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JEEPY (40)

AM NÄCHSTEN MITTWOCH HOLEN WIR DICH AUS DER KITA AB

 

Hallo lieber Krümel, hier ist wieder Jeepy, dein bester Freund, nach meinem Fahrer, der gleichzeitig dein Opa ist natürlich.

Mein Fahrer ist so aufgeregt, denn er kann dich nächste Woche aus der Kita holen, wenn du ausgeschlafen hast.

Deine Mama hat wieder eine Weiterbildung in der Nähe von Potsdam und sie schafft es nicht, dich rechtzeitig abzuholen.

Deshalb rief sie meinen Fahrer vor zwei Tagen an.
„Willst du Krümel am nächsten Mittwoch von der Kita abholen?“, fragte deine Mama ihn.

„Natürlich, immer gern!“, rief dein Opa laut. Dabei war er noch im Fitness-Center.

Da wird es nicht so gern gesehen, wenn die Handys klingeln und dann noch laut gesprochen wird.

Ein paar Leute drehten sich nach meinem Fahrer um und straften ihn mit missbilligenden Blicken.

Aber das war dem Fahrer egal. Er freute sich, dass er mal wieder mit dir umhertollen kann.

„Hoffentlich spielt das Wetter mit, und wir können noch ein bisschen über die Spielplätze streunen“, hat er zu mir gesagt.

Und ich? Ja, ich muss wieder in der Parklücke stehenbleiben. Aber ich hoffe ja, dass du auch noch zu mir kommst und dann wie immer laut ‚Jeepiiiii‘ rufst. Ja, dann freue ich mich natürlich auch ganz doll.

Deine Oma will ebenfalls mitkommen.
„Das lässt die sich doch nicht entgehen!“, sagt mein Fahrer zu mir.
Naja, mal ehrlich Krümel, sei froh, dass Oma mitkommt.

Dein Opa braucht doch sonst wieder ewig, bevor er alle Sachen gefunden hat.

Und wenn es nicht gut läuft, zieht er dir erst mal wieder die Hose und die Jacke vom Nachbarkind an und fährt anschließend mit dem falschen Kinderwagen aus der Kita.

Deswegen ist Oma lieber dabei und Opa, der freut sich ebenfalls, denn dann kann er sich nur darauf konzentrieren, mit dir möglichst viel Quatsch zu machen.

Also, bis nächsten Dienstag, lieber Krümel,
dein Jeepiiiiiii!

WAS IST MIT DEN ERINNERUNGEN AUS DER ZEIT VOR DER WENDE?

SCHREIB-ALLTAG (9)

Ein Freund rief an und holte mich zurück in eine Welt, die ich fast schon vergessen hatte. Was sollte ich damit anfangen – vielleicht aufschreiben?

Ich habe kürzlich einen alten Freund und Arbeitskollegen gesprochen. Er rief bei mir an, nannte seinen Namen. Ich musste zunächst innehalten, es war zulange her, seitdem wir uns gesehen und gesprochen hatten.

Aber gleich danach purzelten die Erinnerungen, so als würde eine Kiste im Regal umgestoßen. Und dann siehst du auf einmal wieder Dinge zum Vorschein kommen, die du ohne diesen Anstoß nie wieder gesehen hättest.

„Kennst du noch den Martin?“, fragte mich mein Freund.
„Ja, ich erinnere mich dunkel“, sagte ich.

„Der lebt nicht mehr, ist gestorben. Schon vor ein paar Jahren“, sagte er daraufhin.

„Aber der, den du nicht mochtest, weißt du, was aus dem geworden ist?“, bohrte er weiter.

„Was ist aus ihm geworden?“, setzte ich ungeduldig nach, obwohl ich es gar nicht so richtig wissen wollte.
„Du, der hat nach der Wende eine unglaubliche Karriere gemacht, ist viel im Ausland gewesen und kam zu unseren Treffen stets braungebrannt.“

Dann fragte er mich unvermittelt: „Warum kommst du eigentlich nicht, um ehemalige Gefährten zu treffen?“

Ich hatte keine Antwort darauf, schwieg und überlegte.
Ja warum eigentlich bin ich noch nie bei diesen Treffen dabei gewesen?

Ich wusste es nicht.
Zu lange her? Zu langweilig, um Gespräche über Vergangenes zu führen?

Alltägliche Sorgen, die mich umtrieben und noch heute umtreiben?
Vielleicht von jedem ein bisschen.

Trotzdem, diese Menschen, Freunde, Kollegen, sympathisch oder weniger sympathisch, gehörten mal zu meinem Leben.
Die Frage zwang mich zum weiteren Nachdenken:
„Was ist, wenn du davon etwas aufschreibst, festhältst?“, fragte ich mich.

Ich könnte mich zurückerinnern, an gute und an schlechte Tage, fröhliche Ereignisse und traurige.

Auf jeden Fall würde es mich beleben, meinen Alltag lebendiger machen.

Vielleicht sollte ich daraus kleine Geschichten machen – aus dem, was mal zu meinem Leben gehört hat. Ich werde darüber nachdenken.

LAUFBAND – DIE ERSTE TRAININGSEINHEIT

50 KILO ABNEHMEN – (16)
Es geht immer mit dem Laufband los. Eine halbe Stunde ist schnell rum, nur nicht, wenn du dich die ganze Zeit anstrengen musst.

Fitness-Studio in Berlin-Mitte.

Ich bin schon seit kurz vor sechs Uhr hier und habe gerade die halbe Stunde auf dem Laufband beendet.

„Oh Gott, wie soll ich das bloß durchhalten?“, dachte ich noch, bevor ich auf das Laufband stieg. Doch ich habe die Geschwindigkeit auf 2,0 gestellt, die ersten fünf Minuten jedenfalls. Das war mehr ein vor sich hinschleppen.

„Was wohl die Putzfrau von mir dachte, als sie mich sah, während sie selber um mich herum wischte? Auf jeden Fall ist sie unglaublich fleißig und flink noch dazu.

In der sechsten Minute habe ich damit begonnen, die Geschwindigkeit zu erhöhen, und zwar ab da jede neu angebrochene Minute ein bisschen mehr. Zum Schluss war ich bei der Geschwindigkeit 5,0 angelangt.

Das kann man mit sehr schnellem Walken vergleichen. 1,94 km zeigte das Display an, als ich fertig war. Wenn die magische Zahl 30‘ auftaucht, und ich auf ‚Stopp‘ drücke, kann ich es immer gar nicht glauben, dass die Zeit doch so schnell vergangen ist.

Und so war es an diesem Tag auch. Das liegt ganz sicher an der Musik, der ich mich anzupassen versuche, um mich rhythmischer zu bewegen, beschwingter eben.

Manchmal stellt sich ein junger Mann neben mich auf das Laufband, was an sich nichts Ungewöhnlich ist in einem Fitness-Studio. Doch dieser steigt auf das Laufband und fängt an zu laufen, als gäbe es kein Morgen mehr.

Wie im Vollrausch hämmert er seine Füße auf das Band und übertönt sogar die Musik, aber der Spuk ist nach 10 Minuten vorbei, Gott sei Dank.

Auf jeden Fall kann ich nicht so schnell laufen und da bewundere ich ihn auch, aber dafür halte ich die dreifache Zeit aus. Und ich weiß, dass es für mich darauf ankommt, meine Knie mit meinem Übergewicht nicht übermäßig zu belasten.

Nachdem ich vom Band gestiegen bin, hole ich mir ein Tuch, um die Stellen abzuwischen, die ich mit den Händen angefasst habe.

Der innere Motivationsschub signalisierte danach: „Die erste Trainingseinheit ist geschafft.“

Ich habe mich trotzdem damit nicht lange aufgehalten, sondern mich an die nächste Station begeben – zum Rudern.

MORGENS ERST MAL DEN ZEITUNGSBOTEN ERSCHRECKEN

ALLTÄGLICHES (17)

Es ist 03.45 Uhr und der Wecker vom iphone klingelt, besser die Grillen zirpen mal wieder. Mich trifft der Schlag, denn mir ist, als wäre ich gerade erst ins Bett gegangen.

Aber das Zirpen ist unerbittlich und so taste ich nach dem kleinen Störenfried, finde die Stopptaste und kann den Krach abstellen. Ich schwinge die Beine aus dem Bett und sitze auf der Kante.

„Es kann doch nicht wahr sein, dass ich wirklich aufstehen muss“, schießt mir durch den Kopf. Klara rührt sich nicht. Ich mache das Bett, so leise wie es geht.

Aber ich kann nicht leise sein, sagt Klara immer. Gut, dann eben nicht. Also haue ich zum Schluss mit der flachen Hand auf das Kissen, damit es schön flach liegt. Jetzt dreht sich Klara um, sagt aber nichts.

Ich gehe raus, rasiere mich. Mehr mach‘ ich morgens nicht, außer noch Zähneputzen. Wenn ich ins Fitness-Studio nach Berlin reinfahre, dann dusche ich mich erst, wenn ich zurück bin. Jetzt gehe ich hinunter und schaue nach, ob die Zeitung schon da ist.

Vorgestern habe ich dem Zeitungsboten einen großen Schrecken eingejagt . Er stand plötzlich vor mir, als ich die Haustür aufmachte und im Begriff war, in den Briefkasten zu schauen. Er zuckte panisch zusammen. „Nicht erschrecken“, sagte ich.

„Doch, ist bereits passiert“, meinte er, und wir mussten beide lachen.
Heute stelle ich den Tee zum Abkühlen auf die Gartenbank.
Es ist kalt. Der Tag ist wach und ich bin es nun auch.

JEEPY (39)

JEEPY’S GESUNDHEITS-WINTERCHECK

Guten Morgen lieber Krümel,
hier ist Jeepy‘s Fahrer.

Jeepy kann gerade nicht sprechen, er ist zum Gesundheitscheck. Naja, das ist ein bisschen übertrieben.

Aber du kennst das ja, wenn du mit deiner Mama zum Arzt gehst und der Doktor dann sagt: „Mund auf.“ Und wenn du ihn aufgemacht hast, steckt er dir einen Holzspachtel in den Mund und sagt: ‚Weiter aufmachen, noch weiter.“

Dabei hast du den Mund schon auf und kannst nur noch krächzen und die Augen sind auch weit aufgerissen.

Das passiert nun in der Werkstatt, nur diesmal mit Jeepy eben.
Wahrscheinlich prüfen sie gerade seinen Ölstand oder ziehen ihm die Schuhe aus, ich meine, drehen ihm die Räder ab.

Und ich sitze hier lieber Krümel, habe die Beine weit von mir gestreckt, direkt unter dem Tisch.

Also schreibe ich ein bisschen an dich, auf dem iPhone und erwische mit meinen dicken Daumen oft den falschen Buchstaben. Aber das ist nicht so schlimm.

Jeepy geht’s im Moment schlechter.
Der muss sich allerhand Untersuchungen gefallen lassen. Doch dann sind wir auf der sicheren Seite, wenn wir im Dezember zusammen an die Ostsee fahren, und wir gemeinsam das Lied „Kommt ein Vogel geflogen, setzt sich nieder auf mein‘ Fuß“ singen.

Ich kenne ja nur die erste Strophe. Danach muss deine Mama einspringen.

Zum Schluss sagst du dann: „Noch mal“.
Und spätestens dann versucht uns Jeepy zu entfliehen.

Kann er aber nicht, denn wir sitzen ja bei ihm drinnen und singen ungerührt weiter, aus voller Kehle. Das wird wieder lustig.
Bis bald mal, lieber Krümel, und schöne Grüße von ‚Jeepiii‘, der dir aus der Werkstatt winkt.

50 KILO ABNEHMEN (15)

DER KAMPF HAT NOCH GAR RICHTIG ANGEFANGEN


Ich habe mich ganz gut reingefunden, in das Fitness-Leben. Das ist ein wichtiger Meilenstein in dem Gezerre darum, soviel Gewicht zu verlieren.

Ich denke, ich muss noch mehr tun, was die Umstellung der Ernährung angeht.
Ich verstehe mich manchmal selbst nicht mehr.

Für jedes noch so kleines Projekt plane ich bis ins Detail, lege die Zwischenschritte fest und gleiche regelmäßig das Erreichte ab.
Aber in dem ‚Großprojekt‘ 50 Kilo abnehmen gehe ich ziemlich laienhaft vor.

Dabei könnte es so einfach sein. Aber einfach ist es eigentlich stets nur für den, der darüber nur redet oder nur schreibt. Das trifft auf mich natürlich zu.

Doch es kommt etwas Wichtiges hinzu: Ich muss das, was ich sage, auch noch selbst umsetzen. Und da hört die Freundschaft schon auf, denn das hat viel mit Schweiß, Verzicht und Disziplin zu tun.

Aber ich will nicht jammern. Nein, ich habe es ja selbst so gewollt. Ab heute werde ich aufschreiben, was ich zu mir nehme, um quasi eine Bestandsaufnahme zu erreichen.

Anschließend werde ich das alles analysieren, am besten am Wochenende, um danach Schlussfolgerungen zu ziehen. Hoffentlich die richtigen.

Jetzt noch mal ohne Analyse: Ich habe 800 Gramm in der vergangenen Woche abgenommen.

Sicher, das ist nicht viel, aber es geht vorwärts, und in dem Fall abwärts.

Es grüßt der Dicke, der die Hoffnung und den Kampf nicht aufgibt, kräftig Pfunde zu verlieren.

ALLTÄGLICHES (16)

DER ALLTAG BEGINNT MIT FITNESS

Eine alte Woche liegt hinter mir und eine neue ist gerade angebrochen. Das morgendliche Training im Fitness-Studio gibt mir viel Energie.

Nie hätte ich gedacht, dass ich einmal jeden Morgen auf dem Laufband stehe, danach beginne zu rudern, anschließend die Beine hebe und senke und erst dann noch an 14 Geräten Übungen absolviere.

Unvorstellbar, wenn mir das jemand noch vor ein paar Jahren gesagt hätte. Doch nun stehe ich schon den fünften Monat morgens auf, bringe Klara nach Berlin-Kreuzberg zur Arbeit, drehe um und fahre im Prenzlauer Berg in die Tiefgarage.

Das ist schon zu einem Ritual geworden. Klara beschwert sich, dass ich bereits um 05.00 Uhr mit zu viel Power auf der Piste bin und versuche, in angeregte Gespräche zu verwickeln. Aber Klara kann um diese Zeit eisenhart schweigen.

Und trotzdem genießt sie es, dass ich sie fahre und sie nicht in den Vorortzug steigen muss, später in die S- und U-Bahn. Ist das alles so toll, und springe ich mit freudiger Erwartung aus dem Bett, wenn das iPhone klingelt, besser die Grillen zirpen?

Ja, vergiss es.
Und wenn ich in die Tiefgarage am Fitness-Center einbiege, aussteige und über mir das Stampfen und Rollen der Gewichte bereits zu hören ist, ja dann habe ich gar keine Lust. Aber nun gibt es kein Zurück mehr.

Ich setze ein Bein vor das andere, steige die Treppen hoch, ziehe die Karte für den Einlass ins Studio durch, kleide mich um und los geht’s. Dann stelle ich mich auf das Laufband, fange langsam an und stelle jede Minute die Geschwindigkeit etwas höher, bis ich in meinem Modus angelangt bin.

Ich schaue auf den Fernsehmonitor vor mir, höre die Musik und komme allmählich in den Rhythmus hinein. Auf der Straße hasten Leute umher, Autos brettern vorüber.

Ich spüre die Energie in mir hochsteigen und gute Laune aufkeimen. Den Tag habe ich auf diese Art jedenfalls geknackt. So war es die gesamte vergangene Woche. Und diese Woche wird es wieder so.

50 KILO ABNEHMEN (14)

MEIN ZIEL ZWISCHENDURCH ZU VERFEHLEN PASSIERT- MEIN ZIEL NICHT ZU KENNEN HINGEGEN DARF NICHT SEIN

Ich muss zurückdenken an den Tag, an dem ich den Entschluss fasste, mich auf das Abenteuer einzulassen, öffentlich darüber zu schreiben, dass ich insgesamt 50 Kilo abnehmen will. Das war der 03. Juli in diesem Jahr.

Manchmal kommen mir echte Zweifel, ob das überhaupt auf einen Blog gehört.

Doch dann sage ich mir wieder, dass ich nicht authentisch wäre, würde ich lediglich theoretisch über Lebensqualität im Alter schreiben.

Und im Kern generiert sich ja bekanntermaßen die Qualität im Leben vor allem durch die Gesundheit. Also: Was liegt näher, alles zu tun, damit die in der Vergangenheit gemachten Fehler nicht fortgeführt werden und das Übergewicht möglicherweise noch anwächst?

Ich wollte unbedingt einen Schlussstrich unter diese Art von Leben ziehen und sofort damit beginnen, meine auf dem Papier festgehaltenen Ziele in die Tat umzusetzen.

Wenn ich davon ausgehe, dass ich im Januar 2019 noch 131 kg wog und jetzt auf 122,8 kg herunter gekommen bin, dann finde ich das schon nicht schlecht.

Das sind rund 8 Kilo, die ich in zehn Monaten verloren habe.
So ganz zufrieden bin ich trotzdem nicht. Ich wollte schon unterhalb der 120 KILO Grenze sein.

Das Gute wiederum daran ist: Ich habe Ziele und ich kenne sie.
Ich ‚schwimme‘ also nicht mehr in einem Ozean und lasse mich treiben, ohne wirklich den Kurs zu kennen.

Das Ziel zu kennen, die Zahlen festzulegen – sie sind in diesem Zusammenhang ausschlaggebend für mich, damit ich dranbleibe, am Abnehmen und am Gesundbleiben.

ALLTÄGLICHES (15)

WAS HEISST DAS – RUHESTAND GENIESSEN?

In den letzten Tagen habe ich viel darüber in Zeitungen und Zeitschriften gelesen, wie man seinen perfekten Ruhestand verlebt. Sicher, es gibt vieles, was man beachten muss, wenn dieser Zeitpunkt heranrückt.

„Jetzt können Sie endlich Ihren Ruhestand genießen“, „ab sofort brauchen Sie nie wieder früh aufzustehen“, das und anderes hörst du, wenn du sagst, du gehst in Rente, oder du bist es schon.
Aber will man diesen Bruch wirklich? Ich wollte ihn nicht, so jedenfalls nicht.

„Ja, du hast gut reden, du verdienst mit dem Schreiben dein Geld, musst ohnehin nicht aus dem Haus“, gaben mir Freunde und Bekannte zu verstehen, als ich sagte, dass ich weiterarbeiten würde, trotz oder gerade wegen des Ruhestands.

Das stimmt schon, aber es stimmt irgendwie auch nicht. Ich glaube der Unterschied liegt im Denken, darin nämlich, wie ich mein Leben weiter verbringen will. Leben ist nur lebenswert, wenn man nicht direkt auf das Abstellgleis geschoben wird, und wenn dort noch so ein komfortabler Lebensabendwaggon steht.

Ich will auf dem Hauptgleis bleiben, im Lebensfluss mit anderen Menschen. Und wenn du daran festhältst, weiter arbeitest, dann kannst du tatsächlich ein paar Vorzüge des Rentendaseins genießen. Zum Beispiel, dass ich jeden Morgen für zwei Stunden ins Fitness-Studio fahre und erst danach mit der Arbeit beginne.

Rentenzeit ist weiterhin Lebenszeit, auch wenn sie im letzten Drittel des Menschenalters liegt. Ich glaube fest daran, dass man sich selbst im Alter anstrengen sollte, weil man nur so fähig ist, wirklich zu genießen.

ALLTÄGLICHES (14)

DAS LIEBLICHE GRILLENZIRPEN

03.50 Uhr.
Ich komme mir vor wie ein Schichtarbeiter, der zur Arbeit muss. Ich arbeite zwar, bin aber hauptberuflich Rentner.

Ich habe das iPhone so eingestellt, dass um diese Zeit der Wecker klingelt. Er klingelt eigentlich nicht, es ist vielmehr ein Geräusch, das an ein Zirpen der Grillen erinnert.

Und so binde ich das Geräusch erst einmal in meine Träume ein und denke gar nicht daran, aufzustehen, bis Klara mich anstößt.

„Dein Telefon!“, brummt sie genervt. Sie hat ja noch zehn Minuten Zeit. Dann geht der Radiowecker so laut an, dass du bereit bist, sofort aus dem Bett zu schnellen.

Deshalb stehe ich früher auf und kann mich sogar noch in Ruhe rasieren.

„Lass doch die Grillen zirpen“, sage ich zu Klara und drehe mich vorsichtshalber um. Aber die Grillen fangen an zu nerven und Klara gibt auch keine Ruhe.

„Jetzt dreh‘ doch endlich diesem scheußlichen Weck-Ton den Hahn ab“, schnauft sie. Sie will noch ihre paar verbliebenen Minuten bis zum Aufstehen vor sich hin dösen.

„Das ist kein scheußliches Signal, sondern das liebliche Grillenzirpen“, sage ich und staune, dass ich überhaupt schon einen Satz herausbringe.

Ich stelle den Wecker abends am iPhone ein und lasse es auf dem Schreibtisch im Arbeitszimmer liegen.

Und so bin gezwungen, morgens sofort aus dem Bett zu kommen, um den Wecker am Telefon auszustellen. Und was weiter? Ja dann stehe ich ja bereits und bleibe natürlich auf. Ich liebe es eben, wenn morgens alles nach Plan läuft.

Zwei Stunden weiter, 05.55 Uhr: Ich habe Klara zur Arbeit gegenüber vom Springerhochhaus gefahren und biege in die Tiefgarage des Fitness-Studios ein. Eine Viertelstunde später stehe ich auf dem Laufband. Jetzt beginnt der Tag wirklich.

ALLTÄGLICHES (13)

DU HAST WOHL ANGST, DASS DU NICHT ZURÜCKFINDEST?
(Teil 2)

Ich schaute auf die Uhr, kehrte auf dem Weg um und ging langsam zurück. Ich war lange nicht gelaufen und gestand mir deshalb eine Reihe von Kompromissen zu. Zuerst wollte ich eine Stunde laufen und deshalb nach einer halben Stunde umkehren.

Dann bin ich auf 50 Minuten heruntergegangen und wollte nach 25 Minuten den Rückweg antreten. Schließlich blieb ich bei 40 Minuten hängen und dann waren 20 Minuten erreicht. Ich konnte also umdrehen.

Als ich das Auto sah, schnallte ich die Stöcke ab und schlenderte die letzten Meter zurück.
Das tat ich besonders gern, weil ich dann noch einmal die Ruhe im Wald genießen konnte.

Klara war noch nicht zurück. Ich nahm mein Handy heraus und fing an in dem Notizteil zu schreiben. Inzwischen kam ich damit gut klar, auch wenn mein iPhone klein war und ich oft mit meinen Fingern auf den falschen Buchstaben tippte.
Plötzlich klingelte es.

„Kannst du mich sehen?“, fragte Klara mich.
„Ich kann dich nicht sehen!“, antwortete ich.

„Wo bist du denn?“
„Ja, wenn ich das wüsste“, sagte sie mit kläglichem Unterton.
„Ich hupe mal, vielleicht hörst du das ja“, schlug ich ihr vor.

Ich drückte auf die Hupe, aber sie hörte mich nicht.
„Dann musst du es eben so weiter versuchen, klarzukommen“, sagte ich zu ihr.

Sie sagte nichts weiter. Anfangs hatte sie mich noch spöttisch angesehen, dass ich nicht vom Weg abweichen wollte. Jetzt aber sah sie, dass dies nicht die schlechteste Idee war.

Es vergingen einige Minuten und ich sah in der Ferne eine Gestalt, die hin- und her schwankte.

Sollte sie das etwa sein? Ich fuhr das Auto von der Seite auf die Lichtung und machte das Scheinwerferlicht an.
Es musste Klara sein, auch wenn sie nicht winkte und nicht ans Handy ging.

Also fuhr ich ihr kurzentschlossen entgegen. Aber mir war nicht wohl bei dem Gedanken, denn eigentlich durfte der Waldweg nicht befahren werden.

Doch jetzt war das für mich eine Notsituation.
Schnell kam ich dem Schatten näher. Es war Klara.

„Gut, dass du mir entgegengekommen bist, ich kann nicht mehr“, sagte sie zu mir mit letzter Kraft.

In der Hand hielt sie den Korb, bis oben hin voll mit Pilzen.
Sollte ich jetzt also sagen: „Ja, du wolltest ja alles besser wissen und nicht auf mich hören. Nämlich, dass wir uns abstimmen, wo genau wir hingehen, und wann genau wir am Auto zurück sind.“
Das klang alles so spießig, auch wenn es vernünftig war.

„Du hast ja den Korb tatsächlich mit Pilzen voll bekommen“, sagte ich stattdessen und war stolz auf mich, dass ich es geschafft hatte, meine Belehrungen zu unterlassen.

ALLTÄGLICHES (12)

DU HAST WOHL ANGST, DASS DU NICHT ZURÜCKFINDEST?
(Teil 1)

Freitagabend. Klara fragte mich, ob wir noch einmal in die Schorfheide fahren wollten, um Pilze zu sammeln.

Ich verspürte wenig Lust dazu und würde mich lieber vor den Fernseher hocken und eine Talkshow aus der Mediathek aufrufen.
„Ich denke, du willst dich darüber nicht mehr aufregen, was die in den Runden von sich geben?

Komm‘ lieber mit in den Wald. Du musst ja keine Pilze sammeln, sondern nur nebenher spazieren gehen“, versuchte sie mich zu überreden.

„Nur nebenher laufen, das ist ja wie ein bisschen schwanger sein, nichts Richtiges und nichts Ganzes. Dann mach‘ ich lieber Nordic Walking“, sagte ich zu ihr.

Also packte ich die Stöcke ein und zog mir die Turnschuhe an. Ich versuchte es jedenfalls. Denn in dem Moment, wo ich den Schuhanzieher zwischen meinen rechten Hacken und den Sportschuh stecken wollte, kam mein Nachbar vorbei. Ich legte den Schuhanzieher auf die Gartenbank vor dem Haus und hüpfte auf einem Bein zu ihm hin.

‚Das Training im Fitness-Studio hatte also doch schon was gebracht‘, dachte ich bei mir. Der Nachbar hatte Zeit und formulierte seine Sätze gemächlich, ich schwankte indessen auf einem Bein hin und her und hinter mir wartete Klara darauf, dass ich endlich den zweiten Schuh anzog.

Schließlich gelang es mir doch, mich aus dem Gespräch zu lösen. Wir fuhren los und waren schnell am Ziel.

„Ich gehe den Weg entlang“, sagte Klara und zeigte auf einen mit Moos und Gras bewachsenen Pfad, der sich durch den Wald schlängelt.

„Ich bleibe hier auf dem geraden Weg, da finde ich auch wieder zurück“, entgegnete ich.
Klara lächelte milde und sagte: „Du hast wohl Angst, dass du nicht zurückfindest?“

„Naja, das geht schneller, als du denkst. Immerhin sind wir in der Schorfheide und
nicht im Stadtpark von Berlin-Hohenschönhausen“, sagte ich beleidigt.

Klara stapfte in Richtung ihres Weges und ich legte meine Stöcke an und lief ebenfalls los.

Eine Zeit lang hörte ich noch das Rauschen der Autos auf der Landstraße, dann ebbte es aber mehr und mehr ab. Es roch gut. Ja, es duftete förmlich nach Tannennadeln, die auf dem Boden verstreut waren.

Der Farn war am Rand inzwischen braun geworden. Die Sonne tauchte noch einmal auf und schien durch die Bäume hindurch. Es war still, nur ab und zu hörte ich ein Knarren, wahrscheinlich von einem hin-und her schwankenden Baum.

‚Gut, dass Klara so hartnäckig war und wir jetzt hier in der Schorfheide waren‘, dachte ich bei mir.

Ich tauchte gedanklich in eine neue Welt ein und merkte, wie der Stress von mir abfiel.

An der rechten Seite des Weges war ein Holzstapel zu sehen. An einem der Baumstämme war mit grüner Farbe die Zahl 191 825 vermerkt.

‚Die merkst du dir jetzt aber nicht‘, versuchte ich mir einzuhämmern.
Doch genau das Gegenteil passierte. Ich kriegte die Zahl nicht mehr aus meinem Kopf. Wahrscheinlich, weil ich mich von anderem unnötigen Gedankenballast befreit hatte und nun Platz war für neue Gedankenspiele.

Außerdem: Ich merkte mir Zahlen gern. Das klebte wie ein Fluch an mir, weil es Dinge waren, die keiner brauchte und wissen wollte.

Zum Beispiel das Autokennzeichen von unserem ersten Trabbi aus Dresden: ‚YE-78-44‘. Wer wollte das schon wissen.

Wenn ich das sagte, dann schauen mich meistens die anderen in der Runde an und dachten wohl: „Ja, der Dicke, mit dem geht es nun auch abwärts, seitdem er in Rente ist.“

ALLTÄGLICHES (9)

DER ERSTE TAG NACH DEM URLAUB

Ich sitze heute das erste Mal nach dem Kurzurlaub wieder am Schreibtisch.

Heute Morgen bin ich 03.59 Uhr aufgewacht und wusste, dass in einer Minute der Wecker klingelt.

Ich habe nur gedacht: „Das kann doch nicht wahr sein.“

In schwierigen Situationen kann eine Minute richtig lang sein.
Doch heute war es, als wäre nur eine Sekunde vergangen. Ich habe mein Bein noch in die Decke eingekuschelt und so getan, als würde ich nichts hören.

Aber: 05.00 Uhr saßen wir dennoch im Auto. Nicht ganz, denn Klara hatte die Brille vergessen, wie gewöhnlich also.

Die Straßen waren ziemlich leer und ich kam sehr gut durch. Bis auf die Gegend um das Rote Rathaus, denn da ist viel gesperrt oder die Fahrbahnen sind eingeengt.

Ich dachte kurz daran, wie es wohl heute Mittag sein würde, wenn die Klimaaktivisten so richtig loslegten.

Ich finde es gut, wenn sich Menschen dafür einsetzen. Und trotzdem: es nervt.

Aber vielleicht geht es nicht anders, wenn sich wirklich etwas tun soll. Ich glaube nur, dass Hysterie auch nichts bringt.

Würden wir das alles bei dem Getöse konsequent zu Ende denken, so müssten wir sofort unsere Handys abgeben, Pferdefuhrwerke besteigen und auf diese Weise ins Zentrum fahren. Das wäre konsequent. Oder?

Abends dann im Wald Beeren sammeln und in einer Hütte aus selbstgeschnittenem Schilf übernachten.

Naja, jedenfalls war ich im Fitness-Studio, habe meine Übungen diszipliniert durchgezogen und bin motiviert zurückgefahren – ohne an Straßensperren von Klimaaktivisten vorbeizukommen. Der Berliner Norden und das Umland sind ja auch nicht so interessant für sie. Für mich ist das gut.

Auf jeden Fall habe ich mir schon ein kleineres Auto gekauft, nachdem ich jahrelang einen SUV-Mercedes gefahren bin und davor einen 7er BMW. Schande über mich.

Aber schön war es trotzdem.

 

50 KILO ABNEHMEN(6)

ZIEL FÜR JULI VERFEHLT -URLAUBSLAUNE EINGETRÜBT

Morgen ist für Juli die Abrechnung fällig. Ich bin mit 127, 0 kg in den Monat gestartet.

Das Ziel: um 3,2 das Gewicht reduzieren, auf 123,8 kg.
Ich bin heute aber bei 126,0 kg. Also habe ich mein Ziel verfehlt, und zwar krachend.

Ich könnte ja jetzt sagen: Gut, immerhin habe ich mein Anfangsgewicht von 131 kg im Januar auf 126 kg im Juli vermindert.

Doch ich wollte weiter sein. Jeden Tag 100 Gramm, das ist doch nicht schwer, habe ich mir gesagt.

Ist es auch nicht. Aber was ist noch leichter?
100 Gramm wieder draufzukriegen.

Am Wochenende zum Beispiel, da war Laura bei uns.
Sie hat geholfen, meinen Computer wieder auf Vordermann zu bringen.

Vor lauter Freude habe ich abends dann eine ganze Flasche Sekt ausgetrunken, mit Erdbeeren. Allein. Die Frauen wollten nicht, umso besser.

Ach, es war herrlich. Am nächsten Tag bin ich gar nicht auf die Waage gegangen.

Und Montag? Da hatte ich den ‚Salat‘ – 127,3 kg.
Am vergangenen Donnerstag waren es noch 124,8 kg.

Was mache ich nun? Damit leben, weitermachen.
Gestern und heute habe ich im Fitness-Studio geackert. Doch abends, was war da?

Ja, da waren noch Reste vom Sonntagsessen.
Herrliche Knödel mit Gulasch.
Und vorher? Eis vom Sonntag, mit Früchten, nur zum Nachmittagskaffee.  Lecker.

Heute Morgen? Schnauze voll. Ich kann es nicht anders sagen.
Was wird heute, am vorletzten Tag? Fasten.

Ich habe heute kurz vor 5 Uhr gefrühstückt. Sonst streikt meine Galle.

Aber weiter gibt es nichts. Wirklich nicht? Wirklich nicht! Nur Wasser und Zitrone und ein konzentriertes Vitamingetränk, das ich mir leiste.

Wir wollen mal sehen, wie es morgen früh aussieht.
Wahrscheinlich werde ich es am Mittwoch, den 31.08. wiederholen, das mit dem Fasten.

Vielleicht kann ich ja noch ein paar Gramm loswerden, trotz Urlaubsfeeling.

JEEPY (33)

JEEPY UND FIATINE BEREITEN SICH AUF DAS VERKAUFSGESPRÄCH VOR

 

„Hallo Fiatine, heute geht’s los. Heute schreiben wir uns auf, wie wir dich am besten beim Inhaber des Einkaufsmarktes anpreisen.“

„Ach Jeepy, ich bin so froh, dass du mir hilfst“, flötete Fiatine fröhlich.
„Aber weisst du, ich habe gar kein gutes Gefühl dabei, wenn du sagst, du willst mich anpreisen. Das klingt, als würdest du ein besonders schmackhaftes Steak für den Grill anbieten.“

„Fiatinchen…“, hob Jeepy an.
„Nenn‘ mich bitte nicht Fiatinchen. Schliesslich sind wir nicht miteinander verwandt“, ging Fiatine sofort dazwischen.

„Also willst du jetzt raus, aus dem Autohaus, oder nicht?“, fragte Jeepy und hüpfte ungeduldig mit seinen Vorderreifen hin- und her.

„Ja, schon“, sagte Fiatine nun kleinlaut.
„Pass auf, wir erarbeiten einen richtigen Gesprächsleitfaden, so wie das mein Fahrer getan hat, wenn er seinen Kunden Immobilien verkaufen wollte.“

„Und hat er das dann abgelesen?“, fragte Fiatine. Sie war noch skeptischer geworden.

„Nein, natürlich nicht. Er hat sich nur ein paar Stichpunkte notiert und wenn er das aufgeschrieben hatte, dann war es auch in seinem Kopf.

„Oh Gott“, seufzte Fiatine.
„Ja und die Einwände, die sind ganz wichtig.“
„Ja, ein Einwand ist stets ein Kaufsignal.“
„Kaufsignal?“

„Ja“, Jeepys Wangen, äh Türen, wurden noch röter vor Eifer, als sie es ohnehin schon waren.

„Wenn der interessierte Kunde sagt, dass du pottenhässlich bist, dann zeigt er damit sein Inteteresse.“
Fiatine fing an zu weinen.

„Ich soll hässlich sein?“
„Das ist doch nur ein Beispiel. Natürlich bist du wunderschön“, schob Jeepy eilfertig hinterher.

„Aber wie wäre es damit: Fiatine hat eine Klimaanlage, einen Lautsprecher, Leichtmetallfelgen und ein höherverstellbares Lederlenkrad?“

„Ach, das klingt alles so technisch, so lieblos“, sagte Fiatine und ihrer Stimme war dabei die Enttäuschung anzumerken.

„Dann mach‘ du doch selbst einen Vorschlag, was du sagen würdest“, sagte nun Jeepy und war leicht eingeschnappt.

„Pass mal auf. Ich würde folgendes sagen: Sie sind der Inhaber eines Einkaufsmarktes und gehen tagaus und tagein durch die Türen Ihres Einkaufscenters, schwitzen und plagen sich mit Bestellungen rum und mit Reklamationen.“

„Und was hat das jetzt mit dem Verkaufsgespräch zu tun?“, entgegnete nun Jeepy spöttisch.

„Warte ab!“, sagte Fiatine.
„Der interessierte Käufer wird aufstöhnen und meine Fragen bestätigen.“

„Und dann?“, drängelte Jeepy
„Dann frage ich ihn, ob er den italienischen Spielfilm ‚Dolce Vita‘ kennt.“

„Was ist, wenn er ihn nicht kennt?“, fragte Jeepy skeptisch weiter.
„Ich frage ihn auf jeden Fall nach Sonne, Meer, italienischer Pasta und herrlichem Wein, einfach nach dem Lebensgefühl.“

„Nach Wein und Pasta?“
„Jetzt stell‘ dich doch nicht so an“, sagte Fiatine.
„Ich sag‘ jetzt gar nichts mehr!“

Jeepy war endgültig beleidigt.
„Ein offenes Verdeck, blau-weiß gestreift, herrliche Meerluft, aus dem Radio tönen schöne Melodien, das ist Dolce Vita, und das verkörpere ich, Fiatine.“

„Das ist mir noch gar nicht so aufgefallen“, sagte Jeepy jetzt.
„Aber wenn ich dich so anschaue, kann das hinkommen. Und du meinst also, da ist was dran, an so einer Art Präsentation, das will der Kunde hören?“, fragte Jeepy, immer noch ein wenig zweifelnd.

„Aber klar!“.
„Komm‘, wir fahren zum Verkäufer und fragen ihn, wie er das Gespräch führen würde“, rief Fiatine fröhlich.

„Na meinetwegen“, brummte Jeepy und war immer noch verschnupft.

Er wollte doch noch vor Fiatine mit den technischen Details glänzen, die er sich vorher auf eine Karteikarte geschrieben hatte.
Aber Fiatine hatte ihn mal wieder mit ihrer fröhlichen Art um den Finger gewickelt.

 

 

ALLTÄGLICHES (3)

‚SPREEGOLD‘ – DAS WAHRE GOLD STECKT IM TEAM
‚Spreegold-fresh food and events‘, so heißt das Lokal in der ‚Stargarder‘ im Prenzlauer Berg, in dem ich am Mittwochmorgen war.
‚Spreegold‘ allein, das klingt schon verheißungsvoll. Ich bin kein Gourmet, kein Restauranttester. Was ich sagen kann, das ist, dass ich mich lange nicht mehr so wohl in einem Restaurant gefühlt habe.

Warum?
Weil das Team, die Menschen, die in dem Lokal arbeiten, und denen ich am Morgen begegnet bin, das wirkliche Gold sind.
Ich muss ein bisschen ausholen, um das zu erklären.

Ich war morgens im Fitness-Studio. Vorher habe ich Klara zur Arbeit nach Kreuzberg-Mitte gebracht.
Wir waren 4 Uhr aufgestanden und 5 Uhr losgefahren. 05:58 Uhr löste ich das Ticket für das zweite Parkdeck in der Tiefgarage und die Schranke hob sich.

Routiniert steuerte ich auf meinen Stammplatz zu.
Lustlos und noch mitgenommen von den Erlebnissen am Vortag schlich ich die Treppen hoch.

Einen Tag zuvor war meine Mutter 90 Jahre alt geworden. Mein Vater war eine Woche zuvor gestorben. Und so gaben wir uns Mühe, die Feier zu Mutters 90-igstem trotzdem mit Liebe zu gestalten.

Am nächsten Morgen, kam das alles in mir noch einmal hoch. Ich schlich förmlich auf dem Laufband. Mehr war es nicht. Um mich herum waren sämtlich motivierte Leute, zumindest taten sie so. Die meisten wohl jünger als ich, und so bekam ich allmählich Lust, mich mehr in die Übungen hineinzuhängen.

Schließlich war ich an den Geräten fertig. Es war kurz vor 8 Uhr. Was sollte ich machen?

Zurückfahren, mich umziehen und mich danach erneut in den Prenzlauer Berg zu begeben, nur um beim Friseur zu sein?
Das war doch Quatsch, fand ich.

Doch was würde Klara sagen, wenn sie erfuhr, dass ich in den Trainingsklamotten zum Friseur wollte?

Würde sie dem zustimmen? Auf keinen Fall. Sollte ich sie also anrufen und nachfragen, was ich tun sollte? Um Gottes Willen.

Der Friseur würde ja 8 Uhr seine Pforten öffnen, spätestens aber 9 Uhr, glaubte ich.

Also machte ich mich auf den Weg, direkt in den Prenzlauer Berg. In der Schönhauser stellte ich das Auto erneut in einer Tiefgarage ab, schnappte mir meine Tasche und schlürfte los, in Richtung Friseurladen, dem Hairwork-Shop.

Wer sagt heute noch ‚Friseur‘? Höchstens ich, ich alter Sack. ‚Hairwork-Shop‘ heißt der Laden wohl richtig.

Es dauerte nicht lange und ich stand davor. Vor verschlossenen Türen. Der ‚Hairwork-Shop‘ öffnete nämlich erst 10 Uhr.
Ich wollte es nicht glauben. Meine Laune sank wieder auf den Null-Punkt.

Was sollte ich machen? Ein zweites Frühstück wäre jetzt gut. So etwas mit Rühreiern und einem Pott Kaffee.

Verstieß das gegen meine selbst auferlegten Regeln zur Gewichtsabnahme?

Ja, eindeutig. Was machte ich mit dieser Regel?
Ich deklarierte sie zur absoluten Ausnahme um.
Also auf ging’s.

Ich überquerte die Straße und sah ein Lokal, dessen Türen aufstanden. Es schien doch nicht alles verloren, im Prenzlauer Berg.
Ich ging hinein, es war gegen halb neun.

Ein fröhliches ‚Guten Morgen‘ erscholl mir von einer jungen Frau entgegen, die vor der Verkaufstheke stand. Sie schien zum Team dazuzugehören.

„Guten Morgen“, erwiderte ich.
„Moin!“, sagte die andere Mitarbeiterin, die hinter der Theke stand.
Moin, das gefiel mir. Es klang nach Norden. Woher war sie? Vielleicht aus Schleswig-Holstein?

Ich jedenfalls war in Schwerin aufgewachsen, bevor ich später nach Dresden ‚verschleppt‘ und mit dem Sächsischen gequält wurde.

Die sympathische Mitarbeiterin hieß Kim, wie ich später erfuhr.
„Das gibt’s doch nicht, hier im Prenzlauer Berg scheinen alle noch zu schlafen“, sagte ich.

Kim schaute mich fragend an, die Mitarbeiterin vor der Theke ebenfalls.

„Naja, ich wollte zum Friseur. Und der hat noch geschlossen.“
„Wer geht schon so früh zum Haareschneiden?“, fragte Kim.
„Ich!“, entgegnete ich.

Wir mussten lachen und ich bekam sofort gute Laune.
Kim wirkte sehr selbstbewusst auf mich. Sie hatte Humor, wusste, wie man mit einem Gast redet.

Was mir besonders gefiel: Es wirkte nichts aufgesetzt, sondern es kam von innen, diese Herzlichkeit, ohne sich bei mir anzubiedern, oder mich etwa auszulachen.

Ich hatte sofort das Gefühl, dass ich zur richtigen Zeit am richtigen Ort war. Ich brauchte diese gute Laune, besonders nach dem gestrigen Tag.

„Was möchten Sie denn bestellen?“, fragte Kim mich.
„Haben Sie Rühreier und einen Pott Kaffee?“
„Haben wir. Mit ‚bacon‘?“

Nachdem ich verstanden hatte, dass sie gebratenen Schinken meinte, bejahte ich das Ganze heftig mit dem Kopf.

„Sie können sich schon hinsetzen. Ich bringe Ihnen den Kaffee“, sagte Kim.

Der Kaffee kam schnell und ich hatte noch einen Chip bekommen, der aufblinken sollte, wenn das Rührei fertig war. Ich schaute mich im Raum um.

Er war bis auf wenige Gäste leer. Noch! Wenige Stunde später, da steppte hier der Bär. Das hatte ich jedenfalls schon mehrfach beim Vorbeilaufen sehen können.

Ich war froh, dass ich reingegangen war. Gott sei Dank hatte der Friseur noch geschlossen.

Ein junger Mann kam zu meinem kleinen Tisch und sagte: „Geben Sie mir ruhig schon den Chip. Ich bringe Ihnen das Essen.“

Ich freute mich darüber, denn ich hatte mich gerade auf die Lederbank vor dem Fenster gesetzt und verspürte wenig Lust, noch einmal aufzustehen.

Die Rühreier kamen. Dazu herrlich duftendes Brot.
Italienisches Brot, wie ich später in der Speisekarte las.

Hätte mich in dem Moment jemand gefragt, wo ich sein wollte, damit es mir gut ginge, ich hätte geantwortet: „Hier, und nur hier“, ohne Zögern.

Der junge Mann kam wieder vorbei. Ich vermutete, dass es der Chef war. Er fragte mich, ob alles in Ordnung wäre.

„Bestens“, meinte ich.
Später nannte er mir seinen Namen, nachdem ich ihn danach gefragt hatte.

„Thomas“, meinte er freundlich und blieb beim ‚Sie‘, obwohl ich ihn gleich geduzt hatte. Dabei war ich sonst eher distanziert, machte es einem anderen nicht gleich leicht, mich zu duzen.

Diesmal war es also anders herum und auch das gefiel mir. Ich war im Sportzeug, wollte die Zeit überbrücken, ein zweites Frühstück genießen.

Das war eigentlich alles. Was ich aber bekam, das war viel mehr als nur ein paar kleine Köstlichkeiten und einen gut riechenden Pott Kaffee.

Es war ein Service, der unverkennbar zeigte, dass ich es mit Profis zu tun hatte. Aber was mich wirklich umhaute, das war diese herzliche Art, diese Botschaft: „Sei willkommen, fühl‘ dich wohl, wir kümmern uns um dich.“

Ich beobachte seit vielen Jahren Menschen, schreibe über das, was ich sehe. Du kannst alles lernen. Aber diese Leidenschaft, die musst du mitbringen.

Kim, Thomas, die Mitarbeiterin, deren Namen ich nicht erfragt habe, sie alle leben genau das, und zwar mit ganzem Herzen. Ich habe wieder ein Stück mehr Lust auf das Leben bekommen.

Danke Kim, danke Thomas, danke liebes Team für die mir erwiesene Gastfreundschaft.

JEEPY (32)

JEEPY WILL FIATINE MIT EINEM VERKAUFSGESPRÄCH HELFEN

Jeepy hat Fiatine eingeladen, mit an die Ostsee zu kommen.
Und er hat ihr versprochen, dass er sich nach einem Käufer für sie umsieht.

Fiatine steht immer noch im Autohaus.
Durch das ‚update‘ kann sie zwar mit Jeepy automatisch durch die Gegend düsen, aber das sieht der Verkäufer nicht so gern.
Also hat Jeepy eine Idee. Er weiß, dass der Inhaber eines großen Einkaufmarktes ein Auge auf Fiatine geworfen hat.

Und Fiatine ist der Inhaber ebenfalls sympathisch.
„Wie wollen wir das anstellen, dass der Inhaber mich gut findet?“, fragt Fiatine.

„Ganz einfach, wir werden ein Verkaufsgespräch vorbereiten.“
„Ein Verkaufsgespräch? Ich will nicht verkauft werden, ich will, dass der Inhaber mich wirklich gern hat“, sagt Fiatine nun beleidigt.

„Er hat dich heute schon gern.“
„Wieso? Er kennt mich doch nur flüchtig“, sagt Fiatine erstaunt.
„Naja, er wohnt bei mir ganz in der Nähe und da hat er dich eben eines Tages gesehen.

Ein paar Tage später hat er mir aus dem Auto ein Zeichen gegeben und ich habe angehalten.“
„Und weiter?“, drängelt nun Fiatine.
„Jeepy, wer ist dieser kleine Fiat?“, hat er mich gefragt.
„Das ist Fiatine, meine Freundin. Wir unternehmen beide sehr viel zusammen.“

„Und was hat er darauf gesagt“, drängelt Fiatine weiter.
„Hm.“
„Hm?“, das ist ja nicht viel.
„Siehst du, und deshalb muss ich noch ein bisschen nachhelfen, nämlich mit einem kleinen Verkaufsgespräch.

Wenn das klappt, und der Inhaber des Einkaufsmarktes dich kauft, dann wohnen wir beide ganz dicht zusammen“, erklärt Jeepy seiner Freundin.

„Ach, das wäre so schön. Na, dann bereite mal dein Verkaufsgespräch für mich vor.“
Fiatines Stimme klang jetzt fröhlich.

50 KILO ABNEHMEN (4)

AUF DEM LAUFBAND

Die Euphorie ist verflogen. Jetzt schleppe ich mich morgens mehr oder weniger die Treppen von der Tiefgarage hoch, um zum Eingang des Fitness-Studios zu gelangen.

Ich gehe danach langsam den Gang entlang, hin zur Umkleidekabine, so als könnte ich noch Zeit rausschinden vor der ‚Hinrichtung‘.
Schließlich habe ich mich umgezogen, halte eine Flasche Wasser in der Hand und habe um den Hals ein Handtuch geschlungen.

Ich beginne zunächst mit dem Laufband.
Anfangs bin ich Fahrradergometer gefahren. Aber mir scheuerte das Hinterteil und ich habe mich nicht wohl gefühlt.
Beim Laufband ist es anders. Das erinnert mich an das Nordic Walking, was ich sonst immer mache.

Aber nun, da steige ich auf das Laufband, lege das Handtuch auf die Seite, stelle die Flasche Wasser ab und drücke die Starttaste.
Das Laufband beginnt sich in Bewegung zu setzen. Zunächst ganz langsam. Und ich habe es nicht eilig, die Geschwindigkeit hochzudrehen.

Eine junge Frau besteigt das Laufband neben mir. Sie macht es an, und fängt sofort an zu laufen.
Ein Stück weiter von mir entfernt hat ein junger Mann das Laufband schräg gestellt, sodass er nach oben laufen muss.

Da soll sich bloß keiner einbilden, dass ich so einen Quatsch auch anfange. Dafür ist mein Gewicht zu groß und die Belastung auf den Kniegelenken wäre zu hoch.

Meine eine innere Stimme, der ‚Loser‘ bestärkt mich sofort: „Um Gottes Willen, fang langsam an, mach es dir erst einmal bequem auf dem Band. Steigern kannst du dich immer noch.“

Also laufe ich und schaue dabei auf die Straße. Ich beobachte die Leute. Gerade geht eine Frau vorbei. Sie hat ein enormes Übergewicht.

Sofort meldet sich meine zweite innere Stimme, ‚Schweinehund‘: „Na, da siehst du wie es ist, wenn du dich nicht anstrengst. Du siehst genauso aus wie die Frau und wirst auch so bleiben, wenn du nicht anfängst, die Geschwindigkeit hochzustellen.“

„Jetzt bleib‘ mal ganz ruhig. Immerhin stehe ich wenigstens auf dem Laufband und zeige Einsatz, um weiter mein Gewicht zu reduzieren“, sage ich zu ‚Schweinehund‘.

Aber ich fange trotzdem an, die Geschwindigkeit systematisch hochzudrehen. Das Band wird schneller und ich beginne darauf zu hin- und her zu schwanken.

Das Band quietscht laut. Wahrscheinlich denken die anderen, dass der ‚Dicke‘ zu schwer ist für das Gerät.
Schließlich schaue ich auf den Fernsehapparat, der an der Wand angebracht ist.

Dort trainieren Hochleistungssportler ihre Muskeln. Das motiviert mich. Ich drehe die Geschwindigkeit weiter hoch. Außerdem höre ich auf den Takt der Musik und passe mich in meinen Laufbewegungen daran an.

Ich bin drin, fühle mich als Teil des Trainingsteams im Studio, laufe leichter, beginne zu schwitzen.
Ich krieg‘ gute Laune.

 

SCHREIB-ALLTAG (5)

WIE DIE FIGUR DES ‚MANFRED GERBER‘ MIR HILFT, DIE TRAUER UM MEINEN VATER ZU BEWÄLTIGEN

Ich will künftig mittwochs weitere Texte zu „ANNA IST DEMENT“ veröffentlichen.

Wer meinen letzten Beitrag zum Redaktionsplan gelesen hat, der weiß, dass ich den schon wieder ein klein wenig verändert habe.
Dafür ‚Asche auf mein Haupt‘. Aber das kommt, weil ich zur Zeit intensiv darüber nachdenke, wie ich Ruhe und Kontinuität in die Sache bringe.

Und dann kommt oft genug das Gegenteil von dem raus, was ich will. Ich hoffe aber, kein Chaos.

Deshalb wird es jetzt so sein, dass ich montags den Platz für „Alltägliches“ reserviere, dienstags für „50 KILO ABNEHMEN“, mittwochs für „ANNA IST DEMENT“, donnerstags kommen Texte zum „SCHREIBALLTAG“ und freitags halte ich den Platz für Geschichten über „JEEPY“ frei.

Samstags und sonntags spanne ich am Pool im Garten aus. Ich meine damit das Planschbecken für Krümel.
Das hätte ich also geklärt.

Aber wie nun weiter mit meiner Geschichte?
Ich merke immer mehr, dass ich nicht umhin komme, meine Figuren sorgfältiger und ausführlicher zu charakterisieren.
Gestern rief mich meine Schwester an und fragte mich, ob ich nicht ein paar Worte am Grabe meines Vaters sagen wollte.

Will ich. Hoffentlich schaffe ich das emotional.
Weshalb kommt mir das gerade jetzt in den Sinn?

Naja, mein Vater ist eben einer der Protagonisten in „ANNA IST DEMENT.“

Bisher habe ich nicht viel über ihn geschrieben.
Die Geschichte soll ja fiktional bleiben. Aber es sind natürlich an den Figuren Züge von Menschen zu erkennen, die ich zum Vorbild nehme, wenn ich bestimmte Handlungsstränge weiter vorantreiben will.

Und das kann ich nicht immer aus dem Hut zaubern.
Nein. Ich werde um ausführliche Charakterskizzen nicht herumkommen.
Ich fange mit der Figur des ‚Manfred Gerber‘ an und werde dabei an meinen Vater denken.

Es wird mir helfen, mit meiner Trauer fertig zu werden.

 

ALLTÄGLICHES (2)

REDAKTIONSPLAN WIEDER EINMAL UMGESTOSSEN

Je mehr ich schreibe, desto intensiver denke ich zugleich darüber nach, in welcher Reihenfolge ich die einzelnen Themenfelder am besten bearbeite und die entsprechenden Artikel danach veröffentliche.

Ich möchte, dass diejenigen, die regelmäßig bei mir auf den Blog schauen auch wissen, was sie täglich erwartet.
Und vielleicht interessiert den einen Leser mehr das Alltägliche, einen anderen wiederum, wie ich mich beim Abnehmen quäle.

Die wenigsten werden alles lesen wollen, manch einer möchte vielleicht gar nichts mehr lesen, wenn er meine Texte studiert hat. Das ist das Leben.

Und so soll es ab jetzt sein:
montags ist Alltägliches dran; kleine Erzählungen aus dem Alltag, was mir durch den Kopf geht, was ich sehe und erlebe;

dienstags schreibe ich über meine Quälerei, um 50 Kilo abzunehmen;
Halleluja, das bleibt spannend, zumindest für mich;

mittwochs ist eine Familiengeschichte am Start; ich erzähle in kleinen Häppchen darüber, was passiert, wenn Familienangehörige von Demenz betroffen sind, wie das Leben trotzdem nicht nur von Kummer und Leid geprägt ist, sondern auch von Humor.


donnerstags lasse ich mich im Schreib-Alltag über meine Erfahrungen aus, wenn ich den Stift in die Hand nehme, auf die Tastatur der Schreibmaschine haue oder eben gleich meine Ideen und Phantasien über die Computertastatur eingebe, welches Handwerkzeug ich für meine Erzählungen benötige;

freitags gibt Jeepy in Form von kleinen Geschichten sein Bestes,

und samstags und sonntags halte ich die Füße hoch.
Und danach geht alles wieder von vorn los mit meinem Freund, dem Alltag.

JEEPY (31)

JEEPY LÄDT FIATINE EIN, MIT AN DIE OSTSEE ZU KOMMEN

Fiatine ist traurig. Jeepy hat nicht Wort gehalten.
Er hatte ihr versprochen, dass er sie ins Fitness-Center mitnehmen wollte.

Aber Jeepy hat den Kopf voll. Er musste seinen Fahrer nach Dresden fahren, und zwar viele Male. Nächste Woche wieder.

„Fiatine, sei nicht traurig. Bald fahren wir in den Urlaub und vielleicht kannst du ja mit uns mitkommen.“

„Au ja, wohin fahrt ihr denn?“
„Wir wollen an die Ostsee. Wir nehmen Krümel mit und ihre Mama“, sagte Jeepy.

„Geht ihr denn richtig baden?“, fragte Fiatine.
„Natürlich, was für eine Frage. Alle gehen rein.“
„Du auch?“

„Nein, Autos dürfen nicht ins Wasser.“
„Warum nicht?“
„Weil sonst das Wasser schmutzig wird. Und stell dir vor, hinterher badet Krümel darin.“

„Ja, du hast Recht. Aber können wir nicht was anderes in der Zeit machen?“, fragte Fiatine.
Jeepy überlegte.

„Naja, wir könnten in die Waschanlage fahren und uns in der Zeit mal eine Abkühlung holen. Und danach müssen wir uns nicht einmal abtrocknen.
Wir werden trocken gefönt.“

„Das machen wir“, rief Fiatine.
„Und hast du schon jemand, der mich kaufen will?“, fragte sie noch.
„Ja, ich habe da einen Mann im Auge. Der leitet einen großen

Einkaufsmarkt. Ich glaube, der interessiert sich für einen kleinen Fiat mit einem himmelblauen Kleid.“

„Oh bitte, bitte, frag‘ ihn“, bettelte Fiatine.
„Ja gut, ich werde mal sehen, was sich machen lässt“, antwortete Jeepy.

 

50 KILO ABNEHMEN (3)

ZWEI SCHRITT VORWÄRTS, EINER ZURÜCK

Manchmal stehst du morgens auf und du möchtest am liebsten gleich wieder nach hinten umfallen.

Das habe ich auch getan. Also war Klara eine Stunde später auf Arbeit und ich auch, nur ich nicht auf Arbeit, sondern im Fitness-Center.

Ich bin im Studio den Gang hinuntergelaufen. Und ich habe mich gefragt, ob ich gleich wieder umdrehe und gehe. Ich hab‘ genau das getan. Ich glaub‘ es selber nicht, was ich für eine Flasche heute war.

Ich denke ununterbrochen an meinen Vater, der nun nicht mehr ist und ich habe gleich keinen Antrieb mehr. Also bin ich zurückgefahren, nach Hause und habe erst einmal die Zeitung gelesen.

Ich dachte, ich würde den Tod meines Vaters besser verkraften, denn ich wusste es ja bereits seit längerem, dass es mit ihm zu Ende geht.

Aber dann tritt es ein und du fragst dich, was eigentlich noch wichtig ist im Leben. Gestern Abend habe ich ein Glas Rotwein getrunken und an meine Kindheit gedacht.

Heute Morgen wog ich 200 Gramm mehr als es gestern der Fall war. Da waren es noch 124, 2 und heute sind es schon wieder 124,4 Kilo.

So schnell geht das, wenn du dich hängen lässt. Ich werde die ‚Kurve‘ wieder kriegen, werde weitertrainieren, mich an Krümel freuen, wieder abnehmen, damit ich noch möglichst lange mit Krümel auf dieser Erde Quatsch machen kann.

50 KILO ABNEHMEN (2)

DIE MÜHEN DER EBENE HABEN BEGONNEN

Am vergangenen Mittwoch wog ich 123,0 Kilo.
Das war für mich ein toller Erfolg, waren es doch am 29.06.2019 noch 127 Kilogramm.

Aber ich habe das Gewicht nicht halten können.
Heute am Montag, den 08.07.2019, sind es bereits wieder 125,2 kg.

Was ist schief gelaufen?
Ich bin leichtsinnig geworden, habe mal Abendbrot gegessen, obwohl ich das nicht mehr wollte und auch Kekse zum Kaffee gegessen.

Am Wochenende dann war ich in Dresden, bei meinem Vater. Es geht ihm sehr schlecht. Die Ärzte sagen, dass es zu Ende geht. Das alles hat mich so mitgenommen, dass ich abends zwei Gläser Rotwein getrunken habe.

Und schon waren die 123,00 Kilo wieder hin.
Es gibt in diesem Zusammenhang trotzdem etwas Positives:

Ich habe mein Ziel erreicht, denn ich will jeden Tag 100 Gramm abnehmen.

Heute sind als Soll 126,1 kg notiert.
Tatsächlich bin ich aber bei 125,2 kg, also bereits 1,8 kg unterhalb dessen, was ich laut meiner Liste wiegen darf.

Allerdings sehe ich mal wieder, wie schnell es auch wieder in die andere Richtung gehen kann.

Diese Woche will ich das Gewicht halten, nicht über 125,5 Kilo kommen – denn das ist mein Listenziel, wenn ich weiter davon ausgehe, täglich 100 Gramm abzunehmen.
Optimal wäre es, wenn ich bis nächsten Montag unter 125,0 kg komme.

Hier meine Liste, auf der ich täglich den Verlauf notiere. Ich will sie einfach einhalten, kein Schnickschnack, damit ich morgens schon mit Bleistift die Daten notieren kann.

 

ALLTÄGLICHES (1)

WIEVIEL FREUNDE HAT MAN IM LEBEN WIRKLICH?

Wer kennt das nicht, dass jemand so nebenher hinwirft: „Ich habe da einen guten Freund.“
In Wirklichkeit meint er vielleicht: „Wen ich den frage – ja, der hilft mir sofort. Von dem bekomme ich das ganz leicht.“

Oder solche Sätze: „Freunde von mir sagen…“
Ich bin da misstrauisch. Meine Erfahrung im Leben ist eine andere.
Ich hatte im Leben immer sehr wenige Freunde.

Klar, ich hatte stets gute Bekannte, Verwandte, zu denen ich ein ausgesprochenes freundschaftliches Verhältnis pflege.

Mein Schwager zum Beispiel ruft mich manchmal an und wir tauschen uns aus, wie wirkliche Freunde.

Oder natürlich: Meine Frau ist mein bester Freund.
Sie gibt wenig Ratschläge, redet sparsam, aber was sie sagt, das ist nicht ausgefeilt, doch es hat „Hand und Fuß“, wie der Volksmund sagt.

Aber außerhalb der Familie, da habe ich nur einen einzigen Freund.
Mit dem habe ich mich gerade richtig gefetzt.

Es ging um Ansichten darüber, wie man trainiert, wie man über die Jahre zu Höchstleistungen kommt, und wie man auf dem Boden bleibt, wenn man es geschafft hat.

Er sagte zu mir: „Das ist bei dir nicht schwer, am Boden zu bleiben, denn du hast das richtige Gewicht dafür.“
Das hat mich getroffen. Vor allem weil er ja recht hat mit meinem Übergewicht.

Also habe ich ihm zurückgeschrieben, dass mir manchmal seine Attitüden auf die Nerven gehen. Klara sagt: „Du kannst alles sagen und schreiben, aber leg‘ den Vorschlaghammer weg. Sonst ist hinterher keiner mehr am Leben, den du deinen Freund nennen kannst.“

Sie hat natürlich ins Schwarze getroffen, auch wenn ich keinen Vorschlaghammer genommen habe.
Nur einen schweren Säbel, während der andere ein Florett in der Hand hielt.

Ich sehe das immer alles ein, hinterher. Wie gesagt, wenn der Freund schwer getroffen wurde.
Erst dann werde ich wieder weich.

Schrecklich. Ich hasse diese Schwäche an mir. Aber wie gesagt, erst hinterher, leider.

Gibt es daran auch was Gutes?
Ja. Ich glaube nämlich, dass Freundschaft etwas ist, was nicht aus flüchtigen Umarmungen besteht.

Ich habe meinen Freund und seine Familie in einer Zeit kennengelernt, in der es mir nicht gut ging.
Trotzdem war er für mich da, hat geholfen.
Und ich war für ihn da.

Erst so wurde überhaupt eine Freundschaft daraus.
Sie ist mit Schweiß und Tränen in so manchen Stein gemeißelt.
Deshalb kann mein Freund heute zu mir sagen, was er will. Ja, er kann mir die Freundschaft kündigen. Ich nehme das einfach nicht an.
Manchmal verletzt man sich gerade dann tiefer, weil man sich eben näher steht.

Wichtig ist, dass man wieder auf einander zugeht.
Und dann merke ich umso mehr, wie wichtig mir dieser eine Freund ist.

JEEPY (30)

JEEPY IST GENERVT VOM FITNESS-CENTER

„Hallo Jeepy, wie geht es dir?“, ruft Fiatine schon von weitem, nachdem sie ihn im Autohaus entdeckt hat.

„Och, ganz gut“, murmelt Jeepy. Er wirkt erschöpft.
„Geht es dir wirklich gut?“, fragt Fiatine erneut.
„Ja, ich bin nur gerade ein wenig aus der Puste, weil ich mit dem Fahrer im Fitness-Studio war.“

„Du warst im Fitness-Studio?“, Fiatine kann es nicht glauben.
„Naja, mein Fahrer bringt morgens seine Frau zur Arbeit, nach Berlin-Mitte.“

„Und dann?“, fragt Fiatine.
„Dann, ja dann…“, hebt Jeepy bedeutungsvoll die Stimme und fährt fort: „Dann düsen wir zurück, aber nur ein kleines Stück. Wir fahren durch den Autotunnel am Alex, danach über die Kreuzung und biegen wieder nach links ab, um dann gleich in die Tiefgarage zu fahren.“

„Oh, wie spannend“, quietscht Fiatine vor Vergnügen.
„Spannend, was ist da spannend dran?“, fragt Jeepy.
„Was du alles erlebst, das ist doch wunderbar.“

„Was ich erlebe?“, fragt Jeepy.
Und weiter: „Jetzt pass mal auf – mein Fahrer bugsiert mich um die Ecken und fährt stets eine Ebene tiefer, sodass ich jedes Mal Angst habe, dass ich mit meinem zarten Autokörper an einer Wand entlangschramme, oder mir eine Beule hole.“

„Hast du das denn schon mal dem Fahrer gesagt?“
„Ach der, der sagt, wir müssten stets an der gleichen Stelle stehen, denn dann würden wir uns an die Kurven gewöhnen und wüssten, wie wir einparken müssen.“

Fiatine ist eine Weile still und sagt: „Gar nicht so doof, dein Fahrer.“
„Und was passiert dann?“, hakt Fiatine weiter nach.
„Was soll schon sein? Der Fahrer holt seine Tasche raus, geht nach oben, und ich, ja ich muss fast zwei Stunden auf ihn warten.“

„Das ist ja langweilig!“, sagt Fiatine empört.
„Vielleicht kannst du ja mal mitkommen“, meint Jeepy.
„Oh ja, das müssen wir machen“, ruft freudig Fiatine.
Jeepy schmunzelt.

„Warum lachst du?“, fragt ihn Fiatine.
„Nein, ich musste nur daran denken, dass mein Fahrer heute erzählt hat, dass das Laufband so geknarrt hat, als er darauf war. Das war ihm peinlich, denn mit seinen vielen Kilos tanzt er bestimmt darauf wie ein dicker Bär.“

„Lach‘ ihn nicht aus, denn deswegen ist er ja im Fitness-Center.“, nimmt da Fiatine den Fahrer in Schutz.

„Und manchmal, da spielt die Musik so laut, dass ich sie sogar auf der zweiten Ebene der Tiefgarage höre“, sagt Jeepy.
„Und was machst du dann?“, fragt Fiatine.

„Ich hebe meine Vorderräder an und tanze hier unten mit.“
„Das will ich auch. Lass mich das nächste Mal mitbekommen“, ruft da Fiatine begeistert.

„Ja, dann ist es bestimmt auch nicht so langweilig“, sagt Jeepy und fährt wieder aus dem Autohaus heraus.
Fiatine winkt ihm hinterher. Sie ist ein wenig traurig, denn sie ist ja noch nicht verkauft und muss deshalb im Autohaus bleiben.

SCHREIB-ALLTAG (4)

MEIN NEUER REDAKTIONSPLAN

Ich habe mir eine Struktur in der Veröffentlichung meiner Texte gegeben.
Warum?
Weil ich mich selbst mehr erziehen will.
Klingt gut, oder?

Wozu eigentlich? Na, zu mehr Disziplin.
Und: Weil ich denjenigen, die auf dem Blog oder bei Facebook regelmäßig vorbeischauen, einen besseren Überblick verschaffen will.

Manch einer interessiert sich vielleicht nur für das Alltägliche, also das, was mir förmlich auf der Straße in die Hände fällt, und was ich dann nur ‚noch‘ aufschreiben muss.

Das will ich montags tun. Dienstags und mittwochs schreibe ich über meinen Kampf, 50 Kilo abzunehmen.
Dazu zählen die Erlebnisse im Fitness-Center oder meine ‚Sünden‘ in der Ernährung, einfach meine Rückschläge und Erfolge.
Donnerstags ist ‚ANNA IST DEMENT‘ dran.

Das ist eine Geschichte. Ich erzähle über die täglichen Sorgen, das Weinen und Lachen einer ganz normalen Familie, die Erinnerungen darüber, wie es früher war und das Leben heute.

Im Mittelpunkt der Erzählung steht ‚Anna‘, die an Demenz erkrankt ist, die ihre Familie auf Trab hält und trotzdem von Liebe und Fürsorge umgeben ist.

Die Personen und die Szenen sind frei erfunden, fiktional, wie der Autor wohl sagt. Und trotzdem haben sie einen realen Hintergrund.
Es geht nicht darum, irgendwelche Personen nachzuzeichnen, damit sie von anderen Menschen erkannt werden.

Nein, es geht zunächst um die Unterhaltung beim Lesen, aber auch darum, wie vielen Menschen es so ergeht, dass sie sich um dementiell erkrankte Familiengehörige kümmern müssen, nicht den Humor darüber vergessen und einfach auch mal oder gerade deshalb lachen können.

Es geht stets um Wertschätzung. Doch es geht ebenso darum, die Härte dieses Alltags zu beschreiben, wie die Krankheit oft schon alles infiltriert und wie die Erinnerungen und Erfahrungen aus der Vergangenheit der Familie in die Gegenwart geholt werden, sie ein Stück bestimmen.

Am Freitag schreibe ich über meinen Alltag beim Schreiben, was ich so beachten muss, was ich plane, zum Beispiel, so wie heute den Redaktionsplan.

Ich will gleichzeitig zeigen, dass sich Texte leicht lesen lassen müssen, dass sie einfach formuliert sind, und ich schreibe darüber, wie schwer mir das manchmal fällt.

Das ist sicher nicht für jeden etwas, aber manch einer, der sich selbst quält, der will natürlich wissen, wie es andere Schreiber hinkriegen oder ‚versemmeln‘.

Schreiben lernt man nur durch schreiben.
Richtig? Auf jeden Fall. Ich lerne aber das Schreiben auch dadurch, dass ich viel über das Schreiben anderer Autoren lese und lerne.
Vielleicht ist das nicht so interessant.

Trotzdem will ich es hier mit unterbringen, denn manch einen Leser interessiert es vielleicht doch.

Samstags beschließe ich die Woche mit ‚JEEPY‘, einer kleinen Kindergeschichte, natürlich ebenfalls gern für Erwachsene.
Das soll künftig der Plan sein.

Gibt es Ausnahmen?
Na klar. Wenn ich zum Beispiel über die Gespräche mit der Prima Ballerina berichte. Ich war ja gerade bei ihr und sie hat mir von der Geburt des kleinen Williams erzählt – von ihren Schmerzen und ihren Glücksmomenten.

Kann auch mal gar nichts erscheinen?
Ja, wenn ich durch mein Abnahmeprogramm morgens vor Hunger geschwächt aufwache und die Tastatur nicht anheben kann oder vorher meinen Füller nicht aufgedreht bekomme.

Oder ich habe mir einen Kreuzbandriss im Fitness-Center zugezogen. Vielleicht bin ich ja auch im Urlaub, meistens auf Rügen, meiner Lieblingsinsel, in Sassnitz, meiner Lieblingsstadt, und ich einfach lieber auf die See schaue, die Seele baumeln lasse.

Das geht da oben am besten.
Wie auch immer. Ich freue über jedes Interesse, jeden Kommentar, jeden Like von euch. Glaubt mir.

Wir können das meiste auf dieser Welt wenig, nur ganz schwer oder gar nicht beeinflussen. Aber gerade darum ist der eigene Alltag so wichtig, ihn selbst zu schätzen, daraus sein Glück zu ziehen, sich nicht unterkriegen zu lassen und einfach nie das Lachen zu vergessen.

Das ist das Ziel meines Schreibens, der Sinn meines Alltags. Und wenn wir nur einmal innehalten, ein paar Zeilen überfliegen, schmunzeln, weitermachen, dann ist alles erreicht.

50 Kilo ABNEHMEN – (1)

DAS WOHL SPANNENDSTE ABENTEUER MEINES LEBENS BEGINNT JETZT

Ich kann es nicht glauben, dass ich mich dazu durchgerungen habe, mein Gewicht um ganze 50 Kilo zu reduzieren.

Kann ich das schaffen? Ja, kann ich. Ich hab’s bergauf geschafft und 50 Kilo auf mein Normalgewicht gepackt und nun muss ich den Weg eben umgekehrt gehen.

Das wird genauso funktionieren.
Wirklich? Man sagt ja, der Abwärtsstieg ist oftmals komplizierter und gefährlicher, als eben in der umgekehrten Richtung.
Den Entschluss abzunehmen, hatte ich bereits im Januar gefasst.
Also so, wie man es macht, zu Beginn des Jahres.

Da wog ich 131 Kilo bei einer Körpergrößer von 178 cm.
Es schaudert mich, wenn ich allein diese Zahlen aufschreibe. Und ehrlich: Ich schäme mich auch.

Der Schrecken bekommt hier ein konkretes Gesicht.
Meine Frau hat mich gefragt, warum ich das öffentlich machen will und mich dadurch freiwillig scheinbar unnötigem Druck aussetze?
Ich habe ihr anfangs zugestimmt und nicht damit begonnen, darüber zu schreiben.

Aber es ging danach nicht so wirklich vorwärts.
Das Gewicht schwankte zwischen 131 und 128 Kilo.
Dann entschied ich mich, ins Fitness-Center zu gehen.
Dort war ich zur Einweisung und anschließend auf der sogenannten Fett-Waage.

Auf dem Display erschien, dass ich vom Geburtsalter her 66 Jahre alt bin, vom biologischen Alter her aber 77 Jahre. Das hat mich umgehauen.

Viele haben mir gesagt, dass ich viel jünger aussehe, als es in meinem Ausweis steht.
Und nun biologisch nicht jünger, sondern 10 Jahre älter?
Das war eine rote Linie, unsichtbar bisher, aber brutal ans Tageslicht gezerrt.

Das war der letzte Anlass, mich selbst mehr unter Druck zu setzen, mich zu motivieren.
Ich bin danach runter von 128 auf 127 Kilo.
Dann war wieder ein bisschen ‚Funkstille an der Abnahmefront‘.
In dieser Woche habe ich es geschafft, auf 123,2 kg
zu kommen. Für mich ein gewaltiger Erfolg.

Es geht also. Ich merke es an meinem Bauch, der etwas dünner geworden ist.
Und nun will ich das alles systematisch forcieren.
Hab‘ ich vor, zu hungern? Nein.

Will ich mit Macht abnehmen? Auch nein.
Was dann?
Ich werde es kontinuierlich betreiben.

Wie sieht mein konkretes Ziel aus?
Ich werde das Gewicht jeden Monat um 3 Kilo reduzieren.
Im August nächsten Jahres will ich 36 Kilo weniger wiegen. Als Ausgangswert nehme ich die 131 kg vom Anfang des Jahres.
Am 31. 08.2020 beträgt mein Gewicht dann 95 Kilo. Am 31.12.2020 will ich es geschafft haben und nur noch 81 KILOGRAMM WIEGEN.

Ich werde keine Diäten befolgen, nur gesünder essen, weiter Sport treiben.
Und: Ich will es schaffen durch ein Mentaltraining, deren Inhalte ich mir selbst erarbeite.

Darüber schreibe ich hier auf dem Blog, und zwar ehrlich, humorvoll, immer mit einem kritischen Seitenblick auf mich selbst.
Meine Begleiter werden meine beiden inneren Stimmen sein, die auch im Fitness-Center stets den Ton angeben, nämlich ‚Loser‘ und ‚Folterknecht‘.
Loser ist vor allem für die Ausreden zuständig, Folterknecht hat die Peitsche in der Hand.

Dazwischen bin ich und muss mich stets neu entscheiden, wem ich mein Ohr mehr leihe.

Aber es sind nur meine ‚Berater‘, nervig und lustig zugleich. Nur entscheiden muss ich mich selbst.

Das wird die spannendste Reise meines Lebens.
Ich habe ein wenig Angst davor und ich freue mich auf dieses Abenteuer.

Was macht mich so sicher, dass ich es schaffen werde?
Scherzhaft habe ich als Untertitel ‚probehalber‘ dazugeschrieben.
Aber es ist kein ‚Probealarm‘!

Nein, es ist mir bitterernst.
Den Ausschlag werden meine Gedanken geben, meine innere Stimme wird mich nach vorn treiben. Sie alle werden mir die Kraft verleihen, die ich auf dem Weg benötige.

Meine eigene Motivation wird mich tragen.
Diese, meine Motivation ist das, was macht, das ich, der ich kann, auch noch will und darum alles tu‘.

Ich freue mich über jeden Tipp, über jedes ‚Schulterklopfen‘, und ich hoffe, Ihr habt‘ auch ein wenig Spaß daran, mich auf diesem, meinem inneren ‚Jakobsweg‘ zu begleiten.

MEIN FREUND, DER ALLTAG (72)

MEIN ERSTER SELBST ZUBEREITETER TOMATENSALAT

„Willst du nun wissen, wie du den Salat zubereitest, oder nicht?“, rief Klara aus der Küche zu mir ins Wohnzimmer herüber.

„Natürlich will ich das!“, antwortete ich entschlossen. Ich rührte mich aber erst einmal nicht. Ich sah gerade eine Serie über den Kokain-Vertrieb in Montreal.

Es war so spannend, wie die Mafia, die Biker und andere Gangster um die Vorherrschaft des Hafens in Montreal kämpften.
Da konnte ich doch nicht so einfach aufstehen, oder?

„Was ist denn jetzt?“. Klara wurde ungeduldig.
Ich drückte die Stopptaste und quälte mich aus dem Sessel hoch.

„So, du nimmst diese Schüssel und tust einen kleinen Löffel Zucker hinein, dann noch eine Prise Salz und schließlich vermengst du das mit Öl.“

„Hm“, antwortete ich. Was sollte ich auch sagen.
Bis jetzt war es ja ziemlich unspektakulär.

„Jetzt schälst du eine halbe Gurke ab, aber nur die Hälfte.“
„Was die Hälfte von der halben Gurke?“, fragte ich vorsichtshalber nach.

„Nein, du schälst eine halbe Gurke!“
In Klaras Stimme war eine leichte Schärfe gekommen.

„Lass mich das machen. Ich schäle die Gurke.“
„Ja gut“, sagte Klara.
„Hier ist der Schäler. Du musst ihn von oben nach unten führen, ganz lang.“

Ich rutschte ein paar Mal ab. Dann arbeitete ich nach, schließlich sollte die Gurke ja sauber sein. Die Feinarbeiten regten Klara auf und sie schaute mich ungeduldig an.

„Messer!“, sagte ich zu Klara, so wie es der Chirurg ja auch im OP-Saal macht.

„Du, ich bin hier nicht deine Assistentin“, begehrte nun Klara auf.
Ich schnitt jetzt die Gurke durch, so wie ich es oft in Koch-Shows gesehen hatte. Die Fingerkuppen gekrümmt, sodass das Messer sie nicht verletzen konnte.

Klara ging das offensichtlich auf die Nerven. Sie wollte nichts Neues lernen, schon gar nicht von mir.
Anschließend waren die Tomaten dran. Ich schnitt akribisch das Grüne aus den Hälften heraus, so wie es eben jemand macht, der auf Genauigkeit achtet.

Zum Schluss kam der Schafskäse dran.
„Nicht zu viel davon“, sagte Klara.
Langsam kam ich mir wie ein Müllschlucker auf wandelnden Beinen vor, dem stets per Knopfdruck verboten wurde, weiter zu schlucken.
Schließlich war der Salat fertig und er schmeckte köstlich.

Am nächsten Tag war Klara weg.
Jetzt konnte ich zeigen, dass ich es drauf hatte.
Ich machte es genauso, wie es Klara mir am Vortag demonstriert hatte.

Zu guter Letzt salzte und pfefferte ich das alles noch einmal kräftig von oben. Das war Klaras Manko. Sie war eher sparsam mit dem Salz und mit dem Pfeffer.

Ich nahm die Schüssel, füllte den Salat um in einen flacheren Teller und freute mich nun auf meine eigene Schöpfung.
Ich begann zu essen. Der Salat schmeckte komisch.
Irgendwie war zu viel Salz dran.

Ich aß trotzdem weiter. Ich aß alles auf. Das wäre ja noch schöner, meinen eigenen gezauberten Tomatensalat zu verachten.

Anschließend lag ich auf dem Sofa flach. Der Hals und der Mund brannten, Schweiß war auf der Stirn und ich hatte keine Lust, wieder an den Schreibtisch zu gehen.
Was, um Gottes Willen, sollte daran nun gesund sein?