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MAL SCHNELL ERZÄHLT (3)

Vom Willen, sich morgens über den Beginn des Tages zu freuen.

Es ist noch ruhig. Nur das Rauschen des Meeres dringt herüber, bis zu der Terrasse, auf die ich mich schon jetzt gesetzt habe.

Obwohl es erst 6 Uhr morgens ist. Ich kann nicht mehr schlafen und freue mich deshalb, dass ich den Tag erwachen sehe.

Das klingt poetisch. „Der kann gut schwadronieren, ich muss zur Arbeit hetzen“, wird manch einer sagen, der diese Zeilen irgendwann liest.

Es stimmt natürlich: Stehst du am Alltag auf, dann kämpfst du mit dir,  dich wieder hinzulegen.

Klingelt bei mir alltags um 4 Uhr der Wecker, dann sage ich nur: „Ach du Scheiße!“

Sorry, aber das ist es, was ich sage. Da ist nichts Romantisches, Verklärtes dabei.

Jetzt im Urlaub, da habe ich mehr Muße darüber nachzudenken, ob man den Tag nicht mit mehr Freude beginnen kann.

Die Sonne beginnt durch die Verandaglasscheiben hindurch zu scheinen und auf den Wellen glitzern die ersten Strahlen.

Der Tag wirkt frisch, obwohl sich abzeichnet, dass es wieder heiß wird um die Mittagszeit.

Warum können wir uns eigentlich morgens nicht mehr so freuen, wie zum Beispiel Krümel, die uns anlacht, wenn sie munter wird?

Ist es, weil uns sofort einfällt, was alles an diesem Tag an Unangenehmen auf uns zukommt, was wir alles zu erledigen haben?

Wahrscheinlich ist es das.

Aber können wir den Tag nicht trotzdem positiv beginnen, obwohl wir manchmal nicht mehr diese echte Lebensfreude spüren, die ein kleines Kind ausstrahlt, wenn es fröhlich in den Tag geht und losplappert?

Loszulassen, entspannter zu sein, dazu gehört Energie, Kraft, der wirkliche Wille, es auch zu tun.

Wir sollten diese Energie aufbringen, weil wir nur dadurch dem Stress von Innen heraus begegnen können, der ohnehin auf uns am Tag gnadenlos zusteuert.

MAL SCHNELL ERZÄHLT (2)

LUST AN DEM FINDEN, WAS VOR DIR IST

Mir ist es mehr als ein halbes Leben so gegangen, dass ich nie mit dem zufrieden war, was ich gerade erreicht hatte.

Ich war Marine-Leutnant, Schiffsmaschinenoffizier und wollte weiter. Ich wurde Hochschullehrer und strebte danach, zu promovieren. Ich hatte das erreicht und befand mich inmitten der Wende.

Es ging wieder von vorn los – Lehrer in einer Umschuleinrichtung, Immobilienmanager in einem Essener Wohnungsbauunternehmen, Bereichsleiter in einem international agierenden Konzern.

Stets ausser Atem, nie zufrieden, ständig auf der Suche nach der Erfüllung.

Die wirklichken Erkenntnisse darüber, was mir etwas im Leben bedeutete, die kamen ausgerechnet dann, als es mir schlecht ging – finanziell, auf der Suche nach einer neuen Arbeit, einer neuen Herausforderung.

Es hat Jahre gedauert, bis ich wieder aus dem Loch ‚herausgekrabbelt‘ bin, und ich hatte tatsächlich nur einen wirklichen Freund, der mir immer zur Seite stand – Klara, meine Frau.

Es war auch die Zeit, in der ich erkannte, dass ich selbst mein bester Freund, mein bester Ratgeber sein muss.

Warum?

Weil mich keiner so kennt, wie ich mich selbst kenne. Das ist eine banale Erkenntnis. Sie ist aber enorm wichtig. Das jedenfalls sagt mir meine Lebenserfahrung heute.

Jeder, der dir von aussen einen Ratschlag gibt, der kennt nie ganz deine inneren Sehnsüchte, deine seelischen  Leiden oder deine Träume, von denen du vielleicht noch einige verwirklichen willst.

Ich schreibe das hier, weil ich gerade auf das Meer schaue, den Wind spüre. Die Wellen, die sich gleichmäßig vor sich hinbewegen, sie werden das auch noch tun, wenn wir alle schon nicht mehr da sind. Sie werden auf den Strand prallen, ihre Kronen werden schäumen und sie werden sich wieder zurückziehen.

Irgendwie bringt mich dieser Gedanke dazu, mich zurückzunehmen, nicht zu glauben, dass sich alles um mich dreht, meine Leiden die größten sind, meine Freuden kein anderer erlebt.

„Bullshit“ würde gleich meine innere Stimme rufen.

Vielleicht.

Aber das Ganze führt mich zu einem anderen Gedanken, nämlich:

Sich zurückzunehmen, sich nicht so wichtig nehmen im Alltag, das Glück in dem finden, was gerade vor dir ist.

Das muss man annehmen, man muss es wollen, dann kann man damit glücklich sein, im Moment jedenfalls.

MAL SCHNELL ERZÄHLT

Glück braucht nicht viel

DER ERSTE TAG AM MEER

Während ich hier schreibe, sitze ich auf der Veranda unserer Ferienwohnung und schaue über die Dächer der Altstadt von Sassnitz hinweg  – direkt aufs Meer.

Es ist stürmisch auf dem Wasser, denn die Schiffe, die vorbeituckern, die tauchen immer wieder mit dem Bug ins Wasser und kommen erst nach ein paar Sekunden wieder hoch.

Auf den Wellen sind weisse Schaumkronen zu sehen und es weht ein frischer Wind bis hierher,  auf unsere Terrasse.

Heute Vormittag waren wir am Strand. Krümel hat sich frei gefühlt, sie ist hin – und hergelaufen, hat gekreischt vor Freude, ist ins Wasser gestürmt und gleich wieder raus.

Wir konnten nicht weit reingehen, denn die Wellen brachen über uns wie Ungetüme herein.

Es roch gut, das Wasser war warm, und wir waren glücklich. Was braucht man weiter?

Wir brauchen gar nichts weiter. Krümel hat mir anschließend Sand ins Gesicht gestreut und gerufen: „Opa, alles gut!“

Naja, wenn sie es sagt.

DAS ERSTE KONSPEKT ZUR STUTTGARTER ERKLÄRUNGSBIBEL

DIE REISE IN DIE BIBELWELT BEGINNT

Gestern war mein erster Urlaubstag und ich habe ihn damit begonnen, dass ich mich in die Bibel vertieft habe; besser in die ‚Stuttgarter Erklärungsbibel‘, die Luthers Bibelübersetzungen und Erläuterungen dazu enthält.

Es wird wohl mein letztes großes Projekt sein, dass ich auf diesem Erdball beginne, besser auf meiner kleinen Scholle, auf der ich mich befinde. Ich will mich geistig nicht einengen, nicht abhängig von irgendwelchen Glaubenssätzen.

Und genau deshalb glaube ich daran, dass ich die Bibel lesen muss. Werde ich dadurch gläubig? Eher wohl nicht. Kann ich danach an Gott glauben? Wohl kaum. Kann ich glauben, dass Gott in mir ist. Naja, schon eher. Ich weiß nicht, wohin mich die Reise führen wird, aber ich finde sie enorm spannend.

Ich werde es ohne Hilfe nicht schaffen. Mein schönstes Geburtstagsgeschenk in der vergangenen Woche war die ‚Stuttgarter Erklärungsbibel‘. Sie soll mir helfen, die oft schwierigen Zusammenhänge zu verstehen, damit ich so nah wie möglich an das Bibelwort herankomme.

Ich schreibe mit Tinte und Papier, besser, ich konspektiere mit der Hand, wenn es schwierig wird. Ich weiß noch, wie ich das ‚Kapital‘ studiert habe. Die meisten, die darüber reden, haben es nie gelesen. Auch im Osten nicht.

Ich habe mich da durch die vier Bände gequält. Ich weiß als, welches Werk da geschaffen hat, und wo er geirrt hat. Das ist etwas ganz anderes, als nur aus irgendeiner vermeintlichen ideologischen Ecke seinen ‚Senf‘ dazuzugeben, ohne wirklich zu wissen, worüber man spricht.

Ich will das Wort der Bibel auf mich wirken lassen und sehen, was ich damit anfangen kann. Später kann ich es immer noch einordnen, ablehnen oder endgültig für mich zu lassen.

Klar, ich werde es nicht schaffen, alles zu verstehen, die geschichtlichen Zusammenhänge begreifen, die vor über 1000 Jahren aufgeschrieben wurden. Aber ehrlich, das macht es doch so interessant.

ALDELHEID ALDINGER – EIN AUSSERGEWÖHNLICHER MENSCH

ADELHEID ALDINGER FEIERT HEUTE IHREN 60. GEBURTSTAG - EIN BESONDERER TAG FÜR EINEN BESONDEREN MENSCHEN

Ich bin Adeldheid Aldinger vor sechs Jahren begegnet. Da war ich auf der Suche nach einer guten Geschichte für ein Stadtmagazin in Altlandsberg. Und die fand, als ich mich nämlich mit Lutz Wagner und Adelheid Aldinger traf, beide sehr engagiert für den Verein „Helfen hilft e.V.“ in Altlandsberg.

Der Verein kümmert sich um Bedürftige, die auf Lebensmittel, Obst, Gemüse oder Kleidung angewiesen sind. Ich habe damals schon gestaunt, mit wie viel Herzblut sich die beiden für Menschen engagieren, die nicht gerade auf der Sonnenseite des Lebens stehen.

Später habe ich Adelheid noch einmal getroffen, als sie eine Frauentagsfeier ausrichtete und ich ein paar kleinere Geschichten vorgelesen habe. Adelheid hatte keine leichte Kindheit, und sie hat es trotzdem geschafft, ihre schlechten Erfahrungen zu verarbeiten und positiv in die Welt zu schauen.

Adelheid ist ein kluger Mensch, und sie tut vor allem eines: Sie denkt mit dem Herzen. Im April 2018 erhielt sie die Medaille des Brandenburger Landtages „…zur Anerkennung von Verdiensten für das Gemeinwesen.“

Die hat sie sich hart erarbeitet und verdient, im Team mit denen, die sie täglich unterstützen. Ich schreibe schon eine Weile über Menschen im Alltag, über diejenigen, die nicht viel Aufhebens machen, um ihre Person, die einfach helfen.

Das fasziniert mich an ihr. Sie hat eine große Familie, verschenkt Liebe, erteilt Ratschläge, wenn sie gefragt wird und kann herzlich lachen über die Dinge des Alltags.

Sie liest meine Beiträge fast täglich, und ehrlich: Das erfüllt mich mit Stolz. Herzlichen Glückwunsch, liebe Adelheid zu deinem 60. Geburtstag, auch wenn du zwanzig Jahre jünger wirkst.

Mach‘ einfach so weiter, und hoffentlich noch lange, bleib‘ stark. Deine Freunde mögen dich, deine Familie liebt dich und ich ziehe meinen Hut vor dir.

Herzlichen Glückwunsch, liebe Adelheid zu deinem 60. Geburtstag!
Uwe

‚JOHN REED‘ IM PRENZLAUER BERG – IM ALLTAG MACHT DAS STUDIO MICH SCHON GLÜCKLICH

67 Jahre bin ich ohne Fitness-Studio ausgekommen. Aber heute, an meinem 68. Geburtstag, da bin ich nun schon über ein Jahr im JR-Studio im Prenzlauer Berg, trainiere täglich, meist ganz früh, wenn noch nicht so viel los ist.

Auch heute Morgen war ich da, allerdings nicht lange, ich hatte noch zu viel zu tun, so kurz vor meinem Urlaub.
Es war mir wichtig, meinen Geburtstag genauso zu beginnen, wie ich es jeden Tag tue, nämlich mit dem Muskeltraining an der Bizepsmaschine.

Wenn ich daran zurückdenke, wie ich angefangen habe, es muss im Juli vergangenen Jahres gewesen sein, dann bin ich doch ein bisschen stolz auf mich, dass ich durchgehalten habe.

Nur mit dem Abnehmen, da hapert es noch. 11 kg sind zwar runter, aber ich wiege immer noch zu viel, viel zu viel. Ich sehe, dass ich an dieser Ecke noch viel Energie und Willen aufbringen muss.

Doch wenn ich mich zurückerinnere, wie ich zum Beispiel vor gut einem Jahr mit schmerzverzerrtem Gesicht versucht habe, 15 kg an der Bizepsmaschine zu bewegen, und wenn ich dagegen heute sehe, wie ich bereits mit 25 kg beginne und mit 35 kg im dritten Durchgang aufhöre, dann sehe ich schon eine Entwicklung.

„Sieh mal, wie leicht ich jetzt den Einkaufskorb hochhebe, ohne zu keuchen“, sage ich zu meiner Frau und die schmunzelt und fragt: „Und wieso hast du nicht schon mehr Muskeln?“

Ich glaub‘, ich muss mir wohl ab und an ein paar Eiweiß-Shakes aus dem Automaten holen, aber da weiß ich wieder nicht so richtig, wie das geht. Doch das kriege ich auch noch in den Griff.

Was hat sich verändert, seit ich morgens ins Fitness-Studio fahre, nachdem ich meine Frau im Zeitungsviertel abgesetzt habe?
Du kannst mit noch so schlechter Laune durch die Tür gehen, du bekommst gute Laune, nachdem du anderthalb Stunden an den Geräten warst und danach vielleicht noch auf das Laufband steigst.
Die Musik, die spielt, die Tatsache, dass du dich anstrengst, während andere das auch tun und sich so unmerklich ein imaginärer Teamspirit entwickelt, das macht es aus.

Die Rhythmen, die aus dem Lautsprecher kommen, die mochte ich anfangs gar nicht, aber jetzt, da pushen sie mich.
Als ich heute Morgen den Gang entlanglief, um zur Umkleidekabine zu gelangen, da traf ich auf Kalle, den Allrounder.
Er grüßte mich fröhlich, winkte und wir haben einen kurzen ‚Schwatz‘ gemacht.

Ich finde ihn klasse. Er ackert, läuft wie ein Bienchen hin- und her und hat trotzdem noch Zeit für ein Späßchen, ein nettes Wort.

Im Stillen denke ich oft: „Gott sei Dank musst du hier nicht wischen, die Desinfektionsmittel nachfüllen, ständig auf Achse sein!“
Da sitze ich doch lieber an einem Gerät und quäle mich dort im überschaubaren Rahmen.

Überhaupt finde ich, dass das Team der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die das JR-Studio sauber halten, einen verflucht guten Job machen. Ich grüße jede Mitarbeiterin oder jeden Mitarbeiter, wenn ich morgens an ihnen vorbeigehe.

Weil ich Aufmerksamkeit haben will? Nein, ich will auch meine Ruhe, wenn ich trainiere. Aber es ist meine Art, Danke schön zu sagen, ihnen gegenüber meine Wertschätzung zu zeigen – für ihre tolle Arbeit, die sie leisten, gerade in der schweren Zeit von Corona.

Vielleicht denkt mancher, der das liest: „Na, nun übertreib‘ mal nicht, schließlich bezahlen wir für diese Leistung, und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiterinnen bekommen es ja auch entlohnt.“
Das ist schon richtig. Aber man kann ja seine Arbeit so oder so verrichten.

Du kannst mal eben lustlos aufwischen, die Geräte putzen, die Fenster saubermachen, saugen und du kannst es wiederum mit viel Engagement tun.
Ich glaube, diejenigen, die ich bisher gesehen habe, die ackern richtig für ihr Geld.

Ich fühle mich jedenfalls sehr gut aufgehoben in diesem Studio, weil die Hygieneregeln stimmen, es sehr sauber ist.

Ich bin ja nicht gerade der typische athletische Sportsmann, der dort morgens aufschlägt – mit Bauch, hängenden Schultern, und überhaupt bin ich schon eher der Prototyp des „alten Sacks“.
Das klingt vielleicht hart, trifft wohl aber den Kern der Beschreibung, wenn ich mich selbst einschätzen müsste.

Aber das Training im JR-Studio im Prenzlauer Berg macht mich reich, mental und körperlich.

Ich rufe morgens meine Frau aus dem Auto an, nachdem ich wieder aus der Tiefgarage herausgefahren bin und ich ihr sage, dass ich mit viel Power dem Schreibtisch entgegenstrebe.

Sie staunt jedes Mal, wie ich als Morgenmuffel um vier Uhr starte und ein paar Stunden später als Energiepaket aus dem Studio komme, gut gelaunt, mit vielen Ideen, und der Gewissheit, dass ich die wichtigste Tagesaufgabe bereits erledigt habe.

Ich fahre jetzt an die Ostsee, aber in vierzehn Tagen, ja da steige ich wieder in der Tiefgarage aus dem Auto, bin schlecht gelaunt, mental am Boden, und dann gehe ich durch die Eingangstür, sehe Kalle winken, erkenne, wie fleißig vielleicht eine Mitarbeiterin am Saubermachen ist, erkenne die ersten verschwitzten Gesichter von Teilnehmern an den Trainingsgeräten, höre die Klänge aus dem Lautsprecher, ja und dann tauche ich ein in die Welt von John Reed.

Nicht schlecht, finde ich. Wenn ich so darüber nachdenke: Eigentlich ist es das, was mich am Alltag glücklich macht.

Kalle, mach‘ weiter so, du bist ein guter Typ. Danke, liebes John Reed-Team vom Prenzlauer Berg.

STENOGRAMM FITNESS-STUDIO

Stenogramm von einem Tag vor dem Wochenende und dem Montag darauf, dem Wochenbeginn.

FREITAG, 31.07.2020
Ich bin gerade mit dem Training fertiggeworden und sitze auf einer Parkbank hinter dem Studio.
Piazza, Saarbrücker Straße;

In der Ferne dröhnt der Lärm von der Prenzlauer Allee herüber.
Ich will das schöne Wetter nutzen, um mir ein paar Eindrücke zu notieren.

Ich wollte heute nur eine Stunde trainieren, aber dann sind es doch fast zwei Stunden geworden; 16 Geräte habe ich absolviert; ich bin selbst beeindruckt; der Hinterhof hier hat so etwas Dörfliches; gerade hat eine Krähe geschrien, und auf der anderen Seite fährt ein Moped knatternd davon; ich habe heute einen Sportsmann beobachtet, der zwei Handtücher mithatte und damit gleich zwei Plätze belegte; sehr egoistisch; desinfiziert hat er die Geräte auch nicht, an denen er trainiert hat.

Naja, ich wollte mich nicht ärgern, schließlich steht das Wochenende vor der Tür.

Montag, 03.08.20
Wochenanfang.
Ich sitze in der Ecke des Sportstudios nach zwei Stunden und 15 Minuten Training, und ich bin total durchgeschwitzt.

Mir ist es heute früh besonders schwergefallen und ich wollte bereits nach jedem Gerät mit den Übungen ganz aufhören, aber wie von Geisterhand getrieben: Ich habe immer weiter gemacht.

‚Auf das Laufband gehst du heute auf keinen Fall, das kannst du schon mal am Montag auslassen‘, sagte ich zu mir.

Und siehe da, ich stand zum Schluss doch auf dem Laufband und habe die Geschwindigkeit sogar ziemlich nach oben getrieben, sodass ich dachte, ich würde gleich herunterfallen.

Ich habe mich damit motiviert, dass ich in den letzten fünf Minuten schön langsam laufen und so den Sauerstoff tief einatmen kann; konnte ich allerdings nicht, weil ich vor Erschöpfung fast vom Band gefallen wäre, so war ich außer Atem.

Jetzt habe ich die Füße von mir gestreckt und schreibe ein wenig auf dem iPhone und bin glücklich, dass ich durchgehalten habe.
Morgen – wieder der gleiche Kampf gegen meinen inneren Schweinehund. Mal sehen, wer gewinnt.

IM WARTERAUM DER ZAHNARZTPRAXIS

Du kannst Menschen in vielen täglichen Situationen beobachten, ihnen im Gespräch zuhören, deine Schlüsse ziehen.
Manches davon ist banal, ja langweilig, aber es ist dein Leben, das Leben der anderen, auf die du triffst. Du kannst es mögen oder auch nicht, aber du solltest selbst diese Augenblicke nicht geringschätzen.

Ich sitze im Warteraum in der Zahnarztpraxis. Ich bin etwas früher da. Komisch, das ist so tief in mir drin, das mit der Pünktlichkeit. Ich bin meistens 20 bis 30 Minuten früher da, als es eigentlich nötig wäre.

Woran liegt das? Ist es meine Zeit, in der ich zur See gefahren bin und wo das Schiff nicht auf dich gewartet hat, wenn du dich verspätet hast?

Oder ist es die Erziehung? Mein Vater war in diesen Dingen besonders streng. Vielleicht von jedem ein bisschen, dass dazu geführt hat, das ich jetzt hier sitze und warte, bis es losgeht.

Es ist ein gewöhnlicher Termin, indem die Zähne durchgesehen werden sollen. Und trotzdem, es bringt meine Routine durcheinander. Ich konnte heute Morgen nicht zum Sport fahren, Klara ist mit dem Zug gefahren, anstatt bei mir im Auto zu sitzen.

Das Gute daran: Wir sind nicht vier Uhr aufgestanden, sondern erst fünf Uhr.

Für manch einen immer noch zu früh, aber für uns am Alltag ist eine Stunde später aufstehen schon Luxus. Also fühle ich mich ausgeschlafen, während ich hier auf der Couch sitze und auf den Aufruf warte, ins Praxiszimmer zu gehen.

Während ich hier auf dem iPhone schreibe, muss ich den Mundschutz umhaben und durch den Atem beschlägt laufend die Brille.

Ich ziehe die Maske ein wenig nach unten, sodass ich besser durch die Nase atmen kann.

Mir gegenüber sitzt ein älterer Herr und zur Tür herein kommt in dem Moment ebenfalls ein älterer Mann, vielleicht Mitte 70.

„Was machst du denn hier?“, fragt der ältere Herr, der sitzt.

„Wat‘ soll ich hier denn machen?“, fragt der Mann, vielleicht Mitte 70, mit einem leicht schnoddrigen, vorwurfsvollen Unterton.

„Zahnarzt, ‚wa‘?“, sagt der Herr, der sitzt.

„Hm, für ‚de Kneipe isses‘ noch zu früh“, entgegnet der Mann, vielleicht Mitte 70.

„Gott bewahre!“, sagt der ältere Herr, der sitzt. Der Mann, vielleicht 70, antwortet darauf nicht.

„Und ‚de‘ Frau?“, lässt der ältere Herr, der sitzt, nicht nach.

„Hüfte“, antwortet der andere.

„Oh, ich habe ‚jerade‘ eine schwierige Operation hinter mir“.

„Du, ‚ick‘ muss meinen Termin neu vereinbaren“, sagt der Mann, vielleicht Mitte 70.

Ich bekomme nicht mehr mit, wie das Gespräch ausgeht, denn ich werde aufgerufen, und ehrlich: Ich bin froh darüber.

Hoffentlich geht mir nie der Gesprächsstoff aus, und es würden nur noch die Krankheiten als Thema übrigbleiben, denke ich noch, als ich die Zahnarzthelferin begrüße.

Wenn ich wieder hier raus bin, setze ich mich sofort an meinen Schreibtisch und fange an zu arbeiten, kreativ zu sein, das nehme ich mir zumindest vor.

WELCHE HALTUNG BEIM LESEN DER BIBEL EINNEHMEN?

Mich von meinen eigenen Gefühlen beim Lesen der Bibel leiten lassen, die Worte persönlich nehmen, sie an meinen Verstand und an mein Herz heranlassen.

Ich taste mich weiter vor, denke darüber nach, wie ich am besten mit dem Lesen dieses biblischen Stoffes anfangen soll.
„Lieber unvollkommen begonnen, als perfekt gezögert“, sagt ein altes Sprichwort.

Da ist was dran. Trotzdem will ich mich natürlich nicht reinstürzen in die unbekannte Materie, sondern mir einen Weg selbst bauen, einen Pfad, auf dem ich entlanggehen kann und wo an den Rändern vielleicht so etwas wie Leitplanken sind, die mich führen.

Ich lese, was Anselm Grün dazu schreibt. Der sollte es wissen, schließlich ist er nicht nur promovierter Theologe, sondern auch praktizierender Benediktinermönch. (Anselm Grün, Die Bibel verstehen, E-Book, ISBN – 978-3-451-33627-0, Verlag Herder GmbH, Freiburg im Breisgau 2010, Einladung).

Schon in seiner „Einladung“ zum Buch schreibt er, dass ich mich so fühlen soll, als würde Gott sich mit seinen Worten direkt an mich persönlich wenden.

Also, ich halte ja eine ganze Menge von mir, aber das ist wohl eine Hausnummer zu groß für mich, nämlich so zu tun, als würde Gott sich direkt an mich wenden.

Aber gibt es nicht auch das Gefühl, wo du dich unter tausenden von Leuten befindest, auf der Bühne vor dir jemand redet und du denkst: „Donnerwetter, der schaut nur mich an, und meint wahrscheinlich auch mich?“

Und schon fängst du an, ihm zustimmend zuzunicken, ihm Mut zu machen, dass er etwas ganz Wichtiges von dort oben sagen würde.
Oder ich lese gerade das Buch des Extremsportlers Jan Frodeno.

Wenn er davon berichtet, wie hart es ist, sich jeden Tag zu überwinden, die Härte des Trainings auf sich zu nehmen, dann antworte ich ihm im Stillen: „Du, ich kenn‘ das, wenn ich morgens an der Bizepsmaschine sitze und Null Bock habe, anzufangen, aber ich fange trotzdem an.“

Solche Sachen sage ich zu mir und denke hinterher: „Na mein kleiner Dicker, wenn der deinen Bauch sehen würde, der würde dir kein Wort glauben.“

Egal, so muss das funktionieren mit dem persönlichen Wort, das nur an dich gerichtet ist.
Jedenfalls ist das eine der drei Haltungen, die der Benediktinermönch empfiehlt beim Lesen der Bibel einzunehmen. (Vgl. ebenda).

Außerdem empfiehlt er, „die Worte oder Bilder für mein Leben und als Bilder für Gottes Wirken an mir zu verstehen.“ (Vgl. ebenda)

Damit kann ich mich gut anfreunden. Ich habe mal Jemandem gesagt, der mich gefragt hat, warum ich nicht an Gott glaube, dass ich vor allem an mich glauben würde.

In dem Fall wäre ja Gott in mir. Damit kann ich leben, das ergibt Sinn für mich. Gott ist nicht nur über, er ist vor allem in mir.

Also kann ich seine Worte direkt auf mein ganz praktisches Leben beziehen, Kraft daraus ziehen. Nicht schlecht. Gefällt mir.

Und eine dritte Haltung beschreibt Anselm Grün so: „Die Worte der Bibel sind Worte des Lebens. Die Worte wollen.. einladen, barmherzig und freundlich mit mir umzugehen.“ (Vgl. ebenda)

Da kann ich gar nicht anders, als zuzustimmen.
Mir zustimmen? Auf jeden Fall. Klara macht das viel zu wenig im Alltag.

Aber sie soll wahrscheinlich wieder sich zustimmen.
Und freundlich mit mir umgehen? Aber hallo, auf jeden Fall.

Je mehr ich mich an die unbekannten Texte herantaste, umso mehr üben sie einen Sog auf mich aus.

Mein Vater hat mich ein Leben lang anders erzogen, nämlich nicht an Gott zu glauben. Als ich einmal als in Dresden nach Hause kam und ihm berichtete, dass ich mit einem Pfarrer gesprochen hätte, und ihn gefragt hatte, ob ich auch mal auf der Kanzel stehen könnte, da ist er bald ausgerastet.

Ich bin dann noch einmal in die Kirche gegangen, habe mich umgeschaut, zugehört. Aber das war’s schon.

Im vergangenen Jahr, da war mein Vater schon todkrank, er lag quasi auf dem Sterbebett, ausgerechnet in einem katholischen Krankenhaus.

„Die sind hier so gut zu mir, so freundlich und entgegenkommend, das glaubst du nicht“, sagte er zu mir.

Das Wort „barmherzig“ hätte hier gepasst, aber das widerstrebte ihm, es in den Mund zu nehmen.

Aber er hatte erkannt, dass die Worte Gottes, festgehalten in der Bibel vielleicht doch nicht ‚Opium fürs Volk‘ sind, sondern über eine heilende Kraft verfügen.

Das treibt mich, es zu erforschen und für meine Lebensphilosophie anzuwenden.

DIE FORMELEMENTE DES SCHREIBENS

Schreiben heißt beschreiben, begründen, Motive für bestimmte Handlungen von Personen zu liefern.

Manchmal vergesse ich in der Hektik des Tages, meinen Text noch einmal gründlich durchzusehen.

Wer kennt das nicht, dass er keine Zeit mehr findet für die Dinge, die eigentlich das ‚Salz in der Suppe‘ sind?

Ein Beispiel: Es ist für mich natürlich viel einfacher zu schreiben, dass ich sauer bin.

Wenn ich noch eine weitere Zeile darauf verwende, dann schreibe ich: „Ich bin sauer, weil die Zahnarztpraxis meinen Termin verschoben hat.“

Jetzt ist wenigstens das Motiv klar, worüber und auch im Ansatz, warum ich mich geärgert habe.

Reicht das?
Ich glaube nicht. Der Leser will wahrscheinlich mehr wissen, er möchte eine Begründung geliefert bekommen, warum die Figur, ob nun real oder fiktional, sauer ist.

Also was ist es, warum ich wirklich sauer war?
Ich beschreibe und begründe also den Umstand:

„Können Sie am Dienstag kommen, gegen 13.30 Uhr?“, fragt mich die Helferin, als ich einen neuen Termin in der Praxis nach der Behandlung vereinbare.

„Naja, eigentlich habe ich da einen Termin“, sage ich zu ihr.

Sie schaut mich an, so unter dem Motto: Du bist doch schon im Rentenalter! Was kannst du noch für Termine haben, außer vielleicht, dass du zu uns kommen musst, um deine Zähne durchsehen zu lassen?
Also stell‘ dich gefälligst nicht so an, und sag‘ einfach ja“, wird sie gedacht haben.

„Ich habe da einen wichtigen Interviewtermin, den ich vor Wochen festgemacht habe. Der Kunde ist viel unterwegs und ich weiß nicht, ob ich das hinkriege. Aber ich werde mit ihm reden. Also gut, schreiben Sie es so ein“, sage ich zur Zahnarzthelferin.

„Ja, wunderbar, Herr Dr. Müller, dann halten wir das so fest.“
Eine Woche später ruft mich die gleiche Helferin an: „Wir haben leider ein kleines Problem mit unserem Labor. Könnten Sie nicht zwei Stunden später kommen, also erst 15.30 Uhr anstelle von 13.30 Uhr?“

„Zwei Stunden?“ Das geht nicht, ich habe jetzt den Interviewtermin um einen Tag verschoben. Wie stehe ich vor dem Kunden da?“, frage ich zurück.

„Ja, es tut uns so leid, Herr Dr. Müller“, sagt sie zu mir.
Wirklich? Tut es ihr leid? Ich glaube nicht, ihre Stimme sagt jedenfalls etwas anderes.

So in der Art wie: „Zier‘ dich nicht so lange, blas dich nicht so auf und sage einfach, dass es klar geht mit der Terminverschiebung. Ich habe noch andere Patienten, deren Termine ich verschieben muss.“

„Was soll ich machen? Zustimmen?“, geht mir durch den Kopf.
Dann muss ich alles wieder umschmeißen, den Kunden davon überzeugen, dass wir doch den ursprünglichen Termin nehmen.

„Und wir können da nichts machen?“, frage ich deshalb noch einmal vorsichtshalber nach.

„Nein, das Labor hat es uns so gesagt.“
„Was gibt denn das Labor für Gründe an?“, frage ich zurück.

Ich warte auf eine Antwort. Die kommt nicht. Stattdessen: „Das wissen wir auch nicht!“

Warum habe ich mich also so geärgert? Weil ich mehr Energie, mehr Engagement in mein eigenes Terminmanagement gelegt habe, als es das Praxisteam tat. Dabei habe ich vor einem Jahr unterschrieben, dass ich für einen nicht wahrgenommenen Termin in der Zahnarztpraxis 50,00 Euro bezahlen soll, weil ja in so einem Fall dafür kein anderer Patient an meiner Stelle behandelt werden konnte.

Was ich sagen will: Jetzt weiß der Leser Bescheid, warum ich mich aufrege.

Vielleicht sagt er: „Kann ich gut verstehen“, oder: „Reg‘ dich doch nicht über so eine ‚Pille Palle‘ auf.“

Wie auch immer, er kann sich eine Meinung bilden, weil ich nicht nur geschrieben, sondern die Situation auch beschrieben, begründet habe, und zudem die Motive klargeworden sind.

Ist das einfach? Scheint so.

Aber es macht schon ein wenig mehr Mühe, als nur einen Satz aufs Papier zu werfen, der lautet: „Ich habe mich geärgert.“
Also mehr abmühen, im Schreib-Alltag eben.

WARUM DIE BIBEL LESEN?

Wie ich kürzlich auf die Idee kam, mir die Bibel vorzunehmen und was ich für Erwartungen daran knüpfe.

Es war in der vergangenen Woche. Ich stand kurz vor sechs Uhr an einer Kreuzung in Mitte und wollte in Richtung Fitness-Studio einbiegen.

Die Ampel stand lange auf Rot und so hatte ich Muße, dem Radiokommentar eines Pfarrers zuzuhören. Er sprach davon, dass du selbst in Zeiten deiner größten Not, deiner Hilflosigkeit dankbar sein sollst für das Leben.

‚Hat der noch alle Latten am Zaun?‘, dachte ich bei mir.
Und in dem Moment sagte er auch schon: „Ich weiß, Sie denken jetzt bestimmt, dass ich fernab von jeder Realität bin. Nein, das bin ich nicht.“

Dann fuhr er damit fort, dass es besser sei, sich seinen Schmerzen zu stellen, sich zu fragen, wie man wieder aus einer schwierigen Situation wieder herauskäme.

Das fand ich dann wieder nicht so schlecht. Zum Schluss berief er sich darauf, dass er diese Worte und Botschaften der Bibel entnommen hatte.

„Die Bibel ist das Wort Gottes an uns.“
Ich war so neugierig geworden, dass ich in den Pausen zwischen den Trainingseinheiten im Fitness-Studio bereits mit meinem iPhone googelte, ob es eine passable aktuelle Übersetzung der Bibel geben würde, die ich auch verstehen konnte.

So richtig bin ich nicht fündig geworden und habe erst einmal mit den Übungen weitergemacht.

Doch die Worte des Pfarrers gingen mir nicht mehr aus dem Kopf.
Hatte ich nicht vor vier Jahren schon einmal damit begonnen, mich für die Heilige Schrift zu interessieren?

Ich fand damals die Worte so gewaltig, die ich gleich am Anfang der Bibel gelesen hatte, war fasziniert von den Formulierungen und den Ausdrucksweisen der kurzen Sätze.

Wer sich ein wenig für Deutsch interessiert, den lässt das natürlich nicht kalt.

Aber dann bin ich wieder von abgekommen. Warum?
Weil ich bei mir im Arbeitszimmer nur eine Ausgabe hatte, die in alter deutscher Schrift abgefasst war.

Zurück vom Training, machte ich mich im Internet auf die Suche. Ich wollte herauskriegen, wer mir helfen kann, die Bibel zu verstehen.

Ich stieß auf das Buch von Pater Anselm Grün: „Die Bibel verstehen: Hinführung zum Buch der Bücher“ – (E-Book, ISBN – 978-3-451-33627-0; Verlag Herder GmbH, Freiburg im Breisgau 2010).

Das war es!
„Für die frommen Juden und für die frühen Christen waren die Worte der Bibel immer leitende und wegweisende Worte“, schreibt Anselm Grün in seiner ‚Einladung‘. (Vgl. ebenda)

Er geht auch darauf ein, dass sich heute viele Christen schwer damit tun, die Bibel zu lesen. (Vgl. ebenda)

Oh, diese Worte sind Balsam für mich. Ich als jemand, der kaum etwas mit der Kirche und dem Christentum zu tun hatte, für den war es ja noch schwerer.

Ich hatte das Kapital studiert, vier Jahre lang. Und im Gegensatz zu vielen Leuten, die darüber nur reden, hatte ich es auch verstanden, kannte die hervorragende ökonomische Analyse der damaligen Verhältnisse und wusste auch um die Schwäche in der daraus folgenden Prognosen für die Zukunft.

Das Gute daran ist, dass ich es über viele Jahre und Jahrzehnte gewohnt war, mich mit schwierigen theoretischen Texten zu befassen.

„Wir brauchen die richtige Brille, um die Worte der Bibel so zu lesen, dass sie heilsam ist und wegweisend für uns sind, dass es Worte des Lebens und Worte zum Leben werden.“ (Vgl. ebenda)

Dieser Satz von Anselm Grün hat mich endgültig überzeugt. Ich werde mich mit den Worten aus der Bibel auseinandersetzen, sie versuchen zu verstehen.

Und vor allem: Ich werde herausfinden, worin die Heilsamkeit dieser Ideen besteht.

Darauf freue ich mich in den nächsten Wochen und Monaten.

Wer Lust hat, der kann hier mitlesen, was ich so rausbekomme, welche Schlussfolgerungen ich für mich, für meinen Alltag daraus ziehe.

Ich habe mir zum Geburtstag in der nächsten Woche einen dicken Wälzer gewünscht – die Stuttgarter Erklärungsbibel. Sie ist nicht ganz billig, aber sie ist wohl das umfassendste Werk, dass dich in die biblische Geschichte einführt.

Ich freu‘ mich drauf‘ und darf nicht darüber vergessen, dass ich ja zwischendurch noch ein bisschen arbeiten muss. Naja, irgendwie kriegen wir das schon hin.

‚DAS IST MAMA UND DAS BIN ICH‘

EIN BESUCH IM TIERPARK

Samstagmorgen. Wir sind mit Laura und Krümel verabredet und fahren gemeinsam mit ‚Jeepi‘ zum Tierpark.
Klara und ich haben uns extra einen Bollerwagen zugelegt, in dem wir alles verstaut bekommen und Krümel passt auch noch rein.

Wir nähern uns dem Eingang am Tierpark. Dort herrscht bereits Gedränge.
Endlich, als wir drinnen sind, will Krümel laufen. Sie hüpft fröhlich vor uns her und bleibt voller Neugier an den einzelnen Gehegen stehen.

Es sieht alles sehr sauber aus. Wir waren lange nicht hier und wir haben den Eindruck, dass viel passiert ist in den vergangenen Jahren – die Bänke sind gestrichen, das Alfred-Brehm-Haus ist neu gestaltet, die Parkanlage insgesamt sieht sehr gepflegt aus.

Als wir die Eisbären im Wasser sehen, da ist für Krümel kein Halten mehr.
Sie will unbedingt die Stufen hinunter zum Gehege gehen, um näher dran zu sein.

Dabei sieht sie so viel weniger und ich muss sie hochheben und halte sie mit beiden Händen fest.

„Das ist Mama und das bin ich“, ruft Krümel plötzlich und zeigt mit ihrem kleinen Zeigefinger in Richtung der Bären.

Sie ist komplett in ihre Welt abgetaucht. Erst am vergangenen Mittwoch hat sie uns erzählt, dass Vincent ihr Vater sei. Vincent ist ein Dinosaurier und sie ist seine kleine Tochter.
Ein Spiel in der Kita, das Krümel mit Begeisterung durchlebt.

Wir ziehen mit dem Bollerwagen weiter und halten mittags schließlich in einer Ecke des Parks und machen Picknick. Einfach wunderbar. Klara hat Kartoffelsalat zubereitet und kleine Buletten gebraten.

Ich hatte die Kartoffeln einen Tag zuvor gekocht und abgepellt. Klara hat gestaunt, wie viel ich inzwischen in der Hausarbeit erledige. Ich staune ja auch über mich.

Während wir Kartoffelsalat und Buletten vertilgen, beobachten wir Paviane, die vor uns im Gehege spielen.

„Ist das nicht wunderbar?“, frage ich in die Runde und bekomme nur zustimmendes Nicken.
Eine Antwort war nicht möglich – entweder kauen oder reden.

Wir haben später noch viel gesehen, zum Beispiel das Alfred-Brehm-Haus.

Schließlich wurde der Böllerwagen immer schwerer, Krümel immer müder und wir waren froh, als wir Jeepi wieder erreicht hatten.

Krümel hat nachmittags zuhause drei Stunden geschlafen und wir haben auch nur regungslos auf der Couch gelegen.

Ein Tierparkbesuch kann schon anstrengend sein, aber er ist vor allem wunderschön.

Es macht dich glücklich, wenn du siehst, wie Krümel die Tiere aufmerksam beobachtet, sie zu ihnen spricht und uns erklärt: „Opa, Oma, Mama, …ein ‚Tiiiiiger‘“.

GUTE BILDER IM KOPF HELFEN UNGEMEIN

Heute Morgen: dieselbe Prozedur – wie jeden Tag. Ich sitze noch auf dem Bett.

Ich bin schlecht gelaunt, weiß nur vage, wo ich gerade bin.
Dann fällt mir ein, dass ich zum Training will. Der Gedanke zieht mich noch mehr runter.

‚Wir holen ja heute Krümel aus der Kita ab“, schießt es mir plötzlich durch den Kopf.

Ich sehe die Kleine vor mir: Ich warte draußen, Klara geht rein, zieht sie um und die beiden gehen die Treppe runter. Schließlich sieht sie mich durch die großen Glasscheiben im Flur.

Sie reißt sich von ihrer Oma los, ich höre sie rufen, zumindest sehe ich, wie aufgeregt sie mit den Füssen aufstampft. Endlich geht die Eingangstür auf und Krümel kann losstürmen.

Ich habe Angst, dass sie fällt, während sie auf mich zuläuft.
„OOHPAAA!“, klingt es in meinen Ohren; die schönste Musik überhaupt.

Ich fange Krümel auf, hebe sie hoch, drücke ihr einen Kuss auf die Wange.

Ich bin vom Bett aufgestanden, kenne meine Motivation für den heutigen Tag und beginne ihn mit viel Schwung.

Übrigens: Ich habe danach noch zweieinhalb Stunden trainiert, mit viel Power, guter Musik und guter Laune.

STENOGRAMM FITNESS-STUDIO

Montagmorgen. Es ist sechs Uhr und ich sitze an der Bizeps-Maschine – ein untrügliches Zeichen dafür, dass das Wochenende endgültig Geschichte ist und der Alltag sein graues Gesicht zeigt.

Es ist bereits stickig und schwül um diese Zeit und ich habe Mühe, mich in Form für die Übungen zu bringen.

Ich gebe mir einen Ruck und fange einfach an, erst mit 20 kg, dann mit 25 und schließlich mit 30 kg.

Ich gehe nacheinander die Geräte durch, versuche nicht groß darüber nachzudenken, warum ich mir das alles so früh antue.

Nach einer Stunde bin ich richtig in Form und trainiere jetzt mit viel Schwung. Einige Teilnehmer gehen schon wieder zur Tür raus, obwohl sie viel später gekommen sind als ich.

Aber ich habe viel nachzuholen, kämpfe immer noch mit meinem Übergewicht. Also muss ich schon die ‚Extrarunden laufen.
Anderthalb Stunden sind um, die Geräte abgearbeitet und ich begebe mich zum Laufband.

Ansonsten bin ich in den vergangenen Tagen noch vom Studio bis zum Liepnitzsee durchgefahren und habe dort meine 50 Minuten abgerissen.

Heute werde ich nur 30 Minuten auf dem Laufband laufen. Ich finde es besser, dass ich gleich im Studio meinen Lauf absolviere, weil ich so an einem Stück das Training beenden kann.

Ich beginne verhalten, steigere mich aber immer mehr. Ich habe Frodeno vor Augen – wie der trainiert und denke, dass ich nicht aufgeben darf, bevor wenigstens eine halbe Stunde rum ist.

Endlich, es ist geschafft. Schweißperlen haben sich unter meiner Mütze auf der Stirn gebildet und sie laufen an mir herunter. Ich muss erst einmal das Gesicht mit dem Handtuch abtrocknen.

Unten in der Tiefgarage habe ich noch ein Bein draußen, als ich ins Auto steige. Ich muss mich überwinden, das Bein nachzuziehen, so fertig bin ich.

Ich fahre auf die Prenzlauer Promenade. Im Radio ertönt ein Schlager. Ich brumme die Melodie leise mit.

Ich bin zufrieden und mich durchströmt ein gewisses Glücksgefühl und denke: „Ja, deshalb machst du das!“.
Morgen dreht sich das Motivationskarussell wieder von vorn.

SICH ÜBERWINDEN – JEDEN TAG NEU

Sich überwinden heißt Energie aufbringen, die dich ins Handeln bringt.

Aufstehen: „Es ist 3.52 Uhr“, sagt Klara zu mir.
„Na und, was hab‘ ich damit zu tun?“, denke ich sofort, sage aber nichts.

Dann gebe ich mir einen Ruck, richte mich auf und schwenke die Beine nach außen.

„Schmeiß die Beine wieder auf das Bett zurück“, sagt meine innere Stimme.

Aber dem Impuls gebe ich nicht nach, nein, ich lege die Bettrolle auf das Bett, da wo das Kopfkissen liegt, und damit ist das Aufstehen endgültig, nicht mehr zurückzudrehen.“

Und jetzt fangen die Routinen an, Zähneputzen, das Rasieren.
Dann folgt die Katzenwäsche, weil ich ja ohnehin zum Sport fahre.

Danach fühle ich mich schon besser, ich setze Kaffee auf, nehme einen Schluck und denke so bei mir: „Na bitte, geht doch“.

Manchmal ist es besser, am Anfang gar nicht groß nachzudenken. Fange ich erst damit an, dann frage ich mich, ob ich nicht auch eine Stunde später aufstehen könnte. Das müsste ja eigentlich auch reichen.

Und dann fängt die Abwärtsspirale an. Ich vergammele dann oft genug den gesamten Tag, arbeite nicht meine Aufgaben ab, fange irgendetwas an, lege es wieder beiseite, stehe auf, lese die Zeitung, gehe nach draußen und denke: „Ich könnte ja jetzt auch den Rasen mähen.“

Es hilft, wenn du eintrainierte Routinen hast, von denen du nicht abweichst, sie einfach nacheinander abarbeitest und dann fühlst du dich schon besser.

So fange ich ebenfalls beim Training an, ich lege sofort los, und erst danach kommt mir der Gedanke, dass ich mich gerade überwunden habe. Das löst bei mir den nächsten Energieschub aus.

Es ist nie leicht. Aber was ist schon leicht im Leben? Im Grunde gar nichts.
Nur wenige Dinge. Dafür hast du große Glücksgefühle, wenn du dich überwunden hast.

Gehe ich morgens aus dem Fitness-Studio und sehe auf dem Gelände die ersten Mitarbeiter einer gegenüberliegenden Firma rauchen und gelangweilt schauen, dann freue ich mich.

Ich habe das Gefühl, dass ich etwas ganz Wichtiges für meine Gesundheit getan habe.

Sich überwinden kostet Kraft, aber es lohnt sich, jeden Tag.

OPA HAT MICH GEÄRGERT

Laura hat sich zu Besuch angekündigt, natürlich zusammen mit Krümel.
Ich hole beide von Berlin aus am Freitagmittag ab.
Zuhause auf dem Dorf angekommen müssen wir schon wieder los, Klara abholen.

Sie kommt mit dem Vorortzug aus Berlin, von der Arbeit.
Ich bleibe im Auto, während Krümel und Laura auf den Bahnsteig gehen.

„Zug kommt von Oma!“, ruft Krümel aufgeregt. Sie kann es kaum erwarten, bis der Zug hält, ihre Oma aussteigt und Krümel ihr entgegen stürmen kann.

„Opa wartet bei ‚Jeepi‘“, sagt sie gleich zu Klara.
Wir verleben ein wunderschönes Wochenende, grillen zusammen.

Krümel setzt den Garten mit dem Schlauch unter Wasser, verteilt den Sand aus dem Kasten auf der Terrasse und fühlt sich pudelwohl.

Am Samstagmorgen sind wir nach Zerpenschleuse aufgebrochen und haben die wunderschöne Landschaft ‚Am langen Trödel‘ genossen.

Krümel hatte zu tun, ‚ihre Herde‘ zusammenzuhalten. Sie mag es nicht, wenn jemand vorausläuft oder zurückbleibt.

„Oma, Opa kommt nicht“, sagt sie dann, wenn ich zurückbleibe.
Am Sonntagvormittag, nach dem Frühstück schaut sich Krümel Videos auf Klaras Handy an.

Immer und immer wieder. Sie liebt es und ich staune, womit sich Kinder heute schon beschäftigen können und bin zugleich darauf bedacht, dass sie nicht zu lange draufschaut.

Plötzlich will das Handy nicht mehr so, wie Krümel will. Sie kann die Bilder und Videos nicht auswählen.

Ihr kleiner Finger saust auf der Oberfläche des Mobiltelefons hin und her, aber es bewegt sich nichts.
Krümel schmeißt das Handy auf den Tisch und schmollt.

„Oh, oh, das ist aber nicht schön“, erhebe ich meine Stimme.
Krümel springt auf, läuft raus.

Ich bin bestürzt, laufe hinterher. „Was hast du denn, Krümel?“, frage ich besorgt und etwas traurig, dass sie einfach vom Tisch aufgesprungen ist.

„Lass mich in Ruhe“, schreit sie und streckt ein Bein in meine Richtung aus. Krümel ist trotzig und bockig. Ich lass sie in Ruhe und gehe ins Wohnzimmer.

„Was ist denn los?“, fragt Laura, die aus der Küche herbeigeeilt ist.
„Opa hat mich geärgert!“, schreit sie los. Ich bin schockiert und ein wenig verärgert.

„Das ist doch nicht wahr“, sage ich und merke gar nicht, wie ich in dem Moment selbst wieder zu einem kleinen Jungen werde, der Recht bekommen will.

Ich bin jetzt richtig sauer und traurig und gehe die Treppe zu meinem Arbeitszimmer hinauf.

Laura bleibt ruhig und fragt Krümel: „Was hat Opa denn gemacht?“
„Er hat so gemacht“, sagt Krümel und stampft mit dem Fuß auf.
„Das gibt es doch nicht, Krümel hat mit dem Fuß gestampft“, sage ich von der oberen Etage hinunter, da wo Krümel und Laura stehen.

„Papa!“, kannst du dich jetzt mal raushalten“, sagt Laura energisch.
Ich trolle mich wieder in mein Büro.

„Hat Opa wirklich mit dem Fuß aufgestampft, oder hast du dir das ausgedacht?“, fragt Laura ganz in Ruhe.
Krümel verweigert die Aussage.

„Wollen wir uns bei Opa entschuldigen?“, fragt Laura nun.
Krümel nickt heftig. Sie kommt zu mir ins Arbeitszimmer.

„Tschuldigung, Opa“, sagt sie nun zu mir. Laura muss sich hinter ihr das Lachen verkneifen.

„Ist schon in Ordnung“, sage ich und drücke Krümel einen Kuss auf die Wange.

„Willst du mit mir ein bisschen auf dem Schreibtisch sitzen?“, frage ich sie.

Sie nickt, ich hebe sie hoch und binnen weniger Augenblicke sieht der Tisch aus, als hätte ein Sturm drüber hinweggefegt.

Dann entdeckt Krümel mein iPad. Sie streicht mit dem kleinen Finger die Oberfläche entlang und ist fasziniert. Ich lass sie gewähren.

Ein paar Tage später ärgere ich mich immer noch, dass ich nicht souverän reagiert habe, sondern wie eine beleidigte Leberwurst.

Dafür bin ich stolz auf Laura. Sie hat mir gezeigt, dass sie eine gute Mutter und prima Erzieherin ist. Da verliere ich gern mal. Ich habe ja daraus gelernt.

Am Mittwoch holen wir Krümel von der Kita ab und am Samstag wollen wir ins neu eröffnete Alfred-Brehm-Haus im Tierpark gehen. Ich freu‘ mich drauf.

ZIEH‘ DICH AM EIGENEN SCHOPF ANS LICHT


ALLTÄGLICHES (55)

„Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied“, besser kann man wohl den Kern der Botschaft nicht auf den Punkt bringen, nämlich Herr über sein eigenes Leben zu bleiben oder zu werden.“
Und genau da liegt zugleich der ‚Hund begraben‘.

Wer hat nicht schon sein eigenes Schicksal beklagt, sich darüber ausgelassen, wie ungerecht das Leben es mit ihm meint.
Ich bin da keineswegs eine Ausnahme.

Natürlich, Schicksalsschläge wird es immer geben, die über einen hereinbrechen, ohne dass du dich darauf auch nur irgendwie vorbereiten konntest.

Aber es gibt noch eine andere Seite unseres Lebens, die du im Blick haben solltest:

Wie oft hast du dich nicht schon gefragt, warum es dir im Moment so schlecht geht, du nicht über das nötige Geld verfügst, du dir nicht das kaufen kannst, was dir vorschwebt, damit du glücklich bist?

Es ist dein gutes Recht, das zu beklagen. Doch wird es dir deshalb besser gehen?
Wohl kaum.

DEIN EIGENES ICH ZU ERKENNEN IST TAUSENDMAL WICHTIGER ALS SO MANCHER COACHING-TIPP VON AUSSEN

Ich denke, dass du deine wirkliche Bestimmung nur dann entdeckst, wenn du beginnst, selbst an dir zu arbeiten.
Dazu gehört, sich über das eigene Potenzial im Klaren zu werden.

Nur wenn du deine eigenen Kräfte wirklich einschätzen und sie danach steuern kannst, wirst du überhaupt erst etwas zum Positiven für dich verändern können.

Und oft ist es dabei besser, sich den Stärken zuzuwenden, sie zu noch weiter zu profilieren, als unentwegt vergeblich zu versuchen, sämtliche Schwächen auszumerzen.

Mein Physiklehrer sagte mal zu mir: „Aus dir wird nie ein grandioser Schwan werden, du bleibst eine Ente.“
Er hatte recht damit. Was er aber nicht sah, nicht sehen wollte, über welche Stärken ich in anderen Fächern verfügte, was mir Spaß bereitete und woran ich arbeiten wollte.

Nur du kennst deine Stärken, deine Schwächen wirklich bis in die kleinste Ecke, und deshalb kannst du am besten daran arbeiten, und dir dann auch Hilfe von außen holen.

Du brauchst an irgendeiner Stelle, möglichst da, wo auch deine Stärken sind, eine riesige Portion an Leidenschaft, um deine Ziele zu erreichen, welche das auch immer sein mögen.

Ich lese gerade darüber ein Buch, wie der Ironman Jan Frodeno für sein Training brennt, welche Leidenschaft er stets aufs Neue entwickelt, um seine Ziele Tag für Tag auf dem Rad, beim Joggen oder im Schwimmbecken zu erreichen.

Diese Leidenschaft fasziniert mich. Und wenn ich morgens im Fitness-Studio so gar keine Lust habe, auch nur eine Übung zu machen, dann denke ich an ihn, an seine Disziplin, seine Ausdauer – und ich beginne mich so zu motivieren, fange mit den Trainingseinheiten an, bekomme gute Laune.

Frodeno und mich trennen Welten, das ist wohl so und so wird es bleiben.

Was mich mit ihm eint ist die Überzeugung, dass nur du selbst deine Grenzen ausloten und erweitern kannst.

Ich werde in knapp drei Wochen 68 Jahre alt. Und ich höre dich schon sagen: „Was hast du ‚alter Sack‘ noch mit Leidenschaft, Training, Zielen und Selbstcoaching zu tun?“
Alles! Es ist mein Leben, mich zu verändern, meine Stärken weiter zu stärken, mit Schwächen zu leben.

Das geht nur, wenn ich das auch wirklich will. Und ich will es.

Motivation sollte am besten von innen herkommen. Nur sie macht es, dass du dich dahin bewegst, wo du tatsächlich hinwillst. Also coache dich selbst, motiviere dich selbst.

WAS MICH IM FITNESS-STUDIO MOTIVIERT


STENOGRAMM FITNESS-STUDIO
50 KILO ABNEHMEN (34)
Dienstag, 14. Juli 2020
Ich lese gerade das Buch von Jan Frodeno, obwohl er viel jünger ist als ich, motiviert es mich – vor allem sein Wille, Schmerzen zu ertragen, durchzuhalten.

Ich habe es als E-Book auf dem iPhone und zwischen den einzelnen Trainingseinheiten schaue ich mal rein.

06.09 Uhr: an Bizepsmaschine.
Ich nenne sie inzwischen den Muskelquäler.
Es ist immer das gleiche: sich überwinden, sich quälen, weitermachen.

Was motiviert mich?
Das Gefühl danach zu erleben, durchgehalten zu haben;
die Leute um mich herum, die sich ebenfalls an den Geräten quälen, die Musik, die mich antreibt; der Gedanke an das Glücksgefühl danach;

07.10 Uhr
letzte Station Brustpresse, der echte Höhepunkt, weil du weißt, dass danach Schluss ist.

07.20 Uhr
Ich sitze zum Abschluss noch im bequemen ledernen Sessel und freue mich, dass ich wieder einen Tag geschafft habe.

08.15 Uhr:
Ich bin am Liepnitzsee und absolviere noch 50 Minuten Nordic Walking, darunter einen Berg hochgelaufen;
Ich glaube, das Lesen im Buch von Jan Frodeno hat mich dazu getrieben.
09.20 Uhr
Ich fahre nach Hause, ins Homeoffice, der Schreibtisch wartet.

17.25 Uhr:
Ich schreibe noch diese Zeilen, aber ich bin eigentlich hundemüde und kann kaum noch denken, denn ich habe den Tag durchgearbeitet, telefoniert, geschrieben, gelesen.

Ich mach‘ Schluss.
Morgen früh dreht sich das Rad aufs Neue.

STENOGRAMM FITNESS-STUDIO

50 KILO ABNEHMEN (33)
Vergangene Woche, Freitag. Es war voll auf den Straßen in Berlin. Ich kam zehn Minuten später an und habe dadurch eine Viertelstunde später als sonst üblich begonnen.

Das ist nicht unwichtig, weil es ein Viertel nach sechs Uhr schon voller ist, als genau Punkt sechs Uhr. Und die begehrte Bizepsmaschine ist dann manchmal schon besetzt.

Aber ich hatte Glück, denn sie war noch frei. Ich habe mit 20 kg angefangen, dann auf 25 kg gesteigert, und schließlich war ich bei 30 kg, die ich mit den Oberarmen hochgezogen habe. Ich musste die Zähne zusammenbeißen – vor Anstrengung und vor Schmerzen in den noch schwach ausgeprägten Muskeln.

Ich bin wohl doch noch ganz am Anfang. Manche stemmen 50 kg und mehr. Aber die Grimassen ziehe ich bei 30 kg genauso, als würde ich mit 50 kg ackern.

Danach war die Trizepsmaschine dran – gleich mit 45 kg begonnen. Das ging nur, weil ich die Gewichte nicht mit den Armen nach oben ziehen musste, sondern sie nach unten drücken konnte.

Aus den Boxen dröhnten Rap-Rhythmen; also die Art von Musik, bei der ich normalerweise gleich den Schalter auf einen anderen Sender drückte. Jetzt war die Schulterpresse dran.

Was habe ich notiert? „Da kannst du erst mal schön auf dem Sitz nach hinten rutschen und es dir bequem machen. Ich fange mal lieber an; zwei Trainingseinheiten absolviert; ich schaue nach oben, auf ein Bild, eher schon ein Gemälde, mit Engeln drauf; die haben’s gut, können sitzen und liegen, ohne etwas zu tun.“

Was stand danach in den Notizen? (Ich schreibe ja stets nebenher mit meinen zwei dicken Daumen auf dem iPhone.)

„Seithebemaschine; ich habe bisher immer Seitenhebemaschine gelesen; egal, ich muss mit den Armen beidseitig die Bügel nach oben bewegen; dabei den Rücken schön durchdrücken; vorher und nachher desinfiziere ich am Gerät alles, was ich anfasse; ich suche die Flasche mit dem Desinfektionsmittel; ein Sportsfreund hat sie mitgenommen und verwendet sie nur für sich; ziemlich egoistisch; dabei stehen zwei Flaschen zentral, weiter vorn auch, an der Seite ebenfalls, also kein Grund, jetzt noch egozentrischer zu handeln.“

Und weiter: „Butterfly Reverse- weiss der Teufel, was die Maschine bedeutet, hätte ich schon längst rauskriegen können, aber ich hasse sie jeden Tag wieder aufs Neue; die Arme werden zur Seite bewegt; ich schaffe es nur mit 20 kg; wirklich nur so wenig? Gut, bei gutem Willen mit 25 kg.

Ich habe an dem Tag sehr viel geschrieben: „Brustmaschine: Die liebe ich; ich kann nämlich mit beiden Armen die Hebel nach unten drücken; die Gewichte mit 45 kg gegen mein Körpergewicht; ratet mal, wer gewinnt?

Du sitzt wie auf einem Motorrad, beide Hände am Lenker, Harley Davidson zum Beispiel; nächste Station: Butterfly, hasse ich auch, aber ich absolviere die Einheiten.“

Was steht noch in den Notizen? „Latzugmaschine: erst enger mit den Händen oben an die Stange fassen, mit den Armen ziehen, dann wieder breiter fassen; jetzt Bauchmaschine: Du quälst dich, Bauch bleibt; Rückenstreckmaschine gut für den Rücken, weil ich zu lange am Schreibtisch sitze; jetzt noch mal an einer Bank für Rückenstrecker, diesmal aber die Beine hinter die Polsterung klemmen und Oberkörper soweit wie möglich nach vorn beugen.

Letzte Station für heute: Brustpresse; das Gerät steht vorn am Eingang; die Leute, die reinkommen, müssen hier vorbei; bei mir kommt Schadenfreude auf: Ihr müsst das alles noch durchlaufen.“

Das Resümee habe ich mir im gelben weichen Sessel gegönnt: „Ich fühle mich fantastisch; die Musik würde mich im Alltag nerven, aber hier pusht sie mich; ein gutes Gefühl, im Team zu trainieren und trotzdem machen können, was du willst.“

Montag beginnt der ganze Schlamassel von vorn.

STENOGRAMM FITNESS-STUDIO – MITTWOCH, 08.07.2020


50 KILO ABNEHMEN (32)

Protokoll, geschrieben auf dem Handy, während des Trainings und danach.
Ich wollte erst am nächsten Montag wieder ein Stenogramm schreiben, aber heute lief es so gut, dass ich mich gleich hingesetzt habe und das Protokoll aus dem iPhone bearbeitet habe. Das Schreiben in den Pausen gibt mir zusätzlich Power, weil ich dadurch sehe, wie viel Stationen ich schon absolviert habe. 
Ich bin von mir begeistert – naja, nur heute.

06.07 Uhr: 
Beginn an der Bizepsmaschine; 20 kg;
zweite Trainingseinheit mit 25 kg;
dritte Trainingseinheit mit 30 kg;
anschließend Butterfly mit 20 kg;
vorher Seitenhebemaschine mit 35 Kg;
heute ist es viel voller; Gespräche, Lachen; positiver Spirit;
Brustmaschine mit 40 kg begonnen;
zwei Hebel, die du seitlich nach unten drückst;

07.09 Uhr:
Zum zweiten Mal an der Bizepsmaschine, jetzt mit 30 kg;

und danach weiter an die anderen Geräte;

07.49 Uhr:
Ich sitze in der Ecke des Fitness-Studios und habe fast anderthalb Stunden an den Geräten trainiert.

Und nun? Die Füße schön weit weg von mir gestreckt, in einem gelben weichen Ledersessel.

Wenn ich daran zurückdenke, wie ich heute Morgen hier reingekommen bin und wie gut es mir jetzt geht, dann ist das doch erstaunlich, wie sich die ganze mentale Verfassung zum Positiven dreht, wie du das Gefühl bekommst, schon etwas Großartiges an diesem Tag getan zu haben.

Jetzt warte ich noch, dass ich meine neue Karte bekomme und dann werde ich mit einem richtig guten Gefühl nach Hause fahren.
Dort wartet der Schreibtisch.

Gestern habe ich gedacht, dass ich nicht zum Training fahren kann, weil ich so viel zu tun habe, Interview zum Beispiel vorbereiten.
Aber dann habe ich doch nur rumgegammelt, länger Zeitung gelesen, auf Twitter rumgesurft, Zeit vertrödelt.

Du bekommst einfach wieder schlechte Laune, weil du doch nichts geschafft hast.

Also: Lieber die schlechte Laune morgens überwinden, keine Ausreden zulassen, ins Auto steigen, losfahren, im Studio ankommen, einfach anfangen.

STENOGRAMM FITNESS-STUDIO – MONTAG, 06.07.2020

50 KILO ABNEHMEN (31)
Ich komme nicht aus meinem Motivationsloch heraus. Vergangenen Freitag habe ich im Studio notiert: „Ich sitze an der Bizepsmaschine und muss mich stark überwinden, endlich anzufangen. Mir fehlt die Power und der Wille.“

Irgendwie habe ich mich doch noch aus meinem Loch herausgezogen und mit dem Training begonnen. Später habe ich mich dann in einen Sessel gesetzt und ein bisschen geschrieben.

Du hast sofort ein schlechtes Gewissen, weil sich um dich herum alle quälen und du selbst sitzt im bequemen Sessel, hast die Beine lang von dir gestreckt und tippst auf deinem iPhone herum.

Gestern, am Montag, dachte ich, dass ich gar nicht in Gang käme.
Erst einmal habe ich aus lauter Lebensfreude am Samstagabend eine Flasche Weißwein mit meiner Frau getrunken, mit Erdbeeren drin.

Ach, es war ein Genuss. Gestern hatte Klara ein wunderbares Essen zubereitet und zum Kaffee gab es Eis mit Erdbeeren. Kein Sport, nicht gelaufen, nur auf der Couch gewälzt.

Und Montagfrüh an der ersten Station, der Bizepsmaschine.? Ein Horror.
Ich habe lange umhergeschaut, und dann habe ich mich überwunden.
Es ging schwer, sehr schwer. Doch allmählich kam ich in Gang. Aber irgendwie habe ich mich doch nur eine Stunde durchgeschleppt.

Das muss Morgen wieder anders werden. Ich bin bereit.
Aber warum wird es eigentlich nie leichter? Gott sei Dank geht es allen um mich herum so.

Also, ich höre auf zu jammern. Am nächsten Montag will ich wieder etwas Positives vermelden. Das wird schon. Bestimmt.

DER INNERE SCHWEINEHUND UND MEINE INNEREN STIMMEN

ALLTÄGLICHES (54)

Fitness-Studio, 06.29 Uhr
Ich habe schon einige Trainingseinheiten hinter mich gebracht und kann mir eine kleine Pause leisten. Ich stehe am Fenster und schaue nach draußen, beobachte, wie die Leute der Straßenbahnhaltestelle zustreben.

Ein älterer Mann, mit dickem Bauch, einem sehr dicken Bauch, schwenkt seine Tasche lustlos hin- und her. Sein Gang ist schwer, und er wankt von einer Seite auf die andere.

Sein Gesicht zeigt an, wie er den Morgen verflucht, weil er sich in die enge Hose zwängen musste, sein Bauch durch den Gürtel eingeklemmt wird und das Fett im Rhythmus seiner Schritte über dem Gürtel schwabbelt.

‚Ja, mein Freund, wärst du mal vor der Arbeit hier hochgekommen und hättest dich auf die Bauchbank gelegt, auf den Rücken, versteht sich. Und dann hättest du deine Beine hoch und runter bewegt. Aber nein, das war ja zu anstrengend für dich.

Also beschwer‘ dich jetzt nicht, dass du beim Gehen nicht vorwärtskommst.‘
Endlich hatte ich jemanden gefunden, der noch mehr an Bauchfett herumzutragen hatte, als ich selbst.

Ich musste eine Stunde zurückdenken, als ich mit dem Auto an der Kreuzung stand.

Sollte ich nach rechts abbiegen, in Richtung Heimat, oder sollte ich nach links fahren, direkt in die Tiefgarage des Fitness-Studios?

‚Komm‘, wir machen blau‘, sagte eine innere Stimme zu mir. Es war Draufgänger, der wohl auch keine Lust hatte.

‚Ja, gönn‘ dir doch eine Pause, fahr‘ zurück und trink statt des harten Trainings eine schöne Tasse Kaffee‘, rief nun die zweite innere Stimme.

Es war der Sensible, der stets Mitfühlende.
„Merkt doch keiner“, meinte er noch.

‚Auweia, wenn das rauskommt‘, meinte nun die dritte Stimme, der Theoretiker.

‚Unser Plan sieht das kein Aussetzen vom Training vor. Wir trainieren von 05.50 bis 07.30 Uhr, dann fahren wir zurück und gegen 08.15 Uhr ist der Waldlauf runter zum Liepnitzsee geplant.‘

‚Oh Mann, du nervst. Kannst du nicht einmal von deinem Plan abweichen, nur einmal?‘

‚Nein, das kann ich nicht, und du solltest als Draufgänger uns alle mitreißen, motivieren‘, sagte nun Theoretiker. Seine Stimme klang pikiert.

‚Ach streitet euch doch nicht, wir wissen ja gar nicht, wie sich unser Dicker entscheidet.‘

Hatte der Sensible mich Dicker genannt? Frechheit.
Ich steuerte das Auto nun direkt auf das Tor der Tiefgarage zu.
‚Na bitte, geht doch‘, meinte der Theoretiker.

‚Du gehst mir sowas von auf die Eier, du glaubst es gar nicht‘, schnaufte Draufgänger wütend und enttäuscht, dass sein Herr auf Theoretiker gehört hatte.

‚Sei‘ doch mal ein bisschen netter zu deinen Freunden‘, meinte jetzt der Mitfühlende. Er war schon wieder eingeknickt und hatte sich auf die neue Situation eingestellt.

„Schnau…, äh ich mich meine, schon gut‘, brummte nun Draufgänger.
Oben angekommen, wollte Draufgänger gleich an die Bizepsmaschine.

‚Zieh‘ heute mal durch, mach viermal hintereinander fünfzehn Trainingseinheiten, und beim letzten Schub, legst du noch 5 kg drauf.
‚Das ist nicht der Plan‘, meinte nun Theoretiker. Wir wollen ja anderthalb Stunden durchhalten.

‚Du Schlappschw….‘, wollte gerade Draufgänger brüllen, als ich die Halter an der Bizepsmaschine zum vierten Mal nach oben hievte.

Die Straßenbahn näherte sich der Haltestelle, die Bremsen quietschten, der Mann mit dem überquellenden Bauch quälte sich die Stufen ins Innere des Straßenbahnwaggons hoch.
Als sich die Bahn wieder in Bewegung setzte, riss sie mich aus meinen Gedanken.

Ich drehte mich vom Fenster weg, schaute im Studio umher, welches Gerät ich als nächstes nehmen sollte.

Die inneren Stimmen sagten nichts mehr, sie hatten mit dem Luftholen zu tun.

SCHREIBEN BLEIBT IM SELBSTCOACHING EIN WICHTIGES INSTRUMENT

SCHREIB-ALLTAG (7)
Schreiben soll eine heilende Wirkung besitzen.
Ich habe davon noch nichts gespürt. Aber vielleicht liegt es auch daran, dass ich diese Tätigkeit eher als ein berufliches Handwerk ansehe.

Wovon ich allerdings überzeugt bin: Mit dem Schreiben kommst du zu klaren Schlüssen, was dein Leben anbetrifft, sei es in der Rückbetrachtung oder auch mit Blick auf die kommenden Jahre.

Ich glaube fest daran, dass es nicht gelingen kann, wesentliche Veränderungen in seinem Leben herbeizuführen, ohne dass man es schriftlich fixiert, sozusagen die Gedanken strukturiert.

Ich überlege, wie ich den Schreibprozess noch besser dafür einsetzen kann, gesünder zu leben. Ich habe zum Beispiel vor Wochen damit begonnen, meine tägliche Ernährung zu protokollieren, um Schlussfolgerungen daraus abzuleiten – warum es gelungen ist, das Gewicht zu reduzieren und woran es gelegen hat, wenn es wieder mehr Kilos auf der Waage geworden sind.

In jedem Fall: Es lohnt allemal zum Stift zu greifen.
Was bleibt ist die Tatsache, dass du dich dazu überwinden musst.

Aber es gibt nun mal wenige positive Veränderungen in deinem Leben, die ohne Energieeinsatz, ohne Engagement gelingen.

Ich werde wieder mehr darauf achten, täglich wichtige Gedanken zu protokollieren, um danach effektiver meine eigenen Zielsetzungen umzusetzen.

Es bleibt also spannend, wenn es darum geht, durch Schreiben das eigene Coaching voranzutreiben.

 

STENOGRAMM FITNESS-STUDIO

50 KILO ABNEHMEN (30)

STENOGRAMM VON MONTAG, 29.06.2020

Ich habe von 05.55 Uhr bis 07.45 Uhr trainiert.

Der Grund, warum ich solange im Studio war: Manche Übungen habe ich nicht dreimal hintereinander absolviert, sondern sechsmal – pro Einheit immer 15 Übungen.

Dabei musste ich aufpassen, dass ich nicht doppelt zähle; also am Gewicht ziehen ist einmal und wenn es zurückgeht, dann habe ich schon zweimal die Übung absolviert, dachte ich mitunter.

Mein Unterbewusstsein betrügt mich hier manchmal, besonders dann, wenn die Muskeln schmerzen.

Aber ich bin für den Wochenbeginn sehr zufrieden und hochmotiviert.

Davon konnte heute vor vier Stunden, also kurz nach dem Aufstehen, noch keine Rede sein.

Ich fahre jetzt zurück und laufe noch 30 Minuten am Liepnitzsee.
Danach geht’s an den Schreibtisch, hoffentlich schlafe ich nicht ein.

MEIN DENK-ZETTEL (1)


ALLTÄGLICHES (53)

Kennst du das auch? Du arbeitest am Tag, hast Stress, telefonierst, nimmst Termine wahr und trotzdem hast du abends das Gefühl, du hättest nichts geschafft?
Wahrscheinlich ist es jedem schon mal so gegangen.
Du bist dann unzufrieden mit dir und deiner Welt, die du nur noch als belastend empfindest.

Obwohl ich vielen anderen Menschen mit meinen Coachings und Gesprächen geholfen habe, Auswege aus dem Alltagsgestrüpp zu finden, und sich auf das zu konzentrieren, was wirklich wichtig ist, verrenne ich mich selbst oft genug.

Ich habe mir inzwischen angewöhnt, einen kleinen Zettel zu nehmen, darauf zu notieren, was ich noch tun will, ihn aber dann wieder beiseite zu legen.

Ich möchte damit verhindern, dass ich mich andauernd ‚verzettele‘.
Wenn ich daran zurückdenke, als ich noch Bereichsleiter in einer Unternehmensberatung war oder als Coach viel umhergereist bin, dann hatte ich aus Vorbildgründen immer einen kleinen Zettel in der Tasche.

Darauf stand, was ich an dem konkreten Tag auf gar keinen Fall aus dem Auge verlieren wollte – zum Beispiel einen wichtigen Kunden kontaktieren, ein Gespräch mit einem Mitarbeiter führen, oder zum Valentinstag nicht den Blumenstrauß zu vergessen.

Das waren meine Erinnerungen, meine ‚Denk-Zettel‘.
Oft habe ich auch darauf vermerkt, was ich mir als Ziel für den Tag vorgenommen hatte.

Die Sätze waren stets die gleichen, nämlich: „Am 29.06. des Jahres habe ich 19.00 Uhr folgendes erreicht: Ich habe mit dem Mitarbeiter Alex das Gespräch geführt, eine persönliche Zielvereinbarung mit ihm für das nächste Jahr erarbeitet und über eine Gehaltserhöhung mit ihm gesprochen.“

Ich musste tagsüber nicht mehr auf den Zettel schauen. Nein, wenn ich es einmal mit der Hand notiert hatte, dann war es gespeichert bei mir.

Die Ziele waren wiederum abgeleitet aus ganz konkreten Glaubenssätzen, aus Werten, die mir wichtig waren, und die ich eben nicht am Alltag aus dem Auge verlieren wollte.

Ich habe das auch mit Klienten getan. So erinnere ich mich, dass ich eine Ärztin in einem Krankenhaus gecoacht habe, die einen ihrer Kollegen nicht ausstehen konnte.

„Ich kriege schon schlechte Laune, wenn der nur zur Tür hereinkommt“, sagte sie zu mir.

Ich habe ihr als Aufgabe gestellt, sich jeden Morgen erneut auf einem kleinen Zettel zu notieren, was sie Gutes an dem Kollegen fand, den sie nicht mochte.

Stück für Stück wurde aus einem Feindbild eine Charakterskizze über ihren Kollegen, an den sie später sogar wegen seiner profunden Fachkenntnisse nicht mehr beneidete, sondern ihn dafür bewunderte.

Kleinigkeiten? Vielleicht. Aber wirksam in der Methode.

Ich kann nur empfehlen, es auszuprobieren: 
Nimm' einen Zettel, schreib' in dein iPhone, gib' es in dein iPad ein, aber schreibe, und zwar darüber, was dir wichtig ist, woran du glaubst, was du erreichen willst, und was du auf gar keinen Fall im Alltagsstreß aus den Augen verlieren möchtest.


DAS GROSSE HERZ EINER SCHAMANIN MIT RUSSISCHEN WURZELN

MENSCHEN IM ALLTAG (6)

Margarita Stasiuleviciene ist jemand, die zuhören kann, die dich anblickt und du spürst, dass sie dich ernst nimmt, ja sie in dem Moment deines Gespräches mit ihr – ganz dir gehört.
Ich habe unlängst mit ihr ein Interview geführt, viel über ihr Leben erfahren.

Wir fanden es beide spannend – ich, der die Fragen stellte und sie, die erst gründlich nachdachte, bevor sie antwortete.
Wir spürten ein Interesse füreinander, für das Leben, das Schicksal des jeweils anderen.

Einige Tage später habe ich ihr noch ein paar Hinweise gegeben, wie sie manches an ihren Texten auf ihrer Web-Site optimieren könnte.
Sie hat nicht nur das getan, nein, sie hat mir auch noch spontan etwas Großartiges geschenkt – einen Füllfederhalter, einen Tintenschreiber und ein kleines Buch dazu.

Einfach nur so, aus Dankbarkeit. Ich war gerührt und ich bin schlecht darin, so etwas gleich zu zeigen. Die Freude kam einige Zeit später.
Wie konnte sie wissen, dass ich es liebte, mit dem Füller zu schreiben, obwohl ich blindlings auf der Tastatur mit zehn Fingern agiere?

Hatte sie es auf meinem Cover von Schreiballtag erkannt?
Vielleicht hatte ich ihr auch gesagt, dass das Schreiben mit dem Bleistift oder noch besser einem schönen Füller dich dazu bringt, dass du tiefer in einen Gedanken einsteigst, oder wie man heute formuliert, dass du dadurch entschleunigst.

Ich rede seit vielen Jahren mit Menschen, die mich interessieren, deren Leben mich fasziniert und die aus den Erfahrungen des Alltags heraus etwas zu sagen haben.

Liebe Margarita, ich verstehe nicht viel davon, was eine Heilpraktikerin tut, welche Methoden sie anwendet, aber ich weiß eines ganz sicher: Wenn solche Menschen wie du, mit Herz, klugem Verstand und Feingefühl in diesem Metier agieren, dann ist es ein Glück für diejenigen, die mit dir zu tun haben.

Danke für die Geschenke, danke, dass ich dir – der Seelentrainerin mit russischen schamanischen Wurzeln begegnen durfte.
Uwe

DIE WUT DES ANDEREN SOLLTE NICHT ZU DEINER EIGENEN WUT WERDEN


ALLTÄGLICHES (52)

Mir ging lange das Erlebnis im Fitness-Studio aus der vergangenen Woche nicht aus dem Kopf, und der Gedanke, ob ich mich richtig verhalten hatte.

Was war passiert?
Es war so kurz nach 06.00 Uhr morgens, das Studio war noch leer und ich steuerte zielstrebig auf die Bizepsmaschine zu. Eine halbe Stunde weiter und sie wäre ständig besetzt gewesen. Also begann ich mit den Übungen, solange es noch möglich war.

Ein ungeschriebenes Gesetz ist, dass man auf den Sitz des Trainingsgerätes, in diesem Fall auf den der Bizepsmaschine, ein Handtuch legte.

War man mit den Übungen fertig, so stand man auf, nahm das Handtuch weg, desinfizierte den Sitz und machte den Platz frei für den nächsten Trainingswilligen.

Einige wenige der Teilnehmer meinten, mehrere Plätze belegen zu können. So auch an diesem Morgen. Jemand hatte sein Handtuch auf die Bizepsmaschine gelegt und trainierte parallel an einem zweiten Gerät.

So sicherte er sich die Möglichkeit, immer wieder zur Bizepsmaschine zurückkehren zu können, ohne dass sie ein anderer belegt hatte. Ziemlich egoistisch, wie ich fand.

Ich überlegte kurz, nahm das Handtuch hoch und legte es an die Seite auf eine daneben befindliche Bank.

Es dauerte nur wenige Sekunden und ich hörte einen wütenden Ruf: „Öh, das ist mein Handtuch“. Hinter mir schnaubte ein junger Fitness-Teilnehmer und schaute mich dabei aggressiv und angsteinflößend an.

Was sollte ich tun? Ihm genauso begegnen und einen riesigen Streit vom Zaun brechen?

Ich wollte mir aber den Morgen nicht verderben lassen, schon gar nicht von jemandem, der seine Emotionen nicht im Griff hatte.
„Oh, bitte entschuldigen Sie, aber ich war fest davon ausgegangen, dass hier jemand sein Handtuch vergessen hatte.

Denn ich konnte mir nicht vorstellen, dass bei dem Andrang an der Bizepsmaschine es jemand ausnutzt und einfach sein Handtuch liegenlässt, um hintereinander zu trainieren.“

Der junge Mann schaute mich verdutzt an.
Dann schrie er: „Das ist mein Handtuch!“.

„Ich verstehe Sie, dass Sie jetzt sauer sind, und dafür entschuldige ich mich jetzt noch einmal, dass ich unaufmerksam war. Aber glauben Sie nicht auch, dass es besser ist, sein Handtuch am Mann zu tragen, so wie es jeder tut?“, fragte ich ihn weiter.

Mein Ton war ruhig, obwohl ich innerlich kochte. Mein Sternzeichen Löwe brüllte nach innen, so als hätte mir jemand eine Reißzwecke in den Allerwertesten gerammt.

Der junge Mann sah mich jetzt genauer an. Dann murmelte er noch etwas und zog von dannen.

Klar, meine gute Laune war jetzt auch verflogen. Aber ich hatte es geschafft, mir nicht den giftigen Ton meines Gegenübers zu eigen zu machen. Faktisch ist seine negative Energie an mir abgeprallt.

Darauf bin ich ein wenig stolz, denn das bekam ich früher nicht so gut hin, vor allem, wenn ich mich im Recht glaubte. Aber es ist ja nie zu spät, schlechte Erfahrungen durch gute zu ersetzen.

Ich fuhr gerade an einem Feld mit roten Mohnblumen vorbei, als mir das alles noch einmal durch den Kopf ging.

Nun konnte ich das alles endgültig abstreifen und ich freute mich, dass ich wieder nicht auf die Wut eines anderen Menschen eingegangen war.

Ich glaube, wer besonnen reagiert, der erntet mehr Verständnis, sendet eher noch Mitgefühl aus, lässt den anderen mit seiner Wut auf jeden Fall hinter sich.
Ich war mit mir im Reinem.

WIE DEN INNEREN SCHREIBWIDERSTAND ÜBERWINDEN?

ALLTÄGLICHES (51)
Schreiben hilft dir, dich selbst besser zu erkennen. Wie aber damit beginnen?
Meine Erfahrungen sind:
Schreib‘ einfach los, hör‘ nicht auf deine Ängste oder auf mögliche Vorbehalte, die du dir einredest.
Schreibe über deine eigene Situation, sei dabei ehrlich, bleib‘ bei dir, bleib‘ einfach.

Bring‘ schwarze Buchstaben auf weißes Papier. Das klingt einfach.
Ist es auch, wenn nur dieser verdammte innere Widerstand nicht wäre.

„Wie schreib‘ ich das jetzt auf? Gerade ist es mir doch noch durch den Kopf gegangen. Ich wusste genau, wie ich es schreiben wollte, und jetzt weiß ich gar nichts mehr“

Kommt dir das bekannt vor? Ja? Mir auch.
Ich glaube, es gibt wohl kaum einen Menschen auf dieser Erde, dem es noch nicht so ergangen ist, der nicht mit dem inneren Widerstand, häufig auch noch mit dem inneren Schweinehund zu kämpfen hatte, wenn er was Vernünftiges zu Papier bringen wollte.

Wie kann man das Dilemma verhindern? Ich nehme mir oft am Anfang einen Bleistift und ein Blatt Papier. Besser, ich klebe eine ausgedruckte Seite auf eine andere und beschreibe die Rückseite.
Psychologisch überliste ich mich ein wenig, indem ich denke: „Da auf der anderen Seite steht ja schon allerhand.“

Es gibt Autoren, die haben auf Briefumschlägen geschrieben, nur damit sie das große weiße Blatt vermeiden konnten.

Und dann schreibe ich einfach los, skrupellos und ohne daran zu denken, wer so alles mein Geschriebenes ganz blöd findet.

Dieser Weg hat auch noch einen positiven Nebeneffekt. Wenn ich nämlich einen Einfall habe, mein Thema kenne, dann entwickle ich während des Schreibens meinen ersten gedanklich gesponnenen ‚zarten logischen Faden‘ auf dem Papier weiter.

Erst jetzt merke ich, wie ich weiterkomme, was vielleicht fehlt und woran ich noch feilen muss.

Auf jeden Fall versuche ich möglichst einfach zu schreiben, anschaulich zu bleiben. Früher glaubte ich, in der Wissenschaft sei es angebracht, möglichst viel mit abstrakten Begriffen zu hantieren.
Ein Selbstbetrug.

Warum? Weil du selbst noch nicht durch dein eigenes Erdachtes, deine eigenen Gedanken hindurchgestiegen bist.

Ich habe für diese simple Erkenntnis sehr lange gebraucht, Jahre und Jahrzehnte.

Willst du in dir selber etwas verändern mit dem, was du aufschreibst, dann mußt zu dir selber ehrlich bleiben, dich nicht hinter klobigen Begriffen verstecken, die zudem das  Geschriebene irgendwann so überlagern, dass du am Schreiben und am sich anschließenden Durchlesen die Lust verlierst.

Fang‘ einfach damit an aufzuschreiben, wovon du träumst, wo du in fünf Jahren sein willst.

ÜBER EINFACHE ALLTAGSTHEMEN SCHREIBEN IST NICHT EINFACH, ABER SPANNEND (FORTSETZUNG)

SCHREIB-ALLTAG (6)
BISHER:
Ich glaube, dass es für mich nur so möglich ist, authentisch zu bleiben, indem ich über meine eigenen Erfahrungen, Erlebnisse schreibe. Das ist ein Grund, warum ich inzwischen regelmäßig ein Tagebuch führe. 
Ich beginne damit schon morgens, wenn ich im Fitness-Center bin. Ich kann darüber nur berichten, wenn ich unmittelbar erlebe, wie es ist, sich zu überwinden, die Übung an einem Trainingsgerät wieder und wieder zu absolvieren. Oder die Tatsache, dass jemand mit seinem Handtuch einen Platz blockierte, selbst aber an einem völlig anderen Gerät trainierte.
„Stell‘ dir nur mal vor, das würde jeder so machen und zwei Plätze blockieren. Was glaubst du, wieviel hier trainieren könnten?“

Er hat mich verdutzt angesehen und dann hat er mich angeschnauzt.
Ich habe ihm einfach den Rücken zugedreht und bin zu einem anderen Gerät gegangen.

Aber in Wirklichkeit war das Training für mich an diesem Tag gelaufen, so hatte ich mich innerlich aufgeregt. Ich war so sauer, dass ich diese Auseinandersetzung nicht auf dem Notizblock meines Handys festgehalten habe.

Und jetzt, wo die Emotion verraucht ist, da klingt der Bericht banal, trocken, gibt nicht das wieder, was ich in dem Moment an Wut und Enttäuschung über das unfaire Verhalten des ‚Sportfreundes‘ empfunden habe.

Also dieser ganz spezielle, unverwechselbare Moment, den hätte ich sofort notieren müssen.

Es ist nicht leicht, jeden Tag zu schreiben. Das gebe ich gern zu. Ich muss mich ständig überwinden, es zu tun. Auf der anderen Seite fließen aus mir nur so die wirklichen Ideen raus, die, die ich dann in einer Geschichte gebrauchen und umsetzen kann.

‚Du musst aus ‚Anna ist dement‘ eine richtige Familiengeschichte machen. Nicht nur über Anna oder Lukas berichten, nein, über alle, die an der Betreuung von Anna teilhaben‘, denke ich manchmal. Aber nur denken, das reicht nicht.

Damit allein entsteht auch nichts. Viele sagen mir, sie hätten keine Zeit zum Schreiben.

Sie meinen aber: Sie finden nicht die Kraft, sich zu überwinden. Und diese Ehrlichkeit, die versuche ich manchmal ebenfalls zu umgehen, indem ich allerlei Ausflüchte finde, was ich noch alles tun will und was ich zu tun habe, bevor ich anfangen kann, aus ‚Anna‘ die echte Familiengeschichte zu erschaffen.

Alles Ausreden.
Ich weiß das, aber es sich einzugestehen, das ist ein wichtiger Meilenstein, auf dem Weg, der ja gleichzeitig mein Ziel ist – regelmäßig schreiben.

Ich glaube, nein, ich bin überzeugt, dass man sich seiner eigenen Situation, seiner eigenen Position im Leben erst richtig bewusst wird, wenn man anfängt, sie aufzuschreiben.

Denn vorher muss man die Gedanken ordnen, sie strukturieren.
Ich habe von Frauen gelesen, die den ganzen Tag mit dem Haushalt, den Kindern und ihrer Versorgung beschäftigt waren und die sich mittags an den Küchentisch gesetzt haben, um zu schreiben.

Ehrlich gesagt, ich würde wohl dabei einschlafen. Ich helfe meiner Frau am Freitag damit, dass ich beide Etagen sauge und wische. Und danach bin ich total fertig, muss mich in den Sessel setzen und schlafe oft ein. Von Schreiben ist dann keine Spur.

Also, diese Frauen, sie sind mein echtes Vorbild. Ich weiß übrigens erst seit den Jahren meiner Arbeit im Home-Office, wie schwer es, Haushalt, Kindererziehung und kreative Arbeit unter einen Hut zu bringen.

Als ich mich im vergangenen Monat mit meiner Nachbarin darüber unterhielt, wie schwer es ist, in Corona-Zeiten zuhause am Computer diszipliniert zu arbeiten, da habe ich ihr gestanden: „Ich bereite mich seit über zehn Jahren auf diese Krisenzeit vor, und ich habe noch heute Probleme, den Rasen zu mähen, einzukaufen, meine Frau zur Arbeit zu bringen, den Teppich zu saugen und dann noch gute Texte zu schreiben.“

Was ich ihr nicht gesagt habe ist, dass ich bis heute nicht begreife, wie meine Frau das alles geschafft hat, ohne sich auch mit einem Wort über ihre Situation zu beklagen.

Drei Gedanken am Schluss:
Zum Einen:
Ich bin nur dann gut, wenn ich über das schreibe, was ich wirklich kenne, was ich erlebt habe, oder worüber mir ein anderer berichtet. Ich kann nicht über die Betreuung einer an Demenz erkrankten Angehörigen schreiben und dabei die Position eines Pflegedienstinhabers oder einer Pflegedienstinhaberin zu 100 Prozent einnehmen.

Ich muss schon aus meiner eigenen Sicht schreiben. Und ich kann die Sicht einer Pflegekraft in einem Interview detaillierter wiedergeben, wenn ich meine Erfahrungen in den Schreibprozess miteinfließen lasse.

Manchmal überlege ich, was den Leser wohl interessiert, wenn er auf Texte auf meinem Blog anklickt. Ich kann es nur ahnen. Aber ich wecke auf keinen Fall sein Interessen nicht , wenn der spürt, dass es nicht ehrlich ist, worüber ich schreibe, wenn er merkt, dass mich der Inhalt eigentlich gar nicht interessiert.

Zum Zweiten:
Ich werde anfangen für die Familiengeschichte ‚Anna ist dement‘ mehr in meinen Erinnerungen zu kramen. Kürzlich habe ich mir Fotos angesehen, die ich von meinem im vergangenen Jahr verstorbenen Vater erhalten habe.

Schaue ich auf irgendeines dieser Bilder, dann kommen die Erinnerungen ganz von allein. Also werde ich weiter kramen, alte Tagebuchaufzeichnungen hervorholen.

Zum Dritten:
Die Interviews mit Menschen aus dem Alltag geben mir interessante Einblicke in das Leben von Pflegekräften, Unternehmern, Kreativen. Genauso wichtig ist es, dass, dass meine Fragen die zu Interviewenden dazu anregen, selbst über sich nachzudenken, wo sie stehen, was sie wollen, wovon sie sich lösen sollten und wo sie vielleicht noch hinwollen.

STENOGRAMM – FITNESS-STUDIO

50 KILO ABNEHMEN (29-8)

03.41 Uhr:
Ich wache kurz auf, schaue auf die Uhr und kriege schlechte Laune.

05.42 Uhr:
Ich fahre in die Tiefgarage des Fitness-Studios „John Reed“ im Prenzlauer Berg.

Ich steige aus und höre das dumpfe Dröhnen der Gewichte, die über mir im Studio auf den Boden krachen.
Meine Laune ist immer noch schlecht. Ich schleppe mich die Treppen hoch, gehe durch den Eingang des Studios.

Die Glastüren schwenken nicht nach innen, sodass ich mit der Karte nicht reinkomme. Ich muss warten, bis ich eine Ersatzkarte bekomme.

„Was tue ich mir bloß an?“, denke ich, während ich warte.
Endlich. Ich kann durch, gehe nach unten in die Umkleidekabinen, um die Tasche abzustellen. Umziehen dürfen wir uns wegen Corona nicht, sondern du musst gleich in Sportzeug kommen.

Ich gehe nach oben und setze mich an die Bizepsmaschine.
„Soll ich mit 30 kg oder 25 kg anfangen?“, geht mir durch den Kopf.
Ich fange mit 20 kg an. Im rechten Arm zieht ein stechender Schmerz durch.

Ich mache trotzdem weiter, erhöhe auf 25 kg.
Anschließend gehe ich zur Bauchbank. Es fällt mir sagenhaft schwer, die Beine freischwebend hochzuheben und wieder langsam abzusenken. Insgesamt mache ich das 45 Mal.

Ich gehe danach zum Rückenstrecker, beuge mich nach vorn und richte mich wieder auf. Die Musik wird lauter, ich bin warm geworden, meine Laune bessert sich.

Insgesamt trainiere ich eine Stunde und 25 Minuten.
Auf dem Rückweg schaffe ich es, aus der Tiefgarage herauszufahren, zwei Spuren zu überqueren und auf der dritten zu landen. Ich biege nach links ab, es ist grün.

„Donnerwetter!“, denke ich. Auf jeden Fall ein gutes Omen für den Wochenbeginn.

„Soll ich noch zum Liepnitzsee weiterfahren und meine dreißig Minuten Nordic Walking abreißen? Nein. Ich fahr‘ nach Hause und sprenge den Garten“, sage ich zu mir.

Ich rufe Klara an: „Du, ich gieße jetzt gleich die Blumen und Sträucher.“

„Brauchst du nicht, das können wir heute Abend zusammenmachen!“, antwortet sie.

„Mist, jetzt muss ich doch noch laufen“, denke ich bei mir.
Ich laufe die 30 Minuten und fühle mich wie ein Hochleistungssportler. Nur, dass der wohl nicht so eine dicke Wampe hat wie ich.

Naja, das wird auch noch. Für heute habe ich es erst einmal geschafft.

Ich trinke auf dem Parkplatz am Liepnitzsee meine Flasche Wasser aus, rieche den Waldboden, schaue in das Grün der Blätter und denke: „Was soll heute noch passieren?“