recht nicht.“

„Aber stell dir vor, du würdest die Informationen per Rohrpost versenden – ein Satz folgt auf den anderen, und sie gehen alle in die gleiche Richtung.

Da kannst du ja auch nicht mit dem letzten Satz anfangen, sondern du schiebst den ersten Satz zuerst durch.“

„Na gut Papa, das ist mir zu blöd.“
Peter schwieg. Er war eben auch nicht trainiert auf die Kommunikation mit demenzkranken Menschen.

„Oma kann nicht mehrere Informationen gleichzeitig verarbeiten. Das verwirrt sie…Aber stell dir vor, du würdest die Informationen per Rohrpost versenden – ein Satz folgt auf den anderen, und sie gehen alle in die gleiche Richtung. Da kannst du ja auch nicht mit dem letzten Satz anfangen, sondern du schiebst den ersten Satz zuerst durch.“

 

 

DIE SPRÜCHE SALOMOS – GUT, SIE ZU KENNEN

Manches von dem, was in der Bibel steht ist, das würde man heute sicher anders formulieren, anders sagen.

Und dennoch: Mich fasziniert immer wieder aufs Neue, mit welcher sprachlichen Präzision dort menschliche Handlungsweisen charakterisiert werden.

An Aktualität haben sie nichts eingebüßt, im Gegenteil, es ist gut, sich dieser Sätze zu erinnern, besonders im alltäglichen Handeln.

Spr 25, 18-20

Vers 18
„Wer wider seinen Nächsten falsch Zeugnis redet, der ist wie ein Streithammer, Schwert und scharfer Pfeil.“
Vers 19
„Auf einen Treulosen hoffen zur Zeit der Not, das ist wie ein fauler Zahn und gleitender Fuß.“
Vers 20:
„Wer einem missmutigen Herzen Lieder singt, das ist, wie wenn einer das Kleid ablegt an einem kalten Tag, und wie Essig auf Lauge.“

 

NIETZSCHE – MENSCHLICHES, ALLZUMENSCHLICHES

Der Mensch mit sich allein

„Feinde der Wahrheit.-Überzeugungen sind gefährlichere Feinde der Wahrheit als Lügen.“ (483)
„Verkehrte Welt.- Man kritisiert einen Denker schärfer, wenn er einen uns unangenehmen Satz hinstellt; und doch wäre es vernünftiger, dies zu tun, wenn sein Satz uns angenehm ist.“ (484)

Friedrich Nietzsche, 1844-1900, Gesammelte Werke Anaconda Verlag GmbH, Köln, 2012, ISBN 978-3-86 647-755-1, S. 327

FRAGEN SIND MANCHMAL WICHTIGER ALS ANTWORTEN

Kennst du das auch? Du bist im Gespräch und jemand plaudert dabei fortwährend auf dich ein. Du erhältst von ihm Antworten auf Fragen, die du ihm selbst nie gestellt hast.
Was passiert mit dir in dem Moment? Du wirst aus Höflichkeit eine Weile zuhören, aber irgendwann schaltest du ab, hörst nicht mehr hin.

Dabei sind die Fragen sicher nicht das, was du und ich zu beanstanden hättest.

Vielmehr sind es die schnell vorweggenommenen und oftmals auch ‚vorgestanzten‘ Antworten deines Gegenübers, die die Kreativität des Denkens zum Erlahmen, zum Stillstand bringen.

Wenn es bei den Fragen bliebe und bei der Gelegenheit, darüber nachzudenken, dann würde es durchaus wieder schöpferisch werden.

Jeder von uns denkt über Fragen nach, die das Leben uns nun mal stellt.

Und jeder möchte eine Antwort für sich darauf haben, was für ihn der Sinn des Lebens ist, warum er gerade diesen Beruf ergriffen hat und eben nicht einen anderen, was für ihn Glück bedeutet.

ALLTAGSFRAGEN, AUF DEN ERSTEN BLICK ERSCHEINEN SIE SO BANAL – UND DOCH SIND SIE ES, DIE NICHT MERKLICH ZWAR, ABER UNMERKLICH UNSEREN TAG BESTIMMEN

Deshalb greife ich im Blog Fragen des Alltags auf. Die Antworten, die ich darauf gebe, entspringen meinem persönlichen Erfahrungshintergrund. Wie sollte es auch anders sein?

Es gibt ohnehin nicht die reine, ganzheitliche, objektive Wahrheit. Vielmehr wird sie gebrochen durch unsere subjektiven Erkenntnisse, die wir aus unserem Leben gewinnen.

Mir geht nicht in erster Linie darum, Antworten zu geben, die für jede Lebenslage des Alltags passt.

Vielmehr will ich unterhalten, zu neuen Fragen anregen, dazu aufrufen, sich selbst intensiv mit seinem Leben, seinem Alltag auseinanderzusetzen.

Ich tue das, indem ich Alltagsbegebenheiten, Alltagsgeschichten erzähle, meine Sicht der Dinge darlege. Dabei will ich unterhalten und so ist der Erzählstil oft mit einem Augenzwinkern untersetzt.

KRÜMELS KAUFLADEN

WAS BISHER WAR:
Klara und Peter waren wieder im Alltag angekommen.
Klara setzte sich am Montag, dem ersten Wochentag nach Neujahr, pünktlich um sechs Uhr an ihren Computer und begann mit der Arbeit.
Peter war nicht mit aufgestanden. Er schreckte hoch, als draußen der LKW vorfuhr und die Biotonnen entleert wurden.
Peter stand nun doch auf, torkelte ins Bad und beschloss, das neue Jahr erst mit der folgenden Woche zu beginnen.

Freitagmittag. Klara und Peter holten Krümel aus der Kita ab. Peter hatte vorher noch geübt, wie seine Enkelin hinten auf dem neuen Kindersitz angeschnallt werden musste. Er hatte dazu den großen Elefanten aus dem Kinderzimmer geholt und ihn auf dem Sitz festgeschnallt.

Er brauchte eine Weile, bis es ihm wirklich gelang. Vorher musste er sich noch bei Laura telefonischen Rat holen.
Es klappte schließlich. Als alle wieder im Dorf angekommen waren, spielte Peter noch mit Krümel auf dem Fußboden im Wohnzimmer.

Peter hatte die kleinen Autos alle in einer Reihe aufgestellt.
Davor befanden sich die Hunde, die der Serie ‚Paw-Patrol‘ nachempfunden waren.

„Das hier ist jetzt der Chef“, sagte Peter und zeigte auf den Hund, der eigentlich Marshall hieß.
Aber Peter hatte den Namen schon wieder vergessen.

„Wie heißt der eigentlich noch?“, fragte Peter und blickte Krümel an.
„‘Maarche‘“, sagte Krümel.
„Wie? Maarche‘“, versuchte Peter Krümel nachzuahmen.

„Opa, ‚Maaarcheee‘!“
„Marche?“, Peter verstand Krümel nicht.

„Nein“, rief sie, schmiss sich auf den Bauch und warf wütend zwei der anderen Hunde auf den Boden.
„Heißt er Maaarcheee?“, fragte Peter noch einmal. Er hatte die Stimme nach oben gezogen, das ‚a‘ so lange wie nur möglich gedehnt und bekam nun beim Sprechen keine Luft mehr.

„Ja“, sagte Krümel und war zufrieden.
Erst am nächsten Tag erfuhr Peter, dass der Hund ‚Marshall‘ hieß.

Aber bis dahin verging ja noch eine Weile und Peter musste sich mächtig anstrengen, um nicht wieder bei Krümel unangenehm mit der falschen Aussprache aufzufallen.

Also dehnte er die Buchstaben, sang fast und kam damit so einigermaßen durch die strenge Prüfung bei der Namensnennung von Hund ‚Marshall‘ durch.

Am Samstagmorgen ging die Spielparty weiter. Sie begann bereits gegen halb vier Uhr.

Krümel war putzmunter, lag zwischen Peter und Klara im Bett und flüsterte Klara ins Ohr:

„Opa schnarcht, lass uns runtergehen und Frühstück machen, ja?“
Fünf Uhr saßen alle am Frühstückstisch. Krümel plapperte munter drauflos, während Peter noch versuchte zu verstehen, warum er an einem Samstag fünf Uhr morgens in der Küche saß.

„Opa, komm‘, wir ‚pielen‘ einkaufen“, drängelte Krümel eine halbe Stunde später.
Peter begab sich mit Krümel wieder nach oben, in Klaras Zimmer, wo der ‚Kaufladen‘ aufgebaut war.

Damit hatte bereits Lauras Mama gespielt und Klara hatte ihn zu Weihnachten wieder neu hergerichtet, viele kleine schöne Verkaufsprodukte in die Regale gelegt und eine Kasse hinzugestellt.

Mit einem speziellen Gerät konnten die entsprechenden Produkte eingescannt werden und es piepte sogar, wenn Krümel es an die Waren hielt.

Krümel schnappte sich als erstes das Mikrophon und schrie etwas hinein, sodass Peter nun endgültig munter war. Krümel musste es beim Einkaufen so erlebt haben.

„Was möchten Sie kaufen?“, fragte Krümel.
„Ich möchte die Bananen hier.“
„Die können Sie nicht bekommen.“

„Warum nicht?“
„Die sind für meine Party“, sagte Krümel und tanzte wie zur Bestätigung ein wenig auf Ihrem Platz.

„Dann geben Sie mir die Weintrauben“, sagte Peter.
„Die sind trocken“, sagte Krümel.

„Und jetzt?“, fragte Peter.
„Jetzt ist der Laden zu“, sagte Krümel nun.
„Ich geh‘ schlafen“, sagte sie und zog mit ihren kleinen Händchen ein nicht vorhandenes Rollo herunter.

„Das ist ja wie zu DDR-Zeiten“, brummte nun Peter.
Das Spiel wiederholte sich noch ein paar Mal und beide hatten viel Spaß daran, auch wenn sich Peter wieder lieber ins Bett gelegt hätte.

FÜR PETER BEGANN DAS NEUE JAHR, WIE DAS ALTE JAHR AUFGEHÖRT HATTE – MIT NICHTSTUN

WAS BISHER WAR:
Neujahr war vorüber und Peter hatte sich darüber gefreut, dass er mit Klara einen ruhigen Silvesterabend verbringen konnte. 

Das alles hatte zwischendurch die Züge einer Trauerfeier
angenommen, aber aufkommende Depressionen wurden mit ‚Rotkäppchen-halbtrocken‘ niedergerungen.

Klara gratulierte am nächsten Tag Anna und die bedankte sich artig, obwohl Klara den Gedanken nicht loswurde, dass Anna gar nicht den Unterschied zwischen 2020 und 2021 ausmachen konnte.

Neujahrsmorgen. Peter und Klara saßen beim Frühstück. Peter referierte darüber, was er alles Großartiges in 2021 leisten wollte, während Klara dabei die Augenbrauen hochzog und tief seufzte.

Nach dem Frühstück schob auch Peter die Gedanken an schweißtreibende Leistungsstunden weit von sich, schmiss sich auf die Couch, fuhr die Beinauflage hoch.

Er fühlte sich wie in der Kommandozentrale, als er die Fernbedienungen in die Hand nahm und sich einen Film in Netflix aussuchte.

Noch konnte er frei entscheiden. Also durchsuchte er schnell die Thriller, in denen es um Drogen, Serienkiller und Kriegsfilme ging.
Peter liebte es vor allem, sich Filme anzuschauen, die vom Einsatz der Navy Seals handelten.

Er war dann mittendrin im Geschehen. Und während die Spezialkräfte im Film einen Berg hochschnauften überlegte Peter, ob er sich mal auf die andere Seite der Couch bewegen sollte.

„Das ist doch jetzt nicht dein Ernst“, ertönte Klaras Stimme hinter seinem Rücken.

„Mein voller Ernst. Bist du etwa schon in der Küche fertig?“
„Du bist so faul, dass du immer runder wirst“, sagte Klara jetzt.

„Geh laufen!“, sagte sie noch.
„Ja, mach ich, aber nicht mehr heute. Da müssen Vorbereitungen getroffen werden, mit den Stöcken und so.“

Peter schaute unentwegt in den Fernseher, wo die Spannung zum Greifen war.

„Dann schalte jetzt wenigstens den Fernseher um“, sagte Klara.
Peter tat so, als hätte er nichts gehört. Er konnte nicht verstehen, dass Klara so unsensibel war.

Schließlich griff er doch zur Fernbedienung auf schaltete auf „Bares für Rares“ um.

Der Moderator betörte gerade mit seiner tiefen Stimme eine Frau, die Mitte 70 Jahre alt war.
„Gundula, du siehst bezaubernd aus“, hörte Peter noch, während er sich schnell weiter durch die Programme klickte.

„Was willst du denn sehen?“, fragte er Klara, während er sich unbeirrt weiter durch das Programm surfte.

„Na, das eben war doch nicht schlecht“, begehrte jetzt Klara auf.
„Schlecht war das nicht, nur mir wird schlecht, wenn ich es weiter ansehen muss.“

„Dann mach bitte ‚Bettys Diagnose‘ an.
Peter atmete tief durch. Er klickte in der Mediathek die Serie an, legte die Fernbedienung auf den Tisch und erhob sich, um schweren Herzens an seinen Schreibtisch zu gehen.

„Wieso bleibst du nicht unten?“, fragte Klara ihn.
„Ich kann mir das nicht leisten, den ganzen Tag Serien zu schauen“, sagte Peter.

„Ach, und deine Kriegsfilme zählen nicht dazu?“
„Nein, das ist Geschichte, Politik, Weiterbildung, einfach den Blick schärfen für die Welt, wie sie wirklich ist“, sagte Peter nun kurz angebunden.

„Die Hauptsache, du erzählst später nicht diesen Quatsch, wenn Krümel bei uns ist“, sagte Klara.

„Nein, die werde ich für ‚Western‘ begeistern und dann schauen wir unentwegt ‚Winnetou‘, vom ersten bis zum letzten Teil und dann wieder von vorn.“

„Das werden wir ja sehen“, antwortete Klara.

„Wahrscheinlich werden wir die Filme nicht sehen, weil du dagegen bist“, brummte Peter leise, während er sich die Treppe zum Schreibtisch hochschleppte und sich seine Laune mit jeder Stufe, die er erklomm, verschlechterte.

ES KOMMT NICHT DARAUF AN, WORÜBER DU SCHREIBST, SONDERN WIE DU ES SCHREIBST

Ich schreibe Texte über das ‚Alltägliche‘, weil ich mich für den Alltag interessiere, für die Menschen, die ich im Alltag treffe und die mir ihre Welt beschreiben.

Eine Welt, in der wir uns alle zuerst einmal aufhalten und von da aus in die große Welt hinausschauen.

Ob im ‚Storytelling‘ oder in der ‚Familiengeschichte‘ verpackt – es sind Themen aus der ‚kleinen Welt‘, die auch immer für die ganz großen Schreiber der Ausgangspunkt für ihre philosophischen oder belletristischen Einlassungen waren.

Schreibe ich authentisch, glaubwürdig, mit genügender Sachkenntnis ausgestattet und einer ‚leichten Feder‘, so glaube ich, dass ich am ehesten den Verstand und das Herz meiner Leser erreiche.

Ich quäle mich oft damit, was ich für den Leser an aktuellen Themen aussuche und worüber ich dann auch schreiben will.

Das mag auf den ersten Blick nicht gleich nachvollziehbar sein, weil ja eigentlich aktuelle Nachrichten, Ereignisse in der Welt einen Überfluss an dem bieten, was man zu Papier bringen kann und was dann auch noch interessant genug ist, vorausgesetzt, man verdichtet es ausreichend und versieht es mit eigenen Schlussfolgerungen.

Das stimmt schon alles. Ich blättere zum Beispiel oft in der Bibel umher oder lese beim Philosophen Friedrich Nietzsche nach. Manchmal reicht es auch schon, nur einen Blick in die Berliner Zeitung zu werfen.

Und trotzdem: Es fehlt irgendetwas, so als hätte ich ein selbstzubereitetes Essen, nicht genügend gewürzt.
‚Ich koche lieber meine Gerichte ganz selbst.‘

Was heißt das?

Ich nehme mir die älteste Binsenweisheit des Schreibens zu Herzen: Ich schreibe über das, was ich kenne, meine Familie, meine Umgebung, mein unmittelbares Zuhause.

Schaut man hinter die Kulissen selbst der ganz großen Schreiber, so sind deren Texte ebenfalls von ihrer ‚kleinen Welt‘ geprägt, die sie unmittelbar wahrgenommen haben.

Und so will ich es ebenfalls in Zukunft halten – hier von den Großen zu lernen, das ist glaube ich, keine Schande.

Ob es nun Texte aus dem ‚Alltäglichen‘ sind – über den Lockdown und die kleinen und großen politischen Geschehnisse, oder ob es die in der Familiengeschichte verarbeiteten Themen des Alltags sind – es sind Texte, die ich zutiefst verinnerlicht habe, und die nur so an den Verstand und vielleicht das Herz des Lesers gelangen können.

HARTNÄCKIG BLEIBEN UND DABEI NOCH FREUNDLICH

DIE SPRÜCHE SALOMOS
‚Ein Wort, geredet zu rechter Zeit, ist wie goldene Äpfel auf silbernen Schalen.
Ein Weiser, der mahnt, und ein Ohr, das auf ihn hört, das ist wie ein goldener Ring und ein goldenes Halsband.‘ (Spr 25, 11-12)

In der Stuttgarter Erklärungsbibel heißt es dazu:
„Freundliche Worte brechen den härtesten Widerstand oder ‚Steter Tropfen höhlt den Stein‘.“ (1)

 

(1)
Stuttgarter Erklärungsbibel mit Apokryphen,
DIE HEILIGE SCHRIFT NACH DER ÜBERSETZUNG MARTIN LUTHERS,
MIT EINFÜHRUNGEN UND ERKLÄRUNGEN; DEUTSCHE BIBELGESELLSCHAFT.
ISBN 978-3-438-01123-7
Neuausgabe mit Apokryphen
© 2005 Deutsche Bibelgesellschaft
Zweite, verbesserte Auflage 2007
10.2016, S. 795

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‚Wenn Eigenliebe in Selbstsucht umschlägt…‘ – Interview in #BerlinerZeitung-man hat manche Ursachen für Trumps Verhalten geahnt, in #KeineGötternebenmir werden wesentliche Züge eines Narzissten noch einmal auf den Punkt gebracht.

‚Charité‘-gestern in der #ARD gesehen-danach alle Staffeln in der Mediathek angeschaut; hätte nicht gedacht, dass der Film doch so differenziert gedreht würde;
mir haben die Folgen gefallen, und auch die Schauspieler.

Ich werde im #Lockdown immer fauler, aber auch kreativer, was Schreibideen anbetrifft.

Ich lese gern – oft #DieZeit, manchmal den #Spiegel. Aber wirklich aufgehoben fühle ich mich nur bei der #BerlinerZeitung.

DIE KLEINEN ZWISCHENMENSCHLICHEN GESTEN IN ZEITEN DES LOCKDOWNS MACHEN DEN WERT DES ALLTAGS AUS

Ertappen wir uns nicht manchmal dabei, einen Menschen daran zu messen, wieviel Erfolg er im Leben hat, wie er wohnt und was er im Leben bereits in andere Länder gereist ist?

Der Zeit des Lockdowns kann man wenig an Positivem abgewinnen. Wir können nicht reisen, Freunde sehen, nicht in cooler Garderobe auf einem Event erscheinen.

Das aber führt mich gerade dazu, mehr darüber nachzudenken, was mir an anderen Menschen wichtig ist.

Kurz vor Weihnachten fanden wir vor unserer Tür ein kleines Päckchen Pralinen, an dem eine Karte angeheftet war.

Darin standen Wünsche für ein schönes Weihnachtsfest und ein hoffentlich gesundes Jahr 2021.

Unsere Nachbarn hatten diese Zeilen geschrieben und auch noch den Wunsch auf eine weitere gute Nachbarschaft vermerkt.

Ich habe mich darüber so gefreut, dass ich eine der Pralinen gleich probiert habe, obwohl ich ja den Süßigkeiten abschwören wollte.

Erschwerend kam für mich hinzu, dass es sich auch noch um meine Lieblingssorte handelte.

Auf jeden Fall: Mir wurde warm ums Herz, das muss ich schon zugeben.

Und mir wurde schlagartig klar, dass es nicht die Tatsache war, was meine Nachbarn für ein Auto fuhren oder was sie beruflich taten, nein – ausschlaggebend für meine Wertschätzung ihnen gegenüber war ihre kleine menschliche Geste, die sie uns in dieser Zeit entgegenbrachten.

 

MIT BIBELSPRUCH SICH SELBST MOTIVIEREN

Ich bin an den meisten Tagen nicht faul, stehe kurz vor vier Uhr auf und bin kurz nach fünf Uhr am Schreibtisch.

Dann schaffe ich natürlich viel. Dann aber gibt es wieder Tage, wo ich oft genug vom Sessel aufstehe, nicht um Sport zu treiben, nein, sondern um mich sofort wieder auf die Couch vor den Fernseher fallen zu lassen.

Oftmals schaue ich mir irgendeine Sendung an, schlafe ein, um kurz danach wieder aufzuschrecken und schlaftrunken nach oben zu wanken, an den Schreibtisch zurückzugehen.

Ich habe einen Spruch Salomos entdeckt, der mich künftig vielleicht dazu anhält, wieder mehr zu tun.

Geh hin zur Ameise, du Fauler, sieh an ihr Tun und lerne von ihr!
Wenn sie auch keinen Fürsten noch Hauptmann noch Herrn hat, so bereitet sie doch ihr Brot im Sommer und sammelt ihre Speise in der Ernte.
Wie lange liegst du, Fauler!
Wann willst du aufstehen von deinem Schlaf?
Ja, schlafe noch ein wenig, schlummere ein wenig, schlage die Hände ineinander ein wenig, dass du schläfst, so wird dich die Armut übereilen wie ein Räuber und der Mangel wie ein gewappneter Mann.
(Die Sprüche Salomos, Spr 6, 6-11)

DIE SPRÜCHE SALOMOS

Es ist doch immer wieder spannend in der Bibel zu blättern und zu staunen, wieviel Alltagsweisheiten dort verborgen sind. Zum Beispiel in den Versen 16 und 17 im Kapitel 25 der Sprüche Salomos.

(Spr 25, 16-17)

Vers 16:
Findest du Honig, so iss davon nur, soviel du bedarfst, dass du nicht zu satt wirst und speist ihn aus.

Vers 17:
Halte deinen Fuß zurück vom Hause deines Nächsten; er könnte dich satt bekommen und dir kram werden.

In der Stuttgarter Erklärungsbibel heißt es dazu: „Die Verse 16 und 17 gehören zusammen.

„Zu häufigen Besuch wird man leid wie zu viel Honig daraus, darum: Mach dich rar!“ (1)

‚Die Dosis macht das Gift‘ – das würde man wohl heute umgangssprachlich sagen.

(1)
Stuttgarter Erklärungsbibel mit Apokryphen, Die Heilige Schrift nach der Übersetzung Martin Luthers, mit Einführungen und Erklärungen; Deutsche Bibelgesellschaft. ISBN 978-3-438-01123-7, Neuausgabe mit Apokryphen © 2005 Deutsche Bibelgesellschaft zweite, verbesserte Auflage 2007, 10.2016, S. 795.

WIESO IST MORGEN EIN NEUES JAHR?

Der letzte Tag im alten Jahr schien so zu enden, wie viele der vorhergehenden Tage – ruhig, still, ohne größere Aufregung.
Im Fernsehen liefen am Silvestertag die üblichen Unterhaltungsshows. Peter klickte gelangweilt zwischen den einzelnen Sendern hin- und her.

„Kannst du mal bei einem Sender bleiben?“, fragte Klara ihn.

„Natürlich“, sagte Peter und schaltete auf ein Programm, indem es um die alten Pharaonen ging.

Klara mochte diese wissenschaftlichen Sendungen, angefüllt mit den zahlreichen Kommentaren der Archäologen und anderen Experten.

„Ich geh mal für einen Moment hoch ins Arbeitszimmer und hole mir was zum Schreiben runter.“

„Untersteh dich“, fauchte Klara wütend.
„Am Silvesterabend!“
Peter gab sich geschlagen.

„Gut, dann schalte ich zurück zur Helene-Fischer-Show.“
„Was du nur an der findest“, sagte Klara nun.
„Es ist ihre Klugheit, die sie ausstrahlt“, antwortete Peter und konnte sich ein leichtes Lächeln nicht verkneifen.

Er drehte die Lautstärke auf und summte wie zur Provokation das Lied mit: „Atemlos durch die Nacht…“

„Ich ruf mal meine Mutter an“, sagte Klara, während sie sich erhob.
Peter nickte und brummte weiter das Lied aus dem Fernsehen mit.

Er klickte weiter und landete beim Nachrichtensender, auf dem ununterbrochen ein Nachrichtenband, mit der Anzahl der Neuinfizierten und den aktuellen Todesfällen.

Peter legte die Fernbedienung beiseite und ging in die Küche, um eine Sektflasche zu öffnen, vielleicht kam ja so mehr die Stimmung von Silvester auf. Peter hörte, wie Klara mit Anna sprach.

„Morgen beginnt ein neues Jahr, Mutti.“
„Ein neues Jahr? Wieso das denn?“

Peter wandte sich der Sektflasche zu.

Manches würde hoffentlich besser werden, aber eben nicht alles, dachte er, während er am Sektkorken herumfummelte und Klara versuchte, Anna zu erklären, warum nach Mitternacht das neue Jahr 2021 anbrechen würde.

#ALLTÄGLICHES#TOMMY KRAPPWEIS

@TommyKrappweis zeigt in seinem Tweet aus dem vergangenen Jahr anhand der Babylonischen Schrifttafel, dass die Vorurteile über die Jugend schon über 1000 Jahre vor Christi Geburt zurückliegen und dieselben Klischees auch heute noch bedient werden – besser kann man Vorurteile nicht entlarven.

Manchmal habe ich allerdings umgekehrt den Eindruck, dass in der Gegenwart die Alten an allem schuld sind, was schiefgelaufen ist. Aber das ist von mir nun wahrscheinlich auch wiederum so ein Vorurteil.

Was mir mit dem Zitat wieder klargeworden ist: Wir brauchen nicht  Vorurteile, sondern einen intensiven Dialog zwischen allen Generationen – das klingt langweilig, ist aber trotzdem ein guter Weg.

https://twitter.com/TommyKrappweis/status/1221189165867524099?s=20

TÄGLICH SCHREIBEN HEISST, SICH TÄGLICH ÜBERWINDEN, ABER ES LOHNT SICH

Schreiben hilft beim Analysieren der Aktivitäten im Alltag und auch beim Vordenken kommender Ereignisse.

Schreiben ist zu etwas geworden, was mir hilft, tägliche Ereignisse besser einzuordnen. Es beginnt mit dem Tagebuch.

Dort stehen die Erlebnisse und Aktivitäten einfach nebeneinander, aufgereiht, oftmals ohne irgendeinen Bezug zueinander.

Und so lese ich zum Beispiel: „In der Bibel geblättert, anschließend einige der Sprichwörter Salomos konspektiert.“

Das reicht natürlich nicht für das, was ich täglich tue. Wenn es nämlich für den Leser interessant werden soll, dann muss ich noch einen Schritt weitergehen.

Es wäre also wichtig, vom Auflisten einzelner Geschehnisse hin zur Geschichte zu kommen, darzustellen, dass es nicht darum geht, Ereignisse hintereinander aufzureihen, sondern Haltungen und Denkweisen, Motive herauszustellen, die uns im Innern antreiben und die letztlich ganz entscheidend unser Tun prägen.

Beim Konspekt der Sprüche aus der Bibel habe ich beispielsweise viele Gleichnisse gefunden, die mir helfen, besser im täglichen Umgang mit Menschen zu kommunizieren.

Das alles kostet Zeit, Energie, ja und auch viel Disziplin. Der Lohn ist ein gutes Gefühl für den Tag zu bekommen – für den, den ich gerade erlebe und für den, den ich Morgen erleben werde.

Es hilft vor allem ganz entscheidend mit, die eigenen Ziele nicht aus den Augen zu verlieren, und wenn doch, dann wieder mit aller Kraft darauf zuzusteuern.

DAS BUCH DER SPRICHWÖRTER – FUNDGRUBE FÜR LEBENSWEISHEITEN

Die Bibel lesen ist anstrengend, aber es ist auch ein ganz besonderer Luxus, den man sich gerade im Alltag leisten sollte. Und wer sich in das ‚Buch der Sprichwörter‘ vertieft und sich dafür nur ein wenig interessiert, der wird nicht enttäuscht.

Ich hätte es vor einigen Jahren noch nicht für möglich gehalten, dass ich beim Lesen der Bibel laut auflachen müsste.
Der Grund: Weil die Bibelsprüche exzellent formuliert sind – kurz, bildhaft, locker.

Ein Beispiel:
„Wer eine Sache durch einen törichten Boten ausrichtet, der ist wie einer, der sich selbst die Füße abhackt und Schaden leidet.“ (Spr 26, 6)

Sicher, es ist eine Metapher, geschrieben in althergebrachten Worten.

Aber der Spruch hat schon noch seine Gültigkeit. Wem ist es nicht schon so gegangen, dass er jemanden beauftragt hat, eine Mitteilung zu überbringen, die dieser dann völlig verdreht hat?

Die Stuttgarter Erklärungsbibel bringt es auf den Punkt, wenn sie darüber schreibt, warum es sich lohnt, ‚Das Buch der Sprichwörter‘ ab und an zur Hand zu nehmen, darin zu lesen und Schlüsse für seinen eigenen Alltag daraus zu ziehen.

„Das Buch der Sprüche ist Zeugnis einer Lebensweisheit, deren Kenntnis und Überlieferung Israel mit seinen Nachbarvölkern verbindet und die uns auch aus ägyptischen Weisheitsschriften bekannt ist. Man bezeichnet diese ‚internationale‘ altorientalische Lebenskunde mit dem Begriff Weisheit und nennt die entsprechenden Schriften Weisheitsliteratur.“ (1)

An anderer Stelle heißt es: „Als ein weiser Mensch galt der gemeinsamen altorientalischen Weisheit, wer die Ordnungen des Lebens und der Welt kennt und sein Leben danach einrichtet. Erworben und gepflegt wurde dieses Wissen dadurch, dass man die Vielfalt der Lebenserfahrungen genau beobachtete und sammelte, sie auf gleichartige oder ähnliche hin untersuchte, sie in kurzen, einprägsamen Sätzen gültig aussprach und weitergab.“ (2)

Ich jedenfalls bin davon fasziniert.

(1)
DIE SPRÜCHE SALOMOS (DAS BUCH DER SPRICHWÖRTER)
EINFÜHRUNG, S.769; In: Stuttgarter Erklärungsbibel mit Apokryphen, DIE HEILIGE SCHRIFT NACH DER ÜBERSETZUNG MARTIN LUTHERS, MIT EINFÜHRUNGEN UND ERKLÄRUNGEN; DEUTSCHE BIBELGESELLSCHAFT.
ISBN 978-3-438-01123-7/Neuausgabe mit Apokryphen
© 2005 Deutsche Bibelgesellschaft, Zweite, verbesserte Auflage 2007, 10.2016
(2)
ebenda

DIE SPIRITUALITÄT DER BIBEL FÜR EIN GESÜNDERES LEBEN NUTZEN

Das Grauen bekam wieder ein Gesicht, nachdem ich am Sonntagvormittag auf die Waage stieg. Ich habe über die Feiertage ein paar Kilo zugenommen.

Die bittere Ironie: Ich habe es nicht geschafft, mein Gewicht auf dem Niveau zu halten, das ich aufgrund eines harten Trainings im Herbst erreicht hatte. Ich habe schon gar nicht weiter an Gewicht verloren. Nein. Das Gegenteil ist also der Fall.

Ich kann mich jetzt in Ausflüchten ergehen – der Lockdown ist schuld, die Feiertage haben mich runtergezogen und dafür ist das Gewicht nach oben gegangen.

Aber was bringt mir das?
Im Zweifelsfall nur weitere schlechte Laune.

Ich habe überlegt: Ich muss zurück zu meiner Ursprungsmotivation, zu den geistigen Wurzeln, die bewirkt haben, dass ich mich von selbst morgens um 05.00 Uhr ins Fitness-Studio aufgemacht habe.

Ich will mit der Bibel versuchen, einen geistigen Neustart hinzubekommen, der nicht nur für ein paar Wochen im neuen Jahr hält, sondern mich durch das gesamte Jahr 2021 trägt.

Es ist nicht so einfach, im ‚Buch der Bücher‘ die richtigen Stellen für sich zu finden.

Die Worte herauszunehmen, die mich auch überzeugen, und die ich auch verstehe.

Aber ich bin in diesen Dingen sehr zäh. Selbst wenn alle um mich herum lachen, dass ich mir die Bibel vornehme, hält mich das nicht ab, sondern spornt mich an.

Du brauchst eben die Ausdauer, die Inhalte zu finden, sie richtig zu deuten, sie auch richtig wiederzugeben.

Ich halte nichts davon, nur das Zitat selbst zu nehmen und es einfach vor mir herzutragen, so wie eine Trophäe: ‚Seht her, wie durchgeistigt und klug ich bin‘. Das würde mir nicht helfen.

Ich will mir ein gutes Fundament an Argumenten aufbauen – für alle Lebensbereiche. Und die Gesundheit ist nun mal ein wichtiger Eckpfeiler davon.

Also kann ich nicht nur den ‚Ozean vom Ufer aus betrachten‘. Nein, ich muss mir ein ‚Schiff bauen‘, ein Gerüst, dass mich über ‚das Wasser bringt‘.

Kurzum, ich muss mir zu jedem Satz eine eigene Meinung bilden, darüber nachdenken, was die Worte mir sagen. Nur dann werde ich sie als Motivation im Alltag verwenden können.

Im Buch Josua habe ich etwas gefunden, was mir Mut machen kann:
‚Und lass das Buch dieses Gesetzes nicht von deinem Munde kommen, sondern betrachte es Tag und Nacht, dass du hältst und tust in allen Dingen nach dem, was darin geschrieben steht. Dann wird es dir auf deinen Wegen gelingen und du wirst es recht ausrichten.‘
(Jos 1, 8-9).

Was entnehme ich dieser Botschaft?
Dranbleiben an dem, was man sich vorgenommen hat, nicht vom Weg abweichen, sich einen Plan machen, an den man sich halten kann.

Und: Die Bibel für sich als Richtschnur des eigenen Handelns im Blick behalten.

WÜNSCHE FÜR 2021 – IN DER BIBEL BIN ICH FÜNDIG GEWORDEN

Im Brief an die Hebräer heißt es:
„…und lasst uns aufeinander Acht haben und uns anreizen zur Liebe und zu guten Werken und nicht verlassen unsere Versammlungen, wie einige zu tun pflegen, sondern einander ermahnen, und das umso mehr, als ihr seht, dass sich der Tag naht.“
(Brief an die Hebräer, Bekenntnis der Hoffnung, Hebr 10.24-25)

Man könnte hier viel zu schreiben, zum Beispiel, nicht einfach den Tag an sich vorbeiziehen lassen, sondern bewusst den Moment wahrnehmen und genießen, auf den Menschen neben dir achten, sich für ihn interessieren, ehrlich und einfühlsam.

Aber es ist besser, wenn man sich dem Original widmet, es auf sich wirken lässt.
In diesem Sinne: Ein gutes Jahr 2021!

 

DANKE AN ALLE, DIE AUF MEINEM BLOG VORBEIGESCHAUT HABEN

Ich sage danke für das Interesse an meinen Texten, meinen Beiträgen und ich freue mich, wenn Ihr mir auch in 2021 die Treue haltet.

Gesundheit zuerst, Glück in der Familie, ein gutes Händchen im beruflichen Leben und die Kraft, das Schöne in den kleinen Dingen des Alltags zu sehen – das wünsche ich allen für das Jahr 2021.

Einen guten Rutsch, selbst wenn es etwas leiser zugehen sollte.
Uwe Müller

 

 

ANNA FREUT SICH, WENN AUCH NUR FÜR EINEN KLEINEN MOMENT

Es war am Morgen des ersten Weihnachtsfeiertages.
Heiligabend hatten Klara und Peter allein verbracht. Es war ruhig, aber beide genossen die Stille, die Ruhe, die der Tag mit sich brachte.
Dabei ging es die Jahre zuvor stets turbulent zu.

„Weißt du noch, wie schön es war, wenn deine Oma alle zu sich in die kleine Wohnung eingeladen hat?“

Klara erinnerte sich sehr lebhaft daran, wie sie mit Peter zu ihrer Oma, Heide Richter, in die kleine Stralsunder Wohnung kamen.

Es war beengt, wenn alle im Wohnzimmer Platz genommen hatten und der Tisch mit einer zusätzlichen Decke abgedeckt war. Darunter verbargen sich die Geschenke, mit denen Oma Heide jedem im Raum eine kleine Freude machen wollte.

Laura war noch klein und sauste im Zimmer hin- und her. Klaras Vater, Wilhelm Sturm, hockte mitunter schlecht gelaunt in der Ecke des Raumes.

Er hasste es, am Heiligabend durch die Gegend zu laufen. Er wollte zuhause sitzen, bei einem Glas Wermut und um sich herum seine Frau und seine Kinder.

Peter mochte es, bei Oma Heide zu sitzen, ihren Kuchen zu essen, einen Apfelstrudel, der nur ihr so einzigartig gelang.

„Ja, das war immer schön“, antwortete Klara jetzt.
Doch nun waren sie morgens im Wohnzimmer allein. Die Lichter am Baum leuchteten, die Geschenke am Boden davor waren ungeöffnet.

Krümel kam erst am 2. Weihnachtstag. Und so lag alles noch unberührt da. Im Fernsehen lief eine Reportage über die Lofoten. Die Idylle, die Atmosphäre, die der Schnee in dem Film in das Wohnzimmer trug, die hatte etwas Beruhigendes.

Nach dem Frühstück griff Peter zum Telefon.
„Ich ruf mal deine Mutter an und werde ihr ein frohes Weihnachtsfest wünschen.“

Klara nickte und Peter wählte die Telefonnummer von Anna.
„Sturm“, ertönte Annas Stimme, lustlos und verschlafen.

Wahrscheinlich hatte sich Anna schon wieder auf die Couch gelegt, nachdem die Schwester zum Spritzen dagewesen war.
„Ich wünsche dir ein frohes Weihnachtsfest.“

„Ja, danke, Peter“, sagte Anna. Ihre Stimme klang so, als hätte sie gar nicht verstanden, dass es überhaupt um das Weihnachtsfest ging.
Peter versuchte Anna ein wenig aufzumuntern.

„Wir hatten heute geräucherte Gänsebrust zum Frühstück, nichts Besonderes. Aber erinnerst du dich, wie Wilhelm zu DDR-Zeiten darum gekämpft hat, die Gänsebrust zum Fest heranzubekommen?“

„Ja“, seufzte Anna. Es war eine Weile still am Telefon. Anna schien sich zu erinnern.

„Ach, das war schön Peter. Wenn ihr alle am Tisch gesessen habt und wir haben uns zu dem Essen gefreut, das so gut schmeckte.“

Peter hatte es geschafft, Anna aus ihrem mentalen Loch zu holen und sie für einen Moment zum Lachen zu bringen.

„Es ist so traurig“, sagte Klara, als Peter den Telefonhörer wieder aufgelegt hatte.

„Schon, aber es ist sehr schön, dass deine Mutter einen kleinen Moment der Freude hatte, während wir die Erinnerungen an früher ausgetauscht haben. Wir können traurig sein, wir können uns aber auch freuen – über diesen Moment eben. Das ist auch Leben.“
Klara schwieg eine Weile.

„Du hast recht“, sagte sie dann und wählte die Telefonnummer von Laura und Krümel.

„Hallo Omi, ich ‚pomme‘ zu euch, morgen.“
Klara musste lachen. „Soll Opa dir was vorsingen?“

„Ja, ‚Tannebaum‘“, sagte Krümel.
Klara gab Peter den Hörer und der legte sofort los.

„Oh Tannenbaum, wie grün sind deine Blätter…“
„‘Blääter‘“, wiederholte Krümel mit leiser Stimme.

Klara schmunzelte.

FASZINATION BIBEL – VOM BEGINN DES LESENS

FASZINATION BIBEL
DIE BIBEL NUTZEN FÜR SICH UND FÜR ANDERE
Die Bibel als Kraftquelle für den eigenen Alltag entdecken. 
Die Bibelworte auf sich wirken lassen, sie als Kompass und Motivation für sich selbst nutzen, andere inspirieren, es ebenso zu tun. 

Der Anlass:

Ich stieß auf das Buch von Anselm Grün: „Die Bibel verstehen: Hinführung zum Buch der Bücher“ (1)

Dann merkte ich:

Beim Bibellesen muss man sich anstrengen, aber wenn man dranbleibt, wird es spannend.

„Wir brauchen die richtige Brille, um die Worte der Bibel so zu lesen, dass sie heilsam ist und wegweisend für uns sind, dass es Worte des Lebens und Worte zum Leben werden.“ (2)

(1) (E-Book, ISBN – 978-3-451-33627-0; Verlag Herder GmbH, Freiburg im Breisgau 2010)
(2) Vgl.ebenda

Und das überzeugte mich, weiterzumachen, weiterzulesen, mich auf Entdeckungsreise zu begeben.

Der ganze Text:

WARUM DIE BIBEL LESEN?

 

WEIHNACHTEN WAR ALLES NOCH VIEL SCHÖNER

ANNA IST DEMENT (91)

 

DER WEIHNACHTSBAUM IST DIESES JAHR KLEINER – PASST IN DIE ZEIT

ANNA IST DEMENT (91)

Peter litt unter der Corona-Zeit wie jeder in diesem Land.
Und wenn er mit etwas nicht so gut umgehen konnte, dann baute er sich eine Brücke, Erklärungs- und Motivationsmodelle, mit ich denen er sich durch den Alltag mogelte.

„Mensch, dieses Jahr feiern wir in kleinem Kreis. Die Besuchszeiten von Krümel und Laura sind stark eingegrenzt, da brauchen wir uns doch jetzt keinen Stress machen, oder?“, fragte er Klara.

Klara schwieg. Sie gab keine Antwort. Nein, die Antwort stand für sie fest, sie war auf jeden Fall für ‚oder‘.

‚Oder‘ hieß: also doch in die Discounter, rein in die Kaufhäuser, am letzten Tag, vor dem Lockdown.

Peter hatte noch am Montag den Weihnachtsbaum besorgt, weil er nicht wusste, ob diese Märkte auch schließen würden.

Als er beim Händler ankam, da sagte der zu ihm: „Ich kenn‘ Sie. Sie waren letztes Jahr schon hier.“

„Ja“, entgegnete Peter freudig.
„Ich brauche einen Weihnachtsbaum, diesmal nicht so groß.“

Der Verkäufer nickte und zog einen kleinen Baum aus dem Gewühl.
„Hier, der ist gut“, sagte er. Peter drehte ihn um und schaute auf die Rückseite. Da war er ein bisschen dünn, was die Zweige anbetraf. Aber vorn, ja da war er in Ordnung.

„Der ist es“, meinte Peter, so als hätte er seinen Baum aus dem vergangenen Jahr wiedererkannt.

„In Ordnung, macht 30 Euro.“
Peter bezahlte, verabschiedete sich, schleppte den Baum zum Auto und wuchtete ihn über die
geöffnete Kofferklappe und die umgeklappten Rücksitze ins Wageninnere.

Er fuhr schnurstracks nach Hause, hievte den Baum wieder aus dem Auto und schleppte ihn auf die Terrasse, stellte ihn ab und ging anschließend ins Haus hinein.

Peter setzte sich wortlos an seinen Schreibtisch.
„Und, wo ist der Baum?“, ertönte es aus dem Nebenzimmer.

„Hier, neben meinem Schreibtisch“, antwortete er.
„Willst du mich veräppeln?“ Klara war aufgesprungen und zu ihm hinübergekommen.

„Na, wo soll er wohl sein? Auf der Terrasse, wo sonst, wie immer.“
„Kann ich ihn vom Fenster aus betrachten?“, fragte Klara.

„Das kann ich dir nicht sagen!“, antwortete Peter schnoddrig.
„Von meinem Fenster auf jeden Fall nicht, denn ich muss weiterarbeiten und kann jetzt nicht aufstehen“, setzte Peter noch nach.

„Du bist so ein Macho!“, sagte Klara jetzt.
‚Macho, hatte sie Macho gesagt?‘, dachte Peter.
War er es nicht, der vom Schreibtisch aufgesprungen war, um zum Händler zu eilen? Hatte er sich nicht mit dem Baum bis nach Hause gequält?

„Das finde ich jetzt aber nicht schön, dass du das sagst.“
Klara antwortete nicht. Sie war die Treppe hinuntergegangen, um den Baum aus nächster Nähe zu begutachten.
Peter ging hinterher.

„Der ist aber klein. Hatten die keinen größeren?“
Peter schnaubte innerlich. Gerade hatte sie ihm in der vergangenen Woche noch morgens um fünf Uhr am Bahnhof gesagt, bevor sie aus dem Auto stieg, um ihren Zug erreichen:

„Du, wenn du einen Weihnachtsbaum kaufst, dann nicht so groß. So, diese Größe reicht“, meinte sie und reckte ihre rechte Hand in Richtung Brusthöhe.

„Ich will heute keinen Baum kaufen, das steht nicht auf meinem Plan“, meinte Peter.

„Ach, ich dachte ja nur“, sagte Klara nun leicht eingeschnappt.
Peter hasste es, wenn Klara ihn morgens mit irgendetwas überfiel, was sie abends nicht besprochen hatten und was deshalb auch nicht in seiner Planung berücksichtigt worden war.

Gerade die unliebsamen Dinge, die brauchten für ihn eine Gewöhnungsphase, in der er sich damit abfand, wieder etwas zu tun, wozu er nun überhaupt keine Lust verspürte.

Ja gut, wenn sein neues iPhone geliefert würde, ja, da könnte er schon mal eine Ausnahme machen. Aber Weihnachtsbaum kaufen? Auf keinen Fall.

Und nun hatte er den Weihnachtsbaum gekauft, auch noch in der Größe und Klara zeigte keine Regung der Dankbarkeit.

„Der ist genauso groß, wie du es mit deiner rechten Hand vor ein paar Tagen angezeigt hattest. Erinnerst du dich?“
Klara antwortete erst gar nicht.

„Und wieviel hat der gekostet?“, fragte sie stattdessen.
„30 Euro.“

„Was, das ist nicht dein Ernst!“

„Der Verkäufer hat auf mich nicht den Eindruck gemacht, dass er mit mir scherzen wollte“, sagte Peter.

Dabei war ihm auch aufgefallen, dass er ein Jahr zuvor einen viel größeren Baum für nur 20 Euro vom gleichen Verkäufer erstanden hatte.

Und er hatte sich noch mit ihm gestritten.
„Ich denke, jede Nordmanntanne kostet nur 10 Euro?“, fragte er den Verkäufer.

„Ja, aber nur bis zu einer bestimmten Größe. Und der hier, der ist definitiv größer.“

Das leuchtete Peter damals ein. Aber in diesem Jahr war der Baum ja wesentlich kleiner und kostete dafür gleich noch 10 Euro mehr.
Peter wollte sich nicht streiten.

Im vergangenen Jahr hatte der Verkäufer ihm auch noch geholfen, den Baum zum Auto zu bringen.

Diesmal machte der überhaupt keine Anstalten.
Und nun stichelte Klara: „Da hast du dich ja mal wieder grandios über den Tisch ziehen lassen.“

Peter war sauer. Er drehte sich auf der Stelle um und ging zurück an seinen Schreibtisch.

Als er eine Weile dort gesessen hatte und merkte, dass er sich nicht konzentrieren konnte, polterte er die Treppenstufen hinunter, ging ins Wohnzimmer und stellte den Fernseher an.

Es lief ‚Monk‘, sein Lieblingsfilm. Monk brauchte Ordnung, Verlässlichkeit, Struktur.

Der Film gefiel ihm. Peter legte die Beine auf die Couch und schlief ein, während Detektiv Monk ermittelte.
Weihnachten konnte kommen.

 

 

DER DICKE UND DER TÄNZER – ZWEI FREUNDE IM AUSTAUSCH ÜBER DEN ALLTAG

Der Dicke, das bin ich, der über den Alltag schreibt, und der mit seinem Übergewicht kämpft. Der Tänzer, das ist Marian Walter, Solotänzer am Staatsballett Berlin.
Wir sind schon lange befreundet, unsere Familien auch. Wir sehen uns aber selten, sehr selten, denn jeder hat mit der Familie und seinem Alltag zu tun.
Aber wir tauschen uns regelmäßig über WhatsApp aus.
Heute Morgen zum Beispiel habe ich Marian nach seiner Meinung über meinen Beitrag gefragt, den ich gerade veröffentlicht hatte – Beitrag siehe unten.

Hier der Dialog danach:
Der Dicke:
Was hältst du von meinem Beitrag, den ich heute unter der Überschrift ‚WENN SCHON NICHT ABNEHMEN – DANN BLOSS NICHT NOCH WEITER ZUNEHMEN‘ veröffentlicht habe?

Der Tänzer:
Schick‘ mal, obwohl ich noch schlafe. ‚Der Frühaufsteher und der Langschläfer‘ würde besser passen, wenn ich den Zeitpunkt deiner Veröffentlichung sehe.

Der Dicke
‚Fauler Sack‘ würde ich sagen, aber um es lesekonform zu formulieren – ‚Der Künstler, der noch nicht auf Betriebstemperatur ist‘.

Der Tänzer:
Genau, aber lesen kann ich schon so früh.

Der Dicke:
Also, was sagst du?

Der Tänzer:
Was die Vorhaben anbetrifft, da bin ich auch super. Vielleicht solltest du dich mit ein bisschen weniger zufriedengeben und das konsequenter durchziehen.

Der Dicke:
Nett gesagt, und doch ‚direkt auf die Fresse‘.

Der Tänzer:
Das würde ich nie schreiben.

Der Dicke:
Nein, aber denken.

Der Tänzer:
Ich glaube, du kommst wieder in die Spur beim Abnehmen.
Du hast doch schon ein wenig erreicht.
Genieß doch jetzt einfach das Leben, dein altes Leben, das Essen, wenig bewegen.
Jetzt kannst du es doch auf Corona schieben.

Der Dicke:
Danke für die aufmunternden Worte. Sie schmecken süß und auch bitter.
Schlaf weiter.

Der Tänzer:
Nein, ich bin schon aufgestanden. Und mein Glück wuselt beim Frühstückmachen um mich herum – der kleine William.

Der Dicke:
Na dann, einen schönen Tag.
(Veröffentlichung erfolgte nach Absprache mit Marian Walter und nach dessen Zustimmung).

WENN SCHON NICHT ABNEHMEN – DANN BLOSS NICHT NOCH WEITER ZUNEHMEN

WENN SCHON NICHT ABNEHMEN – DANN BLOSS NICHT NOCH WEITER ZUNEHMEN

WAS BISHER WAR:
Das Ziel bestand in diesem Jahr darin, nach und nach abzunehmen, mehr Sport zu treiben, weniger am Schreibtisch zu sitzen, sich einfach mehr zu bewegen.

Corona hat mich zurückgeworfen: Das Fitness-Studio im Prenzlauer Berg hat geschlossen, ich mache kaum noch Sport und dafür habe ich wieder damit angefangen, am Nachmittag Kaffee zu trinken, Weihnachtsstollen zu essen und mich möglichst wenig draußen zu bewegen.

Dabei bin ich in diesem Jahr gut vorangekommen. Ich bin in der Woche von sechs bis halb acht im Fitness-Studio gewesen. Samstags kam noch Nordic Walking hinzu.

Ich habe es geschafft, 11 Kilo abzunehmen, und ich habe zwischendurch Haferkleie gegessen und Vitamin Shakes getrunken.

Und jetzt?
Ich habe nur noch ein schlechtes Gewissen. Irgendwie zieht mich die ganze Situation runter, das rede ich mir jedenfalls ein.

Es gibt ein paar Hoffnungsschimmer, denn ich habe mir ein Pilates-Band besorgt und neue Nordic Walking Stöcke. Die alten hatte ich verloren, nachdem ich sie an die rechte Seite des Autos nach dem Laufen gelehnt hatte und dann einfach losgefahren bin.

Ich will heute wieder mit dem Walken anfangen und mit dem Stollenessen aufhören.

Das jedenfalls habe ich mir heute Morgen vorgenommen. Naja, der Tag ist noch lang und es kann vieles nicht passieren.