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WASSERFASTEN – TAG 1
Samstag, 30.05.2026, kurz nach fünf Uhr.
Mich hielt es nicht mehr im Bett.
Ich war aufgeregt, so als würde ich mich auf eine Klassenfahrt vorbereiten.
Dabei ging es ja heute nirgendwo hin, höchstens zum Klo.
Ich musste ja heute abführen, mit Bittersalz.
Mir graute davor, aber ich würde es tun, ohne mit der Wimper zu zucken.
Ich bereitete alles vor – eine Flasche stilles Wasser, 1 Liter.
Dann füllte ich die Wasserflasche mit Leitungswasser auf, 1, 5 Liter.
Nun kam der Fencheltee dran: Ich nahm den Behälter, in dem ich genau einen halben Liter abmessen konnte.
Ich schüttete das Wasser in den Kocher und tat den Teebeutel in die Tasse, auf der im Innenrand ‚Für kluge Köpfe‘ eingraviert war.
Naja, noch war ich überzeugt, dass es klug war, all dies zu tun.
Ich nahm den Tee und die beiden Wasserbehältnisse mit hinter in mein Arbeitszimmer und stellte sie auf dem kleinen Tisch neben dem Schreibtisch ab.
Es war wie ein Ritual für mich.
Jetzt aktualisierte ich noch schnell die Excel-Liste, in die ich die Werte eintragen wollte – Blutdruck, Herzschlag und Gewicht.
Der Blutdruck lag bei 138/88, Puls bei 67.
Ich hatte mich heute morgen auch auf die Waage gestellt – 124,05 kg.
Gestern waren es noch 123,2 kg.
Wie konnte das passieren?
Ich hatte gestern noch einmal zugeschlagen, dass getan, was zu meinem Übergewicht über Jahre geführt hatte:
Morgens, bevor ich zum Training ging, zwei Bananen gegessen.
Mittags Bratkartoffeln mit einem kleinen Stück Fleisch.
Und nachmittags Erdbeeren mit ein bisschen Schlagsahne und einer Eiskugel.
Klar, das waren sie, die eigentlichen Gründe, warum ich jetzt mit meinem Gewicht kämpfte.
Aber es war wie ein Sog, es zu tun, denn ich hatte das Gefühl, dass es quasi eine ‚Henkersmahlzeit‘ war, die ich einnahm.
Also, das Ziel, mich achtsam auf das 14-tägige Fasten vorzubereiten, das hatte ich schon mal verpasst.
Obwohl: Ich hatte ja nach 16.00 Uhr am gestrigen Tag nichts mehr gegessen.
Ein schwacher Trost vielleicht.
Aber während ich gedanklich noch einmal durchgehe, was ich gestern gegessen hatte, lief mir das Wasser im Mund zusammen.
Keine Angst, ich bleibe standhaft.
Außerdem wusste ich ohnehin, dass diese Art der Ernährung vorbei war, wenn ich nachhaltige Ergebnisse erzielen wollte.
Aber es war gestern wie ein Sog, noch einmal richtig zu sündigen.
Heute war ich nun wieder ‚unschuldig‘, und es konnte losgehen.
Links von mir, da liegt ein kleines Buch, in das ich die Tabelle hineingeklebt habe, und in die ich nun alle Werte eintragen werde.
Krümel hatte mir gesagt: ‚Opa, das Buch ist doch gut für deine ‚Tu-Tu-Listen‘.
Das Wort hatte sie mal aufgeschnappt, weil ich nach einer richtigen Vorlage für meine To-do-Listen suchte.
Jetzt stand dort Tag 1 – 30.05., und die Werte waren bereits eingetragen.
Die größte Herausforderung, nämlich das Bittersalz einzunehmen, das hatte ich noch ein bisschen herausgeschoben.
Ich fühlte mich gut, auch wenn ich nichts gegessen hatte, setzte mich sofort an den Schreibtisch und begann damit, meine Rede für die nächste Woche zu erarbeiten.
Danach aber, da habe ich das kleine Fass mit dem Bittersalz aufgedreht und genau 15 g abgemessen.
Klara hatte dafür die ideale Waage.
Ich rührte das Salz und das Wasser um und trank es in einem Zug aus.
Es schmeckte scheußlich.
Nachdem ich ein bisschen gewartet hatte, trank ich einen Liter Stilles Wasser aus der bereitgestellten Flasche hinterher.
„Koch dir doch noch einen Fenchel-Tee hinterher“, rief Klara vom Balkon.
Keine so schlechte Idee, dachte ich.
Die Tasse war bereits abgekühlt und ich begann den Tee ebenfalls noch austrinken.
Und jetzt?
Ja, ich warte mal ab, was passieren wird.
In jedem Fall – ich habe angefangen, und ich bin hochmotiviert.
Tag 1 werde ich wohl ohne größere Probleme überstehen, hoffentlich.
Der Zug rollte bereits und die Reise zu einem gesünderen Leben hatte begonnen.

