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ABENTEUER FITNESS-STUDIO

ALLTÄGLICHES-2021.07.29

Es musste noch zu früh sein, um auf die Uhr zu sehen.
Ich wälzte mich im Bett auf die andere Seite und versuchte weiter zu schlafen.

Ich blieb wach. Schließlich rappelte ich mich doch hoch im Bett und versuchte, die Lichttaste vom Wecker zu erwischen. Das klappte auch, nur fiel die ganze Uhr dabei um, krachte mit einem scheppernden Geräusch auf die Glasplatte.

„Sei bitte leise, wenn du so früh aufstehst“, hatte Klara mir noch gestern Abend gesagt.
„Das ist doch selbstverständlich“, erwiderte ich.

Jetzt war es zu spät dafür. Ich schaute auf die Uhr. Es war kurz nach drei.

Sollte ich mich noch einmal hinlegen und dann verschlafen?
Ich wollte unbedingt gegen vier Uhr losfahren.

Also schwang ich die Beine aus dem Bett, stieß gegen die Bettrolle, die in der Ecke stand und umfiel.
Klara hob den Kopf.

„Kannst du nur einmal nicht wie ein Bagger durch das Zimmer rollen?“
Ich antwortete nicht, sondern ging nach draußen und machte das Licht im Flur an.

„Mach das Licht aus“, rief Klara sofort.
Ich gehorchte und drückte auf den Schalter. Ich stand barfuß vor der Badtür und streifte nur leicht mit dem großen rechten nackten Zehen die Kante vom Türrahmen.

‚Jetzt bis du wenigstens munter‘, redete ich mir ein, während der Schmerz brennende Signale an mein Gehirn abgab: ‚Du Trottel solltest besser aufpassen oder im Bett liegenbleiben.‘

Ich beschloss, all das zu ignorieren und zog mich an, gleich in Sportkleidung.

Anschließend tastete ich mich im Dunkeln die Treppe runter und leuchtete mit dem iPad die einzelnen Stufen ab.

Dann Tee kochen, Banane ins Auto legen, 1,5 Liter Wasserflasche auffüllen, losfahren.

Ich musste durch den Wald, weil die Landstraße wegen Bauarbeiten gesperrt war, schon lange, eine gefühlte Ewigkeit.

Ich holperte über die Unebenheiten der Straße, jagte für eine Weile einen Hasen, der nicht aus meinem Lichtkegel herauskam.

Was sollte ich tun, ihn ignorieren, das brachte ich nicht fertig. Also entweder ich bog in Richtung Baum ab oder er tat es. Ich war dafür, dass er es auf sich nahm.

Ich fuhr ganz langsam, schaltete das Licht aus und dann wieder an.
Der Hase hoppelte ganz weit hinten auf der Waldlichtung davon.

Endlich Landstraße. Ich bretterte an Buch vorbei, rauf auf die Autobahn, runter an der Prenzlauer Promenade. Die Ampeln waren alle auf grün geschaltet.

Im Radio trällerte jemand das Lied „Einmal von Rügen nach Paris.“ Was hätten sie wohl mit dem Sänger vor dreißig Jahren gemacht? Das war ja der direkte Aufruf zur Republikflucht.

Aber heute Morgen, drei Jahrzehnte später, Paris?
Nee, lieber Rügen und dort an den Strand legen. Ist sicherer wegen Corona.

04.27 Uhr, ich fahre in die Tiefgarage. Es ist gespenstisch. Als ich aussteige höre ich das dumpfe Geräusch von einem Gewicht, das zu Boden knallt.

Also war ich nicht der erste.
04.59 Uhr, ich stehe auf dem Laufband und drehe langsam die Geschwindigkeit hoch.

Als ich bei 5,5 bin, fahre ich die Steigung auf 15 hoch. Mehr geht nicht.
Ich komme ins Straucheln, habe Angst, dass mir das Band davonläuft und ich mit dem Gesicht auf dem Boden aufknalle.
Mit letzter Kraft fahre ich die Steigung zurück, keuche und röchele dabei.

Dreißig Minuten sind geschafft, ich lege mich danach auf die Bauchbank, verschränke die Hände auf meinem Oberkörper und freue mich, dass ich noch lebe.

Ich raffe mich auf und hebe und senke die Beine.
07.15 Uhr – Ich hole mir ein Proteingetränk für drei Euro. Wenn das Klara wüsste. Weiß sie aber nicht.

Ich will unbedingt wieder das Abnehmen forcieren.
Gestern kam ein Mann auf mich zu und sagte mir, dass ich gut wäre an der Bizeps Maschine wäre. Ich schaute misstrauisch zu ihm hoch.

„Was schleimte der rum?“
„Du musst dir eine Folie um den Bauch legen, dann verbrennst du dein Fett.“

„Du, danke, aber ich habe zu lange daran gearbeitet, damit ich so aussehe, wie ich es jetzt tue.“
Er schaute mich an und forschte in meinem Gesicht, ob es ein Spaß gewesen wäre.

War es auch, aber ich mochte nicht lachen, denn ich hatte noch zu viele Geräte vor mir.
Aber heute war ich für mich und brauchte keine noch so gutgemeinten Ratschläge annehmen.
Ich setzte mich noch für eine Weile auf die Bank draußen, blinzelte in die Sonne und sah einer Taube zu, die vor mir saß.

„Das Leben ist schön“, sagte ich mir und begab mich auf den Rückweg.

Ich rief Klara an. Sie war heute im Homeoffice.
„Soll ich Frühstück machen?“, fragte sie mich.
„Das wäre toll und freute mich auf den Kaffee.“

„Du, ich bin voller Energie“, sagte ich zu ihr, als ich zur Tür hereinkam.
„Das habe ich gemerkt, und zwar schon vor deinem Sport“, antwortete Klara trocken.

Ich wartete noch, ob vielleicht ein kleines Lob kam, dafür, dass ich so früh aufgestanden war, mich in die City gestürzt hatte, nur um zwei Stunden Sport zu treiben.

Es kam nichts.
„Wie weit bist du eigentlich mit deinem Interview? Ist das fertig?“, fragte sie mich.

„Ja, ist fertig.“
Sie dachte wahrscheinlich fertig zum Abgeben. Ich aber meinte: Rohentwurf fertig.

„Dann kannst du ja heute noch neue Kunden anrufen“, sagte sie.
„Kann ich, aber ich muss noch ein bisschen am Text feilen“, sagte ich.

Das Hamsterrad des Alltags nahm wieder seinen Lauf.
Ich war immer noch gutgelaunt und wollte es auch bleiben, bei dem Energieschub von heute Morgen? Das musste einfach drin sein.

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FITNESS IST MEHR ALS NUR MUSKELN TRAINIEREN – ES KNÜPFT EIN MENTALES BAND ZWISCHEN MENSCHEN IM ALLTAG

ALLTÄGLICHES-2021.07.28

ALLTÄGLICHES-2021.07.28

Kalle, der Allrounder vom JR-Fitness-Studio im Prenzlauer Berg,  motiviert dich – neben seiner Arbeit, fast unbemerkt, aber mit einem merklich positiven Ergebnis für dich – mental und für deine Bereitschaft, erneut zum Training zu kommen, nun schon fast täglich.

Ich bin noch nicht lange wieder im Fitness-Studio – erst, nachdem ich zweimal geimpft worden bin.

Jetzt ist es wohl schon die dritte Woche, in der ich morgens wieder regelmäßig zu John Reed in den Prenzlauer Berg fahre.

Es fühlt sich noch schwer und behäbig für mich an. Allein, wenn ich die Treppen von der Tiefgarage rauf bis zum Eingang des Studios gehe, keuche ich, als hätte ich schon einen Halb-Marathon absolviert.

Kalle hat mich da beruhigt: „Du, die Treppenstufen sind wahrscheinlich höher als normal gebaut.“
Ich war sofort bereit, ihm das zu glauben.

Aber das ist es, was mich schließlich schnell motiviert.

Während ich mich ausgeschlafen, na gut – so einigermaßen, kurz vor sechs Uhr morgens durch die Tür schleppe, eher missgelaunt bin, begrüßt Kalle mich hinter dem Tresen mit einem fröhlichen ‚Guten Morgen Uwe.‘

Dabei müsste er derjenige sein, der kaputt ist, denn hinter ihm liegen ja viele Arbeitsstunden, die er in der Nacht im Studio absolviert hat.

Aber in dem Moment, in dem ich ihn treffe, da lege ich meinen eigenen inneren Schalter um und sage mir: ‚Komm‘, du Lusche, sei fit und motiviert, du hast keinen Grund dich hier nur durchzuschleppen.“

Es sind nie die großen Dinge, die mich begeistern, sondern eher die kleinen, die alltäglichen Gesten, die mir schließlich gute Laune bereiten.

Kalle hat dafür ein Händchen. Er sagt zwar, er sei nur der Allrounder, der sich kümmert, aber ich denke, er ist mehr.

Nämlich jemand, der Menschen zusammenführen kann, jedem der zur Tür reinkommt das Gefühl gibt: ‚Hey, besonders du bist hier herzlich willkommen.‘

Wir sprechen nie lange miteinander, dann wuselt Kalle schon wieder irgendwo hin -und her, achtet darauf, dass die Hygieneregeln eingehalten werden, kontrolliert den Impfstatus bei den Leuten, die durch die Eingangstür kommen.

Kurzum, es ist mehr ein positives Feeling, was Kalle verbreitet und dabei noch seine Arbeit macht.

Im Stillen denke ich oft: „Du möchtest hier jetzt nicht wischen, oder mit dem Lappen die Ecken im Studio säubern.“

Da bin ich dann doch froh, dass ich lediglich an den Geräten trainieren muss oder besser darf.

Ich schätze Kalle, weil er unaufdringlich ist, sich kümmert, stets ein gutes Wort übrighat, und ganz nebenbei, fast unbemerkt, alles im Griff hat.

Also, ich sitze jetzt am Schreibtisch, müsste eigentlich das Interview mit der Prima Ballerina protokollieren, aber das hier aufzuschreiben, das macht eben mehr Spaß.

Ich bin froh, dass ich wieder ins JR-Studio fahren kann. Und das mit dem Gewicht und den laschen Muskeln, das kriege ich auch wieder in den Griff, die Hoffnung jedenfalls bleibt.
Bis demnächst mal, Kalle.

MIT KRÜMEL GLÜCKLICH UND ABWECHSLUNGSREICH – EIN ATEMLOSES WOCHENDE

ALLTÄGLICHES-2021.07.26

Der blöde Code an der Kita-Eingangstür

Wir haben uns darauf gefreut, Krümel aus der Kita abzuholen.
Und Krümel war auch schon ganz aufgeregt.

„Oma und Opa, ich bleib‘ zwei Tage bei euch“, hat sie fröhlich durchs Telefon geschmettert.

Die erste Hürde war die Eingangstür zur Kita. Ich hatte mir den Code gemerkt, aber nicht, in welcher Reihenfolge was eingegeben werden musste.

Schließlich waren wir drin, nach vielen gutgemeinten Ratschlägen von Eltern, die ungeduldig hinter uns warteten, dass wir die Tür endlich aufbekamen.

„Wir wollen Krümel abholen“, sagte ich zu einer Erzieherin, die im Hof die lärmenden Kinder beaufsichtigte. Es war dort eine schöne Atmosphäre.

Vor mir auf dem Tisch standen Schalen mit frischem Obst. Ich wollte schon hineinlangen, aber der strafende Blick von Klara hielt mich davon ab.

„Plötzlich erkannte uns Krümel. Sie stürmte auf uns los und rief: ‚Oma, Opa.‘

„Ich kenn‘ Sie nicht“, sagte die Erzieherin.

„Ich kenn‘ Sie auch nicht, aber unsere Enkelin kennt uns und das ist wohl das Wichtigste“, sagte ich trotzig und bekam prompt von Klara einen kräftigen Stoß in den Rücken.

Ich fingerte noch den Führerschein aus dem Etui des Handys und zeigte ihn der Erzieherin. Die hatte schon das Foto erkannt, das auf der Vorderseite war und auf dem ich mit Krümel zu sehen war.

„Ihre Enkelin hat einen Jungen gekratzt“, sagte jetzt noch die Erzieherin.

Ach, auf einmal war es unsere Enkelin, als sie die Nachricht loswerden konnte.
„Ist gut, brummte ich“, bereit, Krümels Handlung zu verteidigen. Ich wusste, es war pädagogisch falsch, so zu reagieren, aber ich war nun mal innerlich auf ‚180′ und da zog ich einen mentalen Verteidigungskreis um meine Liebsten.

Ich war aber in dem Moment nicht der Liebste von Klara. Die hatte die Nase voll von meinen wortreichen Eskapaden und war mit Krümel bereits auf dem Weg nach draußen. Krümel hüpfte an ihrer Hand fröhlich von dannen. Ich trottete hinterher, nachdem ich ‚Wiedersehen‘ gebrummt hatte.

Aber das nächste Mal würde ich vor der Eingangstür warten und das Feld gleich Klara überlassen.

„Wir hatten einen ‚onteur‘, jaha“

Ich hatte mich beruhigt und wir fuhren fröhlich mit Krümel zu uns nach Hause.

„Warum wohnt ihr im Dorf?“, fragte Krümel.
„Das ist die Hunderttausend Euro – Frage, die ich dir auch nicht beantworten kann“, sagte ich zu ihr, ohne den Blick von der Straße im Auto zu lassen.

Endlich, wir waren Zuhause, im Dorf.
Klara kümmerte sich um Krümel, ich machte die Schirme auf.
Wir legten uns für einen Augenblick auf die Liegen und schauten zu, was Krümel machte.

Die spielte und lief mit nackten Füssen auf der Terrasse umher.
„Krümel, zieh‘ dir bitte die Schuhe an“, sagte Klara.

„Hm, ich will nicht“, kam es trotzig von Krümel.
„Bitte, sei so lieb“, versuchte Klara sich bei ihr einzuschmeicheln.

Aber ohne ihr ein Eis in Aussicht zu stellen, oder zu sagen, dass sie die ‚Hunde‘ im Fernsehen anmachen konnte, bewegte sich da nichts.

Nein, Krümel lief nach drinnen, machte die Terrassentür hinter sich zu und drückte den Hebel nach unten.

Ich schnellte von der Liege hoch.
„Drück die Klinke wieder zur Seite“, sagte ich von draußen zu Krümel.

Krümel versuchte es, ohne Erfolg.
Ich bekam sofort Panik, lief in den Schuppen, um den Ersatzschlüssel zu suchen.
Der war da aber nicht mehr.
Klara hatte ihn wieder rausgenommen, aus Sicherheitsgründen.
Plötzlich hörte ich die große Haustür klappen.

War die etwa noch auf?
Bevor ich das überprüfen konnte, stand Krümel vor mir und lachte mich an.

Die Haustür hatte sie hinter sich zu fallen lassen.
Jetzt waren wir endgültig ausgesperrt.

Der Nachbar bot sich an, die Tür mit einem Stemmeisen hochzuheben oder das Schloss einfach aufzubohren.

Wir lehnten dankend ab.
Endlich, ich bekam einen Monteur, der in ca. zwei Stunden bei uns sein wollte.

„Finden Sie denn zu uns, obwohl die Straße gesperrt ist?“, fragte ich ihn.

„Naja, ich weiß nicht“, erwiderte er zögerlich nach einer Pause.
„Gut, dann hole ich Sie ab. Kennen Sie den Waldweg, kurz nach dem Kreisverkehr, da wo es in Richtung Liepnitzsee geht“, fragte ich ihn.

„Klar“ sagte er knapp.
„Gut, da steh‘ ich und warte auf Sie“, antwortete ich.

Es klappte alles prima. Wir trafen uns, der Monteur fuhr hinter mir und ich schaukelte mit dem kleinen Jeep vor ihm über die Sandwege und durch die Schlammlöcher hindurch.
Dann ging dann alles sehr schnell.
Nicht einmal fünf Minuten hatte es gedauert, bis er die Tür geöffnet hatte.

„Sie könnten Ihr Geld auch leichter verdienen“, sagte ich zu ihm.
Der Monteur schmunzelte, schrieb die Rechnung aus und verabschiedete sich ins Wochenende.

Wir waren froh, dass alles so reibungslos gegangen war. Obwohl: Ein ziemliches teures Wochenende war es schon.

„Wir hatten einen ‚onteur‘, jaha“, sagte Krümel zur Nachbarin. Die freute sich mit Krümel. Wir konnten auch schon wieder lachen.
Immerhin hatte Krümel in der Zeit, als wir auf den Monteur gewartet hatten, eine bühnenreife Vorstellung im Garten geliefert.

„Ich bleib‘ bei euch“, sang sie aus Leibeskräften und tanzte dazu.
„Opa, das ist der Löwe“, rief sie zu mir.

Sie meinte wohl das Lied aus dem Film ‚Der König der Löwen‘.
Das erste Mal wurde das Rasenstück im Garten zur großen Bühne.

Wir schauten gebannt zu, hatten ein bisschen Angst, dass sich die Nachbarn wegen der Gesanges Lautstärke von Krümel beschwerten.

Wir jedoch, wir fanden es toll und merkten gar nicht, wie die Zeit verging.

Am nächsten Tag brachten wir Krümel zurück, zu ihrer Mama.
Die wartete mit dem Fahrrad für sie bereits unten vor dem Hauseingang.

Krümel stieg auf das Fahrrad, winkte uns noch einmal zu und fuhr schnurstracks in ihr nächstes Abenteuer.

Wir waren ein bisschen traurig, weil es im Garten nun so still war.
Aber wir schliefen beide ein, erschöpft und traumlos.

Bald geht es wieder los, an die Ostsee.

Dann heißt es morgens: „Opa, ‚pomm‘, wir spielen mit den Autos.‘
Ich freu‘ mich drauf.

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GLÜCKSGEFÜHLE VON NULL AUF HUNDERT

ALLTÄGLICHES-2021.07.22

Es war schon weit nach Mitternacht und ich wälzte mich im Bett hin und her.

Aber ich hatte noch genügend Zeit, mich umzudrehen und weiterzuschlafen, dachte ich.

Ich hob meinen Kopf, nur um mich zu vergewissern, dass ich noch mindestens eine Stunde schlafen konnte.

Ich hatte falsch gedacht. Die Uhr zeigte 03.35 an – nur noch 10 Minuten, bis der Wecker klingelte. Ich war deshalb schockiert, verärgert, deprimiert.

Was sollte der Tag bringen?
Sich jetzt müde hochquälen, fertigmachen und Klara nach Berlin bringen, danach umdrehen, zurück in den Prenzlauer Berg fahren und knapp zwei Stunden Fitness machen?

Ich wollte nicht, und deshalb dachte ich auch, ich könnte es nicht.

„Ich glaub‘, ich bleib‘ heute hier. Ich muss so viel erarbeiten, ich schaff‘ das nicht.“

Klara antwortete nicht.
Ich stand seufzend auf, und nach einer Viertelstunde fand ich mich in der Küche wieder, um das Frühstück zu machen.

Vorher schaute ich noch auf das Handy, ob über WhatsApp neue Nachrichten gekommen waren.

Von Krümel war etwas drauf, eine Sprachnachricht.

Ich klickte auf den Link und Krümels fröhliche Kinderstimme war zu hören. Sie begann ihren Satz damit, dass sie sagte: „Du bist mein liebster Opa.“

Jetzt war ich hellwach. Ich spielte alles ab, was Krümel mir erzählte, davon, dass wir wieder mit ‚Spyki‘ wollten.

Und zum Schluss hörte ich, wie sie mir einen lauten Kuss gab.
Ich spürte, wie mich Glückshormone durchströmten, die Energiequellen ansprangen und ich mit einem Schlag nicht nur munter, sondern auch hoch motiviert war, in das Fitness-Studio zu fahren.

Was willst du mehr von deinem Tag, als dass dich einer deiner liebsten Menschen so am Morgen begrüßt. Ich war einfach glücklich. Und Klara war es später auch.

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Copyright Kristina Müller
Mein Freund der Alltag
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MONTAGS AM SEE LAUFEN – BESSER KANN DIE WOCHE NICHT BEGINNEN

ALLTÄGLICHES-2021.07.19

ALLTÄGLICHES-2021.07.19
Klara hat heute Homeoffice und so bin ich erst kurz vor halb sechs Uhr aufgestanden und nicht ins Fitness-Studio gefahren, schon wieder nicht.

Dafür habe ich mich aber aufgerafft und bin eine Stunde am Liepnitzsee gelaufen.

Aber es war mindestens eine halbe Stunde zu spät. Radfahrer überholten mich im Wald, auf dem Weg runter zum See. Sie wollten alle baden, dachte ich jedenfalls bei mir. Einige waren aber auch schon da.

Unten am Wasser angekommen, lief ich einer Frau fast in die Arme. Sie war nackt. Splitterfasernackt.

Sie schaute mich mit neugierigen Augen an und schien sich dabei zu amüsieren. Sie hatte wohl meinen schreckgeweiteten Blick gesehen.

Sie schien sich so wohlzufühlen, dass sie ihr übergroßes Badehandtuch nicht etwa schnell um ihren Körper schlang. Nein, sie faltete es sekundenschnell zusammen, nahm die Arme hoch und legte es um ihre Haare.

Jetzt fühlte ich mich noch unwohler. Ich war in Jogging-Kleidung, mit Nordic-Walking-Stöcken.

„Guten Morgen!“, rief sie mir mit fröhlicher Stimme entgegen.
Ich schaute kurz auf, denn vorher hatte ich den Blick gesenkt, ihn im Sand vergraben, so als gäbe es dort seltene Schätze zu entdecken.

„Guten Morgen“, grüßte ich leise zurück.
Ich schaute sie kurz an und sie lachte jetzt übers ganze Gesicht. Ich kam mir vor wie ein Trottel.

Sie sah gut aus, war um die fünfzig Jahre, hatte eine tadellose Figur und strahlte vor allem Energie aus.

Gut, soviel hatte ich in den wenigen Augenblicken registrieren können. Darauf war ich ja trainiert als jemand, der über Menschen im Alltag schrieb.

Es passte alles – ‚Mensch‘, ‚Alltag‘, nur die Situation war ungewöhnlich.

Auf dem Rückweg ertappte ich mich dabei, dass ich hoffte, noch einmal an ihr vorbeizulaufen.

Denkste.

ENTEN

 

Dafür schwammen Enten am Ufer. Die habe ich fotografiert.
„Wie war’s?“, fragte Klara mich, die gerade dabei war, das Frühstück zu bereiten.

„Schön, da unten waren Enten. Ich habe sie fotografiert, sieh‘ mal.“
Ich zeigte ihr die Bilder.

„Und sonst?“
„Och, es war schon ganz schön voll.“

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STENOGRAMM FITNESSSTUDIO – SEIT LANGEM MAL WIEDER

ALLTÄGLICHES-2021.07.15

Mit dem morgendlichen Training im Fitness-Studio kannst du deinen Alltag nicht wirklich verändern, die Sicht darauf aber schon.

Es ist wieder anstrengend geworden, im JR-Studio im Prenzlauer Berg.
Ich habe ja erst in der vergangenen Woche erneut mit dem Training begonnen, nach dem Lockdown.
Klar, ich merke, dass ich lange nichts gemacht habe.

Alle guten Vorsätze, nämlich täglich im Homeoffice Übungen durchzuführen, die habe ich im Kalender immer wieder auf den nächsten Tag verschoben.

Vorausschauend planen, so nannte ich das.
Aber jetzt kann ich mich nicht mehr rausreden. Meine Frau arbeitet heute im Homeoffice.

Ich bin also allein aufgestanden, eine Viertelstunde vor vier Uhr morgens, wie sonst auch.

Halb fünf Uhr war ich auf der Piste und eine halbe Stunde später im Prenzlauer Berg.

05.20 Uhr war die erste Übung dran – Beine auf der Bauchbank heben und senken.

Das hört sich leicht an, ist es wahrscheinlich auch, nur nicht für mich. Ich habe gekeucht und zum Schluss darum gekämpft, dass die Beine einigermaßen gerade wieder nach unten kamen.

Dann ging es alles Schlag auf Schlag – Rücken strecken, Bizepsmaschine, Trizepsmaschine, Bauchmaschine.

Zehn Minuten nach sieben Uhr war ich heute Morgen fertig.
Anderthalb Stunden Training, stellt euch das mal vor. Aber erzählen kann ich darüber nicht groß, denn ich ernte stets misstrauische Blicke.

„Na Dicker, wieder mal davon geträumt, dass du dort warst?“, oder so ähnlich.

Aber ich war da und ich habe fünfzehn Trainingsstationen absolviert.
Die Arme tun weh, im Rücken spüre ich Muskelkater.
Kurzum, wozu das Ganze?

Ich könnte jetzt von ‚gesünder leben‘ schwadronieren, vom Abnehmen und meinen zerbrochenen Träumen erzählen.
Heute nicht.

Ich weiß nur eines: Ich bin unmutig hineingegangen, aber voller Power, vor allem mental, wieder herausgekommen.

Als ich nach insgesamt zwei Stunden draußen auf den Treppenstufen stand und meine Maske in der Tasche verstaut habe, da fühlte ich mich wie ein Held.

Doch als ich hochblickte, da war dieses Gefühl erst einmal vorbei.
Auf der auf dem gegenüberliegenden Fußweg, da machte ein relativ jung aussehender Mann auf dem Gehweg Liegestütze, mit hoher Taktzahl.

Ich traute meinen Augen nicht. Als die Ampel auf grün schaltete, da schnappte er sich den vor ihm stehenden Kinderwagen und joggte auch noch über die Straße.

Irgendwie nötigte mir das alles Respekt ab. Ob ich wohl auf dem Weg mit Krümel zur Kita noch zwischendurch auf die Hände fallen würde, um ein paar Liegestütze zu machen?

Eher unwahrscheinlich; wahrscheinlicher wäre, ich würde bei meinem Gewicht nach der ersten Übung zusammenbrechen und Krümel würde wohl fragen: ‚Opa, alles ‚dut‘?‘

Also Hut ab, Fremder, du hast mit Sicherheit mehr Stress und schaffst es trotzdem noch, dich zwischendurch zu bewegen, dich fit zu halten.

Ich stieg in mein Auto und fuhr trotzdem stolz nach Hause.
Klara hatte Frühstück gemacht. Ich hatte einen Bärenhunger.

„Wieso kriege ich nur zwei Brötchen?“, habe ich sie gefragt.
„Du willst abnehmen, also tu‘ etwas dafür“, kam die trockene Antwort.

Ich habe nichts darauf geantwortet.

„Und wie war ich heute Morgen?“, fragte ich stattdessen.
Ich wollte so etwas hören, wie: „Ach toll, dass du dich so früh aufraffen konntest, dass du was für deinen Körper tust, einfach deine Ziele verfolgst.“

„Du warst ziemlich laut heute Morgen. Und wieso hat es so lange gedauert, bis du endlich losgefahren bist?“

Ich habe nicht geantwortet, aber ich habe den Käsesalat einfach mit dem Löffel aufgegessen, wenn ich schon kein weiteres Brötchen bekam.

Klara war da ja schon wieder nach oben gegangen.
Sie sagte, sie müsse arbeiten, sie können nicht die ganze Zeit bei mir sitzen.

Ich habe auf dem iPad die App für „Die Zeit“ geöffnet.
‚Die Macht des Bauchgefühls‘, stand da. Naja, darüber könnte ich ja eine Menge berichten.

Aber ich ging dann wenig später doch an meinen Schreibtisch.
„Rufst du heute Kunden an?“, hörte ich aus dem Nebenzimmer Klara fragen.

‚Jetzt werde ich da auch noch kontrolliert‘, dachte ich.
„Ich mach mal die Tür zu, damit du in Ruhe arbeiten kannst“, habe ich geantwortet.

Trainieren im Studio macht Spaß, weil du im Team bist, und dich doch keiner fragt, wie viel du eigentlich schaffen willst.

Naja, Klara meint es nur gut, mit der Haushaltskasse und damit irgendwie auch mit mir.

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IN STRALSUND KAUF ICH MIR VOR DEM UMSTEIGEN EIN BRÖTCHEN

ALLTÄGLICHES-2021.07.13

Von Zugausfällen, die keiner eingeplant hatte

Klara hatte drei Tage hinter sich, die sie lieber vergessen würde. Sie war am vergangenen Donnerstag früh aufgestanden, ich hatte sie zum Zug nach Bernau gebracht und gegen elf Uhr war sie bereits an ihrem Bestimmungsort in Sassnitz angelangt.

Sie hetzte zur Besichtigung eines Zimmers in einer Betreuungseinrichtung, in dem ihre Mutter in Kürze untergebracht werden sollte.

Am nächsten Tag unterschrieb sie die entsprechenden Pflege- und Betreuungsverträge für das Heim.

„Was machst du denn hier?“, fragte ihre Mutter sie, als sie danach bei ihr klingelte.

Es war bereits am späten Vormittag, als ihre Mutter ihr die Tür im Schlafanzug öffnete.

„Ich wollte mal schauen, wie es dir geht“, sagte Klara zu ihr, ohne groß weitere Erklärungen abzugeben.

„Mutti, wir müssen dich fertigmachen, denn du bekommst die zweite Impfung gegen Corona“.

„Zweite Impfung? Warum?“
„Das erklären wir dir unterwegs, denn du wirst gleich abgeholt.“
„Von wem?“
„Von deinem Sohn, Mutti.“
„Von meinem Sohn?“
Ihre Mutter schaute sie staunend an.

„Was hat der damit zu tun?“
„Mutti, das ist der Einzige, der uns zum Arzt fahren kann, oder wolltest du eine Stunde zu Fuß unterwegs sein?“

Klara war erschöpft, müde und mochte nichts mehr erklären.
Endlich. Es klingelte an der Tür und Klaras Bruder wartete danach unten am Auto auf seine Mutter.

Als beide losgefahren waren, ging für Klara die Arbeit in der Wohnung ihrer Mutter los.
Bettwäsche im Schlafzimmer wechseln, die dreckige in die Waschmaschine tun, saubere aufziehen,
in den Wäschebeutel schauen, Unterwäsche, Blusen und Hosen heraussuchen und ebenfalls waschen, den Staubsauger herausholen und saugen, danach wischen, Kaffee aufsetzen und den Tisch für ihre Mutter decken.

„Ach, was machst du in meiner Wohnung?“, begrüßte ihre Mutter sie, und das mit einem Gesicht, als hätte sich Klara unangemeldet bei ihr aufgehalten.

Samstagabend. Klara stieg in den Zug nach Stralsund.
Sie hatte alles durchgeplant und war nun froh, dass alles so abgelaufen war, wie sie es vorhatte.
Sie war zwar unendlich müde und hatte kaum noch Kraft.
Klara ließ sich erschöpft in den Sitz im Zug fallen und schaute einfach aus dem Fenster.

Sie war gern auf Rügen, liebte die Straßen, den Blick auf das Wasser in Lietzow. Es stellte sich schnell wieder ein Gefühl von Heimat ein. Es roch nach Seeluft, man spürte den frischen Wind.

„Hier kannst du alles vergessen“, hatte sie am Telefon zu mir gesagt.
Ich verstand das sofort, weil es mir genauso ging, wenn ich dort oben war.
Hier in Brandenburg, da war es auch schön, ich liebte die Schorfheide, den Liepnitzsee.
Aber das Meer war doch noch etwas ganz Anderes.

„Was nützt dir das alles, wenn du gar keine Zeit für das Schöne hast“, habe ich entgegnet.

Klara bekam Hunger. Sie hatte es in Sassnitz nicht mehr geschafft, etwas vor der Abfahrt zu essen.

‚Ich kauf‘ mir ein Brötchen in Stralsund‘, dachte sie.

Plötzlich ertönte ein Signal und eine Stimme sagte: „Der Zug von Stralsund nach Berlin, Abfahrt 19.13 Uhr von Stralsund fällt aus.“
‚Der Zug fährt nicht, einfach so?‘
Klara glaubte, nicht richtig zu hören.

„Wieso fällt der Zug aus?“, fragte Klara den Schaffner, der an ihr vorbeilief.

Der Schaffner drehte sich um und zuckte mit den Schultern.
„Das kann ich Ihnen auch nicht sagen.“

Klara wusste nicht, was sie machen sollte.
Über Gesundbrunnen fahren? Aber das wäre ein ziemlicher Umweg.

„Sie können den Zug nach Baruth nehmen, der ist 21.44 in Oranienburg“, sagte der Schaffner noch zu Klara und schaute sie ein wenig schuldbewusst an.

Doch der konnte ja am wenigsten dafür.
Dass der Zug sich mal verspätet, das hatte Klara schon des Öfteren mal erlebt, aber gleich ganz ausfallen?

Sie konnte es vergessen, sich in Stralsund vor dem Umsteigen noch ein Brötchen zu kaufen.

Die neue Zugverbindung über Neubrandenburg ließ das nicht zu. Der Zug fuhr bereits 19.02 Uhr ab.

Klara hetzte nach ihrer Ankunft zum anderen Bahnsteig, von dem aus der Zug nach Berlin abfuhr.

Als sie im Zug saß, rief sie mich an und sagte, dass sich der Plan geändert hätte und ich sie von Oranienburg abholen sollte.

„Ich kenne den Bahnhof von Oranienburg nicht“, sagte ich zu ihr.
Ich hatte am Samstagabend keine Lust, noch groß den Weg dorthin zu erkunden.

Im Fernsehen lief die Sendung mit Gottschalk – ‚50 Jahre Hitparade, Zugabe‘.

Ich mochte die coolen Sprüche von Gottschalk immer noch und hätte die Sendung gern gesehen. Außerdem liebte ich Schlager. Schweren Herzens erhob ich mich aus dem Sessel, um mich auf den Weg zu machen.

Klara hatte sich damit abgefunden, dass ihr Plan nicht aufging und sie einen anderen Zug nehmen musste.

Sie wollte einfach ihre Ruhe haben. Aber daraus wurde nichts. Ein junges Pärchen hatte sich neben sie gesetzt.

Die junge Frau gegenüber, der junge Mann neben Klara.
Die Frau packte große Schachteln aus. In der einen waren Bouletten, in der anderen Kartoffelsalat.

Es roch gut. Erst jetzt merkte Klara, dass sie noch gar nichts gegessen hatte.

Sie spürte wieder den Hunger in sich hochsteigen. Aber das mit Snack in Stralsund, das hatte nicht ja nun nicht geklappt.

‚Gut, dass ich die Maske vor dem Gesicht habe, sonst würde sich mir der Magen vor Hunger umdrehen‘, dachte Klara und schaute aus dem Fenster, um sich abzulenken.

Endlich, die Frau packte die beiden Plastikbehälter wieder ein.
Doch im nächsten Moment holte sie auch schon eine neue heraus. Darin war Nachtisch – Tiramisu.

„Das schmeckt cremig und lecker“, sagte der Mann neben Klara und leckte zur Bestätigung gründlich den Löffel ab.

Klara schaute auf ihre Uhr, noch eine halbe Stunde bis Oranienburg.
Ich saß im Auto. Die Fahrt nach Oranienburg war entspannt. Landschaftlich reizvoller als in die andere Richtung, nach Bernau.

Vor dem Bahnhof tummelten sich eine Reihe von Betrunkenen, die sich angeregt unterhielten.

Ich wich ihnen aus und ging hinter dem Auto der Bundespolizei, das vor dem Hauptportal parkte, in Richtung Eingang.

Der Zug kam pünktlich.
Klara stieg glücklich aus dem Auto und ich fuhr gemächlich zurück.
Hinter mir drängelte ein schwarzer Audi, der dann mit hoher Geschwindigkeit vorbeifuhr.

Wir sahen ihn wieder, als er vor der nächsten Baustelle warten musste, fliegen konnte er offensichtlich auch nicht.

„Du kannst planen, wie du willst, wenn die Bahn nicht mitspielt, dann nützt das alles nichts.

Und da sollen die Leute mehr auf die Bahn umsteigen? Ja, auf welche denn, wenn die, die im Fahrplan steht, einfach per Durchsage ausfällt?

Der nächste Tag war Sonntag, Gott sei Dank. Jetzt ließen wir alles ausfallen.

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ALICE MUNRO – SCHREIBEN AM KÜCHENTISCH ÜBER MENSCHEN IM ALLTAG

Zum 90. Geburtstag von Alice Munro

Ich habe seit einigen Jahren ein Ritual entwickelt, mit dem ich den Tag beginne, nachdem ich vom Fitness-Studio zurück bin.

Ich nehme das Buch von Alice Munro „Ferne Verabredungen“ zur Hand.

Dann klebe ich ein weißes Blatt Papier auf einen Pappdeckel, den ich aus einem Ordner auf A4 -Größe zurechtgeschnitten habe.

Ich schlage das Buch auf, suche mir eine Textstelle und schreibe ein paar Sätze daraus ab. Anschließend formuliere ich sie um.

Es ist eine Methode, meine handwerklichen Fertigkeiten im Schreiben zu trainieren.

Und erst dann, wenn ich einen Satz umformulieren will, merke ich wirklich, wie meisterhaft er von Alice Munro formuliert und von Heide Zerning, der Übersetzerin, ins Deutsche gebracht wurde.

Ich verzichte in diesen Momenten ganz bewusst darauf, die Tastatur zur Hand zu nehmen, in den Computer zu starren.

Diese ‚blanke‘, vielleicht auch antiquierte Arbeitsweise, zählt zu dem Besten, was ich so am Tag anstelle.

Bereits im Klappentext steht über Alice Munro, was für mich mit zu einem Leitsatz für diesen Blog geworden ist: „Alice Munro erzählt zugewandt und genau vom Allerschwersten, von dem, was zwischen Menschen passiert, was in ihnen vorgeht.“ (1)

Und diese ‚Meisterin des Alltäglichen‘ ist gerade 90 Jahre alt geworden. Ich habe das in der Berliner Zeitung in der Feuilletonseite entdeckt. (2)

Was mich an dieser Schriftstellerin fasziniert ist, wie unaufgeregt sie über Menschen im Alltag, über das Alltägliche schreibt.

Dass sie inzwischen eine kanadische Literaturnobelpreisträgerin ist, das nötigt mir natürlich Respekt ab.

Was in mir jedoch eine wirkliche Begeisterung hervorruft ist die Tatsache, dass sie mit scheinbarer Leichtigkeit über eher langweilige Dinge des Alltags schreibt.

„Sie (Alice Munro) zeigt, dass ein Schreiben über Windeln, den Besuch in einem Pflegeheim oder Einkäufe von Zahnpasta und Handcremen von bestechender Prägnanz und Aussagekraft sein kann. Besonders ihre späteren Texte bringen die Schilderungen des Unspektakulären, man könnte auch sagen, den genauen Blick auf Menschen als Menschen zur Perfektion.“ (3)

Alice Munro war dabei immer Mutter von vier Töchtern, Hausfrau.

„Sie kochte und putzte, sagte sie in einem Interview mit der Literaturzeitschrift Paris Review, seitdem sie ein Teenager war und ihre Mutter an Parkinson erkrankte: ‚die Uni war also die einzige Zeit in meinem Leben, in der ich keine Hausarbeit verrichten musste.“ (4)

Als ich das gestern beim Frühstück las, da dachte ich bei mir:
‚Worüber jammerst du eigentlich? Du musst so viel tun – Firmenporträts schreiben, freitags zuhause Staubsaugen, ins Fitness-Studio fahren, du kommst eigentlich zu gar nichts, schon gar nicht dazu, kurze Alltagsgeschichten für den Blog zu schreiben.‘

Da kann ich nur verstummen, angesichts des großartigen Schaffens dieser Schriftstellerin, und dass in vielen Jahren am Küchentisch, weil sie kein Arbeitszimmer hatte.

Manchmal, wenn ich meine Enkelin besuche und mit ihr in Berlin auf einen Spielplatz gehe, dann sehe ich Mütter, die auf dem Boden sitzen und reden, Kartoffelsalat ausgepackt haben und jeden, der von außen dazukommt aus einer Mischung von Ablehnung und Neugier betrachten.

Ich nenne sie seit vielen Jahren die ‚Monicas‘.

‚Die Monicas sind wieder da‘, sage ich dann zu Krümel, die sich aber nicht dafür interessiert, sondern für die Rutsche, auf der die Kinder der ‚Monicas‘ heruntersausen.

Inspiriert zu dieser durchaus liebevoll gemeinten Bezeichnung wurde ich durch die Geschichte ‚Jakarta‘:

„Kath und Sonje haben einen eigenen Platz am Strand, hinter großen Baumstämmen.

Den haben sie sich ausgesucht, weil er ihnen Schutz bietet, nicht nur vor dem gelegentlich stark auffrischenden Wind – sie haben Kaths Baby dabei -, sondern auch vor den Blicken einer Gruppe von Frauen, die jeden Tag den Strand bevölkern. Sie nennen diese Frauen die Monicas.

Die Monicas haben zwei oder drei oder vier Kinder pro Nase.
Angeführt werden sie von der richtigen Monica, die über den Strand gelaufen kam und sich vorstellte, sobald sie Kath und Sonje und das Baby entdeckt hatte.

Sie lud sie ein, sich dem Rudel anzuschließen.
Sie folgten ihr und schleppten die Babytasche mit.
Was blieb ihnen anderes übrig?

Aber seitdem verschanzen sie sich hinter den Baumstämmen.

Das Feldlager der Monicas besteht aus Sonnenschirmen, Badelaken, Windeltaschen, Picknickkörben, aufblasbaren Flößen und Walfischen, Spielsachen, Sonnenschutzmitteln, Kleidungsstücken, Sonnenhüten, Thermoflaschen mit Kaffee, Plastikbechern und -tellern und Kühlboxen, die hausgemachte Eislutscher aus Fruchtsaft enthalten.“ (5)

Ich habe in meinem Leben viel studiert, Diplomarbeiten geschrieben, Diplomarbeiten bewertet, Studenten unterrichtet. Das war eine schöne Zeit.

Der beste Teil kommt tatsächlich zum Schluss, nämlich von einer ‚Meisterin des Alltäglichen‘ zu lernen, die kleinen Dinge im Leben zu sehen, sie nicht geringzuschätzen, Menschen nicht in ihren großen Gesten zu bewundern, sondern darin, wie sie den Alltag meistern, wie sie sich zueinander verhalten.

Das Schwierige besteht darin, nicht nur das Banale zu beschreiben, sondern die Beschreibung auch noch banal aussehen zu lassen. Darin bewundere ich die große Schriftstellerin Alice Munro.

(1)
Manuela Reichart, Nachwort für Alice Munro, Ferne Verabredungen, Die schönsten Erzählungen;
aus dem Englischen von Heidi Zerning;
© 2016 S. Fischer Verlag GmbH, Hedderichstr. 114, 60596 Frankfurt am Main
(2)
Berliner Zeitung, Nr. 156, Freitag, 09.Juli 2021, S. 13; Feuilleton
„Meisterin des Alltäglichen“
(3)
Sabine Rohlf, ebenda
(4)
Ebenda
(5)
Alice Munro „Ferne Verabredungen“, Jarkarta, Fischer Verlag GmbH, 2016, S.9

EIN BLICK IN DIE BIBEL MACHT DEINEN ALLTAG NICHT ÄRMER

BIBEL-2021.07.04

„Die Menschen trauern zwar um ihren Leib, aber bei den Gottlosen wird auch der Name vertilgt, denn er taugt nichts.
Sieh zu, dass du deinen Namen behältst; der bleibt dir gewisser als tausend große Schätze Gold.
Ein Leben, es sei so gut, wie es wolle, währt nur eine kurze Zeit, aber ein guter Name bleibt ewig.“
Sir 41, 14-16

Bibel

Was kann ich mitnehmen?
Das Leben einfach leben, aber so, dass du vor dir und vor denen bestehst, die dir wichtig sind und wichtig bleiben, auch nach deinem Tod.

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NORDIC WALKING IM WALD – DU KOMMST ALS EIN ANDERER RAUS, ALS DU VORHER REINGELAUFEN BIST


ALLTÄGLICHES-2021.06.29

Manchmal werde ich gefragt, warum ich so begeistert Nordic Walking betreibe.

Begeistert?
Naja, manchmal.

Auf jeden Fall: Es ist die Variante, die meine Gelenke am besten schont.

Aber was treibt mich an, es immer wieder zu tun?

Morgens früh aufstehen, mit dem Gedanken, dass ich im Galopp durch den Wald schnaufe?
Nein, sicher nicht.

Die Tatsache, dass du etwas für deine Gesundheit tust?
Schon eher.

ALLTÄGLICHES-2021.06.29

Aber das entscheidende Motiv liegt tiefer.
Du bekommst es nur heraus, indem du es selbst ausprobierst.

Wenn du losläufst, alles hinter dir lässt, die Straße sich immer weiter von dir entfernt, ja dann klingt der Lärm ab.

Du hörst auf einmal das Gezwitscher der Vögel besser. Trittst du auf einen Ast, dann kracht es förmlich in deinen Ohren.

Plötzlich spürst du die Stille, hörst nur noch das Rauschen des Windes.

Dann ist der Moment gekommen, an dem du sagst: ‚Gut, dass ich mich mal wieder zum Laufen überwunden habe.‘ Du schaust ins Grün, sprichst in Gedanken mit dir selbst.

Du kommst als ein anderer Mensch raus, als du eine Stunde zuvor in den Wald hineingelaufen bist.

Ich glaube, das ist es, was mich immer wieder antreibt.

Nichts Ungewöhnliches, aber mit der Zeit etwas ganz Außergewöhnliches.

 

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EIN BLICK IN DIE BIBEL MACHT DEINEN ALLTAG NICHT ÄRMER

BIBEL-2021.06.27

Vom Tod
‚O Tod, wie bitter bist du, wenn an dich ein Mensch denkt, der gute Tage und genug hat und ohne Sorgen lebt und dem es wohlergeht in allen Dingen und der noch gut essen kann!
O Tod, wie wohl tust du dem Armen, der schwach und alt ist, der in allen Sorgen steckt und nichts Besseres zu hoffen noch zu erwarten hat!
Fürchte den Tod nicht! Denke an die, die vor dir gewesen sind und nach dir kommen werden…‘
Sir 41, 1-5

Bibel

Gedanken, die mir wichtig sind, wenn ich die Sätze lese:
Sorge dich nicht im Alltag, freu‘ dich lieber mehr über kleine Dinge, als dass du schon am Wochenanfang schlecht gelaunt umherläufst.

Sei gewiss, der Tod wird kommen, aber solange genieße dein Leben, werde nicht übermütig, aber auch nicht depressiv.

Bleib‘ der, der du bist, oder werde der, der du schon immer sein wolltest – ewig hast du dafür keine Zeit.

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EIN BLICK IN DIE BIBEL MACHT DEINEN ALLTAG NICHT ÄRMER

BIBEL-2021.06.23

‚Rühme dich nicht wegen deiner herrlichen Kleider, und überhebe dich nicht an deinem Ehrentag;‘ 
SIR 11,4 

Bibel

 

Was nehme ich für meinen Alltag mit?
Bleib‘ bescheiden


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DIE BIBEL WECKT DIE NEUGIER AUF DEINEN ALLTAG

ALLTÄGLICHES-2021.06.21

„Du sollst niemand rühmen um seiner Schönheit willen noch jemand verachten, weil er hässlich aussieht. Denn die Biene ist klein unter allem, was Flügel hat, und bringt doch die allersüßeste Frucht.“
SIR 11, 2-3

Bibel

Du bist manchmal schon versucht, dich eher Menschen zuzuwenden, die attraktiv sind.

Und genauso wendest du dich vielleicht von einem hässlichen Menschen vorschnell ab.

Selbst in der Liebe könnte das ein Fehler sein. Aber da spielen natürlich Hormone, Gefühle noch eine ganz andere Rolle.

Ich habe mich schon in Menschen getäuscht, habe gedacht, dass mein Gegenüber unscheinbar aussieht, schwach ist, willenlos, ein Leisetreter.

Dabei war er einfach bescheiden, still, konzentriert, überließ mir den Vortritt, beschämte mich, weil ich zu schnell, zu laut, zu siegesgewiss meinem Ziel entgegenstrebte.

Dieser Bibelspruch hilft zu erkennen, worauf es bei der Einschätzung eines Menschen wirklich ankommt.

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NORDIC WALKING AM MITTAG IN DER SCHORFHEIDE – DIE STILLE GENIESSEN

ALLTÄGLICHES-2021.06.15

AUDIO:

Ich habe schon oft davon erzählt, wie gern ich morgens am Liepnitzsee laufe.

Das ist noch immer so.
Aber gestern bin ich ein Stück weitergefahren, in Richtung Schorfheide.

Es war Mittag und das Thermometer zeigte bereits über 30 Grad Celsius an.

Ich war warm angezogen, Trainingshose, Trainingsjacke und ich hatte zusätzlich noch eine Mütze auf dem Kopf.

Meine Frau hatte Homeoffice und schaute mich an, als ob ich nicht ganz dicht sei.

Aber ich wusste, warum ich das tat.
Im Wald kann ich mich so am besten vor Mücken und Zecken schützen.

Außerdem ist es stets kühl, wenn ich den Weg entlanglaufe.
Es war ganz ruhig, als ich mir die Stöcke umschnallte und die ersten Schritte machte.

Nur ab und zu war ein Knacken im Unterholz zu hören.
Die Vögel zwitscherten und es wehte ein leiser Wind.
Die Sonne schaffte es nur mit Mühe, durch das Blätterdach der Bäume hindurch zu schimmern.

Das Farnkraut war hochgewachsen und reichte mir fast bis zu den Schultern, so schätzte ich das jedenfalls von meinem Weg aus ein.

Die Überwindung einfach loszufahren, noch am Mittag Sport zu machen, ja die ist stets groß.

Doch wenn ich laufe, ins Grün schaue und meinen Gedanken nachhängen kann, dann spüre ich jedes Mal wieder, dass das der Reichtum im Leben sein muss – sich einfach Zeit zu nehmen für so eine banale Sache wie das Nordic Walking.

Bin ich deshalb besonders gut trainiert? Wahrscheinlich nicht.
Aber mental geht es mir danach sehr gut.

Auf dem Weg lege ich manchmal einige Sprints ein, nehme mir vor bis zur nächsten Biegung oder bis zu einem bestimmten Baum zu laufen.

Danach laufe ich wieder langsamer und so habe ich das Gefühl, dass ich meine Ausdauer trainiere, ein bisschen wenigstens.

Zurück am Auto, nach einer Stunde, ja da kommt der schönste Moment.

Ich nehme meine Wasserflasche, trinke einen Schluck und laufe auf und ab.

Ich sauge abschließend die Stille des Waldes auf und habe das Gefühl, das ich die wichtigste Aufgabe am Tag erledigt habe.
Ich werde das heute wieder tun.

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AUDIO: SEI WÄHLERISCH, WENN DU EINEN RAT SUCHST

AUDIO BIBEL-2021.06.14

 

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Bibel

 

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SEI WÄHLERISCH, WENN DU EINEN RAT SUCHST

BIBEL-2021.06.14

AUDIO:  https://uwemuellererzaehlt.de/2021/06/14/audio-bibel-2021-06-14/ ‎
In der Bibel steht: „Lebe in Frieden mit vielen, aber zum Ratgeber nimm unter tausend nur einen.“
(Sir 6, 6)

Bibel

Wer hat es noch nicht erlebt, dass er einen Rat gesucht und falsche Freunde gefunden hat?

Als es bei mir in der Selbstständigkeit besonders schlecht lief, ich nicht wusste, wie ich die Kredite für das Haus bedienen sollte und mir zusätzlich die täglichen Kosten davonliefen, da wandte ich mich an einen Freund, der stets an meiner Seite war, als es geschäftlich noch gut lief.

Dieser Freund brachte mich zu seinen Freunden, die es mit mir sehr gut meinen würden.

Im Ergebnis verlor ich noch mehr Geld, versank noch mehr in Schulden und konnte nachts gar nicht mehr schlafen.

Ich habe mich da herausgekämpft, alle Schulden zurückgezahlt, und ich habe noch eines gemacht: Ich habe mich von all diesen vermeintlich gut meinenden Freunden getrennt.

Heute habe ich nur noch einen Freund. Wir sehen uns selten, weil wir beide mit der Familie und dem Beruf zur Genüge im Alltag eingespannt sind.

Aber wir chatten viel über WhatsApp. Meine Frau findet das nicht so gut.

Sie sagt, ich solle mich lieber auf meine Arbeit konzentrieren, auch wenn ich vorwiegend im Homeoffice sitzen würde.

Doch man kann sich schon gut auf diese Weise austauschen, effizient und kurz.

Und: Du musst nachdenken, was du sagst, denn durch das Schreiben strukturierst du ja auch ein wenig die Gedanken.

Dadurch bin ich viel klarer, bringe meine Botschaften schneller auf den Punkt.

Kurzum, mein Freund wirft mir manchmal vor, dass ich sehr hart auf diesem Kommunikationsweg reagiere.

Vor allem dann, wenn er von Ideen begeistert ist, die ihm andere Freunde vorgeschlagen haben, und die sein Leben revolutionieren würden.

Meine Antwort darauf ist stets: „Ich will nur ehrlich zu dir sein. Prüfe also noch einmal genau, was dir da jemand vorgeschlagen hat. Und wenn du es danach immer noch gut findest, ja dann solltest du es tun.“

Mein Freund ist nie begeistert von meinen Worten, nicht gleich jedenfalls.

Aber er sagt, er kann mir vertrauen, weil ich es wirklich ehrlich meine mit ihm.

Das schreibt er mir in der Regel ein paar Tage später. In dem Moment, wo er noch einmal gründlicher nachgedacht hat, an meinen Argumenten vielleicht etwas Wahres dran ist.

Mein Freund ist auch rückhaltlos ehrlich zu mir, und ich bin oft auch nicht gleich begeistert, wenn er mir nicht zustimmt, was meine Ideen anbetrifft.
Und nur deshalb hat diese Freundschaft bis heute gehalten.

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DU HÖRST AUF ZU LEBEN, WENN DU AUFHÖRST ZU ARBEITEN

ALLTÄGLICHES – 2021.06.04
Freitagmorgen, trübes Wetter. Ich sitze am Computer und schreibe seit drei Stunden und Klara sitzt nebenan, kämpft mit ihren Kunden.

„Warum tut man sich das alles an?“, frage ich mich manchmal. Besonders dann, wenn es einem nicht so gut geht, gesundheitlich meine ich.

Ich könnte mich mehr zurücklehnen, müsste nicht mehr so viel arbeiten. Aber ich kann nicht anders. Warum nicht? Keine Ahnung.
Vielleicht weil es schon immer zu meinem Leben gehört hat.

Ich kenne es nicht anders. Auch am Wochenende schreibe ich irgendetwas, plane die kommende Woche durch.

Nur wenn unser ‚Krümelchen‘ da ist und sie ruft, ‚Opa ‚pomm‘, wir ‚pielen‘, ja dann lass ich den Schreibtisch links liegen, fall‘ auf den Fußboden und schieb‘ das Feuerwehrauto hin- und her.

Dennoch: Irgendwie hörst du auf zu leben, wenn du aufhörst zu arbeiten.
Am Mittwoch ging es mir richtig ‚dreckig‘. Erkältet. Ich habe mich auf die Couch gelegt und mir zwei Thriller hintereinander angesehen.

Das war Schlaraffenland für mich. Doch in dem Moment, wo es dir besser geht, da willst du nicht auf der Couch liegen, nein, du willst etwas schaffen.

In meinem Fall heißt das Kunden gewinnen, Texte schreiben und verwerfen und wieder von vorn beginnen. Eine Qual? Ja. Irgendwie aber auch schön.

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DIE BIBEL ÜBER ‚ARM SEIN UND DIE ARMUT‘

ALLTÄGLICHES-2021.05.31

Je mehr ich in der Bibel herumstöbere, an interessanten Stellen hängenbleibe, desto mehr fällt mir auf, wieviel dort über die Armut, das arm Sein geschrieben steht.

Vieles von dem ist heute noch aktuell, kann direkt auf verschiedene Situationen übertragen werden, ja gibt direkte Handlungsanweisungen, wie du dich verhalten solltest, so meine ich jedenfalls.

Hier wäre so eine Stelle aus der Bibel:
„… lass den Armen nicht Not leiden, und sei nicht hart gegen den Bedürftigen.

Verachte den Hungrigen nicht, und betrübe den Menschen nicht in seiner Armut.

Einem betrübten Herzen füge nicht noch mehr Leid zu, und lass den Notleidenden auf deine Gabe nicht warten.

Die Bitte des Elenden schlage nicht ab, und wende dein Angesicht nicht weg von dem Bittenden, und gib ihm keinen Anlass, dir zu fluchen.“
Sirach, 4, 1-5
Bibel

AUDIO: 
https://uwemuellererzaehlt.de/2021/05/31/audio-2021-05-31/

Was nehme ich hieraus mit?
Vielleicht dies:

Demjenigen, der möglicherweise nicht so viel hat, trotzdem seine Wertschätzung zu erweisen, gerade solidarisch zu sein – das finde ich schon wichtig.

Und genauso gehört für mich dazu, nicht arrogant, herablassend zu agieren, wenn man meint, man hätte mehr materiellen Reichtum angehäuft.

Der wirkliche Reichtum bleibt eben die gute Beziehung zu den anderen Menschen – in der Familie, unter Freunden, und eben auch zu Hilfsbedürftigen.

Uwe Müller erzählt

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DEN REICHTUM VOR DEINER NASE SEHEN

ALLTÄGLICHES-2021.05.30

Ich sitze auf einem Baumstumpf, am Fluss, in der Nähe des Finowkanals.

Ein abgeholzter Baum steht in der Mitte, auf dem Baumstamm befindet sich ein Blumentopf, ein rostiger kleiner Blecheimer, mit eingepflanzten Blumen.

Um den Baumstamm herum stehen ebenfalls vier kleinere Baumstämme, die als Sitzgelegenheiten hergerichtet wurden.

„Danke für den Platz in der „guten Stube“, steht auf einem Stück Holz, das auf dem Tisch liegt.

Auf der glatten Rückseite einer Borke haben das zwei Vorbeikommende geschrieben.
Ihnen hat wohl die Idee gefallen, hier so eine idyllische Sitzgelegenheit einzurichten.

Vom Fluss weht ein kühler Wind herauf. Ab und zu höre ich Stimmengewirr, wie Paddel ins Wasser platschen und wenig später kleine Kanuboote an mir vorüberziehen.

Ich liebe diese Ruhe, den Blick hinunter zum Wasser, nach links, über das weite Feld und die kräftigen grünen Farben der Blätter an den Bäumen und Sträuchern.

Ich ertappe mich manchmal dabei, dass ich denke, dass ich doch bloß mehr Geld hätte, um mehr zu reisen.

Aber nun sitze ich hier, höre in der Ferne Krümel, die fröhlich schreit, und jedes Stück Holz begutachtet, das sie findet, und dann denke ich: „Hey, schau‘ nicht dorthin, wo du wahrscheinlich nie sein wirst, genieß‘ lieber die Gegenwart.‘

Also, das tu‘ ich jetzt.
‚Von Weitem höre ich ‚Ooopa, wir kommen…‘

Wir gehen ein Eis essen, sitzen draußen auf den Bänken und schauen einem Boot zu, das an uns vorüberschippert.
Was willst du mehr, noch dazu in der Corona-Zeit?

2021.05.30

 

DIE BIBEL ÜBER ALMOSEN UND DIE SÜNDEN

ALLTÄGLICHES-2021.05.24

#BIBEL LESEN IM ALLTAG

Die Bibel ist für mich ein großes Abenteuer. Ich stoße immer wieder auf Unbekanntes, auf Weisheiten, wo ich sofort ausrufen könnte: ‚Ja, genau, auf den Punkt!‘

In ‚DAS BUCH JESUS SIRACH‘, Kapitel 3, Verse 33 und 34 heißt es:

„Wie das Wasser ein brennendes Feuer löscht, so tilgt das Almosen die Sünden.

Wer Wohltaten erweist, dem wird’s Gott vergelten, der alles lenkt, und wenn er fällt, wird er eine Stütze finden.“
(Sirach 3, 33-34)

‚Das ist doch wie aus dem Leben gegriffen‘, denke ich im Stillen und bin angetan von diesen Zeilen.

Ich freue mich stets aufs Neue, dass ich zur Bibel gegriffen habe, spät, aber sicher nicht zu spät.

Vielleicht rühren daher auch mein Staunen und meine Begeisterung.

Sicher, ich kann nur noch an der inhaltlichen Oberfläche kratzen, aber selbst das ist ein Reichtum, der mich motiviert, wenn ich ihn entdecke und vom Meeresboden hochhole, im übertragenen Sinne natürlich.

‚Almosen tilgen die Sünden…‘

Wer kann schon von sich sagen, dass er noch nie gesündigt hat.

Darauf kommt es auch gar nicht an, denn wichtiger ist wohl, sich dazu zu bekennen und auf der anderen Seite Gutes zu tun, zu helfen.

Das werde ich tun, in der Hoffnung, dass auch mir in schwierigen Zeiten geholfen wird.

Bibel

AUDIO-BEITRAG: 

https://uwemuellererzaehlt.de/2021/05/24/audio-2021-05-24/

 

 

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NORDIC WALKING AM LIEPNITZSEE-2021.05.17

LIEPNITZSEE

ALLTÄGLICHES-2021.05.17

Ins Grüne sehen, frische Luft einsaugen, die Welt loslassen – für einen Moment jedenfalls

 

Der Wald ist grüner geworden und es ist für meine Augen sehr angenehm, in eben dieses Grün zu blicken. Wahrscheinlich sitze ich zu viel vor dem Computer.

Und so ist das Nordic Walking vielmehr, als nur zu walken, um fit zu bleiben.

Ich würde natürlich lieber an der Ostsee laufen, direkt am Strand.

Wenn das Meer rauscht, die Möwen kreischen und die Wellen auf dem Sand aufschlagen und sich dann wieder zurückziehen.

Aber nun bin ich hier, am Liepnitzsee. Je öfter du dort läufst, desto mehr zieht dich der See in seinen Bann.

Ich brauche zwanzig Minuten, um vom Parkplatz aus unmittelbar am See zu sein, direkt am Uferstreifen.

Der Weg bis dahin ist schon sehr schön, weil ich durch dieses Grün hindurchlaufe, mich darin verliere.

Es fängt an zu regnen.

Die Tropfen prasseln auf das Blätterdach, sie bewahren mich davor, dass ich nass werde. Der Boden riecht nach feuchtem Laub, nach Tannenzapfen.

Morgens nimmst du das alles intensiver wahr, weil sich deine Sinne darauf konzentrieren und du durch nichts abgelenkt bist.

Nur das Vogelgezwitscher ist in deinen Ohren.

Die Stunde ist um, ich stehe am Auto und trinke Wasser aus meiner Flasche.

Das ist für mich der schönste Moment, ich habe nämlich eine Stunde Nordic Walking durchgehalten, die Ruhe am See förmlich eingesogen und nun kann der Tag beginnen.

LIEPNITZSEE

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NORDIC WALKING AM LIEPNITZSEE

2021.05.11

Ich bin am Montag kurz nach vier Uhr aufgestanden, obwohl Klara ihren Homeoffice-Tag hatte und ich getrost eine Stunde hätte länger schlafen können.

„Ich laufe Morgen früh“, habe ich Klara noch am Tag zuvor gesagt.
„Dann sei aber leise, poltere nicht herum, fluche nicht, wenn du deine Zehen mal wieder irgendwo stößt und vor allem, mach kein Licht an.“

„Gut“, habe ich widerwillig gebrummt.
Der Wecker war zwar auf halb fünf Uhr gestellt, aber ich war schon früher wach. Mir wurde schlagartig bewusst, dass das Wochenende endgültig vorbei war und ich keine Chance hatte, liegenzubleiben. Zumindest nicht, wenn ich meine mir selbst auferlegten Versprechen einhalten wollte.

Ich gab mir einen Ruck, schnellte aus dem Bett hoch und schlurfte, so leise ich konnte, in Richtung Flur.

Ich zog die Schlafzimmertür hinter mir zu. Dann ging alles sehr schnell. Ich kochte mir einen Tee, nachdem ich meine Sportsachen angezogen hatte. Zwanzig Minuten später war ich auf dem Parkplatz am Liepnitzsee.

Dort stand ein Wohnmobil, ein alter klappriger Mercedes-Wohnwagen. Ich versuchte meine Autotüren leise zuzuklappen, um die Leute, die vermutlich im Inneren des Campingautos schliefen, nicht aufzuwecken.

Ich stapfte in Richtung See, im Grunde ziemlich lustlos am Anfang.
Die Bäume waren noch grüner geworden und der Wald schien dadurch dichter geworden zu sein.

Liepnitzsee

Unten am Wasser angekommen, machte ich an der Holzbank halt, schnallte meine Stöcke ab und schoss zwei Fotos vom See am frühen Morgen.

Hinter mir klapperte es. Ich erschrak und drehte mich schnell um. Das Geräusch kam von einer Frau, die gerade mit dem Fahrrad angekommen sein musste und in den Papierkörben die hingeschmissenen Flaschen herausangelte.

Schließlich schwang sie sich auf ihr Fahrrad und bewegte sich von dannen. Ich setzte mich auf die Holzbank und schaute für einen Moment auf den See.

Die Vögel waren laut, ab und zu hörte man Enten, die im Wasser schnatternd vorbeischwammen.

‚Du kannst hier unten Philosoph werden‘, dachte ich bei mir, während ich die Stille und die frische Luft einsaugte.

Im Grunde genommen unterbrach ich ungern meinen Lauf, und ich setzte mich normalerweise schon gar nicht bereits nach dreißig Minuten hin.

Aber es war es wert, aufs Wasser zu schauen, die leicht kräuselnde Oberfläche zu betrachten und zu sehen, wie sich am anderen Ende des Sees ein roter Feuerball allmählich über die Wolken erhob.

Ich stand auf, schnallte die Stöcke wieder um die Hände und lief zurück.
Zu Beginn des Laufes denke ich oft, wie ich das eigentlich durchhalten soll, mich eine ganze Stunde hintereinander durch den Wald zu quälen .

Doch wenn du dich erst einmal bewegt hast, ein Bein vor das andere setzt, dann läuft es fast automatisch.

Ich teile mir die Strecke in kleine Etappen, lege auf dem Rückweg kleinere Spurts ein und vergesse so, dass es eine ganze Stunde ist, die ich durchhalten muss.

Endlich, ich war wieder auf dem Parkplatz angekommen. Im Wohnmobil nebenan regte sich immer noch nichts.

Zuhause wartete Klara auf mich.

„Na, wie war’s?“.
„Gut“. Klara merkte mir an, dass ich mit dem Morgensport zufrieden war.

 

 

 

 

ICH BIN KEIN MONTAGSMANN

2021.05.10  – ALLTÄGLICHES

Montags ist es dunkler, grauer, liebloser, grausamer. Nicht unbedingt in der Wirklichkeit, aber im Herzen, im Gefühl, Kopf.

Ich weiß nicht, woher das kommt, aber ich weiß, dass es vielen Menschen so geht, wie es mir geht, wenn ich montags aufwache und mir klar wird, dass es tatsächlich der schreckliche Montag ist.

Vielleicht rührt es daher, dass ich samstags und sonntags ohne Struktur durch die Gegend laufe, herumliege auf der Couch, unendlich viele Serien sehe, mehr esse, länger schlafe, weniger Sport treibe.

Deshalb will ich das möglicherweise montags alles wieder ins Lot bringen und bin schon erschlagen, wenn ich nur daran denke. Aber es ist vor allem die innere Gewohnheit, die ich wieder umstellen muss.

Das fängt damit an, dass es zum Wochenbeginn wieder sehr früh beginnt, dass ich mich aus dem Bett hieven muss.
Ich versuche nicht daran zu denken, sondern einfach schnell aufzustehen, schneller die Handgriffe zu erledigen, als ich es überhaupt rational realisieren kann.

Und dann kommt es noch dicker. Ich bin schon gegen halb sechs unten am See und fummle mir die Schlaufen von den Nordic Walking – Stöcken um die Hand.
Anschließend kommt ein Stück vom Sonntag zurück – mental jedenfalls.

Es ist am See ruhig, so als würde über das Wasser die Botschaft getragen: ‚Ganz ruhig, mein Dicker. Es passiert dir doch nichts. Genieß‘ einfach die frische Luft, freue dich auf den Tag, auf das, was dich erwartet.‘


Bin ich zurück, nach einer Stunde, dann sie die Welt für mich schon freundlicher, gelöster aus.

Ich versuche die beginnende Energie in mir zu nutzen und setze mich sofort an den Schreibtisch, bereite meine Arbeiten vor und rufe auch schnell Kunden an.

Dann höre ich, dass die ja auch schon längst arbeiten, gar nicht die Zeit hatten, so wie ich, nämlich noch einen ‚Sonntagsspaziergang‘ am See nachzuholen, und das ironischerweise am Montagmorgen.

Nein, die meisten können gar keinen Gedanken darauf verschwenden, weil ihr Schreibtisch überquillt, der Computer voll ist mit E-Mails von Menschen, die irgendetwas wollen. Und obendrein rufe ich sie dann noch an.

‚Eigentlich hast du es gar nicht so schlecht für jemanden, der den ersten Tag in der Woche nicht mag‘, denke ich in dem Moment.

Der Montag ist nun bei mir nun doch angekommen, im Kopf und im Herzen.

 

DIE BIBEL ÜBER UNBEDACHTES REDEN UND DAS SCHLECHTE GEWISSEN DANACH

2021.05.09

#BIBEL LESEN IM ALLTAG

LEBENSWEISHEITEN AUS DER BIBEL – WIE GEMACHT FÜR DEINEN ALLTAG

Wer kennt das nicht, dass man zu einem anderen Menschen etwas sagt, was man später bitter bereut.

„Du bist das schlimmste, was mir passieren!“, habe ich mal in meiner überschäumenden Wut einem Freund gesagt, der einen furchtbaren Fehler gemacht hatte und ihn später bitter bereute.

„Es tut mir leid, wirklich, verzeih mir“, sagte er zu mir.
„Du kannst hier schleimen, wie du willst, aber ich bin stinksauer.

Geh‘ mir einfach aus den Augen“, habe ich ihn angebrüllt.
Um uns herum standen weitere Freunde, Bekannte. Sie alle waren still. Sie verstanden, warum ich so wütend war, aber wirklich leid tat ihnen nur mein Freund.

Einige Stunden später in der Nacht, da schreckte ich hoch. Ich konnte es nicht glauben, dass ich mich so unbeherrscht verhalten hatte, selbst wenn ich mich im Recht wähnte.

Am nächsten Tag rief ich meinen Freund an und entschuldigte mich bei ihm.

Wir besprachen, wie wir gemeinsam seinen Fehler beheben könnten.

Der Fehler, den mein Freund beging, den habe ich längst vergessen.
Aber das schlechte Gewissen, dass ich ihn dafür so angeschrien hatte, das nagte lange an mir.

Das alles fiel mir wieder ein, als ich in der Bibel diesen Spruch las:

„Wohl dem, der sich nicht mit Reden vergeht und davon ein böses Gewissen hat!“
Sir 14,1
Bibel

IM HOMEOFFICE MITTAGS ESSEN WIE BEI OMA MARTHA

2021.05.07-ALLTÄGLICHES

Klara ist jetzt einen weiteren Tag im Homeoffice, insgesamt drei von fünf Arbeitstagen.

Das hat zwar auch Nachteile, denn ich fühle mich immer ein bisschen unter Beobachtung.

„Morgen rufe ich fünf Kunden an“, sage ich zum Beispiel abends.
Und am nächsten Tag? Ja, da höre ich nach einem Kunden mit dem Akquirieren auf und widme mich angenehmeren Dingen.

Aber die Vorteile des Homeoffice überwiegen – das frühe Aufstehen, noch vor vier Uhr, das fällt weg.

Stattdessen bin ich heute gegen halb sieben aufgewacht. Da saß Klara bereits eine halbe Stunde an ihrem Computer.

Eigentlich wollte ich ja wenigsten gegen halb fünf Uhr morgens aus dem Bett schnellen, mich ins Sportzeug schmeißen – und ab an den Liepnitzsee.

Ist heute ausgefallen. Dafür fühle ich mich ausgeschlafen.
Gegen 12.00 Uhr bin ich vom Schreibtisch aufgestanden, bin nach draußen gegangen und habe den Carport gefegt und anschließend das Auto gewaschen.

Naja, alles in meiner für die Arbeit verplanten Zeit. Aber ich gehe da tolerant mit mir um.

Meine Arbeitskultur ist mir wichtiger, als vielleicht mehr Umsatz zu machen. Klara sieht das anders, doch ich frage sie ja nicht.

DER DUFT DER EIERKUCHEN

„Soll ich heute zum Mittag Eierkuchen in der Pfanne machen?“, fragte sie mich am Vormittag.

„Oh ja, das wäre toll“, meinte ich. Das ist ein weiterer Vorteil, wenn Klara im Homeoffice ist.

Es gibt zum Mittag nicht nur eine Scheibe Brot, sondern etwas Gutes, etwas, was schmeckt.

Als ich in die Küche kam, da duftete es nach den Eierkuchen.
Klara stand am Herd. „Es dauert aber noch ein klein wenig“, sagte sie zu mir, ohne sich umzudrehen.

Ich setzte mich schon mal an den Tisch und erinnerte mich an meine Kindheit in Schwerin zurück.

Oma Martha buk Kartoffelpuffer für uns drei Kinder. Wir saßen alle am Tisch und im Akkord kamen die Puffer auf den Tisch.

Wir streuten Zucker darüber und verdrückten hastig die Kartoffelpuffer, so dass Oma Martha Mühe hatte, mit dem Braten in der Pfanne hinterherzukommen.

Es roch gut, es schmeckte gut und wir Kinder stürmten danach wieder auf den Hof, bis Oma Martha uns hereinrief und jedem von uns eine Schmalzstulle in die Hand drückte.

Es war einfach herrlich.

„So, hier ist der erste Eierkuchen für dich“, sagte Klara.
„Irgendwie ist Homeoffice gar nicht so schlecht“, antwortete ich und kaute schon auf dem Eierkuchen herum.

Klara nickte und setzte sich ebenfalls an den Tisch.
Wir waren glücklich, am Alltag, im Homeoffice. Nichts Besonderes, jedoch etwas sehr Schönes.