‚WIESO GUTEN MORGEN – IST ES NICHT ABENDS?‘

Was bisher war:
Klara war nicht nach Stralsund gefahren, aufgrund der Wettersituation.
Sie machte sich Sorgen, wie es ihrer Mutter, Anna, ging.

„Guten Morgen Mutti, wie geht es dir?“
Es dauerte eine Weile, bis Anna am Telefon auf Klaras Frage reagierte.

„Wieso ‚Guten Morgen`?“, ich bin schon im Nachthemd, und ich will ins Bett gehen“, sagte Anna und ihre Stimme klang dabei entrüstet.

„Mutti, es ist jetzt kurz vor zehn Uhr morgens. Die Schwestern müssen doch schon bei dir gewesen sein, und du hast doch sicher auch schon gefrühstückt, oder?“
Anna sagte nichts.

„Mutti, bist du noch da?“, fragte Klara besorgt.
„Ach, ich weiß gar nichts mehr, es ist einfach furchtbar“, sagte Anna nun mit fast weinerlicher Stimme.

Klara gab es einen Stich ins Herz, dass ihre Mutter immer weniger in der Lage war, am Tag zurechtzukommen.

Ausgerechnet zu dem Zeitpunkt brach noch einmal der Winter über das Land herein und Klara war zu Hause geblieben, vorsichtshalber.

„Na gut, Mutti“, dann zieh dir doch etwas an und mach‘ dir vielleicht einen Kaffee“, sagte sie zu ihrer Mutter.

„Kaffee, um die Zeit? Was ist denn das für ein Quatsch?“
Anna wurde wieder angriffslustiger.

„Also, Mutti, dann wünsche ich dir einen schönen Tag“, sagte Klara und drückte auf die rote Taste am Telefon.

„Ich weiß nicht, wie lange das noch gut geht!“, sagte Klara nun zu Peter.

„Das wird nicht mehr so lange sein, wo deine Mutter in ihrer Wohnung allein bleiben kann“, antwortete Peter.

„Aber ich vertraue da auch auf Lukas. Der gibt uns doch stets einen realistischen Bericht, so dass wir schnell handeln können“, schob er noch nach.

Klara schwieg. Peter ebenfalls.
Beide wussten, was auf sie zukommen würde, schon bald, wie sie befürchteten.