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WASSERFASTEN – TAG 6
AUFHÖREN ODER WEITERMACHEN?
Gestern war ich so weit, abzubrechen.
Ich hatte nach meiner Rede einen Schwächeanfall.
Gott sei Dank war alles zu Ende, und so ist es kaum aufgefallen.
Meinen beiden Kollegen schon.
Sie haben mich bis zum Parkplatz untergehakt und einer hat meine Tasche getragen.
Was war passiert?
Ich fühlte mich gut, hatte noch einen Schluck Wasser getrunken und die Flasche im Auto gelassen.
Das war mein Fehler.
Es war schwül, die Mücken stachen und der Mund war trocken.
Ich hätte vor der Rede noch etwas trinken müssen.
Meine Kollegen rieten mir sofort davon ab, mit dem Fasten weiterzumachen.
Verständlich, von ihrer Position aus.
Als ich im Auto saß, da habe ich überlegt, wie es weitergehen sollte.
Aufhören oder durchhalten?
„Du hast lange genug durchgehalten“, sagte meine Frau.
Hatte ich das?
Nein, es waren ja erst 5 Tage vergangen.
9 Tage lagen noch vor mir.
Und was war mit der Ketose, die ja erst jetzt so richtig einsetzen sollte?
Einen kleinen Erfolg konnte ich schon registrieren, als ich meine Anzughose wieder auszog.
Ich streifte die Hosenträger ab und wollte vorn die Knöpfe aufmachen.
Das musste ich nicht, denn die Hose rutschte sofort im Ganzen nach unten.
Sonst war sie immer ein bisschen zu eng.
Ich habe den ganzen Tag überlegt, was ich tue.
Meine Kollegen hatten mir abgeraten, meine Frau machte sich Sorgen.
Was also sollte ich tun?
„Ich mach‘ weiter, und ich verspreche dir, wenn es mir schlecht geht, dann breche ich ab“, sagte ich zu Klara.
„Du musst wissen, was du tust“, entgegnete sie und meinte eigentlich, „du handelst unverantwortlich.“
Aber ich stellte mir vor, wenn ich gleich aufhören würde.
Ich könnte vielleicht eine Brühe zu mir nehmen, eine Scheibe Schwarzbrot dazu essen.
Am nächsten Tag käme dann ein schönes Frühstück hinzu.
Aber wie würde es mir gehen, wenn ich das tun würde?
Körperlich sicherlich besser.
Aber mental?
Ich würde mir Vorwürfe machen, dass ich nicht gekämpft hatte.
Heute morgen bin ich früh aufgestanden und im Park gelaufen.
Ich fühlte mich gut, und ich habe sogar noch Liegestütze gemacht.
Mein Entschluss stand fest: Ich würde weitermachen.
Heute war ich bei einem Kunden, um die Inhalte für eine Rede zu besprechen.
Es lief super, und ich war hochkonzentriert.
Er hatte mir Kekse hingestellt.
Ich habe dankend abgelehnt und nur um ein Glas Wasser gebeten.
Ich wollte den Fehler nicht wiederholen und zu lange auf das Wassertrinken hinauszögern.
Ich habe gestern Abend noch zur Ablenkung die Sendung ‚Mein Lokal, dein Lokal‘ gesehen.
Sonst lese ich meistens nebenher.
Aber dieses Mal, da habe ich genau verfolgt, wie das Essen zubereitet wurde.
„Der Kloss ist mir viel zu hart“, sagte eine Teilnehmerin.
„Das wäre mir egal, ich würde ihn auf jeden Fall essen“, sagte ich zu Klara.
Die entgegnete nichts. Ihr Gesichtsausdruck war eindeutig.
So als wollte sie sagen: „Selber schuld, dass du weitermachst.“
Ich werde weitermachen.
Noch 8 Tage.

