50 KILO ABNEHMEN (10)

ZIEL NICHT ERREICHT – IM GEGENTEIL

Heute ist der Tag, an dem ich für den Monat September Bilanz ziehe.

Eine negative Bilanz: Mein Ziel war es, von 124,4 kg auf 117,8 kg zu kommen, also 6,6 kg weniger.

Das Gegenteil ist eingetreten, ich habe nämlich zugelegt: von 124,4 auf 125,3 kg.

Damit wiege ich am 30.09.2019 insgesamt 900 Gramm mehr, als ich am 01.09.2019 wog.

Das Gute daran: Ich weiß es, weil ich inzwischen jeden Tag auf die Waage steige.

Im Januar wog ich noch 131 kg. Jetzt also rund 6 Kilo weniger.

Trotzdem: Ich muss hier noch konsequenter vorgehen, weil ich es sonst nicht schaffe, selbst bei regelmäßigem Sport nicht.

Am Samstag hatten wir eine Feier zum 70. Geburtstag eines guten Freundes.

Da habe ich Sekt und Wein getrunken. Allein das war schon falsch.

Na gut, ich schaue nach vorn. Jetzt habe ich für ein paar Tage Urlaub.

Da denke ich auch nicht so sehr ans Abnehmen.

Wie auch immer: Ich mache weiter und werde mein Ziel, 50 Kilo abzunehmen, nicht aus den Augen verlieren.

SCHREIB-ALLTAG (7)

WAS ICH AN DER SCHREIBEREI IM ALLTAG ÄNDERN WILL

Die erste gute Nachricht ist: Ich bin von Morgen an im Urlaub, die ganze nächste Woche.

Es gibt genug zu tun, aber natürlich vor allem Erholung.
Ich habe nachgedacht, wie ich die ganze Schreiberei noch besser organisieren kann.

Natürlich lasse ich mich vor allem davon leiten, was interessant sein könnte.

Ich glaube, es sind weiterhin die kleinen Fäden, die man aufgreift, wenn man sie am ‚alltäglichen Boden‘ liegen sieht und daraus eine Geschichte spinnt, die inspiriert ist von den eigenen Erlebnissen.
Aber ich muss das alles in Einklang mit dem Geldverdienen bringen, ein Korsett, das jeder trägt.

Klar, ich bin nun schon Rentner, und manches ist leichter geworden, aber wenn du etwas produzieren und verkaufen willst, dann brauchst du die Zeit und Energie, um das wirklich umzusetzen.

Sicher, ich verdiene mit dem Schreiben mein Geld, und mit dem Schreiben erfülle ich meinen Traum davon, ein bisschen zu plaudern, über Dinge nachzudenken, wozu ich früher nicht gekommen bin, oder wo ich oft auch keine Lust zu hatte.

Also insofern geht es jetzt nur noch um die Schreiberei.
Trotzdem gibt es Unterschiede, denn das eine sind die sogenannten PR-Texte und das andere sind Texte, die aus persönlichen Motivation und Freude heraus entstehen.
Beides ist wichtig.

Damit ich noch effektiver werde, habe ich mir überlegt, über die Zeit von einer Woche ein Thema zu bearbeiten.

Ab dem 07. Oktober beginne ich damit, eine Woche lang Geschichten über ‚Anna ist dement‘ zu veröffentlichen.
Ich werde zu jeder Erzählung einen kleinen ‚Klappentext‘ schreiben, damit sofort klar wird, worum es geht. Dazu gebe ich den Link vom Blog an.

Und wen es interessiert, der geht auf den Blog und wen nicht, den will ich natürlich auch nicht langweilen. Ich lese ja ebenfalls nicht alles.

Was bleibt: Ich freue mich riesig über jeden Like, jeden Kommentar.
Das ist schon Motivation pur.

Ich zieh‘ das mal einen Monat durch.
Nach ‚Anna ist dement‘ kommen eine Woche lang Texte zu ‚50 Kilo abnehmen‘, danach zu ‚Alltägliches‘ und schließlich zu ‚Jeepy‘.

Meine Texte über den ‚Schreib-Alltag‘ veröffentliche ich nur auf dem Blog, denn ich glaube, dass dies die wenigsten Leser interessiert, vielleicht ein paar Freaks, die genauso wie ich an ihrem ‚Handwerk‘ feilen.

Also, auf geht’s. Erst mal in den Urlaub.
Bis bald.
Uwe

 

ANNA IST DEMENT (42)

LUKAS RACKERT SICH AB

Lukas keuchte die Treppen bei Anna rauf.
Er hatte zwei schwere Taschen in der Hand, in jeder eine. Die zerrten an seinen Handgelenken, schnürten ihm das Blut in den Fingern ab.

Als er endlich an der Tür angekommen war, ließ er sich schnaufend auf den Stuhl fallen, den Anna vor die Wohnungstür gestellt hatte.
Schließlich erhob er sich ächzend und drückte auf den Klingelknopf.

Es dauerte eine Weile, bis sich drinnen jemand bemerkbar machte.
Die Tür öffnete sich und Anna blickte Lucas erstaunt an.
„Mit dir hätte ich ja nun gar nicht gerechnet“, sagte sie und schaute mürrisch drein.

„Mutti, wir haben doch heute Morgen erst besprochen, dass ich für dich einkaufe, und dafür hast du mir ja sogar einen Zettel geschrieben.“

Lukas konnte seine Enttäuschung darüber, dass sich Anna nicht freute, kaum verbergen.

Hinter Anna ertönte eine fröhliche Stimme: „Guten Tag, Lukas.“
Es war Frieda Krüger, eine gute Freundin von Anna. Sie kannten sich schon von ihrer gemeinsamen Schulzeit aus dem Krieg her.
Frieda ist herzensgut und sie glaubt, sie müsse alles wissen, was so bei den anderen passiert.

Neugierig sagen die einen über sie, wissbegierig sie über sich selbst. Und bereit zu helfen.

Lukas hatte das wohl nicht im Blick, als er Frieda sah.
„Die fehlt jetzt noch in meiner Sammlung“, sagte er sich, besser, er dachte es. Denn laut sagen würde er das nie. Das traute er sich nicht.

Da war Lukas einfach zu feige, oder klug genug, nicht noch zusätzliche Konflikte zu provozieren.

Fortsetzung in ‚ANNA IST DEMENT (43)‘

50 KILO ABNEHMEN (9)

DEIN WEG MUSS DEIN ZIEL BLEIBEN – SONST HÖRST DU IRGENDWANN AUF

Es ist fast wie ein Wunder für mich: Ich fahre nun bereits über zehn Wochen ins Fitness-Studio, und das nicht 2 oder 3 mal in der Woche.
Nein, jeden Tag, jeden Wochentag – Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag und Freitag.

Wenn du jetzt denkst: „Will der uns hier veräppeln? Die Wochentage kennen wir selber“ – dann hast du natürlich recht.

Ich meine etwas anderes. Vor Jahren hätte ich mir nicht im Traum vorstellen können, dass ich jeden Tag in der Woche ins Fitness-Studio gehe.

Das ist so surreal, so unwirklich für mich. Es ist aber so.
Und das macht mich schon stolz. Doch ich weiß natürlich, dass nichts langweiliger ist als der Erfolg, die erledigte Zielstellung von gestern.

Darum versuche ich professionell vorzugehen. Ich sage bewusst, dass ich es versuche und längst nicht immer durchhalte.
Was meine ich?

Nun, ich habe unzählige Vorträge darüber gehalten, was es heißt, sich Ziele zu setzen und diese dann auch zu erreichen.

Dazu gehört, sich das aufzuschreiben, was man sich vornimmt.
Tue ich das? Ja, da bin ich ziemlich eisern. Aber es reicht ja nicht nur, das Ziel aufzuschreiben.

Du musst ja auch auf dem Papier festhalten, wie du es erreichen willst, welche Geräte du abarbeiten willst, wie viel Kilo die Gewichte ausmachen sollen, während du die Übung absolvierst.

Und das alles aufzuschreiben, was du an dem Tag jeweils erreicht hast, das ist schon nervig. Ich schreibe inzwischen alles Nötige ins iPhone, in den Pausen, bevor ich zu einer anderen Station gehe.

Mittlerweile kenne ich die Namen der einzelnen Geräte, weiß zum Beispiel, wie viel Kilo ich an der Bizepsmaschine einstellen kann, ohne mir einen Muskelriß zu holen. Ich halte mich außerdem an eine genaue Vorgabe, in welcher Reihenfolge ich die einzelnen Geräte absolvieren will.

Ich glaube, das ist bei mir noch heute so drin, weil ich es mal bei der Marine gelernt habe. Ich erinnere mich an einen Film, in dem auf einem amerikanischen Flugzeugträger die Piloten ihre Maschinen in die Luft brachten, präzise vorab geplant und in der Kommandozentrale mit farbigen Bauklötzern nachgestellt – einfach damit es für jeden sofort plastisch sichtbar wird, welcher Pilot startet, wer sich in der Luft befindet und wer zum Flugzeugträger zurückkehrt.

Das imponiert mir und so versuche ich auch in meiner Planung vorzugehen.
Gut, ich lasse die Bauklötzer weg und nehme stattdessen die Excelliste.

Trotzdem: Klara kann dem nichts abgewinnen. Sie meint dann: „Klein Uwi spielt mal wieder.“ Aber ich brauche das. Ich habe außerdem im iPhone für unterwegs eine Datei und notiere sofort nach der Übung, ob ich alles geschafft habe und ob ich eventuell die Anzahl der Trainingseinheiten erhöhen kann.

Woran es hapert ist dies: Komme ich wieder in mein Homeoffice, dann müsste ich alles auf meinem Computer speichern, damit ich es später ausdrucken kann.

Und ich müsste eine Gesamtauswertung vornehmen. Mach‘ ich aber meistens nicht, weil mich dann die geschäftlichen Aufgaben drücken. Es wird nie aufhören, dass du irgendwas nicht machst oder es lückenhaft tust.

Dafür sind wir alle Menschen mit unseren Schwächen, und gewappnet mit hervorragenden Ausreden, warum wir irgendwas in dem Moment nicht leisten können.

Darum sage ich: Ziele setzen und erreichen sind gut. Damit ich aber dabei die Lust nicht verliere, muss der Weg ins Fitness-Center ein Hauptziel bleiben, verknüpft mit der Freude, auch durch den Eingang zu gehen und einfach anzufangen.

Als ich heute Morgen wieder rauskam, da sah ich einen glutroten Streifen am Himmel, ein untrügliches Zeichen dafür, dass es hell wurde.

Wenn du dann schon knapp zwei Stunden trainiert hast, dann glaubst, die Sonne hätte auf dich gewartet, um dir einen schönen Tag anzukündigen.

Manchmal glaube ich, dass du das alles viel intensiver wahrnimmst und genießt, weil du dich vorher gequält hast. Ich werde morgen wieder dort sein und dann geht es von vorn los.
Der Weg ist eben das Ziel.

 

ALLTÄGLICHES – (8)

WENN NUR DIE VIELEN SERIEN AUF NETFLIX NICHT WÄREN

Eine Woche voller spannender Ereignisse geht zu Ende.
Geprägt war sie von meinen Anstrengungen, weiter im Fitness-Studio zu trainieren und vor allem in der Gewichtsabnahme meine Ziele zu erreichen.

Die Euphorie ist vorbei, die ich anfangs gespürt habe, und die mich vorangetrieben hat, vor allem im Sport.

Und jetzt muss ich mit meinen Ausreden kämpfen, die sich häufen.
Freitag zum Beispiel, da hatte ich gegen Mittag einen Zahnarzttermin.

„Oh, ich kann nicht morgens zum Sport fahren und mittags dann zum Zahnarzt gehen“, sagte ich zu Klara.
„Warum nicht?“, fragte Klara mich.
„Weil ich sonst meine Arbeit nicht schaffe“, sagte ich zu ihr.
„Das ist doch eine Ausrede“, meinte sie.
„Du bist doch nur zu faul, 04.00 Uhr aufzustehen und mit mir reinzufahren“, entgegnete sie.
„Also gut, in Gottes Namen, dann fahre ich eben mit dir“, gab ich nach.

Später, als ich mit dem Training fertig war, die Sonne morgens durchkam und ich aus Berlin Mitte zurückfuhr, zu mir ins Homeoffice, da kriegte ich richtig gute Laune. Ich hatte es wieder einmal geschafft, mich zu überwinden, gute Laune zu bekommen.

Mittags war ich dann beim Zahnarzt und wir haben davon geschwärmt, was wir nicht alles für die Gesundheit tun.

Und als ich wieder zu Hause war, so gegen halb zwei, da war genügend Zeit, um meine Arbeitsaufgaben zu erledigen.
Aber da war ja noch die Serie auf Netflix über das Drogenkartell in Kolumbien. Wie wird es weitergehen, und schafft es der DEA- Agent, das Kartell erfolgreich zu bekämpfen?

Ich musste da dran bleiben. Also ging ich schnell an den Schreibtisch, machte die Planung auf der Excelliste auf. Da war es ja: ‚Pressemitteilung schreiben‘.

Konnte ich das verlegen? Natürlich konnte ich das.
Ich musste es sogar tun, denn abends durfte ich die Serie ja nicht sehen. Klara war das alles zu grausam.

Ich strich mit meinen Finger auf der Tastatur entlang und tippte auf ’strg‘ und ‚x‘- ‚ausschneiden‘ und danach auf ‚strg‘ und ‚v‘- ‚einfügen‘. Und schwupp‘s war ich beim nächsten Tag angelangt. Alles erledigt, auf dem Papier sah es jedenfalls so aus.

Immerhin konnte ich mich nun meiner Serie in Ruhe widmen. Ich schaute sie voller Inbrunst.

Abends fragte Klara mich: „Du wolltest doch den Text fertigstellen, damit du die Rechnung einreichen kannst“, meinte sie.

‚Warum hast du ihr nur den Termin gesagt‘, schimpfte ich innerlich mit mir selbst.

„Ach du, das ist nicht so einfach, wie du vielleicht denkst. Das alles muss reifen“, sagte ich wie nebenher.

Klara schwieg und schaute mich misstrauisch an.
Ich zeigte keine Regung.

„Sag‘ mal“, setzte ich vielmehr an, „du hast doch noch zu tun heute Abend?“

„Ja, hab‘ ich.“
„Warum fragst du?“
„Och, dann kann ich ja noch eine Serie zu Ende schauen. Am Tag ist da ja nicht so viel Zeit für.“

GESPRÄCHE MIT EINER PRIMA BALLERINA (16)

DER KLEINE WILLIAM IST DA (3)
DIE ANGST UM IANA

Link to the english version:

https://uwemuellererzaehlt.de/2019/09/19/the-little-william-is-there-3/

Kurz vor der Geburt: Iana kämpfte mit den Schmerzen und der aufkommenden Übelkeit, bis sie sich schließlich übergab.
Und trotzdem: Sie wollte so wenig wie möglich Schmerzmittel einnehmen.

Schließlich kam die Hebamme herein und brachte Iana ins Geburtszimmer.

Marian saß auf dem Stuhl und zitterte vor Aufregung.

„Ich fühle mich wie eine Katze“, sagte Iana zu Marian. Das lag wohl an der Haltung, die sie einnahm, als der Geburtsvorgang eingeleitet war.

Iana ertrug die Schmerzen, die ganze Situation mit viel Humor und machte Marian dabei noch Mut. Aber der konnte seine Angst, seine Unruhe kaum verbergen.

Endlich! 23.32 Uhr: Der kleine William war geboren.
Das Baby schrie kräftig. Marian durchtrennte die Nabelschnur.
Iana war glücklich, ja sogar fröhlich,

„Es war nicht so schlimm, wie beim ersten Mal“, sagte sie zu Marian.
Die Hebamme schaute zu Iana und legte ihr den kleinen William in den Arm.
Da waren alle erleichtert.

Dann wurde es wieder hektisch. Drei Hebammen versuchten alles, damit die Placenta vollständig herauskam.
Auf dem Ultraschallbild wurde klar, dass noch einiges von der Nachgeburt im Körper von Iana war.

Sie presste und verspürte dabei starke Schmerzen im Bauch.
Die Ärztin kam herein und sprach leise mit den Hebammen.

„Sie müssen noch ein wenig durchhalten und weiter pressen, damit die Nachgeburt vollständig herauskommt“, sagte die Ärztin zu Iana.

„Sonst müssen wir Sie in den OP bringen.“
„Ich will nicht mehr pressen, die Schmerzen sind zu groß, ich will gleich in den OP“, antwortete Iana.
„Gut“, sagte die Ärztin zu ihr und drückte leicht ihre Hand.

Für einen Moment war es still im Raum, bis auf das Geschrei des Babys.
Iana zitterte, als sie in den OP gebracht wurde.
„Das ist normal. Es ist das Adrenalin“, beruhigte die Ärztin sie.

Die Operation dauerte bereits zwei Stunden.
Marian lag im Bett. Der kleine William war auf seiner Brust, damit er das Gefühl von Nähe hatte.

Marian genoss die erste halbe Stunde mit seinem Sohn. Er war wieder Vater geworden und realisierte das in dem Augenblick nun so richtig.

Wer hatte schon als Partner das Glück, gleich nach der Geburt das Baby solange auf der Brust zu haben, und seine Wärme zu spüren?

Doch Marian wurde immer unruhiger.
Was war im OP? Wie ging es ihr? War sie noch in der Vollnarkose?
Die Angst kroch in ihm hoch und er konnte nichts dagegen tun.

„Sie sind so taff“, sagte die Ärztin im OP zu Iana.
Die Schwestern und Ärztinnen bewunderten sie, wie geduldig Iana alles ertrug.

Iana wurde in den Raum geschoben und Marian war zunächst erleichtert.
Doch die Blutungen hörten bei Iana nicht auf.

„Wir müssen Ihre Frau erneut operieren.“ Die Oberärztin war direkt auf Marian zugelaufen.
Vorher hatten sich die Ärzte und die Hebammen beraten und sich zur erneuten Operation entschlossen.

„Sollte es nicht gelingen, die Placenta zu entfernen, müssen wir die gesamte Gebärmutter herausnehmen.“

Marian liefen die Tränen über das Gesicht. Er konnte die Angst um seine Frau nicht mehr verbergen.

Würde sie es schaffen? War ihr Leben in Gefahr?
Für ihn brach eine schreckliche Wartezeit an.

In dem Moment, als sie Iana wieder brachten, wurde Marian klar, wie sehr er seine Frau liebte.

Iana schlief, bis 03.00 Uhr morgens. Als sie aufwachte, fragte sie Marian als erstes:

„Bist du ok?“
Sie erschrak sich zugleich, dass sie solange geschlafen hatte. Sie wollte so schnell wie möglich wieder ihr Baby in den Armen halten.
Jede halbe Stunde, bis früh um 09.00 Uhr kontrollierten die Schwestern noch, ob alles in Ordnung war.

Am Montag war Iana ins Krankenhaus gekommen, am Freitag wurde sie entlassen.

Die Familie war wieder zusammen und konnte ihr Glück kaum fassen. William sollte nicht an einem 13. des Monats geboren werden. Sie hatten noch versucht, die Geburt bis nach 24.00 Uhr hinauszuschieben, sodass William erst am 14. Mai zur Welt kam.

Das war vor allem Marleys Wunsch.
Er wollte von seinem Bruder ein vermeintliches Unglück abwenden, dass sich mit der Zahl 13 verband.

Aber eben dieser 13. hatte allen schließlich Glück gebracht. Sie werden sich in jedem Jahr daran erinnern, am Geburtstag des kleinen William.

THE LITTLE WILLIAM IS THERE (3)


THE FEAR OF IANA

 

Just before the birth, Iana struggled with the pain and the onset of nausea, until she finally vomited. Still, she wanted to take as little pain medication as possible.

Finally the midwife came in and brought Iana to the birthing room. Marian sat in the chair, trembling with excitement.

„I feel like a cat,“ Iana told Marian. That was probably due to the position she was in when the birthing process began.
Iana endured the pain and the whole situation with a lot of humour and encouraged Marian. But he couldn’t hide his fear.

Finally! At 23:32, the little William was born.
The baby screamed vigorously. Marian severed the umbilical cord.
Iana was happy.

„It was not as bad as the first time.“ she said to Marian.
The midwife looked at Iana and hugged little William. For the moment, everyone was relieved.

Then it became hectic again. Three midwives tried everything to get the placenta out completely. But on the ultrasound scan, it became clear that there was still some afterbirth left in Iana’s body. She felt strong pain in her stomach.

The doctor came in and spoke softly to the midwives.
„You have to hold on a bit and keep pushing so that the afterbirth comes out completely.“ said the doctor to Iana.

„Otherwise we’ll have to bring you to the operating room.“

„I don’t want to push anymore, the pain is too much. I want to go straight to surgery.“ Iana replied.

„Good.“ the doctor said to her, squeezing her hand lightly.
For a moment it was quiet in the room, except for the crying of the baby.

Iana shivered as she was taken to the operating room.

„That is normal. It’s the adrenaline.“ the doctor reassured her.
The operation lasted two hours.

Marian was in bed. Little William was on his chest. Marian enjoyed the first half hour with his son. He had become a father again.
What man was lucky enough to have the baby on his chest right after birth and to feel his warmth?

But Marian became more and more restless.
What was going on in the OR? How was Iana? Was she still under general anesthesia?

The fear crept up on him and there was nothing he could do about it.

„You are so tough.“ said the doctor in the operating room to Iana.

The doctors and nurses admired how patiently Iana endured everything.

Iana was pushed into the room and Marian was relieved at first. But Iana’s bleeding had not stopped.

„We have to operate on your wife again.“ The senior physician told Marian.

„Should it not be possible to remove the placenta, we must remove the entire uterus.“

Marian’s tears rolled down his face. He could no longer hide the fear he felt for his wife.

Would she do it? Was her life in danger?
For him, a terrible wait began.

The moment they brought Iana back, Marian realized how much he loved his wife.

Iana slept until 3:00 in the morning. When she woke up, she asked Marian first:

„Are you OK?“
It scared her that she had slept so long. She wanted to hold her baby in her arms as soon as possible.

Every half hour, until 9 o’clock in the morning, the nurses checked to see if everything was alright.

On Monday, Iana had come to the hospital and she wasn’t released until Friday.

The family was together again and could hardly believe their luck. William was born on the thirteenth of the month. They had tried to delay the birth until after midnight, so that William was born on May 14th.

That was mainly Marley’s wish. He wanted to spare his brother any misfortune that could have come with the number 13. But this 13th had finally brought luck to all. They will remember it every year on the birthday of little William.

JEEPY (34)

MEIN FAHRER SPINNT – ER WILL SICH EINEN E-ROLLER KAUFEN

Hallo Krümel, hier ist dein Jeepy, oder ‚Jiiipi‘, wie du ihn rufst.
Wir haben ja lange nichts mehr voneinander gehört.

Deshalb melde ich mich mal bei dir, und ich will dir erzählen, was ich so in der Zwischenzeit erlebt habe, vor allem mit meinem Fahrer zusammen.

Erinnerst du dich noch, als wir alle gemeinsam auf dem Erdbeerhof waren, im Urlaub?

Ich erinnere mich noch genau daran, denn kurz bevor wir auf dem Parkplatz ankamen, hast du dich übergeben.

Naja, du kannst ja nichts dafür. Mein Fahrer, dein Opa, hat mal wieder nicht daran gedacht, dass er um die Kurven ganz langsam fahren muss, wenn du dabei bist. Sonst wird dir ja gleich schlecht.

Deine Mama und Oma haben das schnell wieder hinbekommen, nämlich dich umzuziehen und den Sitz wieder sauberzumachen.
In der Zeit hat dein Opa nur zugeschaut, so als würde ihn das nichts angehen.

Aber ich glaub‘, Oma und Mama waren froh, dass er sich nicht bewegte, weil sie Angst hatten, dass er dadurch noch mehr Unruhe stiften könnte.

Der Tag war schön. Denk‘ nur mal an die Rutsche, wo du auf einem Kartoffelsack mit Mama e hinuntergesaust bist.

Ich habe mir das alles erzählen lassen, denn ich stand ja in der Zeit in der prallen Sonne und habe geschwitzt.

Als wir aus dem Urlaub zurückfuhren, da ist doch mein Fahrer in Lietzow in die Radarfalle getappt.
Weißt du noch? Ich glaube, da hattest du schon wieder deine Augen zu.

„Das musst du doch wissen, dass hier ein Blitzer steht“, meinte Oma.
Mein Fahrer hat nicht geantwortet, so sauer war er.
25 Euro hat ihn das gekostet.

„Einer muss ja spenden“, sagte mein Fahrer, nachdem er den Strafbefehl erhalten hatte.
Aber es kam ja noch dicker.

Auf der Rückfahrt von Ahlbeck, da ist er noch einmal in eine Radarfalle gerauscht.
Und dabei war es so schön am Strand. Deine Mama und du, lieber Krümel, ihr habt euch da schon längst wieder jede in ihrer Kita aufgehalten.

Deine Mama in ihrer Kita, weil sie arbeiten musste und du in deiner Kita, weil du dort spielen solltest, während deine Mama arbeitete.
Gestern also kam der Bescheid.

Mein Fahrer hatte mit einem Punkt und einer Geldstrafe gerechnet.
Doch nun muss er nur 20 Euro bezahlen.
Er hat Glück gehabt, und er weiß nicht einmal, warum.
Also freute er sich und fuhr mich zur Belohnung gestern in die Waschanlage.

„Klappen Sie bloß die Spiegel ein, von ihrem schönen Auto“, sagte die Mitarbeiterin an der Kasse.

„Schönes Auto“, so hat die Frau mich genannt.
Ja, sie hat vollkommen recht damit.
Am Nachmittag fuhren ich und mein Fahrer zusammen nach Berlin-Buch. Wir waren beide frisch geduscht und wollten deine Oma abholen.

Auf dem Weg dorthin war es sehr voll, weil die S-Bahn sich mal wieder nicht an den Fahrplan hielt.
Die Leute liefen einfach über die Strasse, ohne sich umzuschauen.
Stell dir das mal vor, Krümel.

„Sollen doch die Autofahrer sehen, was sie davon haben, wenn sie mich anfahren“, wird wohl so manche Fußgängerin oder so mancher Fußgänger gedacht haben.

Mein Fahrer bleibt in solchen Situationen möglichst ruhig und wartet lieber einmal mehr ab, bis alle über die Straße rüber sind.

„Bald laufen alle auf der Straße“, sagt mein Fahrer gern in solchen Momenten.

„Rücksichtnahme ist gut“, meint er in so einem Fall außerdem.
„Gegenseitige Rücksichtnahme wäre noch besser“, brummelt er dann noch in seinen Bart.

Aber danach, ja danach, da kam der Höhepunkt.
Mein Fahrer musste halten, damit ein Fußgänger nicht in seinem Spaziergang gestört wurde, er schlenderte über die Straße, schaute nicht, ob dort ein Rad fuhr oder vielleicht ein Gefährt mit vier Rädern. Nein, warum auch?

Sollen doch die anderen aufpassen. Macht mein Fahrer ja auch, und so hat er geduldig gewartet.

Wurde er dafür belohnt? Auf keinen Fall, denn von hinten kamen zwei Jungen und traten mit ihren Füßen gegen mein Hinterteil.
Sie grinsten meinen Fahrer an und liefen einfach weiter.

Was soll ich sagen? Mir tut heute noch mein Hinterteil weh, ich meine natürlich meine Heckklappe und mein Fahrer überlegt, ob er mich verkauft und sich einen E-Roller zulegt.

Die soll es ja in der nächsten Woche in einem großen Discounter ganz billig geben.

„Das wird lustig“, findet er.
„Oma kann abends von der S-Bahn direkt auf den E-Roller umsteigen“, meint er zu mir.

Meinst du, der macht das?

Ich glaube das nicht. Aber zuzutrauen ist ihm alles.
Gestern war er schon mal in einem Fahrradladen und wollte sich Mountainbikes anschauen.

Der Verkäufer sagte zu ihm:
„Für Sie wäre ein Damenfahrrad besser, das ist bequemer für Sie.“
Mein Fahrer hat ihn ganz lange angeschaut und geschwiegen.

Oh, Krümel, du glaubst gar nicht, welche Gewitterwolken sich über dem Verkäufer in dem Moment zusammenbrauten.

Zum Glück hatte mein Fahrer gestern Kreide gefressen, weißt du? Wie der Wolf in dem Märchen, das er dir auf einen Podcast gesprochen hat.

Aber Krümel, er hat sich wieder beruhigt, auch innerlich.
Jetzt fährt er erst einmal mit mir zum Liepnitzsee, um zu joggen.
Arbeiten, das ist für ihn noch ein Fremdwort.

Morgens, ja da erzählt er Oma, was er an dem Tag alles machen will.
Aber ich, lieber Krümel, ich weiß Bescheid, was läuft – nicht viel eben.
Bis bald, dein ‚Jiiipi‘.

THE LITTLE WILLIAM IS THERE (2)

YOU CAN GO HOME AGAIN

„Mami, it’s happening. Can you come right now?“ Marian asked his mother excitedly on the phone.

„But I have my sport tonight. I can’t do that.“ she said to her son. But this was only her initial reaction. Although Sylvia had her own life and enjoyed pursuing her own activities, she supported her family wholeheartedly.

She helped wherever she could and she loved Marley beyond measure. So it was without question that she would drop everything to be with her grandson when Marian and Iana had other responsibilities. So in this situation, she canceled her plans and went to Marian and Iana’s home immediately.

During the phone call with his mother, Marian paced nervously back and forth on the terrace. He didn’t know if he and Iana would need to spend the night in the hospital, or if they could go home again, so his mother’s initial reluctance to come and help them, made him even more nervous.

„Mami.“ Marian tried again. But he did not have to say anything more.

„It’s alright, I’ll be right there.“ his mother soothed him.
After talking to his mother, Marian went to find Iana in the bathroom. While everyone around her was in chaos, she herself, was calm.

She was standing in front of the mirror with curlers in her hair. She looked happy because finally it was happening. The wait was over.
Again, a little amniotic fluid leaked from her. Marian became even more restless.

„We need to go to the hospital.“ he urged.
They arrived at the hospital shortly before half past eight in the evening. The midwife initially examined Iana for her general condition, and then attached her to the ‚labor clerk‘.

Iana had been physically and mentally prepared for what she expected when the child came.

„I feel like I’m going to training,“ she joked.
The midwife came back in. „Your uterine mouth is still closed.“ she told Iana, looking friendly.

„So you can go home for now.“ she added.
Iana looked at the midwife questioningly and at the same time doubtfully.

She sensed that it was not good to leave the hospital again, only to have to come back a little later.

It was quiet in the room. Nothing would have suggested how strained Iana was now. From her experience, she sensed that it did not feel right to follow the midwife’s advice.

Marian looked questioningly at Iana.
After a short break she said:

„For the birth of Marley, at first it looked like he was not ready to come out yet. But then everything suddenly went very fast.“

The midwife looked at Iana. She didn’t seem too happy that Iana had doubted her advice. But Iana knew her own condition, she knew her body, and she knew she was feeling the beginning of childbirth. She conveyed this to the midwife, who understood.

„I’ll discuss that with the doctor.“ she said, turning to the door.
Iana paced up and down and Marian was silent. The tension was noticeable to both.

They had been sent to the waiting area directly in front of the delivery room. They were waiting on the doctor to give them final certainty that it was actually amniotic fluid that had leaked out.
Finally, it was time. Iana was re-examined. Now, Iana could not sit still. She began to breathe shorter, she got cramps and the contractions began.

„That’s pain to enjoy. “ she joked with Marian. He smiled back, looking calm on the outside, but Iana knew her husband. She knew how excited he was inside.

„I feel like the baby is kicking.“ Iana told the doctor. She looked over at her and smiled as she looked at the ultrasound image, which showed that Iana’s cervix was about to open.

„We’ll keep you here.“ she said to Iana, after a second vote with the midwife.

Right after the examination, they were given a twin room, set up so that Marian could stay there too. He lay down next to Iana in the double bed and tried to reassure her. Iana had to smile, she could feel his uneasiness. Marian played some music on his phone to help them both relax.

„Can you give me a glass of water, please.“ Iana asked Marian. „And the lip balm.“

The contractions became stronger and stronger. To make it more bearable for Iana, the midwife gave her a light analgesic.

GESPRÄCHE MIT EINER PRIMA BALLERINA (15)

DER KLEINE WILLIAM IST DA (2)
SIE KÖNNEN ERST NOCH WIEDER NACH HAUSE GEHEN

Link to the english version:

https://uwemuellererzaehlt.de/2019/09/11/the-little-william-is-there-2/

„Mami, es geht los. Kannst du gleich mal kommen?“, fragte Marian seine Mutter aufgeregt am Telefon.

„Aber ich habe doch heute Abend noch meinen Sport. Das schaffe ich ja gar nicht“, sagte sie in einer ersten Reaktion zu ihrem Sohn.

Sylvia war in dieser Situation mit ganzem Herzen bei der Familie. Sie half, wo sie nur konnte. Und sie liebte Marley über alle Maßen. Also war klar, dass sie nun alles stehen und liegen lassen würde, um bei ihrem Enkel zu sein und so Marian und Iana zu entlasten.

Aber sie hatte eben auch ihr eigenes Leben, verfolgte ihre eigenen Aktivitäten. Sie haderte deshalb mit sich, den geplanten Sport einfach ausfallen zu lassen, und sich stattdessen sofort zum Haus von Marian und Iana zu begeben.

Marian lief während des Telefonats mit seiner Mutter auf der Terrasse aufgeregt hin- und her. Er wusste nicht so recht, ob Iana und er die Nacht im Krankenhaus verbringen würden, oder ob sie noch einmal nach Hause fahren konnten. Diese Ungewissheit machte ihn zusätzlich nervös.

„Mami“, versuchte es Marian erneut. Doch er musste gar nichts mehr sagen.

„Ist ja gut, ich bin gleich da“, besänftigte ihn seine Mutter.
Während alle um Iana herum wie im Chaos wirkten, war sie die Ruhe selbst.

Marian ging, nachdem er mit seiner Mutter telefoniert hatte, zu ihr ins Bad.
Iana stand mit Lockenwicklern im Haar vor dem Spiegel und wirkte fröhlich, ja fast ausgelassen, so als wollte sie sagen: „Endlich passiert etwas. Das Warten hat ein Ende.“

Wieder trat ein wenig Fruchtwasser bei ihr aus.
Marian wurde noch unruhiger.
„Wir müssen ins Krankenhaus, um zu erfahren, woran wir sind“, drängte er sie nun.

Sie machten sich auf den Weg und kamen kurz vor halb acht abends im Krankenhaus an.

Die Hebamme untersuchte Iana zunächst auf ihren Allgemeinzustand hin, und schloss sie danach an den ‚Wehenschreiber‘ an.

Iana hatte sich körperlich und mental gründlich darauf vorbereitet, was sie erwartete, wenn das Kind kam.

„Mir ist, als würde ich zum Training gehen“, spaßte sie trotzdem.
Die Hebamme kam wieder herein: „Ihr Gebärmuttermund ist noch geschlossen“, sagte sie zu Iana und schaute sie dabei freundlich an.
„Sie können also wieder beruhigt nach Hause fahren“, ergänzte sie noch.

Iana schaute die Hebamme fragend und zugleich zweifelnd an.
Sie spürte, dass es nicht gut war, wieder aus dem Krankenhaus wegzugehen, nur um wenig später erneut aufzutauchen.

Es war ruhig im Raum. Nichts deutete auf den ersten Blick darauf hin, wie angespannt jetzt Iana war. Sie hatte ihre Erfahrungen und sie spürte, dass es sich nicht richtig anfühlte, wenn sie dem Rat der Hebamme folgte.

Marian blickte fragend zu Iana herüber.
Nach einer kurzen Pause sagte sie:

„Bei der ersten Geburt war es auch so, dass es danach aussah, als würde es noch nicht soweit sein. Aber dann ging alles sehr schnell.“

Die Hebamme schaute Iana an: Und sie merkte, dass hier nicht nur mal jemand ins Blaue hinein seine Zweifel daran äußerte, was sie als Hebamme gerade gesagt hatte.

Vielmehr: dass in ihren Augen die junge Frau vor ihr genau um ihren eigenen Zustand wusste, ihren Körper kannte, einfach den Beginn der Geburt spürte.

Für Iana war im Kopf ohnehin jeder Schritt vorprogrammiert, so intensiv hatte sie die Bilder der Geburt vor ihrem inneren Auge, und dass vermittelte sie an die Hebamme, faktisch ohne Worte.

„Ich bespreche das mal mit der Ärztin“, meinte diese deshalb und wandte sich zur Tür.
Iana lief auf und ab, Marian schwieg. Die Anspannung war beiden anzumerken.

Sie waren in den Wartebereich direkt vor dem Kreissaal geschickt worden.
Sie wollten nun die endgültige Gewissheit darüber bekommen, dass es sich bei Iana tatsächlich um Fruchtwasser handelte, das ausgetreten war.

Und dann war es soweit. Iana wurde erneut untersucht. Jetzt hatten sie gleich
Sie konnte schlecht stillsitzen. Sie atmete kürzer, sie bekam Krämpfe und die Wehen setzten ein.

„Das sind Schmerzen zum Genießen“, scherzte sie in dem Augenblick mit Marian.

Der lächelte zurück, wirkte äußerlich ruhig. Aber Iana kannte ihren Mann. Sie wusste, wie er mitfieberte, und wie aufgeregt er innerlich war.

„Ich habe das Gefühl, als ob das Baby strampeln würde“, sagte Iana zur Ärztin.

Die schaute zu ihr herüber und lächelte, während sie das Ultraschall – Bild betrachtete, auf dem zu erkennen war, dass Ianas Muttermund kurz davor war, sich zu öffnen.

„Wir behalten Sie da“, sagte sie dann nach einer nochmaligen Abstimmung mit der Hebamme zu Iana.

Sie bekamen gleich nach der Untersuchung ein Zweibettzimmer, so eingerichtet, dass der Partner dort auch mit sein konnte. Marian legte sich neben sie ins Doppelbett und versuchte beruhigend auf sie einzuwirken. Iana musste schmunzeln, spürte sie doch seine eigene Unruhe hautnah.

Marian schaltete das Handy mit Musik an, zur Entspannung.

„Gib‘ mir bitte ein Glas Wasser“, sagte sie zu ihm.
„Und bitte, reich‘ mir den Lippenbalsam“, sagte sie noch und lächelte ihn an.

Die Wehen wurden immer stärker. Damit es für Iana erträglicher wurde, verabreichte die Hebamme ihr ein leichtes Schmerzmittel.

 

 

ALLTÄGLICHES – (7)

SCHAFF DIR FÜR DEINEN ALLTAG EIGENE BILDER –

IM KOPF

Warum immer wieder über den Alltag nachdenken?
Weil wir die meiste Zeit im Alltag verbringen – und mit ihm.

Es ist doch komisch: Wenn du im alltäglichen Gewühl bist, dann möchtest du dich am liebsten in irgendeine stille Ecke zurückziehen, nichts sehen, nichts hören, und vor allem nichts tun.

Dabei ist es genau das, was falsch ist, was uns nicht am Leben erhält.
Was ist es dann?

Ich denke die Tatsache, dass wir uns im Alltag anstrengen müssen, unsere Vorhaben nur erreichen wenn wir Energie aufbringen, und wenn du aus dem Bett aufstehen musst.

„Der hat gut reden“, wird manch einer sagen, der das jetzt liest.
Ja, das stimmt. Gesagt ist das alles schnell und leicht. Aber Veränderungen im Alltag beginnen ja nicht damit, dass du gleich alles umkrempeln sollst.

Ich behaupte, das meiste wirst du nicht verändern wollen, ja gar nicht verändern können.

Womit also anfangen, wenn das Alltagsgrau etwas freundlicher erscheinen soll?

Mit deinen Bildern im Kopf!

Jeder kann dir von außen reinreden: dein Chef, der gute Freund, der Ehepartner.

Aber wer trifft denn die Entscheidung darüber, was du davon wirklich annimmst?

Na klar, wenn du eine Weisung von deiner Chefin erhältst, dann mußt sie befolgen. Aber auch hier helfen dir deine eigenen Bilder, an die auch deine Chefin nicht herankommt.

Wenn ich in Situationen bin, die mir Unbehagen bereiten, dann rufe ich meine Bilder auf, die ich abgespeichert habe.
Ich muss zum Beispiel demnächst zum Zahnarzt.

Und obwohl ich meinen Zahnarzt für sehr kompetent halte, ihn menschlich sehr mag, gehe ich ganz ungern zu ihm in die Praxis.

Was tun?

Wenn der Doktor die ‚Folterinstrumente‘ herausholt, dann schließe ich die Augen und sehe die Ostsee vor mir.

Woher habe ich dieses Bild?

Wir waren im August in Sassnitz – bei einem Spaziergang entlang der Kreidefelsen, stets mit dem Blick auf’s Meer.

Wenn du oben stehst und du schaust von da aus auf das Wasser, dann geht dir das Herz auf. Es war ein sonniger Tag, die See lag ruhig da und die Sonnenstrahlen glitzerten auf den kleinen Wellen der Ostsee.

Diese Ruhe und diese Weite, sie haben etwas Majestätisches an sich. Das Wasser war schon Millionen Jahre vor uns da und es wird auch noch viele Jahre nach uns da sein.

Das macht die eigenen Probleme klein, und es macht die Möglichkeit, das eigene Glück zu genießen, vor allem im Alltag ganz groß.

Also, probier‘ es mal aus, mit deinen Lieblingsbildern, und du wirst sehen, selbst in der vollen S-Bahn macht die Fahrt zur Arbeit mehr Spaß.

ALLTÄGLICHES (6)

DER ERSTE URLAUBSTAG IN SASSNITZ – STURZ AUF DER HAUPTSTRASSE

Der Urlaub ist vorbei, die heißen Tage sind es auch.
Irgendwie fällt es mir trotzdem schwer, wieder in den normalen Arbeitsalltag zurückzukommen.

Und das mir. Wo ich doch immer vom Alltag als meinem besten Freund spreche.
Ist mir mein bester Freund abhandengekommen?

Ich denke lieber zurück – an unseren ersten Urlaubstag an der Ostsee, in Sassnitz.
Ich war mit Krümel allein auf der Hauptstraße unterwegs und wollte ins Kaufhaus schauen.

Laura war dort kurz vorher hineingegangen, um noch etwas Urlaubslektüre zu bekommen.
Klara war in der Ferienwohnung geblieben.

„Wollen wir mal deiner Mutter hinterhergehen?“, fragte ich Krümel und die nickte und wollte sofort losstürmen, direkt über die Straße.

„Halt, halt, nicht so schnell, Krümel“, rief ich und bekam sie am Arm zu fassen. Ich hob sie hoch und trug sie über die Strasse.

„So, jetzt kannst du ins Kaufhaus laufen und nach Mama sehen“, sagte ich zu ihr, während ich sie absetzte.

Krümel lief in Richtung des Kaufhauses, blieb plötzlich stehen, machte kehrt und sauste auf die Straße zu.
Mit schreckgeweiteten Augen erkannte ich die Gefahr.

„Bleib stehen!“, schrie ich. Doch Krümel hörte nicht.
Was sollte ich tun? Ich stürzte mich in Richtung Straße, auf die Krümel bereits gelaufen war.

Mit einem Hechtsprung erwischte ich sie noch. Ich hatte sie im Arm, aber ich konnte mich nicht halten und flog mit meinem ganzen Gewicht auf den Asphalt zu. Krümel war in meinem Arm und in Bruchteilen von Sekunden hielt ich sie über mir hoch, streckte sie geradezu in die Luft. Aber, ich konnte nicht verhindern, dass sie ebenfalls mit stürzte. Sie fiel leicht auf den Kopf und fing an zu weinen.

Ich lag auf dem Bauch, auf der Straße und konnte mich nicht bewegen.

„Hättest du doch schon mehr an Gewicht verloren“, fluchte ich im Stillen.

Passanten kamen zu Hilfe. Sie nahmen Krümel, trösteten sie und zu meiner Beruhigung sah ich aus den Augenwinkeln, dass ihr offensichtlich nichts Schlimmes passiert war.

Aber ich konnte mich nicht bewegen. Das Bein tat weh, der gesamte Oberkörper auch und ich bekam kaum Luft.

„Wir müssen ihn an den Straßenrand rollen“, hörte ich einen jungen Mann sagen.

„Können Sie aufstehen?“, fragte er mich.
„Geben Sie mir einen kurzen Augenblick“, rang ich mir ab und schnappte nach Luft.

Mehrere Menschen halfen, mich auf den Gehsteig zu rollen.
Inzwischen waren Schaulustigen da, die mich umringten.

Auf der anderen Seite hielt ein Autofahrer an und fragte: „Soll ich den Notarzt rufen?“

„Nein, nein, mir geht es gleich wieder besser!“
„Wirklich?“
„Ja, ich schaffe es allein“, sagte ich leise und versuchte aufzustehen.
„Soll ich Sie hochziehen?“, fragte der junge Mann.

„Tun Sie sich das nicht an“, antwortete ich.
„Wir schaffen das gemeinsam“, sagte er daraufhin.

Ich nickte, reichte ihm meinen Arm und er begann mich hochzuziehen.
Sein Gesicht lief rot an, seine Muskeln spannten sich unterhalb des Hemdes.
Schließlich stand ich wieder.

„Sollen wir jemandem Bescheid sagen?“, fragte die Begleiterin des jungen Mannes. Auf ihrem Arm saß Krümel und schaute schon wieder fröhlich durch die Gegend. Mir wurde gleich leichter ums Herz.

„Ja bitte, meine Tochter ist in das Kaufhaus gegangen.“
Es dauerte nicht lange und Laura kam herausgestürzt.

„Papa, dich kann man auch nicht einen Augenblick allein lassen“, schimpfte sie.

„Alles halb so schlimm“, presste ich hervor und schleppte mich mit ihr und Krümel von dannen.
Klara war in der Ferienunterkunft geblieben.

Sie erschrak, als sie mein blutendes Knie und die Wunde am Oberarm entdeckte.

„Was ist denn nun schon wieder los?“, fragte sie und schaute mich vorwurfsvoll an.
„Wir brauchen Verbandsmaterial“, sagte sie, ohne eine Antwort von mir abzuwarten.

Wir gingen in die nächste Apotheke und bekamen alles, was wir brauchten.
Den restlichen Urlaub lief ich mit Pflaster und Binden am Arm und Knie umher.

Wieder in Berlin.
Wir holten Krümel aus dem Kindergarten ab. Sie war auf der Treppe hingefallen und hatte sich die Lippe gestoßen.

„Hast du ‚Aua‘?“, fragte ich sie.
Krümel nickte.

„Lass mal sehen“, sagte ich.
Krümel zeigte nicht auf ihre Lippe. Nein, sie zog die Hose hoch und deutete mit ihrem kleinen Finger auf ihr Knie, und zwar auf eine heile Stelle

„Aua“, sagte sie und schaute mich an.
Dann zeigte ich ihr die Stelle an meinem Arm.

„Hier auch Aua?“
Krümel nickte.

Sie hatte es nicht vergessen, was in Sassnitz mit mir passiert war.
Klara und ich mussten lachten.

Der Alltag kann jetzt doch kommen.