ANNA GAB SCHWEREN HERZENS IHR EINVERSTÄNDNIS, DASS IHRE POST AN LUKAS GESCHICKT WURDE

Es fiel Anna sehr schwer, das zu akzeptieren. Doch es ging nicht anders. Anna konnte nicht mehr unterscheiden, was von der Post wichtig war und was gleich in den Papierkorb konnte.

Werbebriefe, die nahm sie für bare Münze, dachte, sie müsse diese unbedingt beantworten.

Dort stand: „Liebe Frau Sturm, wir freuen uns auf Sie. Schicken Sie die die Rückantwort noch heute ab. Ein wunderschönes Gratis-Geschenk wartet darauf, von Ihnen in Empfang genommen zu werden, liebe Frau Sturm!“

Da musste man doch antworten“, meinte Anna. Und sie wurde böse, wenn man ihr nicht zustimmte.

KLARA ORGANISIERT VON BERLIN AUS DIE UMLEITUNG DER POST AN LUKAS
Klara ging in das Hauptpostamt in der Friedrichstrasse und schilderte ihre Situation.

„Meine Mutter gibt ununterbrochen Geld aus, kauft eine Bluse nach der anderen, weil ihr Gratisgeschenke suggeriert werden. Was soll ich nur tun?“

„Ich weiß genau, wovon Sie sprechen.“
Die Schalterangestellte zeigte viel Verständnis.

„Mein Vater hat die Post versteckt. Er hat keine Briefe, keine Mahnungen mehr geöffnet. Nur durch Zufall kamen wir dahinter.

Und das nur deshalb, weil uns der Stromanbieter informiert hat, dass sie den Strom bei ihm abstellen wollen“, erzählt sie von den Erfahrungen mit ihrem dementen Vater.

„Und was haben Sie daraufhin getan?“
„Wir haben uns von meinem Vater eine Vollmacht geben lassen, dass wir die Post zu uns umleiten können und ihm danach die Briefe aushändigen.“

„Was hat er gesagt?“
„Ihr wollt mich alle betrügen und ruinieren. Wenn das eure Mutter noch erlebt hätte! Schämt euch!“

Klara schaute die Mitarbeiterin ungläubig an.
„Das ist ja furchtbar.“

„War es auch. Schließlich aber hat mein Vater eingewilligt“, sagte die Mitarbeiterin am Schalter.

„Dann wollen wir das jetzt auch so machen und die Post zu meinem Bruder umleiten. Die Einwilligung meiner Mutter liegt vor“, sagte Klara.
Klara hatte sich die Vollmacht schriftlich geben lassen und zeigte sie nun der Mitarbeiterin.

ANNA STRÄUBTE SICH LANGE, IHRE EINWILLIGUNG ZU GEBEN
Das war gar nicht so einfach gewesen, die Vollmacht von Anna zu bekommen.

Während die Mitarbeiterin alles vorbereitete, schweiften Klaras Gedanken ab.

„Mutti, wir wollen dir helfen zu verstehen, was du für Post bekommst und dann gemeinsam entscheiden, was wir damit tun.“

„Warum?“

Anna wollte zuerst nicht verstehen.
„Ich lese dir doch die Post immer vor, abends, wenn ich anrufe.“

Klara konnte Anna nicht sagen, wie sehr sie genervt davon war, wenn ihre Mutter begann, die Briefe vorzulesen.

Erst einige Tage zuvor war es so gewesen. Anna hatte einen Brief bekommen, mit dem sie nichts anfangen konnte.
„Ihr Ansprechpartner: Frau Sammredt. Jetzt die Adresse…“

„Mutti!“, unterbrach Klara Anna beim Vorlesen.
„Du musst mir jetzt nicht alles vorlesen. Lies doch einfach die Betreffzeile vor.“

„Betreffzeile?“
„Ja. Dort steht doch irgendwo ‚Betreff‘, und den Text danach, den kannst du mir ja noch einmal vorlesen.“

„Ich finde das nicht!“
„Aber Mutti“, Klara war verzweifelt, „schau doch einfach die Zeilen von oben nach unten durch!“

Jetzt war Anna völlig durcheinander.
„Ich versteh‘ gar nicht, warum die mir diesen Scheiß schicken.“
Briefe mit behördlichem Inhalt oder von der Bank, ja das war wirklich ein Scheiß. Anna empfand das so.

Die andere Post, die mit den bunten Briefumschlägen, die war viel angenehmer.

Die schrieben so nett – „Liebe Frau Sturm, wir freuen uns…“
Ja, da freute sich Anna auch.

„So, jetzt geht die Post an Ihren Bruder“, riss die Mitarbeiterin Klara aus ihren Gedanken.