GESPRÄCHE MIT EINER PRIMA BALLERINA (14)

DER KLEINE WILLIAM IST DA (1)
EIN GANZ NORMALER TAG BRICHT AN

Link to the english version: https://uwemuellererzaehlt.de/2019/08/28/the-little-william-is-here-1/

Montag, 13. Mai 2019. Iana ging es gut, und das obwohl sich scheinbar die Zeit ihrer Schwangerschaft dem Ende zuneigte. Ihr Bauch war immer weiter gewachsen und jetzt fühlte er sich sehr hart an. Doch sie fand das nicht schlimm.

„Ich gehe heute zum Training“, rief sie Marian zu, der gerade die Treppe herunterkam und auf die Küche zusteuerte.
„Hm“, brummte der. Zu mehr war er zu der Tageszeit noch nicht fähig. Der Tag hatte ja gerade angefangen und Marians ‚Batterien waren noch nicht hochgefahren‘.

„Ich will mich bewegen, nicht nur hier herumsitzen“, sagte Iana zu ihm, während Marian in der Küche hantierte.
„Aber wird das nicht zu viel für dich? Es kann jeden Augenblick losgehen, mit den Wehen“, antwortete Marian und schaute auf Ianas Bauch.

„Ach, das geht schon“, entgegnete sie. Dabei stellte sie sich gerade in den letzten Tagen immer wieder die Frage, wann es nun endlich soweit war, und es losging mit der Geburt. Iana, Marian, Marley, sie alle konnten es kaum noch erwarten, dass der kleine William auf die Welt kam.

Nach dem Training fühlte sich Iana immer noch gut.
Später, es war bereits nachmittags, da verspürte sie Lust, die Terrasse zu fegen. Irgendwas ließ sie nicht zur Ruhe kommen. Sie wollte putzen, alles im Haus saubermachen.

„Ich kann dir helfen“, sagte sie zu Marian, während der Unkraut zupfte. Sie sprang auf und griff sich den Besen.
Anschließend begleitete sie noch gemeinsam mit Marian ihren Sohn Marley zum Klavierunterricht.

Nach dem Klavierunterricht gingen sie alle zusammen in ein Fastfood-Restaurant.
„Ich möchte Cola trinken“, rief Marley gleich, als sie sich alle hingesetzt hatten.

„Du weißt schon, dass das nicht nur dick macht und du außerdem die ganze Nacht nicht schlafen kannst“, mahnte Marian seinen Sohn.
Marley war gerade mal zehn Jahre alt und für sein Alter ein sehr aufgewecktes Kerlchen, und nicht auf den Mund gefallen.

„Macht nichts, dann kann ich nachts weiter meine Geschichten per Video erzählen“, entgegnete er schlagfertig.

„Denk an Herrn Müller und seinen dicken Bauch. Willst du auch mal so aussehen?“, scherzte Marian.

„Papa, dann müsste ich ja ganze Lastzüge voller Cola leer trinken und zu Weihnachten könnte dann nicht wie gewohnt ein festlich geschmückter Coca-Cola – Zug zu den Kindern fahren, so wie jedes Jahr.“

Alle schmunzelten am Tisch.
„Ich will auch eine Cola probieren“, sagte Iana plötzlich.
„Hoffentlich bekommt sie dir in deinem Zustand“, meinte nun Marian.

„Ja, das geht schon“, antwortete Iana und tunkte eine Pommes frites in die scharfe Sauce.
Es war schön, im Restaurant zu sitzen, zu lachen und die Gemeinsamkeit zu dritt zu genießen.
Bald würden sie zu viert sein, und im Stillen saß der kleine William bereits mit am Tisch.

Iana fühlte sich gut nach dem Essen. Und doch sollte diese Leichtfertigkeit beim Essen mit ihre Geburtswehen beschleunigen.
„Mama, wollen wir Lego spielen?“, fragte Marley seine Mutter, als sie wieder Zuhause angekommen waren.

Iana war einverstanden und Marley holte die Steine raus.
Marian mähte indessen im Garten den Rasen.
Plötzlich bemerkte Iana, dass bei ihr Wasser austrat.

Sollte das der Beginn der Geburtswehen sein?
Eine Woche lang hatte Iana alles versucht, aber die Wehen setzten nicht ein, es passierte nichts.

Und die Cola und die scharfe Sauce, waren sie jetzt der Auslöser für all das?

„Marley, ich glaub‘, es geht los“, rief Iana.
„Nein, nein, bitte nicht, noch nicht heute!“

Marley schaute seine Mutter an. Sein Gesicht drückte Panik aus.
Er hatte Angst um seine Mutter. Aber er dachte auch daran, dass am nächsten Tag die Fahrradprüfung für ihn anstand, und die wollte er unbedingt ablegen.

Außerdem: Sein Bruder sollte nicht an einem 13. geboren werden. Das würde doch Unglück nach sich ziehen. Marley war verzweifelt und ratlos.

Iana spürte das aus ihr herauslaufende Fruchtwasser.
„Ich geh‘ in die Badewanne und danach ein wenig Make-up auftragen“, sagte sie. Sie schien ruhig und ausgeglichen, während um sie herum alles hektisch wurde.

THE LITTLE WILLIAM IS HERE (1)

A VERY NORMAL DAY BEGINS

Monday, May 13, 2019.
Iana’s pregnancy was coming to an end, but she was feeling fine. Her stomach was growing and it felt very hard but this didn’t bother her at all.

„I’m going to training today.“ she called to Marian, who was coming down the stairs and heading to the kitchen.

„Hm,“ he grunted, „he was not capable of anything more at that time of day. The day had just begun and Marians‘ batteries had not yet started up.“

„I want to move, not just sit here.“ Iana told him, while Marian was busy in the kitchen.

„But won’t it be too much for you? The contractions can start at anytime.“ Marian replied, looking at Iana’s stomach.

„Oh, it’s alright.“ she replied. Though she was constantly wondering when it was finally going to be time to give birth. Iana, Marian and Marley, could hardly wait for little William to finally arrive.

After training Iana still felt good and later in the afternoon, she even felt like sweeping the terrace. For some reason, she couldn’t let herself rest. She wanted to clean everything in the house.

„I can help you.“ she told Marian as he plucked weeds. She jumped up and grabbed the broom.
Afterwards she accompanied her son Marley to piano lessons together with Marian.

After piano lessons, they all went to a fast food restaurant together.

„I want to drink Cola.“ Marley said as they all sat down. „You know, that not only makes you fat but after you drink it you can not sleep all night.“ Marian warned his son.

Marley was just ten years old and a very bright boy for his age. „That doesn’t matter, I can stay awake and make videos telling my stories.“ he responded quickly.

„Think of Mr. Müller and his big belly. Do you want to look like that? „Marian joked.

„Papa, then I would have to drink whole truckloads of Cola.“ Everyone at the table was smiling.

„I want to try a Cola too.“ Iana said suddenly.

„Hopefully it will be good for you in your condition.“ Marian said.
„Yes, it will be fine.“ Iana replied, dipping a french fry into the spicy sauce.

It was nice to sit in the restaurant, to laugh and enjoy the three of them being together. Soon, there would be four, and quietly, little William was already sitting at the table.

Iana felt good after the meal. Hopefully the food and lightheartedness would help to start her labour.

„Mama, do you want to play Lego?“ Marley asked his mother when they arrived back home.

Iana agreed and Marley got the blocks out.
Meanwhile, Marian mowed the lawn in the garden.

Suddenly, Iana noticed that she was losing water.
Could this be the beginning of labour?

For a week, Iana had tried everything, but the contractions did not materialize, nothing happened. Could the Cola and spicy sauce have been the triggers?

„Marley, I think it’s starting.“ Iana shouted.

„No, no, please, not today!“

Marley looked at his mother. His face expressed panic.
He was worried about his mother, but he was also thinking about himself.

The next day he had a bycicle test and he really wanted to go. Also, he didn’t want his brother to be born on the 13th because that brings bad luck. Marley was desperate and at a loss.

Iana felt the amniotic fluid running out of her.

„I’ll go take a bath and then apply a little make-up.“ she said, seeming calm and balanced as everything around her became hectic.

ALLTÄGLICHES (5)

EIN FLYER, DEN MAN ALS WANDLITZER LESEN SOLLTE

Freitagmorgen. Ich sitze an meinem Schreibtisch und habe gerade mit meiner Arbeit begonnen. Meine Frau kommt herein und legt mir einen Flyer auf den Tisch.

„Hier, das wird dich interessieren“, sagt sie und deutet mit dem Finger auf das Foto auf dem Deckblatt.
„Sympathisch“, sage ich knapp.
„Und weiter?“
„Was weiter?“
„Na, lies mal den Namen: Oliver Borchert, der ist doch auf zahlreichen Plakaten abgebildet.“

Als meine Frau das sagte, fiel es mir auch auf.
Aber war das ein Grund,  diesen Flyer nun auch noch zu lesen?

Eigentlich nicht. Ich hatte kaum Interesse an diesem Wahlgetöse.

Mir reichte ohnehin die Diskussion in den Medien, die oft nicht mehr substanziell war, wo vielfach Worthülsen, oder ‚vorgestanzte‘ Formulierungen gebraucht wurden, um den politischen Wettbewerber niederzumachen und sich so selbst besser ins rechte Licht zu rücken.

Schon deshalb schaue ich mir die Menschen, über die ich schreibe, lieber persönlich an.
Also blättere ich lustlos im Flyer umher. Und dann nimmt mich das Geschriebene doch gefangen.

Das klingt entschlossen, man spürt beim Lesen förmlich die Tatkraft des Protagonisten.

8 Punkte sind aufgeführt, detailliert genug, um meine Vorstellungen anzuregen.

Da steht zum Beispiel etwas darüber, wie es weitergehen soll, mit dem Verkehrskonzept:“… die Ausweitung … des Halbstundentaktes der Regionalbahn bis Klosterfelde…“

Die Parkplatzsituation in Basdorf soll damit gleichzeitig verbessert werden.
Kleine Dinge? Ja, aber solche, die dir als Einwohner unter den Nägeln brennen.

Und: die ganz sicher großer Kraftanstrengungen bedürfen, wenn sie Wirklichkeit werden sollen. Du brauchst Menschen mit Energie, Entschlusskraft dafür, um den auf dem Papier formulierten Visionen tatsächlich Leben einzuhauchen.

Ich glaube, der Oliver Borchert ist so einer, der diese Fähigkeiten mitbringt.

Kann ich das genau sagen? Nein. Ich kenne ihn gar nicht. Aber warum habe ich ihn nicht längst schon einmal angerufen, einen Termin vereinbart, um ihm ein paar Fragen zu stellen?

Keine Ahnung. Warum macht man vieles im Leben nicht?
Auf jeden habe ich schon mal das Faltblatt in der Hand.

„Wandlitz ist Entwicklungsachse – aber auch Naturgemeinde!“, lese ich weiter.
Besser kann man es nicht auf den Punkt bringen.

Ich denke zurück, als ich das erste Mal nach Wandlitz kam. Das war im Jahr 1993. Damals war ich bei der Firma Adams& Partner Wohnungsbau GmbH angestellt und sollte nach Wandlitz fahren, um mich mit dem Gebiet vertraut zu machen und später den Verkauf der noch zu errichtenden Immobilien zu organisieren.

Ich schlief in Wandlitz in einem Hotel und fuhr morgens mit meinem kleinen Auto über holprige Straßen.

Meine Familie wohnte in Stralsund. Dort waren wir nach der Wende hingezogen, weil ich einen Job als Dozent bekommen hatte.
Dann zog es mich aber  in die ‚große, weite Welt‘, in den Westen.

So wohnte ich zu dem Zeitpunkt in einer kleinen Wohnung in Essen. Und nun fuhr ich in Wandlitz umher.

„Ich bin ‚am Arsch der Welt‘“, dachte ich und war so unglücklich wie ich es nur sein konnte.

Ein paar Jahre später zog ich mit meiner Familie nach Basdorf. Das mit dem ‚Arsch‘ konnte ich nicht zurücknehmen. Also taufte ich das Gesagte um, in einen ‚schönen Arsch‘ eben.

Mein Chef sagte mir damals, dass wir mit den Bauten in Basdorf den Ort Wandlitz überholen würden. Das haben wir nicht geschafft. Aber das war ja auch nicht nötig. Heute gehört alles zu Wandlitz.

Und deshalb finde ich die Strategie von der ‚Entwicklungsachse‘ gut.

Außerdem: Ich liebe den Liepnitzsee. Ich laufe dort sehr gern, auch wenn mich schon mal der Dackel des Försters vor Jahren in das Knie während des Nordic Walkings gezwickt hat.

Warum schreibe ich das eigentlich auf? Ich weiß es nicht genau. In der Regel erstelle ich einen sogenannten Plot von dem, was ich später veröffentliche.
Das hier tippe ich spontan herunter. Ist das ein gutes Zeichen? Ja, auf jeden Fall.

Ich freue mich einfach, dass wir hier im Ort so tolle Menschen haben.

Kann der Oliver Borchert Bürgermeister? Mein Bauchgefühl sagt ja.

Und ich habe einen großen Bauch.

PORTRÄT – SCHWESTER INES AUS BASDORF – GEMEINDE WANDLITZ

SchwesterInes, Ines Gentzsch, hat im Pflegedienst Ascuvita GmbH die Geschäftsführung inne, gemeinsam mit Stefanie Claasen.

EINFÜHRUNG

Das folgende Interview ist zufällig entstanden, fast zufällig.

Ich hatte erfahren, dass Schwester Ines seit einiger Zeit Mitinhaberin eines neu gegründeten Pflegedienstes in Basdorf ist.

Das fand ich einerseits sehr schade, weil ich sie als Schwester kannte, aus der Arztpraxis. Und ich schätzte sie dort sehr.

Sie war unter Patienten beliebt. Andererseits freute ich mich wiederum, dass eine Schwester mit solch einer profunden Fachkenntnis und einer sehr sozialen Ader künftig für Pflege-und Hilfsbedürftige da sein wollte.

Es wird viel darüber geschrieben, dass wir dringend Fachkräfte im Pflegebereich benötigen. Gute möglichst noch dazu.

Die gute Nachricht: Schwester Ines gehört genau zu diesen Menschen.

Warum schreibe ich das? Weil ich etwas von medizinischen Dingen verstehe?

Nein. Das ist nicht der Fall.

Vielleicht aber verstehe ich ein wenig von Menschen und deren Stärken.

Darum soll es im Interview gehen, um Schwester Ines und wie sie sich als Unternehmerin in der Pflegepraxis etabliert hat.

ZUM INTERVIEW:  

INTERVIEW (13)