Anna ist dement (3)

Laura ist zu Besuch, Teil 2

Sonntagabend. Klara hatte noch einmal bei Anna angerufen. Sie wollte nicht, dass ihre Mutter nun vielleicht durcheinander war, weil Laura am Telefon nicht richtig aufgeklärt hatte, dass sie unverhofft aus Berlin zu Besuch gekommen war. Es war für keinen leicht, mit der Demenz von Anna umzugehen. Nicht für Klara, für Peter nicht und auch nicht für Laura. „Du musst mit Oma gehirngerecht kommunizieren.“ „Papa, was ist das für ein Quatsch“, protestiert Laura. „Ja, wahrscheinlich hast du Recht. Was ich damit sagen will: Oma kann nicht mehrere Informationen gleichzeitig verarbeiten. Das verwirrt sie.“ „Was meinst du?“, fragt Laura. „Nun, du gehst an unser Telefon.
Für Oma müsste jetzt Mama am Hörer sein. Stattdessen hört sie deine Stimme. Für sie wohnst du in Berlin und bist jetzt auch in Berlin. Wir wiederum sind für sie da, wo sie jetzt anruft. Also solltest du erst einmal sagen, dass du bei uns spontan zu Besuch bist.“ „Spontan zu Besuch?“, fragte Laura dazwischen. „Das versteht sie doch erst recht nicht.“ „Aber stell dir vor, du würdest die Informationen per Rohrpost versenden – ein Satz folgt auf den anderen, und sie gehen alle in die gleiche Richtung. Da kannst du ja auch nicht mit dem letzten Satz anfangen, sondern du schiebst den ersten Satz zuerst durch.“
„Na gut Papa, das ist mir zu blöd.“ Peter schwieg. Laura lag richtig. Er war eben auch nicht trainiert auf die Kommunikation mit demenzkranken Menschen.

© Dr. Uwe Müller