KLARA KANN KEINE KNAPPEN ANWEISUNGEN GEBEN

MAL SCHNELL ERZÄHLT
Klara muss sich in der Klinik zur Gymnastik anmelden, traut sich nicht, mir das klar zu sagen und danach erinnert sie mich den ganz Tag daran, dass ich den Termin nicht vergessen soll. 
Naja, sie meint es gut. 
Außerdem bin ich nicht mehr allein, so wie noch bis kurzem, als Klara in der Reha war und ich Schwierigkeiten hatte, die Waschmaschine anzustellen.

„Denk‘ dran, wir müssen heute in die Parkklinik. Ich muss mich zur Gymnastik anmelden und das geht nur donnerstags.“

Das sagte Klara mir donnerstagfrüh, bevor sie kurz nach fünf Uhr dem Bahnsteig zustrebte. Warum sollte ich daran denken, wenn Klara mir sagte, dass sie donnerstags in die Klinik müsse, um sich anzumelden?

Sie hatte mit der Information am Montag begonnen, und nun hatten wir Donnerstag. Ich hörte es also jetzt zum vierten Mal. Selbst wenn ich dement wäre, würde ich das wohl behalten. Ich nickte nur zustimmend.

„Holst du mich denn 15.00 Uhr hier ab?“, fragte Klara noch. Das war eine geschlossene Frage. Ich konnte also mit ‚ja‘ antworten.

Aber es wäre noch spannender, wenn ich die anderen Antwortmöglichkeiten ebenfalls ausschöpfen würde: ‚nein‘, ‚ich weiß noch nicht‘, vielleicht, ‚ich überleg‘ es mir noch am Vormittag und ruf dich zurück‘.

Aber mit Klara konnte man das nicht machen. Sie war entschieden dagegen, auf den Arm genommen zu werden. Sie kam auch nicht auf die Idee mir zu einfach zu sagen, dass ich 15.00 Uhr pünktlich am Bahnhof sein sollte.

Das wäre eine klare Ansage für mich. Und der Ticker würde bei mir ab 14.40 Uhr laufen – Computer aus, Schreibtischhose ausziehen, Jeans anziehen, Portemonnaie, Handy, Autoschlüssel, Schuhe anziehen, Tür zuzuziehen, einsteigen, losfahren und sich fragen, ob man die Tür auch wirklich zugezogen und abgeschlossen hat. Aber all das ersparte ich mir.

Gegen 14.30 Uhr kam noch einmal ein Anruf von Klara:
„Ich bin 15.12 Uhr da. Holst du mich dann ab?“

„Ich ziehe gerade die Jeans an“, sagte ich.
„Ist das nicht ein bisschen früh?“, fragte Klara jetzt besorgt.
Ich könnte ja noch eine Salsa im Wohnzimmer tanzen. Der Computer war ja schon aus. Doch ich kannte keine Salsa.

Also stieg ich ins Auto. Wenn ich Zeit hätte, würde ich mir zum Vertreib noch einmal das Video ansehen, auf dem zu sehen ist, wie Krümel mit mir telefoniert und wie sie auf meine Fragen mit einem Augenaufschlag reagiert.

Klaras Zug kommt auf dem Bahnsteig an.

„Hast du lange warten müssen?“, fragt Klara mich beim Einsteigen.
„Ja, ich habe aber zum Zeitvertreib noch ein paar Turnübungen auf dem Dach gemacht, zum Aufwärmen sozusagen für deinen Gymnastikkurs.“

Klara schwieg. Sie konnte diese Art von Humor nicht ausstehen.

Wir fuhren in die Klinik und hielten auf dem Parkplatz davor. Klara war schon vorgegangen, weil sie bis 16.00 Uhr bei der Anmeldung gewesen sein musste. Ich ging gemächlich den Weg zur Eingangshalle hoch. Es roch nach frisch gemähtem Gras.

Es war doch schön, dass Klara wieder Zuhause war.