Schlagwort-Archive: WAS DIR WICHTIG IST

ZU DEINEM 92. GEBURTSTAG-LIEBER VATI

uwemuellererzaehlt.de

ALLTÄGLICHES-2022.04.27

Du wärst heute 92 Jahre geworden.
Ich gratuliere Dir und denke an Dich.

Es gab Zeiten in meiner Kindheit, da habe ich Dich gehasst.
Das vierjährige Ingenieursstudium an der Marinehochschule war für mich ein Balsam gegen das, was ich manchmal durch Dich erdulden und erleiden musste.

Aber die Zeit heilt die Wunden, vielleicht nicht alle, aber der Blick auf das Geschehene wird milder, bei mir jedenfalls.

Ich denke heute mehr daran, was Du mir mitgegeben hast – Deine Stärke, Dinge kurz und bündig auf das Papier zu bringen, Deine Fähigkeit, in den Vorlesungen junge Studenten zu begeistern, obwohl das ja zu DDR-Zeiten nicht immer so einfach war.

Was würdest Du wohl heute zu dieser Welt sagen, die komplett auf den Kopf gestellt scheint?

Ruhe in Frieden.

 

14. KALENDERWOCHE – DAS WAREN DIE BEITRÄGE

MEIN FREUND, DER ALLTAG
ALLTÄGLICHES-22.04.09
BIBEL IM ALLTAG

DIE BIBEL ÜBER DIE MACHT DES WORTES UND DIE MÖGLICHKEITEN DER SPRACHE

SCHREIBEN HEISST NICHT, SICH VON DEN BANALITÄTEN DES ALLTAGS ZURÜCKZUZIEHEN

NIETZSCHE ÜBER DIE SCHWELGEREI DER RACHE

SCHREIB ÜBER DICH

DAS DORF SCHEBSAND

ANNA IST DEMENT

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SCHREIB-ALLTAG

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SCHREIB ÜBER DICH

SCHREIB-ALLTAG

SCHREIB-ALLTAG-22.04.07

SCHREIB-ALLTAG IM TELEGRAMMSTIL (2)
DAS HANDWERK DES ERZÄHLENS AUS MEINER PERSPEKTIVE: 
Warum überhaupt den Stift zur Hand nehmen, die Tastatur des Computers quälen, 
Stunde um Stunde mit Sätzen und Worten ringen?
Ist Schreiben eine Krankheit, weil du nicht aufhören kannst, oder ist sie auch so etwas wie Medizin?
Techniken – Erfahrungen und Lücken; im Rhythmus bleiben – schreiben, lernen, üben, schreiben und wieder schreiben; 
Ergebnisse – Geschriebenes und Verworfenes; Emotionen- ‚himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt‘; 
von der Unvernunft, mehr von der Leidenschaft zu zehren als von den Einnahmen.
Ich sehe meine Aufgabe als Autor dieses Blogs nicht darin, andere Menschen an meinem Wissen teilhaben zu lassen.
Das wäre von mir vermessen, denn jeder von uns hat etwas zu dieser Welt, zu seinem Leben zu sagen.
Vielmehr versuche ich meine eigene Welt, mein eigenes Leben besser zu verstehen.
Wenn also überhaupt, so würde ich jedem empfehlen:
Schreib über dich, dein Leben, was es ausmacht, was dich bedrückt und woran du Freude hast.

 

 

SCHREIB-ALLTAG

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SCHREIBEN HEISST NICHT, SICH VON DEN BANALITÄTEN DES ALLTAGS ZURÜCKZUZIEHEN

SCHREIB-ALLTAG

SCHREIB-ALLTAG-22.04.05

SCHREIB-ALLTAG IM TELEGRAMMSTIL (1)

DAS HANDWERK DES ERZÄHLENS AUS MEINER PERSPEKTIVE: 
Techniken – Erfahrungen und Lücken; 
im Rhythmus bleiben – schreiben, lernen, üben, schreiben und wieder schreiben; 
Ergebnisse – Geschriebenes und Verworfenes; 
Emotionen- ‚himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt‘; 
Von der Unvernunft, mehr von der Leidenschaft zu zehren als von den Einnahmen; 
warum man weitermacht, obwohl der Job wenig Früchte einbringt. 
Schreiben, erzählen muss leicht aussehen und gerade deshalb treibt es dir ja so sehr den Schweiß in den Nacken, und du knirscht mit den Zähnen, stöhnst, weil dir nach Stunden zähen Ringens der Rücken wehtut.
Deshalb musst du dir immer wieder sagen, dass du dich nicht vom Alltag ausschließen kannst, dich nicht in einen selbsterbauten Elfenbeinturm zurückziehen solltest.
Vielmehr musst du alles Banale im Alltäglichen an dich heranlassen, es faktisch aufsaugen, um dadurch wiederum neue Impulse zu bekommen.

 

SCHREIB-ALLTAG

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IANA SALENKO FÜR IHRE HEIMAT – DIE UKRAINE

IANA SALENKO

Ich kenne Iana Salenko, 1. Solistin am  Staatsballett in Berlin, nun schon so viele Jahre.
Sie ist ein äußerst bescheidener und sehr warmherziger Mensch.
Iana  möchte helfen.
Sie leidet darunter, dass ihre Familienangehörigen in Kiew dem Krieg ausgesetzt sind und viele ihrer Landsleute ebenso.
Deshalb tut sie das, was sie am besten kann – sie organisiert eine Gala, gemeinsam mit ihrem Tanzpartner Oleksandr Shpak vom Staatsballett Berlin.
Zum Link „Ballet for Life“ by Iana Salenko for Ukraine
https://gofund.me/eba7cafd

IANA-1 a

 

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IANA SALENKO – KIEW IST MEINE GELIEBTE HEIMATSTADT

MÄRZ 2022 – DAS WAREN DIE BEITRÄGE

MEIN FREUND, DER ALLTAG

ALLTÄGLICHES-22.04.03

09. KALENDERWOCHE – DAS WAREN DIE BEITRÄGE

10. KW – DAS WAREN DIE BEITRÄGE

11. KALENDERWOCHE – DAS WAREN DIE BEITRÄGE

12. KW – DAS WAREN DIE BEITRÄGE

13. KALENDERWOCHE – DAS WAREN DIE BEITRÄGE

ANNA IST DEMENT

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13. KALENDERWOCHE – DAS WAREN DIE BEITRÄGE

MEIN FREUND, DER ALLTAG
ALLTÄGLICHES-22.04.02
BIBEL IM ALLTAG

DIE BIBEL ÜBER DEN GEWINN VON GUTEM REDEN

IANA SALENKO – KIEW IST MEINE GELIEBTE HEIMATSTADT

NIETZSCHE ÜBER INTELLEKT UND MORAL

ALLTÄGLICHES-PUR UND PROMPT

JEEPYS FAHRER WEISS MAL WIEDER ALLES BESSER, DENKT ER JEDENFALLS

DER ALBTRAUM

IANA SALENKO FÜR IHRE HEIMAT – DIE UKRAINE

ANNA IST DEMENT

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JEEPYS FAHRER WEISS MAL WIEDER ALLES BESSER, DENKT ER JEDENFALLS

JEEPY-22.03.31

Jeepy, so heißt ein kleiner Jeep, um den sich die Geschichten drehen und der manchmal auch selbst erzählt, welche Abenteurer er täglichen Leben bestehen muss.
Der Fahrer von Jeepy ist Krümels Opa. Und Krümel wiederum ist Jeepys beste Freundin.
Also erzählt Jeepy seiner Freundin darüber, wie ihn sein Fahrer nervt, was der alles anstellt und wie sie sich manchmal gehörig blamieren, allen voran Jeepys Fahrer.
Hier berichtet Jeepy Krümel davon, wie er mit seinem Fahrer in den Prenzlauer Berg gefahren ist und dieser eine Tastatur umtauschen wollte, die er erst kurz zuvor dort gekauft hatte.

 

JEEPYS FAHRER WEISS MAL WIEDER ALLES BESSER, DENKT ER JEDENFALLS

 

 

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ALLTÄGLICHES-PUR UND PROMPT

ALLTÄGLICHES

ALLTÄGLICHES-22.03.30

NORDIC WALKING UM FÜNF UHR SOMMERZEIT ODER STOLPERN IM DUNKELN

Ich habe ein paar Tage mit dem Laufen ausgesetzt.
Am Montag, ja da wollte ich wieder anfangen, aber ich hatte abends zu lange vor dem Fernseher gesessen, eigentlich schon gelegen – vor dem kleineren Apparat, auf der Ersatzbank eben, im Schlafzimmer.

Also hatte ich keine Lust, am nächsten Tag gegen vier Uhr aufzustehen und loszulaufen.

Aber am Dienstag, ja da war ich bereit für den Start in das dunkle Dickicht am Liepnitzsee.

Als ich auf dem Parkplatz angekommen war, konnte ich kaum etwas erkennen.

Ich stülpte mir die Lampe fürs Laufen über den Kopf, schnallte meine Stöcke um und lief todesmutig los. In der Ferne schrie ununterbrochen eine Eule.

Oder war das vielleicht doch ein ‚verkappter Wolf’?
Naja, wer weiß das schon, morgens im dunklen Wald. Wenn es rings herum um dich duster ist und du den Lichtkegel auf den Boden richtest, damit du nicht über eine Wurzel stolperst.

Dann kriegst du schon mal Angst. Ich jedenfalls war auf alles gefasst.
Aber würden die Wölfe sich einen fetten Happen, wie ich einer war, entgehen lassen?

Ich musste der Wahrheit ins Auge blicken- höchstwahrscheinlich nicht.

Im Ernstfall hatte ich ja meine Stöcke.
Außerdem kannte ich bis jetzt Wölfe nur aus dem Wildpark Schorfheide.

‚Wieso also sollten sie gerade hier auftauchen?‘, versuchte ich mich zu beruhigen.

Ich lief weiter und versuchte die durchdringenden ‚Uhu-Schreie‘ zu ignorieren.

Der Wind strich durch das dürre Geäst der Bäume, das zu beängstigend knarrte.

Ein Stück weiter lag ein Baum vor mir, mitten auf dem Weg.

‚Wieso liegt der hier? Und war ich von der Strecke abgekommen?‘
Vorsichtshalber lief ich ein paar Meter zurück.

Hier irgendwo musste doch das Loch sein, in das ich regelmäßig hineinstolperte und mir fast schon den Knöchel gebrochen hatte.

Dieses Loch war für mich schon vor Jahren ein Fluch. Als ich es jetzt tastend wiederfand und einen der Nordic-Walking-Stöcke hineinstoßen konnte, da erfasste mich so etwas wie ein verhaltenes Glücksgefühl. Ich war nicht vom Weg abgekommen.

Ich suchte eine Möglichkeit, durch das Gestrüpp hindurchzukommen, um den Baumstamm zu umgehen.
Ansonsten hätte ich beim Klettern die Stöcke abschnallen müssen, weil der Stamm zu hoch lag.

Ein Zweig peitschte mir ins Gesicht. Ich hatte ihn nicht auf mich zukommen sehen. Ich war zu sehr damit beschäftigt, den riesigen Baum zu betrachten, der einfach nur so umgeknickt war. In der Mitte schien er durchgebrochen zu sein.

Die Enden hingen noch aneinander, so wie ein Streichholz, das man knickte, aber nicht glatt durchgebrochen bekam.

Ein riesiger Wurzelverbund hing am Ende des Baumes in der Luft, bedeckt von Erde.

‚Was, wenn der Baum gerade dann umgeknickt wäre, wenn ich an der Stelle hätte vorbeilaufen wollen?‘

Umgestürzte Bäume, die Schreckensschreie des Uhus, das Knarren der Bäume – dieser Wald wurde mir unheimlich, zumal ich lediglich seine Umrisse erkennen konnte.

Das Band der Lampe schnürte mir den Kopf zusammen. Ich hatte es wohl etwas zu eng gestellt.

Dann kam der nächste Baum und dann noch einer.
„Wieso waren die alle umgestürzt?“

Ich hasste es, wenn nicht alles an seinem Platz war. Wieder musste ich durch das Gebüsch hindurch, auf Wurzeln treten und Zweige aus dem Gesicht nehmen.

Ich blieb stehen und schaute auf die Uhr. Das war nicht so einfach. Ich hatte noch Handschuhe an, damit die Riemen von den Stöcken nicht so auf den Händen scheuerten.

Ich hob den rechten Stock an, der nun in der Luft hing und versuchte gleichzeitig mit der vom Handschuh eingesperrten Hand die beiden dicken Pulloverenden vorn am Arm zurückzuziehen.

Als ich das geschafft hatte, sah ich nichts und musste den Lichtkegel auf das Ziffernblatt lenken.

„Wie viel Helden gab es eigentlich in der Republik, die kurz nach fünf Uhr Hindernislauf im Wald übten?“, fragte ich mich.
„Nur einen, und zwar dich. Aber du bist kein Held, sondern irgendwie nicht richtig verdrahtet“, würde Klara sagen.

Ich lief weiter und stoppte. War ich noch auf der richtigen Strecke? Wieso führte der Weg jetzt eigentlich in eine Senke?
Und wann wurde es endlich etwas heller?

Ich fluchte auf die Sommerzeit.
Ich lief immer tiefer in einen Waldweg hinein, der mir zunehmend unheimlich wurde.

Plötzlich stand ich auf dem asphaltierten Weg, der direkt zum See hinunterführte.

Jetzt war es klar: Ich hatte mich völlig verlaufen.
Sollte ich zurückgehen, wieder über die vielen Wurzeln stolpern oder auf dem sicheren Weg weiterlaufen und dafür den harten Asphalt in Kauf nehmen?

Ich mochte es nicht, auf diesen befestigten Wegen zu laufen. Und meine Knie schon überhaupt nicht.

Ich bewunderte die Schauspieler in den amerikanischen Filmen, die morgens durch New York joggten, einen Stöpsel im Ohr hatten, an den zur Arbeit hastenden Menschen vorbeiliefen, stets locker und leichtfüßig in der Bewegung.

Anschließend sah man diese Protagonisten meist in einer durchgestylten Küche stehen und sich einen Saft zusammenmixen, mit der neuesten Maschine natürlich.

Damit konnte ich mich nicht messen. Ich stampfte durch den Wald, schnaufte, tastete die Gegend nach bekannten Merkmalen ab und hörte auf mögliche herannahende heulende Wölfe.

Nach einer Stunde hatte ich das Auto wieder auf dem Parkplatz erreicht.

Ich schnallte die Stöcke ab und versuchte die Handschuhe abzustreifen. Die Befestigung für den rechten Walking-Stock rutschte dabei aus der Halterung. Ich blieb stehen und fummelte es an Ort und Stelle wieder ein.

Auf der Rückfahrt bedrängten mich zur Arbeit rasende Autos mit ihren schlecht gelaunten Fahrern am Steuer, während ich den morgendlichen Walking-Tripp wenigstens ruhig ausklingen lassen wollte.

Zuhause angekommen, stieg ich aus dem Auto, setzte mich auf die Bank und hörte den Vögeln zu, die in Scharen in den Bäumen Krach machten.

Ich überlegte, ob ich Krümel per Audio erzählen sollte, dass ich gerade ‚Piepeva‘, den kleinen Spatz, gesehen hatte.

Ich griff zum Handy und macht die App für die Sprachmemos an.
‚Nein Opa, Piepeva ist doch bei mir‘, wird Krümel wahrscheinlich sagen, wenn ihre Mama es ihr später vorspielt.
Jetzt war ich glücklich.

Und Morgen? Ja, da würde alles wieder von vorn beginnen. Ich kannte jetzt wenigstens schon die drei dicken Baumstämme, die auf dem Laufweg herumlungerten.

 

DIE BIBEL ÜBER DEN GEWINN VON GUTEM REDEN

BIBEL

BIBEL-22.03.28

Einem Mann wird vergolten, was sein Mund geredet hat, und er wird gesättigt mit dem, was seine Lippen einbringen.
Spr 18,20

 

MEIN FREUND, DER ALLTAG

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12. KW – DAS WAREN DIE BEITRÄGE

MEIN FREUND, DER ALLTAG

ALLTÄGLICHES-22.03.26

BIBEL IM ALLTAG

DIE BIBEL ÜBER UNÜBERLEGTES REDEN

WENN MEIN FREUND, DER ALLTAG DOCH ANTWORTEN KÖNNTE (1-3)

WENN MEIN FREUND, DER ALLTAG DOCH ANTWORTEN KÖNNTE (4)

 

 

 

 

SCHREIBEN, ERZÄHLEN – DAS IST ZUALLERST HANDWERK

DIE PRÄMISSE DER ERZÄHLUNG VON ‚THURE AUS SCHEBSAND‘

SCHREIBEN, ERZÄHLEN – DAS IST ZUALLERST HANDWERK

SCHREIB-ALLTAG

SCHREIB-ALLTAG-22.03.24

BEITRÄGE AUS DEN JAHREN 2021 UND 2020

IM SCHREIB-ALLTAG SEIN HANDWERK BEHERRSCHEN

2020

SCHREIBEN IN ZEITEN VON CORONA

SCHREIB-ALLTAG

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WENN MEIN FREUND, DER ALLTAG DOCH ANTWORTEN KÖNNTE (4)

MEIN FREUND, DER ALLTAG

ALLTÄGLICHES-22.03.23

VOM NORDIC WALKING IN NEUEN LAUFSCHUHEN

„Ich habe es geschafft, lieber Alltag, ich konnte mich wieder aufraffen und eine halbe Stunde Nordic Walking machen“, sagte ich freudig und energiegeladen, nachdem ich frisch geduscht am Schreibtisch saß.

„Donnerwetter, dass du dich überwinden konntest, da staune ich. Wann bist du denn aufgestanden?“, fragte mich der Alltag.

„Kurz vor fünf Uhr. Danach habe ich mir die kleine Lampe über die Mütze gezogen – du weißt schon, damit ich wenigstens ein bisschen was sehe, ja und dann bin ich losgelaufen.“

„Wie, du bist, ohne dich umzuziehen, nur mit einer Lampe und den Stöcken losgelaufen?“

„Alltag, frag‘ doch nicht so blöd. Natürlich habe ich mich angezogen. Anschließend musste ich mich noch in die neuen Laufschuhe quälen.
Klara hatte mir welche gekauft.“

„Und, hast du dich gefreut?“
„Also, wenn ich ehrlich bin, dann muss ich ‚nein‘ sagen.
„Warum?“, fragte der Alltag erstaunt.

„Naja, erst einmal liebe ich meine ausgelatschten Schuhe, die oben leicht eingerissen sind. Aber genau darum kann ich ja besser in die Schuhe reinrutschen, weil sie schon so kaputt sind.“

„Und nun?“
„Jetzt musste ich mich mit dem Schuhanzieher quälen. Als ich die Schuhe endlich anhatte, da drückte eine Seite am linken Fuß. Aber ich war zu faul, sie aufzumachen und alles von vorn zu schnüren.“

„Hat dich der Schuh stark gedrückt?“
„Und wie!“

„Außerdem, lieber Alltag, hat Klara gleich zwei Paar Schuhe gekauft.“
„Das ist doch schön. Ich hoffe, du hast dich bedankt.“

„Ja, schon. Ich habe ihr aber auch gesagt, dass sie lieber ein paar Schuhe hätte kaufen sollen und dafür Bessere, so richtig gute.“

„Was hat Klara gesagt?“

„Das nächste Mal, da kaufst du dir deine dämlichen Schuhe alleine.“
„Und, machst du das?“
„Nö, ich hab‘ ja jetzt erst einmal welche, sogar zwei.“

 

WENN MEIN FREUND, DER ALLTAG DOCH ANTWORTEN KÖNNTE (1-3)

MEIN FREUND, DER ALLTAG

ALLTÄGLICHES-22.03.22

WENN MEIN FREUND, DER ALLTAG ANTWORTEN KÖNNTE (1)

WENN MEIN FREUND, DER ALLTAG ANTWORTEN KÖNNTE (2)

WENN MEIN FREUND, DER ALLTAG ANTWORTEN KÖNNTE (3)

 

NIETZSCHE ÜBER DIE ÖKONOMIE DER GÜTE

MEIN FREUND, DER ALLTAG

ALLTÄGLICHES-2022.03.15

Man muss nicht alles mögen und teilen, was Friedrich Nietzsche gesagt und geschrieben hat.
Seine Ideen zu lesen und zu kennen allerdings schärft deinen Blick für den Alltag, bringt dich zum Nachdenken über eigene Positionen, Einstellungen und Handlungen. Und das allein ist schon ein Wert an sich. 
 „Die Güte und Liebe als die heilsamsten Kräuter und Kräfte im Verkehre der Menschen sind so kostbare Funde, dass man wohl wünschen möchte, es werde in der Verwendung dieser balsamischen Mittel so ökonomisch wie möglich verfahren: doch ist dies unmöglich. Die Ökonomie der Güte ist der Traum der verwegensten Utopisten.“ (1)

 

(1)
Friedrich Nietzsche, Gesammelte Werke, Anaconda Verlag GmbH Köln, ISBN 978-3-86 647-755-1, S.S.156,(48)

 

NIETZSCHE VOM ‚MISSVERSTÄNDNIS ÜBER DIE TUGEND‘

MEIN FREUND, DER ALLTAG

ALLTÄGLICHES-2022.03.01

Man muss nicht alles mögen und teilen, was Friedrich Nietzsche gesagt und geschrieben hat.
Seine Ideen zu lesen und zu kennen allerdings schärft deinen Blick für den Alltag, bringt dich zum Nachdenken über eigene Positionen, Einstellungen und Handlungen. Und das allein ist schon ein Wert an sich. 

 „Missverständnis über die Tugend.- Wer die Untugend in Verbindung mit der Lust kennengelernt hat – wie der, welcher eine genusssüchtige Jugend hinter sich hat – bildet sich ein, dass die Tugend mit der Unlust verbunden sein müsse.

Wer dagegen von seinen Leidenschaften und Lastern sehr geplagt worden ist, ersehnt in der Tugend die Ruhe und das Glück der Seele.

Daher ist es möglich, dass zwei Tugendhafte einander gar nicht verstehen.“ (1)

 

Friedrich Nietzsche, Gesammelte Werke, Anaconda Verlag GmbH Köln, ISBN 978-3-86 647-755-1, S.166, (75)

 

IM SCHREIB-ALLTAG SEIN HANDWERK BEHERRSCHEN

2021.08.26-SCHREIB-ALLTAG

Es gibt in der Technik des Schreibens Eckpfeiler, die man stets beachten sollte. Dazu gehören: die richtigen Informationen und Notizen auszuwählen, sie zu gliedern und schließlich daraus ein Thema strukturiert zu entwickeln.

Lässt du dieses Handwerkszeug außer Acht, um vermeintlich schneller und bequemer ans Ziel zu kommen, so machst du letztlich Umwege und verstrickst dich in einer Vielzahl von Verästelungen.

Selbst wenn ich Themen des Alltags wähle, so will der Leser ja nicht von meinen hin- und herspringenden Gedanken gefesselt oder besser verwirrt werden.

Nein, er will, dass ich einen Gedankengang nach dem anderen entwickle.

Nur so kann ich die Botschaften verständlich transportieren, in die Worte gießen, die mir wichtig sind.

Im Urlaub habe ich kürzlich meiner Enkelin morgens nach dem Frühstück kleinere Geschichten erzählt.

Und obwohl ich das frei formulierte, habe ich dabei fieberhaft überlegt, was zuerst gesagt werden sollte, was danach kommen könnte, kurzum, wie die Geschichte gegliedert und aufgebaut werden musste.

Und wenn Krümel dazu meine linken Zeigefinger mit ihrer kleinen Hand fast zerquetschte, dann wusste ich, dass ich es geschafft hatte, nämlich sie zu fesseln.

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ZUHÖREN IST HÄRTER ALS REDEN

Wie der Alltag mich manchmal erneut zu Einsichten bringt, die ich längst schon wieder vergessen hatte – nämlich ein besserer Gesprächspartner zu sein, indem ich viel mehr zuhöre und zum Ausgleich dafür weniger rede.

Der Tag begann trüb und ich hatte Mühe, mich an meinen festgelegten Arbeitsplan zu halten.
Ich schaute nach draußen, blickte runter in den Garten und sah, wie der Wind einzelne Blätter auf der Wiese verstreute.

‚Eigentlich müsstest du doch jetzt runtergehen und den Carport vom Laub befreien‘, dachte ich bei mir, während ich den wolkenverhangenen Himmel betrachtete.

Ich schwenkte den Bürosessel zurück an den Schreibtisch, seufzte, weil mir nichts mehr einfiel, was mich ablenken konnte und setzte meine Arbeit vor.

Zwei Stunden später wurde ich müde. Die Augen klappten zu, während ich weiterschrieb.

Schließlich saß ich ja bereits seit kurz nach 5 Uhr am Tisch und kämpfte mich durch meinen Tagesplan.
Ich gab mir einen Ruck, stand auf, zog mir alte Sachen an und ging nach draußen, um den herumliegenden Blättern den Kampf anzusagen.

‚Wieso müssen eigentlich die Blätter von dem Baum da drüben ausgerechnet auf unsere Seite fliegen‘, fluchte ich innerlich, während ich bereits den Besen in der Hand hielt.

Ich machte mich daran, die Straßenseite zu fegen und die Blätter vor mir herzuschieben.

„Hallo, wie geht’s?“, hörte ich hinter mir die vertraute Stimme meines Nachbarn.

„Ach danke, ganz gut. Offensichtlich haben wir ja den gleichen Gedanken“, sagte ich und zeigte auf den Blätterhaufen vor mir, den ich gerade aufgetürmt hatte.

„Ich musste mal raus. Ich arbeite ja jetzt für einen Tag im Homeoffice“, sagte mein Nachbar.

„Donnerwetter. Das ist ja ein Ding, meine Frau hat gestern ebenfalls begonnen von Zuhause aus zu arbeiten. Ebenfalls für einen Tag“, sagte ich zu ihm.

Er ging nicht darauf ein, sondern sprach weiter darüber, wie er seinen Homeoffice-Arbeitsplatz organisiert hatte.

„Mittags machen wir genau eine halbe Stunde Pause“, schob ich schnell einen Satz ein, mitten hinein in seinen Redeschwall.
Wieder keine Reaktion von ihm.

„Arbeitet denn deine Frau ab und zu auch vom Homeoffice aus?“, fragte ich ihn.

„Oh ja, was denkst du denn!“, antwortete er forsch.
„Wir haben alles gut organisiert, schreiben uns auf dem Handy an, wenn wir miteinanderkommunizieren.“

Mein Nachbar war in Plauderlaune. Er weihte mich in die kleinsten Details seines neuen virtuellen Arbeitstages ein.
„Schön, dass wir mal wieder miteinander gesprochen haben“, sagte er zum Schluss.

„Ja, finde ich auch“, entgegnete ich, obwohl ich kaum zu Wort gekommen war.

„Wieso interessiert sich mein Nachbar eigentlich nur für sich?“, fragte ich abends Klara.
„Na warum wohl?“, fragte sie.

„Weil du nie vergessen solltest, dass sich die meisten Menschen vor allem für sich interessieren und nicht für andere“, sagte sie weiter.

„Das stimmt“, antwortete ich.
Wenn ich ehrlich war, so fand ich es ja auch am spannendsten, was ich gerade tat.

Oft genug hämmerte ich mit Worten und vielen Gesten auf Klara morgens beim Frühstück ein, was ich nicht alles für ‚bedeutungsschwangere Projekte in der Pipeline‘ hatte.

Klara hörte sich das stets schweigend an.
Sie sprach nie von ihrer Arbeit, ganz wenig nur und ich fragte nicht danach, weil ich mich mehr für mich interessierte.
Also warum sollte der Nachbar anders sein?

„Weißt du, ich hatte aber den Eindruck, dass ihm unser Gespräch, besser sein Monolog gut gefallen hat“, sagte ich jetzt zu Klara.
„Ja, wenn du ihn für dich gewinnen willst, dann hör‘ ihm weiter mehr zu, viel mehr, als du selber preisgibst“, sagte Klara zu mir und musste sofort lachen.

Sie wusste, wie schwer es mir fiel, nur zuzuhören. Das gelang mir ganz gut, wenn ich zum Interview ging, aber bei privaten Gesprächen war ich auch ganz gern mal an der vorderen ‚Redefront‘.

Ich nahm mir vor, künftig noch mehr an mir zu arbeiten, auch wenn es manchmal hart war, nichts zu sagen, dem Nachbarn nicht ins Wort zu fallen und sich dann noch für seine Probleme zu interessieren, und zwar aufrichtig.

Doch ich wollte es weiter versuchen, ein guter Zuhörer zu sein, möglichst viele Fragen zu stellen und wieder zuzuhören.
Dann wird aus meinem Nachbarn ein noch besserer Freund, als er es ohnehin schon war.

VOM FLUCH UND SEGEN, ÜBER ALLTAGSBEGEBENHEITEN ZU BERICHTEN

WAS DIR WICHTIG IST, DAS ZÄHLT
Ich schreibe nun schon einige Jahre darüber, was ich im Alltag beobachte, welchen Menschen ich begegne, was mich glücklich macht und natürlich auch, was mich nervt.
Kurzum, es geht immer um ein Stück Leben in einem bestimmten Moment.

Manche sagen mir: „Du hast so viel in deinem Leben bewegt, und jetzt nimmst du dir ausgerechnet diese unwichtigen Dinge des Alltäglichen vor.“

Aber sind es wirklich unwichtige Dinge, über die ich schreibe?
Besteht unser ganzes Leben nicht aus lauter solchen kleinen und großen Begebenheiten – Freudentränen, wenn etwas Besonders gelungen ist, herzlich lachen über eine gelungene Komödie, wütend sein, weil der andere Mensch nur eines im Kopf hat, nämlich sich selbst.

Was ist der Fluch, besser die Herausforderung, wenn ich darüber erzähle?
Nun, ich muss genau beobachten, die Dialoge möglichst detailgetreu wiedergeben, die Hintergründe, Motive für das Handeln anderer Menschen offenlegen.

Aber ist das wirklich ein Fluch? Nein, für mich nicht. Ich bin glücklich damit, über den Alltag zu schreiben, über Menschen, die ich kennengelernt habe, die ich vielleicht sogar interviewen durfte.
Na klar ist es etwas Besonderes, wenn ich mit der Prima Ballerina der Staatsoper sprechen und über sie schreiben kann.

Doch vor allem bin ich bin neugierig auf ganz ‚normale‘ Menschen, denen ich begegne, auf ihre Reaktionen, ihre Sicht auf das Leben, auf das, was bei ihnen den Alltag ausmacht.

Und: darüber zu schreiben, was unser Leben im Alltag bereichert, und meist unbeobachtet und unbemerkt von den großen medialen Ereignissen stattfindet, ganz im Stillen, im Normalen eben.

Mir bleiben oft die Kleinigkeiten im Gedächtnis, die ich erlebt habe, die Augenblicke, die dich irgendwie glücklich machen.
Wenn ich an der Ostsee im Herbst sitze, der Strand fast leer ist, ein rauer Wind weht, die Wellen auf den Sand peitschen und sich dann wieder zurückziehen, die Möwen schreien, ja dann bin ich glücklich. Reicht dieses Glück lange?
Naja, nicht immer.

Aber die Kraft von uns besteht auch meiner Meinung darin, nicht nur zu stöhnen, sondern sich aufzuraffen, etwas schön zu finden im Alltag, in den Begegnungen, die man mit Menschen hat – das ist schon ein gehöriger Reichtum.

Alltägliches kann banal sein, aber vieles davon verdient mehr Aufmerksamkeit, mehr Anstrengung herauszufinden, warum gerade ein bestimmter Moment schön ist.

OMA MARTHA HAT HEUTE GEBURTSTAG


OMA MARTHA

WAS DIR WICHTIG IST, DAS ZÄHLT

Heute Morgen habe ich Geburtstagsglückwünsche an eine gute Freundin verschickt. Sie wird 80 Jahre alt.

‚Das gibt’s doch nicht, wie die Zeit vergeht‘, habe ich gedacht, als ich die Zeilen geschrieben habe.

Dann fiel mir meine Oma ein. Sie hat heute auch Geburtstag – geboren am 26. August 1906 in Schwerin.

Sie ist schon lange tot. Und trotzdem: Ich denke noch oft an sie.
Wenn mich jemand fragt, an wen ich denke, wenn ich einen Menschen nennen soll, der wirklich von Herzen gut war, dann fällt mir sofort Oma Martha ein.

Sie lebte in Schwerin und wir Kinder damals auch.
Wir konnten uns nicht vorstellen, außerhalb von Schwerin zu leben.
Und es kam uns schon gar nicht in den Sinn, dass wir eines Tages ohne Oma Martha sein sollten.

Sie brachte uns morgens Streuselschnecken mit, die in einer Papiertüte verstaut waren, am oberen Ende eingerollt, sodass wir stets mit viel Neugier die Tüte aufmachten – jeden Tag aufs Neue.
Oma Martha ließ uns alles durchgehen, so ziemlich alles.

Wenn wir auf dem Hof spielten, um die Teppichstange rasten und ich mit dem Roller dagegen prallte, mir eine Beule an der Stirn holte, dann lief ich schreiend und heulend zu meiner Oma.

Die holte ein Messer aus der Schublade, hielt es mir an die Stirn und sagte: „Geheilt, nu ga wedder nach buten‘!“ Und ich ging wieder nach draußen, tobte weiter mit den anderen.

Ich könnte noch viele Geschichten von Oma Martha erzählen, davon, dass ich sie nie vergessen werde, solange ich lebe.
Später habe ich die Oma meiner Frau kennengelernt. Wir verstanden uns sofort. Sie mochte mich und ich mochte sie.
Sie ist ebenfalls schon lange tot.

Heute sprechen meine Frau und ich manchmal von Oma Martha und von ihrer Oma. Und manchmal von beiden gleichzeitig.

Das hat nur einen Grund: Beide waren einzigartige Persönlichkeiten – bescheiden, lebten und arbeiteten für die Familie und hatten einfach einen umwerfenden Humor, und sie konnten beide ‚Platt‘.

Aber das alles Entscheidende war: Sie waren herzensgute Menschen, die zuerst an uns dachten und danach an sich.

Morgen holen wir Krümel ab – sie soll bei uns übernachten.
Als ich es ihr gestern mitteilte, da sagte sie spontan: „Opa, kommst du gleich?“

Was willst du mehr von dieser Welt?
Wir denken an Oma Martha, an Oma meiner Frau und wir geben unsere Erinnerungen weiter, indem wir uns an manche Tugend von ihnen erinnern und vor allem, indem wir mit Krümel Spaß haben.

DER BLICK NACH DRAUSSEN IST SCHÖN – DER NACH INNEN IST WICHTIGER

WAS DIR WICHTIG IST, DAS ZÄHLT

Es ist 07.00 Uhr und ich sitze schon wieder auf der Veranda der Ferienwohnung, lasse den Blick über die Dächer von Altsassnitz schweifen und schaue auf das Meer.

Ein phantastischer Anblick. Es ist das letzte Mal, dass ich hier so sitze, bevor wir in wenigen Stunden von hier abreisen.

Und wenn dieser Beitrag am Freitag erscheint, dann sitze ich längst wieder an meinem Schreibtisch.

Ich könnte deshalb traurig sein, aber bin ich nicht.

Alles hat mal sein Ende. Das muss man einfach akzeptieren. Und wirklich glücklich bin ich nur dann, wenn ich auch arbeiten kann, meiner kreativen Tätigkeit nachgehe.

Würde ich das lieber tun, mit diesem Blick auf das Wasser?

Na klar!

Aber noch schöner ist zum Beispiel, dass ich in Berlin bald wieder Krümel sehen kann.

Wir haben gestern Abend noch gegrillt. Und ich habe ein kleines Video an Laura geschickt. Die hat dann über WhatsApp einen Audio-Beitrag geschickt. Darauf ist zu hören, wie Laura alle begrüßt.

Krümel spricht das nach. Sie hält bis zum dritten Namen durch.

Dann sagt sie kurzerhand: „Mama, ich will auch was essen!“

Das vermisse ich noch mehr, als vielleicht den Blick auf das Wasser.

Die Arbeit, die Familie – sie sind und bleiben die stärksten Anker.

Und das macht mich wirklich glücklich.

WAS VOM URLAUB BLEIBT

WAS DIR WICHTIG IST, DAS ZÄHLT

Der Alltag streckt schnell wieder seine Klauen nach dir aus und drückt fest zu, wenn er dich hat.

Ich denke zurück an den letzten Tag am Strand.

Der Blick auf die Ostsee, auf das blaue Meer bringt dir innere Gelassenheit. Das Rauschen der Wellen lässt dich zur Ruhe kommen und obwohl du Stimmengewirr um dich herum wahrnimmst, kannst du dabei einschlafen.

Wie kann ich diese Erinnerungen speichern und sie am Tag wieder hervorholen, wenn ich mal wieder so gar keine Lust auf Arbeit habe?

Ich setze mich in meinen Lieblingssessel, schließe die Augen und stellen mir vor, wie die Wellen rauschen.

Wenn ich beim Nordic Walking bin, dann nehme ich das Rauschen der Kiefern wahr.

Das könnte ein Ersatz sein für das Wellenrauschen .  Ich werde das ausprobieren.

Den Blick auf das Meer kann ich nicht nach Hause holen – den inneren Blick darauf aber schon.

Ich denke, wenn ich für ein paar Augenblicke, möglicherweise für nur ein paar Sekunden, diese inneren Bilder ins Gedächtnis rufe, dann hat sich der Urlaub noch mehr gelohnt und ich habe ihn sogar ein wenig mit in den Alltag geholt.

 

 

DIE KLEINEN ALLTAGSDINGE WAHRNEHMEN

WAS DIR WICHTIG IST, DAS ZÄHLT

Nimm‘ die kleinen Alltagsdinge wahr, und selbst wenn du dich dabei anstrengen musst: finde heraus, warum sie schön sind.

Ich bin heute ganz früh aufgestanden, nicht ganz so früh, als wenn wir nach Berlin reinfahren würden. Es ist ja unser erster Urlaubstag, und es ist schön, zumindest das Gefühl zu haben, man könne ausschlafen. Jetzt kommt der andere Stress, die Vorbereitungen vor der Abfahrt an die Ostsee.

Also habe ich schon mal im Garten die Sonnenschirme aufgemacht, Tische und Stühle abgewischt, damit wir vor dem ganzen Packen in Ruhe im Garten frühstücken können.

Ich habe die Pflanzen gegossen, weil sie sich jetzt noch gut mit Wasser vollsaugen können und die Tropfen nicht schon an der Oberfläche verdampfen.

Wenn du morgens so stehst, den Schlauch an die Wurzel einer Pflanze vor dir hältst, du hörst, wie die Vögel im Vorbeifliegen mit den Flügeln heftig schlagen, dann wirst du zum Philosophen. Und du fragst dich, was für dich eigentlich wichtig ist im Leben? PR-Texte schreiben und Anzeigen verkaufen?

Ist wichtig. Noch mehr Geld verdienen? Ja, ich würde lügen, würde ich so einen Gedanken bestreiten.

Aber was ist für dich wirklich das, was dich von innen her antreibt? Na ja, das hier: die morgendliche Stille geniessen, das Gras riechen, den Blumenduft einsaugen, spüren, wie du den Pflanzen was Gutes tust, wenn du sie wässerst – eben diese ganzen Kleinigkeiten, die scheinbar ganz unwichtigen Dinge im Weltgetriebe.

Mehr nicht? Schon, du kannst noch eine Menge mehr aufzählen.

Doch jetzt ist es eigentlich das, der Moment, in dem du lebst. Banal? Ja, das macht es ja so schwierig, es als etwas ganz Wertvolles anzusehen.

Also wichtig, es sich vor Augen zu führen?
Unbedingt!

IM WARTERAUM DER ZAHNARZTPRAXIS

WAS DIR WICHTIG IST, DAS ZÄHLT

Du kannst Menschen in vielen täglichen Situationen beobachten, ihnen im Gespräch zuhören, deine Schlüsse ziehen.
Manches davon ist banal, ja langweilig, aber es ist dein Leben, das Leben der anderen, auf die du triffst. Du kannst es mögen oder auch nicht, aber du solltest selbst diese Augenblicke nicht geringschätzen.

Ich sitze im Warteraum in der Zahnarztpraxis. Ich bin etwas früher da. Komisch, das ist so tief in mir drin, das mit der Pünktlichkeit. Ich bin meistens 20 bis 30 Minuten früher da, als es eigentlich nötig wäre.

Woran liegt das? Ist es meine Zeit, in der ich zur See gefahren bin und wo das Schiff nicht auf dich gewartet hat, wenn du dich verspätet hast?

Oder ist es die Erziehung? Mein Vater war in diesen Dingen besonders streng. Vielleicht von jedem ein bisschen, dass dazu geführt hat, das ich jetzt hier sitze und warte, bis es losgeht.

Es ist ein gewöhnlicher Termin, indem die Zähne durchgesehen werden sollen. Und trotzdem, es bringt meine Routine durcheinander. Ich konnte heute Morgen nicht zum Sport fahren, Klara ist mit dem Zug gefahren, anstatt bei mir im Auto zu sitzen.

Das Gute daran: Wir sind nicht vier Uhr aufgestanden, sondern erst fünf Uhr.

Für manch einen immer noch zu früh, aber für uns am Alltag ist eine Stunde später aufstehen schon Luxus. Also fühle ich mich ausgeschlafen, während ich hier auf der Couch sitze und auf den Aufruf warte, ins Praxiszimmer zu gehen.

Während ich hier auf dem iPhone schreibe, muss ich den Mundschutz umhaben und durch den Atem beschlägt laufend die Brille.

Ich ziehe die Maske ein wenig nach unten, sodass ich besser durch die Nase atmen kann.

Mir gegenüber sitzt ein älterer Herr und zur Tür herein kommt in dem Moment ebenfalls ein älterer Mann, vielleicht Mitte 70.

„Was machst du denn hier?“, fragt der ältere Herr, der sitzt.

„Wat‘ soll ich hier denn machen?“, fragt der Mann, vielleicht Mitte 70, mit einem leicht schnoddrigen, vorwurfsvollen Unterton.

„Zahnarzt, ‚wa‘?“, sagt der Herr, der sitzt.

„Hm, für ‚de Kneipe isses‘ noch zu früh“, entgegnet der Mann, vielleicht Mitte 70.

„Gott bewahre!“, sagt der ältere Herr, der sitzt. Der Mann, vielleicht 70, antwortet darauf nicht.

„Und ‚de‘ Frau?“, lässt der ältere Herr, der sitzt, nicht nach.

„Hüfte“, antwortet der andere.

„Oh, ich habe ‚jerade‘ eine schwierige Operation hinter mir“.

„Du, ‚ick‘ muss meinen Termin neu vereinbaren“, sagt der Mann, vielleicht Mitte 70.

Ich bekomme nicht mehr mit, wie das Gespräch ausgeht, denn ich werde aufgerufen, und ehrlich: Ich bin froh darüber.

Hoffentlich geht mir nie der Gesprächsstoff aus, und es würden nur noch die Krankheiten als Thema übrigbleiben, denke ich noch, als ich die Zahnarzthelferin begrüße.

Wenn ich wieder hier raus bin, setze ich mich sofort an meinen Schreibtisch und fange an zu arbeiten, kreativ zu sein, das nehme ich mir zumindest vor.

GUTE BILDER IM KOPF HELFEN UNGEMEIN

Heute Morgen: dieselbe Prozedur – wie jeden Tag. Ich sitze noch auf dem Bett.

Ich bin schlecht gelaunt, weiß nur vage, wo ich gerade bin.
Dann fällt mir ein, dass ich zum Training will. Der Gedanke zieht mich noch mehr runter.

‚Wir holen ja heute Krümel aus der Kita ab“, schießt es mir plötzlich durch den Kopf.

Ich sehe die Kleine vor mir: Ich warte draußen, Klara geht rein, zieht sie um und die beiden gehen die Treppe runter. Schließlich sieht sie mich durch die großen Glasscheiben im Flur.

Sie reißt sich von ihrer Oma los, ich höre sie rufen, zumindest sehe ich, wie aufgeregt sie mit den Füssen aufstampft. Endlich geht die Eingangstür auf und Krümel kann losstürmen.

Ich habe Angst, dass sie fällt, während sie auf mich zuläuft.
„OOHPAAA!“, klingt es in meinen Ohren; die schönste Musik überhaupt.

Ich fange Krümel auf, hebe sie hoch, drücke ihr einen Kuss auf die Wange.

Ich bin vom Bett aufgestanden, kenne meine Motivation für den heutigen Tag und beginne ihn mit viel Schwung.

Übrigens: Ich habe danach noch zweieinhalb Stunden trainiert, mit viel Power, guter Musik und guter Laune.

WIE DEN INNEREN SCHREIBWIDERSTAND ÜBERWINDEN?

ALLTÄGLICHES (51)
Schreiben hilft dir, dich selbst besser zu erkennen. Wie aber damit beginnen?
Meine Erfahrungen sind:
Schreib‘ einfach los, hör‘ nicht auf deine Ängste oder auf mögliche Vorbehalte, die du dir einredest.
Schreibe über deine eigene Situation, sei dabei ehrlich, bleib‘ bei dir, bleib‘ einfach.

Bring‘ schwarze Buchstaben auf weißes Papier. Das klingt einfach.
Ist es auch, wenn nur dieser verdammte innere Widerstand nicht wäre.

„Wie schreib‘ ich das jetzt auf? Gerade ist es mir doch noch durch den Kopf gegangen. Ich wusste genau, wie ich es schreiben wollte, und jetzt weiß ich gar nichts mehr“

Kommt dir das bekannt vor? Ja? Mir auch.
Ich glaube, es gibt wohl kaum einen Menschen auf dieser Erde, dem es noch nicht so ergangen ist, der nicht mit dem inneren Widerstand, häufig auch noch mit dem inneren Schweinehund zu kämpfen hatte, wenn er was Vernünftiges zu Papier bringen wollte.

Wie kann man das Dilemma verhindern? Ich nehme mir oft am Anfang einen Bleistift und ein Blatt Papier. Besser, ich klebe eine ausgedruckte Seite auf eine andere und beschreibe die Rückseite.
Psychologisch überliste ich mich ein wenig, indem ich denke: „Da auf der anderen Seite steht ja schon allerhand.“

Es gibt Autoren, die haben auf Briefumschlägen geschrieben, nur damit sie das große weiße Blatt vermeiden konnten.

Und dann schreibe ich einfach los, skrupellos und ohne daran zu denken, wer so alles mein Geschriebenes ganz blöd findet.

Dieser Weg hat auch noch einen positiven Nebeneffekt. Wenn ich nämlich einen Einfall habe, mein Thema kenne, dann entwickle ich während des Schreibens meinen ersten gedanklich gesponnenen ‚zarten logischen Faden‘ auf dem Papier weiter.

Erst jetzt merke ich, wie ich weiterkomme, was vielleicht fehlt und woran ich noch feilen muss.

Auf jeden Fall versuche ich möglichst einfach zu schreiben, anschaulich zu bleiben. Früher glaubte ich, in der Wissenschaft sei es angebracht, möglichst viel mit abstrakten Begriffen zu hantieren.
Ein Selbstbetrug.

Warum? Weil du selbst noch nicht durch dein eigenes Erdachtes, deine eigenen Gedanken hindurchgestiegen bist.

Ich habe für diese simple Erkenntnis sehr lange gebraucht, Jahre und Jahrzehnte.

Willst du in dir selber etwas verändern mit dem, was du aufschreibst, dann mußt zu dir selber ehrlich bleiben, dich nicht hinter klobigen Begriffen verstecken, die zudem das  Geschriebene irgendwann so überlagern, dass du am Schreiben und am sich anschließenden Durchlesen die Lust verlierst.

Fang‘ einfach damit an aufzuschreiben, wovon du träumst, wo du in fünf Jahren sein willst.

SCHREIBEN GEHÖRT ZUM LEBEN

ALLTÄGLICHES (48-9)

Schreiben ist nichts Elitäres, nein, es hilft dir im Alltag, dich besser zu fühlen, fokussierter zu werden.

Schreiben ist nicht nur auf eine kleine Gruppe von Menschen beschränkt, die vielleicht damit auch noch ihr Geld verdienen, mal mehr oder meist weniger.

Nein, Schreiben gehört zum Leben, wie das Essen, Trinken oder die Arbeit. Ich beginne oft morgens damit, auf einem Blatt Papier loszuschreiben und komme so in den Tag, weiß danach, wo ich die Schwerpunkte in der Arbeit setzen will.

Außerdem trainiert es mich, lebendiger zu schreiben.
Und: Lebendig zu schreiben, das ist nicht nur was für andere Menschen, zum Beispiel, diejenigen, die den Text gerade lesen.
Es ist vielmehr: Wenn ich schreibe, spreche ich nämlich mit mir selbst.

Man könnte das als Tagebuch ansehen. Ich glaube, dass es wichtig für das eigene Verständnis ist, weil ich ansonsten keine Botschaften aussenden kann, an mich selbst und an andere mir wichtige Menschen.

Im Laufe meines Lebens habe ich erfahren, wie wichtig es ist, sich über seine Gedanken und Gefühle klar zu werden. Und das geht am besten, wenn du die Dinge aufschreibst.

Du kannst am See sitzen, über das Wasser schauen und über deinen Alltag nachdenken. Das ist eine gute Sache.

Willst du aber tatsächlich etwas verändern, so musst du es konkret machen. Das kriegst du aber nur hin, wenn du schreibst, deine Gedanken ordnest, Vereinbarungen mit dir selber triffst.

POLCHOW – UNSER RÜCKZUGSORT

Du brauchst einen Rückzugsort, jeden braucht ihn.
Am besten ist, du dir einen solchen Ort im Kopf einrichten. Ich tue das, und damit ich ein noch besseres Gefühl habe, entstehen schöne Bilder vor meinem inneren Auge.

Sie stammen aus der Gegenwart oder auch aus Erinnerungen der vergangenen Jahre.
Eine Erinnerung, eine sehr starke, verbindet mich mit Polchow auf Rügen. Wir hatten dort 25 Jahre unseren Rückzugsort.

Dieser Morgen war sonnig und klar. Es war die schönste Zeit, wenn alle noch schliefen und ich im Bademantel, mit einem Handtuch bewaffnet, vom Bungalow aus zum Hafen am Bodden hinunterging.

Vom Hafen selbst war nicht viel übriggeblieben, und gerade das machte ihn so anziehend. Schon von weitem sah ich einige Holzpfähle, die man in den Boden des Boddens gerammt hatte, um den Hafeneingang vor Sturm zu schützen.

Sie waren im Laufe der Zeit morsch geworden, manche Pfähle ragten nur noch wie abgebrochene Streichhölzer aus dem Wasser.

Auf ihnen saßen kreischende Möwen, so als würden sie sagen wollen, dass nur sie dort zuhause wären und kein anderer. Rechts und links des Hafengeländes wogte Schilf im Wind und es roch nach Tank.

Eine frische Brise wehte herüber, sanft genug, um sie tief einzuatmen, sich dabei gleichsam zu strecken und die Stille ringsherum in sich aufzunehmen.

Auf dem Wasser waren kleine Schaumkronen zu sehen, die auf den Strand zutrieben. Ich ging zum Bodden hinunter, um zuerst die Badehose auszuziehen und dann ins Wasser zu gleiten.

Vorher schaute ich mich noch um, ob wirklich kein Mensch zu sehen war. Etwas weiter weg, über die Straße rüber, am Ostseestrand, da war die Sache klar. Es gab faktisch keinen Textilstrand, sondern die Badenden liefen fast ausnahmslos nackt ins Wasser.

Hier an der Boddenseite aber, da war es etwas anders. Es ging ‚gesitteter‘ zu und die wenigsten waren Anhänger der Freikörperkultur.

Ich schon, aber nur, wenn ich in den frühen Morgenstunden allein hier unten war. Doch ich war vorsichtig. Manchmal lugte ja hinter dem Schilf plötzlich noch eine ältere Dame hervor und wackelte auf den Strand zu, direkt dorthin, wo mein Handtuch lag.
Splitterfasernackt rief sie mir schon von weitem ein fröhliches ‚Guten Morgen‘ zu.

„Warum kann hier nicht mal eine Meerjungfrau aus dem Wasser steigen?“, fragte ich mich in diesen Momenten.

Heute war keiner zu sehen, die ältere Dame auch nicht. Also streifte ich zügig die Badehose ab, lief mit schnellen Schritten ins Wasser, um mich dann kopfüber gänzlich hineinzustürzen und hastig los zu schwimmen, mich dann sofort auf den Rücken umzudrehen und heftig mit den Beinen zu strampeln, in der Hoffnung, ich würde die Kälte nicht mehr so spüren.

Ich hielt es aber nie lange aus und eilte aus dem Wasser, um mir mit dem Handtuch den Rücken abzurubbeln. Erst wenn ich wieder im Bademantel eingehüllt war, ließ ich den Blick über das Wasser, die eingerahmten Pfähle, das Schilf schweifen.

Bis hin zum gegenüberliegenden Ufer, an dem in Sommerabenden ‚Störtebeker‘ aufgeführt wurde und zum Schluss das Feuerwerk den Hafen erhellte.

Bücher, solche, die ich mag, lassen ebenfalls schöne Bilder vor meinem Auge erstehen und ein gutes Gefühl. Und darauf kommt es an.

DIE SACHE MIT DER PERSPEKTIVE AM MONTAG

 Als ich heute früh hochschreckte und mich aufrichtete, um die Uhr bei Klara deutlicher zu sehen, da hoffte ich inständig, dass es noch nicht vier Uhr sein sollte.

Es war tatsächlich noch nicht soweit. Der Wecker zeigte nämlich ‚erst‘ 3.59 Uhr an.

In einer Minute würde er losklingeln.

„Das kann doch nicht wahr sein“, fluchte ich laut und Klara musste lachte, denn sie war ebenfalls bereits wach.

Ich schwang die Füße hoch und blieb noch eine Weile auf dem Bett sitzen.

Jetzt kamen mir all die Gedanken, die ich zu Wochenbeginn gar nicht haben wollte: Ich musste heute die Autowerkstatt anrufen und die Überweisung von knapp 800 Euro für die neuen Reifen zur Bank bringen.

Überhaupt wurde mir klar, dass ich nach dem Frühstück und nachdem ich Klara zum Zug gebracht hatte, spätestens 6. Uhr am Schreibtisch sitzen musste. Meine Laune war auf dem Tiefpunkt.

Als Klara in die Küche kam, da sagte sie: „Der Radiomoderator hat gesagt, dass es erwiesen ist, dass der Montag definitiv ein Grund ist, warum man so schwer aus dem Bett kommt und nicht die beste Laune hat.“

„Du, das war mir auch ohne den Moderator klar, das sitzt mir quasi in den Genen, die schlechte Laune zu Wochenbeginn“, antwortete ich.

Als ich zum Briefkasten ging, um die Zeitung herauszuholen, und diese nicht da war, rutschte meine Motivationskraft auf den Tiefpunkt.

Später, gegen 07.00 Uhr las ich im ersten Kapitel von Bronnie Ware. „Perspektivwechsel“ (1), so war es überschrieben.

Sie beschreibt, wie sie beim Einkaufen auf eine Frau trifft, die vor ihr stark gebeugt geht.

Bronnie Ware erfasste Mitleid mit dieser Frau.

Später schreibt sie: „Aber dann dachte ich an… die Sache mit der Perspektive“.  (2)

Was meinte sie damit?

Es kommt ja immer darauf an, aus welchem Blickwinkel du die Dinge betrachtest. Für mich war es am Montagmorgen schrecklich, vier Uhr aufzustehen und sechs Uhr anfangen zu arbeiten.

Aber konnte ich mich nicht glücklich schätzen, dass ich von Zuhause aus arbeiten durfte, in bequemer Kleidung am Schreibtisch saß? Und zwischendurch lief ich auch noch am Liepnitzsee. Ich tat etwas für die Gesundheit, wozu andere in der Arbeitszeit gar nicht kamen.

Ich habe die Autorin so verstanden, dass es nur darauf ankommt, die eigene Sicht zu verändern und das Leben neu zu betrachten.

Bronnie Ware schreibt: „Es ist ganz egal, wie beschwerlich das Leben zuweilen ist. Wenn wir die Perspektive wechseln, sieht alles gleich ganz anders aus.“

Ich habe gleich bessere Laune und schreibe auf ‚Hochtouren.‘

(1)Bronnie Ware: „Leben ohne Reue. 52 Impulse, die uns daran erinnern, was wirklich wichtig ist.“ Wilhelm Goldmann Verlag, München, 5. Auflage, Taschenbuchausgabe September 2016 Kapitel 1 Perspektivwechsel, S. 21ff)
(2) ebenda, S. 22

ICH GRATULIERE ZUM MUTTERTAG!

Ich ertappe mich immer noch dabei, dass ich den Muttertag einfach vergesse. Da bin ich eben ein Ossi, der seiner Mutter und Oma und später seiner Frau eher zum 8. März gratulierte, dem Internationalen Frauentag.

„Wann ist eigentlich Muttertag?“, habe ich gestern Abend noch Klara gefragt.

„Morgen!“, sagte sie knapp und ich meine, dass ich einen leisen Vorwurf herausgehört habe.

„Hast du das immer noch nicht begriffen?“ Oder: „Du wirst es wohl nie begreifen?“, so in der Art wird sie gedacht haben, als sie meine Frage hörte.

Na klar denke ich heute an meine ‚Frauen‘!

Zuerst gratuliere ich meiner Mama, die im Pflegeheim liegt, im 91. Lebensjahr, nicht mehr aufstehen kann und dement ist.
„Liebe Mama, ich bin in Gedanken bei dir, und ich weiß, dass du gut betreut und gepflegt wirst. Das macht deine Tochter, meine Schwester, und ich bin ihr sehr dankbar dafür.

Ich denke an meine Oma, die mich in den ersten zehn Jahren in Schwerin betreut, gepflegt und von Herzen geliebt hat. Meine Mutter war arbeiten und Oma hat für uns gesorgt, morgens Streuselkuchen mitgebracht, mittags Pudding zum Nachtisch gekocht und zwischendurch mir ein Messer an die Stirn gehalten, weil ich mal wieder gegen die Teppichstange mit dem Roller gerast bin.

Und sie hat mich gewarnt, weil ich nach Moskau zum Studium gehen wollte.
„Geh‘ nicht dorthin, werd‘ lieber Koch“, hat sie gesagt.
Wie recht sie hatte. Trotzdem habe ich nicht auf sie gehört.

Und dann ist da noch die andere Oma, die von Klara. Was haben wir gelacht, wenn sie abends in Sassnitz in unsere Wohnung kam und kleine Geschichten erzählt hat. Ich vermisse sie noch heute und wir erzählen viel am Sonntagsfrühstückstisch von ihr.

Klaras Mutter, Lauras Oma – sie war stets für uns da und ich habe nie ein böses Wort von ihr gehört. Wir werden sie heute anrufen und ihr gratulieren.

Klara habe ich bereits zum Muttertag gratuliert.
Laura ist nun auch schon seit fast drei Jahren Mutti.
Unser größtes Glück, Krümel, hat ja zu Klara erst jüngst gebrabbelt:

„Oma, nicht Mutti zu Uroma sagen. Mutti da oben.“ Und sie hat dabei mit ihrem kleinen Finger zu ihrer Mutter gezeigt.
„Meine Mama!“, das sagt sie manchmal und damit ist alles gesagt, die ganze Liebe, die sie für ihre Mutter mit zweieinhalb Jahren empfinden kann, ausgedrückt. Das andere ist noch zu kompliziert für sie.

Ich denke aber auch an meine Freunde.
Kürzlich habe ich mit der Mutter meines Freundes telefoniert. Sie ist bescheiden, sehr fleißig, und sie liebt ihre Kinder und ihre beiden Enkel über alles.

Sie hat ihre Kinder allein großgezogen, ist stets arbeiten gegangen und sie hat sich ihren Humor bewahrt.
Eine großartige Frau.

Oder die Frau meines Freundes, die im vergangenen Jahr zum zweiten Mal Mutter wurde, unter großen Schmerzen.
Und wie sie das alles weggesteckt hat, heute ihre ganze Liebe ihren beiden Söhnen schenkt und nebenher einen großartigen Beruf ausübt, und das ganz bescheiden, ohne sich in den Mittelpunkt zu rücken – das ringt mir Hochachtung ab.

Was wären wir ohne Euch, liebe Frauen und Mütter?
Zunächst einmal wären wir gar nicht auf dieser Welt.
Früher, da habe ich wenig im Haushalt geholfen, und wenn ich von der Arbeit kam, und ein Fussel auf dem Teppich auf dem Boden lag, dann habe ich das natürlich angemahnt.

Und heute? Heute, ja da schwinge ich selbst den Staubsauger, helfe in der Küche und im Garten und verstehe nicht, wie Klara das früher alles allein geschafft hat.
Ich verneige mich vor Euch, liebe Frauen und Mütter, und das ist ausnahmsweise mal ohne ein Augenzwinkern gemeint.