AUS DEM TAGEBUCH EINES ÜBERGEWICHTIGEN (1)

MEIN FREUND, DER ALLTAG

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EIN TAG VOR DEM WASSERFASTEN

Noch ein Tag, dann beginne ich mit dem Fasten.

Nicht irgendein Fasten. Nein. Es ist das Wasserfasten.

Ich kannte diese Art des Fastens gar nicht, und ich bin nur per Zufall darauf gestoßen.

Ich habe schon viel unternommen, um mein Gewicht zu reduzieren, mal halbherzig, dann wieder mit viel Energie.

Was ich bis jetzt konsequent durchhalte, und zwar seit nunmehr über anderthalb Jahren, das ist das Fitness-Training, das ich viermal in der Woche betreibe.

Ich stehe konsequent 04.30 Uhr auf, laufe mit Nordic Walking Stöcken durch den Park und bin gegen 06.00 Uhr für eine Stunde an verschiedenen Geräten im Trainingsraum.

Zurück geht es wieder per Nordic Walking und im Park mache ich ebenfalls noch ein paar Übungen.

Es ist anstrengend, und es kostet wahnsinnige Überwindung.

Doch ich schaffe es immer wieder, mich aufzuraffen.

Danach bin ich hochmotiviert.

Klara würde mich am liebsten noch am Wochenende dorthin schicken.

„Du hast stets gute Laune, wenn du zurückkommst“, begründet sie diesen Wunsch.

Anfang des Jahres wog ich 133 kg.

Adipositas pur!

Ich habe in fünf Monaten das Gewicht auf 123 kg reduzieren können.

Der Grund für diese sehr gute Entwicklung liegt vor allem darin, dass ich zwar immer noch nicht gesund genug esse, aber dafür nicht mehr über den ganzen Tag.

Ich frühstücke, esse gegen 13.00 Uhr Mittag und dann ist Schluss.

Gut, einen Kaffee schwarz noch gegen 15.00 Uhr.

Jetzt stagnierte es irgendwie.

Also haben ich mich vor drei Wochen entschlossen, zum 36-Stunden-Fasten überzugehen, einmal wöchentlich.

Ich habe es dienstags gegen 16.00 Uhr begonnen und dann bis Donnerstagfrüh durchgezogen.

Die Resultate von drei Durchgängen: Ich verlor jedes Mal ca. 2 Kg an Gewicht, aber letztlich waren es im Wochendurchschnitt dann doch nur 1 Kg.

Ich habe selber über mich gestaunt, dass ich dreimal durchgehalten habe, nicht aufgeben wollte.

Doch das Ergebnis hat mich nicht zufriedengestellt.

Und nun kam der Zufall hinzu.

Ich scrollte vor Pfingsten auf Instagram umher und fand einen Beitrag von Prof. Schwarz aus Dresden.

Wasserfasten, 14 Tage, das sollte es sein.

Was mich besonders neugierig machte:

Prof. Schwarz sprach davon, dass es gar nicht in erster Linie um die ausschließliche Gewichtsreduktion ginge, sondern vielmehr darum, das Fett aus der Leber und der Bauchspeicheldrüse herauszubekommen.

Das ist ja offensichtlich der eigentliche Killer, wenn man an Krankheiten wie eben Diabetes oder Bluthochdruck denkt.

Mir wurde bei dem Gedanken gerade zu mulmig.

Hatte ich doch über Jahre und Jahrzehnte das alles zugelassen.

‚Wie konntest du es nur so weit kommen lassen?‘, fragte ich mich.

Aber mein Wille ist ungebrochen, etwas für die Gesundheit zu tun, möglichst nachhaltig.

Es lohnt sich deshalb nicht zurückzublicken.

Nein, ich will noch etwas nach vorn bewegen.

Also kaufte ich mir vor dem Pfingstfest das E-Book ‚Wasserfasten.

Diabetes und andere Krankheiten in nur 14 Tagen besiegen‘ (1)

Ich begann sofort darin zu lesen.

Der Autor beschreibt in der Einleitung, wie er selbst anfangs als Schulmediziner das Fasten kritisch beäugt hat.

Es ist interessant zu lesen, wie er als Präsident des Internationalen Diabetes Verbandes‘ zum Fasten gekommen ist und welche Zufälle

dabei eine Rolle spielten. (2)

Warum ist das nicht unwichtig für mich?

Nun, weil ich kein Mediziner bin, selber Mühe habe, manche wissenschaftliche Fakten, oder wie es jetzt immer so schön heißt,

evidenzbasierte Informationen nachzuvollziehen.

Die Art, wie der Autor schreibt, nicht von oben herab, sozusagen nicht  als ‚Halbgott in Weiß‘, sondern vielmehr als sympathischer Mensch, mit Zweifeln behaftet, sicher auch der Kritik von ärztlichen Kollegen und Kolleginnen ausgesetzt – die hat mich überzeugt, mich auf dieses unbekannte, für mich völlig fremde Terrain zu begeben.

Klara hat all das mit Misstrauen verfolgt, mit sehr viel Misstrauen.

„Du, ich habe den Professor auf Instagram gesehen, das musst du dir mal anhören.“

Klara erwiderte nichts.

Dafür sprach ihr Gesichtsausdruck Bände.

„Schon wieder so ein Quatsch von irgendeinem Spinner, und wer fällt drauf rein? Mein Mann, natürlich, wer auch sonst!“, so oder ähnlich mussten ihre Gedanken in dem Moment gewesen sein.

Naja, ich liebe meine Frau, und ich brauche sie an meiner Seite.

Aber sie ist eben norddeutsch geprägt, und die Menschen musst du immer wieder neu erobern, sie für dich und eine Sache, die lohnenswert erscheint, gewinnen.

Dazu war ich bereit, gerade in dieser für mich wichtigen Situation.

Durch Zufall bekam ich mit, dass genau zu dem Buch in der ARD-Mediathek ein Interview mit Prof. Schwarz aufgezeichnet worden

war.

Wir haben es uns gemeinsam angesehen.

Klara hat es mit Schweigen quittiert. Ein Riesenfortschritt, auch wenn dies auf den ersten Blick nicht so schien.

„Ich werde das Wasserfasten wiederholen müssen, wahrscheinlich alle drei Monate‘, sagte ich zu ihr.

Ein schwerer Fehler, wie ich gleich merkte.

„Der Professor hat doch gesagt, dass er es selbst nur alle 9 Monate wiederholt“, antwortete sie schnippisch und ablehnend.

„Ach, guck an, das hast du dir gemerkt‘, sagte ich und merkte, wie mein Puls allmählich doch anschwoll.

„Ich will das machen, ich weiß noch nicht alles, vieles kann schieflaufen, aber dann kann ich immer noch abbrechen“, sagte ich zu ihr, jetzt schon energischer.

Sie merkte, dass sie mich nicht umstimmen konnte.

Dann wurde Klara kreativ.

„Hier ist Fencel-Tee und in der Abstellkammer lagert genügend Wasser.

Aber das Bittersalz besorgst du dir selber aus der Apotheke“, lenkte sie schließlich ein.

Jetzt sitze ich noch vor dem Computer und warte darauf, dass mich Klara zum Essen ruft.

Das wird meine ‚Henkersmahlzeit‘ habe ich noch gescherzt, doch Klara hat das unkommentiert so stehen lassen.

Ich bin ein wenig aufgeregt.

‚Werde ich es durchhalten?‘

Wie wird es mir nach einem Tag und dann nach zwei Tagen gehen?‘

Ein bisschen bin ich durch die 36 Stunden Fastenzeit trainiert.

Aber das hier, das war eine ganz andere ‚Hausnummer‘.

Es ist, als würde ich eine Rakete besteigen, um zum Mond zu fliegen, oder wie Boris Hermann, der allein die Welt umsegelt hat.

Es ist irgendwie etwas Spannendes, Abenteuerliches, eine Herausforderung, vielleicht eine derjenigen, die mein restliches Leben prägen werden.

Ich werde jeden Tag hier auf dem Blog in der Reihe ‚Aus dem Tagebuch eines Übergewichtigen‘ ein wenig darüber berichten – was ich fühle, wie es mir geht, was ich denke.

Morgen, am Samstag, den 30. Mai geht es los.

Ich werde es schaffen.

(1)
Prof. Dr. Peter Schwarz mit Dr. Stefanie Reinberger
‚WASSERFASTEN 
Diabetes und andere Krankheiten in nur 14 Tagen besiegen'
Neueste Erkenntnisse aus der Medizin
2026, DuMont Buchverlag GmbH &Co. KG,
ISBN-E-Book 978-3-7558-1197-8
(2)
ebenda

 

DAS LEBEN RUHIG MAL VOM ENDE HER DENKEN