SIE MÜSSEN DEN TOASTER REPARIEREN

WAS BISHER WAR:
Peter hatte für Klara den Blumenstrauß zum Geburtstag besorgt, obwohl er es hasste, in Blumenläden zu gehen. Er verzichtete darauf, Klara weitere Vorschläge zur Restrukturierung ihrer Küchenabläufe zu machen. Klara wollte nach Stralsund, um nach ihrer Mutter zu sehen.

Das Telefon klingelte, während Peter über einem Text brütete. Nur unwillig hob er den Kopf und sah auf das Display. Es war die Nummer von Lukas aus Stralsund.

„Hast du einen Augenblick Zeit?“, fragte Lukas ihn.
„Oder hast du sehr viel zu tun?“, setzte er noch mit seiner Frage nach.
„Naja, es geht schon“, sagte Peter unwillig, aber nicht unfreundlich zu Lukas.

Er ging auch nicht auf Lukas‘ spöttischen Unterton ein, der da lautete: ‚Du bist doch Rentner und müsstest eigentlich Zeit genug haben.‘

Klar bekam er schon Rente, aber er arbeitete trotzdem weiter. Sie brauchten das Geld und Peter konnte sich nicht vorstellen, einfach nur herumzusitzen, um irgendwelchen Hobbys nachzugehen.

Peter kannte keine Hobbys, er kannte nur seine Arbeit. Der einzige Luxus, den er sich gönnte“ war, dass er die Pausen so legte, wie er es für richtig empfand und manchmal auch an einem ganzen Vormittag nur vor dem Fernseher verbrachte, weil für ihn spannende Nachrichten über den Bildschirm flimmerten.

„Gibt’s was Neues bei Anna?“
„Na ja, die Schwester hat mich gerade angerufen, weil bei Anna der Toaster kaputt war und sie keinen Kaffee gefunden hatte.“

Es war Schwester Marga, die Lukas mittags darüber informierte, nachdem sie morgens für Anna das Frühstück bereiten wollte.
Schwester Marga war hilfsbereit, energisch und ein herzlicher Mensch.

Sie sagte offen, was sie dachte, nahm dabei jedoch wenig Rücksicht darauf, ob sie damit vielleicht jemanden vor den Kopf stoßen würde.
Mit ihrer lauten Stimme, ihrer Körperfülle konnte sie schon einem anderen Menschen Angst einflössen.

Sie formulierte manchmal anklagend gegenüber den pflegenden Angehörigen die aus ihrer Sicht auffallenden Defizite.
„Formulieren Sie doch lieber eine Frage, als gleich mit der Tür ins Haus zu fallen“, hatte die Leiterin des Pflegedienstes sie bereits einmal ermahnt“, als eine Beschwerde von Angehörigen bei ihr eingegangen war.

Schwester Marga durfte man nicht im Weg stehen, wenn sie volle Fahrt aufgenommen hatte.
Es ging schnell zu, laut, aber auch herzlich.

„Stell dir vor, das ist ja alles nicht schlimm, aber der Ton, indem sie mir das gesagt hatte, der hat mich schon aufgebracht“, sagte Lukas.

„Wie war denn ihr Ton?“, fragte Peter.
„Sehr vorwurfsvoll, so als würden wir uns gar nicht kümmern“, antwortete Lukas.

„Dabei gehe ich jeden Tag dort hin. Klar, vielleicht übersehe ich ja auch mal was, aber mir gleich so zu kommen“, das finde ich nicht in Ordnung.

„Das lassen wir nicht auf uns sitzen. Wir rufen dort an und stellen die Schwester zur Rede.“
„Ja, aber lass uns erst einmal mit Klara darüber sprechen, bevor wir dort anrufen.“

„Hast du etwa Angst, dass ich jetzt gleich zum Hörer greife und die Chefin befrage, was das soll?“, fragte Peter.

„Nein, nein“, meinte Lukas.
Peter nahm ihm das nicht ab, denn er wusste, wie Lukas über ihn dachte, und dass der ihm zutraute, sehr schnell und sehr hart zu reagieren.

Dabei hatte Peter das gar nicht vor. Er würde lediglich klar fragen, warum die Schwester sich im Ton vergriffen hatte. Und Peter dachte, er würde Lukas damit helfen.

Doch der war schon wieder genervt davon, dass die Sache vielleicht höhere Wellen schlug, als er es selbst wollte.

„Ich werde das heute Abend erst einmal mit Klara besprechen, und danach wird Klara in Stralsund anrufen“, sagte Peter nach einer Weile.

Lukas stimmte ihm zu und er war erleichtert. Er wollte zwar, dass man was sagte, aber irgendwie wollte er es auch wieder nicht. Auf jeden Fall wollte Lukas keinen Ärger.

Aber den Ärger machten die anderen, indem sie Lukas unterstellten, dass er sich nicht richtig kümmern würde.

‚Sollen das doch Klara und Lukas unter sich ausmachen‘, dachte Peter, nachdem er den Hörer aufgelegt hatte.

Gerade erst gestern hatte er eine Kopie der Krankenkasse eingescannt und an den Pflegedienst geschickt, damit sie über den Leistungsumfang, innerhalb dessen sie sich bewegen konnten, informiert waren.

Peter hatte kurz bevor Lukas auflegte ihm noch einmal deutlich gemacht, wie wichtig es war, so etwas nicht auf sich sitzen zu lassen.

„Das haben wir ja nun alles besprochen“, meinte Lukas lakonisch.
Peter ärgerte sich über diese Reaktion. Hatte Lukas sich bei ihm gemeldet, oder umgekehrt?

Peter wusste selbst von sich, dass er bohrend, ja nervend sein konnte, wenn er die Dinge wiederholte, nur um sie dem anderen verständlich artikuliert herüberzubringen.

Vielleicht war das auch sein Fehler. Er beschloss, Klara anzurufen, sie in Kenntnis zu setzen und sich dann aus der ganzen Sache herauszuhalten.