„Erzähl-Cafe´Küderle“

  • Individuelle Tagesbetreuung in Offenburg – Zunsweier;
  • Inhaber Rolf Küderle;
  • motiviertes Team in der Tagesbetreuung von Menschen, die an Demenz erkrankt sind, von Seniorinnen und Senioren, die sich einsam fühlen;
  • konzeptionell durchdacht;
  • kompakte Erfahrungen aus über einem Jahrzehnt;
  • innovative Ideen für noch mehr Qualität und Individualität in der Betreuung;

Mehr Informationen auf: http://www.pkog.de

Kontakt:
Tagesbetreuung „Erzähl-Cafe´- Küderle
Inhaber: Rolf Küderle
Lehbergstraße 1
77 656 Offenburg – Zunsweier
(ehemaliger Kindergarten)
Telefon: 0781 – 734 64
Telefax: 0781 – 756 88
Mobil: 0171- 330 32 24
E-Mail: info@pkog.de
Homepage: http://www.pkog.de

 

 

Interview mit Ljubov Amirov

Ljubov Amirov ist die Pflegedienstleitung der Tagespflege „Birkenhof“ in Dannau.

Frau Amirov können Sie mal einige wichtige berufliche Stationen in Ihrem Leben nennen?
Ich bin am 05. Januar 1995 mit meiner Mutter und meiner Schwester nach Deutschland gekommen.

Wo kommen Sie her?
Aus Dushanbe, der Hauptstadt von Tadschikistan.

Wie ging es für Sie weiter?
1996 bis 1999 habe ich eine Ausbildung zur examinierten Altenpflegerin absolviert – an einer Altenpflegeschule der Arbeiterwohlfahrt in Preetz in Schleswig-Holstein.
Danach war ich neun Jahre in den verschiedensten Einrichtungen tätig, zum Beispiel im Betreuungs-und Pflegeheim „Annenhof“ in Oldenburg, Holstein.

Was haben Sie dort hauptsächlich gemacht?
Ich war als leitende Nachtkraft eingesetzt.

Und, haben Sie sich noch weiterqualifiziert?
Ja, von 2007 bis 2009 habe ich ein Fernstudium absolviert, in Berlin-Kreuzberg.

Mit welchem Ziel?
Ich wollte den Abschluß zur Pflegedienstleitung erwerben.

War das nicht anstrengend?
Ja, schon.
Es ging auch nur, weil ich als Nachtkraft tätig war und mich so tagsüber qualifizieren konnte.

Frau Amirov, haben Sie Familie?
Natürlich. Mein Sohn Max hat gerade sein Abitur gemacht und sich bei der Polizei für eine Ausbildung beworben. Und Anvar, mein Mann, arbeitet als Physiotherapeut in einem Krankenhaus.

Wo waren Sie nach Ihrer Qualifizierung zur Pflegedienstleitung?
2009 bis 2010 war ich in einem ambulanten Pflegedienst als Qualitätsmanagerin angestellt.

Und wie sind Sie auf Frau Bürger getroffen?
Sie hat mich gefragt, ob ich offen sei für neue Herausforderungen.

Waren Sie?
Im Prinzip ja. Aber ich habe mir zunächst noch eine kleine Hintertür offen gelassen, wollte sehen, wie sich das Ganze entwickelt.

Haben Sie es je bereut?
Nein, nie. Frau Bürger hatte von Anbeginn so eine herzliche Art.
Es machte mir von Anfang viel Spaß, dort zu arbeiten.
Es ging sehr sozial zu, wir haben alles zusammen angepackt.

Das war doch anfangs nicht leicht, oder?
Nein. Gut war, dass wir auf Augenhöhe miteinander kommunizieren konnten.  Doch vor einigen Jahren war es noch nicht so leicht, wie heute.

Wie meinen Sie das?
Naja, die Vorgaben fehlten – zum Beispiel wie die Pflegedokumentation für eine Tagespflege auszusehen hatte.
Das mussten wir uns mühsam erarbeiten.
Ich habe sogar ein Buch bei einem Lehrer aus der Schule in Kreuzberg bestellt,  damit wir eine konzeptionelle Linie in die Arbeit bekamen. Trotzdem, wir waren unsicher, ob wir alles richtig machen.

Also eine sehr schwierige Zeit?
Ja schon, wir mussten Angehörige und künftige Tagesgäste gewinnen, mit Ärzten reden,  Pflegediensten und anderen an der Pflege und Betreuung beteiligten Menschen und Institutionen.
Es war gut, dass mich Frau Bürger zu vielen dieser Gespräche mitnahm. So wuchs ich ja auch nach und nach da mithinein.

Frau Amirov, können Sie mal so einen typischen Tagesablauf schildern?
Also, früh werden zwei Touren gefahren. 08.00 Uhr bis 09.30 Uhr gibt es ein ausführliches Frühstück. Anschließend wird aus der Zeitung vorgelesen, zum Beispiel das Horoskop oder die Bauernregeln – alles, was die Menschen aus dieser Region interessiert. Kurz vor 10.00 Uhr machen wir zum Beispiel gymnastische Übungen im Sitzen oder es wird gekegelt.
Immer je nachdem, wie sich die Gäste fühlen.
Es gibt Aktivitäten, die mit unseren Beschäftigungstherapeuten durchgeführt werden – unter anderen Quiz, Gedächtnistraining.

Kochen Sie mittags?
Ja, jeden Tag frisch. Wir stellen den Speiseplan wöchentlich auf, je nach den individuellen Wünschen der Gäste.

Wie geht es weiter?
Nach dem Mittagessen ist Ruhezeit angesagt.
Wir haben dafür einen extra Ruheraum, in dem elektrisch zu bedienende Sessel stehen. Die Senioren können hier bequem sitzen, liegen und ruhen. Wer das nicht möchte, der bleibt mit uns im Aufenthaltsbereich. Im Sommer können sich die Gäste, die nicht schlafen wollen ja auch auf unserer sehr großzügigen Terrasse die Mittagszeit verbringen. Gegen 14.00 Uhr ist die Mittagsruhe vorbei und es gibt Kaffee und Kuchen.

Auch selbstgebacken?
Ja. Wir backen jeden Tag frisch. 14.45 Uhr fährt die 1. Tour dann wieder nach Hause. Kurz vor 16.00 Uhr fahren die Gäste der 2. Tour zurück.

Das klingt gut. Sehen die Gäste es auch so?
Ja, auf jeden Fall. Manchmal sagen einige Gäste, sie wollen nach Hause und meinen zurück in die Tagespflege.
Ein schöneres Kompliment kann es ja für uns nicht geben.

Was ist das Besondere an Ihrem Team?
Wir arbeiten hier gern zusammen. Das klappt wie von allein.

Aber doch nur, weil Sie einen gut strukturierten Tagesablauf aufgebaut haben, oder?
Ja, schon. Aber war nützt die ganze Struktur, wenn es nicht Spaß macht. Und wir arbeiten gern zusammen, machen auch so manches in der Freizeit miteinander.

Also haben Sie Ihre Berufung gefunden?
Vorher, die neun Jahre im Nachtdienst, da war ich oft sehr fertig, habe mich gefühlt wie ein „Zoombie“. Jetzt gehe ich abends nach Hause, bin zufrieden,  ja glücklich mit dem, was ich am Tag getan habe. Wir bekommen einfach die Anerkennung – von Frau Bürger, den Gästen und den Angehörigen.

Was machen Sie, wenn es mal Probleme gibt?
Dann reden wir ganz offen miteinander. Ich mag es gar nicht,  wenn hinter dem Rücken geredet wird. Ansprechen, was verändert werden soll, was stört – das ist die beste Methode.

Frau Amirov zum Abschluss: Sind Sie ein glücklicher Mensch?
Ja, der bin ich. Ich habe eine tolle Familie,  einen wunderbaren Beruf, Chefs und Mitarbeiter, die ich nicht missen möchte.

Frau Amirov, vielen Dank für das Gespräch.

 

Interview mit Barbara Wenders

Barbara Wenders ist Mitinhaberin und Pflegedienstleiterin des ambulanten Pflegedienstes EPIS in Duisburg.

Frau Wenders, Sie gehen in das zwanzigste Jahr des Bestehens Ihres Pflegedienstes. Wann wurde der Pflegedienst genau gegründet?
Am 01.10.1996. Er wird also im Oktober 20 Jahre alt.
(Anm.: Das Interview wurde im März vergangenen Jahres geführt)

Was ist Ihnen am Anfang leicht gefallen und wo hatten Sie Schwierigkeiten, hineinzuwachsen?
Am schwierigsten war es, die betriebswirtschaftlichen Abläufe zu beherrschen – mit den Steuern und Abrechnungen klarzukommen.
Überhaupt war die ganze Verwaltungssache etwas, wo ich noch recht unerfahren war.
Ich habe mich da autodidaktisch hineinbegeben müssen.
Das alles bekam für mich später einen strukturierten Hintergrund, nämlich als ich eine Ausbildung zur Pflegedienstleitung für ambulante Dienste absolvierte.
Da waren diese fachlichen Inhalte im Lehrprogramm mitenthalten.
Erschwerend kam damals hinzu, dass wir mit dem ersten Steuerberater erhebliche Probleme hatten.
Er kannte die Materie nicht. Wir haben dann zu einer anderen Steuerberatung gewechselt. Danach lief es gut und wir bekamen den kaufmännischen Part in den Griff.

Wie verlief Ihr beruflicher Werdegang vor der Gründung des Pflegedienstes?
Ich habe mit 16 Jahren die Schule verlassen, nach dem Abschluss der zehnten Klasse. Danach war ich in einem katholischen Krankenhaus in Berlin –  Friedrichshagen.
Dort begann ich ein praktisches Jahr. Das musste sein, da ich sonst keine Ausbildung an einer staatlichen Schule für Krankenschwestern hätte absolvieren können.
Nach drei Jahren habe ich die Schule abgeschlossen.
Kurz danach wurde ich schwanger. Ich ging nach Neustrelitz und habe dort in dem städtischen Krankenhaus gearbeitet. 1982 wurde meine erste Tochter geboren. Wiederum später bin ich in ein städtisches Krankenhaus nach Berlin – Mitte gegangen.
Ich hatte inzwischen zwei Kinder und konnte nicht mehr im Schichtsystem als Krankenschwester arbeiten und bin in die Verwaltung eines Betriebsgesundheitswesens gewechselt.
Zur gleichen Zeit begann ich eine Fortbildung zum Ökonomen des Gesundheits- und Sozialwesens.

Wie ging es weiter?
Im Oktober 1989 bin ich aus der damaligen DDR in die Bundesrepublik geflohen – über die grüne Grenze.
Wir sind in Duisburg gelandet. Dort lebte eine Freundin von mir.
Zunächst begann ich  in einer Sozialstation zu arbeiten.  Dort war ich anderthalb Jahre. Die Arbeit hat mich einiges gelehrt.
Aber die Bedingungen waren schlecht.

Können Sie das erklären?
Ja. Wir haben faktisch im Akkord gearbeitet – 25 Patienten, die auf einer Tour zu versorgen waren. Deshalb gab es  auch eine hohe Fluktuation. Es war immer jemand krank gemeldet. Der Stress war einfach zu groß. Und  jeder hat nur gewartet, bis ein anderer Kollege wieder da war und, um sich anschließend selbst krank zu melden. Für mich waren das keine Zustände – weder für die Patienten noch für uns als Mitarbeiter. Schließlich habe ich gekündigt.

Und dann?
Ich ging zurück ins Krankenhaus und habe knapp zwei Jahre Nachtschichten gemacht. Das war sehr hart für mich. Ich kam schwer damit klar. Deshalb wechselte ich wieder in einen ambulanten Pflegedienst. Dort lernte ich übrigens meinen zweiten Mann kennen.

Was war das ausschlaggebende Motiv, selbst einen Pflegedienst zu eröffnen?
Na ja, mein Mann und ich haben uns überlegt: Das können wir auch selbst organisieren. Also haben wir den Schritt im Oktober 1996 gewagt. Wir begannen damit Patienten zu betreuen, die künstlich ernährt werden mussten. Das waren zum Beispiel Menschen mit einer HIV- Infektion, oder Krebspatienten.
Mit der Entwicklung unseres Pflegedienstes kamen andere Bereiche hinzu. Wir haben nach und nach alle wichtigen Leistungsbereiche in der Pflege angeboten,  waren sozusagen mit der Zeit ganzheitlich im Portfolio aufgestellt.
Was hat sich geändert gegenüber 1996, wenn Sie heute die Pflege und Betreuung ansehen?
Wenn ich noch an die Sozialstation denke, wo ich vor über zwanzig Jahren begonnen habe – und jetzt unsere Art zu pflegen und zu betreuen sehe, dann weiß ich – da liegen einfach Welten dazwischen.
Wir haben einen Familienbetrieb aufgebaut. Das macht schon stolz. Unsere beiden Töchter arbeiten hier.
Und wir haben eine sehr geringe Mitarbeiterfluktuation bei uns. Ich denke, das liegt daran, dass sich in den vergangenen Jahren ein sehr gutes Team zusammengefunden hat. Mitarbeiter, die wie wir engagiert sind. Wir haben zum Beispiel eine Pflegedienstleiterin, Frau Thyssen – Fett: Sie ist echt eine Perle.
Wir haben schon manchmal scherzhaft gesagt: Wenn sie aufhört, dann machen wir unsere Einrichtung zu.Oder: Es gibt eine Mitarbeiterin, die bereits 19 Jahre mit uns zusammenarbeitet.
Andere sind ebenfalls bereits über 10 Jahre oder eben sehr lange bei uns. Das bekommen Sie doch nur hin, wenn das Klima stimmt, die Leute sich einfach wohlfühlen.
Die Firma ist heute der älteren Tochter überschrieben – Maria Spellier. Sie  hat inzwischen zusätzlich eine Ausbildung zur Qualitätsmanagerin gemacht. Die jüngere Tochter Stefanie ist Altenpflegerin und macht gegenwärtig eine Ausbildung zur Praxisanleiterin.

Wie war die Zusammenarbeit mit Ihrem Mann?
Die Zusammenarbeit war sehr gut. Er war der Praktiker. Ihn hat nie die Verwaltung interessiert, sondern nur die Pflege und Betreuung.
Ich musste mich also darum allein kümmern. Und es war nicht leicht am Anfang alles unter einen Hut zu bekommen – die Pflege, die Verwaltung, die Mitarbeiterführung und die Erziehung der Kinder.
Aber mein Mann war ein Fachexperte, ging einfach in seinem Beruf auf und hat mir auf seine Weise viel Kraft gespendet und den Rücken gestärkt. Heute ist er in Rente.

Was ist  aus Ihrer Sicht der Grund, dass es in anderen Einrichtungen und Pflegediensten nicht so klappt, der Ruf mitunter eher schlecht ist?
Wissen Sie, es gibt immer schwarze Schafe. Oft kann der einzelne Mitarbeiter dafür ja gar nichts. Wenn zum Beispiel zu einem Kunden stets andere Mitarbeiter kommen.  Oder: Die Zeiten sind stets unterschiedlich, zu denen die Pflegebedürftigen besucht werden.
Dann bekommen die Pflegebedürftigen natürlich einen schlechten Eindruck von dem Pflegedienst, der dafür zuständig ist.

Was sagen Sie dazu, die Ausbildung jetzt generalistisch zu organisieren?
Es gibt Aspekte, die dafür sprechen und Argumente dagegen.

Welche?
Dafür spricht sicherlich, die Ausbildung in Gesundheit und Pflege weiter zu vereinheitlichen, sie stärker in der Gesellschaft aufzuwerten, junge Leute für den Beruf zu gewinnen.

Und dagegen?
Weiter diskutieren sollte man: Was ist zum Beispiel, wenn ein kleiner ambulanter Pflegedienst einem Auszubildenden die Pflege und Betreuung im Alltag nahe bringen will, der jedoch zum Praktikum ins Krankenhaus geht?
Wie ausgewogen wird das zum Beispiel organisiert? Müssen wir eventuell eine junge Fachkraft später nachqualifizieren,
weil die praktischen Fähigkeiten und Fertigkeiten für die Pflege nicht ausreichen? Das ist ja auch eine wirtschaftliche Frage.
Ich denke, hier brauchen wir noch mehr Klarheit.

Was macht für Sie individuelle Pflege und Betreuung aus?
Wichtig ist für uns die Bezugspflege – jeder Kunde soll wissen, wer für ihn zuständig ist. Das schafft Vertrauen.
Individuell pflegen und betreuen heißt für uns, die wirklichen Wünsche und Bedürfnisse der Menschen zu respektieren,
also das, was er an Hilfebedarf benötigt. Es sind ja nun auch zusätzliche Beratungsbesuche bei Veränderungen der Pflegesituation möglich.  Das war früher nicht so.
Es gibt mit der Einführung der neuen Begutachtungsrichtlinien ab nächstes Jahr ganz andere Möglichkeiten, die Situation der einzelnen Pflege-  und Hilfsbedürftigen spezifisch zu erfassen.
Allein die Eingangsfragen, die hier gestellt werden führen zielgenauer dorthin, wo die wirklichen Probleme der einzelnen Menschen liegen – zum Beispiel:  Was ist das Hauptproblem der Pflegesituation? Was würden Sie sofort ändern, wenn Sie es könnten? Welche Informationen könnten helfen?
Das sind nur einige wenige Beispiele. Wir werden das alles sehr genau in den nächsten Wochen und Monaten mitverfolgen
und in unserem Bereich umsetzen – für die weitere Verbesserung der Pflegequalität für unsere Kunden.

Frau Wenders, ich danke Ihnen für das Gespräch.

© Dr. Uwe Müller

Eva Hillebrecht im Interview

Eva Hillebrecht, Inhaberin des Pflegedienstes

Danz Consult in Kassel

Das Interview wurde am 24.02.2016 geführt

Frau Hillebrecht, Sie haben über zweieinhalb Jahrzehnte im medizinischen Dienst gearbeitet, bevor Sie in die Pflege gewechselt sind.
Welche Erfahrungen aus diesem Bereich haben Ihnen später in der Pflege besonders genutzt?
Ich habe im Laufe der Jahre auf verschiedenen Stationen gearbeitet – Allgemeinchirurgie, Unfallchirurgie, HNO, Augen, Urologie und Orthopädie. Meine Erfahrung war, dass der Patient nicht wirklich im Mittelpunkt des Interesses stand. Das klingt hart, war aber so.

Können Sie das mal näher erläutern?
Ja. Ich erinnere mich an einen Fall, da ging es um einen Patienten, der Krebs hatte. Er wollte sehr gern nach Hause, um die letzte Zeit im Kreise seiner Lieben zu verbringen. Da es sich um ein urologisches Leiden handelte, musste täglich gespült werden. Angeblich ging das nur im Krankenhaus auf der Station. Doch ich erkundigte mich und fand heraus, dass es einen 5- Liter Beutel für diese Zwecke gab. Die Spülung für den Patienten hätte also auch von Zuhause aus bewerkstelligt werden können. Als ich dies dem Chefarzt vortrug, fuhr dieser mir über den Mund: „Sie verstehen als Schwester davon nichts!“ Hier sprachen „Götter in Weiß“ und ich hatte keine Chance, dagegen anzugehen. Es ging ja gar nicht um mich: Auf der Strecke blieb der sehnlichste Wunsch des Patienten, nämlich die ihm verbleibende Zeit im häuslichen Umfeld zu verleben.
Und ein weiteres Beispiel:“ Ein betagter Patient, um die 90 Jahre, sollte operiert werden. Das bedeutete aber eine relativ intensive Nachbehandlung, die eine Selbstbeobachtung durch den Patienten einschloss.
Bei einem Menschen in diesem Alter war das insgesamt aus meiner Sicht ein sehr riskantes Unterfangen.  Also ging ich zum Chefarzt und machte ihn auf mögliche Komplikationen aufmerksam. Das alles brachte nichts. Denn: In der Operation sollte eine neue OP- Technik zum Einsatz kommen. Eine Methode, die sich in der Praxis bewähren sollte. Das ist soweit in Ordnung. Nur: Ich hätte mir gewünscht, dass die individuelle Situation des Patienten mehr ins Kalkül gezogen worden wäre.

Sie haben in einer Übergangszeit sowohl im Krankenhaus gearbeitet und ebenfalls in einem ambulanten Pflegedienst, ist das richtig?
Ja, 1989 gab es eine Zeit, wo wir ein Haus zu finanzieren hatten. Da brauchte ich das Geld. Also machte ich eine Frühschicht im Krankenhaus und eine Spätschicht in einem ambulanten Pflegedienst.

War das überhaupt zu schaffen für Sie?
Ja, das war es. Aber es war auch sehr anstrengend.

Sie hatten doch in dieser Zeit einen direkten Vergleich, oder?
Auf jeden Fall. Das hat auch meinen Entschluss gefördert, ganz in die Pflege zu gehen. Ich konnte mich im unmittelbaren Vergleich davon überzeugen: Im Pflegedienst stand der Patient, der zu Pflegende viel stärker im Fokus des täglichen Handelns.

Wie beurteilen Sie die Tatsache, dass die Ausbildung zum Altenpfleger und Krankenpfleger generalistisch erfolgen soll?
Ich finde das gut. Ich glaube, die Spezialisierung wird ohnehin in den späteren Jahren eine immer währende Herausforderung sein.
Da wird wohl keiner in seinem Berufsleben drum herum kommen. Doch zunächst sollten die gleichen Grundlagen gelehrt werden.

Gibt es irgendwas, was mehr beachtet werden sollte in der Ausbildung?
Ich denke, die ethische Bildung sollte einen noch viel größeren Stellenwert einnehmen. Zu sehen, was ein Pflegebedürftiger für Wünsche und Bedürfnisse hat, das kann man nur, wenn man nicht wegschaut oder weghört. Im Gegenteil: Sich in den anderen Menschen hineinversetzen, emphatisch sein – ich glaube, das muss in die Ausbildung miteinfließen.

Wie entspannen Sie?
Ich habe meinen Hund. Das ist ein Golden Retriever. Eine Hündin und ihr Name ist Nila.  Nila lenkt mich ab auf meinen Spaziergängen und macht mir auch so sehr viel Freude. Des Weiteren: Ich fahre gern in Wellness – Urlaube und entspanne mich. Ich möchte in einen längeren Urlaub fahren, eine Fernreise machen. Ich glaube, das ist auch mal wieder wichtig. Übrigens: Ich komme aus dem Roten Kreuz, war dort Krankenschwester. Meine damalige Oberin hat etwas gesagt, womit sie meine Frage nach einer Lohnerhöhung zu unterdrücken versuchte: „Der Lohn meiner Arbeit ist, dass ich arbeiten darf!“ Inzwischen sehe ich diesen Satz als etwas sehr Positives an:  Mein größtes Glück ist es tatsächlich,  für andere Menschen zu arbeiten und ihnen zu helfen. Das steht für mich im Vordergrund. Ich glaube, dass ich damit sicher einer aussterbenden Spezies angehöre.

Danz-Consult – da ist das Wort Beratung enthalten.  Worauf kommt es Ihnen in der Beratung an?
Die Patienten und die Angehörigen möchten viel Hintergrundwissen. Also, wie das alles zu finanzieren ist, was Sie im Detail für Leistungen bekommen.  Das liegt mir sehr am Herzen, nämlich das Optimale für den Einzelnen zu konzipieren.

Und läuft das stets problemlos?
Natürlich nicht. Gerade wenn es um die Finanzen geht.
Manchmal höre ich den versteckten Vorwurf: „Sie planen mit unserem Erbe.“

Und was sagen Sie dazu?
Naja, die Leistungsinhalte sind ja im Sozialgesetzbuch genau beschrieben. Und wenn jemand privat darüber hinaus noch Betreuung möchte, ja dann sind das eben Privatleistungen. Und die müssen auch bezahlt werden. Ich muss ja meine Mitarbeiter ebenfalls dafür entlohnen. Doch sind das  Ausnahmen.
Da hilft das offene und ehrliche Gespräch. Und danach kann man ein Paket schnüren, mit dem dann alle leben können.
Außerdem: Inzwischen gibt es ja mit dem Pflegestärkungsgesetz I seit Januar 2015 die Möglichkeit,  weitere  Betreuungs- und Entlastungsleistungen anzubieten, die über die Pflegekasse abgerechnet werden können.

Alles redet über individuelle Pflege. Woran machen Sie das fest?
Das ist das Schwerste, hier die richtigen Antworten zu finden. Im neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff ist ja einiges dazugesagt.
Für mich ragt ein Grundsatz heraus: Die Kunden haben ein Recht darauf, so zu sein wie sie sind.
Das ist ein gutes Schlußwort. Frau Hillebrecht, ich danke Ihnen für das Gespräch.