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WASSERFASTEN – TAG 2
Die Euphorie des Anfangs, die ist weg.
Ich fühle mich gut, ein wenig schwindlig vielleicht.
Ich versuche nicht daran zu denken, wie viel Tage noch vor mir liegen.
Gestern Abend bin ich ziemlich erschöpft ins Bett gegangen und auch gleich eingeschlafen.
Es ist schon komisch, wenn du gar nichts isst.
Keinen Kanten Brot, kein Brötchen, nichts.
Nur Wasser, aber darauf habe ich mich nun konzentriert.
Klara hat mir eine schöne Karaffe herausgestellt, und ich trinke nicht mehr aus der Flasche, sondern gieße mir das Wasser in ein Glas ein, das wir noch von unserem Auslandsstudium in den 80er-Jahren aufbewahrt haben.
Es trinkt sich ganz anders, irgendwie schöner.
Klara hat mir eine Zitronenscheibe ins Glas gegeben.
Ich denke, das wird nicht gegen die Regeln verstoßen.
Ansonsten habe ich heute morgen am Schreibtisch gesessen und an einem Redetext gearbeitet.
Zugegeben, es fiel mir schwerer. Nicht, weil ich Hunger verspürte, sondern weil ich mehr Energie aufbringen musste, um mich zu konzentrieren.
Während ich schrieb, da kreiste eine kleine Mücke vor meinem Bildschirm und vor meiner Nase.
Sie störte mich mit der Zeit und ich schlug mit der Hand nach ihr, vergebens.
Doch plötzlich war sie vor meinem Mund und ich musste schrecklich Husten.
Ich glaube, ich habe sie verschluckt.
Also doch Fleisch gegessen, aber nicht mit Absicht.
Ich komme insgesamt gut klar.
Ein bisschen dröhnt mir der Kopf.
Aber das wird schon wieder vergehen.
Ich halte mich ein bisschen an die Devise, die mir mein Vater mal früher gesagt hat.
Nämlich: „Es sind nicht die Höhen, die dir Angst machen sollten, sondern die Täler, die du Tag für Tag durchschreiten musst.“
Aber ich habe keine Angst, nur unheimlich Respekt vor dem, was mich noch in den nächsten Tagen erwartet.

